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Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten Mohammed PDF-Text
Islamkritik Startseite

Inhaltsverzeichnis

Über dieses Buch


Vorwort zur ersten Ausgabe

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Vorwort zur Neuauflage 1999

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1. Der Stammbaum Muhammads von Adam

25

2. Abdalmuttalibs Gelübde, seinen Sohn zu opfern

26

3. Eine Frau bietet sich Abdallah an

29

4. Die Worte, die Amina in der Schwangerschaft hörte

30

5. Die Geburt des Propheten und seine Amme [570]

30

6. Amina stirbt und der Prophet lebt bei seinem Großvater Abdalmuttalib [576]

34

7. Abu Talib sorgt für den Propheten [578]

35

8. Der Mönch Bahira

36

9. Muhammad heiratet Khadidja [595]

38

10. Der Wiederaufbau der Kaaba [605]

41

11. Ein Hinweis auf den Propheten im Evangelium

44

12. Die Sendung des Propheten [610]

44

13. Der Anfang der Offenbarung des Korans

48

14. Khadidja bekennt sich zum Islam

49

15. Der Beginn der Verpflichtung zum Gebet

50

16. Ali ibn abi Talib, der erste Muslim

51

17. Muhammad tritt öffentlich als Prophet auf [613]

53

18. Verhandlungen mit den Quraish

58

19. Die Quraish verfolgen die Schutzlosen unter den Muslimen

64

20. Die Auswanderung nach Abessinien (Äthiopien) [615]

65

21. Die Quraish senden eine Delegation nach Abessinien

67

22. Umar ibn Khattab wird Muslim

71

23. Die Boykotturkunde

74

24. Die Rückkehr der Auswanderer aus Abessinien

76

25. Die Aufhebung des Boykotts

76

26. Eine christliche Gesandtschaft bekehrt sich zum Islam

79

27. Die Nachtreise [620]

80

28. Die Himmelsreise [620]

96

29. Gott straft die Spötter

89

30. Abu Talib und Khadidja sterben

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31. Der Beginn des Islams bei den „Helfern“

93

32. Die erste Huldigung von Aqaba

94

33. Die zweite Huldigung von Aqaba

95

34. Das Götzenbild des Amr ibn Djamuh

100

35. Die Offenbarung des Befehls zum Kampf

101

36. Die Hidjra [die Auswanderung] des Propheten [24. September 622]

103

37. Der Gebetsruf

114

38. Die Feinde unter den Juden

116

39. Das Datum der Hidjra und die ersten Feldzüge [623]

123

40. Der Streifzug des Abdallah ibn Djahsh [624]

124

41. Die Änderung der Gebetsrichtung [624]

127

42. Die große Schlacht von Badr [17. März 624]

127

43. Gedichte über die Schlacht von Badr

141

44. Die Schlacht von Uhud [17. März 625]

144

45. Gedichte über die Schlacht von Uhud [625]

156

46. Der Kampf am Brunnen von Mauna im Februar 626

158

47. Die Vertreibung der Banu Nadir [August 625]

160

48. Der Feldzug von Dhat ar-Riqa [Mai 626]

162

49. Der letzte Feldzug nach Badr [August 626]

164

50. Die Grabenschlacht [April 627]

165

51. Der Angriff auf die Banu Quraiza [Mai 627]

176

52. Gedichte über den Grabenkrieg

182

53. Amr ibn As und Khalid ibn Walid nehmen den Islam an

184

54. Der Überfall auf die Banu Mustaliq [628]

186

55. Die Lüge, die über Aisha verbreitet wurde

188

56. Die kleine Pilgerfahrt nach Hudaibiya (bei Mekka) [März 628 n. Chr.]

195

57. Der Waffenstillstand

199

58. Der Zug nach Khaibar im Mai/Juni 628 n. Chr.

204

59. Die vollzogene Pilgerfahrt im November 629

208

60. Der Feldzug nach Muta im Mai 630

209

61. Der Grund für den Zug nach Mekka und die Eroberung [630]

213

62. Die Schlacht von Hunain im September 630

224

63. Der Zug nach Taif im Jahre 630

231

64. Die Verteilung der Beute der Hawazin

233

65. Der Zug nach Tabuk im Jahre 631

237

66. Die Gesandtschaft der Thaqif und ihre Bekehrung 631

241

67. Das Jahr 9. Das Jahr der Gesandschaft

244

68. Die Banu Harith nehmen durch Khalid ibn Walid den Islam an

245

69. Die beiden Lügenpropheten Musailima und Aswad

248

70. Die Abschiedswallfahrt 632

249

71. Die Krankheit des Propheten

251

72. Die Beisetzung des Propheten

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Über dieses Buch Top

Aus dem Arabischen übertragen und bearbeitet von Gernot Rotter

Spohr Verlag - 5. Auflage 1999 - ISBN 3-927606-40-5

Noch ein paar Worte zum Autor Ibn Ishag und zum Spohr-Verlag. Muhammad ibn Ishaq ist ein arabischer Historiker, der 704 in Medina geboren wurde und 768 in Bagdad starb. Er schrieb die Biographie Mohammeds im Jahre 750, also etwa 120 Jahre nach Mohammeds Tod. Salim E. Spohr ist der muslimische Direktor des Spohr-Verlages, der vorwiegend Bücher zum Thema Islam veröffentlicht.

Eigene Bemerkungen zum Text, die nicht vom Übersetzer stammen, werde ich in eckigen Klammern kommentieren: [Mein Kommentar]

Da die PDF-Datei maximal eine Größe von 1 MB (Megabyte) haben sollte, konnte ich die Kapitel 67 bis 70 und 72 nicht mit aufnehmen.

Dort, wo es möglich war, habe ich die Jahreszahlen, an dem sich das Geschehen ereignete, eingetragen. So bekommt man einen besseren zeitlichen Überblick. Die Zeitangaben beziehen sich allerdings auf die islamische Zeitrechnung. Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, dem Auszug Mohammeds aus Mekka, am 24. September 622. Dadurch ergibt sich gegenüber der gregorischen Zeitrechnung, die in der nichtmuslimischen Welt gebräuchlich ist, eine Zeitverschiebung von 622 Jahren , 9 Monaten und 24 Tagen. Will man das Geschehen also in gregorianischer Zeitrechnung darstellen, dann muss man diese Zeitverschiebung berücksichtigen. Da der islamische Kalender nach Mondjahren rechnet und verglichen mit dem Gregorianischen Kalender kürzer ist, wandern die islamischen Monate im Laufe mehrerer Jahrzehnte außerdem durch das Sonnenjahr. Dort, wo die Daten in gregorianischer Zeitrechnung bekannt sind, habe ich sie in Klammern hinter die islamische Zeitrechnung gesetzt. Sie stammen u.a. aus der Mohammed-Biographie Prof. Dr. Tilman Nagels.

Prof. Dr. Tilman Nagel, geboren am 19. April 1942 in Cottbus, ist einer der bekanntesten deutschen Orientalisten und Islamwissenschaftler. Er studierte an der Universität Bonn Islamwissenschaft, Vergleichende Religionswissenschaft und Zentralasienkunde. Nach seiner Promotion, der Ernennung zum Doktor, im Jahre 1967 und dem Erwerb der „venia legendi“, der Lehrberechtigung als Privatdozent, im Jahre 1971, war er bis 1981 am Seminar für Orientalische Sprachen an der Universität Bonn tätig. Danach lehrte und forschte er von 1981 bis 2007 als Professor für Arabistik und Islamwissenschaft an der Universität Göttingen. Er wurde zum Ende des Sommersemesters 2007 emeritiert. Die Emeritierung ist die altersbedingte Befreiung (Entpflichtung) eines Professors. Prof. Dr. Tilman Nagel hat wichtige Standardwerke der Islamwissenschaft verfasst. Sein bekanntestes Werk ist das im Jahre 2008 erschienene, 1.052 Seiten umfassende Buch über den Propheten Mohammed: Mohammed - Leben und Legende (Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008)

Vorwort zur ersten Ausgabe Top

Ibn Ishaq und sein Werk

Keinem arabischen Adligen mit politischen Ambitionen wäre es im sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in den Sinn gekommen, Medina zum Ausgangspunkt seiner Kariere zu machen. Die Stadt, die das Grab des Propheten Mohammed, der Friede sei auf ihm, in sich barg, lag nun, hundert Jahre nach seinem Hinscheiden (632), schon wieder abseits der großen Politik. Die Zentren des arabischen Reiches hatten sich nach Norden in den fruchtbaren Halbmond* verschoben. Von Damaskus aus regierten die umayadischen Kalifen, während sich im Irak in den alten Heerlagern Kufa und Basra die alidische und abbasidische Opposition sammelte und Bagdad schließlich Damaskus als Sitz der Kalifen ablöste. Medina hatte nur noch eines zu bieten: seine Gelehrten, die sich dem Studium des Koran hingaben, mit echten und angeblichen Worten des Propheten um Rechtsfragen stritten und dabei misstrauisch dem weltlichen Treiben der Stellvertreter des Propheten, den Kalifen, im Norden zusahen.

*Der fruchtbare Halbmond ist die Bezeichnung für das niederschlagsreiche Winterregengebiet nördlich der Syrischen Wüste bzw. im Norden der arabischen Halbinsel.

In diesem Milieu lernte und lehrte in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts in Medina ein Mann, von dem ein Zeitgenosse sagte, dass unter den Menschen das Wissen über das Leben des Propheten nicht vergehen werde, solange er lebe: unser Autor Muhammad ibn Ishaq. Seinen Großvater hatten einst die in den Irak vordringenden muslimischen Heere gefangen genommen und als Sklaven nach Medina geschickt, wo er aber bald, nachdem er den Islam angenommen hatte, die Freiheit geschenkt bekam. Seine Söhne befassten sich bereits alle mit der Überlieferung prophetischen Handelns und Sagens [den Hadithen], weshalb es nicht verwundert, dass sich auch der junge, um 704 geborene Ibn Ishaq dem gleichen Studium zuwandte. Im besonderen nahm ihn aber

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die Geschichte gefangen, ein Gebiet, dem man indes in den orthodoxen Gelehrtenkreisen Medinas noch mit Skepsis gegenüberstand. Mit einer ungewöhnlichen Begeisterung versuchte er sich alle nur möglichen Informationen zu beschaffen.

Ende der dreißiger Jahre [730] trieb ihn sein Wissensdrang und wohl auch die Suche nach dem noch kostbarem Schreibmaterial bis nach Alexandrien. Kaum nach Medina zurückgekehrt, bekam er aber den Neid seiner engstirnigen pharisäischen Kollegen zu spüren. Sie bezichtigten ihn alidischer [Ali ibn Abi Talib war der Cousins und Schwiegersohnes Mohammed, er wird als Oberhaupt des schiitischen und alevitischen Islams betrachtet] oder auch nondeterministischer Neigungen [nichts ist vorherbestimmt], wiesen ihm „schwache“ Überlieferungen nach, kritisierten, dass er sogar von Juden und Christen Berichte übernahm und schwärzten ihn schließlich mit angeblichen Frauengeschichten beim umayyadischen Statthalter an [die Umayyaden sind eine Dynastie von Kalifen, die von 661 bis 750 Oberhäupter des sunnitischen Islam waren; die Kalifen verstehen sich als Nachfolger Mohammeds]. Kein Wunder, dass ibn Ishaq beschloß, in den Irak auszuwandern. Mit Wehmut wird er seine Geburtsstadt kaum verlassen haben. Im Gegenteil, der Irak war inzwischen zum Sammelbecken zahlreicher geistiger und religiöser Strömungen geworden, die einem solchen Mann eine anregende Umgebung versprachen.

Ausserdem bahnte sich der Sturz der Umayyaden und der Sieg der Abbasiden an [Die Dynastie der Abbasiden löste 750 die Umayyaden in der Regierung des Kalifats ab.], die dann in den fünfziger Jahren mit der Gründung Bagdads einen Anziehungspunkt für Gelehrte aus allen Provinzen des Reiches schufen. Der zweite Abbasiden-Kalif Mansur (754 bis 775), erkannte wohl die Begabung und das gewaltige Wissen dieses Medinensers, der inzwischen auch Nordmesopotamien [heutiges Anatolien, Nordirak] und Persien [Iran] bereist hatte und ließ ihm jegliche Förderung angedeihen. Als Ibn Ishaq Ende der sechziger Jahre in Bagdad starb, lag das erste umfassende Geschichtsbuch der islamischen Welt vor.

Ibn Ishaq hatte sein Werk in vier Teilen konzipiert, von denen der letzte auch als selbstständiges Buch in Umlauf kam. Der erste Teil „derAnfang“ genannt, enthielt die Geschichte von der Erschaffung der Welt, den Propheten von Adam bis Jesus und den arabischen Stämmen in vorislamischer Zeit. In den beiden folgenden Teilen „die Sendung“ und „die Kämpfe“, fand sich eine umfassende Darstellung der Vita [der Biographie] des Propheten Muhammed. Im vierten Teil, „die Kalifen“, führt der Autor schliesslich die Geschichte bis auf seine Zeit fort. Das Gesamtwerk in seiner ursprünglichen Form ist uns nicht erhalten. Der

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letzte Teil muss von weniger Zitaten bei späteren Autoren abgesehen, als gänzlich verloren gelten, und das gleiche trifft auf den ersten Teil zu, doch haben sich davon längere Passagen erhalten. Dass wenigstens die beiden mittleren Teile, die uns das Leben Mohammeds schildern, fast vollständig vor dem Verlust bewahrt blieben, verdanken wir einem ägyptischen Gelehrten, der um 830 n. Chr. starb, nachdem er sich als Grammatiker und Genealoge [Familienforscher] einen bedeutenden Namen gemacht hatte: Ibn Hisham. Ein Schüler des Ibn Ishaq hatte ihm den Text aus dem Irak mitgebracht, und er gestaltete dieses Material zu jenem Buche um, das als die Sira (Vita) schlechthin bis heute die berühmte Prophetenbiographie blieb.

Wie Ibn Hisham bei der Edition des Werkes verfahren ist, erklärt er selber in seiner Anleitung: „Wenn Gott will, werde ich dieses Buch mit Abrahams Sohn Ismail und jenen aus seiner Nachkommenschaft beginnen, die die Ahnen [Vorfahren] des Propheten waren, und werde Ibn Ishaqs Berichte darüber anführen. Die anderen Nachkommen Ismails werde ich übergehen und mich ganz auf das Leben des Propheten beschränken. Deshalb werde ich auch auf einige jener Berichte aus Ibn Ishaqs Werk verzichten, in denen der Prophet nicht erwähnt wird, über die es keine koranischen Offenbarungen gibt und die weder als Kommentar noch als Zeugnis für irgendetwas in diesem Buche dienen. Weiterhin werde ich diejenigen von ihm angeführten Gedichte weglassen, die, wie ich festgestellt habe, keinem Kenner der Poesie geläufig sind. Und schließlich werde ich solche Nachrichten nicht wiedergeben, über die zu sprechen entweder widerwärtig ist oder deren Erwähnung einige Leute verletzen würde oder deren Überlieferung mir Bakkai (der Vermittler des Textes) als nicht gesichert angegeben hat. Alles andere werde ich, wenn Gott will, vollständig wiedergeben, soweit es sicher bekannt und überliefert ist.“ Anhand von Zitaten bei anderen Autoren, die Ibn Ishaqs Text benutzt haben, lässt sich feststellen, dass Ibn Hisham in der Tat den weitaus größten Teil seiner Vorlage wörtlich übernommen hat, so dass wir mit Recht Ibn Ishaq als den Autor und Ibn Hisham lediglich als den Herausgeber des Buches bezeichnen können. Nur den Teil über die vorislamische Geschichte hat er extrem verkürzt, die eigentliche Vita des Propheten aber beina-

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he vollständig übernommen. Es hat gewiss zur Popularität des Werkes beigetragen, dass Ibn Hisham an vielen Stellen, und vor allem zu schwierigen Passagen in den Gedichten, kurze Erläuterungen einschob, die er jedoch stets als seine eigenen Worte kennzeichnete.

Der eigentliche Text, wie er uns noch heute vorliegt, ist demnach etwa 120 Jahre nach Mohammeds Tod von Ibn Ishaq niedergeschrieben bzw. diktiert worden. Aus unabhängigen Vergleichszitaten ergibt sich außerdem, dass auch Ibn Ishaq den überwiegenden Teil seines Materials oft wörtlich von seinen Lehrern übernommen hat und somit die Berichte bereits im ersten islamischen Jahrhundert teils schriftlich, teils mündlich im Umlauf waren. So hatte sein von ihm häufig zitierter Lehrer Zuhri (gestorben um 742) bereits ein, heute verlorenes, Buch über die Schlachten des Propheten geschrieben, und das gleiche trifft wahrscheinlich auf seinen Zeitgenossen Asim ibn Umar zu. Eine weitere Hauptquelle Ibn Ishaqs, Urwa ibn Zubair (gestorben 712), ein Großneffe der ersten Frau des Propheten und möglicherweise der Begründer der Prophetenbiographie überhaupt, führt uns in noch frühere Zeit. Diese zeitliche Nähe der Berichterstatter zum Geschehen erklärt nicht zuletzt die überraschende Menschlichkeit, mit der Muhammed geschildert wird, und auch manchen kritischen Ton, der sich trotz Ibn Hischams redaktionellem Eingreifen erhalten hat. Der früheren schriftlichen Fixierung des Leben Muhammeds, verdankt es der Islam u.a., dass sein Begründer, von der Volksfrömmigkeit und einigen Sekten einmal abgesehen, nie in dem Maße wie andere Religionsstifter verklärt wurde. Der heutige europäische Leser möge deshalb diese menschliche, ja manchmal allzu menschlichen Züge, die er in der Biographie des Propheten finden mag, weniger der Person Muhammeds anlasten als der Ehrlichkeit seiner Biographen.

Zur literarischen Form und Übersetzungsproblematik

Als literarische Gattung nimmt die Prophetenbiographie innerhalb der arabischen Geschichtschreibung eine gewisse Sonderstellung ein. Sie ist das älteste Thema der Historiographie und sowohl inhaltlich als auch formalgeschichtlich eng

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mit dem Hadith (Nachrichten über Taten und Aussprüche des Propheten und seiner Gefährten) verbunden.. Andererseits hat gerade Ibn Ishaqs Werk aufgrund der Fülle von Gedichten und gewisser Typen von Anekdoten durchaus auch viele Berührungspunkte zur Schönen Literatur, dem Adab. Charakteristisch für die Hadith-Literatur war die Überlieferungskette (Isnad), mit deren Hilfe der Autor die Herkunft seiner Nachricht nachwies, entsprechend etwa unseren Fußnoten in wissenschaftlichen Abhandlungen. Stereotype Formulierungen wie „es berichtete mir A von B von C, dass der Prophet gesagt hat... “ lassen zwar den Eindruck aufkommen, es handele sich dabei grundsätzlich um mündliche Überlieferung, doch wissen wir heute, dass sich hinter den in solchen Formulierungen enthaltenen Namen nicht selten ältere Autoren verbergen, von denen z. B. auch Ibn Ishaq, wie bereits angedeutet, lediglich wieder abgeschrieben hat.

Diese Überliefererketten sind auch in andere Bereiche arabischer Literatur eingedrungen und verleihen ihr oft ein seltsam anmutendes atomisiertes Gepräge, als sie jede fortlaufende Darstellung, z. B. eines historischen Vorganges, ständig unterbrechen und der Leser etwa die Schilderung einer Schlacht in kleinen, oft völlig voneinander unabhängigen Augenzeugenberichten über diese oder jene private Keilerei serviert bekommt. Ibn Ishaq zeichnet sich noch wohltuend durch die spärliche Verwendung der Überliefererketten aus, ja an vielen Stellen verzichtet er völlig auf entsprechende Angaben oder fasste sie zu Beginn eines längeren Abschnittes zusammen. Dadurch wirken seine Berichte geschlossener und entsprechen mehr unserem europäischen Formgefühl, ohne dass der für die arabische Geschichtsschreibung so typisch anekdotenhafte Stil verlorenginge. Dem deutschen Leser wird, von eingestreuten Gedichten einmal abgesehen, die nüchterne Darstellungsweise auffallen, vor allem, wenn er die vielzitierte blumige Ausdrucksweise des Orients in diesem Buch zu finden glaubte. Die frühe arabische Literatur ist in ihrer Prosa nüchtern, oft sogar spröde. Dass die Darstellung trotzdem oft sehr lebendig wirkt, verdankt sie den Augenzeugenberichten und dem daraus resultierendem Stilmittel der direkten Rede, die der Araber stets jeder anderen Art von Beschränkung vorzog. Ein weiteres Merkmal der historischen

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und vielfach auch der schönen Literatur ist die ungeheure Fülle der auftretenden Namen, die dem europäischen, nicht fachlich vorgebildeten Leser den Zugang zu diesem Schrifttum mitunter sehr erschwert. Diese auf den ersten Blick geradezu abschreckende „Nomomanie“ [Namensvielfalt] hat ihre Ursache teils in der gemeinsemitischen Vorliebe für geneologische [familiäre] Verhältnisse, teils, wie im Falle der Prophetenbiographie, in dem Bedürfnis, die Haltung gewisser Familien und Stämme gegenüber dem Propheten herauszustreichen oder auch herunterzuspielen, teils in materiellen und sozialen Folgen, die sich z. B. aus der Teilnahme eines Vorfahren an einer Schlacht auf Seiten des Propheten ergeben konnten.

Diese und andere Wesenszüge der Prophetenbiographie bringen den Übersetzer ständig in einen Zwiespalt zwischen seiner Verpflichtung zur sprachlichen genauen und inhaltlich vollständigen Wiedergabe des Textes einerseits, und der Aufgabe, das Original lesbar zu machen, andererseits. Im ersten Fall nimmt er schwerfällige Formulierungen und eine große Zahl erläuternder Anmerkungen in Kauf, im zweiten Fall muss er auf manche stilistische Eigenart und auf zahlreiche sachliche Inhalte verzichten. Goethe nannte einst in seinem „Westöstlichem Diwan“ [in dem er sich auch mit dem Islam beschäftigt] die erste Übersetzungsweise das „Niederziehen auf die Wasserebene“ und charakterisierte sie als äußerst wünschenwert, doch muss man wohl hinzufügen, wünschenswert für ihn, der sich berufen fühlte, den Text dann aus dem Wasser zu holen und selbst in eine adäquate Form zu betten. Die vollkommene Übersetzung ist nach Goethes Ansicht diejenige, die „dem Original identisch ist“, und er wies auf die Voßschen Übertragungen Homers, die nach anfänglicher Ablehnung „dem geistreich-talentvollen Jüngling ungeahnte rhetorische, rhythmische, metrische Vorteile zur Hand“ gegeben hätten. Aber gerade diese Übersetzungsweise ist für das Arabische nicht möglich, denn, um mit Friedrich Rückert zu sprechen [Friedrich Rückert (1788-1866) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und einer der Begründer der deutschen Orientalistik], „dazu gehören eine nähere Verwandschaft oder eine innigere Aneignung eines fremden Bildungskreises, als deren wir bis jetzt uns in bezug auf den Orient rühmen können“. Aus Rückerts Worten ist die Hoffnung zu spüren, diese „innigere Aneignung“ werde eines Tages Wirklichkeit werden und jene Übersetzungen erlauben, die ihm vorschwebten. Heute, genau 150 Jahre nachdem Rückert diese Worte schrieb, sind

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wir der innigeren Aneignung des islamisch-arabischen Kulturkreises kaum ein Stück näher gekommen, und die Probleme des Übersetzens sind dieselben geblieben. Sie gelten auch nicht nur für die von Goethe und Rückert angesprochene Poesie, sondern in gleicher Weise für die Prosa.

Entscheidend für die Übersetzungshinweise ist der Adressat, an den die Übersetzung gerichtet ist. Es steht außer Frage, dass der Religionswissenschaftler und der Historiker, der des Arabischen nicht mächtig ist, der die Prophetenbiographie eines Ibn Ishaq aber als Quelle für seine Forschungen benutzen möchte, nach einer kommentierten wissenschaftlichen und vollständigen Übersetzung verlangt, wobei ihn Stil und Form weniger oder gar nicht zu interessieren brauchen. Auf der anderen Seite stehen aber der Lehrer, der Student, der Journalist, der Wirtschaftsfachmann, kurz alle jene, die, aus welchem Grunde auch immer, ein Interesse am Orient gefunden haben und sich anhand übersetzter Texte ein eigenes Bild von Literatur, Geschichte und Religion der Araber machen möchten. Für diesen Leserkreis wurde die Bibliothek Arabischer Klassiker geschaffen, deren ersten Band Sie nun in Händen haben.

Zur Gestaltung und Benutzung des Buches

Folgende Grundsätze und Überlegungen sind in die Übersetzung und Gestaltung des Buches eingegangen:

a) Die großen literarischen Werke der frühen und klassischen Epoche arabischen Schrifttums sind fast immer äußerst umfangreich, weshalb in der Regel nur eine Auswahl aus dem jeweiligen Text gegeben werden kann. Im vorliegenden Fall wurde etwa ein Viertel des Originals (Ibn Hishams Anmerkungen nicht mitgerechnet) übersetzt. Verzichtet wurde vor allem auf die Übertragung des umfangreichen Vorspanns über die vorprophetische Geschichte Südarabiens und Mekkas, auf die langen Namenslisten von Teilnehmern an den einzelnen Schlachten, auf Legenden und Begebenheiten, die sich vom Motiv häufig wiederholen (z B. „Wunder“ während des Grabenkrieges und die Berichte über die Abordnungen der einzelnen Stämme im Jahr der Delegationen) [Im Jahre 631, kurz vor Mohammeds Tod, zog Mohammed mit einem Heer von 30.000 Mann nach Tabuk im syrischen Einflussgebiet der Byzantiner. Das Jahr nach Tabuk wird auch das Jahr der Delegationen genannt. Nachdem die Araber erkannten, dass sie nicht die Macht besaßen, Mohammed zu bekämpfen, kamen von überall her arabische Delegationen, unterwarfen sich Mohammed und nahmen den Islam an.], auf solche Schilderungen, die für das Verständ-

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nis der Person Mohammeds und den Ablauf der Ereignisse unmittelbar ohne Bedeutung sind, und schließlich auf jene Kapitel, die reine Kommentare zu einzelnen Abschnitten des Korans darstellen. (In der Übersetzung der Koranzitate bin ich, von kleinen formalen Änderungen abgesehen, der Übertragung von Rudi Paret, Der Koran, Stuttgart 1966, gefolgt.) [Man kann die Übersetzung Rudi Parets bei koransuren.de nachlesen] Das Hauptanliegen bestand darin, die historische Abfolge und den inneren Bezug der Geschehnisse durch die Kürzungen nicht zu zerstören.

[Der Übersetzer Gernot Rotter spricht davon, dass er bei der Übersetzung der Prophetenbiographie Ibn Ishaqs auf einen Teil seines Werkes verzichtet hat. Mir fiel beim Lesen der Prophetenbiographie ebenfalls auf, dass einige Vorkommnisse in der Prophetenbiographie Gernot Rotters gar nicht erwähnt werden. So fehlen z.B. die Hinweise auf die Hinrichtungen, die Mohammed an seinen Kritikern vornehmen liess. siehe: Auftragsmorde an politischen Gegnern oder Ka'b ibn al-Aschraf.)

Jeder der Mohammed den geforderten Respekt schuldig blieb, wurde getötet. Hierzu schreibt Prof. Dr. Tilman Nagel in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 185: „In Sure 33,61 kündigt Mohammed ein hartes Einschreiten gegen seine verbliebenen Kritiker an: „Sie werden dort nur noch kurze Zeit deine Nachbarn sein.“ Mit dem Vertreiben soll es diesmal nicht abgetan sein, denn Vers 61 sagt, „sie sind verflucht und wo immer sie angetroffen werden, ergreift man sie und tötet sie auf grausame Weise.“ Dass Sure 33,61 nicht erst vom Qadi Iyad (dem islamischen Gericht) als Beleg für solch eine Bestrafung herangezogen wurde, zeigt die vorhin erwähnte widerwärtige Art der Hinrichtung des Dichters Ibrahim al-Fazari, der kopfüber an ein Holz genagelt wurde.

Es fehlt in der Prophetenbiographie Gernot Rotters ebenso die Geschichte Kinana ibn al-Rabi's, dem jüdischen Stammesoberhaupt der Banu Nadir, den Mohammed zunächst foltern und dann töten ließ, damit dieser das Geheimnis preisgab, wo der Schatz des Stammes versteckt war (siehe: Kinana ibn al-Rabi). „Banu“ ist übrigens die Bezeichnung für „Stamm“.

Ebenso wird die Vertreibung des jüdischen Stammes der Banu Quainuqa aus Medina, nach der Schlacht von Badr im Jahre 624, nicht in der Biographie Gernot Rotters erwähnt. (siehe: Banu Qainuqa) Gerhard Konzelmann* schreibt in seiner Mohammed-Biographe „Mohammed - Allahs Prophet und Feldherr“ (Sonderausgabe des Lingen Verlages 1980) über die Vertreibung der Banu Qainuqa aus Medina auf Seite 126: „Es wird berichtet, Mohammed habe durchaus mit dem Gedanken gespielt, die Männer des jüdischen Stammes (Banu Quainuqa) töten zu lassen und die Frauen als Sklavinnen zu verkaufen. Von Männern der (arabischen) Sippe Aus sei Mohammed darauf hingewiesen worden, dass er für einen Tötungsbefehl kein Verständnis bei ihnen finden könne. [Unter einer Sippe versteht man im Allgemeinen so etwas wie eine Großfamilie, ein Klan (Clan).] Seinen Standpunkt verteidigte Mohammed mit den Worten: „Die Ungläubigen, die durchaus nicht glauben wollen, werden von Allah als das ärgste Vieh betrachtet“.“]

*Gerhard Konzelmann, geboren am 26. Oktober 1932 in Stuttgart; gestorben 28. Mai 2008 ebenda, war ein deutscher Journalist. Er studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in Tübingen und Besancon (Frankreich). Konzelmann wurde vor allem als Nahostkorrespondent der ARD (Erstes deutsches Fernsehprogramm) und Moderator des „Weltspiegels“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Außerdem trat er als Sachbuchautor und Opernkomponist hervor.

b) Aus Gründen der Lesbarkeit ist es sprachlich vielfach nicht möglich, das Original „wörtlich“ wiederzugeben, sondern man muss gelegentlich in die Paraphrase [Umschreibung] ausweichen. Eine besondere Problematik stellt in diesem Zusammenhang die exemplarisch ausgewählte Poesie dar. Im allgemeinen besteht ein arabisches Gedicht aus beliebig vielen Versen, die jeweils in zwei Halbverse zerfallen. Der Reim am Ende des zweiten Halbverses zieht sich durch das ganze Gedicht. Einige Versmaße, die vor allem in Kampf- und Spottgedichten verwendet wurden, kennen die Aufteilung in Halbverse nicht und reimen jede Zeile. Neben dem Reim spielen die Versmaße eine entscheidende Rolle. Sie sind (wie auch z.B. im Griechischen) von Längen und Kürzen bestimmt, also quantitativ, und wesentlich zahlreicher als etwa in den klassischen europäischen Sprachen. Diese Metren im Deutschen qualitativ (d. h. durch Betonung der langen Silben) wiederzugeben, wie es etwa mit dem Hexameter [dem klassischen Versmaß der Dichtung] üblich ist, ist für die arabische Poesie kaum durchführbar, da etwa die gar nicht seltene Folge von drei Längen hintereinander im Deutschen ungemein schwerfällig und unnatürlich wirkt. Ich habe deshalb auf eine Nachahmung der Metren im allgemeinen verzichtet, dagegen die Zahl der Silben pro Vers annähernd beibehalten. Um den Charakter der Gedichte nicht völlig aufzugeben, bin ich jedoch beim Reim geblieben, was bei Gedichten, die sich über zwanzig und mehr Verse erstrecken, ebenfalls problematisch ist, aber doch wenigstens einen charakterischen Zug des Originals erhält. Eine solche Übersetzungsweise erfordert natürlich gewisse Freiheiten in der Wortwahl, doch habe ich versucht, zumindest die sprachlichen Bilder vollständig beizubehalten.

c) Die sachlichen Anmerkungen wurden auf ein Minimum beschränkt und finden sich am Ende des Textes. Die Namen

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derjenigen Personen, Sippen und Stämme, die in der Umgebung des Propheten oder in der auf seinen Tod folgenden Entwicklung eine bedeutende Rolle spielen, sowie einige biblische Gestalten werden im alphabetischen Verzeichnis des Anhangs kurz erläutert. Dies erleichtert es dem Leser, sich in der Fülle der Namen besser zurechtzufinden. Die wichtigsten Orte und Siedlungsgebiete der großen Stämme sind in einer Kartenskizze am Ende des Buches festgehalten. Ebenfalls im Anhang werden in einer Zeittafel Hinweise auf die Umrechnung der Daten und eine chronologische Übersicht über die wichtigsten Ereignisse gegeben sowie in einer bibliographischen Liste einige weiterführende Standardwerke und andere bisherige Übersetzungen genannt.

Tübingen, im Frühjahr 1976 - Gernot Rotter

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Vorwort zur Neuauflage 1999 Top

Es gibt wohl keinen Autor oder Übersetzer, der sich nicht freut, wenn ein Verleger ihm den Wunsch anträgt, ein längst vergessenes Werk aus seiner Feder neu aufzulegen, und dies auch noch in einem neuen strahlendem Gewand. Die von den Medien sehr positiv aufgenommene Erstauflage von 1976 hat danach in unveränderter Form drei weitere Auflagen erlebt, nämlich 1979, 1988 und 1991, davon die letzten beiden jeweils als Taschenbuch. In den Jahren danach, als das Buch vom Markt verschwunden war, wurde ich häufig vor allem von Deutschen oder in Deutschland aufgewachsenen Muslimen, die des Arabischen nicht oder nicht mehr ausreichend mächtig sind, um das Original zu lesen, gefragt, wann denn endlich mit einer Neuauflage zu rechnen sei. Der Wunsch danach erreichte gleichzeitig den muslimischen Verleger, Herrn Spohr. So fanden der Verleger und der Übersetzer leicht zusammen, um eine Neuauflage zu gestalten. Und der Verlag hat dann keine Mühen und Kosten gescheut, um dem Werk Ibn Ishaqs ein seiner Bedeutung entsprechendes Äußeres zu verleihen. So ist ein bibliophiles Kleinod entstanden, für das ich Herrn Spohr außerordentlich dankbar bin.

Hamburg, im Dezember 1998 – Ramadan 1419 – Gernot Rotter

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Das Vorwort des Verlages habe ich ausgelassen, da es sich insbesondere mit der typographischen Schreibweise befasst.

1. Der Stammbaum Muhammads von Adam Top

Mohammed ist der Sohn des Abdallah, des Sohnes des Abdalmuttalib, des Sohnes des Hashim, des Sohnes des Abdmanaf, des Sohnes des Qusayy, des Sohnes des Kilab, des Sohnes des Murra, des Sohnes des Kab, des Sohnes des Luayy, des Sohnes des Ghalib, des Sohnes des Fihr, des Sohnes des Malik, des Sohnes des Nadr, des Sohnes des Kinana, des Sohnes des Khuzaima, des Sohnes des Mudrika, des Sohnes des Ilyas, des Sohnes des Mudar, des Sohnes des Nizar, des Sohnes des Maadd, des Sohnes des Adnan, des Sohnes des Udad, des Sohnes des Muqawwam, des Sohnes des Nahur, des Sohnes des Tairah, des Sohnes des Yarub, des Sohnes des Yashdjub, des Sohnes des Nabit, des Sohnes des Ismail, des Sohnes des Ibrahim, des Sohnes des Tarih, des Sohnes des Nahur, des Sohnes des Sarugh, des Sohnes des Rau, des Sohnes des Falikh, des Sohnes des Aibar, des Sohnes des Shalikh, des Sohnes des Arfakhshadh, des Sohnes des Sam, des Sohnes des Nuh, des Sohnes des Lamk, des Sohnes des Matushalakh, des Sohnes des Akhnukh-man behauptet, dies sei der Prophet Idris; er war der erste Mensch, dem die Prophetenschaft und das Schreiben mit dem Schreibrohr zuteil wurde, des Sohnes des Yard, des Sohnes des Mahlil, des Sohnes des Qainan, des Sohnes des Yanish, des Sohnes des Shith, des Sohnes des Adam.

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2.Abdalmuttalibs Gelübde, seinen Sohn zu opfern Top

Einst gelobte Abdalmuttalib, der Großvater Muhammeds: „Wenn mir zehn Söhne geboren werden und aufwachsen, bis sie mich schützen können, werde ich einen von ihnen Gott bei der Kaaba opfern.“ [Die Kaaba ist das zentrale Heiligtum des Islam. Sie befindet sich im Innenhof der großen al-Haram-Moschee in Mekka.]

Nachdem er zehn Söhne bekommen hatte, und wusste, sie würden ihn schützen können, versammelte er sie und erzählte ihnen von seinem Gelübde. Er bat sie, sein Versprechen gegenüber Gott zu erfüllen. Sie stimmten ihm zu und fragten: „Aber wie sollen wir dies tun?“

Jeder von euch erwiderte Abdalmuttalib „nehme einen Pfeil, schreibe seinen Namen darauf und bringe ihn mir.“

Dies taten sie, und Abdalmuttalib trat mit ihnen vor den Götzen Hubal in der Mitte der Kaaba, wo dessen Götzenbild an einem Brunnen stand, in welchem man die Geschenke sammelte, die der Kaaba dargebracht wurden. [Hubal war der Hauptgott bei den arabischen Quraisch, dem herrschenden Stamm von Mekka.]

Bei Hubal lagen sieben Pfeile, die beschriftet waren. So stand auf dem einen das Wort Blutgeld, und immer wenn man sich nach einem Mord nicht darüber einig war, wer das Blutgeld zahlen sollte, loste man mit den sieben Pfeilen, und derjenige, der diesen Pfeil zog, musste das Blutgeld entrichten. Auf einem anderen Pfeil stand ja“ und auf einem dritten „nein“. Immer wenn man eine Entscheidung herbeiführen wollte, suchte man sie in den Lospfeilen, und je nachdem, ob der Pfeil mit „ja“ oder jener mit „nein“ gezogen wurde, handelte man. Auf den übrigen Pfeilen standen die Worte „er gehört zu euch“, „fremd im Stamme“, „er gehört nicht zu euch“ und „Wasser“. Wollte man nach Wasser graben, loste man mit den Pfeilen, darunter auch dem letztgenannten, und grub an jenem Orte, für den der Pfeil entschied. Wollte man einen Knaben beschneiden, eine Heirat durchführen, einen Toten bestatten, oder hegte man Zweifel über die Abstammung eines Mannes, zog man mit hundert Dirham [Währung in Arabien] und ei-

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nem Schlachtkamel zum Götzen Hubal und gab es dem Priester, dem Herrn der Pfeile. Sodann brachten sie denjenigen heran, um den es ging und sprachen: „O unser Gott! Das ist der Soundso, der Sohn des Soundso, mit dem wir dies und jenes tun wollen. Offenbare uns deshalb die Wahrheit über ihn!“

Dann baten sie den Herrn der Pfeile, das Los zu werfen. Bei „er gehört zu euch“ galt er als echtes Mitglied des Stammes, bei „er gehört nicht zu euch“ wurde er als Bundesgenosse angesehen, und bei „fremd im Stamme“ hatte er keinerlei Bindungen zu ihnen, weder von der Abstammung her noch durch ein Stammesbündnis. Immer wenn das Los in anderen Fällen „ja“ erbrachte, handelten sie entsprechend und bei „nein“ schoben sie es um ein Jahr auf und brachten es dann ein zweites mal vor. In allen ihren Entscheidungen richteten sie sich nach den Lospfeilen.

Abdalmuttalib nun sprach zum Herrn der Pfeile: „Wirf das Los über meine Söhne mit diesen Pfeilen hier!“ Und er erzählte ihm von seinem Gelübde. Dann gab ihm jeder seiner Söhne den Pfeil mit seinem Namen. Abdallah, der Vater Muhammads, war des Abdalmuttalibs jüngster und liebster Sohn, und Abdalmuttalib hoffte, das Los werde nicht auf ihn fallen. Der Priester nahm die Pfeile. Abdalmuttalib aber stand beim Götzen Hubal und betete zu Gott. Doch das Los fiel auf Abdallah, und Abdalmuttalib nahm ihn an die Hand, ergriff das große Messer und brachte ihn zu den Götzenbildern des Isaf und der Naila, um ihn dort zu opfern. [Die Araber beteten in der vorislamischen Zeit die Götter Lat, Uzza, Hubal, Manat, Isaf und Naila an. Von den Moslems wurden diese Götter herabwürdigend als Götzen bezeichnet.] Da kamen die Quraish* aus ihren Versammlungen und fragten ihn: „Was hast du vor, Abdalmuttalib?“ „Ich will ihn opfern“, erwiderte dieser, doch die Quraish und seine eigenen Söhne baten ihn flehend: „Bei Gott! Opfere nicht deinen Sohn, nicht bevor du nicht ein Sühnegeld angeboten hast. Sonst werden die Männer fortan immer ihre Söhne bringen und schlachten. Was wird dann aus den Menschen werden?“ Und Mughira aus der Sippe Makhzum, dessen Großmutter aus Abdalmuttalibs Familie stammte, beschwor ihn: „Bei Gott! Opfere deinen Sohn nicht, bevor du nicht ein Sühnegeld angeboten hast. Wir würden unser ganzes Vermögen geben, um ihn loszukaufen.“

*[Die Quraish (auch Quraisch, Quraysh oder Koreisch) sind ein arabischer Stamm, von dem der Prophet Mohammed abstammt. Die Quraish führen ihre Abstammung auf Abraham zurück. Während des frühen 6. Jahrhunderts übernahmen die Quraish die Kontrolle über die Stadt Mekka und die schon in vorislamischer Zeit als Heiligtum verehrte Kaaba. Sie konnten sich vor allem als erfolgreiche Händler etablieren.]

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Und die Quraish und seine Söhne forderten ihn auf: „Tue es nicht! Sondern ziehe mit ihm nach Medina. Dort lebt eine Seherin, die einen Geist besitzt. Frage sie und handle entsprechend. Befiehlt sie dir, ihn zu opfern, so tue es. Entscheidet sie aber auf einen glücklichen Ausgang für dich und für ihn, so nimm es an.“

Da machten sie sich auf den Weg nach Medina, wo man ihnen sagte, die Seherin sei in Kheibar. Sie ritten weiter, bis sie bei ihr anlangten und befragten sie. Abdalmuttalib erzählte ihr von sich und seinem Sohn, was er mit ihm tun wollte und was er gelobt hatte. „Laß mich für heute allein“, bat sie sie, „damit mein Geist zu mir kommen und ich ihn befragen kann.“ Sie entfernte sich und Abdalmuttalib betete wieder zu Gott. Als sie am nächsten Tag zu ihr zurückkehrten, sprach sie: „Ich habe die Botschaft empfangen. Wie hoch ist das Blutgeld bei euch?“ „Zehn Kamele“, antworteten sie wahrheitsgemäß, und die Seherin fuhr fort: „So kehrt in euer Land zurück. Nehmt dort euren Gefährten [Abdallah] und zehn Kamele und lasst die Lospfeile über sie und ihn entscheiden. Fällt das Los gegen ihn aus, so vermehrt die Zahl der Kamele, bis euer Herr zufrieden ist. Entscheidet das Los gegen die Kamele, so opfert sie an seiner statt. Euer Herr ist dann zufrieden und euer Gefährte gerettet.“

Sie verließen die Seherin und kehrten nach Mekka zurück. Nachdem sich alle darauf geeinigt hatten, brachten sie Abdallah und zehn Kamele, während Abdalmuttalib beim Bilde Hubals stand und zum erhabenen Gott betete. Die Pfeile wurden geworfen und das Los entschied gegen Abdallah. Da brachten sie zehn weitere Kamele und Abdalmuttalib betete wieder zu Gott, doch das Los entschied erneut gegen Abdallah. So verfuhren sie weiter und das Los entschied immer gegen Abdallah, bis hundert Kamele erreicht waren. Erst dann fiel das Los auf die Kamele, und die Quraish und alle anderen riefen: „Nun ist dein Herr zufrieden, Abdalmuttalib!“ Doch Abdalmuttalib, so wird behauptet, entgegnete: „Nein, bei Gott, erst wenn ich das Los noch dreimal habe entscheiden lassen.“

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So warfen sie erneut die Pfeile über Abdallah und die Kamele, während Abdalmuttalib zu Gott betete. Und dreimal entschied das Los gegen die Kamele. Da wurden diese geschlachtet und niemand daran gehindert, von ihrem Fleisch zu essen.

3. Eine Frau bietet sich Abdallah an Top

Als Abdalmuttalib danach seinen Sohn Abdallah bei der Hand nahm und mit ihm wegging, trafen sie bei der Kaaba die Schwester des Waraqa ibn Naufal. Diese blickte Abdallah ins Antlitz und fragte ihn: „Wohin gehst du Abdallah?“ „Mit meinem Vater.“ „Du erhälst so viele Kamele, wie für dich geschlachtet wurden, wenn du mir sogleich beiwohnst.“ „Mein Vater ist bei mir und ich kann ihm nicht zuwider handeln, noch mich von ihm trennen.“

Abdalmuttalib setzte seinen Weg mit Abdallah fort und brachte ihn zu Wahb ibn Abdmanaf, der damals an Abstammung und Adel der Führer der Sippe Zuhra vom Stamme Quraish war. Dieser gab Abdallah seine Tochter Amina zur Frau, die damals unter den Quraish die edelste war. Sogleich vollzog Abdallah mit ihr die Ehe und sie empfing den Gesandten Gottes. Als Abdallah sie darauf verließ und zu der Frau ging, die sich ihm zuvor angeboten hatte, fragte er sie: „Was ist mit dir, dass du mir heute nicht mehr anbietest, was du mir gestern angeboten hast?“ „Das Licht“, sprach sie, „dass dich gestern begleitet hat, hat dich verlassen. Ich brauche dich deshalb nicht mehr.“

[So etwas würde ich als nachträgliche Glorifizierung Mohammeds, bzw. seines Vaters Abdallah, bezeichnen. Da glaubt man zu wissen, dass Amina, die Frau Abdallahs, den Gesandten Gottes empfangen hat und die Schwester des Waraqa ibn Naufal will bei Abdallah ein Licht gesehen haben. Mir erscheint es ohnehin als sehr unwahrscheinlich, dass zu jener Zeit eine Frau auf offener Straße und dazu noch im Beisein des Vaters überhaupt den Mut gehabt hätte, die Frage zu stellen, ob ein Mann ihr beiwohnt. Aber man möchte den gläubigen Moslems offenbar den Eindruck vermitteln, dass von Abdallah ein Licht ausgegangen sei.]

Von ihrem Bruder Waraqa, der Christ geworden war und die Schriften las, hatte sie nämlich gehört, dass in diesem Volke ein Prophet erscheinen werde. So aber war der Gesandte Gottes der Edelste und Vornehmste seines Volkes, sowohl von seines Vaters wie von seiner Mutter Seite.

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4. Die Worte, die Amina in der Schwangerschaft hörte Top

Die Menschen erzählen, dass zu Amina, als sie den Propheten unter dem Herzen trug, eine Stimme kam, die zu ihr sprach: „Du hast empfangen den Herrn dieses Volkes, und wenn er geboren wird, so sprich: „Ich gebe ihn in die Obhut des Einzigen vor dem Übel eines jeden Neiders. Und nenne ihn Muhammad, den Gepriesenen!“

[Die Menschen erzählen viel. Muss man es deswegen glauben?]

Auch Amina sah in der Schwangerschaft, wie ein Licht von ihr ausging, indem sie die Schlösser von Busra in Syrien erblickte. Nur kurz nachdem Amina den Propheten empfangen hatte, starb Abdallah, der Vater Muhammads.

Da Ibn Ishaq sich immer wieder auf die islamischen Zeitrechnung bezieht, möchte ich hier einmal die islamische Bezeichnung der 12 Monatsnamen wiedergeben:

01. Monat - Muharram
02. Monat - Safar
03. Monat - Rabi al-awwal
04. Monat - Rabi ath-thani
05. Monat - Dschumada  l-ula
06. Monat - Dschumada th-thaniyya
07. Monat - Radschab
08. Monat - Schaban
09. Monat - Ramadan
10. Monat - Schawwal
11. Monat - Dhu l-qada
12. Monat - Dhu l.hiddscha

5. Die Geburt des Propheten und seine Amme [570] Top

Der Prophet wurde am Montag dem 17. des Monats Rabi I. im Jahr des Elefanten2 geboren. 2[Tilman Nagel nennt auf Seite 99 März 569 n.Chr. als Geburtsdatum Mohammeds] Nach der Geburt sandte Amina einen Boten zu seinem Großvater Abdalmuttalib und ließ ihm sagen: „Ein Knabe wurde dir geboren. Komm und sieh ihn dir an.“ Abdalmuttalib kam und betrachtete ihn. Amina aber erzählte ihm, was sie in der Schwangerschaft gesehen und gehört und welchen Namen ihn zu geben man sie geheißen hatte. Da nahm Abdalmuttalib den Knaben, brachte ihn in die Kaaba und betete zu Gott, um ihm für seine Gabe zu danken. Und nachdem er ihn zu seiner Mutter zurückgebracht hatte, suchte er eine Amme für ihn und wählte dafür schließlich eine Frau vom Stamme „Sad ibn Bakr“, namens Halima, Tochter des Abu Dhuaib.

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[Der arabische Nomadenstamm „Sad ibn Bakr“, in dem Mohammed etwas mehr als zwei Jahre lang von einer Amme aufgezogen wurde, ist ein Unterstamm der Hawazin. Der Stamm der Hawazin kämpfte am 31. Januar 630 (siehe Tilman Nagel Seite 425) zusammen mit dem arabischen Stamm der Thaqif aus Taif bei Hunain gegen Mohammed, wobei Mohammed die Schlacht gewann. Wir kommen später darauf zurück.]

[Tilman Nagel schreibt auf Seite 327 über das Verhältnis von Abdallah zu Amina: „Daneben gab es im alten Arabien eine Form legaler Beziehungen zwischen Mann und Frau, die man als gekauften Geschlechtsverkehr bezeichnen kann. Wir lernten sie kennen, als Abdalmuttalib seinen Sohn Abdallah mit Amina bt. Wahb zusammenbrachte. Das Entgelt, das die Frau erhielt scheint ihr Eigentum gewesen zu sein. Sie selber verblieb in der Sippengemeinschaft, in die hinein sie geboren war. Und wenn man sich die spärlichen Nachrichten über die Kindheit Mohammeds in Erinnerung ruft, muss auch die Erziehung des aus einer solchen Verbindung hervorgegangenen Sohnes der Mutter oblegen haben.

Als Säugling jedoch war Mohammed einer Amme von den Banu Bakr übergeben worden, zu der er noch als Erwachsener eine tiefe Zuneigung hegte. Möglicherweise war es üblich, Söhne aus solch einer uxorilokalen Verbindung (der Ehemann siedelt zum Wohnsitz der Ehefrau) durch Ammen aufziehen zu lassen, wenn deren spätere Eingliederung in die Sippe des Vaters verabredet worden war. Ein solcher Brauch würde die in der Überlieferung über die frühe Kindheit Mohammeds vorausgesetzte Erwerbsmässigkeit des Stillens fremder Kinder erklären, vielleicht auch die hohe Wertschätzung der Milchbruderschaft, die als eine durch die Sippe des Erzeugers gelenkte Stiftung einer Bindung aufzufassen wäre, durch die die Erinnerung an die leibliche Mutter überdeckt werden sollte. Dies aber bleibt alles eine Vermutung, solange eine gründliche Auswertung der reichen Quellen zum vor- und frühislamischen Arabien noch aussteht. (Mohammed wurde zusätzlich zum Kind der Amme Halima gestillt, dieser war also sein „Milchbruder“)]

Djahm, der Freigelassene des Harith vom Stamme Djumah, berichtete mir die folgende Geschichte, die ihm Abdallah ibn Djafar ibn abi Talib erzählt hatte, der sie von Halima selbst gehört hatte.

Halima, die Amme des Propheten, erzählte, wie sie und andere Frauen des Stammes mit ihrem Mann und einem kleinen Sohn im Säuglingsalter ihre Heimat verließen, um sich als Ammen fremde Säuglinge zu suchen. Es war damals, so erzählte sie, ein Jahr der Dürre, das uns nichts mehr zum Leben ließ. Auf einer mondfarbenen Eselin brach ich auf. Bei uns hatten wir eine alte Kamelin, die keinen Tropfen Milch mehr gab. Des Nachts konnten wir nicht schlafen, weil unser Kind, dass wir dabei hatten, vor Hunger weinte. Meine Brust war leer und auch der Euter der Kamelin. Doch wir hofften dass Regen kommen und unsere Reise ein glückliches Ende nehmen würde. Ich ritt auf meiner Eselin; sie war so schwach und abgemagert, dass ich den Zug der Karawane verzögerte und den anderen zur Last fiel. Endlich erreichten wir Mekka und suchten nach Säuglingen. Auch Muhammad wurde einer jeden von uns angeboten, doch lehnten wir alle ab, als wir erfuhren, dass er ein Waisenkind war. Wollten wir doch den Lohn vom Vater und sprachen deshalb: „Ein Waise! Was können seine Mutter und sein Großvater uns schon geben!“ [Mohammeds Vater Abdallah starb bereits einige Wochen vor Mohammeds Geburt.]

Schliesslich hatten alle Frauen, die mit mir gekommen waren, einen Säugling, nur ich nicht. Als wir uns zum Aufbruch sammelten, bat ich deshalb meinen Mann: „Bei Gott, ohne einen Säugling kehre ich mit meinen Gefährtinnen nicht zurück! Lass mich deshalb jenes Waisenkind holen und es mitnehmen!“ „Ich habe nichts einzuwenden,“ entgegnete er, „vielleicht wird Gott uns dafür segnen.“

So holte ich Muhammad allein aus dem Grunde, weil ich kein anderes Kind gefunden hatte. Nachdem ich mit ihm zu unserem Gepäck zurückgekehrt war, setze ich ihn auf meinen Schoß und, siehe da, meine Brüste gaben so viel Milch, wie er nur wollte. [Mohammeds Einfluss wird hier und auf den folgenden Seiten wieder etwas ausgeschmückt.] Er und auch mein eigener Sohn tranken, bis sie gestillt waren und einschliefen. Dabei hatten wir vorher mit unserem Kind nie Schlaf gefunden. Und als mein Mann zu jener alten Kamelin ging, da

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war auch sie voll mit Milch. Er molk, soviel wir beide trinken konnten, bis wir vollständig gesättigt waren und eine gute Nacht verbrachten. Als wir des Morgens erwachten, sagte mein Mann: „Wisse Halima! Du hast, bei Gott, einen gesegneten Menschen an dich genommen.“

Bei Gott, ich hoffe es,“ antwortete ich ihm. Wir brachen auf. Ich ritt auf meiner Eselstute und trug Muhammad bei mir. Und, bei Gott, mein Reittier lief nun so schnell, dass meine Begleiter mit ihren Eseln nicht mehr mithalten konnten und meine Gefährtinnen mir zuriefen: „Tochter des Abu Dhuaib, nimm doch Rücksicht auf uns! Ist das denn nicht dieselbe Eselin, mit der du von zu Hause aufgebrochen bist?“ „Doch, bei Gott, sie ist es!“, erwiderte ich. Sie aber wunderten sich und sprachen über mich: „Wahrlich, Großes wird mit ihr geschehen.“

Dann erreichten wir unsere Lagerplätze im Gebiet unseres Stammes Sad. Ich kenne, bei Gott, kein unfruchtbareres Land als dieses, doch als wir nun mit Muhammad ankamen, kehrten meine Ziegen und Schafe am Abend fett und voll mit Milch von der Weide zurück. Indes, während wir molken und tranken, fanden die anderen in den Eutern ihrer Tiere keinen Tropfen. Und auch, als sie ihren Hirten befahlen, dorthin zu ziehen, wo mein Hirte das Vieh hatte weiden lassen, kamen ihre Herden hungrig zurück und gaben keinen Tropfen Milch, während die meinen fett und milchreich waren.

Zwei Jahre lang erfuhren wir Gottes Gnade, bis ich Muhammad entwöhnte. Er wuchs heran wie kein anderer Junge und war bereits ein kräftiges Kind. Als wir ihn einmal zu seiner Mutter brachten, fürchtete ich nach all dem Segen, den wir durch ihn erfahren hatten, dass sie ihn nicht mehr bei uns lassen würde und bat sie deshalb: „O lasse ihn doch bei mir, bis er größer ist, denn ich habe Angst um ihn wegen der Pest in Mekka.“ Wir drangen so lange in sie, bis sie ihn mir wieder mitgab.

Einige Monate nach der Rückkehr hütete er eines Tages zusammen mit seinem Milchbruder hinter unseren Zelten die Schafe, als unser Sohn plötzlich herangelaufen kam und rief:

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Dieser mein Bruder vom Stamme Quraish – zwei Männer in weißen Gewändern haben ihn gepackt, zu Boden geworfen, ihm den Leib geöffnet und sein Herz geschüttelt.“

Sofort liefen mein Mann und ich zu ihm hin, und fanden ihn, wie er mit bleichem Gesicht dastand. Wir fassten ihn an und fragten: „Was ist mit dir geschehen?“ „Zwei Männer mit weißen Gewändern,“ begann er zu erzählen, „kamen zu mir, warfen mich nieder, öffneten meinen Leib und suchten irgendetwas darin.“

Wir brachten ihn zum Zelt zurück, aber mein Mann sprach zu mir: „Halima, ich fürchte, ein Geist ist in den Knaben gefahren. Gib ihn seiner Mutter zurück, bevor er sich offen an ihm zeigt!“ So brachten wir ihn zu seiner Mutter, die erstaunt fragte: „Was führt dich mit ihm her, Amme? Du wolltest doch unbedingt, dass er bei dir bleibt.“ „Gott“, so begann ich, „hat meinen Sohn soweit gedeihen lassen, und ich habe meine Pflicht getan. Nun fürchte ich, es könnte ihm etwas geschehen, und bringe ihn dir deshalb zurück, wie du es wünschest.“ „Was hast Du? Sag mir die Wahrheit! Was ist geschehen?“ Und sie bat mich solange, bis ich ihr alles erzählte. Dann fragte sie mich: „Hast du Angst um ihn, vor dem bösen Geist?“ „Ja“, gestand ich, doch sie fuhr fort: „Nein, bei Gott, der böse Geist kann ihm nichts tun. Großes wird mit ihm geschehen. Soll ich dir von ihm erzählen?“

Und als ich sie darum bat, schilderte sie mir, wie sie in der Schwangerschaft ein Licht gesehen hatte, dass sie noch nie eine leichtere Schwangerschaft als die mit ihm gesehen hatte und dass er bei der Geburt die Hände auf den Boden und den Kopf gen Himmel gerichtet habe. [Gebetshaltung?] Mich aber schickte sie weg, indem sie sprach: „So lasse ihn denn hier und gehe in Frieden!“

Von einem gelehrten Mann, ich glaube, es kann nur Khalid ibn Madan gewesen sein, hat mit Thaur ibn Yazid folgendes erzählt:

Den Propheten baten einmal einige seiner Genossen, ihnen von sich selbst zu erzählen. Er kam ihrer Bitte nach und sprach:

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Ich bin das Gebet meines Vaters Abraham und die frohe Botschaft meines Bruders Jesus. Meine Mutter sah, als sie mit mir schwanger war, ein Licht von sich ausgehen, dass ihr die Schlösser Syriens erleuchtete. Gestillt wurde ich im Stamme der Banu Sad ibn Bakr. Und als ich eines Tages mit meinem Milchbruder hinter unseren Zelten die Schafe hütete, kamen zu mir zwei Männer in weißen Gewändern mit einem goldenen Becken, gefüllt mit Schnee. Sie packten mich, öffneten mir den Leib, nahmen mein Herz heraus, spalteten es, entnahmen einen schwarzen Blutklumpen und warfen ihn weg. Dann wuschen sie mein Herz und meinen Leib, bis sie sie gereinigt hatten.“

Schließlich sprach der eine zum anderen: „Wiege ihn gegen zehn aus seinem Volke auf!“ Er tat es und ich [Mohammed] wog sie auf. Und weiter sprach er: „Wiege ihn gegen hundert aus seinem Volke!“Er tat es und ich wog sie auf. „Wiege ihn gegen tausend aus seinem Volke!“ fuhr er fort, und wieder wog er mich, und ich wog sie auf. Dann erst sprach er: „Lass ab von ihm, bei Gott, auch wenn du ihn gegen sein ganzes Volk wiegst, wird er es aufwiegen.“

6. Amina stirbt und der Prophet lebt bei seinem Großvater Abdalmuttalib [576] Top

Der Gesandte Gottes lebte bei seiner Mutter und seinem Großvater Abdalmuttalib unter dem Schutze und der Obhut Gottes, der ihn für die Ehre, die er ihm angedeihen lassen wollte, wie eine schöne Pflanze heranwachsen ließ. Als der Prophet sechs Jahre alt war, starb aber seine Mutter Amina, die Tochter des Wahb. Muhammad blieb bei seinem Großvater Abdalmuttalib. Diesem hatte man im Schatten der Kaaba eine Liegestatt aufgestellt, um welche seine Söhne herumsaßen und warteten, bis er jeweils aus der Kaaba herauskam. Aus Ehrfurcht vor ihm wagte es keiner, sich daraufzusetzen. Nur der Gesandte Gottes kam oft

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und nahm Platz darauf, obwohl er noch ein Knabe war. Stets versuchten zwar seine Onkel, ihn davon fern zu halten, aber immer wenn Abdalmuttalib dies sah, sprach er: „Laßt meinen Jungen! Bei Gott, Großes wird mit ihm geschehen.“ Dann pflegte er ihn zu sich auf das Bett zu setzen und ihm den Rücken zu streicheln. Alles, was er ihn tun sah, erfreute ihn.

Als der Prophet acht Jahre alt war, starb aber auch Abdalmuttalib ibn Hashim und sein Sohn Abbas übernahm den Dienst am Zamzam-Brunnen3 und das Austeilen des Wassers, obwohl er der jüngste seiner Söhne war. Später bestätigte ihn der Prophet in diesem Amt, welches deshalb bis heute in den Händen der Nachkommen des Abbas liegt.

3Der Zamzam-Brunnen liegt nördlich der Kaaba und wurde nach der islamischen Legende von [Erzengel] Gabriel geöffnet, um Hagar3.1 und Ismail3.2 vor dem Verdursten zu retten. Er soll eine Zeitlang zugeschüttet gewesen und vom Großvater des Propheten, Abdalmuttalib, wieder ausgegraben worden sein. Die Verteilung des heiligen und heilsamen Wassers an die Pilger war eines der Ämter, die mit der Kaaba verbunden waren.

3.1[Hagar ist eine ägyptische Sklavin aus dem alten Testament. Da das Paar Abraham und Sara kinderlos zu bleiben scheint, wohnt Abraham auf Bitten seiner Frau der ägyptischen Sklavin Hagar bei.]

3.2[Ismail ist im Islam der erste Sohn Abrahams (in der Bibel Ismael) und ein Prophet des Islam]

7. Abu Talib sorgt für den Propheten [578] Top

Nach dem Tode seines Großvaters Abdalmuttalib, lebte Muhammad bei seinem Onkel Abu Talib, dessen Fürsorge ihn Abdalmuttalib empfohlen hatte, da Abdallah, der Vater des Propheten und Abu Talib sowohl von ihres Vaters, wie von ihrer Mutter Seite, Brüder waren. So sorgte fortan Abu Talib für den Propheten, der ihn ganz bei sich aufnahm.

Yahya ibn Abbad erzählte mir die folgende Geschichte, die er von seinem Vater gehört hatte:

Im Stamme Libh lebte ein Seher. Immer wenn er nach Mekka kam, brachten die Männer von Quraish ihre Söhne zu ihm, damit er sie sich betrachtete und für sie in die Zukunft sehe. Zusammen mit den anderen ging eines Tages auch Abu Talib mit Muhammad zu dem Seher. Dieser betrachtete ihn, wurde dabei aber durch irgend etwas abgelenkt. Als er sich ihm wieder zuwenden wollte, sah er ihn nicht mehr und rief: „Wo ist der Junge? Bringt ihn her!“ Abu Talib hatte des Sehers besondere Aufmerksamkeit für Muhammad bemerkt und ihn deshalb vor ihm verborgen. Der Seher rief:

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Wehe euch, bringt mir den Jungen zurück, den ich gerade gesehen habe! Bei Gott, Großes wird mit ihm geschehen!“ Abu Talib aber brachte Muhammad weg.

8. Der Mönch Bahira Top

Abu Talib zog eines Tages als Händler mit einer Karawane nach Syrien. Nachdem er die Vorbereitungen beendet und sich für die Reise entschieden hatte, wurde er vom Propheten leidenschaftlich bedrängt, so dass er Mitleid mit ihm empfand und sagte: „Bei Gott, ich will ihn mitnehmen und wir wollen uns niemals trennen.“

So machte er sich mit ihm auf die Reise. In Busra, in Syrien, wo die Karawane anlangte, lebte ein Mönch namens Bahira in seiner Klause. Er kannte die Bücher der Christen. Schon immer hatten in jener Klause Mönche gelebt, die ihr Wissen aus einem Buch schöpften, dass sie, so wird behauptet, einer zum anderen weitervererbten. Die Mekkaner waren früher schon oft bei diesem Mönch vorbeigekommen, doch hatte er nie mit ihnen gesprochen, noch sich irgendwie um sie gekümmert. Als sie aber in diesem Jahr in der Nähe seiner Klause lagerten, bereitete er ihnen ein großes Mahl. Er hatte nämlich in seiner Zelle gesehen, dass eine Wolke den Propheten in der sich nähernden Karawane beschattete. Und nachdem diese dann herangekommen war [die Karawane] und sich in der Nähe unter einem Baum gelagert hatte, bemerkte er, wie die Wolke Schatten über den Baum breitete und dessen Zweige sich so über Mohammed bogen, dass er darunter Kühlung fand. Als Bahira dies sah, kam er aus seiner Klause und ließ ihnen sagen: „Ich habe euch ein Mahl bereitet, Männer von Quraish. Ich möchte, dass ihr alle kommt, jung und alt, Sklave und freier Mann.“

Bei Gott, Bahira. Bedeutsames ist heute an dir“, erwiderte einer von ihnen und fuhr fort: „Noch nie hast du dies für uns getan, und wir sind schon oft bei dir vorbeigekommen. Was ist

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heute mit dir.“ „Du hast recht. Es ist, wie du sagst. Aber ihr seid Gäste und ich möchte euch mit einem Mahl ehren, an dem ihr alle teilhaben sollt.“ Da kamen sie alle zu ihm. Nur Muhammad blieb wegen seines jungen Alters beim Gepäck unter dem Baum zurück. Als nun Bahira sich unter seinen Gästen umsah, erblickte er nicht das Zeichen, dass er aus dem Buche kannte. Deshalb sprach er: „Nicht ein einziger von euch, Männer von Quraish, soll meinem Mahle fern bleiben!“

Bahira“, antworteten sie ihm, „keiner, dem es gebühre zu dir zu kommen, ist zurückgeblieben. Nur einen Knaben, den jüngsten von uns, haben wir bei unserem Gepäck gelassen.“ „Tut dies nicht“; bat er uns, „ruft ihn, damit er mit euch am Mahle teilnimmt!“ Und ein Mann von den Quraish pflichtete ihm bei: „Bei den Göttinnen Lat und Uzza, wir haben Tadel verdient, dass wir den Sohn Abdallahs, des Sohnes des Abdalmuttalib, zurückgelassen haben.“

Und er ging zu Mahammad, trug ihn in seinen Armen herbei und ließ ihn unter seinen Gefährten sitzen. Als Bahira ihn sah, begann er ihn eindringlich zu beobachten und die Merkmale an seinem Körper zu betrachten, von denen er aus seinem Buche wußte, dass sie ihn kennzeichneten. Nachdem seine Gäste das Mahl beendet hatten und weggingen, trat Bahira zu Muhammad und flehte ihn an: „O Knabe, ich bitte dich bei Lat und Uzza, beantworte mir, was ich dich frage.“ Die beiden Göttinnen rief er vor Muhammad nur deswegen an, weil er zuvor seine Begleiter bei ihnen hatte schwören hören. Der Prophet erwiderte: „Bitte mich nicht bei Lat und Uzza, denn nichts hasse ich mehr als diese beiden!3.3

3.3[Ich halte die Aussage Mohammeds, dass er die Götter Lat und Uzza hasst, zu diesem Zeitpunkt für sehr unwahrscheinlich. Schließlich war er noch ein Knabe, wie die Biographie schreibt. Seine „Offenbarungen“ aber empfing er erst mit etwa 40 Jahren. Es erscheint mir sehr unwahrscheinlich, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt an den Monotheismus glaubte und die Götter Lat und Uzza hasste. Wahrscheinlich ist die Aussage Mohammeds über die Götter Lat und Uzza genau so unwahrscheinlich, wie die Geschichte mit der Wolke, die in der Wüste über Mohammed schwebte und ihm Schatten spendete. Wahrscheinlich gab es auch den Mönchen Bahira gar nicht. Ich wüßte auch nicht, wo in der Bibel irgendwelche Körpermerkmale von irgendwelchen „Propheten“ beschrieben werden. Wahrscheinlich sollen die Aussagen der Prophetenbiographie beweisen, dass der Prophet Mohammed bereits in der Bibel angekündigt wurde, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Ich werde später noch darauf eingehen.]

So bitte ich dich denn bei Gott“, sprach Bahira, „mir meine Fragen zu beantworten!“ Muhammad willigte ein, und der Mönch begann, sich nach seinen Träumen, seinem Körper und anderem zu erkundigen. Muhammad erzählte ihm alles. Alles stimmte mit den Merkmalen überein, die Bhira aus seinem Buche kannte. Schließlich betrach-

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tete er auch seinen Rücken und sah an der bestimmten Stelle zwischen seinen Schultern das Siegel der Prophetenschaft. Nachdem er dies alles erfahren hatte, brachte er Muhammad zu seinem Onkel Abu Talib zurück und fragte ihn: „Wie steht dieser Junge zu dir?“ „Er ist mein Sohn.“ „Dies kann nicht sein, denn sein Vater sollte nicht mehr leben.“ „Ja, es ist der Sohn meines Bruders.“ „Und was ist mit deinem Bruder geschehen?“ „Er ist gestorben, als seine Frau mit dem Jungen schwanger war.“

Nun hast du die Wahrheit gesprochen. Bringe deinen Neffen zurück in seine Heimat und nehme ihn in acht vor den Juden, denn wenn sie an ihm sehen und erkennen werden, was ich an ihm bemerkt habe, werden sie ihm Schlimmes antun. [Bereits hier beginnen die ersten antisemitischen Anklänge.] Überaus Großes wird mit deinem Neffen geschehen. So bringe ihn nun schnell zurück!“

Nachdem Abu Talib in Syrien seine Handelsgeschäfte beendet hatte, zog er deshalb eilends mit Muhammad zurück nach Mekka. Und Muhammad wuchs heran, wobei Gott ihn behütete und beschützte und ihn vor der Unreinheit des Heidentums3.4 bewahrte, da er ihn ehren und mit der Prophetenschaft auszeichnen wollte, bis er das Mannesalter erreichte und in seinem Volke der Tugendhafteste war, der Beste und Edelste, der Hilfsbereiteste und Sanftmütigste, der Aufrichtigste und Treueste und am weitesten entfernt von Zuchtlosigkeit und schlechtem Charakter. Bald nannte man ihn wegen all der guten Eigenschaften, die Gott in ihm vereinigt hatte, nur noch Amin, den Treuen.

3.4[Hier nun auch die ersten negativen Äußerungen gegenüber den Heiden, (den Götzenanbetern). Man spricht von der „Unreinheit des Heidentums“. Liest man die Eigenschaften mit denen Mohammed charakterisiert wird (tugendhaft, edel, hilfsbereit, sanftmütig, aufrichtig, treu, frei von Zuchtlosigkeit und schlechtem Charakter) dann ist dies genau das Bild, welches die meisten Moslems von Mohammed haben. Leider stimmt dieses Bild nicht mit der Realität überein. Das werden wir auch hier in der Biographie Mohammeds noch zu lesen bekommen. Bis zu seiner Auswanderung aus Mekka mag Mohammed durchaus einen edlen Charakter gehabt haben. Dies änderte sich allerdings mit dem Auszug aus Mekka. Er war keineswegs mehr der Sanftmütigste. Vielmehr war er eher der Gnadenlose, der seinen Zorn gegen jeden richtete, der nicht seiner Meinung war. So schreibt Gerhard Konzelmann in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 126: „Wen Mohammed hasste, den verfolgte er mit äußerster Hartnäckigkeit.“

Dass Mohammed nicht unbedingt der Zuchtloseste war, erkennt man wohl daran, dass er nach dem Tod seiner ersten Frau Kjadidja mindestens 9 weitere Ehefrauen hatte (siehe: Familie Mohammeds) und mit großer Sicherheit noch etliche Sklavinnen, mit denen der Geschlechtsverkehr, laut der Koransure 23,1-6, ebenfalls erlaubt war. In Tilman Nagels Mohammed-Biographie lesen wir auf Seite 331: „Unbeschränkt dürfen hingegen die Sklavinnen zum Beischlaf benutzt werden.“

Mohammeds jüngst Frau war Aischa. Er heiratete sie mit 6 Jahren und vollzog mit ihr zum ersten Mal die Ehe (hatte mit ihr Geschlechtsverkehr) als sie 9 Jahre als war. Hierzu sagt der islamische Gelehrte Sahih Bukhari (810-870) in Hadith 60,25 (Die Heirat): „Aischa, Allahs Wohlgefallen auf ihr, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, seine Eheschließung mit ihr vornahm, als sie sechs Jahre alt war, und mit ihr die ehelichen Beziehungen erst unterhielt, als sie neun Jahre alt war, und dass die Ehe mit ihm insgesamt neun Jahre dauerte (bis er starb).“ Mohammed war zu dieser Zeit 53 Jahre alt (siehe: Tilman Nagel: Seite 328. Das erinnert mich doch sehr stark an das Foto des Jahres von 2007 von Unicef, obwohl der Mann auf dem Foto 40 Jahre alt ist und das Mädchen 11 Jahre.]

9. Muhammad heiratet Khadidja [595] Top

Im Alter von 25 Jahren heiratete der Prophet Khadidja, die Tochter des Khuwailid ibn Asad ibn Abdaluzza. Sie war eine Geschäftsfrau von Adel und Reichtum und dingte Männer, die für eine gewisse Profitbeteiligung mit ihren Waren Han-

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del trieben. Die Quraish waren ja ein Handelsvolk. Als sie von Muhammads Ehrlichkeit, seiner Zuverlässigkeit und seinem edlen Charakter hörte, schickte sie nach ihm und unterbreitete ihm den Vorschlag, als Händler ihre Waren nach Syrien zu bringen. Sie bot ihm dafür mehr als jeden anderen und stellte ihm noch einen ihrer Sklaven namens Maisara zur Verfügung. Der Prophet nahm an und zusammen mit Maisara und den Waren machte er sich auf den Weg nach Syrien. Als er sich dort im Schatten eines Baumes in der Nähe der Klause eines Mönches niederließ, wandte sich dieser an Maisara und fragte ihn: „Wer ist jener Mann, der sich unter den Baum gesetzt hat?“ „Er gehört zum Stamme Quraish, zu den Hütern des Heiligtums“, antwortete Maisara. „Nur Propheten“, erklärte darauf der Mönch, „haben unter diesem Baum gesessen.“

Muhammad verkaufte dann seine Waren, die er mitgebracht hatte, kaufte selbst wieder, was er wollte und machte sich schließlich mit Maisara auf den Rückweg nach Mekka. Dieser, so erzählte man, sah eines Tages zur Zeit der größten Mittagshitze unterwegs zwei Engel, die Muhammed, während er auf einem Kamel dahinritt, Schatten spendeten vor der Sonnenglut. [Da stellt man sich schon die Frage, ob Maisara die Mittagshitze nicht gut bekommen ist.] Nachdem Mohammed die Waren zu Khadidja gebracht hatte, verkaufte sie diese und erzielte fast den doppelten Gewinn. Maisara aber erzählte ihr von den Worten des Mönches und von den beiden Engeln, die er gesehen hatte, wie sie Muhammad Schatten spendeten. Nun war Khadidja eine entschlossene, edle und kluge Frau, mit allen Eigenschaften, mit denen Gott sie hatte auszeichnen wollen. Auf Maisaras Worte schickte sie nach Muhammad und soll dann zu ihm gesagt haben:

Sohn meines Oheims [Onkels], ich liebe dich aufgrund unserer gegenseitigen Verwandschaft, deines hohen Ansehens in deiner Familie, deiner Redlichkeit, deines guten Charakters und deiner Ehrlichkeit.“ Dann bot sie ihm selbst die Ehre an [ihn zu heiraten]. Sie war damals unter den quraishen Frauen die edelste an Abstammung, die vornehmste und reichste, und jeder aus ihrer Sippe war, wenn nur irgend möglich, auf ihr Vermögen aus. Muhammad berichtete seinen Onkeln von Khadijas Vorschlag, worauf sich sein Oheim Hamza ibn Abdalmuttalib zu Khadijas Vater, Khu-

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wailid ibn Assad, begab und bei ihm für Muhammad um die Hand Khadidjas anhielt. Sie heirateten und Muhammad gab ihr als Brautgabe zwanzig junge Kamele. Sie war seine erste Frau, und solange sie lebte, heiratete er keine andere. Sie gebar ihm alle seine Kinder3.5, mit Ausnahme Ibrahims [Sohn], nämlich Qasim [Sohn], nach ihm nannte man den Propheten Abu l-Qasim, Tahir [Sohn], Tayyib [Sohn], Zainab [Tochter], Ruqayya, [Tochter] Umm Kulthum [Tochter] und Fatima [Tochter]. Seine Söhne Quasim, Tahir und Tayyib starben alle noch in heidnischer Zeit, während seine Töchter den Islam erlebten, sich zum Glauben bekannten und mit dem Propheten die Hidjra (Hidschra), die Auswanderung nach Medina, mitmachten.

3.5[Mohammed und Khadidja adoptierten auserdem noch einen Adoptivsohn namens Zaid ibn Haritha3.6. Ibrahim zeugte Mohammeds mit seiner 10. Frau Marija. Marija war eine koptische (christliche) Sklavin, die er vom ägyptischen König geschenkt bekam. Ibrahim starb mit etwa 2 Jahren.]

3.6Zaid ibn Haritha kam vom arabischen Stamm Kalb, im Südosten des Jordanlandes. Er wurde als Sklave nach Mekka gebracht, wo ihn Khadidja kaufte und Muhammad schenkte. Dieser ließ ihn frei und adoptierte ihn. Er nahm als einer der ersten den Islam an und bekleidete in Muhammads Umgebung eine bevorzugte Stellung, was sich nicht zuletzt in zahlreichen militärischen Aufträgen äußerte. Er war der erste Mann der Zainab, die er verstieß, damit Muhammad sie selbst heiraten konnte. Er fiel im Mai 630 als einer der Feldherren bei Muta in Syrien.

Khadidja hatte ihrem Vetter Waraqa, einem Christen und gelehrten Mann, der die Schriften gelesen hatte, von den Worten des Mönches erzählt, wie Maisara er ihr berichtet hatte und auch von den beiden Engeln, die dieser gesehen hatte, wie sie Muhammad Schatten spendeten. Waraqa hatte ihr daraufhin geantwortet: „Wenn dies wahr ist, Khadija, dann ist Mohammed wahrlich der Prophet dieses Volkes. Ich weiß, dass für dieses Volk ein Prophet zu erwarten ist. Seine Zeit ist nun gekommen.“ Waraqa konnte es dann kaum mehr erwarten und fragte immer wieder: „Wie lange noch?“ und sprach darüber die folgenden Verse:

Lange harre ich schon aus in meinem Kummer,
und die Tränen wollen nicht vergehen.
O Khadidja, immer Neues tust du kund,
doch das lange Warten kann ich nicht verstehen.
Aber hier im Tale Mekkas hoffe ich,
die Erfüllung deiner Worte auch zu sehen,
Die du uns erzähltest einst von jenem Mönch.
Nein! Du konntest sie nicht so verdrehen!
Herrschen wird gewiss Muhammad unter uns,
besiegen, wer es wagt zu widerstehen.
Er wird breiten über dieses Land ein Licht
und die Schöpfung schützen vor dem Untergehen.
Niederlagen werden treffen stets den Feind,
die Freunde werden stets nur Siege sehen.

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O wie wünsche ich, ich wäre dann dabei!
Als erster würd ich bei ihm stehn,
kämpfen für den Glauben, mag Quraish ihn noch so hassen,
noch so laut in Mekka flehen.
Ja, durch ihn, den sie verachten, hoffe ich,
zu Gott zu steigen, während sie hinutergehen.
Welch ein Tor ist doch, wer nicht an diesen glaubt,
der sich für Gott entschied, für den die Stern' sich drehen.
Wenn ich dann noch lebe, werden alle Heiden schrein
ob der Dinge die geschehen.
Sterbe ich, so will ich doch zufrieden sein,
denn niemand kann dem Schicksal je entgehen.

10. Der Wiederaufbau der Kaaba [605] Top

Als der Prophet 35 Jahre alt war, entschlossen sich die Quraish, die Kaaba neu zu errichten. Sie planten, sie mit einem Dach zu versehen, fürchteten sich aber davor, sie zu zerstören. Sie war ein ohne Mörtel errichteter Steinbau und etwas mehr als mannshoch. Man wollte sie nun höher bauen und ein Dach darüberbreiten. Aus der Kaaba war nämlich ein Schatz gestohlen worden, der sich in ihrer Mitte in einem Brunnen befunden hatte. Der Schatz wurde später bei einem Freigelassenen aus dem Stamme Khuzaa gefunden. Die Quraish schlugen ihm dafür die Hand ab.

Nun war bei Djidda das Schiff eines byzantinischen Kaufmanns gestrandet und zerschellt. Sie nahmen das Holz und richteten es zum Decken der Kaaba her. In Mekka gab es auch einen koptischen Zimmermann, und so war schon einiges, was sie zur Restaurierung brauchten, bereit. Indes da war noch die Schlange, die aus dem Brunnen der Kaaba, in den man täglich die Opfergaben warf, herauszukriechen pflegte, um sich auf der Mauer des Gebäudes zu sonnen. Sie war eines der Dinge, wovor sie Angst hatten, denn keiner konnte sich ihr nähern, ohne dass sie ihren Kopf hob, zischte und ihr Maul aufsperrte. Als sie sich nun

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eines Tages auf der Mauer der Kaaba wie gewöhnlich sonnte, schickte Gott einen Vogel, der sie packte und mit ihr davonflog. Da sprachen die Quraish: „Laßt uns hoffen, dass Gott unser Vorhaben billigt! Wir haben einen befreundeten Handwerker, haben Holz, und Gott hat uns von der Schlange befreit.“

Nachdem man sich nun dazu entschlossen hatte, die Kaaba abzureißen und neu aufzubauen, erhob sich Abu Wahb von der Sippe Makhzum und entfernte den ersten Stein, doch entfiel dieser seiner Hand und kehrte an seinen Platz zurück. Da sprach er: „Männer von Quraish, bringt in dieses Gebäude nicht unrecht erworbenes Gut, nicht den Lohn der Hure, nicht das Geld des Wucherers und nichts, was ihr erzwungen habt!“

Sodann teilte man die Arbeit an der Kaaba (siehe: Bild) unter die großen Stämme der Quraish auf. Die Seiten des Tores erhielten die Abdmanaf und Zuhra, die Seite zwischen der Ecke des schwarzen Steines3.7 und der Südecke die Makhzum und die ihnen angeschlossenen quraishitischen Stämme, die Rückseite die Stämme Djamah und Sahm und die Seite des Hatim4 die Abdaddar, Asad und Adi. Doch dann bekamen sie wieder Angst davor, die Kaaba zu zerstören. Da sprach Walid, der Sohn des Mughira: „Ich will als erster mit der Zerstörung beginnen“, und er ergriff seine Spitzhacke, wandte sich der Kaaba zu und rief: „O Gott, erschrecke nicht! O Gott, wir wollen nur das Beste!“ Dann zerstörte er einen Teil an der Seite der beiden Ecken. In der Nacht wartete man ängstlich und sprach: „Wir wollen sehen! Wenn Walid etwas zustößt, reißen wir die Kaaba nicht weiter ein, sondern legen alles wieder zurück, wie es war. Geschieht ihm nichts, so billigt Gott unser Tun.“

3.7[Vom Schwarzen Stein wird angenommen, dass er ein Meteorit sein könnte. Er könnte auch aus Lava oder Basalt bestehen, also vulkanischen Ursprungs sein. Allerdings wurde er bisher nie wissenschaftlich untersucht. Er ist vielleicht etwas größer als ein Fussball und ist heute in einen silbernen Rahmen eingefasst, da er im Jahre 683 während des zweiten Bürgerkrieges bei einem Brand in mehrere Stücke zerbrochen ist. Der Schwarze Stein ist so an einer Ecke der Kaaba befestigt, dass man ihn mit der ausgestreckten Hand berühren kann. Die muslimische Überlieferung besagt, dass Abraham den Schwarzen Stein beim Erbauen der Kaaba als Geschenk vom Erzengel Gabriel empfangen haben soll, und der Stein somit aus dem Paradies stamme.]

4Gegenüber der nordwestlichen Wand steht eine halbkreisförmige, etwa einen Meter hohe Mauer aus weißem Marmor, die nicht mit der Kaaba verbunden ist. Der Zwischenraum dieser Hatim genannten Mauer und der Kaaba gilt als die Stelle, wo der Prophet Ismail und seine Mutter Hagar begraben sind.

Am nächsten Morgen machte sich Walid wieder an die Arbeit und mit ihm die anderen, bis sie die Grundmauer Abrahams erreichten und auf eng aneinanderliegende grüne Steine stießen, Kamelhöckern gleich. [Es heißt, dass die Kaaba vom ersten Propheten Adam (von Adam und Eva) erbaut wurde, dann aber in Vergessenheit geriet und zu einer Ruine verkam. Der Patriarch Abraham und sein Sohn Ismail haben sie durch göttliche Fügung wieder entdeckt und wieder aufgebaut. Quelle: Kaaba] Von einem Überlieferer wurde mir erzählt, dass einer von den an der Zerstörung beteiligten Quraish zwischen zwei dieser Steine eine Brechstange schob, um einen davon herauszudrücken. Kaum bewegte sich aber der Stein, da bebte ganz Mekka und man ließ deshalb die Grundmauer wie sie war. Ich habe auch erfahren, dass die Quraish an der Ecke

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eine syrische Schrift fanden, die sie aber nicht verstanden, bis ein Jude sie ihnen vorlas. Sie lautete: Ich bin der Gott, der Herr von Mekka. Ich erschuf Mekka an dem Tage, als ich Himmel und Erde erschuf und Sonne und Mond formte, und ich habe es mit sieben gläubigen Engeln umgeben. Es wird nicht vergehen, solange seine beiden Berge stehen. Ein Segen für Wasser und Milch für seine Bewohner.

[Himmel und Erde (das Universum) bestehen wohl einige Milliarden Jahre länger als Mekka. Aber die Anhänger des Kreationismus bzw. des „Intelligent Design“ sind der Auffassung, dass es so etwas wie die Evolution nicht gegeben hat, sondern dass das Universum durch Gott erschaffen wurde. Wahrscheinlich sind sie religiös so verblendet oder lediglich zu bequem oder zu ungebildet, um sich mit den wissenschaftlichen Fakten vertraut zu machen.]

Sodann trugen die quraishitischen Stämme Steine herbei, um die Kaaba neu zu errichten, jeder Stamm für sich. Sie begannen zu bauen, bis sie auf die Höhe des Schwarzen Steines kamen und in Streit gerieten. Jeder Stamm wollte nämlich, dass nur er den Stein an seinen Platz lege. Schließlich bildeten sie Parteien, schlossen Bündnisse und rüsteten zum Kampf. Die Abdaddar brachten eine Schale mit Blut, verbündeten sich auf den Tod mit den Adi und tauchten darauf ihre Hände in das Blut, weshalb man sie fortan die Blutlecker nannte. So blieb es vier oder fünf Tage. Dann versammelten sich die Quraish im Heiligtum und berieten einander, blieben aber in zwei Lager gespalten. Schließlich, so behaupteten einige Überlieferer, habe Abu Umayya, der Sohn des Mughira und damals der älteste unter den Quraish, das Wort ergriffen: „Männer von Quraish! Lasst den ersten, der durch das Tor des Heiligtums zu uns hereintritt, in eurem Streit entscheiden.“ Sie waren damit einverstanden. Der erste der hereinkam, war der Prophet. Als sie ihn sahen, riefen sie: „Al-Amin, der Treue! Mit ihm sind wir einverstanden! Dies ist Muhammad!“

Nachdem sie ihm alles erklärt hatten, bat er sie, ihm ein Tuch zu bringen. Mit eigener Hand legte er den Stein in dieses Tuch hinein und forderte einen jeden Stamm auf, jeweils an einer Seite des Tuches anzufassen und den Stein gemeinsam hochzuheben. So geschah es. Und als sie ihn auf die richtige Höhe gehoben hatten, legte er selber den Stein an seinen Platz. Dann bauten sie darüber weiter. Zur Zeit des Propheten war die Kaaba 18 Ellen hoch und zunächst mit weißem ägyptischem, dann mit jemenitischem Stoff bedeckt. Hadjjadj ibn Yusuf ließ sie später als erster mit [schwarzem] Seidenbrokat verhüllen [der jährlich erneuert wird]. [Die Kaaba ist heute 13,10 m hoch und hat eine Grundfläche von 11,03 m × 12,62 m. Die vier Ecken zeigen ungefähr in die vier Himmelsrichtungen.]

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11. Ein Hinweis auf den Propheten im Evangelium Top

Zu den Prophezeiungen, die, wie ich erfahren habe, Jesus, der Sohn Mariens, im Evangelium, das für die Christen von Gott zu ihm kam, über den Propheten gemacht hat, gehört das, was der Apostel Johannes nach dem Testament Jesu im Evangelium schrieb, nämlich dass Jesus sprach: „Wer mich hasst, der hasst auch den Herrn. Hätte ich unter ihnen nicht die Werke getan, die vor mir kein anderer tat, hätten sie keine Sünde. Aber von nun an sind sie stolz und glauben, dass sie mich und den Herrn besiegen. Aber es muss erfüllt werden das Wort, das im Gesetz steht: „Sie hassen mich ohne Grund.“ Wenn aber Munhamanna gekommen sein wird, den Gott euch senden wird aus der Gegenwart des Herrn, und der Geist der Wahrheit, der vom Herrn ausgegangen sein wird, dann wird er Zeugnis geben von mir, und auch ihr werdet Zeugnis geben, weil ihr von Anfang an bei mir ward. Darüber habe ich zu euch gesprochen, damit ihr nicht klagt5.“ Munhamanna bedeutet auf syrisch Muhammad, auf griechisch ist es Paraklid.

5Dem hier wiedergegebenen Text (Johannes 15,23-27) liegt die syrisch-palästinensische Version des Evangeliums zugrunde.

[Ich vermag nicht zu sagen, ob die oben erwähnte syrisch-palästiensische Version des Johannes-Evangeliums echt ist. In der Lutherbibel von 1912 sieht der oben zitierte Vers aus dem Johannes-Evangelium allerdings etwas anders aus. Dort ist nämlich keineswegs die Rede davon, dass Gott einen „Munhamanna“ senden wird. Vielmehr ist in der Lutherbibel davon die Rede, dass Gott Trost bzw. Beistand senden wird. In der Lutherbibel sieht Johannes 15,23-27 wie folgt aus: „Wer mich haßt, der haßt auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie es (die Werke) gesehen und hassen doch beide, mich und den Vater. Doch daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: „Sie hassen mich ohne Ursache.“ Wenn aber der Beistand (Tröster) kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.“ In der Lutherbibel ist also vom Beistand, in anderen Versionen vom Tröster die Rede, vom Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht. Gemeint ist damit die universelle Wahrheit, die den Menschen Trost spendet und ihnen in ihrem Kummer Beistand leistet.

Bestätigt wird die Aussage des Bibelverses Johannes 15,23-27 außerdem durch Johannes.14,26. Dort wird gesagt: „Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich.“ Auch hier ist also vom Tröster die Rede. Auch das Lukas-Evangelium spricht in diesem Zusammenhang vom Tröster. Bei Lukas.24,49 heißt es: „Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe.“

Tilman Nagel sagt hierzu auf Seite 181: „In Sure 61 verweist er (Mohammed) auf ein angebliches Wort Jesu, dass das Kommen des Gesandten Allahs geweissagt habe. „Ahmad“, zu deutsch „hochgerühmt“, ist aus derselben Wurzel gebildet wie „Mohammed“. Man hat deshalb Ahmad hier nach einer in muslimischen Korankommentaren häufig anzutreffenden Deutung als einen Eigennamen verstanden...“]

12. Die Sendung des Propheten [610] Top

Als Muhammad 40 Jahre alt war, machte Gott ihn aus Mitleid mit der Welt zum Gesandten und Verkünder für alle Menschen. Gott hatte mit jedem Propheten, den er vor ihm sandte, einen Bund geschlossen, an ihn zu glauben, Zeugnis für ihn abzulegen und ihm gegen seine Widersacher zu helfen. Er hatte sie verpflichtet, dies allen weiterzugeben, die an ihn glaubten. Und sie taten, wie sie geheißen. Zu Muhammad sprach Gott:

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Als Gott mit den Propheten den Bund schloß, sprach er: „Wenn immer ich euch eine Offenbarungsschrift oder Weisheit gebe und hierauf ein Gesandter zu euch kommt, der bestätigt, was euch an Offenbarungen bereits vorliegt, dann müsst ihr an ihn glauben und ihm helfen!“ Er fragte sie: „Erkennt ihr dies an und übernehmt meinen Bund?“ Sie antworteten: „Wir erkennen es an.“ Er [Gott] aber sprach: „So legt denn Zeugnis ab und ich will mit euch Zeuge sein!“ (Sure 3,81). So schloß Gott mit allen Propheten den Bund, dass sie Zeugnis für ihn ablegten und ihm gegen seine Widersacher halfen. Sie aber gaben es an alle aus beiden Schriftreligionen [Judentum und Christentum] weiter, die an sie glaubten.

[So wie Gott hier beschrieben wird, so in etwa stellt sich sicherlich auch Lieschen Müller den lieben Gott vor. Warum glauben so viele Menschen daran, dass Gott, bzw. der Erzengel Gabriel, Mohammed erschienen sei? Warum glauben sie daran, dass Gott Mohammed irgendeine Botschaft oder Offenbarung überbracht hat? Davon auszugehen, dass er göttliche Offenbarungen erhielt oder dass Gott einen Bund mit ihm abschloß, ist ehrlich gesagt, nichts als purer Unsinn. Man sollte auch endlich einmal mit der Vorstellung aufräumen, da gäbe es „Propheten“ die direkt von Gott gesandt seien. Das alles sind kindliche Vorstellungen, an die aber leider viele Menschen glauben. Man fragt sich, warum die Menschen so leichtgläubig sind.]

Zuhri berichtete, dass Aisha dem Urwa ibn Zubair folgendes erzählte:

Als Gott Muhammad ehren und sich der Menschen durch ihn erbarmen wollte, da zeigte sich dessen Prophetenschaft zuerst in seinen wahren Träumen, die im Schlaf stets wie der Anbruch des Morgens über ihn kamen. Auch ließ Gott ihn die Einsamkeit schätzen, und bald war ihm nichts mehr lieber, als allein zu sein.

Wahb erzählte mir von Ubaid:

Jedes Jahr zog sich der Prophet im Monat Ramadan in die Einsamkeit zurück, um zu beten und die Armen zu speisen, die zu ihm kamen. Immer wenn er am Ende des Monats nach Mekka zurückkehrte, begab er sich zuerst zur Kaaba und umschritt sie sieben oder mehr Male. Erst dann ging er nach Hause. Auch in jenem Ramadan, in dem Gott ihn ehren wollte, in jenem Jahr, in dem er ihn sandte, zog Muhammad wieder mit seiner Familie nach dem Berg „Hira“, um sich in der Einsamkeit dem Gebete zu widmen. Und in jener Nacht, in der Gott ihn durch die Sendung auszeichnete und sich damit der Menschen erbarmte, kam Gabriel zu ihm.

[An dieser Stelle möchte ich das oben gesagte noch etwas ergänzen und vertiefen. Wie Ibn Ishaq schreibt, war Mohammed offenbar ein sehr gläubiger Mensch. Er ging also während des Monats Ramadan in die Einsamkeit und betete. Dies erinnert mich sehr stark an das Verhalten von Jesus, der, wie viele gläubige Juden, stets 40 Tage vor Ostern in die palästiensische Wüste ging, um zu fasten und zu beten. Mohammed hat in dieser Zeit ebenfalls gefastet, schließlich ist der Ramadan der Fastenmonat. Buddhas Leben sah im Prinzip nicht sehr viel anders aus. Aber Buddha meditierte anstatt zu beten. Physiologisch geschieht aber vollkommen dasselbe, egal ob man betet oder meditiert. Entscheidend ist beim Gebet, bzw. bei der Meditation, die Tiefe der Konzentration. Dabei ist es egal, ob man sich auf Gott konzentriert, wie dies Jesus und Mohammed taten oder ob man sich auf die Atmung oder auf das "Dritte Auge" (Punkt auf der Stirn) konzentriert, wie Buddha dies bei der Meditation tat. Im Gehirn laufen bei beiden Konzentrationsmethoden dieselben physiologischen Prozesse ab.

Dies führt, wenn man diese Konzentrationsmethoden perfekt beherrscht, dazu, dass körpereigene Drogen aktiviert werden. Diese körpereigenen Drogen können so stark sein, dass Halluzinationen oder Visionen auftreten. Dies ist von vielen Yogis bekannt. Es ist von vielen Yogis und auch von vielen „Heiligen“ bekannt, dass sie glaubten mit Gott oder mit irgendeinem anderen Heiligen persönlich zu sprechen oder ihn persönlich zu sehen. Das heißt aber nicht, dass dies wirklich so war, auch wenn sie fest davon überzeugt waren. Und ich denke, dass dies auch bei Mohammed der Fall war. Wenn Mohammed also das Gefühl hatte, die Offenbarungen direkt von Gott zu erhalten, so ist dies nicht anderes als eine Sinnestäuschung, die auf körpereigene Drogen zurückzuführen ist und nicht auf den direkten Kontakt mit Gott. Dieselben Sinnestäuschungen treten gelegentlich auch bei Schläfenlappenepileptikern und eventuell auch bei anderen Gehirnerkrankungen auf. Hierüber gibt es viele dokumentierte Fälle. Es könnte also durchaus sein, dass Mohammed an einer solchen Erkrankung gelitten haben könnte, bei der er Visionen hatte. Einige vermuten, dass Mohammed an Epilepsie oder an Akromegalie, einer Erkrankung der Hypophyse, gelitten haben könnte. Darauf werde ich später noch etwas ausführlicher eingehen.]

Als ich schlief, so erzählte der Prophet später, trat der Engel Gabriel zu mir mit einem Tuch wie aus Brokat, worauf etwas geschrieben stand, und sprach: „Lies!“ „Ich kann nicht lesen“, erwiderte ich.

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Da presste er das Tuch auf mich, so dass ich dachte, es wäre mein Tod. Dann lies er mich los und sagte wieder: „Lies!“ „Ich kann nicht lesen“, antwortete ich. Und wieder würgte er mich mit dem Tuch, dass ich dachte, ich müsste sterben. Und als er mich freigab, befahl er erneut: „Lies!“ Und zum dritten Mal antwortete ich: „Ich kann nicht lesen.“ Als er mich dann noch einmal fast zu Tode würgte und mir wieder zu lesen befahl, fragte ich aus Angst, [weil ich befürchtete] er könne es noch einmal tun: „Was soll ich lesen?“ Da sprach er: „Lies im Namen deines Herrn, des Schöpfers, der den Menschen erschuf aus geronnenem Blut! Lies! Und der Edelmütigste ist dein Herr, er, der das Schreibrohr zu gebrauchen lehrte, was sie nicht wussten.“ (Sure 95,1-5)

Ich wiederholte die Worte und als ich geendet hatte, entfernte er sich von mir. Ich aber erwachte und es war mir, als wären mir die Worte ins Herz geschrieben. Sodann machte ich mich auf, um auf den Berg zu steigen. Doch auf halber Höhe vernahm ich eine Stimme vom Himmel: „O Muhammad, du bist der Gesandte Gottes und ich bin [der Erzengel] Gabriel.“ Ich erhob mein Haupt zum Himmel, und siehe da, da war Gabriel in der Gestalt eines Mannes und seine Füße berührten den Horizont des Himmels.

Und wieder sprach er: „O Muhammad, du bist der Gesandte Gottes und ich bin Gabriel!“ Ohne einen Schritt vorwärts oder rückwärts zu tun blieb ich stehen und blickte zu ihm. Dann begann ich, mein Gesicht von ihm abzuwenden und über den Horizont schweifen zu lassen, doch in welche Richtung ich auch blickte, immer sah ich ihn in der gleichen Weise. Den Blick auf ihn gerichtet, verharrte ich, ohne mich von der Stelle zu rühren. Khadija sandete inzwischen ihre Boten aus, um nach mir zu suchen. Doch kehrten sie erfolglos zu ihr zurück, nachdem sie bis oberhalb von Mekka gelangt waren. Schließlich wich die Erscheinung von mir und ich machte mich auf den Rückweg zu meiner Familie. Ich kam zu Khadidja, setzte mich an ihre Seite und schmiegte mich eng an sie.

[Der Hinweis darauf, dass Mohammed den Erzengel überall erblickte, egal in welche Richtung er schaute, weist darauf hin, dass die Ereignisse sich in Mohammeds Gehirn abspielten und nicht in der äußeren Umgebung.]

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Abu l-Quasim“, fragte sie mich, „wo bist du gewesen? Bei Gott, ich habe meine Boten ausgesandt, um dich zu suchen. Bis oberhalb von Mekka sind sie gezogen, doch kamen sie ohne dich zurück.“ Ich erzählte ihr, was ich gesehen hatte. Da rief sie aus: „Freue dich, Sohn meines Oheims und sei standhaft! Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, wahrlich, ich hoffe, du wirst der Prophet dieses Volkes sein.“

Dann erhob sie sich, legte ihre Kleider an und begab sich zu ihrem Vetter Waraqa ibn Naufal, der Christ geworden war, die Heiligen Schriften las und von den Anhängern der Thora und des Evangeliums gelernt hatte. Ihm erzählte sie von den Worten Muhammads und Waraqa rief aus: „Heilig, heilig, bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt! Wahrlich, Khadidja, wenn du mir die Wahrheit gesagt hast, so ist wahrhaftig der Engel Gabriel zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich der Prophet dieses Volkes! Sag ihm, er soll standhaft bleiben!“

Khadidja kehrte zum Propheten zurück und erzählte ihm die Worte Waraqas. Als Muhammad dann aus der Abgeschiedenheit vom Berge Hira wieder nach Mekka zurückkam, begab er sich zunächst wie immer zur Kaaba und schritt um sie herum. Dabei erblickte ihn Waraqa und sprach: „Sohn meines Bruders, sage mir, was du gesehen und gehört hast!“ Nachdem der Prophet ihm alles geschildert hatte, rief Waraqa: „Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt! Du bist der Prophet dieses Volkes. Der Engel Gabriel ist zu dir gekommen, wie er zu Moses kam. Man wird dich einen Lügner nennen, kränken, vertreiben und zu töten versuchen. Wahrlich, wenn ich jenen Tag erlebe, werde ich Gott helfen, wie er es weiß.“ Und er neigte sein Haupt und küsste ihn auf die Stirn.

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[Der israelische Wissenschaftler, Benny Shannon, vom psychologischen Institut der Universität in Jerusalem, glaubt im Fall Moses nicht an ein „übernatürliches, kosmisches Ereignis“, also nicht an die Erscheinung eines Engels. Vielmehr vermutet er, dass Moses Drogen konsumierte, als er auf dem Berg Sinai Gott hörte und von ihm die Zehn Gebote empfing oder als er den brennenden Dornbusch sah, aus dem Gott zu ihm sprach (2. Mose 3,1-12). Bewusstseinsverändernde Halluzinogene hätten eine wichtige Rolle bei den religiösen Riten der Israeliten im biblischen Zeitalter gespielt, erklärt Benny Shannon. Shannon selbst hatte bereits während einer religiösen Zeremonie im Amazonas-Regenwald mit pflanzlichen Drogen experimentiert, berichtete er: „Ich hatte Visionen, die religiös-spirituelle Bedeutung hatten“, sagte er. Die Substanz, die die Schamanen aus dem südamerikanischen Regenwald noch heute bei ihren religiösen Riten einnähmen, sei derjenigen ähnlich, die aus der Rinde des Akazienbaums gewonnen werde. Und dieser Baum werde häufig in der Bibel erwähnt, erklärte der Wissenschaftler. Neben der Möglichkeit der Aktivierung körpereigener Drogen, besteht natürlich auch die Möglichkeit der Einnahme externer Drogen, um Visionen zu erzeugen. (siehe: Moses stand unter Drogen)]

13. Der Anfang der Offenbarung des Korans Top

Die ersten Offenbarungen empfing der Prophet im Monat Ramadan, wie aus den folgenden Worten Gottes deutlich wird: „Der Monat Ramadan, in dem herabgesandt wurde der Koran als Rechtleitung für die Menschen und als Beweis der rechten Führung und Rettung (Sure 2,185).

Wir haben ihn [den Koran] in der Nacht der Bestimmung herabgesandt. Aber wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist. Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate. Die Engel und der Geist kommen in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn herab, lauter Logowesen. Sie ist voller Heil und Segen, bis die Morgenröte sichtbar wird. (Sure 97)

Bei der deutlichen Schrift! Wir haben sie in einer gesegneten Nacht hinabgesandt. Und haben die Menschen damit gewarnt. In dieser Nacht wird jede Weise Angelegenheit entschieden. Wir haben die Schrift hinabgesandt als eine Sache, die von uns kommt. Wir haben die Botschaft der Offenbarung gesandt (Sure 44, 1-5).

Nach dem Erlebnis auf dem Berg Hira kamen die Offenbarungen regelmäßig zu Muhammad. Er glaubte an Gott und an das, was ihn von ihm erreichte. Er empfing es voll Freude, [egal] ob es bei den Menschen Zufriedenheit oder Ärger auslöste. Wegen der Behandlung, die die Propheten von Seiten der Menschen erdulden müssen, und der Ablehnung, die man ihrer göttlichen Offenbarung entgegenbringt, ist das Prophetentum eine mühevolle Last, die nur die Starken und Entschlossenen unter ihnen mit Gottes Hilfe und Vermittlung zu ertragen vermögen. Muhammad aber führte Gottes Auftrag aus, trotz aller Feindseligkeiten und Kränkungen, die ihm von seinem Stamm wiederfuhren.

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14. Khadidja bekennt sich zum Islam Top

Khadidja glaubte an ihn und an die Offenbarungen, die er von Gott brachte und stand ihm in seinem Bemühen zur Seite. Sie war überhaupt die erste, die sich zu Gott und seinem Propheten bekannte und seinen göttlichen Offenbarungen glaubte. Dadurch erleichterte Gott ihm seine Last, denn immer wenn Mohammed auf üble Ablehnung und Verleundung stieß und darüber traurig war, ließ Gott es ihm bei ihr vergessen, sobald er nach Hause kam, da sie ihn bekräftigte und stärkte, an ihn glaubte und ihn über das Verhalten der Leute beruhigte.

Dann trat für eine gewisse Zeit eine Unterbrechung in den Offenbarungen ein, bis der Prophet darüber bekümmert und traurig wurde. Schließlich aber brachte ihm Gabriel die Sure „Der Morgen“ (Sure 93), in der ihm sein Herr, der ihn so sehr geehrt hatte, schwor, dass er ihn nicht verlassen habe und ihn nicht hasse. Gott sprach: „Beim Morgen und bei der Nacht, wenn alles still ist! Dein Herr hat dich nicht verlassen und verabscheut dich nicht. Und das Jenseits ist besser für dich als das Diesseits. Dein Herr wird dir geben, dass du zufrieden sein wirst. Hat er dich nicht als Waise gefunden und dir Aufnahme gewährt, dich auf dem Irrweg gefunden und recht geleitet und dich bedürftig gefunden und reich gemacht? Gegen die Waise sollst du deswegen nicht gewalttätig sein und den Bettler sollst du nicht anfahren. Aber berichte von der Gnade deines Herrn!“ (Sure 93,1-11)

Deshalb begann nun der Prophet, denjenigen in seiner Sippe, zu denen er Vertrauen hatte, im geheimen von der Prophetenschaft zu erzählen, mit der Gott ihn und durch ihn die Menschen begnadet hatte.

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15. Der Beginn der Verpflichtung zum Gebet Top

Als dem Prophet die Verpflichtung zum täglichen Gebet auferlegt wurde, kam Gabriel auf den Höhen von Mekka zu ihm und grub mit der Ferse ein Loch an einer Stelle am Wadi, worauf dort eine Quelle hervorsprudelte. [Ein Wadi ist ein zeitweilig ausgetrockneter Flusslauf in einem Wüstengebiet.] Während der Prophet ihm zusah, vollzog Gabriel die Waschung, um ihm zu zeigen, wie die Reinigung für das Gebet durchzuführen sei. Darauf wusch sich Muhammad, wie er es von Gabriel gesehen hatte. Dann erhob sich der Engel mit ihm zum Gebet und der Prophet betete wie er. Nachdem Gabriel wieder entschwunden war, ging Muhammad zu Khadidja und verrichtete vor ihr Waschung und Gebet, um es ihr zu zeigen und Khadidja tat es ihm nach.

Von Utba, einem Freigelassenen des Stammes Taim, hörte ich, wie er von dem großen Überlieferer Nafi ibn Djabair den folgenden Bericht des Ibn Abbas weitererzählte:

Nachdem dem Propheten die Verpflichtung zum Gebet auferlegt worden war, kam Gabriel zu ihm und betete mit ihm das Mittagsgebet, als die Sonne sich zu neigen begann, dann das Nachmittagsgebet, als sein Schatten so lang war, wie er selbst, dann das erste Abendgebet, als die Sonne unterging, dann das zweite Abendgebet, als das Abendrot verging, und dann das Morgengebet, als die Dämmerung anbrach. Und wieder kam Gabriel zu ihm und betete mit ihm das Mittagsgebet, als sein Schatten so lang war, wie er selbst, dann das Nachmittagsgebet, als sein Schatten die doppelte Länge hatte, dann das erste Abendgebet, als die Sonne unterging zur gleichen Zeit wie am Vortage, dann das zweite Abendgebet, als das erste Drittel der Nacht verstrichen war, und dann das Morgengebet, als es schon hell war, aber noch vor Sonnenaufgang.

Sodann sprach Gabriel:

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O Muhammad, die täglichen Gebete sollen jeweils innerhalb der Zeiten verrichtet werden, an denen du heute und gestern gebetet hast.

16. Ali ibn abi Talib, der erste Muslim Top

Der erste Mann, der an den Propheten und seine göttliche Botschaft glaubte und mit ihm zusammen betete, war Muhammads Vetter Ali, der Sohn des Abu Talib, der Sohn des Abdalmuttalib ibn Hashim. Ali war damals 10 Jahre alt, und Gott hatte ihm die Gnade erwiesen, dass er vor dem Islam in Muhammads Obhut aufgewachsen war.

[Wie bereits erwähnt, wuchs auch Mohammed ab seinem 8. Lebenjahr, nach dem Tod seines Großvaters Abdalmuttalib ibn Hashim im Jahre 578, bei dem er nach dem Tod seiner Mutter Amina im Jahre 576 für zwei Jahre gelebt hatte, bei Ali's Vater Abu Talib auf. Muhammed nahm Ali später zu sich, als Ali 10 Jahre alt war. Näheres erfahren wir dazu gleich in der Biographie. Mohammed war zu diesem Zeitpunkt etwa 40 Jahre alt. Ali wurde später der vierte Kalif im sunnitischen Islam und erster Imam aller Linien der schiitischen und alevitischen Imame. Da Mohammed keinen Nachfolger ernannt hatte, kam es zur Aufspaltung des Islams in den sunnitischen und schiitischen Zweig des Islams, die sich teilweise auf's heftigste bekämpfen.]

Abdallah ibn abi Nadjih berichtete mir die folgende Darstellung des Mudjahid ibn Djabr:

Die Gnade, die Gunst und die Güte, die Gott Ali angedeihen lassen wollte, zeigte sich, als die Quraish von einer schweren Hungersnot getroffen wurden. Abu Talib, Alis Vater, hatte nämlich eine große Familie zu ernähren, weshalb sich Muhammad an seinen Onkel Abbas, einen der wohlhabensten der Sippe Hashim, wandte: „O Abbas, dein Bruder Abu Talib hat eine große Familie zu versorgen, und du siehst, welche Not über die Menschen hereingebrochen ist. Lass uns deshalb zusammen zu ihm gehen und ihm die Last für einen Teil der Familie abnehmen, indem wir beide je einen seiner Söhne aufnehmen und an seiner Statt großziehen.“Abbas war damit einverstanden. Sie begaben sich zu Abu Talib und sprachen. „Wir möchten dir einen Teil der Sorge für deine Familie abnehmen, bis die Not, in der sich jetzt die Menschen befinden, gewichen ist.“ „Tut, was ihr wollt“, antwortete Abu Talib, „aber lasst mir meinen Sohn Aquil!“

Muhammad nahm daraufhin Ali zu sich in die Familie und Abbas tat mit Djafar das gleiche. Ali blieb bei Muhammad, bis

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Gott diesen als Propheten sandte, worauf Ali ihm folgte und an ihn glaubte. Djafar blieb bei Abbas, bis er sich zum Islam bekehrte und der Hilfe des Abbas entraten [entbehren] konnte.

[Mohammed nahm Ali zu sich, bis er begann, seine vielen Kriege zu führen, an denen sich Ali ebenfalls beteiligte. In seinem Buch Islam und Terrorismus (Resch-Verlag, Gräfeling, 2005) sagte der ehemalige ägyptische Professor für Islamische Geschichte der weltberühmten über eintausend Jahre alten Al-Azhar-Universität in Kairo, Mark A. Gabriel5.1, auf Seite 78: „In der Zeit nach der Hijra (nach der Übersiedlung Mohammeds von Mekka nach Medina), zwischen 622 und 632 (Tod Mohammeds) führte der Prophet selbst 27 Kriegszüge an und liess 47 Beute- und Eroberungszüge durch seine Getreuen durchführen. Das ergibt, rein statistisch gesehen, jedes Jahr acht Feldzüge.“ Wir kommen im Laufe dieser Biographie auf die Feldzüge Mohammeds zurück. (Sie werden allerdings nicht alle beschrieben.) Eine Übersicht über die Feldzüge Mohammeds kann man hier nachlesen: Mohammds Feldzüge

5.1Marc A. Gabriel lehrte als Professor für Islamgeschichte an der Al-Azhar Universität in Kairo. Außerdem war er Imam an der Moschee von Gizeh. Als er an der Friedfertigkeit des Islam zweifelte, wurde er von der ägyptischen Polizei verhaftet, ins Gefängnis gesteckt, gefoltert und sollte getötet werden. Auch sein Vater wollte ihn töten, als er erfuhr, dass er sich zum Christentum bekannte. Als man ihn wieder frei ließ, floh er aus Ägypten. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz seiner Familie vor radikalen Islamisten änderte er seinen Namen in Mark (Marc) A. Gabriel. Heute lebt er in den USA. Davon berichtet auch das Video (englisch) mit ihm.

Tillman Nagel schreibt auf Seite 777: „Die Auslegung der Kriege Mohammeds als Verteidigungskriege beruht auf dieser die überlieferten Fakten verdrehenden Sicht, die von den meisten Muslimen und vielen kritischen Andersgläubigen bis in die Gegenwart vehement verfochten wird. Sie fügt sich nahtlos mit der Fiktion zusammen, Mohammed sei in Mekka ein unpolitischer Duldner gewesen.]

Ein kundiger Überlieferer berichtete, dass der Prophet, wenn die Zeit des Gebets nahte, in die Schluchten außerhalb Mekkas hinausging, wobei ihn Ali, ohne Wissen seines Vaters, seiner Oheime und seiner übrigen Familie, begleitete. Sie verrichteten dort ihre Gebete und kehrten bei Anbruch der Nacht nach Hause zurück. So blieb es eine gewisse Zeit, bis Alis Vater Abu Talib eines Tages die beiden zufällig beim Gebet überraschte und den Prophet fragte: „Was ist das für eine Religion, die ich dich hier ausüben sehe?“ „Oheim“, erwiderte da Muhammad, „dies ist die Religion des Gottes, die Religion seiner Engel, die Religion seiner Propheten und die Religion unseres Stammvaters Abraham. Mit ihr hat mich Gott als Propheten zu den Menschen gesandt und du bist von allen am würdigsten, meinen Rat zu erhalten, meine Einladung für den rechten Weg zu empfangen, mir Folge zu leisten und mir beizustehen.“

Sohn meines Bruders“, entgegnete Abu Talib, „ich kann mich nicht von der Religion und dem Glauben meiner Väter trennen, aber bei Gott, kein Übel soll dir widerfahren, solange ich lebe.“ Man berichtete auch, dass Abu Talib seinen Sohn Ali fragte, was für eine Religion es sei, an die er glaube, worauf ihm Ali geantwortet habe: „Lieber Vater, ich glaube an Gott, seinen Propheten und seine Offenbarung. Ich habe mit ihm zu Gott gebetet und ich bin ihm gefolgt.“ Und Abu Talib erwiderte: „Er hat dich wahrlich nur zum Besten aufgefordert. So bleibe denn bei ihm.“

Als zweiter nach Ali bekannte sich Zaid ibn Haritha vom Stamme der Kalb, ein freigelassener Sklave des Propheten, zum Islam. [Mohammed hatte ihn als Stiefsohn adoptiert.] Auf ihn folgte Abu Bakr, aus der quraishitischen Sippe Taim ibn Murra. Nachdem dieser Muslim geworden war, zeigte er öffentlich seinen Glauben und rief für Gott und seinen Propheten auf. Er war beliebt in seiner Sippe, geschätzt und umgänglich. Und von allen wusste er am meisten über die Genealogie [Familienforschung]

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des Stammes Quraish, ihre hellen, wie ihre dunklen Stellen. Er war ein rechtschaffender und ehrlicher Kaufmann und wegen seines Wissens, seiner Erfahrung in Handelsdingen und seiner angenehmen Gesellschaft pflegten die Männer seiner Sippe oft zu ihm zu kommen und sich mit ihm über vielerlei Fragen zu unterhalten. Alle, denen er vertraute, die zu ihm kamen und sich zu ihm setzten, begann er aufzufordern, an Gott zu glauben und sich zum Islam zu bekennen.

Abu Bakr aus der Sippe Taim, war der engste Vertraute des Propheten und einer der ersten, die an seine Sendung glaubte. Er war etwas jünger als Muhammad und offenbar schon vor dem Islam mit Muhammad befreundet. Als Kaufmann besaß er ein bescheidenes Vermögen, dass er zu einem großen Teil zum Freikauf von wegen ihres Glaubens verfolgten Sklaven in Mekka ausgegeben haben soll. Die Heirat seiner [sechsjährigen] Tochter Aisha verstärkte noch die Beziehungen der beiden Männer. Abu Bakr nahm an allen militärischen Unternehmungen Muhammads teil. Nach dem Tod des Propheten 632 wurde er zum ersten „Stellvertreter“ Muhammads, zum Kalifen, ernannt. Er starb aber schon zwei Jahre später im Jahre 634. Seine Regierungszeit ist gekennzeichnet durch die Niederwerfung der nach Muhammads Tod gegen den Islam revoltierenden Stämme auf der arabischen Halbinsel. Abu Bakr wurde in der islamischen Welt zum Inbegriff des schlichten und frommen Kalifen.

17. Muhammad tritt öffentlich als Prophet auf [613] Top

In großer Zahl bekehrten sich nun Männer und Frauen zum Islam, bis ganz Mekka darüber redete. Darauf befahl Gott seinem Propheten, sich öffentlich zu seiner göttlichen Botschaft zu bekennen, mit seinem Auftrag öffentlich vor die Menschen zu treten und sie zum Glauben an ihn aufzurufen. [Neben Mohammed gab es in Saudi Arabien vier weitere Männer, die sich als Propheten verstanden, nämlich Musailima, Tulaiha, Talha und Al-Asward al-Ansi (siehe Tilman Nagel Seite 183)] Seit seiner Sendung waren inzwischen 3 Jahre vergangen [Mohammed war nun 43 Jahre alt.], in denen der Prophet den Auftrag Gottes verheimlicht hatte. Nun aber sprach Gott: „Gib bekannt, was dir befohlen wird und wende dich ab von den Heiden, die dem einen Gott andere Götter beigesellen.“ (Sure 15,94) Ferner sprach er: „Und warne deine nächsten Verwandten vor der Strafe Gottes und senke deine Flügel für die Gläubigen, die dir folgen.“ (Sure 26,214) Und sage: „Ich bin der deutliche Warner.“ (Sure 15,88)

Um sich vor den Leuten ihres Stammes zu verbergen, pflegten die Gefährten des Propheten zum Gebet in die Schluchten außerhalb Mekkas zu ziehen. Eines Tages befand sich Sad ibn abi Waqqas mit einer Gruppe Prophetengefährten dort beim Gebet, als eine Schar Heiden bei ihnen erschien, sie grob unterbrach, sie wegen ihres Gebetes beschimpfte und schließlich handgreiflich wurde. Sad schlug dabei mit dem Kieferknochen eines Kamels auf einen Ungläubigen ein und verwundete ihn am Kopf. Es war dies das erste Blut, das im Islam vergossen wurde.

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Als der Prophet, wie Gott es ihm befohlen hatte, den Islam öffentlich zu verkünden begann, wandten sich seine Stammesgenossen zunächst nicht von ihm ab. Sie wiesen ihn erst zurück, als er ihre eigenen Götter schmähte5.2. Mit Ausnahme einer kleinen verachteten Gruppe, die Gott durch den Islam davor bewahrte, erklärten sie ihn alle für untragbar, bekämpften ihn und waren sich in ihrer Ablehnung einig. Unter den Heiden blieb ihm nur sein Onkel Abu Talib freundlich zugetan. Er gewährte ihm seinen Schutz und stellte sich vor ihn.

5.2Zunächst schmähte Mohammed die Götter der Quraish nur mit Worten, in dem er ihre Götter als Götzen verunglimpfte. Später dagegen, als er im Jahre 630 Mekka eroberte, ließ er alle Götterstatuen der Quraish aus der Kaaba und aus den Privathäusern entfernen und vernichten. In der Umgebung von Mekka ließ er die Heiligtümer der Götter „Al-Manat“, der Göttin des Mondes, und „Al-Uzza“, der Göttin des Morgensterns, zerstören und forderte die Beduinenstämme auf, dem Islam beizutreten.

Der Prophet indes führte weiter Gottes Befehl aus und verkündete seinen Auftrag, ohne dass ihn etwas davon abzuhalten vermochte. Als die Quraish sahen, dass er ihnen in keinem Punkt, den sie ihm vorwarfen, nämlich der Absage an sie und die Schmähung ihrer Götter, nachgab und dass sein Onkel Abu Talib weiter zu ihm hielt und nicht an sie auslieferte, gingen einige Männer des quraishitischen Adels zu Abu Talib und sprachen: „Abu Talib! Der Sohn deines Bruders hat unsere Götter beschimpft, unsere Religion geschmäht, unsere Tugenden lächerlich gemacht und unsere Väter des Irrtums bezichtigt. Entweder du sorgst dafür, dass er uns nicht weiter belästigt oder du lässt uns freie Hand gegen ihn. Du stehst doch ebenso im Gegensatz zu ihm wie wir, und wir werden dich von ihm erlösen.“

Abu Talib antwortete freundlich und in aller Höflichkeit, worauf sie ihn wieder verließen. Der Prophet aber fuhr fort, die Religion Gottes zu offenbaren und zum Glauben an ihn aufzurufen, wodurch sich die Beziehungen zwischen ihm und seinen Gegnern weiter verschlechterten und sie sich noch mehr miteinander verfeindeten. Die Quraish sprachen immer häufiger von ihm und hetzten einander gegen ihn auf. Schließlich gingen sie wieder zu Abu Talib und sprachen: „Abu Talib! Du hast ein ehrwürdiges Alter und besitzt hohes Ansehen unter uns. Wir haben dich gebeten, dem Sohn deines Bruders sein Tun zu verbieten, doch du hast ihn uns nicht vom Leibe geschafft. Wahrlich, wir werden es nicht länger dulden, dass er unsere Väter beschimpft, unsere Tugenden lächerlich macht und unsere Götter verunglimpft. Entweder du bringst ihn

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dazu, dass er uns nicht mehr behelligt oder wir werden gegen euch beide kämpfen, bis eine unserer Parteien untergeht.“

Darauf verließen sie ihn wieder. Schwer lasteten auf Abu Talib die Entfremdung und die Feindschaft seines Volkes, doch konnte er Muhammad einfach nicht preisgeben und enttäuschen.

Yaqub, der Sohn des Utba, erzählte, dass ihm folgendes berichtet wurde:

Nachdem die Quraish ihre Forderungen gestellt hatten, ließ Abu Talib Muhammad holen und sprach: „Sohn meines Bruders, die Vertreter meines Stammes waren bei mir.“ Er erzählte ihm alles und fuhr fort: „Verschone uns und bürde mir nicht etwas auf, was ich nicht tragen kann!“ Da dachte Muhammad, dass sein Oheim ihn in Stich lassen und preisgeben wollte und dass er seine Hilfe und Unterstützung verlieren werde. „Mein Oheim“, antwortete er ihm, „bei Gott, selbst wenn sie mir die Sonne in meine rechte und den Mond in meine linke Hand legen würden, um mich davon abzubringen, bevor Gott den Islam nicht zum Sieg verholfen hat oder ich für ihn gestorben bin, werde ich nicht davon ablassen.“

Dann brach er in Tränen aus und erhob sich. Doch als er davon ging, rief Abu Talib ihn zurück und sprach: „Gehe hin, Sohn meines Bruders und verkünde was du willst. Bei Gott, für nichts werde ich dich jemals preisgeben.

Als die Quraish erfuhren, dass Abu Talib es ablehnte, Muhammad in Stich zu lassen und entschlossen war, deshalb mit ihnen zu brechen, gingen sie mit Umara, dem Sohn des Walid ibn Mughira, erneut zu ihm und schlugen ihm folgendes vor: „Abu Talib! Dies ist Umara, der stärkste und schönste junge Mann im Stamme der Quraish. Nimm ihn! Sein Verstand und seine Hilfe werden dir von Nutzen sein. Nimm ihn als deinen Sohn an und liefere uns dafür deinen Brudersohn aus, der sich deiner und deiner Väter Religion widersetzt, die Gemeinschaft deines Volkes gespalten und seine Tugenden lächerlich gemacht hat, dass wir ihn töten. So steht es denn Mann gegen Mann.

Bei Gott“, erwiderte Abu Talib, „wie übel ist doch, was ihr von mir verlangt. Ihr wollt mir euren Sohn geben, damit ich ihn

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euch ernähre und ich soll euch den meinen geben, damit ihr ihn umbringt! Bei Gott, dies wird niemals geschehen!“ Mutim aus der Sippe Abdmanaf ibn Qusayy hielt ihm entgegen: „Wahrlich, Abu Talib, dein Volk hat dich gerecht behandelt und sich bemüht, zu vermeiden, was du verabscheust. Aber ich sehe nicht, dass du auch nur einen Vorschlag von ihm annimmst.“ „Ihr habt mich, bei Gott, nicht gerecht behandelt“, gab Abu Talib zurück, „sondern seid euch schon längst darin einig, mich aufzugeben und die anderen zu unterstützen. So macht denn, was ihr wollt.“

Die Lage wurde nun noch gespannter und die Auseinandersetzung immer hitziger. Die Spaltung im Volke vertiefte sich und man zeigte offene Feindschaft gegeneinander. Die folgenden Verse richtete Abu Talib gegen Mutin und die Sippe Abdmanaf, die ihn in Stich gelassen hatte und gegen die anderen aus dem Stammesverband der Quraish, die ihm feindlich gesinnt waren:

Zu Amr, Walid und Mutim sprich: „Der Schutz durch euch, er gilt
mir nichts! Ich tausch' ihn für ein Fohlen aus Kamelgestüt,
ein schwaches, mit nur kurzen Beinen, das auch stets noch blökt
und sich die beiden Flanken voll mit seinem Harn besprüht;
das nicht der Herde folgen kann, wenn sie zur Tränke strebt,
und mehr dem Klippdachs* gleicht, wenn er hinauf zur Wüste zieht!“
„Es ist nicht unsere Sache!“, hört ein jeder meine Bru-
dersippen sprechen, der um ihre Hilfe sich bemüht.
Wiewohl es ihre Sache ist! Doch sie sind abgefallen,
wie vom Berge fallend schnell der Fels hinunterflieht.
Besonders meine ich die Sippen Naufal und Abdshams:
Sie warfen uns rasch weg, wie eine Kohle, die noch glüht.
Die eigenen Stammesbrüder haben sie im Volk geschmäht
und haben nun die Hände leer, nachdem ihr Adel schied.
Sie teilen jetzt den Ruhm mit jenen, deren Väter man
nicht kennt, es sei denn, dass man ihren Ahn erriet.
Dazu gehören auch die Sippen Zuhra, Taim, Makhzum,
von denen früher keine uns zu helfen mied.
Bei Gott, auf ewig wird die Feindschft dauern zwischen uns,

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solange man noch einen Sproß von uns auf Erden sieht.
Wie ach so töricht wurden ihnen Sinne und Verstand,
so dumm wie jener, der aus trockenem Brunnen Wasser zieht.

[*Der Klippdachs ist ein kaninchengroßes Tier.]

Die Quraish hetzten gegen die Gefährten des Propheten, die innerhalb ihrer Einzelstämme lebten und sich zum Islam bekehrt hatten. Jeder Stamm fiel über die ihm angehörenden Muslime her, quälte sie und versuchte, sie gewaltsam von ihrem Glauben abzubringen. Den Propheten schützte Gott vor ihnen durch Abu Talib. Als dieser sah, was die Quraish taten, rief er seine Sippe Hashim und Abdalmuttalib auf, ihm zu helfen, den Propheten zu schützen. Alle, mit Ausnahme des verfluchten Gottesfeindes Abu Lahab, kamen seinem Wunsch nach und stellten sich auf seine Seite. Als er bemerkte, wie eifrig und besorgt seine Sippe zu ihm stand, freute sich Abu Talib und pries sie mit den folgenden Versen, in denen er ihre Vergangenheit und die erhabene Stellung des Propheten unter ihnen betonte, um sie in ihrer Haltung zu bestärken:

Einst wird Quraish es erkennen im Streit um den Ruhm:
Abdumanaf ist die Seele im Stammesverband!
Wird denn bei Abdumanaf nach dem Adel gesucht,
werden bei uns, bei den Hashim, die Edlen erkannt.
Dann wird Muhammad für alle zum einzigen Stolz,
er, der Erwählte, der Edle, den Gott uns gesandt.
Hetzen auch jetzt die Quraish gegen uns allesamt,
siegen indes werden wir; ihnen schwand der Verstand.
Immer schon haben wir Unrecht auf's schärfste bekämft,
keiner von uns hat verächtlich sich lange gewandt.
Schhutz haben wir stets im Unglück gegeben der Stadt,
jeden Eroberer rasch aus den Häusern verbannt.
Wiederbelebt ward durch uns das vertrocknete Rohr,
das unter unserem Schirm wieder Feuchtigkeit fand.

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18. Verhandlungen mit den Quraish Top

Der Islam begann sich in Mekka unter den Männern und Frauen der quraishitischen Sippen auszubreiten, obwohl die Quraish, soweit es in ihrer Macht stand, die Muslime einsperrten und vom Glauben abzubringen versuchten.

Den folgenden Bericht erzählte mir ein Überlieferer von Said ibn Djubair und Ikrama, einem Freigelassenem des Ibn Abbas:

Eines Tages bei Sonnenuntergang versammelten sich die führenden Männer von Quraish an der Rückseite der Kaaba und sprachen zueinander: „Lassen wir doch Muhammad holen und unterhalten wir uns mit ihm, damit man uns später keine Vorwürfe machen kann!“ „Die Edlen deines Volkes“, so ließen sie ihm ausrichten, „haben sich deinetwegen versammelt, um mit dir zu sprechen. So komme zu ihnen.“ Schnell eilte der Prophet herbei, da er glaubte, sie hätten ihre Meinung über seine Worte geändert. Er wollte ja nichts lieber, als sie auf den rechten Weg bringen, da ihr sündhaftes Verhalten ihn schmerzte. Nachdem er sich zu ihnen gesetzt hatte, sagten sie:

Muhammad, wir haben dich holen lassen, um mit dir zu reden, denn wir kennen wahrlich keinen anderen Mann unter den Arabern, der soviel Unheil über sein Volk gebracht hat wie du. Du hast unsere Väter beschimpft, unsere Religion geschmäht, unsere Götter beleidigt, unsere Tugenden lächerlich gemacht und unsere Gemeinschaft gespalten. Es gibt keine Gemeinheit, die du uns nicht angetan hast. Wenn du dies tust, weil du Geld willst, so sind wir bereit, dir von unserem Vermögen soviel zu geben, dass du der Reichste unter uns bist. Ist es Ehre, nach der du verlangst, so machen wir dich zu unserem Führer. Ist es ein Königreich, dass du möchtest, machen wir dich auch zum König über uns. Wenn du glaubst, dass du von einem Geist besessen bist, der immer zu

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dir kommt, so werden wir unser ganzes Vermögen für dich aufwenden, um dir eine Arznei zu suchen, die dich von ihm befreit.“

Nichts von alledem möchte ich“, erwiderte der Prophet und fuhr fort: „Was ich euch bringe, bringe ich nicht des Geldes, der Ehre oder gar der Herrschaft wegen, sondern Gott hat mich als Prophet zu euch gesandt und mir eine Schrift geoffenbart. Er hat mir befohlen Freudenbote und Warner für euch zu sein. Ich habe euch die Botschaft meines Herrn gebracht und guten Rat erteilt. Nehmt ihr meine Worte an, so wird es euer Glück im Diesseits und im Jenseits sein. Lehnt ihr ab, so will ich geduldig Gottes Ratschluß erwarten, bis er zwischen uns richtet.“

Muhammad“, antworteten sie, „du weißt, dass kein anderes Volk ärmer an Land und Wasser ist und ein härteres leben führt als wir. Wenn du schon keines unserer Angebote annimmst, dann bitte doch für uns deinen Herrn, der dich mit deiner Sendung beauftragt hat, er möge uns diese Berge wegbewegen, die uns einschließen, möge unser Land eben machen, möge darin Flüsse wie im Irak und in Syrien entspringen lassen und möge unsere verstorbenen Ahnen erwecken, damit wir sie befragen können, ob du die Wahrheit sprichst oder nicht. Bestätigen sie [die Ahnen] deine Worte und kannst du bewirken, worum wir dich gebeten haben, so glauben wir dir, kennen deinen Rang bei Gott und wissen, dass er dich, wie du sagst, als Propheten gesandt hat.“

Dies ist nicht der Inhalt meiner Sendung“, entgegnete Muhammad, „sondern mit meiner Offenbarung wurde ich zu euch gesandt. Nehmt ihr sie an, so wird es euer Glück im Diesseits und Jenseits sein. Weist ihr sie zurück, so will ich geduldig Gottes Entscheidung erwarten.“

[Was zu dieser Zeit, als Mohammed noch in Mekka verweilte, auffällt, ist die Tatsache, dass Mohammed sich noch sehr tolerant gegenüber den Nichtmuslimen verhielt. Hierzu sagte Hartmut Krauss vom Hintergrundverlag auf seiner Rede auf der Kritischen Islamkonferenz im Jahre 2008: „Von herausragender Bedeutung für das islamische Aussage- und Normensystem ist vor allem der ethisch-normative Bruch zwischen dem mekkanischen und dem medinesischen Teil des Korans. In Mekka stand Mohammed mit seiner kleinen Anhängerschar einer übermächtigen Ablehnungsfront gegenüber. Entsprechend tragen die dort (in den Jahren zwischen 610 und 622 geoffenbarten Koranverse einen nahezu ausschließlich spirituellen Charakter. Von Kriegsführung und Gewaltanwendung ist angesichts der gegebenen Kräfteverhältnisse keine Rede. Im Gegenteil: In der mekkanischen Sure 73,10 heißt es: „Und ertrage in Geduld, was sie (die verleumderischen Quraishiten) sprechen, und flieh' von ihnen in geziemender Flucht“.

Nach der Übersiedlung nach Medina und der dortigen Gründung eines islamischen Gemeinwesens ändert sich der Verkündungsinhalt allerdings radikal, d. h. er wird den neuen Möglichkeiten der kriegerisch-räuberischen Selbstbehauptung gegenüber einer feindlichen Umwelt angepasst. Aus der Position der errungenen Stärke wird nun ein friedlicher Ausgleich mit den Ungläubigen ausgeschlossen: Dies drückt sich auch in Sure 2,191 aus: „Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben, denn Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Totschlag“.

Der ehemalige Professor für islamische Geschichte an der Al-Azhar Universität in Kairo, Mark A. Gabriel, sagt in seinem Buch Islam und Terrorismus über den unterschiedlichen Charakter der Koranverse in der Zeit als Mohammed noch in Mekka lebte und in der Zeit, nachdem er Mekka verlassen hatte, folgendes:

Naskh (Aufhebung, Ausserkraftsetzung) basiert auf der Tatsache, dass der Koran Mohammed zu verschiedenen Zeiten über einen Zeitraum von 22 Jahren hinweg geoffenbart wurde. Manche Teile des Korans kamen später, manche früher. Um einen Widerspruch aufzulösen, beschloss man, dass neuere Offenbarungen die älteren Offenbarungen aufheben.

Es  gibt  im  Koran  mindestens  114  Verse,  die  von  Liebe,  Frieden  und  Vergebung  sprechen, besonders  in  der  Sure  mit dem Titel  „Die  Kuh“  (Sure  2,62;  2,109). Doch als  später  Sure  9,5 geoffenbart wurde, hob sie diese früheren Verse auf.:

Tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem  Hinterhalt auf. Wenn  sie  jedoch  in  Reue  umkehren  und  das  Gebet  verrichten  und  die  Steuer zahlen, lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig. (Sure 9,5)


Dies ist als der „Vers des Schwertes“ bekannt, und er erklärt, dass Muslime jeden bekämpfen müssen, der sich  nicht zum Islam  bekehren will, ob innerhalb oder außerhalb von Arabien. Darin sieht man die endgültige Entwicklung des Djihad (des Heiligen Krieges) im Islam.

Mehrere Quellen bestätigen den Gedanken, dass der Vers des Schwertes die 114 Koranverse, die davon sprechen, den Ungläubigen zu vergeben, statt sie zu töten, ersetzt und aufgehoben (nasikh) hat,  vgl. z.B. Jalal al-Din al Suyuti, Ab-Bab  al-Nuzul [Grundlagen  der  Offenbarung], erschienen im Verlag Dar Ihya al-’Ulum, Beirut, Lebanon, 1983


Das  Naskh-Prinzip  ist  sehr  wirksam. Wenn ein Vers nasikh oder aufgehoben ist, dann existiert er praktisch nicht mehr. Man  könnte nun fragen:  „Warum gibt es überhaupt Widersprüche im Koran? Warum haben  sich  die  Offenbarungen im Lauf  der Zeit verändert?“ Diese Frage lässt sich beantworten, indem wir einen Blick auf das Leben Mohammeds werfen, dem  Propheten des Islam.


Anfangs waren die Botschaften, die Mohammed geoffenbart wurden, friedlich und freundlich, um Menschen anzuziehen. Doch die Umstände veränderten sich. Mohammed  traf in Mekka, der Stadt, wo er seine Botschaft erstmals predigte, auf viel Widerstand, so dass er sie im Jahre 622 n. Chr. verließ. Er ging nach Yathrib, in eine Stadt, die heute Medina heißt, wo er eine Militärmacht aufbaute und die Zahl seiner Anhänger vergrößerte. (Sowohl Mekka als auch Medina liegen im heutigen Saudi-Arabien.) Als Mohammed eine gewisse Macht erlangt hatte, war er in der Lage, zurückzukehren und Mekka und die umliegenden Gebiete zu erobern. Der Islam wandelte sich von einer geistlichen Religion in eine politische Revolution.


In Mekka drehte sich das ganze Leben des Propheten Mohammed um Gebete und Meditationen, sodass die koranischen Offenbarungen in Mekka von Frieden und Zusammenarbeit mit anderen sprechen. In Medina jedoch wurde Mohammed zu einem Militärführer und Eroberer, und entsprechend ist in den Offenbarungen in Medina von Militärmacht und Eroberung im Namen des Islam (Djihad) die Rede.


Sechzig Prozent der Koranverse handeln vom Djihad, was einleuchtend ist, da Mohammed den größten Teil des Korans empfing, nachdem er Mekka verlassen hatte. Der Djihad wurde zur grundlegenden Triebkraft des Islam.


Es wäre schön, wenn die Suren im Koran in der Reihenfolge angeordnet wären, in der sie geoffenbart wurden, aber das ist nicht der Fall. In manchen Koranausgaben ist jeder Vers gekennzeichnet, ob er in Mekka oder in Medina geoffenbart wurde; doch um die genaue Reihenfolge der Offenbarungen zu erfahren, muss man zu wissenschaftlichen Nachschlagewerken greifen.]

Wenn du dies nicht für uns tun willst“, bedrängten sie ihn weiter, „so tue etwas für dich! Bitte deinen Herrn, dir einen Engel an die Seite zu stellen, der deine Worte bestätigt und uns widerlegt. Bitte ihn auch, er möge dir Gärten und Schlösser, goldene und silberne Schätze schaffen, um dir zu geben, was du offensichtlich brauchst. Denn du gehst auf dem Markt deinen Geschäften nach wie wir und musst dir deinen Lebensunterhalt suchen, wie wir es tun. Dann würden wir erkennen, welchen Vorrang und welche Stellung du bei deinem Herrn genießt, wenn du wirklich ein Prophet bist, wie du behauptest.“

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Als ihnen der Prophet daauf die gleiche Antwort gab wie zuvor, fuhren sie fort: „So lasse den Himmel in Stücke auf uns herabfallen6, wie es nach deiner Behauptung der Herr tun kann, wenn er es will. Nur wenn du dies vermagst, werden wir an dich glauben.“ „Dies liegt bei Gott“, gab der Prophet zurück, „wenn er es mit euch tun will, wird er es tun.“ Da wandten sie ein: „Wusste dein Herr denn nicht, dass wir uns mit dir zusammensetzen, dir diese Fragen stellen und unsere Forderungen an dich richten würden? Er wäre doch sonst zu dir gekommen und hätte dir erklärt, was du uns hättest erwidern können, wenn wir deine Worte nicht annehmen. Wir haben erfahren, dass dich jener Mann aus der Landschaft Yamama, namens Rahman6.1, unterweist; und an Rahman werden wir wahrlich niemals glauben. Wir sind dir gegenüber ohne Schuld, Muhammad. Wir werden dich nicht in Ruhe lassen und du wirst mit uns nicht fertig werden, bevor nicht du oder wir vernichtet sind.“

6Zu dieser und auch einigen der voranstehenden Forderungen, vergleiche Koransure 17,90-93: Und sie sagten: „Wir werden dir nicht glauben, solange du uns nicht aus der Erde eine Quelle hervorkommen läßt oder einen Garten mit Palmen und Weinstöcken hast und dazwischen lauter Bäche hervorsprudeln läßt oder den Himmel, wie du behauptet hast, in Stücken auf uns herabfallen läßt oder Allah und die Engel (uns) leibhaftig herbeibringst oder (solange du nicht) ein prunkvolles Haus hast oder in den Himmel aufsteigst. Und wir werden (dann auch) nicht glauben, daß du aufgestiegen bist, solange du uns nicht eine Schrift herabsendest, die wir lesen (können).“ „Sag: „Mein Herr sei gepriesen! (Wo denkt ihr hin?) Bin ich denn etwas anderes als ein Mensch und ein Gesandter?““

6.1Nach islamischer Sicht soll Mohammed Analphabet gewesen sein. Dies wird um so mehr betont, um sein göttliches Prophetentum zu untermauern, frei nach dem Motto: „Er war Analphabet, mithin konnte er nichts Wesentliches über Religionen erfahren haben. Welche Quelle sollte somit seiner Belehrung dienlich gewesen sein? Also blieb nur die Möglichkeit, er habe seine Informationen mit Hilfe des Erzengels Gabriel direkt von Gott erhalten!“ Wenngleich er nicht lesen und schreiben konnte, war er dessen ungeachtet nicht taub und blind und besaß daher die Möglichkeit das von ihm Gehörte niederschreiben zu lassen. Aus diesen Bruchstücken entstand erst viel später der Koran. Mohammed kannte also eine ganze Menge hochintelligenter und belesener Leute, die ihm sein Wissen über religiöse Zusammenhänge verschafften. Zu den Leuten, von denen Mohammed sein Wissen über Religion bezog, gehörte u.a. der oben erwähnte Rahman. Rahman kam aus Yamama und war Stammesmitglied der Hanifen. (siehe: Beitrag von Magus)

Und einer von ihnen fügte hinzu: „Wir beten die Engel, die Töchter Gottes an.“ Und ein anderer sprach: „Wir werden solange nicht an dich glauben, als du uns nicht Gott und die Engel als Bürgen gebracht hast.“ Nach diesen Worten erhob sich der Prophet, um zu gehen. Da stand auch Abdallah ibn abi Umayya auf, der Sohn einer Tante Muhammads, und wandte sich zu ihm: „Dein Volk hat dir Vorschläge gemacht, aber du hast keinen angenommen. Sie haben dich gebeten, etwas für sie zu tun, damit sie erkennen, welchen Rang du bei Gott innehast, um an dich zu glauben und dir folgen zu können, aber du hast nichts getan. Dann haben sie dich gebeten, etwas für dich selber zu tun, wodurch sie hätten erkennen können, welchen Vorzug du vor ihnen bei Gott genießt, aber du hast nichts getan. Schließlich haben sie dich gebeten, ihnen schon jetzt einen Teil der Strafe zukommen zu lassen, mit der du ihnen in deiner Offenbarung Angst6.2 machst, aber du hast nichts getan. Wahrlich, ich werde nicht an dich glauben, bevor ich nicht gesehen habe, wie du auf einer Leiter zum Himmel emporsteigst und mit vier Engeln zurückkommst, die bezeugen, was du sagst. Ja, wahrscheinlich werde ich nicht einmal dann an dich glauben.“

6.2[Nicht so ungeduldig, Männer von Quraish. Die Strafe kommt schneller als euch lieb ist. - Aber es ist schon wahr und ihr werdet es in diesem Buch auch noch feststellen, dass Mohammed permanent irgendwelche Drohungen ausspricht, um den Menschen Angst zu machen, so dass man irgendwann ziemlich angewidert davon ist. Man hat den Eindruck, dass der ganze Islam nur auf Drohungen, Bestrafungen und Unterwerfung beruht.]

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Mit diesen Worten verließ er den Propheten. Muhammad kehrte zu seiner Familie zurück, traurig und bekümmert, weil seine Hoffnungen, die er in ihre Einladungen gesetzt hatte, vergebens gewesen waren, und weil er hatte erfahren müssen, dass sie sich nur noch mehr entfremdet hatten.

Nachdem der Prophet aus der Versammlung weggegangen war, sprach dort Abu Djahl6.3 „Männer von Quraish! Ihr habt gesehen, dass Muhammad nicht damit aufhören will, unsere Religion, unsere Väter, unsere Tugenden und unsere Götter zu verunglimpfen. Ich schwöre, ich werde ihn morgen mit einem Stein so groß, dass ich ihn kaum heben kann, erwarten. Und wenn er sich beim Gebet niederbeugt, werde ich ihm damit den Schädel einschlagen. Es ist mir gleich, ob ihr mich dann ausliefert oder beschützt. Die Abdmanaf sollen dann tun, was sie wollen.“

6.3Abu Djahl kam aus der quraishen Sippe der Makhzum, deren Führer er, als Nachfolger von Walid ibn Mughira, noch vor der Hidjra, vor dem Auszug der Moslems nach Medina, wurde. Abu Djahl war der bedeutendste Gegner des Propheten und war für den Boykott (über den noch gesprochen wird) und die Verfolgung vieler Muslime verantwortlich. Der überaus einflussreiche und reiche Abu Djahl fiel in der Schlacht von Badr im Jahre 624. Sein Sohn Ikrama übernahm bis zu einem gewissen Grad seine Stellung.

Sie versprachen ihn, man werde ihn nicht ausliefern und bestärkten ihn noch in seinem Vorhaben. Am nächsten Morgen nahm Abu Djahl einen Stein, wie er ihn beschrieben hatte, setzte sich nieder und wartete auf den Propheten. Dieser kam und betete, während die Quraish in ihrer Versammlung saßen und warteten, was Abu Djahl tun würde. Als Muhammad sich im Gebet niederbeugte, nahm Abu Djahl einen Stein und ging auf den Propheten zu. Als er aber in seine Nähe kam, machte er fluchtartig kehrt. Sein Gesicht hatte die Farbe verloren und war erfüllt von Entsetzen. Seine Hände hatten sich verkrampft und der Stein war ihm entfallen.

Abu Djahl, was hast du“, riefen die Quraish. „Ich ging auf ihn zu, doch als ich in seine Nähe kam“, so erwiderte Abu Djahl, „trat mir ein Kamelhengst entgegen mit einem Kopf, einem Nacken und Zähnen, wie ich sie noch nie an einem Hengst gesehen habe. Er wollte mich fressen.“ Später soll der Prophet erklärt haben, es sei Gabriel gewesen. Er hätte Abu Djahl gepackt, wenn er noch näher gekommen wäre. [Arabische Märchenstunde aus 1001 Nacht. Wahrscheinlich hat dieses Ereignis niemals stattgefunden. Diese Geschichte soll wohl ein Beleg dafür sein, dass Mohammed durch göttliche Kräfte beschützt wurde.]

Darauf erhob sich Nadr, der Sohn des Harith und sprach: „Männer von Quraish! Es ist etwas über euch gekommen, worauf ihr keinen Ausweg wisst. Muhammad war ein junger Mann, den ihr alle sehr gern hattet, dessen Worten ihr völlig vertraut

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habt und der unter euch als der Zuverlässigste galt. Als ihr dann seine Schläfen ergrauen saht und er mit seiner Verkündung kam, nanntet ihr ihn zuerst einen Zauberer. Doch ein Zauberer ist er nicht, denn wir kennen die Zauberer und haben gesehen, wie sie auf ihre Knoten spucken7. Dann nanntet ihr ihn einen Seher. Doch auch ein Seher ist er nicht, denn wir kennen die Seher, ihr Verhalten und ihre gereimte Sprache. Dann nanntet ihr ihn einen Dichter. Doch auch ein Dichter ist er nicht, denn wir kennen die Dichtung und ihre Metren, den Hazadj, wie den Radjaz8. Dann nanntet ihr ihn einen Besessenen. Doch auch ein Besessener ist er nicht, denn wir kennen die Besessenheit und er zeigt weder das bezeichnende Ersticken, noch das Einflüstern, noch die geringste Verwirrung. Männer von Quraish! Achtet auf euch. Schlimmes ist über euch gekommen.“

7Die auf den „Knoten spuckenden Zauberer“ werden für die vorislamische Zeit häufig erwähnt und erscheinen auch im Koran (Sure 113,4). Dahinter steckt die Vorstellung, dass man durch das Blasen oder Spucken auf ein verknotetes Stück Stoff o. ä. aus dem Besitz des zu Verfluchenden den Knoten löst und damit dem Besitzer auf magische Art Schaden zufügt.

8Hazadj und Radjaz gelten den Arabern als älteste Dichtungsformen. Vor allem der Radjaz (bei dem jeder Vers in der Regel aus zwei oder drei Dijamben besteht) ist eines der beliebtesten altarabischen Metren für Kinder-, Spott- und Kampflieder sowie Zauberverse.

Nadr, der dies sagte, war einer jener Teufel unter den Quraish, die den Propheten beleidigten und angriffen. Er war in Hira im Irak gewesen und hatte dort die Geschichte über die persischen Könige, über Rostam und Isfandiyar kennengelernt. Und als der Prophet einmal in einer seiner Versammlungen an Gott erinnerte und sein Volk vor der göttlichen Heimsuchung gewarnt hatte, die die alten Völker vor ihnen traf, war Nadr, nachdem der Prophet geendet hatte, mit den Worten aufgestanden: „Wahrhaftig, ihr Männer von Quraish, ich kenne bessere Geschichten als er. Kommt her zu mir! Ich erzähle euch eine schönere Geschichte.“ Und nachdem er ihnen von der persischen Königen, von Postam und Isfandiyar erzählt hatte, hatte er sie gefragt: Inwiefern ist nun Muhammad ein besserer Geschichtenerzähler als ich?“ [Mohammed ließ Nadr dafür im April 624 ermorden, weil dieser es gewagt hatte, ihm das Publikum abspenstig zu machen. (siehe Tilman Nagel Seite 313]

Dieser Nadr schickten nun die Quraish zusammen mit Uqba, dem Sohn des Abu Muait, zu den jüdischen Rabbis nach Medina, um sich bei ihnen nach Muhammad zu erkundigen, ihnen den Propheten zu beschreiben und ihnen von seinen Worten zu berichten. „Denn“, so sprachen sie, „sie sind das erste Volk mit einer Heiligen Schrift und sie verstehen von Propheten mehr als wir.“ Die beiden taten, wie sie geheißen und baten schließlich die Rabbis in Medina: „Ihr seid die Leute der Thora [der hebräischen Bibel] und wir sind zu euch gekommen, damit ihr uns sagt, was wir mit diesem Mann tun sollen.“

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Fragt ihn“, so begannen die Rabbis, „nach drei Dingen, die wir euch auftragen! Kann er euch darüber berichten, ist er ein gesandter Prophet. Kann er es nicht, ist er ein Lügner. So macht euch eure eigene Meinung über ihn. Als erstes fragt ihn nach jungen Männern, die in alter Zeit veschwanden, denn es gibt von ihnen eine wunderbare Geschichte. Dann fragt ihn nach dem Wanderer, der das Ende der Erde gen Sonnenaufgang und gen Sonnenuntergang erreichte. Und schließlich fragt ihn nach dem Wesen des Geistes. Gibt er euch Antwort darüber, so folgt ihm, denn dann ist er ein Prophet. Andernfalls ist er ein Lügner. Macht dann mit ihm, was ihr für richtig haltet.“

Die beiden Männer kehrten nach Mekka zurück und berichteten den Quraish, was die Rabbis gesagt hatten. Darauf begaben sie sich zu Muhammad und stellten ihm die drei Fragen. Er versprach ihnen am nächsten Tag zu antworten, vergaß jedoch hinzuzufügen: inshallah (wenn Gott will). Zwei Wochen vergingen, ohne dass Gott über die Fragen zu ihm sprach oder Gabriel zu ihm kam. Schließlich streuten die Mekkaner Verleumdungen aus und sprachen: „Muhammad hatte uns auf den folgenden Tag vertröstet. Nun aber sind fünfzehn Nächte verstrichen ohne dass er uns auch nur eine Frage beantwortet hat.“

Den Propheten ergriff große Trauer darüber, dass die Offenbarung ausgeblieben war und auch die Reden der Mekkaner bekümmerten ihn sehr. Doch dann kam Gabriel und überbrachte ihm die Sure „Die Höhle“ (Sure 18), in der Gott ihn wegen seiner Trauer tadelte und ihm die Antworten auf ihre Fragen über die jungen Männer, den Wanderer und den Geist gab9. Die Mekkaner erkannten es nun als die Wahrheit. Sie merkten, dass seine Worte richtig waren und dass er den Rang eines Propheten besaß, da er ihnen auf ihre Fragen verborgenes Wissen geoffenbart hatte. Aber ihr Neid hinderte sie daran, ihm zu folgen und an ihn zu glauben. Sie blieben anmaßend gegen Gott, übergingen ganz offensichtlich seinen Befehl und beharrten weiter auf ihrem Unglauben. Einer von ihnen sprach: „Hört nicht auf diesen Koran! Betrachtet ihn als törichtes Gerede, vielleicht bleibt ihr dann siegreich. Wenn ihr aber mit Mu-

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hammad nur einen Tag lang disputiert und streitet, wird er euch besiegen.“

9Sure 18, die im arabischen Text darauf teilweise wiedergegeben ist.

[Gab es etwa irgendwelche Zweifel daran, dass Mohammed die drei Fragen nicht hätte beantworten können? Auch ein Erzengel hat so allerlei um die Ohren und hat nicht immer sofort für jeden „Propheten“ Zeit. Gut Ding will Weile haben. Erinnern wir uns daran, dass Mohammed allerlei kluge Köpfe um sich gesammelt hatte, darunter auch ehemalige Christen und Juden, die sich natürlich in den heiligen Schriften bestens auskannten. allmystery.de geht auf dieser und dieser Seite sehr ausführlich darauf ein. Vielleicht war auch ein Ritt nach Medina erforderlich, um die nötigen Informationen bei den dort ansässigen Juden einzuholen.]

19. Die Quraish verfolgen die Schutzlosen unter den Muslimen Top

Die Quraish gingen gegen alle jene feindselig vor, die sich zum Islam bekehrt hatten und dem Propheten folgten. Besonders aber stürzten sich die Stämme auf die Schwachen unter ihnen, die nicht den Schutz einer Sippe genossen. Sie sperrten sie ein, folterten sie mit Schlägen, Hunger und Durst und setzten sie in Mekka der Sonnenhitze aus, wenn diese am stärksten war, um sie vom Islam abzubringen. Einige wurden so schwer heimgesucht, dass sie ihren Glauben wieder aufgaben; andere blieben ihnen gegenüber standhaft und wurden von Gott davor bewahrt.

Bilal war als Sklave geboren worden und gehörte jemandem von der Sippe Djumah. Sein Vater hieß Rabah, seine Mutter Hamama. Er war aufrichtig im Glauben und rein im Herzen. Umayya, einer der führenden Männer der Djumah, brachte Bilal oft in der größten Mittagshitze hinaus in das breite Tal von Mekka, warf ihn auf den Rücken, ließ ihm einen mächtigen Stein auf die Brust legen und sprach: „Du bleibst so liegen, bis du stirbst, wenn du nicht Muhammad abschwörst und nicht zu den Göttinnen Lat und Uzza betest.“ „Einer, Einer!“, rief Bilal und bekannte sich trotz seiner Bedrängnis zum einzigen Gott. [Damit wollte Bilal zum Ausdruck bringen, dass es nur einen Gott, nämlich Allah, gibt.]

Von seinem Vater erzählte mir Hisham ibn Urwa folgendes:

Als Bilal gequält wurde und „Einer, Einer!“ rief, kam einmal Waraqa ibn Naufal vorüber, bestärkte Bilal in seinem Glauben und trat dann auf Umayya und die anderen vom Stamme Djumah zu, die sich an der Folterung Bilals beteiligten. „Ich schwöre bei Gott“, sprach er zu ihnen, „wenn ihr ihn auf diese Weise umbringt, werde ich sein Grab zu einer Wallfahrtsstätte machen.“

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Auch Abu Bakr [der engste Vertraute Mohammeds] kam eines Tages dazu, als die Djumah, in deren Viertel sein Haus stand, Bilal peinigten. Er fragte Umayya: „Fürchtest du nicht Gott, dass er dich bestrafen wird für das, was du mit diesem Armen tust? Wie lange soll das noch gehen?“ „Du warst es doch, der ihn verdorben hat“, erwiderte Umayya, „nun befreie du ihn auch aus der Lage, in der du ihn jetzt siehst!“ „Ja, ich werde es tun“, entgegnete Abu Bakr, „ich habe einen schwarzen Sklaven, der kräftiger und stärker ist als Bilal und deinem Glauben angehört. Den gebe ich dir für Bilal.“ Umayya war damit einverstanden. Abu Bakr aber nahm Bilal und entließ ihn aus dem Sklavenstand, so wie er schon vor ihm sechs anderen Sklaven die Freiheit geschenkt hatte.

Es war vor allem der Frevler, Abu Djahl, der die Quraish gegen die Muslime aufhetzte. Sobald er davon hörte, dass ein Mann zum Islam übergetreten war, der dem Adel angehörte und den Schutz seiner Sippe genoss, tadelte und schmähte er ihn mit den Worten: „Du hast den Glauben deines Vaters, der besser war als du, verlassen. Wir werden dich für blöde und schwachsinnig erklären und dir dein Ansehen zugrunde richten.“ Wenn es ein Händler war, der den Islam angenommen hatte, sprach er zu ihm: „Wahrlich, wir werden deine Geschäfte boykottieren und dir dein Vermögen vernichten.“ Und wenn es jemand aus unterstem Stand war, schlug er ihn und hetzte die anderen gegen ihn auf.

20. Die Auswanderung nach Abessinien (Äthiopien) [615] Top

Als der Prophet all das Unglück sah, das seine Gefährten traf, und erkannte, dass er sie nicht davor schützen konnte, obwohl er selbst, dank der Hilfe Gottes und seines Onkels Abu Talib verschont blieb, riet er ihnen, nach Abessinien wegzuziehen. „Denn dort“, so sprach er, „herrscht ein [christlicher] König, bei dem niemanden Unrecht geschieht. Es ist ein freundliches Land. Bleibt dort, bis Gott eure Not zum Besten wendet!“

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Darauf folgten die Gefährten des Propheten nach Abessinien, da sie die Versuchung fürchteten, vom Islam abzufallen und sich mit ihrem Glauben zu Gott flüchten wollten. Es war dies die erste Hidjra [Auswanderung aus Mekka, auch Hidschra genannt]. Die Zahl der Auswanderer ohne Söhne, die sie als Kleinkinder bei sich hatten oder die dort geboren wurden, betrug 83 Mann. Zu den Geschichten, die von den Auswanderern verfasst wurden, nachdem sie sicher in Abessinien angekommen waren, die freundliche Aufnahme durch den Negus [König] lobten und ohne Furcht vor jemanden Gott dienen konnten, gehörten die folgenden Worte des Abdallah ibn Harith:

O Reiter, bringe von mir eine Botschaft zu denen,
die Gottes Worte und Kunde vom Glauben erstreben.
Beichte allen Verfolgten im Tale von Mekka,
die dort nur Qualen und schmachvolle Folter erleben:
„Wir haben im Land unseres Gottes die Helfer gefunden,
die uns aus Schande und Scham und Erniedrigung heben.
So bleibt nicht länger mehr dort, wo euch Schmach und Verachtung
im Leben, wie auch im Tode für immer umgeben!“

Uthman ibn Mazun richtete gegen seinen Vetter Umayya, der damals im Stamme Djumah eine führende Rolle spielte und ihn wegen seines Glaubens misshandelt hatte, die folgenden Verse:

Nun, da das Meer und gewaltige Berge uns trennen,
wundert mir doch, welchen Hass du entgegen mir brachtest.
Weg triebst du mich aus dem sicheren Tale von Mekka,
hier dieses Schloss du zu bitterer Wohnstatt mir machtest.
Aber vergebens befiederst du nun deine Pfeile,
ja, auch umsonst auf die Schärfe der Spitzen du achtest.
Edle und mächtige Männer bekämpfst du grausam,
frühere Hilfe von ihnen du nicht mehr beachtest.
Erst wenn das Unglück und niedre Verräter dich treffen,
wirst du begreifen, welch schmerzlichen Fehler du machtest.

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21. Die Quraish senden eine Delegation nach Abessinien, um die Auswanderer zurückzuholen Top

Als die Quraish sahen, dass die Gefährten des Propheten sicher und geborgen in Abessinien lebten und dort ein schützendes Obdach gefunden hatten, beschlossen sie, zwei standhafte Männer aus ihren Reihen zum Negus [Negus bedeutet König und ist einer der ältesten Feudaltitel des Kaiserreiches Äthiopien.] zu schicken, um die Auswanderer von ihrem Glauben abzubringen und sie aus dem Land ihrer Zuflucht wieder zurückzuholen. Sie sandten Abdallah, den Sohn des Abu Rabia und Amr9.1, den Sohn des As. Für den Negus und seine Heerführer gaben sie ihnen Geschenke mit.

9.1[Amr ibn As, aus der Sippe der Quraish, spielte zu Mohammeds Lebzeiten noch eine untergeordnete Rolle. Nach seiner Bekehrung einige Monate vor der Eroberung Mekkas, nutzte Mohammed jedoch gleich sein militärisches Talent und beaufragte ihn mit einigen kleineren militärischen Aktionen und schließlich mit der Unterwerfung von Oman. Er spielte dann eine bedeutende Rolle bei den Feldzügen in Syrien und eroberte Ägypten, wo er Fustat, das spätere Kairo, gründete. Er starb 663. Mohammed hatte bereits zu Lebzeiten 74 Kriege gegen arabische, jüdische und christliche Stämme geführt. Doch auch nach Mohammeds Tod setzte sich die islamische Expansion fort. Mit Feuer und Schwert wurden Palästina, Syrien, Jordanien, Israel, Ägypten, Armenien, Marokko, Iran, Irak, Ägypten, Spanien, Portugal, Teile Frankreichs, die Türkei (Byzanz), Zypern, Indien, China und Pakistan erobert und zwangsweise islamisiert. (siehe: Islamische Expansion)]

Umm Salama, später eine der Frauen des Propheten, schilderte hinterher dem Abu Bakr aus dem Stamme der Makhzum die Ereignisse. Von diesen hörte Muhammad ibn Muslim den Bericht, der ihn mir weiter erzählte:

Umm Salama sprach: Als wir in Abessinien ankamen, wurden wir vom Negus aufs beste aufgenommen. Wir konnten in Sicherheit unseren Glauben ausüben und Gott dienen, ohne dass wir misshandelt wurden oder etwas Unziemliches zu hören bekamen. Als die Quraish in Mekka dies erfuhren, beschlossen sie, wegen uns zwei standhafte Männer aus ihren Reihen zum Negus zu schicken und ihnen vom Besten, was Mekka an Waren zu bieten hatte, Geschenke für ihn mitzugeben. Das, was man am meisten unter den aus Mekka nach Abessinien eingeführten Waren schätzte, war Leder. Man brachte nun für den Negus eine große Menge davon zusammen und bereitete auch für jeden seiner Feldherrn ein Geschenk vor. Dann schickten sie damit Abdallah und Amr nach Abessinien und gaben ihnen die Weisung mit, sie sollten zuerst den Feldherrn und erst dann dem Negus die Geschenke übergeben und diesen darauf bitten, ihnen die Auswanderer auszuliefern, bevor er selbst mit ihnen gespochen habe.

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Die beiden machten sich auf den Weg und kamen zum Negus, bei dem wir uns in bester Obhut befanden. Sie übergaben zunächst den Feldherrn ihre Geschenke und erklärten jedem von ihnen: „In das Land eures Königs sind einige törichte Burschen von uns geflohen, die sich vom Glauben ihres Volkes getrennt haben, aber auch nicht eurer [christlichen] Religion beigetreten sind. Sie haben eine neue Religion erfunden, die uns ebensowenig bekannt ist, wie euch. Die Führer unseres Volkes haben uns deshalb zu eurem König gesandt, damit er sie zu uns zurückschickt. Wenn wir nun mit dem König darüber sprechen werden, so ratet ihm, er solle sie uns ausliefern, ohne dass er erst mit ihnen redet, denn wir wissen an besten über sie und ihre Schandtaten Bescheid.“

Die Feldherren versprachen es ihnen. Dann übergaben die beiden auch dem Negus seine Geschenke und dieser nahm sie an. Sie erhoben vor ihm die gleichen Anschuldigungen gegen die Auswanderer, wie vor den Feldherrn und diese rieten dem Negus, der Bitte der Mekkaner nachzukommen. Doch da erzürnte der Negus und sprach: „Nein, bei Gott, ich werde sie den beiden nicht ausliefern. Keinen, der schutzsuchend in mein Land kam und mich anderen vorzog, werde ich preisgeben, bevor ich sie nicht gerufen und darüber befragt habe, was die beiden von ihnen behaupten. Ist es so, wie sie sagen, werde ich sie ihnen ausliefern und zu ihrem Volk zurückschicken. Ist es aber nicht so, so werde ich sie vor den beiden in Schutz nehmen und ihnen meine Gastfreundschaft gewähren, solange sie mich darum bitten.“

Sodann schickte er einen Boten zu den Gefährten des Propheten, um sie zu holen. Als dieser zu ihnen kam, versammelten sie sich und berieten darüber, was sie dem Negus sagen sollten, wenn sie zu ihm kämen. „Was auch immer geschehen wird“, so sprachen sie, „wir werden ihm sagen, was wir wissen und was unser Prophet uns befahl.“

Der Negus hatte auch seine Bischöfe holen lassen, die ihre Heiligen Schriften um ihn herum ausbreiteten. Als die Muslime ankamen, fragte der Negus: „Was ist das für eine Religion, deretwegen ihr euch von eurem Volk getrennt habt ohne dass ihr meiner oder einer anderen bekannten Religion beigetreten seid?“

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O König“, begann Djafar, der Sohn des Abu Talib, seine Antwort. „Wir waren ein unwissendes Volk, verehrten Götzen, aßen unreines Fleisch, gingen zu den Huren, verletzten Verwandschaftsbande, missachteten die Gastfreundschaft und die mächtigen unter uns bereicherten sich an den Schwachen. So lebten wir, bis Gott uns aus unserer Mitte einen Propheten sandte, dessen Abstammung, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Anstand wir kennen. Er rief uns auf, die Einheit Gottes zu bekennen und ihm zu dienen, die Steine und Götzen aber, die wir und unsere Väter verehrten, aufzugeben. Er befahl uns, stets die Wahrheit zu sprechen, Treue zu bewahren, Blutsbande zu achten, dem Gast Schutz zu gewähren und Verbrechen und Blutvergießen zu vermeiden [Man denke nur daran, wieviel Blut inzwischen im Namen des Islam vergossen wurde.] Er verbat uns zu huren und zu lügen9.2, den Waisen den Besitz zu nehmen und unbescholtene Frauen zu verleumden. Er befahl uns, Gott allein zu verehren und ihm nichts [keine anderen Götter] beizugesellen, zu beten, Almosen zu geben und zu fasten. Wir glaubten an ihn, folgten ihm in seiner Offenbarung, dienten Gott allein, ohne ihm etwas anderes beizugesellen, erachteten für verboten, was er uns für verboten erklärte, und sahen als erlaubt an, was er uns erlaubte. Unser Volk aber stürzte sich auf uns, peinigte uns und versuchte, uns von unserem Glauben abzubringen, damit wir die Verehrung Gottes aufgeben, zum Götzendienst zurückkehren und wieder wie zuvor die üblen Dinge für erlaubt halten sollten. Als sie dann mit Gewalt gegen uns vorgingen, uns unterdrückten, uns Beschränkungen auferlegten und uns an der Ausübung unseres Glaubens hinderten, begaben wir uns in dein Land und wollten lieber bei dir als bei jemand anderem sein. Wir schätzen deinen gastlichen Schutz und hoffen, dass uns bei dir, o König, kein Unrecht geschieht.“

[9.2Mit der Wahrheit nimmt es der Koran allerdings nicht immer so genau. So gibt es zum Beispiel den Begriff der Taqyiia (Taqiyya), der es dem Moslems erlaubt, in Notsituationen zu lügen. Der Koran erlaubt in Notsituationen die Verheimlichung oder gar Verleugnung des Glaubens, solange man „innerlich am Glauben festhält“ (Sure 16,106). Weiter erlaubt der Koran die vordergründige Freundschaft mit Feinden des Islams (normalerweise soll nach Sure 5,51 kein Muslim mit einem Juden oder Christen eine Freundschaft eingehen), wenn man sich vor ihnen fürchtet (Sure 3,28). Auch der Genuss verbotener Speisen (Alkohol, Blut, Fleisch von ungeschächteten Tieren, Schwein, Hund oder Katze) ist den Moslems erlaubt, wenn sie in einer Notlage sind (Sure 6,119).

Die Koranverse, die Taqiyya erlauben, werden von der Tafsir-Wissenschaft mit dem Fall des Ammār ibn Yāsir in Verbindung gebracht, der gezwungen worden war, Götzen zu verehren. Überliefert wurde der Fall zweier muslimischer Gefangener des „falschen Propheten“ Musailima, von denen einer den Märtyrertod wählte, der andere aber sein Leben rettete, indem er vorgab, dem Gegenpropheten zu huldigen. Der Prophet Mohammed soll bei der Nachricht des Todes erklärt haben: „Der Getötete ist dahingegangen in seiner Gerechtigkeit und seiner Glaubensgewissheit und hat seine Herrlichkeit erlangt; Heil ihm! Dem andern aber hat Gott eine Erleichterung gewährt, keine Züchtigung soll ihn treffen.“ Rudolf Strothmann-Moktar Djebli: Taqiyya. In: Encyclopedia of Islam. Leiden 2003, S. X:134a-136a. (Quelle: Taqiyya)]

Hast du etwas von der Offenbarung dabei, die euer Prophet euch brachte?“ fragte der Negus. „Ja“ „Lies es mir vor.“ Djafar rezitierte einen Abschnitt aus der Sure „Maria10“ [10Sure 19], und, wahrlich, der Negus weinte, bis sein Bart feucht war. Und auch seine Bischöfe weinten, bis Tränen ihre heiligen Schriften benetzten. [Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass der Koran zu dieser Zeit, also bevor Mohammed aus Mekka auswanderte, noch einen sehr spirituellen, friedlichen und freundlichen Charakter hatte. Dies änderte sich allerdings 622 mit der Auswanderung Mohammeds aus Mekka.] Dann wandte sich der Negus an die beiden Abgesandten der Mekkaner und sprach:

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Diese Offenbarung und die Offenbarung Jesu kommen aus derselben Nische. Geht! Bei Gott, ich werde sie euch nicht ausliefern und sie nicht hintergehen!“ Als die beiden den Negus verließen, sagte Amr zu Abdallah: „Morgen werde ich ihm etwas erzählen, womit ich sie an der Wurzel vernichte!“ Abdallah, der gottesfürchtigere der beiden, wandte ein: „Tue es nicht!! Auch wenn sie sich uns widersetzt haben, bleiben sie doch unsere Stammesgenossen.“ Amr aber beharrte darauf und sprach: „Ich werde ihm von ihrer Behauptung berichten, Jesus, der Sohn Mariens, sei nur ein Mensch gewesen.“

Am nächsten Morgen ging Amr zu Negus und sagte: „O König, sie behaupten Ungeheuerliches von Jesus. Lass sie holen und frage sie danach!“ Der Negus folgte seinen Worten. Noch nie war uns dergleichen geschehen. Die Auswanderer versammelten sich wieder und berieten, was sie über Jesus antworten sollten, wenn man sie danach fragte. Dann beschlossen sie: „Wir werden sagen, was Gott sagte und was uns unser Prophet geoffenbart hat, nämlich das er der Diener Gottes, sein Prophet, sein Geist und sein Wort ist, das er der Jungfrau Maria eingegeben hatte.“

Der Negus nahm einen Stock vom Boden auf und sprach: „Wahrlich, Jesus ist nicht um eine Länge dieses Stockes mehr, als das, was du sagtet.“ Ein Raunen ging durch die ihn umgebenden Feldherrn, doch er fuhr fort: „Wenn ihr auch raunt“, und an die Muslime gewandt, „geht, ihr seid sicher in meinem Land. Wer euch beschimpft, wird Strafe zahlen. Nicht für einen Berg aus Gold würde ich einem von euch Unrecht tun. Gebt den beiden ihre Geschenke zurück. Ich brauche sie nicht. Gott hat kein Bestechungsgeld angenommen, als er mir meine Herrschaft zurück-

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gab. Warum sollte ich nun gegen ihn Bestechungsgeld annehmen! Er ist damals nicht den Leuten gegen mich gefolgt, weshalb sollte ich nun ihnen gegen ihn folgen?“ Da verließen die beiden den Negus, schmachvoll und mit Geschenken, die sie mitgebracht hatten. Wir aber blieben bei ihm in sicherer Obhut.

22. Umar ibn Khattab wird Muslim Top

Nachdem Amr und Abdallah zu den Quraish zurückgekehrt waren, ohne die Prophetengefährten und mit einer abweisenden Antwort des Negus, und nachdem Umar ibn Khattab10.1, ein energischer Mann, an dessen Schutzbefohlene sich niemand heranwagte, sich inzwischen auch zum Islam bekehrt hatte, erhielten die noch in Mekka lebenden Prophetengefährten durch Umar und den ebenfalls bekehrten Hamza ibn Abdalmuttalib10.2 solchen Schutz, dass sie den heidnischen Quraish Widerstand leisten konnten. Abdallah, der Sohn des Masud, pflegte immer zu sagen: „Wir konnten solange nicht unsere Gebete bei der Kaaba verrichten, bis Umar Muslim wurde. Nachdem er zum Islam übergetreten war, bekämpfte er die Quraish, bis er bei der Kaaba beten konnte und auch wir mit ihm dort beteten.“

10.1Umar ibn Khattab kam aus der in Mekka politisch unbedeutenden quraischitischen Sippe „Adi“. Seine ursprünglich erbitterte Feindschaft gegenüber Muhammad und seine plötzliche Bekehrung aufgrund einiger Koranverse, haben ihn in Europa einen Vergleich mit dem christlichen Apostel Paulus eingebracht. Die besondere Stellung, die er bereits im heidnischen Mekka innegehabt haben soll, ist gewiss übertrieben. Erst seine enge Freundschaft mit Abu Bakr, die Heirat seiner Tochter Hafsa mit dem Propheten [Hafsa wurde Mohammeds vierte Ehefrau.] und seine eigene Tatkraft und Zuverlässigkeit haben ihn wohl so eng mit dem Propheten verbunden, der sehr auf seinen Rat hörte. Im Jahre 634 trat Umar ibn Khattab als zweiter Kalif die Nachfolge Abu Bakrs an. Unter seiner Herrschaft erfolgten die großen Eroberungen im Irak, in Syrien und Ägypten. Zahlreiche politische Einrichtungen, die aus der jungen Gemeinde ein funktionierendes Statswesen machen sollten, gehen auf ihn zurück. Seine Strenge und sein puritanischer Lebenswandel sind berühmt geworden. Ende 644 wurde er von einem christlichen Sklaven ermordet.

10.2Hamza ibn Abdalmuttalib war ein Onkel des Propheten, der sich durch seinen persönlichen Einsatz für Muhammad in Mekka, vor allem aber durch seine Tapferkeit, bei den Schlachten von Badr und Uhud, auszeichnete. Bei Uhud wurde er allerdings getötet und seine Leiche verstümmelt. In der späteren Volksliteratur wurde Hamza zu einer phantastischen Heldengestalt.

Umar bekannte sich zum Islam, nachdem die Auswanderer nach Abessinien gezogen waren. Und so kam es, wie ich erfahren habe, zu seiner Bekehrung: Seine Schwester Fatima und ihr Mann Said ibn Zaid hatten den Islam angenommen, verbargen aber ihren Glauben vor Umar. Aus seiner Sippe bekannte sich ferner Nuaim ibn Abdallah zum Islam und verheimlichte dies ebenfalls aus Angst vor seiner Familie. Khabbab ibn Aratt besuchte häufig Fatima, um ihr den Koran vorzulesen. Eines Tages machte sich Umar mit umgürteten Schwert auf den Weg zum Propheten und einer Gruppe seiner Gefährten, von denen man ihn berichtet hatte, dass sie in einem Haus bei Safa zusammengekommen waren. Einschließlich der Frauen waren es fast

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40 Personen, darunter Muhammads Onkel Hamza, Abu Bakr und Ali mit einigen anderen Muslimen, die beim Propheten geblieben und nicht nach Abessinien ausgewandert waren. Nuaim traf Umar auf dem Weg und fragte ihn: „Wohin willst du Umar?“ „Zu Muhammad, diesem Sabier11, der die Quraish gespalten, ihre Tugenden für dumm erklärt, ihre Religion geschmäht und ihre Götter beschimpft hat, damit ich ihn umbringe.“

11Wie im Koran sind auch hier unter Sabier (Sabäer), die Mandäer (Nazoreär) zu verstehen, die nach Juden und Christen als dritte „Buchreligion“ angesehen wurden.

Du betrügst dich selbst, Umar. Glaubst du denn die Abdmanaf werden dich länger auf Erden wandeln lassen, nachdem du Muhammad getötet hast? Willst du denn nicht lieber zu deiner eigenen Familie gehen und dort nach dem Rechten sehen?“ „Wen aus meiner Familie meinst du denn?“ „Dein Schwager und Vetter Said und deine Schwester Fatima haben den Islam angenommen und sind Muhammads Glauben gefolgt. Kümmere dich erst einmal um sie!“

Da kehrte Umar um und begab sich zu seiner Schwester und seinem Schwager. Bei diesen war gerade Khabbab mit einem Blatt, auf dem die Sure „Taha12“ (12Sure 20) geschrieben war, die er den beiden vorlas. Als sie Umar kommen hörten, versteckte sich Khabbab in einem Zimmer, während Fatima das Blatt nahm und unter ihren Oberschenkel schob. Umar hatte aber, als er sich dem Haus näherte, Khabbabs Rezitation gehört und fragte deshalb beim Eintreten: „Was war das für eine Stimme, die ich gehört habe?“ „Nichts hast du gehört!“, entgegneten die beiden. „Doch, auch hat man mir erzählt, dass ihr dem Glauben Muhammads gefolgt seid.“

Mit diesen Worten stürzte er sich auf Said. Fatima warf sich dazwischen, um ihn von ihrem Mann zurückzuhalten. Doch er schlug auf sie ein und verwundete sie am Kopf. Da gestanden die beiden: „Ja, wir sind Muslime geworden und glauben an Gott und seinen Propheten. Mache mit uns, was du willst.“Als Umar sah, dass seine Schwester blutete, bereute er seine Tat, wich zurück und sagte zu ihr: Gib mir das Blatt, von dem ich euch vorhin habe vorlesen hören, damit ich sehe, was Muhammad verkündet.“

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Umar konnte nämlich lesen und schreiben. Fatima wandte ein: „Wir haben Angst, du könntest es vernichten.“ „Sei unbesorgt“, versuchte Umar sie zu beruhigen und schwor ihr bei seinen Göttern, er werde es ihr zurückgeben, wenn er es gelesen habe.

Da hoffte Fatima, er werde sich vielleicht zum Islam bekehren und sagte: „Du bist unrein in deiner Vielgötterei, mein Bruder, und nur der Reine darf es berühren.“ Da wusch sich Umar und sie gab ihm das Blatt mit der Sure Taha. Nachdem er einen Abschnitt davon gelesen hatte, rief er aus: „Welch schöne und edle Worte!“ Als Khabbab in seinem Versteck dies hörte, kam er heraus und sprach zu Umar: „Wahrlich, Umar, ich hoffe, Gott hat dich mit dem Ruf seines Propheten ausgezeichnet, denn ich hörte, wie dieser gestern sagte: „O Gott, stärke den Islam durch den Übertritt des Abu l-Hakam oder des Umar!“

Führe mich zu Muhammad, Khabbab, damit ich Muslim werde.“ „Er ist mit einigen seiner Gefährten in einem Hause bei Safa.“ Da gürtete Umar sein Schwert um, ging zum Propheten und seinen Gefährten und klopfte bei ihnen an die Tür. Als sie seine Stimme vernahmen, erhob sich einer der Gefährten, ging zur Tür und erblickte durch den Spalt Umar mit dem Schwert. Voller Angst lief er zu Muhammad zurück und rief: „O Gottes Gesandter! Es ist Umar und er trägt ein Schwert!“ Hamza, der Sohn des Abdalmuttalib aber sprach: „Lass ihn ein! Hat er Gutes im Sinn, werden wir ihn entsprechend behandeln. Hat er Schlechtes im Sinn, werden wir ihn mit seinem eigenen Schwert töten.“

So lass ihn ein“, stimmte der Prophet zu und der Mann öffnete Umar die Tür. Muhammad erhob sich und trat im Zimmer auf ihn zu, packte ihn am Gürtel, zog ihn fest an sich und sprach: „Was bringst du, Sohn des Khattab? Bei Gott, ich fürchte, du wirst die Muslime solange verfolgen, bis Gott Unheil über dich herabsendet!“

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Gesandter Gottes“, entgegnete Umar, „ich bin gekommen, um an Gott, seinen Propheten und dessen Offenbarungen zu glauben.“ „Gott ist groß“, rief da Muhammad so laut, dass alle im Hause wussten, dass Umar Muslim geworden war. Darauf zersteuten sich die Gefährten des Propheten gestärkten Herzens, nachdem sich nun nach Hamza auch Umar zum Islam bekehrt hatte. Sie wussten nämlich, dass diese beiden den Propheten schützen konnten und sie mit ihrer Hilfe von ihren Feinden Gerechtigkeit erlangen würden.

23. Die Boykotturkunde Top

Die ausgewanderten Prophetengefährten hatten in Abessinien eine sichere Zuflucht gefunden. Der Negus schützte jeden, der sich zu ihm flüchtete. Umar war zum Islam übergetreten und stand jetzt zusammen mit Hamza auf Seiten des Propheten und seiner Gefährten. Unter den Stämmen begann sich der Islam weiter auszubreiten. Als die heidnischen Quraish dies alles sahen, berieten sie darüber eine Urkunde zu verfassen, in der gegen die Sippen Hashim und Mutallib die folgenden Boykottmaßnahmen festgelegt werden sollten: Es dürfen keine Ehen mehr mit Angehörigen dieser beiden Sippen geschlossen werden und es darf nicht mehr an sie verkauft und nichts mehr von ihnen gekauft werden. Nachdem sie sich darauf geeinigt hatten, schrieben sie die Bedingungen auf ein Blatt und gaben sich das Verspechen, diese einzuhalten. Das Blatt hängten sie in die Mitte der Kaaba auf, damit es sie immer wieder an ihre Verpflichtung gemahme. Der Schreiber der Urkunde war Mansur ibn Ikrima aus der Sippe Abdmanaf ibn Abdaddar. Der Prophet verwünschte ihn bei Gott, worauf einige seiner Finger gelähmt wurden.

Als die Quraish diesen Boykott verhängten, gingen die Banu Hashim und die Banu Muttalib alle zu Abu Talib, schlossen sich seiner Gruppe an und sammelten sich um ihn. Nur Abu Lahab aus der Sippe Hashim trennte sich von ihnen und half den heid-

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nischen Quraish. Über diese Vorgänge sprach Abu Talib die folgenden Verse:

Gebe dem Stamme Luayy [Quraish] und dort vor allem den Kab [Kab ibn Luayy],
von mir über uns mit folgendem Bericht:
Wisst ihr denn nicht, dass wir Muhammad als Gesandten fan-
den so wie Moses, von dem das erste aller Bücher spricht?
Und dass euch dieses Schreiben zum Unheil wird gereichen
wie des Kameles Schrei, das mit zerschnittener Sehne niederbricht.
Wacht auf, bevor man euch das Grab in dieser Erde gräbt
und ihr danach mit schwerer Sünde tretet vor Gericht!
Den Vätern folget nicht! Zerreißet nicht die Bande,
die uns knüpften einst die Liebe und des Blutes Pflicht!
Sehnt nicht herbei den endlosen Krieg, denn bitter schmeckt
oft jenen der Krieg, der am meisten war darauf erpicht.
Beim Herren der Kaaba! An die Bedrängnis der Zeit und
die Not verraten wir Muhammad, den Gepriesenen, nicht,
solange noch Hälse und Hände dem Schwerte entgingen,
dessen Eisen vom Berge Qusas leuchtet im Licht,
wenn du siehst, wie auf engem Schlachtfeld, brechen die Speere
und die gierigen Geier sich laben mit schwarzem Gesicht,
wenn Rosse rennen verzweifelt über das Feld
und die Helden schrein, solange noch einer ficht.
Hat doch Hashim, unser Vater, seine Lenden umgürtet
und Lanze und Schwert seinen Söhnen gemacht einst zur Pflicht.
Der Krieg ermüdet uns nicht, solange nicht wir ihn ermüden,
und niemand hört uns klagen, wenn herein das Unheil bricht.
Wenn den anderen Helden die Herzen entfliehen vor Angst,
verlassen uns der Verstand und die Tapferkeit nicht.

Zwei oder drei Jahre litten dann die Muslime unter dem Boykott, bis sie völlig erschöpft waren, da nur noch insgeheim und heimlich etwas zu ihnen gebracht werden konnte.

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24. Die Rückkehr der Auswanderer aus Abessinien Top

Die Gefährten des Propheten, die nach Abessinien ausgewandert waren, hörten dort, die Mekkaner seien alle zum Islam übergetreten und zogen deshalb nach Mekka zurück. Als sie jedoch in die Nähe der Stadt anlangten, erfuhren sie, dass die Nachrichten von der Bekehrung der Mekkaner falsch waren, weshalb sie nur unter dem Schutz einer Sippe oder heimlich in die Stadt zurückkehren konnten. Einige von ihnen blieben dann in Mekka, bis sie mit dem Propheten nach Medina auswanderten und auf seiner Seite bei Badr und Uhud kämpften. Andere wurden bis nach der Schlacht von Badr durch ihre heidnischen Verwandten vom Propheten ferngehalten. Wieder andere starben noch vorher in Mekka. Insgesamt kehrten 83 Männer aus Abessinien zu Mohammed nach Mekka zurück. [83 Männer waren auch im Jahre 615 nach Abessinien ausgewandert.]

25. Die Aufhebung des Boykotts Top

Die Banu Hashim und die Banu Muttalib lebten in jenem schluchtartigen Viertel von Mekka, dass die Quraish ihnen in der Boykotturkunde zugewiesen hatten. Schließlich betrieben aber doch einige der heidnischen Quraish die Aufhebung der Boykotturkunde, die sie gegen die beiden Sippen verfasst hatten. Keiner erwies sich dabei als so entschlossen wie Hisham ibn Amr, der durch seine Mutter mit den Banu Hashim verbunden war und ein enges Verhältnis zu ihnen hatte. Er genoss hohes Ansehen in seinem Volk und pflegte des Nachts, wenn sich die Banu Hashim und Banu Muttalib in ihren Vierteln befanden, mit seinem Kamel, dass er einmal mit Nahrungsmit-

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teln, ein anderesmal mit Kleidung beladen hatte, bis zum Eingang der Schlucht zu ziehen. Dort nahm er dem Tier das Halfter vom Kopf und versetzte ihm einen Hieb in die Seite, so dass es in die Schlucht lief. Schließlich begab er sich zu Zuhair, dem Sohn des Abu Umayya, aus der Sippe Makhzum, dessen Mutter eine Tante des Propheten war und sprach zu ihm:

Zuhair, wie kannst du noch zufrieden essen, dich kleiden und heiraten, während man den Verwandten deiner Mutter weder etwas verkauft noch etwas von ihnen kauft und ihre Männer keine Frauen und ihre Frauen keine Männer mehr zur Ehe bekommen. Ich schwöre dir bei Gott, wenn es um die Verwandten des Abu l-Hakam ginge und du ihn um einen solchen Boykott gebeten hättest, hätte er deiner Bitte niemals entsprochen.“ „Weh dir, Hisham“, entgegnete ihm Zuhair. „Was kann ich schon tun? Ich bin allein. Wenn ich noch jemanden zur Seite hätte, würde ich mich so lange für die Aufhebung des Boykotts einsetzen, bis er aufgehoben wird.“ „Du hast doch schon einen zweiten Mann gefunden!“ „Wen denn?“ „Mich!“ „So suche einen Dritten!“

Da ging Hisham zu Mutin, dem Sohn des Adi, und sprach: „Mutim, kannst du, nur um den Quraish zuzustimmen, zufrieden mit ansehen, wie zwei Sippen aus der Nachkommenschaft des Abdmanaf zugrunde gehen? Wenn ihr sie mit diesen beiden Familien so etwas tun lasst, wirst du wahrlich bald erleben, wie sie mit euch das gleiche machen“, „Was kann ich allein schon tun?, antwortete ihm auch Murtim und Hisham entgegnete: „Ich habe schon einen Zweiten!“ „Wen?“ „Mich selbst.“ „So suche einen Dritten.“ „Das habe ich auch schon getan.“ „Wer ist es?“ „Zuhair, der Sohn des Abu Umayya.“ „So suche einen Vierten!“ Darauf begab sich Hisham noch zu Abu l-Bakhtari und zu Zamaa, dem Sohn des Aswad, wobei ähnliche Worte gewechselt wurden.

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Diese fünf Männer verabredeten dann ein nächstes Treffen auf der Höhe von Hadjun oberhalb Mekkas. Sie kamen dort zusammen und beschlossen, gemeinsam die Aufhebung des Boykotts zu betreiben und durchzusetzen. Zuhair verlangte noch als erster sprechen zu dürfen. Am nächsten Morgen, als die Quraish zu ihren Versammlungen gingen, kam er in einem feierlichen Gewande, umschritt siebenmal die Kaaba, trat dann zu den Versammlungen und sprach: „Mekkaner, können wir noch essen und uns kleiden, während die Banu Hashim dem Untergang geweiht sind, da sie nichts verkaufen und nichts kaufen können. Wahrlich ich werde mich nicht setzen, solange diese ungerechte Boykotturkunde nicht zerrissen worden ist!“

Lügner“, rief Abu Djahl, der an der Seite des Heiligtums saß, „sie wird nicht zerrissen!“ „Du bist ein noch größerer Lügner“, griff Zamaa in den Streit ein. „Wir waren damals nicht damit einverstanden, dass die Urkunde geschrieben wurde.“ Und Abu l-Bakhtari unterstützte ihn mit den Worten: „Zamaa hat Recht, wir waren damals nicht damit einverstanden.“ Und Mutim fügte hinzu: „Ihr beiden habt die Wahrheit gesagt und jeder, der etwas anderes behauptet, ist ein Lügner. Wir sind vor Gott unschuldig an der Urkunde und ihrem Inhalt.“

Nachdem auch Hisham noch entsprechende Worte geäußert hatte, sprach Adu Djahl: „Das ist des Nachts irgendwo ausgeheckt und nicht hier bespochen worden!“ Abu Talib sass währenddessen neben dem Heiligtum. Mutim aber ging zu dem Dokument, um es zu zerreißen, doch die Würmer hatten es schon fast völlig aufgefressen und nur noch die Worte: „In deinem Namen, o unser Gott!“ waren erhalten geblieben.

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26. Eine christliche Gesandtschaft bekehrt sich zum Islam Top

Eines Tages kamen etwa 20 Christen aus Abessinien zum Propheten nach Mekka, die von ihm gehört hatten. Sie fanden ihn im Heiligtum, setzten sich zu ihm, sprachen mit ihm und stellten ihm Fragen, während sich die Quraish in ihren Versammlungen rund um die Kaaba befanden. Nachdem sie den Propheten alles gefragt hatten, was sie wollten, rief er sie zu Gott auf und trug ihnen den Koran vor. Als sie diesen hörten, liefen ihnen die Augen vor Tränen über. Sie folgten seiner Aufforderung, glaubten an ihn und erkannten an ihm die Merkmale, die in ihrer Heiligen Schrift über ihn geschrieben waren. Als sie den Propheten verließen, stellte sich ihnen Abu Djahl mit einigen anderen Quraish in den Weg.

[Vielleicht kann mir einmal ein Moslem erzählen, in welcher Heiligen Schrift, die Merkmale eines Propheten beschrieben sein sollen, von denen hier immer wieder die Rede ist.]

Ihr elenden Kerle“, schimpften die Quraish, „eure Glaubensgenossen zu Hause haben euch geschickt, damit ihr diesen Mann hier aufsucht und ihnen dann einen Bericht über ihn bringt. Nun habt ihr euch kaum zu ihm gesetzt, da gebt ihr schon eure Religion auf und glaubt ihm sein Gerede. Wir haben noch nie etwas Dümmeres als euch gesehen.“ „Frieden sei mit euch“, erhielten sie zur Antwort „wir wollen uns mit euch nicht in dummes Gerede einlassen. Wir haben unsere Religion und ihr die eure. Wir haben uns eifrig um das Beste bemüht.“

Nach anderen Berichten waren die Christen nicht aus Abessinien, sondern aus Nadjran gekommen. [Nadjran (Nadschran) liegt in Südwest-Arabien, im heutigen Jemen.] Auf sie sollen sich die folgenden Koranverse beziehen:

Diejenigen, die die Schrift erhalten haben, noch ehe der Koran da war, glauben an ihn. Und wenn er ihnen verlesen wird, sagen sie: „Wir glauben an ihn. Es ist die Wahrheit von unserem Herrn. Wir waren schon Muslime, noch ehe er [der Koran] da war.“ (usw. bis zu dem Vers:) „Uns kommen unsere Werke zu und euch die euren. Heil sei über euch. Wir wollen mit den Toren nichts zu tun haben.“ (Sure 28,52-55).

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Sehr häufig, so habe ich erfahren, saß der Prophet auf der Höhe von Marwa am Verkaufsstand eines jungen christlichen Sklaven namans Djabar. Die Gegner des Propheten behaupten deshalb: „Das meiste was Muhammad verkündet, bringt ihm dieser christliche Sklave Djabr bei.“ Über diese Behauptung sandte Gott diesen Koranvers herab: „Wir wissen wohl, dass sie sagen: „Es lehrt ihn ein Mensch.“ Doch die Sprache dessen, auf den sie anspielen, ist nicht Arabisch. Dies hingegen ist deutliche arabische Sprache.“ (Sure 16,103)

27. Die Nachtreise [620] Top

Über die Nachtreise des Propheten habe ich die Berichte der beiden Überlieferer Abdallah ibn Masrud und Abu Said al Khudri, den Bericht der Frau des Propheten, Aisha, den Bericht des Kalifen Muawiya I., die Berichte der Überlieferer Hasan ibn abi Hasan, Zuhri und Qatada und anderer, sowie den Bericht der Tochter Abu Talibs, Umm Hani, übernommen. In der folgenden Darstellung habe ich jeweils aus allen diesen Berichten über die Nachtreise des Propheten etwas entnommen.

In der Nachtreise des Propheten und den Berichten darüber finden die Gläubigen eine Prüfung und einen Ausdruck für die Macht und die Herrschaft Gottes, eine Lehre für die Verständigen, sowie Rechtleitung, Barmherzigkeit und Stärkung. Es war gewiss Gottes Handeln, mit dem er ihn, so wie er wollte, die Nachtreise durchführen ließ, um ihn von seinen Wundern, so viele er wollte, zu zeigen, damit er mit eigenen Augen seine gewaltige Macht sehe, mit der er vollbringt, was er will.

Abdallah, der Sohn des Masud, pflegte folgendes zu erzählen:

Dem Propheten wurde Buraq gebracht. Dies ist ein Reittier, auf dem auch die Propheten vor ihm geritten waren und das seinen

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Huf bei jeden Schritt so weit setzte, wie sein Blick reichte. Er wurde auf das Reittier gehoben und Gabriel begleitete ihn, wobei er die Wunder zwischen Himmel und Erde sah, bis er nach Jerusalem gelangte. Dort traf er Gottes Freund Abraham, Moses und Jesus inmitten anderer Propheten, die sich für ihn versammelt hatten und betete mit ihnen. Dann wurden ihn drei Gefäße gebracht, das eine mit Milch, das zweite mit Wein und das dritte mit Wasser.

Dabei hörte ich eine Stimme“, so berichtete Muhammad selbst, die sagte: „Wenn er das Wasser nimmt, wird er ertrinken und ebenso sein Volk; wenn er den Wein nimmt, wird er in die Irre gehen und ebenso sein Volk; wenn er die Milch nimmt, wird er rechtgeleitet werden und ebenso sein Volk.“ Da ergriff ich das Gefäß mit der Milch und trank davon, worauf Gabriel zu mir sprach: „Muhammad, du bist rechtgeleitet und ebenso dein Volk.“

Hasan überlieferte die folgende Schilderung des Propheten:

Während ich im Heiligtum in Mekka schlief, kam Gabriel zu mir und stieß mich mit dem Fuß. Ich setzte mich auf, sah aber nichts und legte mich wieder hin. Da kam er ein zweites Mal und stieß mich mit dem Fuß. Wieder setzte ich mich auf, legte mich aber wieder hin, als ich nichts sah. Schließlich kam er zum dritten Mal und stieß mich mit dem Fuß. Ich setzte mich auf und er ergriff mich am Oberarm. Ich erhob mich und er führte mich hinaus zum Tor des Heiligtums. Und siehe da, da stand ein weißes Reittier, halb Maultier (Kreuzung aus Eselhengst und Pferdestute), halb Esel. An den Schenkeln hatte es zwei Flügel, mit denen es seine Hinterbeine vorantrieb, während es seine Vorderbeine dort aufsetzte, wohin sein Blick reichte. Es setzte mich auf sich und machte sich mit mir auf die Reise, wobei wir uns nicht mehr trennten.

Von Qatada wurden folgende Verse des Propheten weitererzählt:

Als ich mich dem Tier näherte, um aufzusteigen, scheute es. Doch Gabriel legte ihm die Hand auf die Mähne und sprach: „Schämst du dich nicht, Buraq, über das, was du tust? Bei Gott, kein Edlerer hat dich vor ihm geritten!“

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Da schämte es sich so sehr, dass es in Schweiß ausbrach und hielt still, dass ich aufsteigen konnte.

Der Bericht des Hasan geht folgendermaßen weiter:

Der Prophet ritt zusammen mit Gabriel bis nach Jerusalem. Dort fand er Abraham, Moses und Jesus inmitten anderer Propheten. Muhammad trat als Vorbeter vor sie hin und betete mit ihnen. Sodann wurden ihm zwei Gefäße gebracht, das eine mit Wein gefüllt, das andere mit Milch. Der Prophet nahm das Gefäß mit der Milch und trank davon. Das Gefäß aber mit dem Wein ließ er stehen. Da sprach Gabriel zu ihm: „Rechtgeleitet wurdest du für die Schöpfung und rechtgeleitet wurde dein Volk, Muhammad! Der Wein ist euch verboten.“ Darauf begab sich der Prophet nach Mekka zurück und erzählte am Morgen den Quraish, was geschehen war. Die meisten Leute sprachen: „Dies ist nun wirklich unmöglich! Die Karawane braucht einen Monat von Mekka nach Syrien und wieder einen Monat für den Rückweg. Wie will dieser Muhammad beides in einer Nacht tun?“

Viele von denen, die sich bereits bekehrt hatten, fielen wieder vom Glauben ab und die Leute kamen zu Abu Bakr und fragten ihn: „Was hälst du nun von deinem Freund? Er behauptet, er sei vergangene Nacht in Jerusalem gewesen, habe dort gebetet und sei wieder nach Mekka zurückgekehrt.“ „Ihr lügt“, entgegnete Abu Bakr, doch sie blieben bei ihren Worten und fuhren fort: „Dort im Heiligtum ist er und erzählt den Leuten davon.“ „Bei Gott“, sprach darauf Abu Bakr, „wenn er es sagt, ist es auch wahr. Was verwundert euch so daran? Er berichtet mir ja auch, dass ihn Offenbarungen von Gott, vom Himmel zur Erde, in einer Stunde des Nachts oder des Tages erreichen und ich glaube es ihm. Dabei ist es viel erstaunlicher als das, worüber ihr euch jetzt wundert.“

Dann ging er zu Muhammad und fragte ihn: „O Prophet Gottes, hast du jenen Leuten erzählt, du seiest heute Nacht in Jerusalem gewesen?“ und als Muhammad seine Frage beajahte, fuhr er fort:

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So beschreibe es mir, denn ich bin schon dort gewesen!“ Der Prophet begann Jerusalem zu beschreiben und immer wenn er etwas geschildert hatte, rief Abu Bakr aus: „Du hast die Wahrheit gesprochen! Ich bezeuge, dass du der Gesandte Gottes bist!“

Am Ende sagte deshalb der Prophet zu Abu Bakr: „Du Abu Bakr bist der Siddiq (der Ehrliche), der, der die Wahrheit bezeugt.“ [Wahrscheinlich hätte Abu Bakr Mohammed auch zugestimmt, wenn Mohammed erzählt hätte, der Petersdom steht in Jerusalem. Mit anderen Worten: an der Nachtreise ist nicht ein Körnchen Wahrheit.]  Damals gab der Prophet Abu Bakr den Beinamen „Siddiq“. Über diejenigen, die wegen Muhammads Bericht über die Nachtreise wieder vom Islam abfielen, sandte Gott den [folgenden] Koranvers herab: „Und wir haben das Traumgesicht [eine Vision], das wir dich sehen ließen, nur zu einer Versuchung der Menschen gemacht, desgleichen den verfluchten Baum* im Koran. Wir wollen ihnen damit Angst machen. Aber es bestärkt sie nun um so mehr in ihrer Widersetztlichkeit.“ (Sure 17, 60)

*[Der Zaqqum-Baum oder auch Saqqum-Baum entstammt dem Koran, Sure 44 Verse 43-46. Er wird zuweilen auch als der „verfluchte Baum“ bezeichnet und soll direkt dem Höllenfeuer entwachsen. Seine Fruchtscheide soll aussehen wie die Köpfe von Satanen (Dämonen). Die Verdammten in der Hölle sollen ewig die Früchte dieses Baumes essen müssen, die wie flüssiges Metall sind und wie kochendes Wasser in den Bäuchen der Sünder brennen sollen. Quelle: Zaqqum]

Soweit der Bericht Hasans über die Nachtreise des Propheten mit den Zusätzen von Qatada. Ein Mitglied der Familie Abu Bakrs berichtete mir die folgenden Worte der späteren Frau des Propheten, Aisha:

Der Körper des Propheten wurde in jener Nacht nicht vermisst, sondern Gott ließ nur seinen Geist die Nachtreise machen.

[Dass nur Mohammeds Geist diese Nachtreise machte, darauf deutet auch der Koranvers hin, der von einem Traumgesicht spricht, was soviel wie Traum oder eine Vision ist. Es ist also davon auszugehen, dass Mohammed einen Traum hatte. Oder war es eine visuelle Halluzination? Aber was hat ein Traum schon zu bedeuten? Es gibt viele Menschen, die glauben, Offenbarungen oder übersinnliche Erscheinungen zu haben. In der Psychiatrie werden Offenbarungs-Wahrnehmungen oder übersinnliche Erscheinungen als Psychose-Kriterium abgefragt.]

Und von Yaqub ibn Utba hörte ich den folgenden Ausspruch des Muawiya über die Nachtreise des Propheten:

Es war ein wahres Traumgesicht von Gott.“ Die beiden letzten Aussagen widersprechen nicht der vorangegangenen Darstellung Hasans, da Gott selbst den Koranvers herabgesandt hat: Und wir haben das Traumgesicht, das wir dich sehen ließen, nur zu einer Versuchung für die Menschen gemacht. (Sure 17,60)

Und sie widersprechen auch nicht Gottes Worten in dem koranischen Bericht über Abraham, als dieser zu seinem Sohn sprach: „O mein Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich opfern muss.“ (Sure 34,102) und dies dann auch tat. Ich schließe daraus, dass die Offenbarungen von Gott zu den Propheten im Schlaf, wie auch im Wachsein kommen. Der Prophet selbst, so habe ich erfahren, pflegte zu sagen: „Meine Augen schlafen, während mein Herz wach ist.“.

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Nur Gott weiß, wie die Offenbarungen zu Muhammad kamen und dieser sah, was er sah.

Zuhri behauptet nach Said ibn Musayyab, der Prophet habe seine Freunde Abraham, Moses und Jesus, wie er sie zu jener Nacht sah, folgendermaßen beschrieben:

Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der mir ähnlicher war als Abraham. Moses war von rotbrauner Hautfarbe, hochgewachsen, dürr, mit gekräuselten Haaren und einer Hakennase, als gehöre er zum Stamm der Shanua [Moses muss als Jude natürlich mit einer Hakennase verunglimpft werden.]. Jesus war von heller Hautfarbe, weder klein noch groß, mit glattem Haar und vielen Flecken im Gesicht, als sei er gerade aus dem Bad gekommen. Man dachte, sein Haar tropfe vor Wasser, ohne dass jedoch welches daran war. Der, der ihm von euch am ähnlichsten sieht, ist Urwa, der Sohn des Masud, vom Stamme Thaqif.“

Umm Hani, die Tochter Abu Talibs, pflegte über die Nachtreise des Propheten folgendes zu erzählen:

Der Prophet ging auf keine Nachtreise, wenn er nicht in meinem Hause war. Auch in jener Nacht schlief er bei uns. Er hatte das zweite Nachtgebet verrichtet und war mit uns zur Ruhe gegangen. Kurz vor Anbruch der Morgendämmerung weckte er uns und nachdem wir zusammen das Morgengebet verrichtet hatten, sprach er: „Umm Hani, ich habe gestern das zweite Nachtgebet, wie du gesehen hast, mit euch hier in diesem Tal verrichtet. Dann kam ich nach Jerusalem und betete dort. Und nun habe ich das Morgengebet, wie du siehst, wieder hier mit euch gesprochen.“

Mit diesen Worten erhob er sich, um wegzugehen. Ich griff den Saum seines Gewandes, wodurch sich sein Leib entblößte, als wäre es ein koptisches Faltengewand und bat ihn: „O Prophet Gottes, erzähle den Leuten nichts davon, denn sie werden dich einen Lügner nennen und beschimpfen.“ „Bei Gott, ich werde es ihnen erzählen“, antwortete er jedoch. Nun hatte ich eine abessinische Sklavin und dieser befahl ich, dem Propheten zu folgen, um zu hören, was er den Leuten erzählte und was diese zu ihm sagten. Muhammad ging zu den Leuten

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und berichtete ihnen von seinem Erlebnis. Diese aber wunderten sich und sprachen: „Was für einen Beweis hast du dafür, Muhammad? Wir haben noch nie so etwas gehört.“

Der Beweis dafür“, erwiderte er, „ist, dass ich in dem und dem Tal an der Karawane der Banu Soundso vorüberkam, die vor dem Geräusch meines Reittiers erschraken und denen ein Kamel davonlief, dass ich ihnen aber wiederzufinden half. Dies geschah auf meinem Weg nach Syrien. Ich reiste weiter, bis ich beim Berge Dadjnan an der Karawane des Stammes Soundso vorüberkam. Die Leute schliefen gerade. Bei sich hatten sie einen Wasserbehälter, den sie mit irgendetwas zugedeckt hatten. Ich nahm die Decke ab, trank den ganzen Inhalt und deckte das Gefäß wieder zu, wie es war. [Ein Reittier ist eben kein Orientexpress, mit eigener Wasserversorgung.] Als Beweis dafür sage ich euch, dass ihre Karawane gegenwärtig von der Höhe Baida zum Pass von Taim herunterzieht, angeführt von einem staubfarbenen Kamel mit zwei Säcken, von denen der eine schwarz und der andere verschiedene Farben aufweist.“

Da eilten die Menschn zu jenem Pass und das erste Kamel, das ihnen begegnete, war, wie er es beschrieben hatte. Sie fragten die Reisenden auch nach dem Wasserbehälter und diese erzählten, dass sie ihn mit Wasser gefüllt und zugedeckt hatten. Als sie erwachten, hätten sie ihn zwar bedeckt gefunden wie zuvor, aber ohne Wasser. Später fragte man in Mekka auch die Leute von der anderen Karawane und diese antworteten: „Er sagt wirklich die Wahrheit! [Oder gibt es daran etwa irgendwelche Zweifel?] Wir erschraken in jenem Wadi, das er genannt hat und ein Kamel lief uns weg. Darauf hörten wir die Stimme eines Mannes, die uns den Weg wies, bis wir das Tier wiederfanden. [Am Ende glaubten die Männer vom Stamme der Banu Soundso noch, dies wäre vielleicht die Stimme des Erzengel Gabriels gewesen.]

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28. Die Himmelsreise [620] Top

Jemand, dessen Aussage ich nicht in Zweifel ziehe, hat mir die folgenden Worte Muhammads erzählt, wie er sie von Abi Said al-Khudri überliefert bekommen hat:

Nachdem ich in Jerusalem gebetet hatte, wurde mir eine Leiter gebracht, so schön, wie ich noch nie etwas gesehen hatte. Es war die Leiter, auf die die Todgeweihten ihre Augen richten, wenn das Ende naht. Gabriel ließ mich auf ihr hinaufsteigen, bis er mich zu einem der Himmelstore brachte, das man das Hütertor nennt. Es wird bewacht von einem Engel namens Ismail, dem 12.000 Engel unterstehen, von denen einem jeden wiederum 12.000 Engel gehorchen. An dieser Stelle pflegte der Prophet in seinem Bericht die Worte Gottes anzuführen: „Die Heerscharen deines Herrn kennt er allein. (Sure 74,31)

Dann fuhr er fort: Als ich durch das Tor geführt wurde, fragte der Engel: „Wer ist dies, Gabriel?“ „Dies ist Muhammad“, erwiderte Gabriel. „Ist er gesandt worden?“ „Ja.“ Darauf erflehte er Gottes Güte für mich. Ich aber trat in den untersten Himmel12.1 ein und sah dort einen Mann sitzen, an dem die Seelen der verstorbenen Menschen vorüberzogen. Über die einen sprach er Gutes und freute sich, wobei er sagte: „Eine gute Seele aus einem guten Körper!“ Zu den anderen aber sprach er mit finsterem Gesicht: „Wie abscheulich! Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper!“

12.1[Nach den Vorstellungen des Islam gibt es sieben Himmel und sieben Höllen, die sich im Grad der Himmelsfreuden bzw. der Höllenqualen unterscheiden. Die sieben Himmel (Paradiese) des Islams heißen: Adn, Naiim, Nawa, Darussalaam, Daarul Muaqaamah, Al-Muqqamul Amin, Khuldi. (Quelle: Heaven in Islam) Muhammad steigt in die 7 Himmel auf. Er begegnet Adam im 1. Himmel, Johannes und Jesus im 2. Himmel, Joseph im 3. Himmel, Idris im 4. Himmel, Aaron im 5. Himmel, Mose im 6. Himmel und Abraham im 7. Himmel. Die sieben Höllen im Islam heißen Dschahannam, Dschahiem, Sair, Saqar, Ladha, Hawiya und Hutama. Die Dschahannam ist als Feuergrube gedacht, über die eine schmale Brücke in den Himmel führt. Alle Seelen der Toten müssen über diese Brücke gehen, lediglich die Verdammten fallen ins Feuer, wenn sie nicht durch die Gnade Allahs erlöst werden. (Quelle: Islamische Hölle)]

Wer ist dies“, fragte ich Gabriel und er erklärte mir: „Dies ist dein Vater Adam, an dem die Seelen seiner Nachkommen vorbeiziehen. Die Seelen der Gläubigen darunter erfreuen ihn, worauf er spricht: „Eine gute Seele aus einem guten Körper“, während die Seelen der Ungläubigen seinen Abscheu und

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seinen Widerwillen erregen, worauf er spricht: „Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper.“

Dann erblickte ich Männer mit Lippen wie von Kamelen. In ihren Händen hatten sie faustgroße glühende Steine, die sie sich in den Mund warfen und die aus ihrem Gesäß wieder herauskamen. „Wer sind sie?“, fragte ich Gabriel und dieser antwortete: „Dies sind jene, die den Besitz der Waisen ohne Recht aufgezehrt haben.“

Sodann erblickte ich Männer in der Art der Familie des Pharao mit Bäuchen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Über sie zogen Wesen hin, wie vor Durst schmachtende Kamele, wenn sie dem Feuer ausgesetzt werden. Sie treten auf die Männer, ohne dass sich diese von ihrer Stelle bewegen konnten. Wieder fagte ich Gabriel: „Wer sind diese Männer?“ und er erwiderte mir: „Dies sind jene, die sich vom Wucher genährt haben!“

Und dann sah ich Männer, vor denen neben stinkendem, erbärmlichem Fleisch auch gutes, fettes lag, doch nur von dem stinkenden konnten sie essen. „Wer sind sie?“ fragte ich Gabriel und er erklärte mir: „Das sind jene Männer, die sich nicht die Frauen nahmen, die Gott ihnen erlaubte, sondern zu jenen gingen, die Gott ihnen verbot.“

Dann erblickte ich Frauen, die an ihren Brüsten aufgehängt waren und ich fragte Gabriel: „Wer sind sie?“ „Dies sind jene Frauen“, antwortete er, „die ihren Männern Kinder unterschoben, die sie nicht gezeugt haben.“

Sodann brachte er mich hinauf in den zweiten Himmel, und siehe, da waren die beiden Vettern Jesus, der Sohn der Maria, und Johannes, der Sohn des Zacharias. Und er brachte mich hinauf in den dritten Himmel. Dort war ein Mann mit einem Gesicht, so schön wie der Vollmond. Ich fragte Gabriel, wer dies sei und er sprach: „Dies ist dein Bruder Joseph12.2, der Sohn Jakobs!“

[12.2Jakob, der Stammvater Israels, hatte 12 Söhne (Ruben, Simeon, Levi, Juda, Dan, Naftali, Gad, Issachar, Sebulon, Joseph, Benjamin.), aus denen die 12 Stämme Israels hervorgingen. Joseph (Josef) war der zweitjüngste Sohn Jakobs, der aufgrund seiner Gabe, Träume zu deuten, von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft wurde. Später wurde Joseph zum Schwiegersohn des Sonnenpriesters. Josef wird im Judentum nur wenig Ehre erwiesen, war er es schließlich, der Israel nach Ägypten kommen ließ, und dadurch indirekt in die Sklaverei. Er war ein Opfer seiner missgünstigen Geschwister. Im Islam ist Joseph der Prophet Yusuf.]

Und er brachte mich hinauf in den vierten Himmel, wo ein Mann war, von dem Gabriel mir sagte, es sei Idris12.3. Und er brachte mich in den fünften Himmel, dort war ein Mann im reifen Alter

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mit weißem Haar und einem mächtigen weißen Bart. Nie habe ich einen schöneren Mann gesehen. „Wer ist dies“, fragte ich wieder Gabriel und er gab mir zur Antwort: „Dies ist der Vielgeliebte in seinem Volk, Aaron12.4, der Sohn des Imram.“

12.3[Der Prophet Idris war nach dem Islam der erste Mensch und Prophet der schreiben und lesen konnte. Er erfand die Technik des Schreibens. Er soll 360 Jahre gelebt haben und noch vor seinem Tod von Allah von der Erde entrückt worden sein.]

12.4[Aaron ist nach biblischer Überlieferung der ältere Bruder Moses. Als Harun ist Aaron einer der Propheten des Islam. Er ist der Bruder des Propheten Musa (Mose). Er ist der Sohn des Imran (Amram) und wurde von Allah zum Volk der Juden nach Israel gesandt, um seine Botschaft zu verkünden, nämlich keinem Gott zu dienen, außer Allah, und ihm niemanden beizugesellen, nur das Gute zu tun und den Menschen kein Unrecht zuzufügen.]

Und er brachte mich in den sechsten Himmel, dort war ein Mann von dunkler Farbe, großem Wuchs und einer gekrümmten Nase, als gehörte er zum Stamm der Shanua. Als ich Gabriel nach ihm fragte, erklärte er mir, dass dies Moses, der Sohn Imrams, war. Und er brachte mich in den siebten Himmel, dort sah ich einen Mann in reifem Alter auf einem Stuhl am Tore zum Paradiese sitzen, durch das an jedem Tag 70.000 Engel eintraten, die erst am Tage der Auferstehung wieder zurückkehren. Nie habe ich einen Mann gesehen, der mir ähnlicher war und Gabriel sprach: „Dies ist dein Vater Abraham!“

Schließlich betrat er mit mir das Paradies. Dort erblickte ich ein Mädchen mit dunkelroten Lippen und da sie mir gefiel, fragte ich sie: „Wem gehörst du?“ „Dem Zaid, dem Sohn des Haritha“, erwiderte sie mir.

Aus dem Bericht des Abdallah ibn Masud, entnehme ich die folgenden Worte des Propheten:

Immer wenn mich Gabriel von einem Himmel zum nächsten brachte, fragte man ihn, als er um Einlass bat, wer ich sei. Er nannte ihnen meinen Namen und sie fragten ihn weiter, ob ich gesandt worden sei. Als er es bejahte, riefen sie aus: „Gott schenke ihm Leben, Bruder und Freund!“ So geschah es, bis wir zum siebten Himmel gelangten und er mich schließlich zu meinem Herrn [Allah] brachte, der mir für jeden Tag 50 Gebete zur Pflicht machte. Als ich dann auf dem Rückweg wieder bei Moses vorbeikam, welch vortrefflicher Freund ist er doch, fragte er mich: „Wieviele Gebete sind dir auferlegt worden?“ „50 jeden Tag“, erwiderte ich, worauf er sprach: „Das Gebet ist eine schwere Last und dein Volk ist schwach. Gehe zurück zu deinem Herrn und bitte ihn, er möge dir und deinem Volke diese Last erleichtern!“

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Ich tat, wie er mich geheißen hatte und mein Herr ließ mir 10 Gebete nach. Doch als ich wieder bei Moses vorbeikam, sagte er mir nochmals das gleiche und Gott erließ mir weitere 10 Gebete. So ging es fort, bis nur noch 5 Gebete übrig waren. Als ich dann wieder zu Moses kam und er mir erneut riet, Gott um Erleichterung zu bitten, sprach ich zu ihm: „Ich bin nun so oft zu meinem Herrn zurückgekehrt und habe ihm diese Bitte vorgetragen, dass ich mich jetzt schäme und es nicht nochmals tun werde.“ „Seinen Zuhörern aber versprach der Prophet: „Jedem von euch, der diese Gebete gläubig und ergeben verrichtet, werden sie wie 50 Gebete vergolten werden.“

29. Gott straft die Spötter Top

Der Prophet stand geduldig und ergeben zu seinem göttlichen Auftrag und ermahnte weiter sein Volk, trotz all der Verleumdungen und all des Spotts, die er von ihnen erfuhr. Die schlimmsten Spötter waren: Von der Sippe Asad: Aswad, der Sohn des Mutallib; von der Sippe Zuhra: Aswad, der Sohn des Abdyaghuth; von den Makhzum: Walid, der Sohn des Mughira; von den Sahm: As, der Sohn des Wail; von den Khuzaa: Harith, der Sohn des Tulatila. Als diese in ihrer Bosheit verharrten und den Propheten immer wieder verspotteten, sandte Gott die Offenbarung herab: „Und gib bekannt, was dir befohlen wird und wende dich von den Heiden ab. Wir genügen dir als Schutz gegenüber den Spöttern, die Gott einen anderen Gott zur Seite setzen. Sie werden es noch zu wissen bekommen.“ (Sure 15,94-96)

Yazid ibn Ruman, gestützt auf die Aussagen des Urwa oder eines anderen Überlieferers, berichtete mir folgendes:

Eines Tages kam Gabriel zum Propheten, während jene Spötter12.5 die Kaaba umschritten. Der Engel stand neben Muhammad, als Azwad der Sohn des Muttalib, vorüberkam und Gabriel ihm

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ein großes Blatt ins Gesicht warf, worauf er erblindete. Dann kam Aswad, der Sohn des Abdyaghuth, vorbei und Gabriel deutete auf dessen Bauch, worauf dieser anschwoll und er an Wassersucht starb. Als Walid vorbeikam, deutete Gabriel auf eine Narbe, die sich jener Jahre zuvor am Knöchel zugezogen hatte, als er an einem Manne vom Stamme Khuzaa vorübergekommen war, der gerade seine Pfeile befiederte, wovon einer an seinem über den Boden schleifendem Gewand hängenblieb und ihn am Fuß verletzte. Diese ganz unbedeutende Narbe brach nun wieder auf und er starb daran. Dann kam As, der Sohn des Wail, vorbei und Gabriel deutete auf seine Fusssohle. Als dieser dann mit seinem Esel nach Taif zog und das Tier sich über einen Dornenbusch hermachte, drang ihn ein Dorn in die Fusssohle und tötete ihn. Schließlich kam auch Harith, der Sohn des Tulatila und Gabriel deutete auf dessen Kopf, worauf sich dieser mit Eiter bedeckte und Harith starb. [Was ist das für ein fieser Engel, dieser Gabriel.]

12.5[Die Sitte, Spötter zu bestrafen oder zu töten, haben die Moslems bis heute beibehalten. Jedenfalls steht auf „Gotteslästerung“ und dem Austritt aus dem Islam bis heute laut der islamischen Rechtssprechung, der Scharia, die Todesstrafe (siehe: Artikel 190-196 im Strafgesetz der Islamischen Republik Iran). Muslime, die sich von ihrer Religion abwenden, müssen in Europa allerdings auch mit Selbstjustiz durch ihre Familien rechnen. Wie diese Selbstjustiz bei Abtrünnigen aussieht, kann man hier nachlesen.]

30. Abu Talib und Khadidja sterben Top

Die Männer, die den Propheten in seinem eigenen Hause schmähten, waren Abu Lahab, Hakam, Uqba, der Sohn des Abu Muait, der Thaqafit Adi und der Hudhailit Ibn Asda. Sie waren seine Nachbarn und nur Hakam nahm später den Islam an. Einer von ihnen, so wurde mir erzählt, pflegte mit der Gebärmutter eines Schafes nach ihm zu werfen, wenn er betete. Ein anderer warf sie in seinen Kochtopf, wenn dieser für den Propheten bereitgestellt wurde. Schließlich musste er sich, wenn er beten wollte, hinter einer Mauer vor ihnen verstecken.

Drei Jahre vor der Hidjra (vor der Auswanderung aus Mekka) starben dann [seine Frau] Khadidja und Abu Talib [sein Onkel, bei dem er nach dem Tod seines Großvaters Abdalmuttalib lebte]. Khadidja war ihm eine aufrechte Stütze im Glauben gewesen, sooft er mit seinen Sorgen zu ihr kam und Abu Talib hatte ihm stets Unterstützung und Zuflucht gewährt und gegenüber seinem Volk Schutz und Beistand angedeihen lassen. Mit ihrem Tod folgte nun ein Unglück nach dem anderen. Nach-

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dem Abu Talib verschieden war, gingen die Quraish in ihren Kränkungen gegenüber dem Propheten so weit, wie sie es zu seinen Lebzeiten niemals zu tun gewagt hätten. Ein unverschämter Kerl aus der Reihe der Quraish streute dem Propheten sogar einmal Staub auf den Kopf.

Hisham berichtete mir von seinem Vater Urwa ibn Zubair:

Als dies geschah, ging der Prophet, den Staub noch auf dem Haupt, nach Hause, wo ihm eine seiner Töchter weinend den Staub abzuwaschen began. Da sprach er: „Weine nicht, mein Töchterchen! Gott wird deinen Vater verteidigen!“ Und er sagte auch: „Bevor Abu Talib starb, haben mir die Quraish derart Abscheuliches nicht angetan.“

Als Abu Talib erkrankte und die Quraish erfuhren, wie schlecht es um ihn stand, sprachen sie untereinander: „Hamza und Umar haben sich zum Islam bekehrt und die Sache Muhammads hat sich unter allen quraishitischen Sippen verbreitet. Laßt uns deshalb zu Abu Talib gehen und ihn bitten, dass er bei seinem Neffen einige Zugeständnisse für uns erreicht und von uns für ihn einige Zugeständnisse annimmt. Wir sind sonst wahrhaftig nicht davor sicher, dass man uns unseres ganzen Einflusses beraubt.“

Abbas ibn Abdallah überlieferte mir von seinem Großvater Mabad ibn Abbas die folgende Darstellung:

Die führenden Männer von Quraish: Utba, Shaiba, Abu Djahl, Umayya und Abu Sufyan kamen zusammen mit anderen Adligen zu Abu Talib und sprachen: „Abu Talib! Du weißt, welchen Rang du bei uns bekleidest und siehst, dass dein Ende naht. Wir sind sehr besorgt um dich. Du weißt ja, wie es zwischen uns und deinem Neffen steht. So rufe ihn und vermittle einen Kompromiss zwischen uns, damit wir uns gegenseitig in Ruhe lassen und er uns unseren Glauben lässt, wie wir ihm den seinen lassen!“ Abu Talib ließ Mohammed holen und sagte zu ihm: „Sohn meines Bruders! Diese Edlen deines Volkes sind gemeinsam zu dir gekommen und sind bereit, dir Zugeständnisse zu machen, wenn du ihnen auch welche machst.“

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Gut“, entgegnete der Prophet, „ein Wort nur gebt mir, dass ihr die Araber beherrschen und die Perser euch untertan machen könnte!12.6“ „Gern, bei deinem Vater! Auch zehn Worte wenn du willst“, antwortete Abu Djahl und der Prophet fuhr fort. So sprecht, es gibt keinen Gott außer Gott!“ und sagt euch los von allem, was ihr neben ihm anbetet!“ Erstaunt klatschten sie in die Hände und riefen: „Willst du denn alle Götter zu einem Gott machen, Muhammad? Du hast wahrlich einen seltsamen Glauben!“ Und zueinander gewandt sprachen sie. „Von diesem Mann bekamen wir wahrlich keines der Zugeständnisse, die wir wollten. Gehen wir und bleiben bei der Religion unserer Väter, bis Gott zwischen uns und ihm richtet!“ Mit diesen Worten zerstreuten sie sich.

12.6[Bereits zu diesem Zeitpunkt spielte Mohammed offensichtlich mit dem Gedanken, Saudi-Arabien und Persien militärisch zu unterwerfen und zu islamisieren. Wie intolerant er gegenüber anderen Religionen war, zeigt sein Verhalten gegenüber den Quraish, denen er keinerlei Zugeständnisse machte. Bereits zu diesem Zeitpunkt ging es sowohl Mohammed, als auch den Quraish, nicht nur um Religion, sondern um die politische Macht. Die Quraish befürchteten, sie könnten sie verlieren und Mohammed setzte alles daran, sie zu erobern. Der nachfolgenden Satz von Abu Talib „Ich habe nicht bemerkt, dass du zuviel von ihnen verlangt hättest.“ kann man allerdings nur als Hohn bezeichnen, forderte Mohammed doch von den Quraish die bedingungslose Unterwerfung unter den Islam. Dieselbe Haltung hat der Islam bis heute beibehalten.]

Abu Talib aber sprach zum Propheten: „Ich habe nicht bemerkt, dass du zuviel von ihnen verlangt hättest. Als Muhammad dies von Abu Talib hörte, glaubte er, er könne sich nun zum Islam bekehren und flehte ihn an: „So sprich du die Worte, mein Oheim. Wenn du es tust kann ich am Tag der Auferstehung Fürbitte für dich einlegen.“ Abu Talib aber erwiderte, als er sah, wie Muhammad sich um ihn bemühte: „Sohn meines Bruders, müsste ich nicht fürchten, dass die Quraish dich und die Söhne deines Vaters nach meinem Tod beschimpfen und glauben werden, ich hätte jene Worte nur aus Angst vor dem Tod gesprochen, würde ich sie sagen, aber doch nur, um dir eine Freude zu machen.“

Als Abu Talib dann im Sterben lag, sah sein Bruder Abbas, wie er die Lippen bewegte. Er lehnte sein Ohr an dessen Mund und rief aus: „Sohn meines Bruders, mein Bruder hat das Wort gesprochen, das zu sprechen du ihn gebeten hast.“ Muhammad aber sagte, er habe es nicht gehört. Über die Gruppe der Männer, die gemeinhin zu Muhammad gekommen waren und seinen Vorschlag zurückgewiesen hatten, sandte Gott die Offenbarung herab: „Beim Koran mit der Mahnung! Nein! Die Ungläubigen fühlen sich stark und widersetzen sich. Wie viele Generationen haben wir vor ihnen zugrunde gehen lassen! Sie riefen, wo doch keine Zeit mehr war, sich zu retten. Sie wundern sich darüber, dass ein Warner aus ihren eigenen Reihen zu ihnen

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gekommen ist. Und sie sagen in ihrem Unglauben: „Dies ist ein verlogener Zauberer. Will er denn aus den Göttern einen einzigen Gott machen? Das ist doch merkwürdig.“ Und die Vornehmen von ihnen entfernten sich mit den Worten: „Geht hin und haltet euren Göttern die Treue! Das ist, was man von euch haben möchte. Wir haben nicht gehört, dass es so etwas in der bisherigen Religion gegeben hätte. Das ist eine reine Erfindung.“ (Sure 36,1-6) Mit der „bisherigen Religion“ sind die Christen gemeint, da diese sagen: „Gott ist einer von Dreien.“ (Sure 5,73) [Die Christen glauben an die Dreifaltigkeit: Gott Vater, Gottes Sohn Jesus und an den Heiligen Geist.]

31. Der Beginn des Islams bei den „Helfern12.7 Top

12.7[In seinen späteren kriegerischen Auseinandersetzungen, die nach der Hidschra, nach der Auswanderung aus Mekka im Jahre 622, begannen, unterschied Mohammed zwischen den „Auswanderern“, die mit ihm zusammen aus Mekka ausgewandert waren und den medinensischen „Helfern“.]

Als Gott seine Religion weiter verbreiten, seinen Propheten stärken und sein Versprechen ihm gegenüber einlösen wollte, machte sich Muhammad während der Wallfahrtszeit auf, um sich wie jedes Jahr bei dieser Gelegenheit den arabischen Stämmen anzubieten. Bei Aqaba traf er damals eine Gruppe aus Medina vom Stamme Khazradj, der Gott Gutes angedeihen lassen wollte. [Die arabischen Stämme Khazradj und Banu Aus, von denen einige Sippen miteinander verfeindet waren, wandten sich in erster Linie an Mohammed, weil sie sich von der Abhängigkeit der jüdischen Stämme befreien wollten. Mit anderen Worten, sie wollten sich beide der jüdischen Stämme entledigen. Dabei erhofften sie sich Hilfe von Mohammed. Wir kommen später darauf zurück.]

Den folgenden Bericht überlieferte mir Asim, der Sohn des Umar, von den Alten seines Volkes:

Als der Prophet diese Männer traf, fragte er sie: „Wer seid ihr?“ „Männer vom Stamme Khazradj.“ „Also Genossen der Juden?“ „Ja“ „Wollt ihr euch nicht setzen, damit ich mit euch sprechen kann?“ Da setzen sie sich zu ihm und er rief sie zum Glauben an den erhabenen Gott auf, legte ihnen den Islam dar und trug ihnen den Koran vor. Gott hatte bei ihnen den Weg zum Islam in der Weise vorbereitet, dass sie in ihrer Heimat, in Medina, mit Juden zusammenlebten, die ein schrift- und wissenbesitzendes Volk sind, während sie selbst der Vielgötterei und dem Götzendienst anhingen. [Man beachte, dass das Wort „Götzen“ in der Biographie in herabwürdigender Weise für die Götter der Nichtmuslime benutzt wird.] Oft hatten sie die Juden überfallen und immer wenn es Streit zwischen beiden Gruppen gab, drohten ihnen die Juden mit den Worten:

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Bald wird ein Prophet gesandt werden. Seine Zeit ist angebrochen. Wir werden ihm folgen und euch mit seiner Hilfe töten, wie Ad und Iram getötet wurden.“

Nachdem nun der Prophet mit ihnen gesprochen und sie zum Glauben an Gott aufgerufen hatte, sprachen zu zueinander: „Leute! Wisset, dies ist wahrlich der Prophet, mit dem die Juden uns gedroht haben! Lasst uns achtgeben, dass sie nicht vor uns bei ihm sind!“

Sie kamen deshalb seiner Aufforderung nach, indem sie an ihn glaubten und den Islam von ihm annahmen. Dabei sagten sie: „Wir haben unser Volk verlassen, denn kein Volk ist so sehr durch Feindschaft und Streit gespalten.Vielleicht kann Gott es durch dich wieder einen. Wir werden zu unserem Volk zurückkehren, für deine Sache bei ihm werben und ihm diesen Glauben vorlegen, in dem wir dir nun gefolgt sind. Wenn Gott es in dieser Religion einigt, wird es keinen mächtigeren Mann geben als dich.“

Mit diesen Worten verließen sie den Propheten und kehrten als Gläubige in ihre Heimat zurück. In Medina angekommen erzählten sie ihren Stammesgefährten von Muhammad und warben für den Islam, bis sich dieser bei ihnen ausbreitete und es bei den „Helfern“ kein Haus mehr gab, in dem man nicht vom Propheten sprach.

32. Die erste Huldigung von Aqaba Top

Im folgenden Jahr kamen 12 „Helfer“ aus Medina zur Wallfahrt nach Mekka und trafen sich bei Aqaba mit dem Propheten. Es war dies das „Erste Aqaba“. Sie huldigten dem Propheten nach Art der Frauen, d.h. noch ohne Verpflichtung zum Kampf, die ihnen erst später auferlegt wurde.

Über die Bedingungen der Huldigung berichtete mir Yazid ibn abi Habib, der sich auf die Aussagen von Abu Marthad stützte. Dieser hatte es wieder von Abdarrahman ibn Usaila und dieser von Ubada. Ubada erzählte:

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Ich war beim Ersten Aqaba dabei. Wir waren 12 Männer und huldigten dem Propheten nach Art der Frauen d. h. noch ohne Verpflichtung zum Kampf, die wir erst später erhielten. Bei der Huldigung verpflichteten wir uns, Gott nichts zur Seite zu stellen, nicht zu stehlen, nicht Unzucht zu treiben, unsere Kinder nicht zu töten12.8, unsere Nachbarn nicht zu verleumden und ihm in allem, was rechtens ist, zu gehorchen.

12.8[Wie in vielen frühen Kulturformen besaßen die Väter das Recht, ihre neugeborenen Kinder zu töten. Daraus erklärt sich das koranische Verbot, Kinder wegen möglicher „Verarmung“ zu töten (Sure 6,151; 17,31). Bedroht waren hierbei vor allem neugeborene Mädchen, weil sie später weniger effektiv zum Lebensunterhalt der Familie oder, in beduinischen Verhältnissen, zur Verteidigung beitragen konnten. Sie wurden dann nach ihrer Geburt lebend im Sand verscharrt. Auch diese Praxis wird durch ihre Kritik im Koran bezeugt (Sure 81,8-9; 16,58-59). Quelle: Der Islam]

Wenn ihr die erfüllet“, so sprach der Prophet zu uns, „werdet ihr ins Paradies eingehen. Wenn ihr einem der Gebote zuwider handelt, liegt es bei Gott, euch zu strafen oder euch zu verzeihen.“

Als die Männer ihn wieder verließen, schickte der Prophet den Musab ibn Umairit mit ihnen und trug ihm auf, ihnen den Koran vorzutragen, sie den Islam zu lehren und sie in der Religion zu unterweisen. Musab wurde dann in Medina der „Leser“ genannt. Er wohnte dort bei Asad, dem Sohn des Zurara. Asim erzählte mir, dass Musab den Medinensern vorbetete, da die beiden verfeindeten Stämme Aus und Khazradj12.9 es ablehnten, dass einer aus ihrer Mitte diese Aufgabe wahrnahm. Musab blieb bei Asad in Medina und rief die Einwohner zum Islam auf, bis es kein Haus der „Helfer“ mehr gab, in dem nicht muslimische Männer und Frauen lebten.

12.9[Die Khazradj (Chazradsch) und die Banu Aus sind vermutlich im fünften Jahrhundert aus Südarabien nach Yathrib (Medina) eingewandert. Zunächst waren sie den dort schon ansässigen Juden (Banu Quraiza, Banu Nadir und Banu Qainuqa) unterworfen. Sie konnten jedoch die alteingesessene jüdische Bevölkerung in Abhängigkeit bringen und wurden die Herren der Stadt. Später zerstritten sich verschiedene Unterstämme der Khazradj und der Aus, dabei waren die Banu Aus mit den jüdischen Stämmen der Banu Quraiza und Banū Nadir und die Khazradj mit dem jüdischen Stamm der Banu Qainuqa verbündet.]

33. Die zweite Huldigung von Aqaba Top

Dann kehrte Musab nach Mekka zurück und im folgenden Jahr zogen die muslimischen „Helfer“ zusammen mit ihren Stammesgefährten [es waren insgesamt 73 Männer und 2 Frauen], die noch der Vielgötterei anhingen, zur Wallfahrtszeit nach Mekka und verabredeten mit dem Propheten für den mittleren der Tashriq-Tage13 ein Treffen bei Aqaba.

13Die Tashriq-Tage sind die letzten drei Tage der Pilgerzeit (11. - 13. Dhu l-Hidjja im 12. Monat)

Mabad ibn Kab erzählte mir, dass ihm sein Bruder Abdallah, einer der kenntnisreichsten Männer unter den „Helfern“, von ihrem Vater Kab, der bei Aqaba dabeigewesen war und dem Propheten dort gehuldigt hatte, die folgende Schilderung überliefert hat:

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Wir machten uns zusammen mit unseren heidnischen Stammesgenossen auf den Weg. Wir hatten gebetet und die Unterweisungen im Glauben erhalten. Bei uns war auch Bara, der Sohn des Marur, unser Führer und unser Ältester. Nachdem wir uns auf die Reise gemacht und Medina verlassen hatten, sprach Bara zu uns: „Ich bin zu einer Ansicht gekommen, von der ich aber bei Gott nicht weiß, ob ihr mir darin zustimmen werdet oder nicht.“ „Nämlich?“ „Ich bin der Meinung, ich sollte beim Gebet der Kaaba in Mekka nicht den Rücken zukehren, sondern mich ihr zuwenden.“ „Wir haben aber erfahren“, wandten wir ein, „dass sich der Prophet beim Gebet stets nach Syrien wendet und wir wollen ihm nicht zuwider handeln.“

Ich werde mich trotzdem zur Kaaba wenden.“ „Wir aber nicht.“ Und immer wenn die Zeit zum Gebet kam, richteten wir unser Gesicht nach Syrien, während er sich in Richtung der Kaaba wandte. Wir taten dies, bis wir in Mekka anlangten. Wir hatten ihn zwar deswegen getadelt, doch er war dabei geblieben. Nach unserer Ankunft bat er mich: „Sohn meines Bruders, lass uns zum Propheten gehen und ihn wegen meiner Handlungsweise während der Reise fragen. Dass ihr euch in dieser Frage gegen mich gestellt habt, hat mich doch berührt.“ So machten wir uns auf, den Propheten zu fragen. Da wir ihn aber nicht kannten und ihn vorher noch nie gesehen hatten, wandten wir uns an einen Mekkaner und erkundigten uns, wo Muhammad zu finden sei.

Kennt ihr ihn?“, fragte er uns. „Nein.“ „Dann kennt ihr vielleicht Abbas, seinen Onkel?“ Als wir dies bejahten, da Abbas oft als Händler zu uns kam, fuhr er fort: „Wenn ihr ins Heiligtum kommt, ist Muhammad der Mann, der bei Abbas sitzt.“ Wir gingen dorthin und fanden Abbas und neben ihm den Propheten. Wir grüßten und setzten uns zu ihm und Muhammad fragte Abbas:

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Kennst du die beiden Männer?“ „Ja“, antwortete Abbas, „das ist Bara ibn Marur, der Führer seines Volkes und der andere Kab ibn Malik.“ Ich werde nie vergessen, wie der Prophet daraufhin ausrief: „Der Dichter?“ Abbas bestätigte es ihm.

Dann wandte sich Bara an Muhammad: „O Prophet Gottes! Ich machte mich auf die Reise, nachdem Gott mir den rechten Weg zum Islam gewiesen hatte, doch war ich der Meinung, mich beim Gebet nicht mit dem Rücken zur Kaaba stellen zu können, sondern mich ihr zuwenden zu müssen. Meine Gefährten waren jedoch in dieser Frage derart gegen mich, dass es mich in meinem Herzen berührte. Was meinst du, Gesandter Gottes?“ „Du hättest eine Gebetsrichtung, wenn du dabei bliebst!“ erwiderte ihm der Prophet.14

14Anspielung auf eine Änderung der Gebetsrichtung. Zunächst hatte sich Muhammad beim Gebet nach Jerusalem gewandt. Ein bis zwei Jahre nach der Hidjra [nach der Auswanderung von Mekka nach Medina] wurde durch eine koranische Offenbarung (Sure 2,242-245) die [Gebets-]Richtung zur Kaaba vorgeschrieben. [Im Gegensatz zu orthodoxen Muslimen (Sunniten und Schiiten) beten die Aleviten, da sie kein Pflichtgebet kennen, nicht in der vom Koran vorgeschrieben Gebetsrichtung. Quelle: Qibla (Gebetsrichtung)]

Bara aber wandte sich wieder der Gebetsrichtung Muhammads zu und betete mit uns gen Syrien. Nachdem wir die Wallfahrt durchgeführt hatten und die mit dem Propheten vereinbarte Nacht kam, nahmen wir Abu Djabir zur Seite, einen unserer Führer und Edlen und damals noch Heide, vor unseren ungläubigen Stammesgefährten hatten wir unser Vorhaben verheimlicht, und redeten auf ihn ein: „Abu Djabir, du bist einer unserer Führer und unserer Edlen und wir möchten dich von deinem Unglauben, in dem du lebst, befreien, damit du nicht morgen Brennholz für das Höllenfeuer bist.“

Wir riefen ihn zum Glauben an den Islam auf und erzählten ihm von unserer Verabredung mit dem Propheten. So wurde er Muslim, nahm mit uns an Aqaba teil und wurde einer der Nuqaba15.

15Nuqaba, eigentlich Führer. Terminus technicus (Fachwort) für die zwölf bei Aqaba gewählten Vertreter der Medinenser.

Das erste Drittel der Nacht verbrachten wir schlafend an unserem Lagerplatz zusammen mit unseren Gefährten. Dann machten wir uns heimlich und so leise wie Flughühner auf den Weg zu unserem Treffpunkt, bis wir alle in dem Graben bei Aqaba versammelt waren, insgesamt 73 Männer und 2 Frauen. Wir warteten bis der Prophet zusammen mit seinem Onkel Abbas zu uns kam. Abbas war damals noch Heide, doch wollte er bei dieser Angelegenheit seines Neffen gern dabei sein

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und darauf achten, dass man ihm eine ausreichende Sicherheit gewährte. Er war auch der erste, der das Wort ergriff:

Volk von Khazradj!“ Die Araber pflegten beide medinensischen Stämme, sowohl die [Banu] Aus, wie die Khazradj, mit diesem Namen zu bezeichnen15.1, „ihr wisst, welche Stellung Muhammad bei uns innehat. Wir haben ihn vor unseren eigenen Stammesgefährten geschützt, die über ihn genau so denken wie wir. Er lebt in Ansehen bei seinem Volk und in Sicherheit in seiner Heimat. Nun will er sich aber unbedingt euch anschließen. Wenn ihr meint, ihr könnt ihm gegenüber euer Versprechen einhalten und ihn vor seinen Gegnern schützen, dann übernehmt, was ihr euch aufgeladen habt. Wenn ihr aber glaubt, ihr werdet ihn, nachdem er zu euch gezogen ist, fallenlassen und verraten, dann lasst ihn lieber gleich in Ruhe, denn hier bei seinem Volk in Mekka lebt er in Ansehen und Sicherheit.“

15.1Die Banu Aus und die Khazradj (Chazradsch) nannten sich gemeinsam auch Banu Qaila, da sie gemeinsam von derselben Ahnherrin, Qaila, abstammen.

Wir haben deine Worte gehört“, antworteten wir und baten den Propheten: „Gesandter Gottes, sprich du selbst und entscheide nach deinem Willen für dich und deinen Herrn!“ Muhammad ergriff das Wort, trug den Koran vor, rief zum Glauben an Gott auf und stärkte unser Verlangen nach dem Islam. Dann sprach er: „Ich nehme eure Huldigung auf der Grundlage an, dass ihr mich schützt, wie eure Frauen und Kinder.“ Da ergriff Bara seine Hand und sagte: „Ja, bei dem, der dich als Prophet mit der Wahrheit gesandt hat, wir werden dich schützen, wie wir unsere Frauen schützen. Lass uns dir huldigen, Gesandter Gottes! Wir sind, bei Gott, Männer des Krieges und besitzen Waffen, die wir von Geschlecht zu Geschlecht vererbt haben.“

Während Bara noch zum Propheten sprach, unterbrach ihn Abu Haitham und fragte Muhammad: „Wir haben Bindungen zu jenen Männern“, er meinte die Juden in Medina, „und wenn wir diese nun brechen, wirst du dann vielleicht, nachdem Gott dir den Sieg geschenkt hat, zu deinem Volk zurückkehren und uns allein lassen?“ Da lächelte der Prophet und erwiderte: „Nein, Blut ist Blut und nicht zu bezahlendes Blut ist nicht zu bezahlendes Blut16. Ich gehöre zu euch und ihr gehört zu mir. Ich

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bekämpfe den, den ihr bekämpft und ich bin in Frieden mit dem, mit dem ihr in Frieden seid. Wählt 12 Nuqaba unter euch aus, damit sie ihrem Volk in seinen Angelegenheiten vorstehen.“

16d. h., wie Ibn Hisham erklärend hinzufügt: Was euch heilig ist, ist auch mir heilig und euer(e) Blut(schuld) ist auch mein(e) Blut(schuld)

Sie taten dies und wählten 9 Männer vom Stamme der Khazradj und 3 vom Stamme der Aus. Zu diesen Nuqaba überlieferte mir Abdallah ibn abi Baki, sprach der Prophet: „Ihr seid die Bürgen für euer Volk, wie es die Jünger Jesu, des Sohnes der Maria, waren. Und ich bin der Bürge für mein Volk“, womit er die Muslime meinte. Die Nuqaba stimmten dem zu.

Asim, der Sohn des Umar umd Enkel des Qatada, erzählte mir folgendes:

Als sich dann alle versammelten, um dem Prophet zu huldigen, sprach der „Helfer“ Abbas, der Sohn des Ubada: „Männer von Khazradj! Seid ihr euch bewusst, was es bedeutet, diesem Mann zu huldigen?“ „Ja.“ „Ihr huldigt ihm auf dem Krieg gegen alle Menschen, die hellhäutigen, wie die dunklen. Wenn ihr meint, ihr werdet ihn aufgeben, wenn euer Eigentum verloren und eure Edlen gefallen sind, so tut es lieber gleich, denn bei Gott, es wird euch sonst zur Schande im Diesseits und im Jenseits gereichen. Wenn ihr aber glaubt, ihr werdet euer Versprechen ihm gegenüber halten, trotz des Verlustes eures Vermögens und des Todes eurer Edlen, dann nehmt ihn, denn bei Gott, er wird euch im Diesseits und im Jenseits zum Wohle gereichen.“

Wir nehmen das alles in Kauf“, erwiderten sie und fragten den Propheten: „Und was erhalten wir, Gesandter Gottes, wenn wir dies erfüllen?“ „Das Paradies!“ antwortete Muhammad, worauf sie riefen: „So strecke deine Hand aus!“ Er tat es und sie schlugen in seine Hand ein. Insgesamt nahmen 73 Männer und 2 Frauen von den Stämmen Aus und Khazradj am Zweiten Aqaba teil. Man behauptete, dass auch die beiden Frauen huldigten, doch pflegte der Prophet Frauen nicht die Hand zu geben, sondern trug ihnen nur die Bedingungen vor und sprach, wenn sie zustimmten: „Geht! Ich habe eure Huldigung angenommen.“

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34. Das Götzenbild des Amr ibn Djamuh Top

Nachdem die Helfer nach der Huldigung bei Aqaba nach Medina zurückgekehrt waren, bekannten sie sich dort öffentlich zum Islam. In ihrem Volk gab es noch einge Alte, die an ihrem Glauben, der Vielgötterei, festhielten, darunter Amr ibn Djamuh, einer der Führer und Edlen der Banu Salama. Sein Sohn Muadh war bei Aqaba dabeigewesen und hatte dem Propheten gehuldigt. Nach Sitte der Edlen hatte Amr in seinem Haus ein hölzernes Götzenbild namens Manat, dass sie als Gott verehrten und ständig sauber hielten. Nachdem die jungen Männer der Banu Salama den Islam angenommen hatten, pflegten sie sich des Nachts zu jenem Götzenbild des Amr zu stehlen, es fortzutragen und kopfüber in seine Senkgrube des Stammes zu werfen. [Eine Sekgrube ist eine Grube zur Aufnahme von Fäkalien.] Am folgenden Morgen rief dann Amr: „Wehe euch! Wer hat sich in der vergangenen Nacht an unseren Göttern vergangen?“

Dann machte er sich auf die Suche nach dem Götzen und als er ihn gefunden hatte, wusch, reinigte und pafümierte er ihn. „Bei Gott“, drohte er, „wenn ich erfahre, wer dies getan hat! Schimpf und Schande werde ich über ihn häufen!“ Sobald er aber des Nachts schlief, machten sie sich wieder über den Götzen her und am nächsten Morgen musste ihn Amr, nachdem er ihn in der gleichen schmachvollen Lage gefunden hatte, wider säubern und von seinem Gestank befreien. Als es ihm schließlich zu viel wurde und er den Götzen wieder einmal aus seiner Lage befreit und ihn wie üblich gereinigt hatte, band er ihm sein Schwert um und sprach: „Wahrlich, ich weiß nicht, wer dir dies antut. Wenn etwas an dir ist, so verteidige dich. Du hast jetzt das Schwert.“

Nachdem er abends eingeschlafen war, kamen sie wieder, nahmen dem Götzen das Schwert vom Hals, banden ihm mit einem Strick einen toten Hund um und warfen ihn in eine der Senkgru-

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ben des Stammes. Am Morgen sah ihn Amr wieder nicht an seinem Platz und machte sich auf die Suche nach ihm, bis er ihn in jener Grube mit dem Kopf nach unten und mit einem toten Hund zusammengebunden fand. Als er ihn in diesem Zustand erblickte und die Muslime in seinem Stamme mit ihm redeten, nahm er durch Gottes Gnade den Islam an und wurde selbst ein guter Muslim. Danach, und nachdem er Gott erkannt hatte, hielt er seine Erfahrung mit dem Götzen und seinen Dank gegenüber Gott, der ihn aus Blindheit und Irrtum errettet hatte, in folgenden Versen fest:

Wahrlich, wärst du ein Gott, du lägst jetzt nicht
mit dem Hund in der Grube, den Kot im Gesicht!
Schmach über den, der als Gottheit dich weiter verficht!
Wir erkannten dich jetzt, du trauriger Wicht.
Preis sei Gott, dem es niemals an Gnade gebricht
und bei dem jeder Glaube erfährt sein Gericht.
Er allein hat mich errettet zum Licht,
das mir vom Grabesdunkel Erlösung verspricht.

[Es ist schon erstaunlich, wie die Menschen sich von dem Versprechen, sie würden einst in das Paradies eingehen, blenden lassen. Das war zur Zeit Mohammeds wohl nicht anders als heute. Auch heute glauben viele Menschen an die Reinkarnation bzw. an die Wiedergeburt. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum man wohl die Geschichte mit der Götterstatue, die von den Muslimen in die Senkgrube geworfen wurde, erzählt hat? Sie hat mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht stattgefunden, sondern ist wohl eher symbolisch zu verstehen. Sie zeigt wieder einmal die ganze Intoleranz der Muslime, die sich bis heute fortgesetzt hat. Dies erkennt man z. B. an der Sprengung der beiden 35 und 55 Meter hohen Buddha-Statuen in Bamiyan/Afghanistan im Jahre 2001.

Und weil diese Geschichte so symbolträchtig ist, stellt man sich die Frage, ob durch diese Geschichte das Handeln der Muslime gerechtfertigt werden soll? Die Muslime sollten sich vielleicht auch einmal die Frage stellen, ob das Ergebnis ein anders gewesen wäre, wenn man nicht diese Götterstatue in die Senkgrube geworfen hätte, sondern z. B. einen „geheiligten“ islamischen Gegenstand und was sie dabei empfunden hätten. Wie sehr sie auf die vermeintliche Herabwürdigung eines ihrer Symbole reagieren, zeigt sich unter anderem im Streit um die Mohammed-Karrikaturen, die am 30. September 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten veröffentlicht wurden.]

35. Die Offenbarung des Befehls zum Kampf Top

Vor der Huldigung von Aqaba war es dem Propheten nicht erlaubt, Krieg zu führen und Blut zu vergießen. Es war ihm nur aufgetragen worden, für Gott zu werben, Kränkungen zu ertragen und den Unwissenden zu vergeben. Die Quraish hatten seine Anhänger verfolgt, bis sie sie von ihrem Glauben wieder abbrachten oder aus ihrer Heimat vertrieben. Diese hatten nur die Wahl, ihren Glauben aufzugeben, gefoltert zu werden oder aus Mekka nach Abessinien (Äthiopien), Medina oder sonstwohin zu fliehen. Als die Quraish weiter Gott schmähten, die Ehre, die er ihnen erweisen wollte, zurückzuwiesen, seinen Propheten der Lüge ziehen [bezichtigten] und alle diejenigen folterten und vertrieben, die ihn anbeteten, sich zu seiner Einheit bekannten, sei-

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nem Propheten glaubten und an seiner Religion festhielten, da gab Gott seinem Propheten die Erlaubnis, zu kämpfen und an jenen Rache zu nehmen, die ihn und seine Gefährten ungerecht behandelt hatten.

Der erste Koranvers, der darüber geoffenbart wurde, war, wie ich von Urwa und anderen Überlieferern erfahren habe, das folgende Wort Gottes: „Denjenigen die kämpfen, ist die Erlaubnis erteilt worden, weil ihnen vorher Unrecht geschehen ist. Gott hat die Macht, ihnen zu helfen, ihnen, die unberchtigter Weise aus ihren Wohnungen vertrieben worden sind, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Gott. Und wenn Gott nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte [indem er ihnen aus ihren eigenen Reihen Widersacher entstehen ließ], wären Klausen, Kirchen, Synagogen und andere Gotteshäuser, in denen der Name Gottes unablässig erwähnt wird, zerstört worden. Aber bestimmt wird Gott denen, die ihm helfen, auch helfen. Er ist stark und mächtig, ihnen, die, wenn wir ihnen auf der Erde Macht geben, das Gebet verrichten, Almosensteuer geben, gebieten, was recht ist, und verbieten, was verwerflich ist. Die letzte Entscheidung liegt bei Gott.“ (Sure 22,39-41)

Und danach offenbarte Gott auch: „Und kämpft gegen sie, bis niemand mehr versucht, zum Abfall vom Islam zu verführen und bis nur noch Gott verehrt wird!“ (Sure 2,193)

Nachdem ihm Gott die Erlaubnis zum Krieg erteilt hatte und ihm jene Helfer aus Medina den Treuschwur auf den Islam und auf ihre Hilfe für ihn, seine Anhänger und die Flüchtlinge geleistet hatten, befahl der Prophet den Gefährten aus seinem Stamm und auch den anderen Muslimen, die bei ihm in Mekka lebten, nach Medina zu ziehen, die Hidjra [die Auswanderung] dorthin zu unternehmen und sich ihren Brüdern unter den Helfern anzuschließen. Er sprach: „Gott möge euch Brüder und eine Wohnstatt schaffen, in der ihr sicher seid!“ Danach zog eine Gruppe nach der anderen weg. Der Prophet blieb in Mekka und wartete bis sein Herr es ihm erlauben würde, die Stadt auch zu verlassen und nach Medina auszuwandern.

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[Dann kann das Gemetzel ja losgehen. Es ist natürlich Unsinn, dass Mohammed die Erlaubnis, Krieg zu führen, von Gott erhalten hat. Nicht eine Offenbarung hat er von Gott erhalten. Sie entspringen alle seiner eigenen Phantasie. Es stimmt allerdings, dass die Quraish Mohammed und seinen Anhängern ziemlich übel mitspielten. Aber dieselbe Intoleranz findet sich auf Seiten Mohammeds. Diese Intoleranz ist ein wesentliches Element des Islam und ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Solange Mohammed sich den Quraish unterlegen fühlte passte er sich an und tat das, was man von ihm verlangte. Nun aber, da die medinensischen Helfer ihm Unterstützung zusicherten, fühlt er sich offenbar stark genug, seinen Gegnern auch militärisch entgegenzutreten. Dies ist zwar verständlich, allerdings entspricht Mohammeds Reaktion eher der eines Feldherren, als der eines Propheten.

Wie mir scheint, war Mohammed fest entschlossen, nun seinen Glauben mit allen Mitteln zu verbreiten. An dieser Haltung des Islams hat sich bis heute grundsätzlich nichts geändert. Wie das Hilfwerk Open Doors berichtet, werden heute etwa 250 Millionen Christen vorwiegend in islamischen Ländern verfolgt. 175.000 Christen werden jährlich vorwiegend in den islamischen Staaten getötet. Und weil in Sure 22,39-41 von zerstörten Klausen, Kirchen, Synagogen und andere Gotteshäusern die Rede ist, sei darauf hingewiesen, dass dies heute bittere Realität in vielen islamischen Staaten ist, in denen in den letzten Jahren Tausende von christlichen Kirchen zerstört wurden. (Quelle: 175.000 Christen werden jährlich ermordet)]

36. Die Hidjra [die Auswanderung] des Propheten [24. September 622] Top

Der Prophet blieb in Mekka, nachdem seine Gefährten bereits ausgewandert waren und wartete auf Gottes Erlaubnis, selbst die Hidjra zu unternehmen. Nur diejenigen, die man eingesperrt oder gewaltsam von ihrem Glauben abgebracht hatte, sowie sein Vetter Ali und Abu Bakr, waren noch bei ihm in der Stadt. Oft bat Abu Bakr den Propheten, auch auswandern zu dürfen, doch dieser gab ihm zur Antwort: „Überstürze nichts! Vielleicht wird Gott dir einen Reisegefährten geben.“ Und Abu Bakr hoffte, dies werde Mohammed selbst sein.

Als die Quraish sahen, dass der Prophet außerhalb Mekkas Anhänger und Freunde gewonnen hatte und seine mekkanischen Gefährten zu jenen gezogen waren, mussten sie erkennen, dass diese bei den Medinensern Wohnung und Schutz gefunden hatten. Sie fürchteten, der Prophet werde nun auch zu jenen gehen. Sie wussten ja, dass er sich entschlossen hatte, gegen sie Krieg zu führen. Deshalb versammelten sie sich im Haus des Rates, wo sie alles zu entscheiden pflegten, es war dies das Haus des Qusayy ibn Kilab, um zu beraten, was sie nun in ihrer Furcht mit Muhammad tun sollten.

Ich habe darüber den Bericht des Abdallah ibn abi Nadjih in der Wiedergabe des Mudjahid und den Bericht des Abdallah ibn Abbas, die mir von vertrauenswürdigen Freunden überliefert wurden:

Nachdem sich die Quraish entschieden und miteinander vereinbart hatten, im Haus des Rates zusammenzukommen, um über den Propheten zu beraten, kam zu ihnen am verabredeten Tag, dem sogenannten Tag des Gedränges, der Teufel in Gestalt eines würdevollen Greises und mit einem Mantel bekleidet. Er stellte sich vor das Tor des Hauses und als sie ihn dort sahen, fragten sie ihn, wer er sei. Er gab ihnen zur Antwort:

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Ich komme aus dem Nadjd. [ Der Nadjd (auch Nadschd oder Nedschd) ist eine Landschaft und Provinz im Saudi-Arabien.] Ich habe von eurem Vorhaben gehört und würde gern an eurer Versammlung teilnehmen, um zu hören, was ihr sagt. Vielleicht kann ich euch mit Rat zur Seite stehen.“ So ließen sie ihn mit hinein, wo sich die Edlen der bedeutenden Sippen des Stammes Quraish versammelt hatten.

Die Beratung begann mit der Aufforderung: „Ihr habt gesehen, was Muhammad getan hat. Wir können nicht länger davor sicher sein, dass er uns nicht mit seinen Anhängern von außerhalb unseres Stammes plötzlich angreift. Laßt uns deshalb eine Entscheidung über ihn fällen!“ Einer von ihnen machte darauf den folgenden Vorschlag. „Legt ihn in Eisen und schließt ihn ein! Dann wartet bis er stirbt, wie vor ihm Zuhair, Nabigha und andere Dichter seinesgleichen gestorben sind!“

Das ist kein geeigneter Vorschlag für euch“, wandte der Alte aus dem Nadjd ein, „denn wenn ihr ihn einsperrt, wird dies zu seinen Gefährten dringen und diese werden euch sogleich angreifen und ihn aus euren Händen befreien. Schließlich werden sie euch zahlenmäßig derart überlegen sein, dass sie euch völlig besiegen. Nein, das ist kein guter Vorschlag. Überlegt euch einen anderen!“

Sie berieten weiter und schließlich sagte ein anderer: „Laßt uns ihn aus unserem Land vertreiben! Wenn er einmal weg ist, brauchen wir uns nicht darum zu kümmern, wohin er gegangen und wo er geblieben ist. Ist er uns aus den Augen, können wir unsere alte Eintracht wieder herstellen.“ „Auch dieser Vorschlag taugt nichts“, schaltete sich der Alte aus dem Nadjd ein, „habt ihr denn nicht bemerkt, wie schön er sprechen und wie fein er sich ausdrücken kann und wie er die Herzen der Menschen mit seiner Botschaft gewinnt. Würdet ihr dies tun, müsstet ihr damit rechnen, dass er sich bei irgendeinem Beduinenstamm niederlässt und diesen durch seine Worte derart überwältigt, dass er mit ihm gegen euch zieht, euch in eurem eigenen Land besiegt, euch die Herrschaft aus den Händen reißt und schließlich mit euch machen kann, was er will. Überlegt euch einen anderen Plan!“

Ich habe eine Idee, auf die noch keiner von euch gekommen ist“, meldete sich Abu Djahl zu Wort.

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Nämlich?“, fragten sie ihn und er fuhr fort: „Ich meine, wir sollten aus jedem Stamm einen angesehen, edlen und starken jungen Mann holen und jedem von ihnen ein scharfes Schwert geben. Diese sollen sich ihn dann gleichzeitig vornehmen und ihn mit einem enzigen Hieb töten. Wir hätten dann endlich Ruhe vor ihm, denn die Blutschuld würde sich auf alle Stämme verteilen und die Sippe Abdmanaf könnte nicht gegen sie alle Krieg führen. [Abdmanaf ist der Ur-Urgroßvater des Propheten Muhammad und Stammvater der vier mekkanischen Sippen Abdschams, Naufal, Haschim und Muttalib.] Vielmehr müssten sie sich mit dem Blutgeld zufrieden geben, das wir ihnen zahlen!“ „Das ist es“, rief der Alte, „es gibt keinen Plan, der besser wäre!“ Mit dieser Entscheidung gingen sie auseinander.

[Tillman Nagel schreibt in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 268 folgendes zur Auswanderung und zu der oben erwähnten Versammlung: „Der Gesandte Allahs betrachtete sich und seine Anhänger als Vertriebene (vergleiche Sure 22,40). Davon redet er zu wiederholten Malen im Koran. Um Vertreibung ging es vermutlich letztlich auch seinen qurashitischen Feinden, denen in der Legende erst der Satan etwas böses suggerieren muss. Der Mordkomplott als der Gipfel des Leidensweges und die bedingungslose Heeresfolge sind die Fiktionen, die für die planvoll gesteuerte Hedschra [Auswanderung] unentbehrlich sind. Mit dem tatsächlichen geschehen... haben sie nichts zu tun. Wir beobachten einen zäh an ererbten religiös-gesellschaftlichen Leitbildern festhaltenden Mohammed, für den die Vertreibung keineswegs der Beginn des politischen Wirkens ist, sondern ein retardierendes (verzögerndes) Moment auf dem Weg zur Macht.“]

Zum Propheten aber kam Gabriel und riet ihm, er solle in der kommenden Nacht nicht in seinem Bett schlafen. Das erste Drittel der Nacht verstrich und die Quraish versammelten sich an seiner Tür, um aufzupassen, wann er einschlief. Dann wollten sie über ihn herfallen. Der Prophet sah sie jedoch und bat Ali, in seinem Bett zu schlafen und sich, wie er es selbst zu tun gewohnt war, völlig mit seinem grünen Hadramaut-Mantel zuzudecken [Hadramaut war ein altsüdarabisches Königreich im heutigen Jemen.]: es würde ihm nicht Schlimmes geschehen.

In der weiteren Darstellung stütze ich mich auf die Schilderung des Muhammad ibn Kab, wie sie mir Yazid ibn Ziyad weitererzählt hatte:

Unter denen, die sich an Muhammads Tür versammelt hatten, war auch Abu Djahl. Er sprach: „Muhammad behauptet, wenn ihr ihm in seiner Sache folgtet, würdet ihr die Könige über Araber und Perser werden und nach eurem Tod würdet ihr wiedererweckt werden und in Gärten leben, so schön, wie die Gärten am Jorden, sonst aber werde es ein Gemetzel unter euch geben und nach eurer Wiedererweckung würdet ihr in einem Höllenfeuer verbrennen.“

Da trat der Prophet mit einer Handvoll Staub zu ihnen hinaus und sagte: „Ja, dies sage ich! Und du bist einer von letzteren!“ Nun hatte Gott aber ihren Blick von ihm genommen, so dass sie ihn nicht sehen konnten. Er streute Staub auf ihre Häupter, wobei er aus der Sure Yasin (Jasin) [Sure 36] die folgenden Verse sprach: „Beim weisen Koran! Du bist wirklich einer der Gesandten und befindest dich auf einem geraden Weg. Er ist vom Mächtigen und Barmherzigen als Offenba-

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rung herabgesandt, damit du Leute warnst, deren Väter noch nicht gewarnt worden sind, so dass sie nichts Böses ahnen. Aber nun ist ja das Wort [der Vorherbestimmung] an den meisten von ihnen in Erfüllung gegangen, so dass sie nicht glauben. Wir haben ihnen Fesseln an den Hals getan und die gehen ihnen bis zum Kinn, so dass sie den Kopf hochhalten. Und wir haben vor ihnen einen Wall errichtet und ebenso hinter ihnen und sie zugedeckt, so dass sie nichts sehen. (Sure 36,1-9)

Am Ende der Verse hatte er jedem der Männer Staub auf den Kopf gestreut und ging seines Wegs. Ein Mann, der vorher nicht bei der Gruppe der Quraish an der Tür gewesen war, trat jetzt zu ihnen und fragte: „Auf was wartet ihr denn hier?“ „Auf Muhammad“, gaben sie zur Antwort, worauf er rief: „Ja, Muhammad ist doch schon zu euch herausgekommen, hat jedem von euch Staub auf den Kopf getan und ist wieder gegangen! Seht ihr denn nicht, was mit euch geschehen ist?“ Sie fassten sich auf den Kopf und bemerkten den Staub. Dann begannen sie zu suchen und sahen auf dem Bett die in den Mantel des Propheten eingehüllte Gestalt Alis.

Da ist doch Muhammad! Er schläft in seinem Mantel!“, flüsterten sie und warteten bis zum Morgen. Als sich dann aber Ali von seinem Lager erhob, mussten sie feststellen, dass jener Mann die Wahrheit gesagt hatte.

Danach gab Gott seinem Propheten die Erlaubnis zur Hidjra. Abu Bakr, der ein wohlhabender Mann war, hatte auf die geschilderten Vertröstungen des Propheten hin zwei Reitkamele gekauft, sie in seinem Hof eingesperrt und in Vorbereitung auf die Flucht gut gefüttert.

Abu Bakrs Tochter Aisha erzählte nach der Darstellung des Urwa, wie ich sie von einem vertrauenswürdigen Manne gehört habe, folgendes:

Gewöhnlich kam der Prophet immer am frühen Morgen oder am späten Abend zum Hause Abu Bakrs. An jenem Tage aber, da er die Erlaubnis zur Hidjra und zum Verlassen Mekkas erhalten hatte, kam er bereits gegen Mittag zu uns und mein Vater sagte, als er ihn erblickte: „Zu dieser Stunde kommt der Prophet nur, wenn etwas geschehen ist.“

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Muhammad trat ein, mein Vater bot ihm seinen Platz an und er setzte sich. Nur ich und meine Schwester Asma waren noch zugegen. Der Prophet ersuchte meinen Vater uns beide hinauszuschicken, doch dieser bat ihn, dass wir bleiben durften. Dann sagte Muhammad: „Gott hat mir die Erlaubnis zum Hidjra erteilt.“ „Gehen wir zusammen?“ „Ja.“

Bei Gott, ich habe noch nie jemanden so vor Freude weinen sehen wie damals meinen Vater. Er erzählte dann dem Propheten von den beiden Kamelen, die er bereitgehalten hatte. Sie dingten [verpflichteten] den Ibn Arqat, damals noch ein Heide, und übergaben ihm die beiden Tiere, damit er sie bis zum verabredeten Aufbruch hütete.

Niemand, so ist mir berichtet worden, wusste etwas vom Aufbruch des Propheten außer Ali, Abu Bakr und dessen Familie. Dem Ali hatte Muhammad davon erzählt, und ihm aufgetragen, noch so lange in Mekka zu bleiben, bis er den betreffenden Leuten [in Mekka] die wertvollen Gegenstände zurückerstattet hattet, die diese dem Propheten aufgrund seiner Vertrauenswürdigkeit zu treuen Händen übergeben hatten. Nach der Entscheidung zum Aufbruch kam der Prophet zu Abu Bakr. Durch ein kleines Fenster an der Rückseite des Hauses machten sie sich davon zu einer Höhle im Berge Thaur unterhalb Mekkas und versteckten sich darin.

[Mohammds Gottvertrauen scheint nicht allzu groß gewesen zu sein, wenn er sich vor den Quraish in einer Höhle versteckt. Vielleicht hätte er einfach darauf vertrauen sollen, dass Gott ihn notfalls wieder unsichtbar macht :-). Aber zur Ehrenrettung Mohammeds sei noch angefügt, dass wir noch so manches „Wunder“ von ihm erleben werden.]

Seinem Sohn Abdallah trug Abu Bakr auf, tagsüber herumzuhören, was die Leute über sie redeten und ihnen dann am Abend von ihren Gesprächen zu berichten. Seinen freigelassenen Sklaven, Amir ibn Fuhaira, befahl er, tagsüber die Ziegen und Schafe zu hüten und diese am Abend zu ihnen in die Höhle zu bringen. Seine Tochter Asma schließlich brachte ihnen am Abend das nötige Essen. Muhammad blieb mit Abu Bakr drei Tage in dieser Höhle. Die Quraish aber setzen hundert Kamele zur Belohnung für jeden aus, der ihn ihnen zurückbrächte.

Nach diesen drei Tagen machten sich Muhammad und seine Begleiter unter Führung des Abdallah ibn Arqat auf den Weg. Er führte sie unterhalb Mekkas entlang der Küste [des Roten Meeres, Medina liegt etwa 447 Kilometer nördlich von Mekka], bis sie den Weg unterhalb von Usfan kreuzten. Unterhalb von Amadj reisten sie weiter über Qudaid, Kharrar und den Engpass von

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Marra zur Wasserstelle von Liqf und von dort hinunter zur Wasserstelle von Mahadj, dann weiter über Mardjih Mahadj hinunter zum Mardjih von Dhu l-Ghadwain, durch das Tal von Dhu Kashr und über Djadadjid, Adjarad, Dhu Salam, im Tale von Ada, die Wasserstelle von Tihim, Abadid, Fadjja hinunter nach Ardj. Von dort brachte sie ihr Führer durch den Engpass von Air, rechter Hand von Akuba, hinunter ins Tal von Rim und schließlich am Montag, dem 12. des Monats Rabi I, genau am Mittag ins Dorf Quba bei Medina zum Stamme Amr.

Muhammad ibn Djafar berichtete mir von Urwa, dass Abdarrahman ibn Uwaimir die folgende Schilderung über die Ankunft des Propheten von einem seiner Stammesgenossen gehört hat:

Wir hatten von Muhammads Aufbruch in Mekka gehört und erwarteten voll Sehnsucht seine Ankunft bei uns. Immer nach dem Morgengebet zogen wir hinauf auf das Lavafeld und harrten des Propheten, bis wir keinen Schatten mehr fanden und heimkehren mussten. Es war dies in der heißen Jahreszeit. Auch an jenem Tage, da der Prophet anlangte, hatten wir draußen gesessen, bis es keinen Schatten mehr gab. Wir waren gerade in unsere Häuser zurückgekehrt, als der Prophet ankam. Ein Jude der gesehen hatte, was wir taten, und wusste, dass wir die Ankunft des Propheten erwartetet, sah ihn als erster und rief, so laut er konnte: „O ihr Banu Qaila! Euer Glück ist gekommen.!“ [Die arabischen Stämme Banu Aus und Khazradj aus Medina, nannten sich auch, wegen der gemeinsamen Ahnherrin, Qaila, Banu Qaila.]

Da gingen wir hinaus zum Propheten und fanden ihn zusammen mit dem etwa gleichaltrigen Abu Bakr [Mohammed war zu diesem Zeitpunkt 52 Jahre alt.] im Schatten einer Palme. Die meisten von uns hatten Muhammad vorher noch nie gesehen. Als wir uns um sie drängten, wussten wir deshalb nicht, wer von den beiden es war. Erst als der Schatten von ihm wich und Abu Bakr sich erhob, um ihm mit seinem Gewandt Schatten zu spenden, da wussten wir es. Der Prophet wohnte dann zunächst, so wird erzählt, bei Kulthum, dem Sohn des Hidm, einem der Banu Ubaid. Andere behaupteten bei Sad, dem Sohn des Khathama. Diejenigen Überlieferer, die Kulthum angegeben, berichteten, der Prophet habe dessen Haus nur verlassen, um bei Sad mit seinen Leuten zusammenzusitzen, da dieser ein Jung-

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geselle ohne Familie war und er die Junggesellen unter den ausgewanderten Gefährten des Propheten beherbergte.

Deshalb sei man dann zu der Ansicht gekommen, der Prophet sei bei Sad abgestiegen, da Sads Haus das „Haus der Unverheirateten“ genannt wurde. Gott allein weiß, wie es war. Abu Bakr nahm Quartier in Sunh bei Khubaib, dem Sohn des Isaf, einem der Banu Harith ibn Khazradj, nach anderer Aussage bei Kharidja, dem Sohn des Zaid, von gleichen Stamm. Ali war noch drei Tage und drei Nächte in Mekka geblieben, bis er [den Quraish] die Gegenstände zurückgegeben hatte, die dem Propheten zur Aufbewahrung anvertraut worden waren. Dann gesellte er sich zum Propheten und wohnte mit ihm bei Kulthum.

Muhammad blieb von Montag bis Donnerstag bei den Banu Amr und legte dort den Grundstein für die Moschee. Am Freitag ließ Gott ihn sie verlassen und zum Freitagsgebet war er bei den Banu Salim. Er verrichtete es in der Moschee am Grunde des Wadi Ramuna. Es war dies sein erstes Freitagsgebet in Medina. Dann, als er weiter zog, hielten ihn immer wieder die Vertreter der veschiedenen Sippen an und baten ihn, bei ihnen zu bleiben, ihren Besitz mit ihnen zu teilen und ihren Schutz zu genießen, doch er forderte sie jedesmal auf, seinen Kamelen den Weg freizugeben, da er unter Gottes befehl stehe.

So zog das Tier von einem Gehöft zum anderen, bis es zu der Sippe Malik vom Stamm Nadjjar kam und dort beim Tor der Moschee niederkniete, damals noch ein Platz zum Trocknen von Datteln, der zwei Waisen des Stammes gehörte, die unter dem Schutz des Muadh ibn Afra standen. Da der Prophet nicht abstieg, erhob sich das Kamel wieder und schritt ein Stück weiter, wobei ihm der Prophet den Zügel frei ließ und es nicht leitete. Es drehte sich jedoch um, kehrte an die erste Stelle zurück, kniete erneut nieder, bleib erschöpft liegen und legte seinen Hals auf die Erde. Der Prophet stieg ab, Abu Ayyub trug das Gepäck in sein Haus und der Prophet bezog bei ihm Quartier.

Wem gehört dieser Dattelplatz?“ fragte er dann den Muadh und dieser antwortete ihm: „Zwei Waisen, die unter meinem Schutz stehen. Ich werde sie zu ihrer Zufriedenheit dafür entschädigen, so dass du ihn als Moschee nehmen kannst.“

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Der Prophet befahl, dort eine Moschee zu errichten und blieb solange bei Abu Ayyub wohnen, bis die Moschee und seine Wohnräume fertiggestellt waren. Er selbst nahm an den Bauarbeiten teil, um die Muslime dafür zu begeistern und sowohl die Auswanderer aus Mekka, als auch die Helfer aus Medina arbeiteten unermüdlich. Einer von ihnen reimte:

Wenn wir uns setzen, während der Prophet sich müht,
dann sagt man, dass vor uns die Arbeit flieht.

Der Prophet blieb in Medina vom Monat Rabi I. bis zum Monat Safar des folgenden Jahres, in dem die Moschee und seine Wohngebäude fertiggestellt wurden. Alle Medinenser nahmen den Islam an und kein Haus blieb übrig, dessen Bewohner sich nicht zum Islam bekannten. Lediglich die Khatma, Waqif, Wail und eine Gruppe der Aus verharrten in ihrer Vielgötterei. [Auch die jüdischen Stämme der Banu Quraiza, Banu Nadir und Banu Qainuqa bekannten sich nicht zum Islam.]

Die erste Predigt, die der Prophet, wie ich von Abu Salama erfahren habe, bei ihnen hielt, war die folgende. Er pries und lobte Gott, wie es sein Brauch war und fuhr fort: „O ihr Menschen, sorgt euch vor! Bei Gott, ihr wisst einer von euch kann niedergeschmettert werden und seine Herde ohne Hirten lassen. Und sein Herr wird zu ihm sprechen, nicht durch einen Übersetzer oder schützenden Pförtner: „Kam nicht mein Gesandter zu dir und hat dich unterrichtet? Gab ich dir nicht Besitz und habe ich dir nicht meine Gunst erwiesen? Welche Vorsorge hast du getroffen?“ Und jeder wird nach rechts und nach links blicken, aber nichts sehen. Und er wird nach vorne schauen und nur die Hölle sehen. Wer sein Gesicht vor dem Feuer schützen kann und sei es nur durch ein Stück einer Dattel, der tue es! Und findet er nichts, so versuche er es mit einem guten Wort. Denn die gute Tat wird zehnfach, ja zweimal siebenhundertfach belohnt werden. Der Friede, die Gnade und der Segen Gottes seien mit euch.“

Ein anderes Mal predigte der Prophet folgendes: „Lob sei Gott! Ich preise ihn und erflehe seine Hilfe. Bei Gott nehmen wir unsere Zuflucht vor unseren eigenen Sünden und dem Übel unseres Tuns. Wen Gott rechtleitet, der geht nicht in die Irre. Und wen er in die Irre führt, der wird nicht rechtgeleitet.

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Ich bekenne: Es gibt keinen Gott außer Gott allein und er hat keinen Gefährten. Das beste Wort ist das Buch Gottes. Gedeihen wird der, der Gott durch es im Herzen zierte, der, den es vom Unglauben zum Islam brachte und der, der es über die anderen Worte der Menschen stellt. Es ist das beste und beredtste Wort. Liebt, was Gott liebt! Liebt Gott mit eurem ganzen Herzen. Verzagt nicht über das Wort und die Erwähnung Gottes! Lasst nicht eure Herzen verstocken vor ihm. Aus allem, was er schafft, wählt und sucht er aus. Und die Taten, die er wählt, nennet er das Beste, und den Menschen, den er wählt, nennt er den Erwählten, und das Wort, das er wählt, nennet er das Rechtschaffene. In allem, was den Menschen gebracht wird, gibt es das Verbotene und Erlaubte. Verehrt Gott! Gesellt ihm nichts bei! Fürchtet ihn, wie er zu fürchten ist! Tut aufrichtig, was ihr mit dem Munde sprecht! Liebt euch untereinander im Geiste Gottes! Wahrlich, Gott erzürnt, wenn sein Bund gebrochen wird. Friede sei mit euch!“

Für die Auswanderer und die Helfer schrieb der Prophet eine Urkunde, mit der er auch mit den Juden eine vertragliche Einigung traf, diese in ihrer Religion und in ihrem Besitz bestätigte und die gegenseitigungen Verpflichtungen festlegte:

[Die Urkunde mit den Juden ist allerdings, wie wir noch sehen werden, das Papier nicht wert, auf dem sie steht, denn Mohammed brach die Verträge mit den Juden ebenso, wie er später Verträge mit den Quraish (Mekkanern) brach. Mit den Quraish schloss er nämlich im Jahre 628 einen 10-jährigen Friedenvertrag, den er allerdings bereits im Jahre 630 brach und in Mekka einmarschierte. (siehe: Seite 201)]

Im Namen des barmherzigen und gütigen Gottes. Dies ist eine Urkunde von Muhammad, dem Propheten Gottes, über die Beziehungen zwischen den gläubigen Muslimen von Quraish und Yathrib (Medina), jenen, die ihnen folgen, sich angeschlossen haben und zusammen mit ihnen kämpfen. Sie sind eine Gemeinde in Unterscheidung zu den anderen Menschen. Die Auswanderer von den Quraish sollen, entsprechend ihrer bisherigen Sitte, gemeinsam die Blutschuld unter sich bezahlen und ihre Gefangenen auslösen mit der Billigkeit und Gerechtigkeit, wie sie unter den Muslimen üblich ist. Die Banu Auf zahlen ihre Blutschuld entsprechend ihrer bisherigen Sitte und jede Untergruppe löst ihre Gefangegen aus, entsprechend der Billigkeit und Gerechtigkeit unter den Muslimen. Ebenso die Stämme Saida, Harith, Djusham, Nadjjar, Amt ibn Auf, Nabit und Aus. Die Gläubigen geben keinen Schuldner unter ihnen auf, sondern helfen ihm nach Billigkeit, seine Auslösesumme oder das Blutgeld zu zahlen.

[Die Blutrache wurde traditionell unter den Arabern geduldet und wurde mit dem Blutgeld geahndet, wenn die Verwandten des Opfers damit einverstanden waren. Waren sie nicht damit einverstanden, dann durften sie selber Blutrache an den Verwandten des Täters ausüben.]

Ein Gläubiger schließt kein Bündnis mit dem

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Freigelassenen eines anderen Muslims ohne dessen Zustimmung. Die gottesfürchtigen Gläubigen stellen sich gegen jeden, der ungerecht gegen sie handelt oder versucht, Unrecht, Sünde, Feindschaft und Verderbtheit unter die Gläubigen zu streuen. Gemeinsam wenden sie ihre Hände gegen ihn und sei es der Sohn eines von ihnen. Ein Gläubiger tötet keinen Gläubigen wegen eines Ungläubigen und hilft keinem Ungläubigen gegen einen Gläubigen. [Dies erinnert an Sure 5,51, die den gläubigen Muslimen empfiehlt, keine Freundschaft mit Juden oder Christen einzugehen.]

Gottes Schutz ist ein einziger. Gibt auch nur der Geringste von ihnen einem Fremden Schutz, so ist dies für alle verpflichtend. Die Gläubigen stehen, gegenüber den anderen Menschen, gegenseiteig in einem Verhältnis wie Herr und Freigelassener. Die Juden, die uns folgen, genießen die gleiche Hilfe und Unterstützung, solange sie die Gläubigen nicht ungerecht behandeln und andere gegen sie unterstützen. Der Friede der Gläubigen ist ein einziger. Kein Gläubiger schließt für sich gegen einen anderen Gläubigen einen Frieden im Kampf für Gott, es sei denn auf der Grundlage der Gerechtigkeit und Gleichheit.

Auf jedem Feldzug wechseln sich die Reiter in der Führung ab. Die Gläubigen rächen füreinander, das im Heiligen Kampf vergossene Blut. Die gottesfürchtigen Gläubigen stehen unter der besten und weisesten Rechtleitung. Kein Ungläubiger aus Medina gewährt den Quraish Schutz für Güter oder Personen, noch setzt er sich für einen Quraishiten gegen einen Gläubigen ein. Wenn jemand ungerechterweise einen Gläubigen tötet und dabei die Unrechtmäßigkeit eindeutig ist, dann ist jener der Vergeltung unterworfen, es sei denn, der Vertreter des Ermordeten ist mit einer Zahlung zufrieden. Alle Gläubigen stehen gemeinsam gegen den Mörder und sind verpflichtet, sich gegen ihn zu wenden.

Einem Gläubigen, der dem Inhalt dieser Urkunde zugestimmt hat und an Gott und den letzten Tag glaubt, ist es nicht erlaubt, einem Übeltäter zu helfen oder ihm Zuflucht zu gewähren. Auf dem, der dies dennoch tut, liegt der Fluch und der Zorn Gottes am Tage der Auferstehung. Durch nichts kann er sich dafür entschädigen. In jeder Frage, in der ihr uneins seid, wendet euch an Gott und Muhammad! Die Juden tragen ihre eigenen Unkosten, solange sie zusammen mit den Muslimen kämpfen. Die Juden im Stamme Auf bilden mit den Gläubigen eine Gemeinde. Den Juden ihre Religion und den Muslimen die ihre!

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Dies gilt für ihre Freunde, wie für sie selbst, es sei denn, einer hat unrecht oder sündhaft gehandelt. Er bringt Unheil über sich und seine ganze Familie. Dies gilt gleichermaßen für die Juden in den Stämmen Nadjjar, Harith, Saida, Djusham, Aus, Thalaba, Djafna, einem Unterstamm der Thalaba und Shutaiba. Treue geht vor Verrat. Für die Klientel der Thalaba gilt das gleiche und ebenso für die engen Freunde der Juden.

Niemand aus der Gemeinde zieht ohne die Erlaunis Muhammads in den Kampf, doch wird er nicht daran gehindert, Rache für eine Verwundung zu nehmen. Wer immer vorschnell jemanden tötet, vernichtet nur sich selbst und seine Familie, es sei denn, jener hat Unrecht getan. Gott wird mit ihm zufrieden sein. Die Juden tragen ihre Unkosten und ebenso die Muslime die ihren. Sie helfen einander gegen jeden, der gegen die Leute dieser Urkunde kämpft. Zwischen ihnen herrscht echte Freundschaft und Treue ohne Verrat. Ein Mann ist nicht schuld für den Verrat seines Bundesgenossen. Wem Unrecht geschieht, dem wird geholfen. Die Juden tragen ihre eigenen Unkosten, solange sie zusammen mit den Muslimen kämpfen. Das Tal von Yathrib (Medina) ist ein Heiligtum für die Leute dieser Urkunde.

Der unter dem Schutz stehende Fremde, wird behandelt wie derjenige, der ihm Schutz gewährt, solange er nicht schadet und keinen Verrat begeht. Einer Frau wird nur mit Zustimmung ihrer Familie Schutz gewährt. Immer wenn zwischen den Leuten dieser Urkunde etwas geschieht oder zwischen ihnen Streit entsteht, woraus Unheil zu befürchten ist, so ist dies Gott und Muhammad, seinem Gesandten, vorzulegen. Gott nimmt aus dieser Urkunde an, was am frömmsten und rechtschaffensten ist. Den Quraish und ihren Helfern wird kein Schutz gewährt. Die Leute dieser Urkunde helfen sich gegen jeden, der Yathrib überfällt. Wenn die Juden zu einem Friedensschluss aufgerufen werden, so tun sie es und halten ihn ein. Und wenn sie die gleiche Forderung an die Gläubigen stellen, so tun diese es ebenso, es sei denn, sie kämpfen für den Glauben.

Jeder erhält den Schutz von seiner Seite. Die Juden vom Stamme Aus, ihre Schutzbefohlenen wie sie selbst, haben die gleichen Rechte und Pflichten wie die Leute dieser Urkunde, solange sie sich diesen gegenüber aufrichtig verhalten. Treue geht vor Verrat. Jeder, der etwas erwirbt, erwirbt es für

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sich selbst. Gott billigt diese Urkunde. Sie schützt nicht den Übeltäter und den Sünder. Derjenige, der auszieht zum Kampfe, ist in Medina sicher wie derjenige, der nichts unternimmt, solange er nicht Unrecht und Verrat begeht. Gott schützt jeden, der aufrichtig ist und ihn fürchtet. Und Muhammad ist der Prophet Gottes17.

17Dieser Text ist als die „Verfassung von Medina“ bekannt und häufig diskutiert worden. Der Text gilt allgemein als authentisch (echt), doch ist die exakte Entstehung (vor oder nach der Schlacht von Badr, vor oder nach der ersten Judenvertreibung) weiterhin umstritten. Zahlreiche Wiederholungen machen zudem eine Zusammensetzung aus verschiedenen und zu verschiedenen Zeiten entstandenen Elementen wahrscheinlich. Auch inhaltlich bleibt manches problematisch und die Übersetzung ist nicht immer gesichert.

37. Der Gebetsruf Top

Nachdem sich der Prophet mit seinen ausgewanderten Brüdern in Medina eingerichtet hatte und die Lage der Helfer in der Stadt bereinigt war, verfestigte sich der Islam bei ihnen. Das Gebet war eingesetzt, die Armensteuer und das Fasten zur Pflicht gemacht, die gesetzlichen Strafen festgelegt und das Erlaubte und das Verbotene vorgeschrieben. Der Islam hatte bei ihnen seine Heimat gefunden. Und es waren diese Helfer, die im „Haus des Islam17.1“ und im Glauben heimisch geworden waren. (Sure 59,9)

17.1[Prof. Dr. Christine Schirrmacher von der „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte“ schreibt in ihrem Artikel Der Jihad im Islam über das „Haus des Islam“: „Die islamischen Rechtsgelehrten unterscheiden zwischen dem  „Haus des Islams“, den Muslimen, und dem „Haus des Krieges“, den Nichtmuslimen, wobei ein friedliches Nebeneinander eigentlich nicht existieren kann. Im 11. Jahrhundert n. Chr. arbeitete der sunnitische Rechtsgelehrte al Mawardi eine Theorie aus, die insbesondere im Bereich des politischen Islam (dem Islamismus) bis heute Anerkennung erfährt. al Mawardi unterteilte die Welt in zwei Bereiche, das Haus des Islam, in dem der Islam und das islamische Gesetz aufgerichtet sind und das Haus des Krieges, in dem der Islam noch nicht regiert.

Diese Einteilung findet sich so weder im Koran noch in der islamischen Überlieferung, sondern ist eine Definition muslimischer Theologie. In der Theorie führt das „Haus des Islam“ beständig gegen das „Haus des Krieges“ einen gerechten Eroberungskrieg, den Jihad, und zwar so lange, bis auch das „Haus des Krieges“ zum „Haus des Islam“ geworden ist. Es ist aus muslimischer Sicht im Grunde unmöglich, dass der wahre Glaube (der Islam) und der Unglaube (arabisch: Kufr) oder Vielgötterglaube (arabisch: Shirk) friedlich nebeneinander her existieren. Da der Islam von einer einheitlichen (rein islamischen) Gesellschaft ausgeht, hat das „Haus des Krieges“ keine eigentliche Existenzberechtigung neben dem „Haus des Islam“ und soll so bald wie möglich in das „Haus des Islam“ überführt werden.“]

Als der Prophet gekommen war, hatten sich die Gläubigen zunächst ohne besondere Aufrufe zu den festgelegten Zeiten bei ihm zu den Gebeten versammelt. Zuerst hatte der Prophet daran gedacht, wie die Juden mit einer Trompete zum Gebet aufrufen zu lassen, doch dann missfiel ihm dieser Gedanke und er ließ eine Klapper machen, durch deren Schläge die Muslime zum Gebet gemahnt wurden.

In dieser Zeit hatte Abdallah ibn Zaid einmal einen Traum, ging am nächsten Morgen zum Propheten und erzählte ihm davon: „Letzte Nacht ging im Traum ein Mann an mir vorüber. Er war mit zwei grünen Gewändern bekleidet und trug eine Klapper in der Hand. Ich fagte ihn: „Du Diener Gottes, verkaufst du mir die Klapper?“ „Was willst du damit machen?“ „Wir rufen zum Gebet damit.“ „Soll ich dir dafür etwas Besseres sagen?“ „Nämlich?“ „Der Ruf: Allahu akbar, Allahu akbar, Allahu akbar! Ich bekenne, dass es keinen Gott, außer Gott gibt! Ich bekenne, dass Muhammad der Prophet Gottes ist! Auf zum Gebet! Auf zum Gebet! Auf zum Heil! Auf zum Heil! Allahu akbar, Allahu akbar! Es gibt keinen Gott, außer Gott!“

Als er dies dem Propheten erzählt hatte, rief dieser aus: „Wahrlich, ein wahrer Traum, in sha' Allah! [Inschallah = So Gott will] Gehe zu Billal und trage es ihm vor. Er soll mit jenen Worten zum Gebet rufen, denn er hat eine wirkungsvollere Stimme als du!“ Nachdem Umar zu Hause erstmals Bilal zum Gebet hatte rufen hören, ging er, sein Gewand über den Boden schleppend, zum Propheten und sprach: „O Prophet Gottes! Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat! Ich hatte genau den gleichen Traum wie Abdallah ibn Zaid!“ „Gott sei gelobt“, erwiderte Muhammad.

Obige Überlieferung habe ich von Muhammad ibn Ibrahim, der sie von Muhammad, dem Sohn des Abdallah ibn Zaid, gehört hatte. Die folgende Aussage stammt von einer Frau aus dem Stamm der Nadjjar, von der Urwa sie hörte. Dieser gab sie an Muhammad ibn Djafar weiter, der sie mir erzählte:

Mein Haus war das höchste im Umkreis der Moschee und Bilal rief dort täglich zum Morgengebet. Er kam stets, bevor es dämmerte und erwartete den Anbruch des Morgens. Sobald er das Frühlicht erblickte, streckte er seine Arme aus und rief: „O Gott, ich preise dich und erflehe deine Hilfe, dass sich die Quraish zu dieser Religion bekennen mögen.“ Ich habe nie erlebt, dass er diese Worte einmal vor dem Gebetsruf weggelassen hätte.

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38. Die Feinde unter den Juden Top

Aus Hass und Neid darüber, dass Gott die Araber dadurch ausgezeichnet hatte, dass er aus ihrer Mitte einen Propheten wählte, zeigten die jüdischen Rabbis dem Propheten in jener Zeit ihre ganze Feindschaft. Aus den beiden [arabischen] medinensischen Hauptstämmen Banu Aus und Khazradj schlossen sich ihnen auch noch diejenigen Männer an, die in ihrer Religion der Unwissenheit verharrten. Es waren dies die Heuchler, die an der Religion ihrer Väter festhielten und die Auferstehung leugneten und die, als sie das Erscheinen des Islam dazu zwang und sich ihre Stämme um ihn scharrten, sich nach außen hin zum Islam bekannten und ihn annahmen, da sie sich davor schützen wollten, getötet zu werden.

[Hier zeigt sich wieder einmal die ganze Intoleranz des Islam. Er zwingt die Menschen dazu, wenn sie keine Christen oder Juden sind, sich zum Islam zu bekennen oder sie werden getötet. Tilman Nagel sagt in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 346 über das Verhältnis zwischen den Muslimen und den Juden in Medina: „Im zweiten Abschnitt der Vereinbarung (der Verfassung von Medina) in der Mohammed den Juden der verbündeten Klane ihre Glaubenspraxis belässt, dies aber mit der Unterordnung ihrer Belange unter die „Gemeinschaft der Gläubigen“ verknüpft, wird das Grundmuster des späteren islamischen Gemeinwesens sichtbar, in dem allen Andersgläubigen ein minderen Rang zugewiesen wird.“]

Insgeheim waren sie jedoch Heuchler und ihre Zuneigung galt den Juden, da diese den Propheten als Lügner bezeichneten und den Islam leugneten. Die jüdischen Rabbis waren es, die den Propheten durch ihre Fragen in Bedrängnis zu bringen suchten und unter den Gläubigen Verwirrung stiften wollten, um die Wahrheit durch Falsches zu entstellen. Über ihre Fragen wurden koranische Offenbarungen herabgesandt. Einige Fragen über das, was erlaubt und was verboten ist, kamen aber auch von den Muslimen selbst.

[Auf Seite 347 weist Tilman Nagel darauf hin, dass die arabiaschen Stämme der Banu Aus und Khazradj Mohammed auch deshalb nach Medina holten, damit sie sich aus der Unterlegenheit der jüdischen Stämme befreien konnten.

Wikipedia.org beschreibt die Situation vor der Ankunft Mohammeds in Medina wie folgt: „Die Khazradj und die Banu Aus sind vermutlich im fünften Jahrhundert aus Südarabien nach Medina eingewandert. Zunächst waren sie den dort schon ansässigen Juden (Banu Quraiza, Banu Nadir und Banu Qainuqa) unterworfen. Sie konnten jedoch die alteingesessene jüdische Bevölkerung in Abhängigkeit bringen und wurden Herren der Stadt. Später zerstritten sich verschiedene Unterstämme der Khazradj und der Aus. Dabei waren die Banu Aus mit den Banu Quraiza und Banu Nadir, die Khazradj mit den Banu Qainuqa verbündet. Zur Zeit der Auswanderung war nach längeren Kämpfen zwar eine gewisse Ruhe eingekehrt, die jedoch nur auf die gegenseitige Erschöpfung und nicht auf einen Friedensschluss gegründet war.

Auf Seite 347 fügt Tilman Nagel hinzu: „Die Juden gehörten keinem von Mohammed verbündeten Klan an. Ihnen konnte schwerlich entgangen sein, dass jene Ausiten und Hazragiten, die ihn (Mohammed) herbeigeholt hatten, in ihm den Mann sehen, mit dessen Hilfe sie sich aus ihrer Unterlegenheit erheben und ihnen gleichrangig werden wollten. Den Banu Aus und den Khazradj konnte es also nur recht sein, wenn Mohammed den Juden einen untergeordneten Rang zuwies. Die Banu Aus und die Khazradj erwarteten von Mohammed, dass man die medinensischen Juden genauso behandelte, wie die Juden von Husaika, über die die khazragitische Sippe der Banu Salima einst durch einen Überfall einen glänzenden Sieg errungen hatte, was dazu führte, dass die Juden von Husaike den Banu Salima bis heute untertan sind.“]

Zu den Heuchlern aus den Stämmen Aus und Khazradj gehörte Djulas, der Sohn des Suwaid. Djalas war es, der einmal über den Propheten sagte: „Wenn dieser Mann die Wahrheit spricht und wir alles glauben, sind wir schlimmer als die Esel.“ Umair ibn Sad hinterbrachte diesen Ausspruch dem Propheten, obwohl er zu Djulas Stamm gehörte und in enger Beziehung zu ihm stand, da Djulas nach dem Tod von Umais Vater dessen Mutter geheiratet hatte. Bevor er zum Propheten ging, hatte er Djulas erklärt: „Von allen Menschen bist du mir der liebste, du hast dich mir gegenüber am großzügigsten gezeigt und dir wünsche ich es am allerwenigsten, dass dich etwas Unangenehmes trifft. Wenn ich aber nun erzähle, was du gesagt hast, werde ich Schande über dich bringen. Schweige ich davon, wird mir mein Glaube verloren gehen. Da fällt mir ersteres noch leichter als letzteres.“

[Prophet, ich weiß was... Da kann man mal sehen, wohin blinder Glaube und ein mangelndes Selbstbewusstsein, gepaart mit Untertanenmentalität, führt. Glaube und Obrigkeitshörigkeit wird über das Leben der Menschen gestellt, die einem die liebsten sind. Und natürlich sendet Gott sofort die passende Sure, um die Abtrünnigen Moslems zu bestrafen. In der Realität wird der Abfall vom Islam bis heute mit dem Tod bestraft. (siehe auch: Bei Abfall vom Islam droht die Todesstrafe)]

Mit diesen Worten ging Umair zum Propheten und erzählte ihm, was Djulas gesagt hatte. Dieser schwor dann dem Propheten bei Gott, dass Umair ihn verleumdet und er desgleichen nie geäußert habe. Gott aber sandte den Koranvers herab: „Sie schwören bei Gott, sie hätten das Wort des Unglaubens nicht gesagt. Dabei haben sie es doch gesagt sind ungläubig geworden, nachdem sie den Islam angenommen hatten, und haben im Sinn gehabt, was sie nicht erreichen konnten, und sie haben nur darüber gegrollt, dass Gott und sein Gesandter sie durch Huld reich gemacht hat. Wenn sie sich nun bekehren, ist es besser für sie. Wenn sie sich aber abwenden, wird Gott ihnen im Diesseits und im Jenseits eine schmerzhafte Strafe zukommen lassen. Und sie haben dann auf der Erde weder Freunde noch Helfer (Sure 9,74).

[Gottes Strafe scheint so abgrundtief zu sein, dass er offensichtlich überhaupt nicht verzeihen kann, denn in Sure 9,80 heisst es: „Du magst (Allah) um Vergebung für sie bitten oder nicht, (ja) du magst (ihn sogar) siebzigmal um Vergebung für sie bitten, Allah wird ihnen (so oder so) nicht vergeben.“]

Man behauptet, Djulas habe später aufrichtig bereut und sei ein guter Muslim geworden. [Was blieb ihm auch anderes übrig?]

Zu den Heuchlern gehörte auch Nabtal, der Sohn des Harith. Über ihn soll der Prophet gesagt haben: „Wer den Teufel sehen möchte, der schaue sich Nabtal an!“ Nabtal war von kräftiger Statur und tiefschwarzer Hautfarbe, hatte langes wehendes Haar, rotunterlaufene Augen und dunkelrote Wangen. Er pflegte zum Propheten zu kommen, mit ihm zu reden und ihm zuzuhören und nachher seine Worte den Heuchlern weiterzuerzählen. Er war es, der sagte: „Muhammad hört auf alles. Jedem, der ihm etwas erzählt, glaubt er.“

Über ihn sandte Gott den Koranvers herab: „Und unter ihnen gibt es welche, die dem Propheten Ungemach zufügen und sagen: „Er hört auf alles.“ Sprich: Er hört für euch nur Gutes, indem er an Gott glaubt und den Gläubigen Glauben schenkt. Er ist eine Barmherzigkeit für diejenigen von euch, die glauben. Diejenigen, die dem Gesandten Gottes Ungemach zufügen, haben eine schmerzhafte Strafe zu erwarten (Sure 9,61).

Unter den jüdischen Rabbis, die sich in heuchlerischer Weise mit den Muslimen zum Islam bekannten, war auch Zaid, der Sohn des Lusait. Er war es, der, als sich das Kamel des Propheten einmal verirrte, sprach:

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Muhammad behauptet, er erhielte himmlische Botschaft. Dabei weiß er nicht einmal, wo sein Kamel ist!“ Der Prophet erfuhr von diesen Worten und sprach, nachdem Gott ihm gezeigt hatte, wo sein Kamel war: „Ich weiß nicht, was Gott mich wissen lässt. Er hat mir gezeigt, wo es ist, nämlich in demunddem Tal und es hat sich mit seinem Halfter an einem Baum verfangen.“ Sogleich machten sich einige Muslime auf den Weg und fanden das Kamel so, wie der Prophet es beschrieben hatte.

Die Heuchler pflegten auch zur Moschee zu kommen, den Erzählungen der Muslime zuzuhören und sich über ihren Glauben lustig zu machen. Eines Tages hatten sich dort wieder einige von ihnen versammelt, als der Prophet sah, wie sie die Köpfe zusammensteckten und miteinander flüsterten. Da befahl er, sie mit Gewalt aus der Moschee zu treiben. Einer von ihnen war Amr ibn Qais vom Stamme Nadjjar, der in der Heidenzeit die Götzen des Stammes bewacht hatte. Abu Ayyub ging auf ihn zu, packte ihn am Fuß und zog ihn über den Boden zur Moschee hinaus, wobei jener rief: „Wie kommst du dazu, mich aus dem Dattelspeicher der Thalaba hinauszuwerfen?“18

18Die Moschee wurde auf einem ursprünglichen Dattelspeicher des Stammes Thalaba errichtet.

Dann trat Abu Ayyub auch zu Rafi ibn Wadia, einem anderen Heuchler des Stammes Nadjjar, griff ihn sich fest am Gewand, versetzte ihn eine Ohrfeige und warf ihn mit den Worten zur Moschee hinaus: „Pfui, du dreckiger Heuchler. Lass dich in der Moschee des Gesandten Gottes nicht mehr sehen!“

Abdallah, der Sohn des Abdarrahman, aus Mekka erzählte mir folgende Schilderung des Shah ibn Haushab:

Eines Tages kam eine Gruppe jüdischer Rabbis zum Propheten und sprach: „Wenn du uns vier Fragen, die wir dir stellen, beantwortest, folgen wir dir und glauben an dich.“ „Gebt mir darauf euer Versprechen bei Gott!“, erwiderte Muhammad. „Einverstanden!“ „So fragt, was ihr wollt!“

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Sage uns, wie es kommt, dass ein Sohn seiner Mutter ähnlich sehen kann, wo der Same doch vom Mann stammt?“ „Ich beschwöre euch bei Gott und seinen Zeichen für die Kinder Israels! Wisst ihr nicht, dass der Same des Mannes weiß und dick und der der Frau gelb und dünn ist und dass die Ähnlichkeit sich danach richtet, welcher der beiden Samen zuerst kommt?“ „Bei Gott, richtig! Nun berichte uns über deinen Schlaf!“ [Gemeint ist wohl der Zustand, in dem Mohammed seine Offenbarungen empfängt.] „Wisst ihr nicht, dass die Augen dessen, der diesen Schlaf hat, wobei ihr behauptet, ich sei kein solcher, schlafen, während sein Herz wacht?“

Bei Gott richtig! Jetzt sage uns, was Israel [gemeint ist Jakob, der Sohn des Isaak's, der vom Engel den Namen Israel erhielt] sich selbst verboten hat!“ „Wisst ihr nicht, dass Israel am liebsten Kamelmilch trank und Kamelfleisch aß, dass er sich aber selbst für verboten erklärte, um Gott dafür zu danken, dass er ihn einmal von einer Krankheit genesen ließ?“

Richtig, bei Gott! Nun erzähle uns noch über den Geist!“ „Wisst ihr nicht, dass Gabriel der Geist ist und er zu mir kommt?“ „Bei Gott, richtig!“ Aber Muhammad, er ist uns ein Feind. Er ist ein Engel, der Ungemach und Blutvergießen bringt. Wäre es nicht so, würden wir dir folgen.“

Da sandte Gott die Koranverse herab: „Sprich: Wenn einer dem Gabriel feind ist und er hat ihn (den Koran) doch mit Gottes Erlaubnis dir ins Herz herabgesandt, als Bestätigung dessen, was vor ihm da war, und als Rechtleitung und Frohbotschaft für die Gläubigen. Wenn einer Gott und seinen Engeln und Gesandten und dem Gabriel und Michael feind ist, so ist Gott dem Ungläubigen feind. Und wir haben doch klare Zeichen zu dir hinabgesandt. Nur die Frevler glauben nicht daran. Hat denn nicht jedesmal, wenn sie eine Verpflichtung eingingen, ein Teil von ihnen sie geleugnet? Nein! Die meisten von ihnen nicht. Und als von Gott ein Gesandter zu ihnen kam, der bestätigte, was ihnen bereits vorlag, warf ein Teil von denen, die die Schrift erhalten hatte, die Schrift Gottes wieder hin, wie wenn sie von nichts wüssten. Und sie folgten dem, was die bösen Geister unter der Herrschaft Solomons vortrugen. Nicht Solomo war ungläubig, sondern die bösen Geister, indem sie die Menschen in der Zauberei unterwiesen.“ (Sure 2,99-102)

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Eines Tages betrat der Prophet eine jüdische Schule und rief die dort versammelten Juden zum Glauben an Gott auf. Numan ibn Amr und Harith ib Zaid aber fragten ihn: „Was ist das für eine Religion, die du vertrittst, Muhammad?“ „Die Religion Abrahams!“ „Abraham war aber Jude!“ „So lasst die Thora zwischen uns entscheiden!“ Dies lehnten sie jedoch ab und Gott sandte die Koranverse herab: „Hast du nicht jene gesehen, die einen Anteil an der Schrift erhalten haben? Sie werden zur Schrift Gottes aufgerufen, damit sie zwischen ihnen entscheiden, worauf ein Teil von ihnen den Rücken kehrt und sich abwendet. Das kommt daher, dass sie sagen: „Das Höllenfeuer wird uns nur eine Anzahl von Tagen erfassen.“ Was sie ausheckten, hat sie in ihrer Religion betört.“ (Sure 3,23-34)

Als sich die jüdischen Rabbis und Christen aus Nadjran beim Propheten versammelten, begannen sie zu disputieren und die Rabbis sprachen: „Abraham war in jedem Fall ein Jude.“ „Abraham war ein Christ“, behaupteten dagegen die Christen.

Da offenbarte Gott die Koranverse: „Ihr Leute der Schrift! Warum streitet ihr über Abraham18.1, wo doch die Thora und das Evangelium erst nach ihm herabgesandt worden sind? Habt ihr denn keinen Verstand? Ihr habt da über etwas gestritten, worüber ihr kein Wissen habt. Warum streitet ihr nun aber über etwas, worüber ihr kein Wissen habt? Gott weiß Bescheid, ihr aber nicht. Abraham war weder Jude noch Christ. Er war vielmehr ein gottergebener Hanif19 und keiner, der der Vielgötterei anhing. Die Menschen, die Abraham am nächsten stehen, sind diejenigen, die ihm gefolgt sind, und dieser Prophet und die, die gläubig sind. Gott ist der Freund der Gläubigen.“ (Sure 3,65-68)

18.1Die Geschichte Abrahams wird zuerst im hebräischen Tanach und zwar im 1. Buch Mose (hebräisch: Bereschit; griechisch: Genesis) erzählt. Das 1. Buch Moses ist das erste Buch der hebräischen und christlichen Bibel. Abraham gehört zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den Erzvätern, aus denen laut biblischer Überlieferung die Zwölf Stämme des Volkes Israel hervorgingen. Neben dem Judentum berufen sich auch das Christentum und der Islam auf Abraham als Stammvater. Darum bezeichnet man alle drei auch als abrahamitische Religionen. Im Islam heisst Abraham Ibrahim.

19Der Begriff „Hanif“ erscheint mehrfach im Koran und in der Prophetenbiographie. Es ist viel darüber geschrieben worden, ohne dass jedoch eine eindeutige Erklärung erreicht wurde. Als Hanifen gelten diejenigen, die vor Muhammad die reine und unverfälschte monotheistische Religion (der Glaube an einen einzigen Gott) besaßen, d. h. keine polythistischen Heiden waren (Menschen, die viele Götter anbeteten), aber weder Juden noch Christen waren. Auch mehrere Männer im heidnischen Mekka vor der Sendung des Propheten werden Hanifen genannt, darunter Waraqa ibn Naufal.

[Tilman Nagel schreibt auf Seite 146 seiner Mohammed-Biographie über Mohammed und das Hanifentum: „Dass er [Mohammed] und seine Anhängerschaft hinter die heiligen Schriften der Juden und Christen zurückgeht, wird Mohammed zum wichtigsten Argument gegen die „Schriftbesitzer“, zu einem Argument, dass ihm mit der Übernahme des Gedankenguts der Hanifen zugefallen war... In Medina wird es ihm helfen, die Eigenständigkeit seiner Verkündigung gegenüber Tora und Evangelium zu behaupten, eine Eigenständigkeit, die sich aus der Authentizität [der Echtheit] des fortwährenden Angesprochenseins durch Allah, in der Verbindung mit der Berufung auf den „vorjüdischen“ und erst recht „vorchristlichen“ Abraham ergibt: Die „Schriftbesitzer“ haben ein „Buch“, das schon lange ein Gegenstand gelehrter, und wie Mohammed polemisch unterstellt, den Sinn verdrehender Debatten ist. Er selber aber hat eine unmittelbare Beziehung zu dem einen Schöpfer.“]

Als der Prophet die jüdischen Rabbis und die Christen aus Nadjran, die sich bei ihm versammelt hatten, zum Glauben an den Islam aufrief, fragte ihn [der Jude] Abu Rafi al-Quraiza: „Möchtest du, Muhammad, dass wir dich anbeten, wie die Christen Jesus, den Sohn der Maria, anbeten?“ Und einer von den Christen namens Ribbis fragte ihn ebenfalls: „Ist es das, was du von uns willst, Muhammad, und wozu du uns aufrufst?“

Gott bewahre mich davor“, entgegnete der Prophet, „dass ich einen anderen als ihn anbete oder dazu auffordere, einen anderen als ihn anzubeten. Dafür hat Gott mich nicht gesandt und das hat er mich nicht aufgetragen.“

Und Gott sandte darüber die Koranverse herab: „Es darf nicht sein, dass Gott einem Menschen die Schrift, Urteilsfähigkeit und Prophetie gibt und dieser daraufhin zu den Menschen sagt: „Wendet eure Verehrung mir zu, statt Gott!“ Seid vielmehr damit zufrieden, Rabbiner zu sein, indem ihr die Schrift lehrt und forscht! Und es geht nicht an, dass er euch befiehlt, die Engel und Propheten euch zu Herren zu nehmen. Sollte er euch befehlen, ungläubig zu sein, nachdem ihr gottergeben ward?“ (Sure 3,79-80)

Eines Tages kamen Numan ibn Ada, Bahri und Shas zum Propheten und sprachen mit ihm. Er rief sie zum Glauben an Gott auf und warnte sie vor seiner Rache. „Du kannst uns keine Angst machen, Muhammad!“ entgegneten sie ihm und fuhren in der Art der Christen fort: „Wir sind die Kinder und Geliebten Gottes!“

Darüber offenbarte Gott die Koranverse: „Und die Juden und die Christen sagen: „Wir sind Kinder Gottes und von ihm geliebt.“ Sprich: Warum bestraft er euch dann für eure Schuld. Nein! Ihr seid Menschen wie alle anderen Menschen, die er geschaffen hat. Er vergibt, wem er will, und bestraft, wen er will. Gott hat die Herrschaft über Himmel und Erde und alles, was dazwischen ist. Bei ihm wird alles enden.“ (Sure 5,18)

Der Prophet forderte die Juden auf, den Islam anzunehmen, versuchte, sie dafür zu begeistern und warnte sie vor der Eifersucht und der Strafe Gottes. Sie aber wiesen ihn zurück und glaubten nicht an seine Botschaft. Da wandten sich die Gefährten des Propheten, Muadh, Sad ibn Ubada und Uqba ibn Wahb, mit folgenden Worten an die Juden: „O Volk der Juden! Fürchtet Gott! Ihr wisst sehr wohl, dass er der Gesandte Gottes ist, denn ihr habt uns von ihm erzählt und ihn uns beschrieben, als er noch gar nicht gesandt war.

[Anmerkung: Mit großer Sicherheit steht nichts in der Bibel, was darauf hindeutet, das Mohammed der kommende Prophet sei. Außerdem sollte man nicht alles glauben, was in sogennanten „Heiligen Schriften“ steht, denn die sind alle nur von Menschen verfasst worden, auch wenn die Religionen uns gerne erzählen wollen, sie seien den Menschen durch Gott offenbart worden. Die Hindus behaupten übrigens ebenfalls, die Veden, die heiligen hinduistischen Schriften, seien ihnen von sogenannten Rishis (heiligen Sehern) von Gott offenbart worden. Warum sehen die hinduistischen Schriften dann aber so viel anders aus, als die Schriften anderer Religionen, wenn es nur einen Gott gibt? Jede Zeit und jede Kultur versucht eben die spirituellen Fragen auf ihre Art und Weise zu lösen. Aber keine Religion sollte für sich die absolute Wahrheit beanspruchen, denn dies ist lediglich Ausdruck fanatischer (neurotischer) Religiosität.]

Dies haben wir nie gesagt!“, erwiderten sie und behaupteten: „Seid Moses hat Gott keine Schrift mehr geoffenbart und keinen Verkünder Froher Botschaft und keinen Warner mehr gesandt.“ Darüber sandte Gott den Koranvers herab:

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Ihr Leute der Schrift! Unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch während einer Zwischenzeit in der Reihe der Gesandten Klarheit zu geben, damit ihr nicht sagt: „Zu uns ist kein Verkünder Froher Botschaft und kein Warner gekommen.“ Nun ist ja ein Verkünder Froher Botschaft und ein Warner zu euch gekommen. Gott hat zu allem die Macht.“ (Sure 5,19)

Einige Juden kamen einmal zum Propheten und fragten ihn, an welche Propheten er glaube. Muhammad antwortete ihnen mit dem Koranvers: „Wir glauben an Gott und das, was als Offenbarung auf uns und was auf Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und die Stämme Israels herabgesandt worden ist und was Moses, Jesus und die Propheten von ihrem Herrn erhalten haben, ohne dass wir bei einem von ihnen einen Unterschied machen. Ihm sind wir ergeben:“ (Sure3,84)

Bei der Erwähnung Jesu leugneten sie [die Juden] seine Prophetenschaft und sprachen: „Wir glauben nicht an Jesus, den Sohn der Maria, und an niemenden, der an diesen glaubt.“

Darüber offenbarte Gott: „Sprich: Ihr Leute der Schrift! Habt ihr denn keinen anderen Grund, uns zu grollen, als das wir an Gott glauben und an das, was zu uns und was schon früher herabgesandt worden ist und dass die meisten von euch Frevler sind?“ (Sure 5,59)

Eine Gruppe Juden kam einmal zum Propheten und fragte ihn: „Gott hat alles geschaffen, aber wer hat Gott geschaffen?“ Da erzürnte der Prophet dermaßen, dass sich seine Farbe änderte und er wütend auf sie losging. Doch Gabriel kam, beruhigte ihn und brachte ihm von Gott die Antwort auf ihre Frage, nämlich den Vers: „Sprich: Er ist Gott, ein einziger Gott, der Unveränderliche. Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden. Und keiner ist ihm gleich.“ (Sure 112)

[Wie man sieht, ist es immer gut, wenn man einen (Schutz-)Engel zur Seite hat. Der hat nicht nur eine beruhigende Wirkung, sondern auf alle Fragen immer die passende Antwort (auch wenn die nicht immer besonders klug ausfällt). Aber als Überraschungseffekt reicht das meistens erstmal für den Anfang, wie man sieht. Notfalls muss man den Erzengel noch ein weiteres Mal kontaktieren. :-)]

Nachdem er ihnen dies vorgetragen hatte, fragten sie ihn weiter: „Dann beschreibe uns, wie er aussieht, seinen Unter- und seinen Oberarm!“

Da erzürnte der Prophet noch mehr als das erste Mal und stürzte sich erneut auf sie. [Ich fürchte, hier muss wieder einmal der Engel seine beruhigende Wirkung enfalten.], doch Gabriel beruhigte ihn wieder [Siehste, ich hab's euch ja erzählt. Die weise Voraussicht hat mir übrigens mein Schutzengel geflüstert. Nicht dass ihr noch denkt, ich sei hellsichtig. Also wenn ihr mich fragt, Gott hat mindestens solche Oberarme wie Popeye.] und brachte ihm von Gott die Antwort: „Und sie haben Gott nicht richtig eingeschätzt. Am Tag der Auferstehung wird er die ganze Erde in seiner Hand halten und die Himmel zusammen-

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gefaltet in seiner Rechten. Gepriesen sei er! Er ist erhaben über das, was sie ihm beigesellen.“ (Sure 39,67)

39. Das Datum der Hidjra und die ersten Feldzüge [623] Top

Der Prophet kam am Montag, dem 12. des Monata Rabi I., genau am Mittag, nach Medina. Er war damals 53 Jahre alt und seit seiner Sendung waren 13 Jahre verstrichen. Er blieb dann 11 Monate ununterbrochen in Medina. Zu Beginn des 12. Monats, des Monats Safar im folgenden Jahr, begab er sich erstmals auf einen Feldzug, den sogenannten Feldzug von Abwa, in dessen Verlauf er bis Waddan vorstieß. Das Unternehmen war gegen die Quraish und den Stamm der Damra gerichtet. Der Führer dieses Stammes schloß jedoch Frieden mit ihm, und er kehrte kampflos nach Medina zurück, wo er für den Rest des Monats Safar und den Beginn des Monats Rabi I blieb.

[Wie Tilman Nagel in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 299 berichtet, gab es vor dem Feldzug gegen die Banu Damra bereits 2 Feldzüge, nämlich ein Feldzug nach Hamza und Ubaida, die allerdings nicht von Mohammed persönlich ausgeführt wurden, sondern in seinem Auftrag. Bei seinem Feldzug gegen die Banu Damra zog er mit 30 Berittenen in den Krieg. Indem er mit den Banu Damra ein friedfertiges Verhältnis einleitete, schuf er eine wichtige Voraussetzung für die Eroberung Mekkas und bedrohte von nun an die nach as-Sam führenden Handelsstraßen auf der sich die Karawanen bewegten.

Auf Seite 300 schreibt Timan Nagel: „Mohammed bereitete demnach ohne die Mithilfe der Medinenser seinen Krieg gegen Mekka vor. Allein mekkanische Auswanderer schickte er zur Erkundung aus, um die Quraishiten zu überfallen.und auszurauben. Die Medinenser betrachteten die Aktivitäten Mohammeds mit gemischten Gefühlen. Der Widerstand gegen einen, von einer sektiererischen Minderheit der Einheimischen herbeigeholten Mann, der der Gesandte Allahs zu sein behauptete und Anstalten machte, sich mit diesem Anspruch zum Herrn der Oase aufzuschwingen und deren Bewohner in langwierige Kriege gegen Mekka zu verwickeln, war keineswegs geringfügig. Mit politischen Geschick, aber auch mit Kaltschnäuzigkeit und Ruchlosigkeit wusste Mohammed ihn zu brechen.

Der Feldzug nach al-Abwa war mit einem politischem Erfolg gekrönt worden. Die Banu Damra hatten versprochen, nicht mit den Quraishiten gemeinsamme Sache zu machen. Dies ermunterte Mohammed im 13. Monat nach der Hedschra (Auswanderung), im September 623, nach Buwat auszurücken, um einer quraishitischen Karawane aufzulauern. Er stieß somit in ein strategisch wichtiges Gebiet vor, süd-westlich von Medina, durch das sich die von as-Sam (Das umgangssprachliche „as-Sam“ (arabisch für Norden) wird in der arabischen Welt gerne für Syrien verwendet. nach Mekka ziehenden Karawanen bewegten und das außerdem mehrere kleine Häfen aufwies, die von Ägypten aus angelaufen wurden. Für dieses Mal blieb Mohammed ohne Erfolg. Die quraishitische Karawane, 2.500 Lastkamele, wurde von einer starken Eskorte bewacht. Der Prophet kehrte zurück, ohne auf eine „Kriegslist des Feindes getroffen zu sein“, wie es bei ergebnislosen Unternehmungen oft heisst, eine Formel, die den Anschein erwecken soll, Gewalt sei immer von den Feinden ausgegangen.“]

Dann zog Muhammad nach Buwat (siehe oben) gegen die Quraish, kehrte jedoch wieder kampflos nach Medina zurück und blieb dort für den Rest des Monats Rabi II und einen Teil des Monats Djumada I. In diesem Monat machte er sich wieder auf gegen die Quraish. Er zog bis Ushaira, im Tal von Yanbu und verbrachte dort den Rest dieses Monats und einige Tage des Monats Djamada II. In dieser Zeit schloß er einen Freundschaftsvertrag mit dem Stamm der Mudlidj und dessen Bundesgenossen von den Damra. Anschließend kehrte er wieder kampflos nach Medina zurück, hatte dort aber noch keine zehn Nächte verbracht, als Kurz ibn Djabir vom Stamme Fihr einen Raubüberfall auf das in der Umgebung der Stadt weidende Vieh [welches Medinensern gehörte] unternahm. Der Prophet verfolgte ihn bis zum Wadi Safawan bei Badr. Deshalb wird dieses Unternehmen auch das „Erste Badr“ genannt, doch entkam ihm Kurz und Mohammed kehrte nach Medina zurück, wo er für den Rest des Monats Djumada II.und die Monate Radjab und Shaban blieb.

[Wie Tilman Nagel auf Seite 300 berichtet, wagte Mohammed ein viertel Jahr später erneut einen Vorstoß nach Badr. Diesmal aber mit räuberischem Ziel. Ihm war zu Ohren gekommen, die Mekkaner hätten kostbare Güter nach as-Sam abgefertigt. Aber auch dieser Feldzug blieb ohne Ergebnis, denn die Karawane hatte den Ort, wo er ihr auflauern wollte, schon passiert.]

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40. Der Streifzug des Abdallah ibn Djahsh und die Offenbarung über den heiligen Monat [624] Top

Im Monat Radjab, nach seiner Rückkehr vom Ersten Badr, schickte der Prophet Abdallah ibn Djahsh mit einer Gruppe von 8 Auswanderern, Helfer [aus Medina] waren keine darunter, auf einen Streifzug in Richtung Mekka. Er gab ihm ein Schreiben mit und befahl ihm, dieses erst zwei Tage nach seinem Aufbruch zu lesen und dann entsprechend dem Inhalt des Briefes zu handeln, ohne aber einen seiner Begleiter dazu zu zwingen. Abdallah tat, wie er geheißen. Als er nach zwei Tagen das Schreiben öffnete, las er: „Wenn du diesen Brief gelesen hast, ziehe weiter bis nach Nakhla, zwischen Mekka und Taif, lauere dort den Quraish auf und versuche für uns zu erfahren, was sie treiben.“

Abdallah fügte sich diesem Befehl, erzählte seinen Gefährten davon und fuhr fort: „Der Prophet hat mir aber verboten, einen von euch zu etwas zu zwingen. Wer also den Märtyrertod sucht, der ziehe mit mir weiter. Wer ihn nicht begehrt, der kehre zurück. Ich jedenfalls handle nach dem Befehl des Gesandten Gottes.“

So zog er los und keiner seiner Gefährten blieb zurück. Sie durchquerten den Hidjaz, bis sie oberhalb von Furu zum Bergwerk von Bahran gelangten. Dort verirrte sich das Maultier, auf dem seine beiden Begleiter Sad und Ibn Ghazwan bisher abwechselnd geritten waren. Während die beiden zurückblieben, um das Tier zu suchen, zog Abdullah mit den anderen weiter bis nach Nakhla, wo sie auf eine Karawane der Quraish stießen, die Rosinen, Leder und andere Handelswaren mit sich führte. In dieser Karawane befanden sich unter anderen, Amr, der Sohn des Hadrami, die beiden Makhzumiten Uthman und sein Bruder Naufal sowie Ibn Kaisan, ein Freigelassener der Hashim ibn Mughira. Als die Quraish den Streifzug erblickten, fürchteten sie sich zunächst, da sie sich ganz in der Nähe gelagert hatten. Dann sahen sie aber Ukkasha, einen von Abdallahs Gefährten, der sich den Kopf wie zur Pilgerfahrt geschoren hatte und fühlten sich sicher in dem Glauben, es seien harmlose Pilger. Es war der letzte Tag im Monat Radjab [ein heiliger Monat im Islam] und Abdallah beriet sich deshalb mit seinen Gefährten.

Er sprach: „Wenn wir sie diese Nacht unbehelligt ziehen lassen, werden sie morgen den Heiligen Bezirk erreichen und dort vor uns sicher sein. Töten wir sie aber heute, so töten wir sie im Heiligen Monat.“

[Im Sure 9,36 des Korans heisst es: „Das Jahr hat zwölf Monate. Davon sind vier haram (heilig), drei aufeinanderfolgende: Dhul-Qada (11. Monat), Dhul-Hidscha (12. Monat) und Muharram (1. Monat), und der Radschab (7. Monat) von Mudar, der zwischen Dschumada (6. Monat) und Schaban (8. Monat) liegt.“ (Buchari) Mudar war ein Stamm, der die Heiligkeit des Radschab achtete und nicht an ihr rüttelte.]

Sie zögerten und hatten Angst, sie anzugreifen, machten sich aber schließlich gegenseitig Mut und beschlossen, so viele wie möglich von ihnen zu töten und die Waren zu rauben. Waqid vom Stamm Tamin traf Amr, den Sohn des Hadrami, tödlich mit einem Pfeil. Den Uthman und den Freigelassenen Ibn Kaisan nahmen sie gefangen, während Naufal ihnen entkommen konnte. Dann brachte Abdallah zusammen mit seinen Gefährten die Karawane und die beiden Gefangenen zum Propheten nach Medina. Muhammad aber war sehr ungehalten und tadelte sie: „Ich habe euch nicht befohlen, im Heiligen Monat zu kämpfen.“

[Wie es aussieht, war Mohammed allerdings sehr wohl mit dem Karawananüberfall einverstanden. Er sollte nur nicht im Heiligen Monat  Radschab stattfinden. Dies kann man unter anderem daran erkennen, dass Mohammed, wie Timan Nagel auf Seite 301 schreibt, Abdallah ibn Djahsh, mit dem Titel „Heerführer der Gläubigen“ auszeichnete.]

Mohammed rührte die Karawane und die beiden Gefangenen [zunächst] nicht an und weigerte sich etwas von den Waren anzunehmen. Abdallah und seine Gefährten waren bestürzt und dachten, sie seien verloren. Auch ihre muslimischen Brüder machten ihnen heftige Vorwürfe und die Quraish in Mekka sprachen: „Muhammad und seine Anhänger haben den Heiligen Monat verletzt, denn sie haben Blut vergossen, Güter geraubt und Männer gefangen genommen.“

Die noch in Mekka lebenden Muslime versuchten, diesem Vorwurf mit der Behauptung zu begegnen, es sei dies nicht im Monat Radjab, sondern bereits im Monat Shaban geschehen. Als der Vorfall schließlich immer heftiger diskutiert wurde, offenbarte Gott [wie nicht anders zu erwarten war] die Worte: „Man fragt dich nach dem Heiligen Monat, ob es erlaubt ist, in ihm zu kämpfen. Sprich: In ihm zu kämpfen ist ein schweres Vergehen. Aber die Menschen vom Wege Gottes abzuhalten, und nicht an ihn zu glauben, und Gläubige von der Heiligen Stätte abzuhalten und deren Anwohner daraus zu vertreiben, all das wiegt schwerer bei Gott. Und der Versuch, Gläubige zum Abfall vom Islam zu verführen, wiegt schwerer als töten. Und sie werden nicht aufhören, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurem Glauben abbringen, wenn sie können.“ (Sure 2,217)

Nachdem Gott diese Koranverse herabgesandt und damit die Muslime von ihrer Besorgnis befreit hatte, nahm der Prophet die Karawane und die beiden Gefangenen an. Die Quraish schickten aus Mekka einen Boten zu ihm, um die beiden Gefangenen, Uthman und Ibn Kaisan, loszukaufen, doch der Prophet ließ ihnen ausrichten: „Wir lassen euch sie nicht auslösen, solange unsere beiden Gefährten nicht wieder aufgetaucht sind.“ Er meinte Sad und Ibn Ghazwan, die ihr verirrtes Maultier gesucht und deswegen am Kampf nicht teilgenommen hatten. „Wir fürchten, ihr tut ihnen etwas an. Wenn ihr sie tötet, töten wir auch eure beiden Männer.“

Als dann Sad und Ibn Ghazwan doch wieder auftauchten, nahm er von den Quraish die Auslösesumme an. [Der Freigelassene] Ibn Kaisan wurde aber ein guter Muslim und blieb beim Propheten, bis er später beim Brunnen Mauna als Märtyrer starb. Uthman dagegen kehrte nach Mekka zurück und starb dort als Ungläubiger.

Nachdem die koranische Offenbarung Abdallah und seine Gefährten von ihrer Angst erlöst hatte, waren sie um ihre Vergeltung besorgt und fragten den Propheten: „O Gesandter Gottes! Können wir hoffen, das uns der Streifzug so vergolten wird, wie denen, die sich im Heiligen Kampf befinden?“ Als Antwort sandte Gott die folgende Offenbarung, mit der er ihnen die größte Hoffnung auf eine solche Vergeltung machte: „Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die ausgewandert sind und auf dem Wege Gottes gekämpft haben, dürfen auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ (Sure 2,218)

Über Abdallahs Streifzug und die Angriffe der Quraish gegen Muhammad wegen des Heiligen Monats, dichtete Abu Bakr, nach anderen Überlieferern, Abdallah selbst, die folgenden Verse:

Der Kampf ist in Heiligen Monat ein Frevel für euch,
doch habt ihr den größten Frevel gar nicht erkannt:
Denn ihr, und Gott ist Zeuge, glaubt nicht an Muhammad

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und habt gegen seine Verkündung euch immer gewandt.
Und ihr habt aus Gottes Moschee seine Diener vertrieben,
bis er bei der Kaaba für sich keinen Beter mehr fand.
Ihr möget schmähen an uns im Heiligen Monat den Kampf,
doch schlimmer ist der, der den Glauben aus Mekka verbannt.
Mit des Hadrami Blut haben wir unsere Lanzen getränkt
in Nakhla, als Waqid entfachte des Krieges lodernden Brand.
Und Uthman, der Sohn des Abdallah, ist gefangen bei uns;
es hält ihn am Halse der Fessel blutiges Band.

41. Die Änderung der Gebetsrichtung [624] Top

Im Monat Shaban, zu Beginn des 18. Monats nach der Ankunft des Propheten in Medina, wurde die Gebetsrichtung, die Qibla, geändert20

20Von nun an wurde durch eine Offenbarung (Sure 2,242-245) in Richtung der Kaaba in Mekka gebetet.

42. Die große Schlacht von Badr [17. März 624] Top

Der Prophet erfuhr, dass Abu Sufyan20.1 mit einer gewaltigen Karawane der Quraish von Syrien auf dem Weg zurück nach Mekka war. Die Karawane trug Güter und Handelswaren der Quraish mit sich und wurde von 30 oder 40 Mann begleitet.

[Gerhard Konzelmann berichtet in seinem Buch „Mohammed – Allahs Prophet und Feldherr“ auf Seite 111 davon, dass es „die größte Karawane der Banu Quraish, die Hauptkarawane des Jahres 624“ war, die von Syrien her den Weg nach Mekka nahm.

Tilman Nagel schreibt über den Aufbruch der Muslime zum Karawanenüberfall auf Seite 307: „Hubaib ibn Jusuf und Qais ibn Muharrit waren zwei für ihre Kriegskünste bekannte Haudegen, mit dem Islam aber hatten sie sich bis dahin nicht anfreunden können. Als Mohammed mit 74 Auswanderern und ungefähr 200 Helfern von Medina aufbrach, wollten jene beiden nicht zurückstehen. Sie ritten hinterher, holten Mohammed ein und baten ihn, er möge sie am Beutezug beteiligen. Er forderte, sie sollten auf der Stelle den Islam annehmen. Dies lehnten sie aber zunächst ab. Hubaib überlegte es sich vor der Schlacht jedoch noch anders, trat zum Islam über und stellte im Kampf seine Tüchtigkeit unter Beweis. Qais dagegen musste unverrichteterdinge nach Medina zurückkehren. Sobald die Muslime siegreich und mit Gütern beladen eingetroffen waren, bemerkte er, was ihm entgangen war, und wurde nun ebenfalls Muslim. Die Zugehörigkeit zur neuen Religion war die Voraussetzung für die Beteiligung an den Raubzügen, ein äusserst nützlicher Schachzug Mohammeds.“]

20.1[Abu Sufyan war der Führer der reichsten und politisch, neben der Makhzum, stärksten quraishitischen Sippe, Abdshams. Abu Sufyan war ein entschiedener Gegner Muhammads, doch muss er bereits nach dem Grabenkrieg [627 in Medina] kompromissbereiter gewesen sein. Jedenfalls trug seine Haltung dazu bei, dass die Eroberung Mekkas ohne größeres Blutvergießen verlief. Die Heirat seiner verwitweten Tochter Umm Habiba, die sich schon länger zum Islam bekannte, mit Muhammad im Jahre 628, förderte wohl außerdem eine Annäherung zwischen Muhammad und Abu Sufyan. Später nahm er an der Eroberung Syriens teil und starb 653 im hohen Alter. Sein Sohn Muawiya wurde der erste umayyadische Kalif in Damaskus (661-680). Manches, was in den Quellen so negativ an Abu Sufyan gezeichnet wird, geht auf anti-umayyadische Propagande zurück.]

Zuhri, Asim ibn Umar, Abdallah ibn abi Bakr und Ibn Ruman haben mir von Urwa, Ibn Abbas und anderen Überlieferern jeweils einen Teil der Vorgänge von Badr berichtet. Im folgenden habe ich ihre Darstellungen zusammengefasst:

Nachdem der Prophet gehört hatte, dass Abu Sufyan mit einer Karawane aus Syrien anrückte20.2, rief er die Muslime zusammen und sprach: „Dies ist die Karawane der Quraish mit ihren Gütern. Zieht aus gegen sie, vielleicht wird Gott sie euch zur Beute machen!“

20.2Gerhard Konzelmann spricht in seinem Buch „Mohammed – Allahs Prophet und Feldherr“ auf Seite 111 davon, dass die Karawane von 70 Bewaffneten bewacht wurde.

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Die Männer kamen seiner Aufforderung nach, die einen schnell, die andern zögernd, da sie nicht glaubten, der Prophet werde sich auf einen Krieg einlassen. In der Zwischenzeit versuchte Abu Sufyan, als er sich dem Hidjaz näherte [Der Hidjaz (Hedschas) ist eine Landschaft im westlichen Saudi-Arabien, die westlich vom Roten Meer begrenzt wird.], die letzten Neuigkeiten zu erfahren und befragte besorgt jeden Reiter, den er unterwegs traf, bis ihm schließlich einer erzählte, dass Muhammad seine Gefährten zum Kampf gegen ihn und seine Karawane aufgerufen hatte. Er blieb von da an auf der Hut und heuerte den Damdam ibn Amr an, den er mit der Weisung nach Mekka schickte, die Quraish zur Verteidigung ihrer Waren aufzufordern und sie davon zu unterrichten, dass Muhammad die Karawane abfangen wollte.

Damdam ritt eilends nach Mekka und meldete dies den Quraish, die sich sogleich zum Aufbruch rüsteten, wobei sie sprachen: „Muhammad und seine Leute glauben wohl, sie hätten es wieder mit einer Karawane wie der des Ibn Hadrami zu tun. Sie werden bald etwas anderes erleben!“

Jeder von ihnen machte sich bereit oder sandte einen anderen an seiner statt. Alle zogen aus und keiner der Edlen blieb zurück außer Abu Lahab20.3, der an seiner Stelle den As ibn Hisham schickte. Dieser schuldete ihm 4.000 Dirham, die er nicht bezahlen konnte. Für diesen Betrag nun zog er an Abu Lahabs Stelle mit.

20.3Gerhard Konzelmann berichtet auf Seite 112, dass sich 950 wehrtüchtige Männer aus Mekka bereitfanden, die Karawane zu retten.

Nachdem die Quraish ihre Vorbereitungen beendet und sich zum Aufbruch entschlossen hatten, erinnerten sie sich plötzlich an einen Zwist mit den Banu Bakr vom Stamme Kinana und fürchteten, diese könnten ihnen in den Rücken fallen. Da erschien ihnen der Teufel in der Gestalt der Suraqa, eines der edlen der Kinana, und erklärte ihnen: „Ich bin euer Pfand, dass die Kinana nichts böses hinter eurem Rücken unternehmen.“

Eilend brachen sodann die Quraish auf. Auch der Prophet machte sich in den ersten Tagen des Monats Ramdam auf den Weg. Zwei schwarze Fahnen zogen ihm voran; die eine „Adler“ genannt, trug Ali, die andere befand sich bei den Helfern. Der Prophet und seine Gefährten hatten damals 70 Kamele, auf denen sie abwechselnd ritten. So teilte auch er sich ein Reittier

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mit Ali und Marthad. Sie nahmen zunächst den gewöhnlichen Weg von Medina nach Mekka und lagerten zum ersten Mal bei dem Brunnen Rauha. Von dort zogen sie bis Munsaraf, wo sie den Weg nach Mekka verließen und sich nach rechts über Naziya in Richtung Badr wandten. Sie durchquerten das Wadi Ruqan zwischen Naziya und dem Pass von Safra. Als sie nach dem Abstieg vom Pass in der Nähe von Safra anlangten, schickte der Prophet Basbas und Adi nach Badr voraus, um Erkundigungen über Abu Sufyan und seine Karawane einzuholen. Er selbst zog weiter in Richtung auf das Dorf Safra zu, das zwischen zwei Bergen liegt. Bevor er das Dorf erreichte, erkundigte er sich nach dem Namen der beiden Berge und erfuhr, dass der eine Muslih, Koter und der andere Mukhri, Kacker, genannt wurde. Auch nach den Bewohnern fragte er und man unterrichtete ihn, dass zwei Untergruppen des Stammes Ghifar, die Banu n-Nar, die Söhne des Feuers und die Banu Huraq, die Söhne des Brandes, dort lebten. Er erblickte in diesen Namen ein schlechtes Vorzeichen und wollte deshalb den Weg zwischen den beiden Höhen hindurch vermeiden. So zog er rechts an Safra vorbei zu einem Wadi namens Dhafran. Dahinter lagerten sie.

Dort erfuhr er, dass die Quraish aus Mekka heranrückten, um ihre Karawane zu verteidigen. Er beriet sich darüber mit seinen Gefährten und nachdem ihm Abu Bakr und Umar [Umar ibn Khattab] bereits zugesprochen hatten, erhob sich auch Miqad und sagte: „O Gottes Gesandter! Gehe dorthin, wohin dir Gott den Weg weist, denn wir sind bei dir und wir werden wahrlich niemals zu dir sagen, was die Kinder Israels zu Moses sagten: „Geh du mit deinem Herrn und kämpft! Wir werden hierbleiben.“ (Sure 5,24); sondern wir sagen dir: „Geh du mit deinem Herrn und kämpft! Wir werden zusammen mit euch kämpfen!“ Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, auch wenn du mit uns bis nach Bark al-Ghimad zögest, würden wir mit dir gegen die Verteidiger kämpfen, bis du es erobert.“

Der Prophet dankte ihm und segnete ihn. Dann bat er auch die medinensischen Helfer um ihren Rat, denn sie bildeten die Mehrheit und hatten ihm bei der Huldigung von Aqaba erklärt, sie könnten ihn nur in Medina schützen und wie ihre eigenen Kinder und Frauen verteidigen. Er fürchtete deshalb, die Helfer

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würden sich nur verpflichtet fühlen, ihm gegen einen Angreifer in Medina zu helfen, aber es vielleicht nicht als ihre Aufgabe ansehen, mit ihm außerhalb der Stadt gegen einen Feind zu ziehen. Nachdem er diese Zweifel geäußert hatte, fragte ihn Sad, der Sohn des Muadh: „Bei Gott, meinst du damit etwa uns, Gesandter Gottes?“ Und als der Prophet bejahte, erklärte er: „Wir glauben an dich und bezeugen, dass deine Botschaft die Wahrheit ist. Wir haben mit dir darauf einen Bund geschlossen und dir versprochen, dass wir die folgen und gehorchen werden. So gehe, wenn du willst, wir sind bei dir. Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, selbst wenn du uns auffordern würdest, das Meer zu durchqueren und würdest dich hineinstürzen, wir alle würden dir folgen und keiner von uns würde zurückbleiben. Wir haben nichts dagegen, dass du uns morgen gegen unsere Feinde führst, denn wir sind standhaft im Krieg, getreu im Kampf. Vielleicht wird Gott dir an uns zeigen, was dir Freude bringt. So lass uns mit Gottes Segen mit dir ziehen!“

Sads Worte stimmten den Propheten glücklich und gaben ihm Mut. „Zieht los und seid frohen Mutes“, rief er seinen Gefährten zu, „denn Gott hat mir versprochen, dass wir eines von beiden, die Karawane oder das Heer der Quraish, besiegen werden, und, bei Gott, mir ist jetzt, als sähe ich schon die geschlagenen Feinde.“

Sie brachen von Dhafran auf, überquerten die Asafir-Pässe, kamen zu einem Ort namens Dabba, ließen Hannan, eine berghohe Sanddüne, zur Rechten liegen und lagerten schließlich in der Nähe von Badr. Am Abend schickte der Prophet Ali, Zubair und Sad ibn abi Waqqas mit einigen anderen Männern als Kundschafter zum Brunnen von Badr. Sie trafen dort an der Tränke eine Kamelherde der Quraish und zwei ihrer Sklaven. Sie nahmen diese beiden mit zurück zum Lager und fragten sie, während der Prophet sein Gebet verrichtete. Zuerst behaupteten sie beide, die Quraish [das Heer der Quraish] hätten sie zum Brunnen geschickt, um Wasser für sie zu holen. Den Muslimen missfiel diese Auskunft jedoch, da sie wünschten, die beiden würden zur Karawane des Abu Sufyan gehören. Sie prügelten sie deshalb heftig, bis sie sich dazu bekannten. Dann erst ließ man von ihnen ab.

Der Prophet aber sprach, nachdem er sich im Gebet gebeugt und zweimal niedergeworfen hatte: „Als die beiden euch die Wahrheit sagten, habt ihr sie geschlagen und als sie logen, habt ihr von ihnen abgelassen. Sie haben die Wahrheit gesagt und gehören wirklich zum Heer der Quraish.“ Dann bat er selbst die beiden zu erzählen, wo sich die Quraish befänden. „Sie sind hinter der Sanddüne, die du dort am äußersten Rand des Wadis siehst“, erhielt er zur Antwort. Die Sanddüne hieß Aqanqal. Dann fragte er sie weiter: „Wie viele sind sie?“ „Viele.“ „Was ist ihre Zahl?“ „Wir wissen es nicht.“ „Wie viele Tiere schlachten sie täglich?“ „Manchmal neun, manchmal zehn.“ „Dann sind es zwischen 900 und 1.000. Welche Edlen sind unter ihnen?“ Die beiden zählten sie auf. Da wandte sich Muhammad seinen Gefährten zu und sprach: „Dieses Mekka hat seine Herzstücke gegen euch gesandt!“

Vorher hatten schon die beiden Kundschafter des Propheten, Basbas und Adi, Badr erreicht und ihre Kamele bei einem Hügel in der Nähes des Brunnens niederknien lassen. Mit einem alten Wasserschlauch waren sie hingegangen um Wasser zu holen und hatten dort Madjdi ibn Amr angetroffen, der aber nicht wusste, wer sie waren. Die beiden hörten auch am Brunnen, wie sich zwei Mädchen des dort ansässigen Stammes über irgendeine zu begleichende Schuld unterhielten und die eine der anderen versprach: „Morgen oder übermorgen kommt die Karawane. Ich werde für sie arbeiten und dir dann zurückzahlen, was ich dir schulde.“ Madjdi bestätigte dem Mädchen, was er über die Karawane gesagt hatte und bereinigte den Streit zwischen den beiden. Adi und Basbas aber bestiegen ihre Kamele, ritten zum Propheten und erzählten, was sie gehört hatten.

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Inzwischen war Abu Sufyan vorsichtshalber seiner Karawane vorausgeritten. Er kam zu demselben Brunnen und fragte dort Madjdi, ob er jemanden bemerkt hätte. Dieser antwortete: „Ich habe niemanden gesehen, den ich nicht kannte, außer zwei Reitern, die dort am Hügel ihre Kamele niederknien ließen, ihre Wsserschläuche füllten und wieder davonritten.“ Abu Sufyan ging darauf zu der Stelle, nahm etwas vom Dung der Kamele der beiden und zerkrümelte ihn. Als er darin Dattelkerne fand, sprach er: „Das ist das Viehfutter in Medina!“

Auf schnellstem Wege kehrte er zu seiner Karawane zurück und änderte deren Richtung, indem er den gewöhnlichen Weg verließ, so schnell er konnte, zur Küste abbog und Badr zur Linken liegen ließ. Dann, als er sah, dass er seine Karawane geretten hatte schickte er einen Boten zu den Quraish und ließ ihnen sagen: „Ihr seid ausgezogen um eure Karawane, eure Männer und eure Güter zu schützen. Nun, da sie gerettet ist, könnt ihr wieder umkehren.“

Abu Djahl aber sprach: „Nein! Wir werden nicht umkehren, bevor wie Badr nicht erreicht haben!“ Badr war einer der Märkte der Araber, wo sie alljährlich einen Markt abhielten. „Wir wollen drei Tage dort bleiben, Kamele schlachten, einen Festschmaus halten, Wein trinken und die Sklavinnen sollen uns aufspielen. Die Araber werden hören, dass wir gekommen sind und uns versammelt haben und sie werden uns für immer achten. Zieht weiter!“

Das Heer der Quraish setzte sich wieder in Bewegung, bis es am äußersten Rand des Wadis, hinter der Düne Aqanqal Halt machte. Yalyal, das eigentliche Tal des Wadis, lag zwischen Badr und Aqanqal und die Brunnen von Badr waren auf der Medina zugewandten Seite des Tales. Gott sandte Regen herab und der Boden wurde weich. Während sich für die Muslime die Erde zusammenklebte und sie nicht am Vorrücken hinderte, konnten die Quraish kaum mehr weiterziehen. Der Prophet ritt mit seinen Männern eilends bis zum ersten Brunnen von Badr und hielt an.

Mir wurde berichtet, dass Männer vom Stamme der Banu Salama folgendes erzählten:

Dort an jenem Brunnen fragte Hubab ibn Mundhir den Propheten: „Dieser Platz hier, an dem es kein Vor und kein Zurück mehr gibt, hat Gott ihn dir zugewiesen oder hast du ihn nach deiner Meinung und aus deiner Berechnung heraus gewählt?“ „Letzteres ist richtig“, erwiderte der Prophet. Da sprach Hubab: „O Gesandter Gottes! Dies ist kein geeigneter Platz. Mach dich mit den Leuten auf und lass uns zu den Brunnen ziehen, die den Feinden am nächsten liegen. Die anderen Brunnen dahinter wollen wir verstopfen. Bei unserem Brunnen aber legen wir ein Becken an und füllen es mit Wasser. Kämpfen wir dann mit ihnen, haben wir zu trinken, sie aber nicht.“

„Einen guten Rat hast du mir gegeben“, dankte ihm der Prophet und machte sich mit seinen Männern wieder auf den Weg. An dem, den Quraish am nächsten liegenden Brunnen lagerten sie. Die anderen Brunnen ließen sie verstopfen, während sie bei dem ihren ein Becken anlegten, es mit Wasser füllten und alle mit ihren Gefäßen daraus schöpften.

Abdallah ibn abi Bakr erzählte mir, dass man ihm folgendes berichtet habe:

Sad, der Sohn des Muadh, wandte sich an den Propheten und sprach: „O Gesandter Gottes! Sollen wir dir nicht eine Hütte bauen, in der du dich aufhalten kannst und dir daneben deine Reitkamele bereithalten? Wenn wir dann auf unseren Feind treffen und wenn Gott uns stärkt und uns den Sieg verleiht, ist es das, was wir wollen. Geht es anders aus, besteigst du dein Reittier und begibst dich zu unseren Leuten, die [in Medina] zurückgeblieben sind. O Gesandter Gotter! Wir sind dir nicht mehr in Liebe zugetan als sie. Hätten sie gewusst, dass es zu einem Kampf kommen würde, wären sie nicht zurückgeblieben. Gott wird dich durch sie schützen und sie werden dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Der Prophet dankte ihm und segnete ihn. Sodann errichtete man für ihn eine Hütte, in der er sich aufhielt.

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Am Morgen setzten sich die Quraish in Bewegung und rückten heran. Als der Prophet sie von Aqanqal herunterkommen sah, rief er: „O Gott, da kommen die Quraish in ihrer Eitelkeit und ihrem Stolz. Sie befehden dich und zeihen deinen Gesandten der Lüge. O Gott! Gib mir die Hilfe, die du mir versprochen hast! O Gott! Vernichte sie an diesem Morgen!“

Mein Vater Ishaq ibn Yasar und andere Gelehrte erzählten mir, dass einige Alte unten den Helfern folgendes berichteten:

Nachdem die Quraish ihr Lager bezogen hatten, schickten sie den Umair ibn Wahb los, um herauszufinden, wie viele Prophetengefährten es seien. Er ritt in das Lager der Muslime, kehrte mit seinen Leuten zurück und sprach: „Dreihundert, vielleicht auch etwas mehr oder weniger. Aber wartet noch, ich will sehen, ob sie einen Hinterhalt gelegt oder noch irgendwelche Hilfstruppen versteckt halten.“ Er zog weit in das Wadi hinein, konnte aber nichts entdecken. Bei seiner Rückkehr sagte er: „Ich habe nichts gefunden, aber ich habe, Männer von Quraish, Kamele den Tod tragen sehen, Kamele aus Yatrib (Medina), den Tod auf den Rücken. Es sind Leute, deren einziger Schutz und deren alleinige Zuflucht ihre Schwerter sind. Keiner von ihnen wird getötet werden, bevor er nicht einen von uns getötet hat. Und wenn sie dann so viele von uns getötet haben, wie sie selbst sind, was ist dann noch Gutes am Leben? Überdenkt nochmals euer Tun!“

Nachdem Hakim ibn Hizam diese Worte Umairs gehört hatte, kam er zu Utba, dem Sohn des Rabia und sprach: „Du bist der Führer und Herr der Quraish, dem sie gehorchen. Möchtest du, dass man dich bei ihnen für alle Zeit in bestem Andenken bewahrt?“ „Wie denn, Hakim?“ „Indem du mit den Leuten umkehrst und die Blutschuld für deinen Bundesgenossen Ibn Hadrami, die wir von Mohammed fordern, selbst übernimmst.“ „Ich werde es tun und du sollst Zeuge sein. Ibn Hadrami war mein Bundesgenosse und ich bezahle seinen Leuten die Blut-

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schuld und die verlorenen Güter [die Abdallah ibn Djahsh und seine Leute bei dem Karawananüberfall, den sie im Auftrag Mohammeds durchführten, erbeutet hatten]. Aber gehe zu Abu Djahl, denn ich fürchte, er wird sich dagegen auflehnen!“

Während sich Hakim zu Abu Djahl begab, erhob sich Utba und hielt eine Ansprache an die Quraish: „Männer von Quraish! Wahrlich, ihr werdet durch einen Kampf gegen Muhammad und seine Gefährten nichts gewinnen. Wenn ihr ihn besiegt, werden wir uns nicht mehr ins Antlitz sehen können, weil wir uns gegenseitig unsere Verwandten und Bekannten umgebracht haben. Kehrt um und überlasst Muhammad den anderen Arabern! Wenn sie ihn töten, geschieht genau das, was ihr wollt und wenn nicht, kann er euch nicht vorwerfen, ihr hättet ihm angetan, was ihr wolltet!“

Hakim war inzwischen zu Aba Djahl gekommen, der gerade seinen Panzer aus der Hülle genommen hatte und ihn einölte. Hakim erzählte ihm von Utbas Vorschlag, doch Abu Djahl wies ihn mit den Worten zurück: „Seine Lungen haben sich vor Angst gefüllt, als er Muhammad und seine Gefähreten sah. Nein! Wir werden nicht umkehren bis nicht Gott zwischen uns und Muhammed entschieden hat. Utba glaubt doch selbst nicht, was er sagt. Er hat vielmehr nur gesehen, dass Muhammad und seine Gefährten nicht mehr Männer sind als die Esser eines Schlachtkamels und dass sein eigener Sohn unter ihnen ist. Nun hat er Angst, wir könnten seinem Sohn etwas tun.“

Dann sandte Abu Djahl einen Boten zum Bruder des Ibn Hadrami, Amir, und ließ ihm sagen: „Dieser Utba, dein Bundesgenosse, will mit den Leuten umkehren [nach Mekka reiten], wo du deine Rache vor Augen hast. Auf! Fordere die Einhaltung des Bundes und die Rache für die Ermordung deines Bruders!“ Da erhob sich Amir, zog blank und schrie: „Rache für meinen Bruder Amr, Rache für Amr!“ Und es entbrannte der Kampf. Die Quraish verharrten in ihrem Übel und Utbas Vorschlag wurde verworfen. Aswad aus der Sippe Makhzum, ein übler und bösartiger Kerl, trat als erstes von den Quraish vor und rief: „Ich schwöre, ich werde aus ihrem Wasserbecken trinken oder es zerstören, oder, noch bevor ich es erreiche, sterben.“

[Tilman Nagel beschreibt auf die Situation in Badr Seite 309 wie folgt: „Die Schwachstelle des Feindes erkennend, soll Mohammed am 14. März 624 eilig alle Brunnen der Gegend zugeschüttet haben, nur einer, der reichlich Wasser gab, blieb unberührt, man legte ein Becken an, so dass stets der eigene Bedarf gedeckt werden konnte. Die Mekkaner verspürten jedoch bald Wasserknappheit. Sie mussten an der einzigen ergiebigen Wasserstelle früher oder später die Entscheidung suchen. In der Tat rückten die Qraishiten am Morgen in der Tat nahe heran, machten Halt und entsandten einige Männer, die Wasser beschaffen sollten. Mohammed ließ sie gewähren, weshalb sich unter den Quraish Zuversicht ausbreitete. Die Schlacht, so hab man gehofft, werde sich vermeiden lassen.“ - Es war also nicht die Absicht der Mekkaner, einen Krieg zu führen. Nur durch den Entschluss und die Kriegslist Mohammeds kam es erst zur Schlacht bei Badr. - Wie Tilman Nagel auf Seite 308 berichtet, ließen sich die Männer wohl „teils aus Beutegier und teils aus Eifer für die Sache Allahs“ (aus religiösem Fanatismus) in den Krieg hineinreißen.]

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Aswad kam heran, doch Hamza, der Oheim des Propheten, trat ihm entgegen und versetzte ihn noch vor dem Becken einen Hieb, dass ihm ein Fuß und die Hälfte des Beines davonflogen. Er fiel auf den Rücken und rauschend floss das Blut von seinem Bein zu seinen Gefährten. Trotzdem kroch er noch zum Becken und stürzte sich hinein, um seinen Schwur zu erfüllen. Hamza aber folgte ihm und erschlug ihn im Becken.

Dann trat Utbar zusammen mit seinem Bruder Shaiba und seinem Sohn Walid aus der Reihe der Quraish hervor und rief die Muslime zum Einzelkampf auf. Drei junge Burschen von den Helfern boten sich ihnen zum Kampf an, doch die Quraish fragten sie: „Wer seid ihr?“ „Wir gehören zu den medinensischen Helfern des Propheten.“ „Von euch wollen wir nichts!“ Und einer der Quraish rief: „Muhammad!“ „Schicke unseresgleichen und Männer unseres Stammes gegen uns!“

Da forderte der Prophet Abu Ubaida, Hamza und Ali auf, sich im Einzelkampf mit ihnen zu messen. Die Quraish fragten auch sie, wer sie seien, erkannten sie aber als ebenbürtige Edle an. Ubaida, der Älteste kämpte gegen Utba, Hamza gegen Shaiba und Ali gegen Walid. Es dauerte nicht lange, da hatten Hamza und Ali ihre Gegner getötet. Ubaida und Utba tauschten zwei Schläge, worauf beide verwundet niederstürzten. Sogleich fielen Hamza und Ali mit ihren Schwertern über Utba her und erledigten ihn. Ubaida aber trugen sie zurück zu ihren Gefährten.

Dann drängten beide Seiten vor und gingen aufeinander los. Der Prophet hatte seinen Gefährten befohlen, nicht anzugreifen, bevor er es anordne. „Wenn sie euch umzingeln“, sprach er, überschüttet sie mit euren Pfeilen!“ Er selbst blieb mit Abu Bakr in der Hütte, bat Gott um die versprochene Hilfe und sagte unter anderem: „O Gott, wenn diese meine Schar heute untergeht, wird dich niemand mehr anbeten.“ „Deine dauernden Bitten“, wandte Abu Bakr ein, „werden deinem Herrn lästig fallen. Gott erfüllt dir, was er dir verspro-

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chen hat.“ Dann schlief der Prophet in der Hütte ein und als er aus seinem kurzen Schlummer erwachte, sagte er: „Freue dich Abu Bakr! Gottes Hilfe ist zu dir gekommen. Hier ist Gabriel und führt sein Pferd am Zügel, dessen Vorderzähne Staub bedeckt sind.“

Als erster Muslim wurde Mihdja, ein Freigelassener Umars, durch einen Pfeil getötet, und ein weiterer Pfeil traf den Haritha, einen vom Stamme Nadjjar, tödlich am Hals, als er gerade aus dem Becken trank. Darauf trat Muhammad zu seinen Leuten hinaus und spornte sie mit den Worten an: „Bei dem, in dessen Hand Muhammads Seele liegt, jeder, der heute standhaft Gottes Lohn erhoffend gegen den Feind kämpft, nur vorwärts strebt und nicht zurückweicht und dann den Tod findet, den wird Gott ins Paradies eingehen lassen.“

Umair ibn Humam, der gerade einige Datteln in der Hand hielt und davon aß, hörte diese Worte und rief: „Herrlich! Herrlich! Trennt mich vom Paradies nur der Tod aus ihrer Hand?“ Und sogleich warf er die Datteln weg und ergriff sein Schwert und kämpfte, bis er fiel. Dann nahm der Prophet eine Handvoll Steinchen, wandte sich zu den Quraish und rief: „Hässlich sollen diese Gesichter werden!“ Mit diesen Worten warf er mit den Steinen nach ihnen und befahl seinen Männern loszustürmen. Dies war das Ende der Quraish. Gott tötete viele ihrer Führer und ließ viele ihrer Edlen in Gefangenschaft geraten.

Nach Beendigung des Kampfes ordnete der Prophet an, dass alles, was die Männer an Beute angesammelt hatten, im Lager zusammengetragen werde, doch die Muslime begannen sich zu streiten. Diejenigen, die die Beute gesammelt hatten, sagten: „Dies gehört uns!“ Und diejenigen, die gegen den Feind gekämpft hatten und ihn verfolgt hatten, riefen: „Bei Gott, wären wir nicht gewesen, hättet ihr jetzt nichts. Hätten wir den Feind nicht von euch abgehalten, hättet ihr nichts bekommen.“

[Es ist davon auszugehen, dass die große Mehrheit der Muslime wohl eher an der Beute interessiert war, als daran, als Märtyrer ins Paradies einzugehen. Dies sieht man auch an dem Streit um die Beute. Gerhard Konzelmann beschreibt die Vorgänge vor der Schlacht bei Badr auf Seite 110 wie folgt: „Der Erfolg in der Expedition in den Süden (der erfolgreiche Karawanenüberfall des Abdallah ibn Djahsh) brachte innenpolitische Konsequenzen für Medina. Die Einwohner, die schon vor Mohammeds Ankunft in der Stadt gelebt hatten, waren zwar durch ihr Abkommen mit den Zugewanderten an der Teilnahme an möglichen Kämpfen gegen die Banu Quraish verpflichtet, doch hatte Mohammed für den Ritt nach Süden nur Männer ausgewählt, die mit ihm aus Mekka gekommen waren. Als die ursprünglichen Bewohner Medinas sahen, dass die Expeditionsteilnehmer reich mit wertvollen und zugleich leichtverkäuflichen Waren belohnt wurden, da sprachen auch sie den Wunsch aus, bei derartigen Unternehmungen mitzumachen

Auf der Liste der Kampfbereiten standen schon bald über 300 Namen. Die meisten gehörten zu den Stammesbewohnern von Medina. Sie erhielten von Mohammed die Bezeichnung „Ansar“. Dieses Wort kann mit „Helfer“ übersetzt werden. Mohammed sprach sie meist mit der Bezeichnung „Ansar al Nabi“ (Helfer des Propheten) an. Die Emigranten aus Mekka und die Helfer wurden schon wenige Wochen nach dem so glücklich verlaufenden ersten Beutezug zu einer gemeinsamen Bewährungsprobe (bei Badr) eingesetzt.

Über den Streit um die Beute schreibt Gerhard Konzelmann auf Seite 120: „Die achte Sure trägt die Bezeichnung „al Anfal“, die Beute. Ausgelöst wurde ihre Offenbarung um den Streit der Sieger untereinander um das Eigentum der Verlierer und um Ansprüche auf die Gefangenen, die einen Teil der Beute darstellten. (Für die Gefangenen konnte man Lösegeld fordern oder sie als Sklaven verkaufen.) Jeder wollte vom Sieg profitieren: Die Kämpfer und diejenigen, die zum Schutz des Propheten beim Zelt geblieben waren. Beide Gruppen begannen noch in der Endphase des Kampfes damit, den Toten der Quraish die Kleider auszuziehen, ihren Schmuck abzustreifen und ihre Schwerter einzusammeln. Kaum war der Sieg errungen, begann die Plünderung der Zelte. Die Quraish hatten auf dem Feldzug vielerlei mitgenommen: Lebensmittel, Wein, teure Gewänder, Geschenke für gastfreundliche Stammesfürsten, Pferde und Kamele, Geld, aber auch Sklavinnen.]

Und diejenigen, die den Propheten bewacht hatten, aus Sorge, der Feind könnte sich gegen ihn wenden, behaupteten: „Ihr

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habt nicht mehr Recht darauf als wir! Wir hätten auch gegen den Feind gekämpft, als er durch Gottes Hilfe davonlief und hätten auch gern die Beute aufgesammelt, als sie niemand mehr verteidigte, doch waren wir besorgt, der Feind könnte nochmals zurückkehren. Deshalb blieben wir zum Schutze des Propheten. Ihr habt nicht mehr Recht auf die Beute als wir.“

Abdarrahman ibn Harith und andere meiner Lehrer überlieferten mir von Sulaiman ibn Musa, der sich auf die Aussagen Makhuls stützte, folgendes:

Abu Umma vom Stamme Bahila, fragte später einmal den Ubada ibn Samit nach der Offenbarung der Sure „Die Beute“ (Sure 8). Da erzählte ihm dieser: „Sie wurde wegen uns, den Badr-Kämpfern, geoffenbart, als wir uns um die Beute stritten und unser ganzer schlechter Charakter sich zeigte. Aber Gott entriss durch diese Sure die Beute unseren Händen und übergab sie dem Propheten. Dieser teilte sie in gleichen Teilen unter den Muslimen auf.“ [Hier vergisst Ibn Ishaq zu erwähnen, dass Mohammed ein Fünftel der Beute für sich selber beanspruchte. (siehe: Sure 8,41)]

Sodann schickte der Prophet den Abdallah ibn Rawaha mit der Siegesbotschaft zu den Bewohnern der Oberstadt von Medina und den Zaid ibn Haritha in die Unterstadt. Usama, der Sohn des Zaid, erzählte später: „Wir schlossen gerade das Grab von Ruqayya, der Tochter des Propheten und der Frau Uthmans, bei dem mich der Prophet zurückgelassen hatte, um nach ihr zu sehen, da traf mein Vater Zaid in Medina ein. Ich kam zu ihm, als er von Menschen umringt auf dem Betplatz stand und rief: „Die Edlen der Quraish, Utba, Shaiba, Abu Djahl, Zama, Abu l-Bhaktari, Umayya ibn Khalaf und die beiden Söhne des Hadjjadj, Nahib und Munabbih sind tot!“ „Ist das wahr?“, fragte ich meinen Vater und er erwiderte: „Ja, bei Gott, mein Sohn, es ist wahr.“ Der Prophet selbst erreichte Medina einen Tag, bevor man die Gefangenen brachte.

Abdallah ibn abi Bakr berichtete mir von Yahya ibn Abdallah:

Als die Gefangenen ankamen, befand sich Sauda, die Frau des Propheten, gerade bei der Familie des Afra, wo man den Tod

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seiner beiden Söhne beweinte. Die Frauen mussten damals noch keinen Schleier tragen und Sauda erzählte: „Ich war gerade bei Afras Familien, als der Ruf ertönte: „Man bringt die Gefangenen!20.4“ Sogleich ging ich nach Hause zum Propheten. Plötzlich erblickte ich in einer Ecke des Zimmers den Abu Yazid, die Hände mit einem Strick an seinem Hals gefesselt. Als ich ihn so sah, konnte ich nicht an mich halten und rief: „Ihr habt euch ergeben, anstatt wie edle Männer zu sterben.“ Da schreckte mich die Stimme des Propheten auf, der rief: „Hetzt du gegen Gott und seinen Propheten?“ „O Gesandter Gottes“, erwiderte ich, „bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, ich konnte mich einfach nicht beherrschen, als ich ihn in diesem Zustand sah.“ Dann verteilte der Prophet die Gefangenen an seine Gefährten und trug ihnen auf, sie gut zu behandeln.

20.4[Tilman Nagel schreibt auf Seite 313 über den Umgang mit den mekkanischen Gefangenen: „Beträge zwischen 1.000 und 4.000 Silberdirhem ließen sich für einen Mekkaner erpressen. Zum Vergleich: Der bei den Muslimen in Medina übliche Kaufpreis für eine Frau belief sich auf 500 Dirhem. Diese Summen jedenfalls pflegte Mohammed für seine zahlreichen Gattinen aufzuwenden. Im langsamen Zuge führte man die Gefangenen nach Medina. Die ihm besonders verhassten Uqba ibn abi Muait und an-Nadr ibn al-Harit, der versucht hatte, ihm mit Geschichten aus der iranischen Überlieferung das Publikum abspenstig zu machen, ließ Mohammed unterwegs ermorden.

Der Prophet mischte sich jedoch vielfach in diese Angelegenheiten ein und erwirkte die kostenlose Freilassung des einen oder anderen, sofern diese ihm versprachen, nie wieder an Kriegen gegen Medina teilzunehmen. Auch von einem Tauschhandel wird berichtet: Abu l-As ibn ar-Rabi von den Banu Abd Sams, erlangte die Freiheit, nachdem er dafür gesorgt hatte, dass seine Ehefrau, Mohammeds Tochter Zainab, nach Medina gebracht wurde. In Mekka war man mit dieser Abmachung ganz und gar nicht zufrieden, vermutlich, weil sie darauf hinauslief, dass Heiden, ihre dem Islam zugerechneten Ehefrauen herausgeben sollten. Zwei Männer, die Zainab bei ihrer Abreise aus Mekka bedroht hatten, ließ Mohammed später umbringen. Die Geschichte mit Abu l-As und Zainab nahm dagegen ein glückliches Ende. Um die Zeit als Mohammed Mekka seiner Gewalt unterwarf [630], wurde Abu l-As von einer muslimischen Streifschar überfallen und nach Medina verschleppt, wo Zainab ihm Schutz gewährte, und da er nun den Islam annahm, erhielt er sie als Gattin zurück.]

Unter den Gefangenen befand sich auch Abu l-As20.5, der Schwiegersohn des Propheten und Gatte seiner Tochter Zainab. Aufgrund seines Reichtums, seiner Redlichkeit und seines Handelns, war er einer der geachtetsten Männer in Mekka. Mütterlicherseits war er ein Neffe der Khadidja [Mohammeds erster Frau], die ihn wie ihren eigenen Sohn behandelte. Als sie eines Tages den Propheten, bevor er seine Offenbarungen empfing, bat, für ihren Neffen eine Frau zu suchen, gab er ihm seine eigene Tochter Zainab in die Ehe. Nachdem Gott dann Muhammad mit dem Prophetentum ausgezeichnet hatte, glaubten Khadidja und seine Töchter an ihn, bezeugten die Wahrheit seiner Offenbarung und bekannten sich zu seiner Religion. Abu l-As aber verharrte in seiner Vielgötterei. Nun hatte der Prophet auch seine Tochter Ruqayya verheiratet, und zwar mit Utba, dem Sohn des Abu Lahab. Als er dann öffentlich Gottes Auftrag verkündete und sich offen gegen die Quraish wandte, sprachen diese untereinander: „Wir haben Muhammad von der Fürsorge seiner Tochter befreit. Geben wir sie ihm doch zurück! Er soll sich selber um sie kümmern!“

20.5Abu l-As ibn Rabi trat erst nach der Eroberung Mekkas zum Islam über, nachdem er zuvor zweimal von den Muslimen gefangen genommen und auf Bitten Zainabs hin wieder freigelassen worden war. Er starb 634, zwei Jahre nachdem Mohammed gestorben war.

Sie gingen zuerst zu Abu l-As und sagten: „Trenne dich von deiner Frau! Wir verheiraten dich dafür mit jeder anderen Quraishitin, die du möchtest.“ „Niemals werde ich die tun und ich will an ihrer Stelle auch keine andere Frau von den Quraish“, entgegnete er ihnen, und

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der Prophet, so habe ich gehört, war voll des Lobes für diese Haltung seines Schwiegersohnes.

Dann kamen die Quraish auch zu Utba [der mit Mohammeds Tochter Ruqayya verheiratet war] und machten ihm den gleichen Vorschlag. Er willigte ein und erhielt dafür die Tochter des Said ibn As. Die Tochter des Propheten, Ruqayya, aber verstieß er, noch bevor er ihr beigewohnt hatte. So befreite Gott sie aus seiner Hand, ihr zur Ehre und ihm zur Schande und Uthman ibn Affan heiratete sie.

Der Prophet war damals in seiner Entscheidungsfreiheit zu sehr eingeengt, um etwas erlauben oder verbieten zu können. Obwohl der Islam seine Tochter Zainab von ihrem Gatten Abu l-As schied, konnte der Prophet die beiden bis zur Hidjra [Auswanderung] nicht voneinander trennen und Zainab blieb bei Abu l-As, sie eine Muslimin, er ein Heide. Als die Quraish dann nach Badr zogen, kam auch Abu l-As mit ihnen und geriet in Gefangenschaft zum Propheten nach Medina.

Schließlich schickten die Mekkaner die Auslösesumme für die Auslösung und auch Zainab ließ den entsprechenden Betrag zur Auslösung von Abu l-As nach Medina bringen, darunter eine Halskette, die ihr einst Khadidja zur Hochzeit geschenkt hatte. Als der Prophet die Kette erblickt hatte, ergriff ihn großes Mitleid mit seiner Tochter Er bat seine Gefährten, ihr sowohl ihren Mann als auch das Geld zurückzuschicken und sie erfüllten ihm seine Bitte.

Die Gesamtzahl der Muslime, die an der Schlacht von Badr teilnahm, betrug 314, davon waren 83 mekkanische Auswanderer und 231 medinensiche Helfer, 61 von Stamme Banu Aus und 170 vom Stamme Khazradj. Von den mekkanischen Auswanderern fielen 6 und von den medinensischen Helfern 8 Männer. Die Quraish dagegen verloren 50 Männer, 43 von ihnen wurden gefangen genommen.

[Im Koran wird darauf hingewiesen, dass die Muslime während des Kampfes von 3.000 Engeln unterstützt wurden: „Genügt es euch nicht, daß euch euer Herr mit 3.000 herabgesandten Engeln unterstützt? Fürwahr, wenn ihr Geduld übt und gottesfürchtig seid und der Feind euch plötzlich angreift, wird euer Herr euch mit 5.000 heranstürmenden Engeln unterstützen.“ (Sure 3,124-125) Quelle: Schlacht von Badr]

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43. Gedichte über die Schlacht von Badr Top

Zur Dichtung, die von beiden Seiten über die Schlacht von Badr verfasst wurde, gehören die folgenden Verse des Kab ibn Malik, eines Bruders des Stammes Salama:

Gottes Wille ist voll Wunder! Er in seiner Macht kann
handeln, wie er will und niemand wird ihn je bezwingen!
Er entschied am Tag von Badr, dass wir jene üblen
Männer trafen, die im eignen Übel sich verfingen.
Sammeln und zum Kampfe rufen taten sie die Nachbar-
stämme, eine große Schar zum Kriege dingen,
um nur gegen uns allein zu ziehen und die Stämme
Kab und Amir, alle gegen uns zu bringen.
Der Prophet in unsrer Mitte war umringt vom Stamme
Aus wie eine Festung: Niemand konnte in sie dringen.
Und der Stamm Nadjjar, er stürmte vor mit seinem Banner,
leicht gerüstet ließ er von des Staubes Wolken sich umringen.
Als wir stießen auf den Feind und jeder standhaft suchte,
für die Freunde seine Todesängste mutig zu bezwingen,
da bezeugten wir, dass außer Gott kein andrer Herr ist,
und nur sein Gesandter konnte uns die Wahrheit bringen.
Und wir zückten unsre Schwerter, hell im Lichte funkelnd,
wie wenn grelle Feuerbrände flackernd daran hingen.
Auseinander schlugen wir die Feindesschar mit ihnen,
dass die Frevler ihrem Todesschicksal nicht entgingen.
Abu Djahl stürzte nieder auf sein Antlitz; auch den
Utba ließen dort im Staube liegen unsre Klingen.
At-Tamini und auch Shaiba blieben auf dem Schlachtfeld;
keiner konnte sie zum Glauben an den Herrn des Thrones zwingen.
Ja, zum Brennholz wurden sie fürs Feuer in der Hölle,
dort, wohin von jeher immer alle Heiden gingen.
Während nun der Heizer schürt die Glut mit Stein und Eisen,
werden glühend heiße Höllenflammen sie verschlingen.

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Der Gesandte Gottes hatte sie gerufen, doch sie
hörten nicht und suchten in dem Ruch des Magiers ihn zu bringen.
Gottes Wille war es, sie zu töten. Gegen seinen
Willen sich zu sträuben: Keinem kann es je gelingen.

Hassan ibn Tabit dichtete über die Schlacht von Badr die folgenden Verse:

Quraish hat am Tage von Badr erfahren,
am Tag, als sie fielen und mancher in Haft dort geriet,
dass wir, als die Lanzen, die hohen, sich stritten,
im Kriege gewannen am Tage des Abu Walid.
Die Söhne Rabias erlagen im Kampfe
im zweifachen Panzer aus Eisen vom Schmied.
Hakim ist geflohen aus Angst vor dem Stamme
Nadjjar, der wie die Löwen so mutig vorwärts zieht.
Und Fihr wurde von allen verlassen,
während Klein Harith weit in der Ferne voran ihnen flieht.
Schande hat euch getroffen, der Tod euch ereilt
dort an der Ader am Halse, wo es am schnellsten geschieht.
Davon seid ihr alle gelaufen, und keiner
von euch um die alte Kampfesehre sich müht.

Auch die folgenden Verse stammen von Hassan ibn Thabit:

Haben die Mekkaner auch wirklich erfahren,
wie wir sie schlugen, die Heiden, mit tödlichem Mut?
Wir töteten kämpfend die Herren ihres Stammes,
ihr Heer zog zurück, zerschlagen und bar jeder Hut.
Wir töteten Utba und dann Abu Djahl;
auch Shaiba, die Hände gestreckt, im Sande dort ruht.
Wir töteten Tuma und auch den Suwaid,
als sich im Kampfe erhob des Staubes schmutzige Flut.
Durch uns sind gar viele gefallen von edel-
stem Stammbaum in Volke, aus vornehmsten Blut.
Wir ließen sie liegen, den Schakalen zum Fraß,
um später zu brennen in höllischer Glut.

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Sufaya, die Tochter des Musafir ibn abi Amr, beklagte mit den folgenden Versen den Tod eines Quraishiten:

Weh mir! Meine Augen sind leer,
die Tränen alle verflossen,
wie aus zwei Kübeln der Sklave
das Wasser schnell hat vergossen.
Der Löwe im Dickicht mit seinen Krallen
und seinen Zähnen, den großen,
kraftvoll, gewaltig und feurig,
zum Schutze seiner Jungen entschlossen:
Er ist nicht gleich meiner Sehnsucht
nach ihm, der im Kampf unverdrossen
selbst fand nun den Tod, das Schwert in
der Hand, aus Stahl war gegossen
und mit dem er andern die Wunden einst schlug,
woraus das Blut war schäumend geflossen.

Qutaila, die Tochter des Harith ibn Alqama, trauert mit den folgenden Versen um ihren Bruder Nadr20.6, der bei Badr in Gefangenschaft geriet und auf dem Weg nach Medina bei Uthail von den Gefährten des Propheten ermordet wurde:

O Reiter, der Weg nach Uthail ist nicht weit.
Schon am Morgen des fünften Tages kommst du dort an.
Viele Kamele eilten von mir schon mit Grüßen dorthin
zu einem Toten; grüß ihn auch du und erzähl ihm sodann
von meiner Trauer um ihn und vom Strom meiner Tränen,
den ich oft auch erstickte, noch bevor er vom Auge mir rann.
Sag mir: Kann Nadr mich hören, wenn ich ihn rufe?
Versteht mich ein Toter, der nicht sprechen mehr kann?
O Muhammad, edelster Sproß aus dem Stamm deiner Mutter,
die sich aus vornehmer Sippe erwählte den Mann,
hätte es dir denn geschadet, ihm gnädig das Leben zu lassen,
wie manch anderer Krieger sich trotz seines Zorns der Gnade besann?
Auch hättest für ihn du ein Lösegeld annehmen können,
so hoch, wie noch niemals ein Sieger eines gewann.
Nadr war dir von allen am engsten verwandt und ver-

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diente am meisten, dass die Freiheit du botest ihm an.
Doch gewaltsam schleppte man ihn dem Tode entgegen,
einen erschöpften, in Ketten gefangenen Mann.
Und die Schwerter der eigenen Brüder schlugen ihn nieder.
Ach! Wie viele Bande des Blutes zerbrachen daran.

20.6[Unter den in Badr gemachten Gefangenen befanden sich Okba bin Abi Mueit und Al-Nadr bin Alharith. Als der Prophet diese beiden Männer erblickte, erinnerte er sich an ihre Feindschaft und Boshaftigkeit, die sie ihm in Mekka hatten zuteil werden lassen und befahl, sie zu enthaupten. Al-Nadr war der Gefangene von Meqdad, der sehr an einem Lösegeld interessiert war. Meqdad sagte zu dem Propheten: „Das ist mein Gefangener, und ich habe das Recht, ihn als meinen Teil der Beute zu betrachten.“ Darauf fragte der Prophet Meqdad: „Hast du denn vergessen, was dieser schändliche Mann über die Offenbarungen des Korans gesagt hat?“ Es war nämlich Al-Nadr gewesen, der in Mekka gesagt hatte: „Wir haben sie schon gehört, und wenn wir nur wollten, so könnten wir ähnliche Verse hersagen, der Koran enthält ja doch nichts als alte Märchen.“ Darauf bezieht sich auch Sure 8,31.

  Sure 8, Vers 31: Und als ihnen Unsere Zeichen verlesen wurden, sprachen sie: „Wir haben gehört; wollten wir, so sprächen wir das gleiche; siehe, dies sind nichts als die Fabeln der Früheren.

Schliesslich musste Al-Nadr für diese Bemerkung mit seinem Leben zahlen. Meqdad zog seinen Anspruch auf den Gefangenen zurück und Al-Nadr wurde enthauptet. Als nächster wurde Aqba vor den Propheten gebracht, und Asem Ibn Sabet erhielt den Befehl, ihn zu töten. Okba schrie laut: "Was wird denn aus meinen Kindern?" Der Prophet gab zur Antwort: „Zur Hölle!“ (Ali Dashti, Seite 157 f) Quelle: Auftragsmorde an politischen Gegnern)]

44. Die Schlacht von Uhud [17. März 625]     Top

[Die Schlacht von Uhud20.7 ist ein Rachefeldzug der Quraish, für die verlorene Schlacht von Badr. Vor der Schlacht von Uhud gab es allerdings einige Ereignisse, die nicht in der (in meiner) Prophetenbiographie erwähnt werden. Sie berichtet Gerhard Konzelmann auf Seite 122 davon, dass Mohammed nach der Schlacht von Badr eine Frau und einen Mann ohne Urteil hinrichten ließ, die die Kühnheit besessen hatten, Spottgedichte über ihn zu schreiben. Es handelte sich um den jüdischen Poeten Kab ibn al-Aschraf vom Stamme der Banu Nadir und um die Jüdin Asma Marwin. (siehe auch: Kab ibn al Aschraf)

Zu den Morden an Kab ibn al-Aschraf und Asma Marwin lesen wir bei Tilman Nagel auf Seite 348: „Bereits vorher hatten zwei abscheucliche Morde eine Atmosphäre der Terrors erzeugt. Asma bint Marwin, eine Jüdin, hatten sich in obszönen Versen schon vor der Schlacht bei Badr dagegen gewandt, dass sich einige Ausiten und Hazragiten einem Dahergelaufenen unterwarfen. Töricht sei es, auf einen solchen Mann irgendwelche Hoffnungen zu setzen. Ähnliche Ansichten wurden Kab ibn al-Asraf nachgesagt. Einer der Verwandten von Asma's Ehemann gelobte, er werde die Spötterin umbringen, sobald Mohammed unversehrt aus dem Krieg gegen Mekka zurückgekehrt sei. Kaum war dies geschehen, stahl sich jener eifrige Muslim in ihr Haus, nahm ihr immerhin den Säugling von der Brust und erschlug die Ahnungslose mit dem Schwert. Mit einem Anflug von Schuldgefühlen suchte der Mörder am Morgen den Propheten auf, der ihn aber beruhigte: „Um ihretwillen gehen keine zwei Ziegen mit den Hörnern aufeinander los.“ Der Verbrecher sei ein Mann, der im Verborgenen Allah und seinen Gesandten unterstützte...“


20.7Uhud ist ein Berg in der Nähe von Medina.

Ausserdem führte ein Vorfall in Medina dazu, dass Mohammed gegen den jüdischen Stamm Banu Qaynuqa (Banu Qainuqa), die hauptsächlich als Goldschmiede und Waffenschmiede arbeiteten, in den Krieg zog. Mohammed, der nie vrgessen konnte, dass die Juden trotz seiner Verhandlungsbemühungen, seine Gotteslehre und seinen Herrschaftsanspruch in Medina abgelehnt hatten, nutzte die Gelegenheit, die Banu Qaynuqa aus Medina zu vertreiben. Er belagerte die Siedlung der jüdischen Großfamilie, die aus etwa 1.000 Personen bestand, die nur über eine unbedeutende Wasserquelle innerhalb ihres Gebietes verfügten, 15 Tage lang, bis sie vor Durst kapitulierten. Innerhalb von drei Tagen mussten sie Medina verlassen. Mohammed hatte durchaus mit dem Gedanken gespielt, die Männer des jüdischen Stammes Banu Qaynuqa zu töten [wie er es im Jahre 627 mit dem jüdischen Stamm der Banu Quraiza tat] und die Frauen [und Kinder] als Sklaven verkaufen zu lassen [wie Mohammed es nach vielen Kriegzügen mit den Frauen und Kindern seiner Kriegsgegner und mit den Frauen und Kindern des jüdischen Stammes der Banu Quraiza tat]. Aber der arabische Stamm der Banu Aus, der mit den Banu Qaynuqa befreundet war, hatten sich bei Mohammed dagegen ausgesprochen. (Konzelmann, Seite 123-126), siehe auch: Banu Qainuqa

Vor der Schlacht von Uhub verbot Mohammed auch den Moslems den Wein und das Glücksspiel. (wikipedia.org sagt: „Während der sechstägigen Belagerung (der Banu Nadir im August 625) soll (Mohammed) zudem das islamische Weinverbot offenbart worden sein.“) „Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind (ein wahrer) Greuel und Teufelswerk. Meidet es! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergeben. Der Satan will (ja) durch Wein und das Losspiel nur Feindschaft und Haß zwischen euch aufkommen lassen und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abhalten. Wollt ihr denn nicht (damit) aufhören?“ (Sure 5,90-91) Mohammed spricht allerdings davon, dass im Paradies „ein unerschöpflicher Becher unter ihnen die Runde macht, der allerdings keinen Rausch erzeugt und von dem sie nicht müde werden.“ (Sure 37,45-47) Aus Sure 16,11 geht allerdings hervor, dass Mohammed in der Frühzeit der Offenbarung den Moslems den Wein durchaus zugestand. Sure 16,11 lautet nämlich: „Er läßt euch dadurch das Getreide wachsen, und die Ölbäume, Palmen und Weinstöcke, und (sonst) allerlei Früchte. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die nachdenken.“]

Die folgende Darstellung der Schlacht von Uhud habe ich aus den Berichten des Zuhri, Muhammad ibn Yahya, Asim, Husain ibn Abdarrahman und anderen zusammengestellt:

Nach der Niederlage der heidnischen Quraish bei Badr, der Rückkehr des geschlagenen Heeres nach Mekka und der Ankunft Abu Sufyans mit seiner Karawane, gingen Abdallah, der Sohn des Abu Rabia, Ikrima, der Sohn des Abu Djahl und Safwan, der Sohn des Umayya, zusammen mit anderen Quraish, die bei Badr ihre Väter, Söhne und Brüder verloren hatten, zu Abu Sufyan und den anderen Männern, die in dessen Karawane Waren hatten und sprachen zu ihnen: „Männer von Quraish! Muhammad hat euch großen Schaden zugefügt und eure Besten getötet. Helft uns deshalb mit dem Erlös aus euren Waren, damit wir gegen ihn Krieg führen und vielleicht unsere Toten rächen können.“

Sie waren damit einverstanden. Gott aber offenbarte über sie, so hat man es mir erzählt, den folgenden Koranvers: „Diejenigen, die ungläubig sind, geben ihr Vermögen aus, um ihre Mitmenschen vom Wege Gottes abzuhalten. Sie werden es ausgeben. Dann wird es ein schmerzliches Bedauern für sie geben und sie werden bestraft werden. Und diejenigen, die ungläubig sind, werden alle zur Hölle gehen (Sure 8,36).

Nachdem sich Abu Sufyan und die anderen Teilhaber der Karawane zur Aufwendung ihres Geldes bereiterklärt hatten, sammelten sich die Quraish mit ihren Ahabish, den ihnen botmäßigen (befreundeten) kinanitischen Stämmen und den Bewohnern des Tieflandes zum Krieg. Djabair ibn Mutim sprach zu seinem abessi-

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nischen (äthiopischen) Sklaven Wahshi, der, wie alle Abessinier, mit seiner Lanze das Ziel nur selten verfehlte: „Ziehe auch du mit den Männern! Wenn du meinen Onkel Tuaima rächst, indem du Hamza, den Oheim Muhammads, tötest, lasse ich dich frei!“

Die Quraish zogen mit allen verfügbaren Männern, den Gefolgsleuten vom Stamme Kinana und den Bewohnern des Tieflandes los20.8. Sogar die Frauen begleiteten sie in ihren Kamelsänften, um ihre Kampfeswut zu schüren und sie von der Flucht zurückzuhalten. So wurde Abu Sufyan, der das Herr anführte, von Hind, der Tochter des Utba, begleitet und immer wenn sie während des Zuges den Sklaven Wahshi sah, rief sie ihm zu: „Auf Abu Dasma, Vater der Schwärze! Befriedige deinen Rachedurst!“

20.8[Die Quraish zogen mit 3.000 Männern und 200 Pferden in den Krieg. (siehe: Schlacht von Uhud)]

Schliesslich langten sie bei Ainan, einer Anhöhe im Salzsumpf am Rande des Wadi Qanat gegenüber von Medina, an. Sobald der Prophet davon gehört hatte, wandte er sich mit folgenden Worten an die Muslime in Medina: „Ich hatte einen guten Traum. Ich habe zwei Kühe und an der Spitze meines Schwertes eine Scharte gesehen. Meine Hand, so träumte ich, steckte ich in einen starken Panzer und ich glaube, dieser Panzer soll Medina bedeuten. Ich meine deshalb, wir sollten in Medina bleiben und die Quraish lassen, wo sie sind. Bleiben sie dort, befinden sie sich in einer schlechten Ausgangslage. Dringen sie aber in die Stadt ein, werden wir hier gegen sie kämpfen.“

Abdallah, der Sohn des Ubayy, stimmte dem Vorschlag des Propheten zu, die Stadt nicht zu verlassen. Andere Muslime aber, die später bei Uhud für den Glauben starben und zuvor bei Badr nicht dabeigewesen waren, bestürmten den Propheten: „O Gesandter Gottes“, führe uns hinaus gegen den Feind! Er wird sonst glauben, wir seien zu feige und zu schwach, gegen ihn zu kämpfen.“ „O Gesandter Gottes“, versuchte Abdallah ibn Ubayy den Propheten zurückzuhalten, „bleibe in Medina und ziehe nicht hinaus gegen sie! Bei Gott, noch nie haben wir die Stadt verlassen, um einen Feind zu bekämpfen, ohne dass wir schwere Verluste erlitten; und noch nie ist jemand in die Stadt eingedrungen,

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ohne dass wir ihm Verluste zufügten. So lasse sie, wo sie sind. Wenn sie dort bleiben, sind sie in einer sehr schlechten Lage. Kommen sie in die Stadt, werden unsere Männer ihnen kämpfend entgegentreten, während die Frauen und die Kinder von den Häusern Steine auf sie herabwerfen. Und wenn sie sich zurückziehen, werden sie es mit der gleichen Enttäuschung tun, mit der sie gekommen sind.“

Diejenigen, die dem Feind entgegenziehen wollten, drangen so lange in den Propheten, bis er in sein Haus trat und seinen Panzer anlegte. Es war am Freitag zur Zeit nach dem Gebet. Ein Helfer vom Stamme Nadjjar war gestorben und der Prophet hatte das Totengebet für ihn gesprochen. Als er nun aufbrach, hatten die Männer es aber schon wieder bereut, dass sie ihn gegen seinen Willen dazu überredet hatten und sprachen: „O Gesandter Gottes! Wir haben dich dazu überredet, obwohl du es nicht wolltest und wir kein Recht dazu hatten. So bleibe hier, wenn du möchtest!“

Es ziemt sich nicht für einen Propheten“, erwiderte er, „wenn er seine Rüstung einmal angelegt hat, diese wieder auszuziehen, noch bevor er gekämpft hat.“ Mit 1.000 Gefährten machte er sich auf den Weg. Bei Shaut, zwischen Medina und Uhud, trennte sich Abdallah ibn Ubayy vom Propheten und kehrte mit einem Drittel der Männer wieder um, wobei er sprach: „Er hat sich ihnen gebeugt und nicht auf mich gehört. Ich weiß nicht, warum wir uns hier umbringen lassen sollen.“ [Nun waren es noch etwa 700 Muslime, darunter 50 Bogenschützen. Ihnen standen 3.000 Quraish entgegen.]

Als er mit den Heuchlern und Zweiflern, die ihm folgten, zurückzog, ritt Abdallah ibn Amr hinter ihnen her: „Ihr Männer, ich beschwöre euch bei Gott, lasst euer Volk und euren Propheten nicht im Stich, jetzt, da der Feind nahe ist.“ „Wüssten wir“, gaben sie zurück, „dass ihr wirklich kämpfen werdet, würden wir euch nicht verlassen. Wir glauben aber nicht, dass es überhaupt zu einem Kampf kommen wird.“ Sie blieben bei ihrer ablehnenden Haltung und zogen sich weiter zurück. Da verfluchte sie Abdallah ibn Amr: „Ihr Feinde Gottes, macht, dass ihr verschwindet. Gott wird dafür sorgen, dass der Prophet auch ohne euch auskommt.“

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Der Prophet rückte vor, bis er die Schlucht von Uhud an der dem Berg zugewandten Seite erreichte. Er richtete Kamele und Kämpfer nach Uhud aus und erteilte die Weisung, dass keiner kämpfen solle, bevor er es befehle. Die Quraish hatten ihre Pferde und Kamele zur Weide auf die den Muslimen gehörenden Felder von Samgha im Wadi Qanat geschickt und einer der Helfer rief, als der Prophet zunächst zu kämpfen verbot: „Sollen wir ihr Vieh die Felder der Banu Qaila [Banu Aus und Khadzradj] abweiden lassen, ohne dass wir zuschlagen?“

Der Prophet bereitete sich mit seinen 700 Männern zum Kampfe vor. Die Bogenschützen, 50 an der Zahl, unterstellte er dem Abdallah ibn Djubair, der an jenem Tage durch seine weißen Gewänder besonders auffiel und befahl ihm: „Halte uns die Reiterei der Quraish mit den Pfeilen deiner Bogenschützen vom Leibe, so dass sie uns nicht in der Rücken fallen, ob die Schlacht nun zu unseren Gunsten verläuft oder nicht. Halte in jedem Fall deine Stellung, damit sie uns nicht aus deiner Richtung angreifen können!“

Dann legte der Prophet einen zweiten Panzer an und übergab das Banner an Musab, dem Sohn des Umair, einem Bruder des Stammes Abdaddar. Auch die Quraish trafen ihre Vorbereitungen zum Kampf. Sie waren 3.000 Mann und hatten 200 Pferde, die sie auf dem Zug neben ihren Kamelen hergeführt hatten. Der rechte Flügel ihrer Reiterei unterstand dem Khalid ibn Walid und der linke dem Sohn des Abu Djahl, Ikrima.

Der Prophet ergriff sein Schwert und rief: „Wer kann dieses Schwert so gebrauchen, wie es ihm gebührt?“ Einige Männer boten sich ihm an, doch er enthielt es ihnen. Schließlich trat Abu Dudjana, ein Bruder des Stammes Saida, auf ihn zu und fragte ihn: „Was gebührt denn deinem Schwert, o Gesandter Gottes?“ „Es gebührt ihm, dass du solange auf den Feind einschlägst, bis es sich verbiegt“, antwortete ihm der Prophet und Abu Dudjana sprach: „Genauso werde ich es gebrauchen, o Gesandter Gottes.“ Da gab ihm der Prophet das Schwert. Abu Dudjana war ein tapferer Mann und sich seiner Kampfeskraft wohl bewusst. Im-

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mer wenn er seinen Turban anlegte, wussten die anderen, dass er kämpfen werde. Auch damals, nachdem er das Schwert aus der Hand des Propheten entgegengenommen hatte, holte er jenen Turban hervor, band ihn sich um den Kopf und stolzierte zwischen den Linien auf und ab.

Asim ibn Umar berichtete mir weiter folgendes:

Abu Amir hatte sich mit 50, andere behaupten nur mit 15, jungen Männern des Stammes Aus einige Zeit zuvor vom Propheten getrennt und war nach Mekka gegangen. Dort hatte er den Quraish versprochen, dass ihm Falle eines Krieges keine zwei Männer gegen ihn kämpfen würden. Nun als die Quraish und die Muslime aufeinandertrafen, stieß Abu Amir mit den Ahabish und den Sklaven der Mekkaner als erstes auf die Muslime und rief: „Männer vom Stamme Aus! Ich bin Abu Amir!“

Blind sollst du werden, du gottloser Frevler!“, schrien sie zurück und er sprach: „Schlimmes hat meinen Stamm befallen, seit ich ihn verlassen habe.“

Dann kämpfte er verbissen und schleuderte Steine nach ihnen. Abu Sufyan, der Führer der Quraish hatte die Bannerträger der Banu Abdaddar mit folgenden Worten zum Kampf angespornt: „O Söhne des Abdaddar, ihr habt am Tag von Badr unsere Fahne getragen. Was geschah, habt ihr gesehen. Die Männer erleiden immer das Schicksal ihrer Fahne. Geht sie verloren, sind sie es auch. Entweder ihr schützt also unsere Fahne oder ihr übergebt sie uns, damit wir sie für euch schützen.“ Sie waren über diese Worte sehr bekümmert, drohten ihm und sprachen: „Wir sollen dir unsere Fahne übergeben?! Wenn wir morgen auf den Feind treffen, wirst du es erleben, was wir tun.“ Dies aber war es, was Abu Sufyan wollte.

Als sie aufeinandertrafen und gegeneinander vorrückten, schlugen die Frauen der Quraish hinter ihren Männern die Tamburine und spornten sie an. Hind, die Tochter des Utba, rief:

Auf ihr Banu Abdaddar!
Auf zum Schutze der Enkelschar!
Scharfe Hiebe reichet dar!

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Und auch mit folgenden Versen feuerte sie die Männer an:

Kissen werden aus wir breiten
denen, die jetzt vorwärts schreiten.
Die, die aber rückwärts reiten,
meiden wir für alle Zeiten.

Die Männer kämpften bis ein heisses Gefecht entbrannte. Abu Dudjana drang tief in die Schar der Feinde ein und tötete jeden, auf den er stieß. Auch unter den Ungläubigen war ein Mann, der es nicht bei Verwundungen bewenden ließ, sondern jeden ganz erledigte. Die beiden kämpften sich aufeinander zu bis sie sich trafen und zwei Schläge tauschten. Der Ungläubige hieb auf Abu Dudjana ein, doch dieser parierte mit dem Schild und das Schwert des Gegners blieb darin stecken. Da schlug Abu Dudjana zu und traf ihn tödlich. Dann, so erzählte ein Augenzeuge, sah ich, wie er das Schwert über den Scheitel der Hind [einer Quraishitin] hob, es jedoch wieder von ihr wandte.

Abu Dudjana erzählte später selbst: „Ich erblickte eine Person, die die Feinde aufs heftigste zum Kampf anspornte und wandte mich ihr zu. Als ich jedoch das Schwert gegen sie erhob, brach sie in Wehklagen aus und ich merkte, dass es eine Frau war. Ich hatte zu große Ehrfurcht vor dem Schwert des Propheten, als dass ich damit auf eine Frau hätte schlagen können.

Hamza, der Onkel des Propheten, kämpfte, bis er Artat ibn Abdshurahbil, einen der Fahnenträger der Quraish, getötet hatte. Dann lief ihm Siba ibn Abdaluzza über den Weg und Hamza rief ihm zu: „Her mit dir, du Sohn der Mädchenbeschneiderin21!“

21Die Mutter des Siba war eine der Frauen, die im heidnischen Mekka die Mädchen bechnitten. Die Sitte wurde im Islam, mit Ausnahme Ägyptens und des Sudans nicht beibehalten. In Ägypten herrscht heute darüber eine Auseinandersetzung mit den Rechtsgelehrten.

[Diese Information ist leider falsch. Alle muslimischen Männer werden im Kindesalter beschnitten. Dies ist in meinen Augen nichts anderes als Kindesmisshandlung bzw. Körperverletzung im Namen der Religion Im Islam und im Judentum werden alle Jungen beschnitten. Die Juden beschneiden die Neugeborenen acht Tage nach der Geburt. Die Muslime beschneiden die Jungen im Alter von 12 bis 14 Jahren. Die Beschneidung ist eine grausame und sehr schmerzhafte Prozedur. Im größten islamischen Staat, in Indonesien, (dort leben 238 Millionen Menschen, in Saudi-Arabien leben nur 27 Millionen Menschen) sind 98 Prozent aller Mädchen beschnitten. In Afrika wird die Beschneidung in 28 Staaten, vornehmlich in islamischen Staaten, praktiziert. In sieben afrikanischen Ländern, in Dschibuti, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone, Somalia und im Norden des Sudan, ist die Beschneidung fast flächendeckend verbreitet. Über 90 % der Frauen sind dort beschnitten. Die weibliche Beschneidung ist in der Regel noch grausamer als die Beschneidung der Jungen und mit großen körperlichen und seelischen Folgeschäden verbunden. Die Zwangsbeschneidung von Jungen und Mädchen ist und bleibt ein barbarischer Akt gegen das Selbstbestimmungsrecht der Menschen, denen dieses Leid zugefügt wird. (Quelle: Beschneidung weiblicher Genitalien, siehe auch: Beschneidung ist Genitalverstümmelung)]

Sie stießen aufeinander. Hamza aber hieb auf ihn ein und tötete ihn. Washi, der abessinische Sklave des Quraishiten Djabair, erzählte später: „Ich sah, wie Hamza mit seinem Schwerte die Kämpfer niederstreckte, ohne auch nur einen auszulassen, alle wie ein dunkelfarbiges Kamel überragend. Noch bevor ich ihn erreichte, trat Siba ihm entgegen, doch Hamza rief ihm zu: „Nur her zu mir,

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du Sohn der Mädchenbeschneiderin!“ und versetzte ihm einen tödlichen Hieb, so schnell, dass man glauben konnte, er hätte seinen Kopf gar nicht berührt. Dann schwang ich meine Lange, zielte genau und warf sie auf Hamza. Sie traf ihn in den Unterleib und trat ihm zwischen den Beinen wieder hervor. Er versuchte noch auf mich zuzulaufen, brach jedoch zusammen. Ich ließ mir Zeit, bis er gestorben war, dann trat ich zu ihm hin, nahm meine Lanze wieder an mich und begab mich zurück zu unserem Lager, da mich außer ihm kein anderer unter den Gegnern interessierte.“

Danach sandte Gott den Muslimen seine Hilfe und erfüllte sein Versprechen. Sie hieben die Feinde nieder, bis diese von ihrem Lager abgeschnitten waren und sich eine sichere Niederlage für sie anbahnte.

Yahya ibn Abbad ibn Abdallah ibn Zubair erzählte mir folgende Schilderung, die auf seinen Urgroßvater zurückgeht:

Ich sah, wie die Dienerschaft und die Begleiterinnen der Hind ihre Gewänder schürzten und flohen. Nichts hinderte uns mehr daran, sie zu ergreifen, als sich unsere Bogenschützen plötzlich dem feindlichen Lager zuwandten, von dem wir den Gegner getrennt hatten. Dadurch entblößten wir unsere rückwärtige Deckung und die feindliche Reiterei fiel von hinten über uns her. Einer rief: Muhammad ist tot!“ Sogleich zogen wir uns zurück und der Feind kehrte wieder um, nachdem wie seine Fahnenträger bereits getötet hatten, so dass keiner sich mehr dem Banner nähern konnte.

[Im Zeichen des sicheren Sieges verließen die muslimischen Bogenschützen den ihnen von Mohammed zugewiesenen Platz, um das feindliche Lager zu plündern. Tilman Nagel schreibt über das undisziplinierte Verhalten der muslimischen Bogenschützen auf Seite 354: „In die Darstellung des Geschehens sind Motive aus der Badr-Erzählung eingedrungen, so etwa, dass die Beutegier der Gläubigen einen fast schon errungenen Sieg zunichte gemacht hatte. Bei Badr war die vorschnelle Inbesitznahme der Gefangenen zu tadeln gewesen (Sure 8,67) Ferner sollen bei Uhud die Streiter Mohammeds von Schläfrigkeit befallen worden sein, nicht aber die Feinde. Und die Engel seien diesmal der Partei des Gesandten Allahs nicht zur Hilfe geeilt. Man focht mit äußerster Härte und Erbitterung. „Töte“, lautet die Kampfesparole der Gläubigen und schreckte auch vor Verstümmelungen der gefallenen Gegner nicht zurück.

Gerhard Konzelmann berichtet auf Seite 142 über das Verhalten der quraishitischen Frauen nach der Schlacht: „Die Männer des Quraish-Stammes waren erschöpft nach diesem Erfolg, an den sie selbst nicht mehr geglaubt hatten. Jetzt war die Stunde der Frauen gekommen. Sie verstümmelten die Leichen der gefallenen Moslems durch Abschneiden von Nasen, Ohren und Geschlechtsteilen. Die Leichenstücke wurden von den Frauen getrocknet und später als Schmuckstücke um Hals und Arme getragen. Es gab auch noch weitere Verstümmelungen“. Weiter berichtete er: „Hint, die Frau des quraishitishen Kommandeurs Abu Suyan, riss einem Toten die Leber heraus und biss hinein. Sie galt fortan bei den Moslems als besonders scheussliches Beispiel einer Feindin der wahren Religion“.

Tilman Nagel dagegen berichtet auf Seite 355 davon, dass Wahsi, ein abessinischer Sklave den Onkel Mohammeds, Hamza Abdallmuttalib, tötete und ihm die Leber aus dem Körper trennte.]

Ein Überlieferer berichtete mir:

Die Fahne lag am Boden, bis Amra, die Tochter des Alqama, sie für die Quraish wieder aufhob und diese sich um sie scharten. Der letzte, der sie davor gehalten hatte, war Suab, ein abessinischer Sklave. Er kämpfte, bis ihm die Hände abgeschlagen wurden. Er beugte sich über die Fahne nieder und hielt sie zwischen Brust und Hals, bis er, Gott um Vergebung bittend, getötet wurde.

Nachdem die Muslime von ihrer Deckung entblößt waren, fügte ihnen der Feind große Verluste zu. Es war ein Tag der

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Heimsuchung und Prüfung, an den Gott viele Muslime mit dem Märtyrertod ehrte. Schließlich drangen die Feinde bis in die Nähe des Propheten vor. Er wurde von einem Stein getroffen und fiel auf die Seite. Dabei verlor er einen seiner Schneidezähne und wurde im Gesicht und an der Lippe verletzt.

Humaid, genannt der Lange, erzählte mir von Anas ibn Malik folgendes:

In der Schlacht von Uhud verlor der Prophet einen Schneidezahn und wurde im Gesicht verwundet. [Jetzt weiß ich auch, warum man Mohammed immer nur mit geschlossenem Mund zeichnet.] Als ihm das Blut über das Antlitz rann und er es abwischte, sprach er: „Wie kann ein Volk gedeihen, dass seinen Propheten das Gesicht mit Blut färbt, während er es zum Glauben an den Herrn aufruft!“ Gott offenbarte darüber den Koranvers: „Es ist nicht deine Sache, ob er ihnen vergibt oder sie bestraft. Es sind Frevler (Sure 3,128).

[Gerhard Konzelmann beschreibt die Situation in seinem Buch auf Seite 141 wie folgt: „Ehe die Bogenschützen begriffen was vorging, waren sie schon von den angreifenden Reitern erschlagen. Was Mohammed hatte verhindern wollen, das traf ein: Die gegnerische Reiterei befand sich im Rücken der Moslems. Da gab es keine Kampfeslinie mehr um den Feind aufzuhalten. Die Quraish-Reiter waren überall und trieben die Moslemgruppen auseinander. Als dann noch der Schrei zu hören war „Mohammed ist tot!“ da brach der Widerstand zusammen. Die Moslems flohen ohne Besinnung in Richtung Medina. Niemand besaß die Kraft, sie aufzuhalten.

Mohammed war aber nicht tot. Er war nur verwundet und blutete. Das Visier seines Gesichtsschutzes war ihm in dem Mund gedrungen und hatte ihm die Schneidezähne ausgebrochen. Die Überlieferungen sind sich nicht einig, ob Mohammed von einem Schwertstreich oder von einem Steingeschoß getroffen worden war. Mit Hilfe seiner Begleiter gelang ihm die Flucht auf die Anhöhe des Hügels Uhud. Seine Korpulenz, so wird von den frühen Chronisten ganz ehrlich berichtet, sei ihm dabei sehr hinderlich gewesen.“

Tilman Nagel schreibt auf Seite 356: „Als man die Muslime endlich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass Mohammed noch lebte, war es mit dem kopflosen Flüchten vorbei, aber eine Wende vermochte man dem Kampf nicht mehr zu geben. Statt den Sieg zu nutzen, zogen sich die Mekkaner zurück und verschafften den Muslimen dadurch die Gelegenheit, ihre Kräfte zu sammeln und den Abrückenden zu folgen.]

Hussain ibn Abdarrahman erzählte mir von Mahmud ibn Amr:

Als die Feinde den Propheten zu überwältigen suchten, rief dieser aus: „Wer opfert sich für uns?“ Ziyad ibn Sakan machte sich mit fünf anderen Helfern auf und kämpfte für den Propheten, bis einer nach dem anderen fiel und schließlich nur noch Ziyad übrig war. Er kämpfte allein weiter, bis es ihm seine Wunden verboten. Da kehrte eine Gruppe Muslime zurück und vertrieb die Gegner. Der Prophet ließ ihn zu sich bringen und sein Haupt auf sein Bein legen. In dieser Haltung starb er.

Der erste, der nach der Niederlage und dem Gerücht, der Prophet sei gefallen, diesen erkannte, war Kab ibn Malik. „Ich erkannte ihn“, so erzählte er später, „an seinen Augen, die unter dem Helm hervorleuchteten. Ich rief so laut ich konnte: „O ihr Muslime, seid frohen Mutes! Dies ist der Gesandte Gottes!“ Der Prophet indes gab mir ein Zeichen, still zu sein. Nachdem die Muslime alle den Propheten erkannt hatten, trugen sie ihn hinauf zur Schlucht. Bei ihm waren Abu Bakr, Umar, Ali, Talha, Zubair und einige andere Muslime. Am Eingang

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der Schlucht entfernte sich Ali, füllte am Brunnen sein Schild mit Wasser und brachte es dem Propheten zu trinken. Dieser fand es jedoch zu übelriechend, so dass er nicht davon trank und sich nur das Blut vom Gesicht wusch. Er goß sich das Wasser über den Kopf und sprach dabei: „Gewaltig ist Gottes Zorn gegen den, der das Gesicht des Propheten bluten ließ!“ Während der Prophet mit seinen Gefährten in der Schlucht war, kam plötzlich eine Gruppe Quraishiten den Berg herauf und der Prophet warnte: „O Gott! Sie dürfen nicht höher kommen als wir!“

Sogleich stellte sich Umar mit einigen anderen Auswanderern den Quraish kämpfend entgegen und trieb sie wieder den Berg hinab. Der Prophet selbst versuchte, am Berg auf einen Felsen zu steigen, doch hatte ihn sein Alter korpulent werden lassen, so dass er mit seinen beiden Panzern nicht hinaufkam. Da kauerte sich Talha nieder und hob den Propheten hoch, bis er bequem oben sass. „Talha hat sich damit das Paradies verdient“, sprach darauf der Prophet.

Asim ibn Umar erzählte mir von Mahmud ibn Labid folgendes:

Als der Prophet nach Uhud zog, suchten inzwischen Husail ibn Djabar und Tabit ibn Waqsh mit den Frauen und Kindern Schutz in den Verteidigungsburgen von Medina. Dort unterhielten sich die beiden Männer und der eine sagte zum anderen: „Was soll das? Worauf warten wir? Keiner von uns hat noch länger zu leben als ein Esel trinkt. Wir werden ohnehin heute oder morgen sterben. Warum nehmen wir nicht gleich unsere Schwerter und folgen dem Propheten? Vielleicht wird Gott uns den Märtyrertod an seiner Seite schenken.“

Sie griffen sich ihre Schwerter, machten sich auf den Weg und mischten sich, ohne dass man sie erkannte, unter die Kämpfer. Den Thalid erschlugen die Heiden, während Husail den Schwertern der Muslime zum Opfer fiel, die ihn nicht als einen von ihnen erkannt hatten. Da rief sein Sohn Hudhaifa: „Das ist mein Vater!“ Bei Gott, wir wussten es nicht“, erwiderten sie wahrheitsgemäß und Hudhaifa sprach: „Gott möge euch vergeben, denn er ist der Allbarmherzige.“ Der Prophet wollte dem Hudhaifa die Blutschuld für seinen Vater bezahlen, doch Hudhaifa spendete sie als Almosen für die Muslime, was ihn in des Propheten Gunst noch steigen ließ.

Salih ibn Kaisan überlieferte mir folgendes:

Hind, die Tochter des bei Badr gefallenen Utba und die sie begleitenden Frauen verstümmelten die Leichen der gefallenen Prophetengefährten und schnitten ihnen Ohren und Nasen ab. Hind machte Fußreifen und Armbänder daraus und schenkte sie Washi, den Sklaven des Djubair. Hamza dem Oheim des Propheten, den Washi getötet hatte, schnitt sie die Leber aus, kaute sie, konnte sie aber nicht hinuterschlingen und warf sie weg. Dann stieg sie auf einen hohen Felsen und schrie, so laut sie konnte:

Wir haben euch zurückgezahlt die Badr-Schlacht,
denn jeder zweite Krieg noch größre Glut entfacht.
Utbas Tod ließ mich nicht ruhen eine Nacht;
auch Sohn und Bruder hattet ihr mir umgebracht.
Den Durst hab' ich gestillt und wahr den Schwur gemacht.
Du, Washi, hast mit Kühlung mir mein Herz bedacht.
Dir gebührt mein Dank, solang in mir ein Leben wacht,
bis meine Knochen faulen in des Grabes Schacht.

Auch die folgenden Verse sprach Hind:

In Uhud hab' ich die Rache an Hamza gefunden,
Hab' ihm die Leber aus seinem Körper gewunden.
Dies hat mich von heftiger Trauer entbunden,
die mir gar schmerzlich und lange das Herz hat geschunden.
Wie Löwen oder wie eisiger Regen in Winterstunden
kommt der Krieg über euch mit Tod und mit Wunden.

Bevor Abu Sufyan mit den Quraish das Schlachtfeld verließ, stieg er auf den Berg und rief mit lauter Stimme:

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Ihr habt vorzüglich gekämpft! Im Krieg wird eine Schlacht durch die nächste vergolten. Zeige deine Überlegenheit, Hubal!“ [Hubal war der Hauptgott der Quraishiten, dessen aus rotem Karneol (Schmuckstein) gefertigtes Bild in der Kaaba stand.]

Der Prophet ließ Umar darauf mit den Worten erwidern: „Gott ist erhabener und mächtiger als der Götze Hubal21.1. Wir sind nicht gleich. Unsere Toten sind im Paradies, die euren in der Hölle!“ Auf diese Antwort hin bat Abu Sufyan den Umar, zu ihm herüberzukommen. Der Prophet riet Umar, zu ihm zu gehen. Bei ihm angekommen fragte ihn Abu Sufyan: „Haben wir Muhammad getötet?“ „Bei Gott, nein! Er kann sogar hören, was du gerade gesagt hast“, entgegnete ihm Umar und Abu Sufyan fuhr fort: „Ich glaube dir mehr als Ibn Qamia.“ Ibn Qamia hatte gegenüber den Quraish behauptet, er habe Muhammad getötet. Dann rief Abu Sufyan zu den Muslimen hinüber: „Es gab Verstümmelungen an euren Gefallenen. Wahrlich, mir ist das weder recht noch unrecht und ich habe es weder verboten noch befohlen.“ Und als er mit seinen Leuten abzog, rief er den Muslimen noch zu: „Nächstes Jahr treffen wir uns wieder bei Badr.“

21.1[Zu diesem ganzen religiösen Fanatismus fallen mir eigentlich nur die Worte des britischen Autors Richard Dawkins ein, der in seinem Buch Der Gotteswahn schrieb: „Der Gott des Alten Testaments ist die unangenehmste Gestalt der gesamten Dichtung: eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontroll-Freak; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinds- und völkermörderischer, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“ Trifft dies nicht nicht mehr oder weniger auf alle Religionen zu? Und dann auch noch die kindliche Vorstellung, die einen seien in der Hölle und die anderen im Himmel.

Oder die fanatische Vorstellung, man käme durch den Märtyrertod direkt ins Paradies. Wie verblendet und naiv muss man eigentlich sein, um an einen solchen Unsinn zu glauben? Dr. Heinz Gstrein, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Orthodoxer Kirchen in der Schweiz, sagte am 6. Juni 2009 in einem Vortrag: „Auch wir Christen sind nicht frei von blutrünstigen Verirrungen. Unsere Kreuzritter haben wie heute die islamischen Selbstmordattentäter geglaubt, dass ihnen als Lohn der Himmel verheißen ist.“ Religionen funktionieren scheinbar immer nach demselben Prinzip. Aber zum Glück haben die Christen aus ihren Fehlern gelernt. Auch dem Islam wird dieser Lernprozess nicht erspart bleiben.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch ein paar Anmerkungen zu den Vorstellungen des Paradieses machen, wie es im Koran und in den Hadithen beschrieben wird:

Im Paradies fließen „Ströme von Wasser, Milch, Wein und Honig“ (Sure 47,15). Die Gläubigen tragen schöne Gewänder aus Brokat und Seide (Sure 35,33) und sind mit Goldschmuck geschmückt (Sure 18,31; Sure 76,21) Sie haben „Armringe aus Gold“ und „sind mit Perlen geschmückt“ (Sure 35,33)

Auf Polstern, die mit Gold durchwoben sind, lehnen (sie) auf diesen einander gegenüber. Bedient werden sie von Jünglingen, die nicht altern, mit Humpen und Kannen (voll Wein) und einem Becher (voll) von Quellwasser (zum Beimischen), (mit einem Getränk) von dem sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken werden, und (mit allerlei) Früchten, was (immer) sie wünschen, und Fleisch von Geflügel, wonach (immer) sie Lust haben. Und großäugige Huris (Paradiesjungfrauen) haben sie zu ihrer Verfügung, (in ihrer Schönheit) wohlverwahrten Perlen zu vergleichen.

Und die zur Rechten - was (wißt ihr) von denen, die zur Rechten sein werden?  Sie befinden sich an Lotusbäumen, die der Dornen entblößt sind, und dicht (mit Laub) besetzten Akazien (bzw. Bananenbäumen), in weit reichendem Schatten, an Wasser, das sich (über das Erdreich) ergießt, mit vielen Früchten, (die sie) ununterbrochen und unbehindert (zu ihrer Verfügung haben), und dick gepolsterten Betten. (Und Huris stehen zu ihren Diensten.) Wir haben sie regelrecht geschaffen und sie zu Jungfrauen gemacht, heiß liebend und gleichaltrig. (Sure 56,15-38)

    Wir geben ihnen großäugige Huris als Gattinnen“ (Sure 52,20).

    Darinnen befinden sich auch, die Augen sittsam niedergeschlagen, weibliche Wesen, die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn (Geister) entjungfert hat.“ (Sure 55,56).

    Sie sind so strahlend schön, wie wenn sie aus Hyazinth und Korallen wären“ (Sure 55,57)

    Houris, in den Zelten abgesperrt ... die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn entjungfert hat.“ (Sure 55,72-74)

    Die Gottesfürchtigen dagegen haben große Glück zu erwarten, Gärten und Weinstöcke, gleichaltrige Houris mit schwellenden Brüsten ...“ (Sure 78,31-33)

Huri“ oder „Houri“ ist von dem arabischen Begriff „hur“ abgeleitet und bedeutet: „diejenigen, in deren Augen das Weiße und das Schwarze stark hervortreten“. Mit diesem Ausdruck wird auf die besondere Schönheit dieser Frauen hingewiesen. Diese paradiesische Frauen werden keinen anderen Mann anblicken als ihren Gemahl und sie werden in ihren Zelten zurückgezogen leben.

Nach der Überlieferung von Abu Musa sollen den Muslim im Paradies 72 Jungfrauen erwarten (Lexikon des Islam, Fourier Verlag, Wiesbaden, vgl. auch Mishkat 3. Kapitel):

    „... er wird 72 Frauen haben.“

Dass es sich nicht um die Ehefrauen handelt, deuten verschiedene Aspekte an:

„Wir haben sie regelrecht geschaffen und sie zu Jungfrauen gemacht ... heiß liebend und gleichaltrig“ (56,35-37),

„mit schwellenden Brüsten“ (78,33),

„Hyazinthen und Korallen vergleichbar“ (55,58),

„die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn (Geister) entjungfert haben“ (55,56).

Quelle: Paradiesvorstellungen und Koran Sure 56

Der Wiener Philosoph, Buchautor und Theaterwissenschaftler Thomas Maul sagte in seiner Rede auf der „Kritischen Islamkonferenz 2008“ wohl zu recht: „Der Islam ist eine Ideologie, die existentiell auf Koitus und Gewalt gründet.“]

Der Prophet ließ durch einen seiner Gefährten seine Zustimmung dazu bekunden. Dann schickte er Ali hinter den Mekkanern her und trug ihm auf: „Folge ihnen und achte darauf, was sie tun und was sie vorhaben! Wenn sie auf ihren Kamelen reiten und die Pferde seitlich mitführen, wollen sie nach Mekka zurückkehren. Reiten sie aber auf den Pferden und führen die Kamele, wollen sie nach Medina. Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, wenn sie letzteres beabsichtigen, werde ich gegen sie ziehen und mit ihnen kämpfen!“

Als Ali zurückkehrte, berichtete er, dass sie die Pferde führten und auf den Kamelen ritten und in Richtung Mekka zögen, Der Prophet, so wurde mir überliefert, machte sich danach auf der Suche nach [seinem Onkel] Hamza und fand ihn im Grunde des Wadis, die Leber aus dem Körper gerissen, verstümmelt und ohne Nase und Ohren. Als er dies sah sprach er: „Wäre es nicht wegen der Trauer seiner Schwester Safiya und weil es nach meinem Tod Sitte werden könnte, ich würde ihn

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so liegen lassen als Nahrung für die wilden Tiere und die Vögel. Wahrlich wenn Gott mir eines Tages den Sieg über die Quraish schenkt, werde ich dreißig Männer von ihnen verstümmeln!“

Und die Muslime schworen, als sie die Trauer und den Zorn des Propheten auf die Mörder seines Oheims bemerkten: „Bei Gott, wenn Gott uns eines Tages über sie siegen lässt, werden wir sie verstümmeln, wie noch nie ein Araber jemanden verstümmelt hat.“

Buraida ibn Sufyan berichtete mir von Muhammad ibn Kab folgendes; das gleiche erfuhr ich von einem anderen vertrauenswürdigen Überlieferer, der sich auf die Aussagen Ibn Abbas stützte:

Über die Drohungen des Propheten und seiner Gefährten sandte Gott den Koranvers herab: „Wenn ihr straft, so straft, wie man euch gestraft hat! Wenn ihr aber geduldig seid, ist es besser für euch. Sei geduldig! Durch Gott wirst du geduldig sein. Sei nicht traurig über sie und lass dich durch die Ränke, die sie schmieden, nicht bedrücken!“ (Sure 16,126)

Da verzieh ihnen der Prophet, war geduldig und verbot das Verstümmeln. Sodann wollten die Leute ihre Gefallenen nach Medina bringen, um sie dort zu bestatten. Doch der Prophet verwehrte es ihnen und befahl sie dort zu begraben, wo sie gefallen waren.

Zuhri berichtetet mir von Udhri, einem Bundesgenossen der Sippe Zuhra:

Als der Prophet über die Gefallenen von Uhud blickte, sprach er: „Ich bezeuge für sie, dass jeder, der um Gottes Willen verwundet wurde, am Tag der Auferstehung auferweckt wird mit rot blutenden und nach Moschus duftenden Wunden. Seht, wer von ihnen am meisten aus dem Koran beherrschte und legt ihm im Grab jeweils vor die anderen.“

Sie bestatteten jeweils zwei und drei Männer zusammen. Die Schlacht von Uhud fand am Samstag in der Mitte des Monats Shawwal (im Jahre 3) statt. Es war ein Tag der Heimsuchung, des Unglücks und der Prüfung, mit dem Gott die Gäubigen auf die Probe stellte und die Heuchler in Versuchung führte,

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die ihren Glauben nur mit der Zunge bekannten, ihren Unglauben aber im Herzen verbargen. Und es war ein Tag, an dem Gott diejenigen mit dem Märtyrertod auszeichnete, die er damit ehren wollte. Insgeamt wurden in der Schlacht von Uhud 65 Muslime getötet, sowohl Auswanderer wie Helfer. Von den Ungläubigen fielen 20 Männer.

45. Gedichte über die Schlacht von Uhud Top

Zu den Gedichten, die über die Schlacht von Uhud verfasst wurden, gehören die folgenden Verse des Kab ibn Malik, in denen er Hamza und andere bei Uhud gefallenen Muslime beweinte:

Du weinst und möchtest doch nur weiter klagen
und die Erinnerung dir nicht versagen
an jene Männer, deren Kunde dich er-
reichte, in diesen gar verdrehten Tagen;
die Erinn'rung lässt dein Herz erbeben,
aus Sehnsucht und aus Trauer ganz verzagen.
Indes, die Toten werden hochgeehrt in
sel'gen Gärten droben mit Gelagen
für das, was an des Wadis Ufer unter
dem Prophetenbanner sie ertragen
haben an dem Morgen, da die Aus und Khaz-
radj nahmen ihre Schwerter ohne Klagen.
Die Gefolgschaft des Gepriesnen war entschlossen,
für die klare Wahrheit jeden Kampf zu wagen,
und sie ließ nicht nach, umringt von Staubeswolken,
auf den kühnen Gegner einzuschlagen,
bis der König sie zu jenen Gärten rief,
an deren Eingang hoch die dichten Bäume ragen.
Alle starben und bestanden ihre Prüfung,
ohne ihrem Glauben zu entsagen:
so hat mit seinem scharfen Schwerte Hamza

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in der Schlacht getreu die Pflicht getragen;
es traf von Naufal ihn der große Sklave
so wie dunkle Dromedare alle überragen,
und er konnte ihn die flammengleiche
helle Lanze durch den Körper jagen.
Auch Numan erfüllte sein Versprechen,
und auch Hanzala tat nie verzagen
an die Wahrheit, bis sein Geist zu einer
prächtgen goldnen Wohnstatt ward getragen.
Eure Toten aber, ihr Quraish, sie wer-
den in der tiefsten Hölle brennend klagen.

Der gleiche Dichter drückte seine Trauer über den Tod Hamzas auch mit folgenden Versen aus, in denen er Safiya, Hamzas Schwester, anspricht:

Auf, Safiya, sei nicht schwach und laß die
Frauen ihre Klagen über Hamza mehren!
Laß nicht nach im Weinen über diesen
Löwen Gottes in den kampfgeprüften Heeren.
Er war die Stärke für unsre Waisen, der
wie der Leu (Löwe) es verstand, im Kampf sich zu wehren,
dem Prophet zu gefallen und um den
mächtigen Herrn des Thrones zu ehren.

Auf der Gegenseite pries Amr ibn As den Sieg der Quraish bei Uhud mit folgenden Worten:

Gleich einem um den Berg gewundnen Gürtel ist das Heer,
aus unfruchtbarer Wüste kommend, gegen euch geritten.
Dort wünschte sich der Stamm Nadjjar in seiner Dummheit,
uns zu treffen; manchmal gehen in Erfüllung solche Bitten!
Nichts schreckte sie in ihrem Übel, außer dass auf einmal aus der
Schlucht von uns die Reiterscharen eilends vorwärtsschritten.
Sie wollten unsre Zelte plündern, noch bevor sie sie
erreichten, brenned heiße Hiebe auf sie niederglitten;
und es blieben liegen dort vom Stamme Khazradj
Männerköpfe wie Melonenscheiben aufgeschnitten.

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Ja, schon immer haben wir verteidigt unsre Zelte
und schon manche haben unter unsrem Zorn gelitten.

46. Der Kampf am Brunnen von Mauna im Februar 626 Top

Der Prophet blieb den Rest des Monats Shawwal sowie die Monate Dhu l-Qada, Dhu l–Hidjja und Muharram in Medina. Vier Monate nach der Niederlage von Uhud schickte er dann jene Gruppe von Gefährten auf den Weg, die am Brunnen von Mauna niedergemetzelt wurden.

Über diese Vorgänge habe ich von meinem Vater Ishaq, von Abdallah ibn abi Bakr und von anderen Gelehrten die folgende Darstellung erhalten. Mein Vater stützte sich dabei auf die Aussagen des Mughira, des Sohnes des Andarrahman:

Abu l-Bara, genannt der „Speerspieler“, kam eines Tages zum Propheten nach Medina, der ihm den Islam erklärte und ihn einlud, sich dazu zu bekehren. Abu l-Bara nahm den Islam zwar nicht an, war in seiner Einstellung jedoch nicht mehr weit davon entfernt und sprach: „Muhammad, wenn du einige deiner Gefährten zu den Bewohnern des Nadjd (Nadschd) [etwa 600 km nordöstlich von Medina] schickst und diese zur Bekehrung aufforderst, werden sie, so glaube ich, den Islam annehmen.“ „Ich fürchte, sie werden meine Männer töten“, entgegnete der Prophet, doch Abu l-Bara fuhr fort: „Ich garantiere für ihre Sicherheit. Schicke sie nur los und lasse sie bei den Bewohnern für deine Sache werben!“

Da sandte der Prophet den Mundhir ibn Amr, genannt „Der-schnell-den-Tod-sucht“, einen Bruder des Stammes Saida, zusammen mit 40 Gefährten aus der Reihe der besten Muslime. Sie zogen los, bis sie den Brunnen von Mauna in der Gegend zwischen dem Gebiet des Stammes Amir und der Lavawüste des Stammes Sulaim erreichten und haltmachten. Von dort schickten sie den Haram ibn Milham mit einem Schreiben des

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Propheten zu Amir ibn Tufail, dem „Feind Gottes“. Dieser sah sich den Brief jedoch nicht einmal an, sondern stürzte sich sogleich auf Haram und tötete ihn. Dann rief er die Banu Amir gegen die Prophetengefährten zur Hilfe, doch weigerten sich diese mit dem Argument, sie wollten das Schutzversprechen, das Abu l-Bara ihnen abgenommen hatte, nicht verletzen.

Darauf wandte er sich an die Usayya, Ril und Dhakwan, Untergruppen des Stammes Sulaim, um Unterstützung. Diese kamen seinem Wunsch nach. Sie zogen zu den Muslimen und umringten sie an ihrem Lagerplatz. Als diese die Angreifer bemerkten, ergriffen sie ihre Schwerter und kämpften, bis sie alle, außer Kab ibn Zaid, den Tod gefunden hatten. Diesen ließen sie mit einem letzten Funken Leben im Körper liegen. Schwer verwundet fand man ihn dann später unter den toten Muslimen. Er lebte noch bis zur Grabenschlacht [im Jahre 627 in Medina], in der er als Märtyrer fiel.

Amr ibn Umayya und ein Helfer vom Stamme Amr waren während des Kampfes mit den Kamelen der Muslime auf der Weide und erst die über das Lager kreisenden Vögel kündeten ihnen von dem Unheil, dass ihre Gefährten getroffen hatte. „Bei Gott, diese Vögel bedeuten Schlimmes!“ sagten sie und begaben sich zurück, um nachzusehen. Da lagen ihre Gefährten im Blut, und die Reiterschar, die sie getötet hatte, hielt noch daneben.

Was meinst du, sollen wir tun?“, fragte der Helfer den Amr ibn Umayya: „Ich glaube, wir sollten zum Propheten zurückkehren und ihm erzählen, was geschehen ist.“ „Ich kann mich nicht von einem Ort entfernen, an dem Mundhir getötet wurde und möchte nicht, dass man so etwas von mir erzählt.“ Mit diesen Worten begann der Helfer zu kämpfen, bis er fiel. Den Amr ibn Umayya nahmen sie gefangen, doch ließ ihn Amir ibn Tufail wieder frei, als er ihm erzählte, dass er zum Stammesverband der Mudar gehörte. Er schnitt ihm nur die Stirnlocke21.2 ab und entließ ihn aufgrund eines Gelübdes seiner Mutter, so behauptete er, die sich zur Freilassung eines Gefangenen verpflichtet hatte.

21.2[Das Abschneiden der Sirnlocke war nicht nur ein Zeichen der Erniedrigung, sondern die Stirnlocke hatte eine religiöse Bedeutung. Tilman Nahel schreibt auf Seite 552, dass man während der Regierungszeit des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab (634-644) allen Christen die Stirnlocke abschnitt, um ihren minderen machtlosen Rang sichtbar zu machen. Siehe auch Der unselige Pakt von Umar]

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Amr ibn Umayya machte sich auf den Rückweg. Bei Qarqara, am Anfang des Wadi Qanat, tauchten zwei Männer von Stamme Amir auf und lagerten mit Ibn Umayya im Schatten. Die beiden Amiriten waren mit dem Propheten durch ein Schutzversprechen verbunden, wovon Ibn Umayya aber nichts wusste. Er hatte sie nach ihrer Stammeszugehörigkeit gefragt und erfahren, dass sie zu den Amir gehörten. Er wartete, bis sie schliefen. Dann stürzte er sich auf sie und brachte sie um. Dabei war er im Glauben, er hätte damit die Ermordung der Prophetengefährten gerächt.

Zurück in Medina erzählte er dem Propheten, was geschehen war, doch dieser rief aus: „Du hast zwei Männer getötet, für die ich nun die Blutschuld bezahlen muss.“ Und er fuhr fort: „An diesem ganzen Unternehmen ist Abu l-Bara schuld. Ich selbst wollte es nicht und habe solch einen Ausgang befürchtet.“

Als Abu l-Bara davon erfuhr, dass Amir ibn Tufail sein Versprechen ihm gegenüber nicht gehalten hatte und dass nun seinetwegen so viele Gefährten des Propheten den Tod gefunden hatten, bedrückte ihn dies sehr.

47. Die Vertreibung der Banu Nadir [August 625 n. Chr.] Top

[Die Vertreibung des jüdischen Stammes der Banu Nadir aus Medina fand im August 625 n. Chr. statt. Zuvor gab es aber noch zwei Ereignisse, die nicht in der (meiner) Prophetenbiographie erwähnt werden. Im Juli 624 gab es eine Auseinandersetzung mit den arabischen Stämmen der Banu Sulaim und Banu Gatafan. Ausserdem ließ Mohammed einen erneuten Karawanenüberfall ausführen. Tilman Nagel berichtet auf Seite 353 von folgenden Ereignissen:

Anfang Juli 624 wurde in Medina bekannt, dass sich etwa 200 km südöstlich an der von Mekka nach as-Sam führenden Pilgerstraße die Banu Sulaim und die Banu Gatafan zusammenrotteten. Das konnte angesichts des Kriegszustandes nichts gutes bedeuten. Mohammed eilte mit Tempo in jene Gegend, traf dort aber nur große Viehherden und etliche Hirten an. Deren Stammesgenossen hatten sich zum Wasserholen entfernt. Die Zahl der Kamele, die Mohammed in die Hände fielen, waren so hoch, dass nach der Einbehaltung des für ihn selber bestimmten Beutefünftels, jeder der etwa 200 „Gläubigen“ um sieben Tiere reicher war. (Es waren insgesamt also 1.750 Kamele, wovon Mohammed 350 Kamele erhielt.) Es lohnte sich mithin, für die Sache des Ialams zu kämpfen.

Die Küstenstraße nach as-Sam war für die Handelskarawanen nicht mehr nutzbar, seit Mohammed die dort lebenden Stämme zu Bündnispartnern gewonnen hatte. Jetzt schnitt er auch die Inlandsroute nach Norden ab. Es blieb den Mekkanern nichts anderes als das Wagnis einzugehen, die Wüstengebiete, die man gewöhnlich mied, zu durchqueren. Überdies war dieser Weg nicht im Sommer gangbar, der seit alters her üblichen Zeit der Karawanan nach as-Sam, sondern nur im Winter. Safwan ibn Umaija aber wollte sich auf das Risiko einlassen. In Medina erfuhren die Banu Nadir von dieser Unternehmung und durch einen Zuträger gelangte die Neuigkeit auch zu Mohammed. Dieser schickte seinen Sklaven Zaid ibn Harita mit 100 Mann los. Die Karawane wurde gestellt und ausgeraubt. Das Beutefünftel (für Mohammed) belief sich auf 20.000 Silberdirhem, woraus sich errechnen lässt, dass auf jeden Beteiligten ein hübsches Sümmchen entfiel.“]

Nun zurück zur Vertreibung des jüdischen Stammes der Banu Nadir aus Medina.

Yazid, der Sohn Rumans, berichtete mir über die Vertreibung des Stammes der Nadir folgendes:

Sodann begab sich der Prophet zu dem jüdischen Stamm der Banu Nadir. Er wollte sie bitten, ihm bei der Bezahlung der Blutschuld für jene beiden Männer zu helfen, die Amr ibn Umayya zuvor umgebracht hatte. Muhammad war dazu verpflichtet, da ihn mit den beiden Ermordeten ein Schutzversprechen verbunden hatte. Andererseits waren die beiden Stämme, Nadir und Amr Bundesgenossen. Als der Prophet nun mit seiner Bitte zu den Banu Nadir kam, erklärten sie sich bereit, ihm zu helfen. Dann zogen sie sich zur Beratung zurück und sprachen zueinander:

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In eine so günstige Lage bekommen wir diesen Mann nie wieder“, der Prophet saß nämlich neben der Wand eines ihrer Häuser. „Wer steigt also auf das Haus, wirft einen Stein auf ihn und befreit uns von ihm?“

Einer von ihnen, Amr ibn Djihash, erklärte sich dazu bereit und stieg auf das Haus, um einen Stein auf den Propheten zu schleudern. Dieser saß dort mit einigen seiner Gefährten, darunter Abu Bakr, Umar und Ali, als ihn eine Botschaft vom Himmel erreichte, in der ihm das Vorhaben jener Leute geoffenbart wurde. Er machte sich deshalb sogleich auf den Rückweg nach Medina, ohne aber seinen Gefährten davon etwas gesagt zu haben. Diese warteten bei den Banu Nadir auf ihn, und als es ihnen zu lange wurde, suchten sie ihn. Ein Mann, der gerade aus Medina kam, erzählte ihnen schließlich, er habe den Propheten in die Stadt kommen sehen. Sie folgten ihm dorthin und als sie ihn erreichten, berichtete er ihnen von dem Verrat., den die Juden gegen ihn geplant hatten. Dann ließ er zum Krieg gegen sie rüsten, zog mit den Männern los und fiel über die Banu Nadir her. Es war dies im Monat Rabi I..

[Schauen wir einmal, wie Gerhard Konzelmann den Vorfall bei den Banu Nadir in seinem Buch auf Seite 129 schildert: „Die an Zahl noch immer starke jüdische Bevölkerungsgruppe in Medina entschloss sich nach dem Mord an Kab ibn al-Aschraf21.3, das Verhältnis zwischen Juden und Moslems durch einen Vertrag zu regeln, der Pflichten und Rechte genau ordnen sollte. Mohammed nahm die Breitschaft der jüdischen Führer, künftig enger mit ihm zusammenzuarbeiten, entgegen. Der Fortgang der Ereignisse zeigte aber, dass ihm der Wille zur dauerhaften Kooperation mangelte.

21.3[Timan Nagel schildert den Mord an Kab ibn al-Aschraf auf Seite 347 wie folgt: „Wer schafft mir Kab ibn al-Aschraf vom Hals?“ soll Mohammed seine Anhänger gefragt haben. Muhammad ibn Maslama, ein Eidgenosse der aussitischen Banu Abd al-Ashal war zu dem Verbrechen bereit. Ihm schlossen sich weitere drei Mitglieder dieser Sippe an sowie ein ausitischer Schwager Muhammad ibn Maslamas. Sad ibn Muad, jener Mann von den Banu Abd al Ashal, der dem Propheten auf dem Zug in die Schlacht die Loyalität der Helfer zugesichert hatte, wurde von Mohammed zum Anführer des Mordunternehmens ernannt. Die Zugehörigkeit zum Islam vermag jede frühere Verbindung zu trennen, und dies muss unter Beweis gestellt werden... Das liegt auf der gleichen Linie wie die vorhin notierte gefühllose Abkehr von engsten Verwandten, die sich nicht Mohammed anschlossen.

In einer Mondnacht im Rabi al-auwal (begannen am 22. August 624) machten sich die von höchster Stelle autorisierten Mörder auf den Weg. Am Wohnort des Opfers angekommen, lockten sie ihn heraus, versprachen mit ihm den Rest der Nacht in geselliger Runde zu verbringen. Kab, arglos wie er war, folgte ihnen. „Wunderbar parfümierte Haare hast du!“ sagte der, der Kab am vertrautetsten war, und fuhr ihm immer wieder mit der Hand durch die dichten Locken. Plötzlich packte er fest zu und schrie: „Tötet den Feind Allahs!“ Die anderen schlugen mit dem Schwert auf Kab ein. Doch weil dieser sich an den heimtückischen Freund klammerte, zeigten die Hiebe nicht die erhoffte Wirkung. Muhammad ibn Maslama nahm ein langes, am Ende zugespitztes Eisen, das er mit sich führte, und trieb es dem Verletzten in den Bauchnabel bis tief in den Leib hinein. Da kreischte der Feind Allahs auf und oben auf den Wohntürmen der Juden entzündete man Feuer.“

Kabs abgetrennten Kopf schleppten die Verbrechen zu Mohammed. Sobald sie sich dessen Wohnsitz genähert hatten und in Sicherheit waren, riefen sie: „Allahu akbar!“ und der Prophet unterbrach sein rituelles Nachtgebet: „Allahu akbar!“ „Glücklich seien eure Gesichter!“ begrüßte er sie. „Und das deinige, Gesandter Allahs!“ erwiderten sie und warfen ihm den Kopf vor die Füße. Da pries er Allah für den Tod Kabs, dann spie (spuckte) er in die Wunde des verletzten Mörders, und sie verheilte. Dies ist, was al-Waqidi über jene gräßliche Untat zu berichten weiß.

Im Hause des Ramla Bat Harith nahm Mohammed den Banu Nadir die Verpflichtung ab, nie wieder die Muslime zu kritisieren, sofern sie sich das Schicksal von Kab ibn al-Aschraf* ersparen wollten und fortan hüteten und ängsteten sie sich. Sie waren seit dessen Ermordung erniedrigt. (siehe Tilman Nagel Seite 352)

*Zuvor hatte man bereits die jüdische Dichterin Asma Bat Marwan (Merwan) vom Stamme der Banu Omejja und den Dichter Abu Afak vom Stamme der Banu Obeida auf Geheiß Mohammeds töten lassen. (siehe: Auftragsmorde)

Konzelmann weiter auf Seite 129: „Etwa ein Jahr nach dem Mord an den jüdischen Satiriker Kab ibn al-Aschraf (vom Stamme der Banu Nadir) brach Mohammed mit der jüdischen Sippe der Banu Nadir Streit vom Zaun. Dieser Sippe hatte die Mutter des Kab angehört; zu ihr hatte sich auch Kab selbst bekannt. Um das Blutgeld für einen Erschlagenen aufbringen zu können; Mohammeds Anhänger waren in vielerlei Fehden verwickelt, forderte Mohammed der kooperationsbereiten Großfamilie der Banu Nadir einen beachtlichen Betrag ab. Die Juden fragten sich, warum sie mehr zahlen sollten, als die Moslems in Medina. Sie luden zu Verhandlungen ein.

Die Gespräche fanden im Schatten eines Lehmhauses statt. Mohammed und die übrigen Mitglieder der Moslemdelegation saßen mit dem Rücken an die Hauswand gelehnt. Die jüdischen Verhandlungspartner entschuldigten sich plötzlich für die Unhöflichkeit, die Gäste allein lassen zu müssen, doch sei es ihre Pflicht, für ein ordentliches Festmahl zu sorgen. Mohammed und die Seinen fanden es merkwürdig, dass ihre Gegenüber verschwunden waren. Dieses Benehmen war jedenfalls ungewöhnlich. Schließlich stand Mohammed auf und verschwand zwischen den Häusern. Als er nicht wiederkam entfernten sich auch die übrigen Moslems nach und nach. Von den Juden hatte sich keiner mehr blicken lassen.“

Was ist von Mohammeds Offenbarung zu halten? Natürlich hat es keine himmlische Offenbarung gegeben. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob er die Differenzen, die es bei der Frage nach dem Blutgeld mit den Banu Nadir gab, nutzen wollte, sich ein für alle mal des jüdischen Stammes zu entledigen? War es also von vornherein Mohammeds Absicht, die Banu Nadir aus Medina zu vertreiben?]

Mohammed belagerte die Banu Nadir 6 Tage lang. Danach erfolgte die Offenbarung des Weinverbots. Die Juden hatten sich in ihren Bergen vor ihm verschanzt. Als der Prophet darauf befahl, ihre Palmen abzuschlagen und Feuer daran zu legen21.4, riefen sie ihm zu: „O Muhammad! Du hast bisher mutwillige Zerstörungen verboten und alle die getadelt, die sie durchführten. Wie kommt es dann, dass du unsere Palmen abschlägst und verbrennst?“

21.4[Gerhard Konzelmann schreibt hierzu auf Seite 131: „Das wichtigste, was der Stamm al Nadir besaß, waren die Palmengärten. Mit Entsetzen sahen die Juden, wie dieser stolze Besitz in sturer Gründlichkeit zerstört wurde. Etwas derartiges hatte sich in Arabien bisher noch nicht ereignet. Die Palmen galten fast als heilig. Doch nicht aus religiösen Gründen wurden sie respektiert, sondern weil sie als Spender von Nahrung unersetzlich waren. Die lange Zeit, die sie zum Wachstum benötigten, machten sie wertvoll. Kein Angreifer hatte jemals so barbarisch gehandelt und hatte solche Pflanzen zerstört.. Zwischen den Völkern Arabiens galt die Absprache, Palmenhaine unangetastet zu lassen. Mohammed war vorzuwerfen, dass er die Zerstörung der Dattelpalmen kaltblütig und mit Vorbedacht befahl.]

Unter den Banu Auf, einer Untergruppe der medinensischen Khazradj, gab es einige Männer, darunter den Feind Gottes Abdallah ibn Ubayy, Wadia, Malik ibn abi Qauqal, Suwaid und Dais, die den Banu Nadir hatten folgendes ausrichten lassen: „Haltet stand und verteidigt euch. Wir werden euch nicht aufgeben. Kämpft man gegen euch, werden wir auf eurer Seite kämpfen, vertreibt man euch, ziehen wir mit euch weg.“

Die Nadir erwarteten diese versprochene Hilfe, doch jene taten nichts. Da erfüllte Gott ihre Herzen mit Schrecken und sie baten den Propheten, er möge sie vertreiben, ihnen aber ihr Leben lassen und ihnen erlauben, so viel von ihrem Besitz mitzu-

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nehmen, wie die Kamele tragen konnten, außer ihre Waffen. Der Prophet war damit einverstanden. Sie schleppten alles fort, was die Kamele zu tragen imstande waren. Es gab sogar einige, die ihre Häuser bis zum Oberbalken der Tür zerstörten, diesen auf den Rücken eines Kameles luden und damit wegzogen. Sie begaben sich nach Khaibar (Kheibar oder Chaibar liegt etwa 150 km nördlich von Medina.), einige auch nach Syrien. Unter ihren Adligen, die nach Khaibar gingen, waren Sallam, Kinana und Huyayy. Nachdem sie sich in Khaibar angesiedelt hatten21.5, unterwarf sich ihnen die dortige Bevölkerung.

21.5[In Khaibar wurden sie allerdings zwei Jahre später, im Juni 628, erneut von Mohammed überfallen. Sie duften danach zwar weiterhin dort leben, mussten aber zukünftig die Hälfte ihrer wirtschaftlichen Erträge an die Moslems abliefern. Mohammeds Nachfolger, der Kalif Umar ibn al-Chattab, hingegen vertrieb die Juden 642 n. Chr ganz von der arabischen Halbinsel. Legitimiert wurde dies durch einen Hadith (einem Ausspruch Mohammeds), den Mohammed kurz vor seinem Tod geäußert haben soll: „Es gibt keine Koexistenz zweier Religionen auf der arabischen Halbinsel.“ (siehe: Zug nach Chaibar)]

Abdallah, der Sohn des Abu Bakr, erzählte mir, dass ihm folgendes berichtet wurde:

Mit Kind und Kegel zogen sie davon. Pfeifen und Tamburine hatten sie bei sich und Sängerinnen zogen spielend hinter ihnen drein. Mit einem solchen Prunk und einem solchen Stolz, machten sie sich auf den Weg, wie man es damals bei noch keinem Stamm jemals gesehen hatte. Den übrigen Besitz ließen sie dem Propheten zurück. Es wurde sein persönliches Gut, über das er verfügen konnte, wie er wollte. Er verteilte es unter die ersten Auswanderer. Von den Helfern erhielten lediglich Sahl ibn Hunaif und Abu Dudjana etwas, die über Armut klagten. Nur zwei Männer des Stammes Nadir wurden Muslime, jedoch alleine, um ihren Besitz zu retten.

[Und wiederum fiel erhebliche Beute an. „Nur zwei Juden erkauften durch Annahme des Islam die Rückgabe ihrer Besitzungen. Das übrige Land erklärte Mohammed, weil es nicht durch offenen Kampf, sondern durch Vertrag erworben war, nicht zur Beute der Muslime, sondern als sein Eigentum und verteilte es unter die mekkanischen Flüchtlinge, welche so auf einmal wohlhabende Grundbesitzer wurden.“ (Nöldeke, Geschichte des Korans,  Seite 113) Ein unmittelbarer logischer Zusammenhang zwischen dem Umstand, daß Beute durch Vertrag gemacht wird und nicht „zu Ross und Kamel“ und der Tatsache, dass Mohammed deshalb die ganze Beute für sich beanspruchte, ist nicht ersichtlich. Trotzdem ordnete Allah dieses Verteilungsverfahren in Sure 59,6-8 an und in der Hadith Muslim B 19 N 4347 erlangte es Gesetzescharakter. (Quelle: Vertreibung der Banu Nadir)

Gerhard Konzelmann spricht auf Seite 132 dvon, dass 1.000 Juden des Stammes al Nadir Medina verließen. Trotz der Vernichtungsaktion während der Belagerung, waren noch Tausende von Palmen erhalten geblieben. Sie stellten einen gewaltigen Reichtum dar und waren jetzt Bestandteil der Beute. Die Banu Nadir konnten ihr bewegliches Eigentum mitnehmen, nur Waffen, sowie Gold und Silber mussten sie zurücklassen. Da der Stamm über 600 Kamele verfügte, gelang es ihm vieles von seiner Habe zu retten. Die Lastkamele wurden auch mit Bauholz beladen, dass die Männer von al Nadir aus ihren Lehmhütten rissen. Die Moslems sahen mit Unbehagen, wie sich die Beute verminderte.]

Die gesamte Sure „Die Versammlung“ (Sure 59) wurde über die Banu Nadir geoffenbart. Darin wird geschildert, mit welcher Strafe sie Gott heimsuchte, wie er seinem Propheten Macht über sie gab und was er mit ihnen tat.

48. Der Feldzug von Dhat ar-Riqa [Mai 626] Top

Nach dem Zug gegen die Banu Nadir blieb der Prophet den Monat Rabi II. Und einen Teil vom Djumada (im Jahre 4) in Medina. Sodann begab er sich auf den Feldzug in den Nadjd gegen die Banu Muharib und die Banu Thalaba, zwei Unterstämme des Großverbandes der Gatafan. Er rückte bis Nakhl

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vor, wo er auf eine große Menge der Gatafan stieß. Beide Seiten näherten sich einander, es kam jedoch nicht zum Kampf, da jeder den Gegner fürchtete Schliesslich betete der Prophet das Gebet der Furcht22 und zog mit seinen Leuten wieder ab.

22Das Gebet der Furcht wird in der Koransure 4,101-103 beschrieben. Bei Bedrohung kann das Gebet gruppenweise verrichtet werden, wobei eine Gruppe die Waffen bereithält, während eine andere betet. Auch kann in solchen Fällen das Gebet verkürzt werden.

Der Feldzug wurde Dhat ar-Riqa genannt, weil sie während des Zuges ihre Fahnen mit Flicken (riqa) ausbesserten. Nach anderen Überlieferern erhielt der Feldzug diesen Namen nach einem dort stehenden Baum, den man so nannte.

Amr ibn Ubaid überlieferte mir von Hasan, der sich wieder auf Djabir ibn Abdallah stützte, folgendes:

Ein Mann vom Stamme Muharib, namens Gharath, fragte seine Stammesgefährten von Gatafan und Muharib: „Soll ich euch nicht Muhammad töten?“ „Doch, aber wie willst du das anstellen?“ entgegneten sie ihm. „Indem ich ihn meuchlings ermorde.“ Ghaurath begab sich zum Propheten, der am Boden saß und sein Schwert auf dem Schoß liegen hatte und fragte ihn: „Muhammad, darf ich mir einmal dein Schwert betrachten?“ Der Prophet bejahte. Ghaurath nahm das Schwert, zog es aus der Scheide und begann, es zu schwingen, um ihn zu erschlagen, doch Gott hielt ihn davon zurück. Dann fragte Ghaurath: „Muhammad, hast du denn keine Angst von mir?“ „Nein“, antwortete der Prophet, „weshalb sollte ich denn vor dir Angst haben?“ „Fürchtest du mich denn nicht, wenn ich das Schwert in der Hand halte?“ „Nein, Gott wird mich vor dir schützen.“ Da gab Ghaurath dem Propheten das Schwert zurück.

[So langsam wirken die übernatürlichen Kräfte, die Mohammed angeblich beschützen, ein wenig abgenutzt. Um so häufiger man sie erwähnt, um so unglaubwürdiger werden sie.]

Gott aber offenbarte: „Ihr Gläubigen! Gedenket der Gnade, die Gott euch erwiesen hat, als gewisse Leute ihre Hand nach euch ausstrecken wollten, worauf er ihre Hand von euch zurückhielt. Und fürchtet Gott! Auf Gott sollen die Gläubigen immer vertrauen.“ (Sure 5,11)

Yazid ibn Ruman überlieferte mir, dass dieser Koranvers über Amr ibn Djihash, den Bruder des Stammes Nadir und seine Mordabsichten geoffenbart wurde. Gott weiß am besten, welche Version richtig ist.

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49. Der letzte Feldzug nach Badr [August 626] Top

Nachdem der Prophet vom Riqa-Feldzug nach Medina zurückgekehrt war, verbrachte er dort den Rest des Monats Djumada I., sowie die Monate Djumada II. und Rajab. Im Shaban zog er dann nach Badr, um sich, wie verabredet, mit Abu Sufyan erneut zur Schlacht zu treffen. Er wartete dort 8 Nächte auf ihn. Abu Sufyan war mit seinen Mekkanern nur bis Madjanna im Gebiet von Zahren oder bis nach Usfan gekommen und entschied sich dann zur Rückkehr. Seinen Mekkanern erklärte er dies mit den Worten: „Männer von Quraish! Für uns ist nur ein fruchtbares Jahr günstig, wenn wir unser Vieh die Sträucher abweiden lassen und selbst genügend Milch trinken können. Diese Jahr aber ist zu trocken. Ich kehre deshalb um und bitte euch, mir zu folgen.“

So kehrten die Quraish wieder zurück. Die Mekkaner nannten dieses ihr Heer das „Brei-Heer“, indem sie behaupteten, sie seien nur ausgezogen, um Brei zu essen.

Der Prophet begab sich wieder nach Medina und blieb dort, bis der Monat Dhu l-Hidjja im Jahre 4 seiner Ankunft nach Medina vorüber war. Sodann unternahm er einen Feldzug nach Dumat al-Djandal, kehrte jedoch um, ohne den Ort erreicht und ohne einen Kampf geführt zu haben und blieb den Rest des Jahres (5) in Medina.

50. Die Grabenschlacht [April 627] Top

Die Grabenschlacht fand im Monat Shawwal des Jahres 5 statt.

Yazid ibn Ruman, ein vertrauenswürdiger Überlieferer, hat mir, gestützt auf Abdallah ibn Kab, Muhammad ibn Kab, Zuhri, Asim, Abdallah ibn abi Bakr und andere Gelehrte, von der Grabenschlacht berichtet, wobei der eine den anderen ergänzte:

Eine Gruppe von Juden, darunter die Nadiriten Sallam, Huyayy und Kinana sowie die Wailiten Haudha und Abu Ammar, zogen zusammen mit anderen Angehörigen der Stämme Nadir und Wail, die sich auf die Gegenseite des Propheten gestellt hatten, zu den Quraish nach Mekka. Dort riefen sie zum Krieg gegen den Propheten auf und sprachen: „Wir werden euch im Kampf gegen ihn beistehen, bis wir ihn völlig vernichtet haben.“

[Tilman Nagel beschreibt die Situation auf Seite 366 wie folgt: „Nach wie vor sahen sich er [Mohammed] und seine „Gläubigen“ von einem Zusammengehen der Mekkaner mit den Juden nördlich von Medina bedroht. Gerade letztere [die Juden] würden, das stand nach der Vertreibung der Banu n-Nadir außer Frage, alles daransetzen, die Macht jenes Emporkömmlings einzudämmen. Ebensowenig konnte man daran zweifeln, dass ein Krieg gegen Mohammed nur dann zu gewinnen war, wenn man die Banu Gatafan und die Banu Sulaim an sich band. Wie schon erwähnt hatten sich nach der Absage der Revancheschlacht von Badr einige Juden der Banu n-Nadir sowie der Hanife Abu Amir und ein Aussite [vom Stamme der Banu Aus] aus dem Mohammed ablehnenden Sippenverband der Banu Wail zu Abu Sufyan [nach Mekka] begeben, um darüber zu beratschlagen, wie man den gemeinsamen Feind bezwingen könne.

Die jüdischen und die aussitischen Bündnisbewerber waren aus Mekka zu den Banu Gatafan weitergezogen. Ihnen versprachen sie, wie wir schon wissen, eine Jahresernte Datteln der [vorwiegend von Juden besiedelten] Oase Kheibar. Auch die Quraishiten trachteten fremde Stämme für ihre Sache zu gewinnen und forderten überdies die Ababis auf, sich zum Feldzug gegen Medina zu sammeln. Eine kleine Gruppe Huzaiten hatte die Vorbereitungen der Mekkaner beobachtet und war zu Mohammed geeilt, um ihn zu warnen.

Durch die schlimmen Erfahrungen von Uhud gewitzt, entschied er sich diesmal auf einen Angriff zu verzichten. Stattdessen sah man sich im Oasengebiet [von Medina] nach einem Gelände um, dass man leicht zur Verteidigung herrichten konnte. Als geeigneter erschien ein Terrain südlich des Berges Sal. Den Berg im Rücken hob man in aller Eile einen Graben aus, der einen großen Teil des „unteren“ Medina sicherte. Das sich südlich daran anschließende „obere“ Medina, Quba und die [jüdischen] Siedlungsbebiete der Banu n-Nadir sowie der Banu Quraiza, blieben notgedrungen ungeschützt. Die Banu Quraiza, der letzte jüdische Stamm in Medina, lieh den Muslimen die so dringend benötigten Hacken, Schaufeln und Tragekörbe. Unentwegt trieb Mohammed seine Mannen zur Arbeit an, denn man wusste inzwischen, dass die Feinde ein beeindruckendes Heer von 10.000 Kämpfern zusammengebracht hatten, darunter eine starke Reiterei.

Schauen wir uns einmal an, wie Gerhard Konzelmann die Situation auf Seite 148 beschreibt: „Die Breitschaft zum Krieg wuchs schließlich in Mekka. Die herrschende Schicht der Kaufleute war daran interessiert, dass wieder normale Verhältnisse auf den Karawanenrouten herrschten. Doch sie kalkulierten ihre Kampfesstärke und begannen wieder zu zweifeln. Mit 3.000 Kriegern waren sie bei Uhud gerade noch gegen 700 Moslems erfolgreich gewesen. Sie rechneten sich ihre Chanchen im kommenden Konflikt aus. Wahrscheinlich war, dass alle Ansar (Helfer) beim Angriff auf der Seite des Propheten stehen würden. Für diesen Fall mussten die Quraish vorsorgen. 10.000 Mann, darin waren sich alle einig, wurden bei diesem Feldzug benötigt. Sie selbst besaßen nicht genügend Männer, um auch nur ein Viertel dieser Kampfesstärke stellen zu können.

Mitglieder der jüdischen Stämme übernahmen die Anwerbung von Truppen im Namen der Stadt Mekka. Mit der Handelsstadt als zentralen Partner bildete sich eine Koalition unterschiedlicher Verbündeter, die nur vom Willen zusammengehalten wurden, möglichst viel Beute zu machen. Den Kämpfern aus den Beduinenstämmen war es gleichgültig, welche Ideologie in Medina geglaubt wurde. Sie waren auch nicht durch Parolen von der Freiheit der Karawanenwege zu beeindrucken. Sie suchten nur eine möglichst bequeme Gelegenheit zum Plündern. Im Februar des Jahres 627 (n. Chr.) brach das Zehntausendmannheer vom Sammelplatz bei Mekka auf.“

wikipedia.org berichtet über die Vorgeschichte zur Grabenschlacht: „Die Mekkaner hatten schon zwei Jahre zuvor, nach der Schlacht von Uhud, begonnen, sich auf einen Angriff auf Medina vorzubereiten und gewannen dabei die Unterstützung mehrerer Stämme. Am Ende hatten sie eine Armee von etwa 10.000 beziehungsweise 7.500 Mann mit 600 Pferden zusammengebracht. Allerdings hatte Mohammed, dem etwa 3.000 Mann zur Verfügung standen, das Getreide im Norden der Oase schon abgeerntet, so dass bei ihrer Ankunft das Viehfutter für die mekkanischen Kavallerie schnell knapp wurde. Als er den unmittelbar bevorstehenden Aufbruch der feindlichen Armee aus Mekka erfahren hatte, befahl Mohammed derweil seinen Anhängern, einen Graben auszuheben. Nach sechs Tagen waren die Arbeiten an diesem Graben, an denen sich Mohammed persönlich beteiligt hatte, beendet.“]

Nun zurück zur Prophetenbiographie Ibn Ishaqs:

O ihr Juden“, erwiderten die Quraish, „ihr seid das Volk mit der ersten Schrift und wisst, worüber wir uns mit Muhammad zerstritten haben. Welche Religion ist nun besser, die unsere oder die seine?“ „Eure Religion ist besser als die seine und ihr seid im Recht, nicht er“, gaben ihnen die Juden zur Antwort. Über sie hat Gott die Koranverse geoffenbart: „Hast du nicht jene gesehen, die einen Anteil an der Schrift erhalten haben? Sie glauben an Götzen und falsche Gottheiten und sagen über die, die ungläubig sind: „Die da sind eher auf dem rechten Weg als die Gläubigen.“ Das sind diejenigen, die Gott verflucht hat. Und wen Gott verflucht, für den findest du keine Helfer. [... usw. bis zu dem Vers:] Oder beneiden sie etwa die Leute wegen dessen, was Gott ihnen von seiner Huld gegeben hat? Wir haben der Sippe Abrahams die Schrift und die Weisheit gegeben und ihnen gewaltige Herrschaft verliehen. Und nun glauben die einen von ihnen daran, während die anderen ihre Mitmenschen davon abhielten. Die Hölle wird schlimm genug brennen.“ (Sure 4,51-55)

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Die Quraish freuten sich über die Worte der Juden, nahmen eilfertig den Gedanken vom Krieg gegen Muhammad, wozu die Juden sie aufgefordert hatten, an, sammelten sich und trafen ihre Absprachen. Dann begaben sich die Juden auch zu den Ghatafan, forderten sie ebenfalls zum Kampf gegen den Propheten auf, bekundeten ihnen ihre Unterstützung und berichteten ihnen, dass die Quraish ihrer Aufforderung bereits nachgekommen seien. So schlossen sich ihnen auch die Ghatafan an.

[Mir kommt die Auseinandersetzung um die richtige Religion so vor, als würden sich zwei Kinder darüber streiten, wer den rechten Glauben hat. Jeder meint, im Besitz der Wahrheit zu sein. Ebenso kindisch erscheint mir die Vorstellung der Hölle. Außerdem geht es der Prophetenbiographie wohl auch darum, die Schuld für den Grabenkrieg den Juden und den Quraish anzulasten. Realität ist aber, dass sowohl die Quraish als auch die Juden allen Grund hatten, sich von Mohammed bedroht zu fühlen. Schliesslich hatte Mohammed mehrfach quraishitische Karawanen überfallen, mehrere jüdische Kritiker ermorden lassen und die jüdischen Stämme der Banu Qainuqa und Banu Nadir aus Medina vertrieben. Ist es da angesichts der weiterhin zu befürchtenden Übergriffe Mohammeds gegen die Quraish und gegen die Juden, verwunderlich, wenn sie gemeinsam darüber nachsinnen, wie man sich dieser Gefahr entledigen kann? Offensichtlich war es angesichts der Tatsache, dass sich das gemeinsame Heiligtum der Mekkaner und der Moslems, nämlich die Kaaba, in Mekka befand, von vornherein Mohammeds Absicht, Mekka zu erobern, um sie zur heiligen Stadt der Muslime zu machen.]

Dieser Vers wurde über diejenigen Muslime herabgesandt, die das Gute beachteten und wünschten und die Gott und seinem Propheten gehorchten. Über die Heuchler aber, die sich ohne Erlaubnis des Propheten von ihrer Arbeit davonstahlen, sprach Gott:

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Einen Aufruf des Gesandten dürft ihr unter euch nicht bewerten, wie wenn einer von euch einen anderen aufruft. Gott kennt schon diejenigen von euch, die sich wegstehlen, um sich in Sicherheit zu bringen. Diejenigen, die Schwierigkeiten machen, indem sie sich von einer Sache zurückziehen, sollen sich in acht nehmen, dass nicht eine Prüfung oder schmerzhafte Sache über sie kommt!. Gehört nicht alles, was im Himmel und auf Erden ist, Gott? Er kennt schon den Zustand, in dem ihr euch befindet, d. h. ob ihr lügt oder die Wahrheit sagt. Und am Tag, da sie zu ihm zurückgebracht werden, wird er ihnen dann Kunde geben, über das, was sie getan haben. Gott weiß alles:“ (Sure 24,63-64)

Über die Arbeiten am Graben habe ich manche Erzählungen gehört, in denen Gott Beispiele geboten hat für die Rechtfertigung des Propheten und für die Bestätigung seiner Prophetenschaft, Dinge, die die Muslime mit eigenen Augen sahen. [Nun folgen einige der „Wunder“, die Mohammed während der Grabenschlacht vollbracht haben soll.] Eine dieser Erzählungen ist die folgende, die Djabir ibn Abdallah überlieferte: An einer Stelle des Grabens bereitete ihnen einmal ein gewaltiger Felsbrockeen große Mühe und sie klagten es dem Propheten. Da ließ er sich einen Behälter voll Wasser bringen, spie hinein, betete sodann, wie Gott es von ihm wünschte und besprengte den Felsen mit dem Wasser. Die Anwesenden berichteten später: „Bei dem, der ihn als Propheten mit der Wahrheit gesandt hat, der Fels zerfiel wie zu Sand und leistete Hacken und Schaufeln keinen Widerstand mehr.“

Die folgenden Begebenheiten berichtete mir Daid ibn Mina, der wieder von jemandem anderen gehört hatte, dass eine Tochter des Bashir ibn Sad erzählte:

Meine Mutter Amra bint Rawaha rief mich zu sich, legte mir eine Handvoll Datteln in mein Gewand und sprach: „Bringe deinem Vater und deinem Onkel das Essen!“ Ich nahm die Datteln und ging. Als ich auf der Suche nach den beiden beim Propheten vorbeikam, sagte er: „Komm her, Mädchen, was hast du da?“ „O Gesandter Gottes, dies sind Datteln, mit denen mich meine Mutter zu meinem Vater und zu meinem Oheim schickt, damit sie sie essen.“

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Gib sie mir“, forderte mich der Prophet auf. Ich schüttete sie ihm in die Hände, doch waren es so wenige, dass sie sie nicht einmal ausfüllten. Dann ließ er ein Gewand ausbreiten, schüttete die Datteln darauf, so dass sie sich auf dem Gewand verteilten und befahl einem seiner Begleiter, unter den Leuten am Graben auszurufen, sie sollten zum Essen kommen. Alle liefen herbei und begannen die Früchte zu verzehren. Die Datteln vermehrten sich aber immer weiter, so dass sie, als die Männer wieder weggingen, immer noch vom Rande des Gewandes fielen.

[Jesus soll ja auch etliche Wunder vollbracht haben, meint jedenfalls das Neue Testament. Dazu gehört z. B. der wunderbare Fischfang auf dem See Gennesaret, bei dem die Apostel Simon, Jakob, Johannes und die Söhnes des Zebedäus auf Anraten Jesus zum Fischen hinaus in den See fuhren, und so viele Fische fingen, dass das Volk, welches gekommen war, um das „Wort Gottes“ zu hören, gesättigt wurde, nachdem sie zuvor die ganze Nacht gefischt hatten und nicht einen einzigen Fisch gefangen hatten. (Lukas 5,1-12) Da wollte Mohammed wohl nicht hintenanstehen und der islamische Volksglaube, der dem Christentum in dieser Beziehung sicherlich in nichts nachsteht, erfand ebenso Wunder, wie dies einige Jahrhunderte zuvor im Christentum geschehen war.]

Salman, der Perser, erzählte, wie mir berichtet wurde, folgendes:

Ich arbeitete an einer Stelle des Grabens, wo mir ein Felsen sehr zu schaffen machte. Der Prophet war in meiner Nähe und als er sah, wie schwer ich mich tat, stieg er zu mir herab, nahm mir die Hacke aus der Hand und hieb damit dreimal auf den Felsen, wobei jedesmal ein Lichtstrahl aufleuchtete. Ich fragte ihn: „O Gesandter Gottes, der du mir teurer bist als Vater und Mutter, was ist das, was ich unter der Hacke aufleuchten sehe, wenn du damit zuschlägst?“ „Hast du dies denn wirklich gesehn, Salman?“, fragte er mich zurück und als ich bejahte, sprach er: „Dass erste Aufleuchten bedeutet, dass Gott mir den Jemen geöffnet hat, das zweite Syrien und den Westen und das dritte den Osten.“

[Hier kommen allmählich Mohammeds Überlegungen zum Ausdruck, nicht nur die Herrschaft über die saudi-arabische Halbinsel zu erlangen, sondern eigentlich die ganze Welt für den Islam zu erobern.]

Als der Prophet den ganzen Graben fertiggestellt hatte, rückten die Quraish heran und lagerten mit 10.000 Ahabish [Die Ahabish war ein ursprünglich gegen die Quraish gebildeter Bund mehrere kleinere Stämme aus der Umgebung Mekkas. Sie kämpften aber zusammen mit den Quraish gegen Mohammed.], den Kinana und den Bewohners des Tieflandes, die ihnen folgten, am Zusammenfluss der Sturzbäche von Ruma zwischen Djuruf und Zughaba. Auch die Ghatafan kamen mit den anderen Bewohnern des Nadjd, die ihnen folgten, heran und lagerten bei Dhanab Naqma in Richtung Uhud. Der Prophet zog mit 2.000 Muslimen vor die Stadt und ließ das Lager errichten. Der Graben war zwischen ihm und dem Feind. Die Kinder und Frauen ließ er in Burgen bringen.

Der Gottesfeind Huyayy ibn Akhtab vom jüdischen Stamme Nadir kam zu Kab ibn Asad von den jüdischen Banu Quraiza,

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der für seinen Stamm die Verträge schloss und mit dem Propheten ein Abkommen vereinbart hatte. Als Kab, die Stimme des Huyayy vor der Burg hörte, schloß er vor ihm das Tor. Huyayy bat um die Erlaubnis, eintreten zu dürfen, doch weigerte sich Kab, ihm zu öffnen. Huyayy rief: „Wehe dir, Kab, mach mir auf!“ „Wehe dir, Huyayy!“ erwiderte Kab, „du bist ein Mann von schlechtem Vorzeichen. Ich habe mit Mohammed einen Vertrag geschlossen und werde diesen nicht brechen, denn ich habe nur Treue und Aufrichtigkeit an ihm gesehen.“

Öffne mir, dann kann ich mit dir reden!“ „Nein, ich werde es nicht tun!“ „Du sperrst mich doch nur aus, weil du Angst hast, ich könnte dir etwas von deinem Weizenbrei wegessen.“ Dies machte Kab wütend und er öffnete dem Huyayy das Tor. Dann sprach dieser: „Wehe dir, Kab, ich habe dir ewigen Ruhm und ein Meer von Kriegern gebracht. Mit den Quraish, ihren Führern und Herren bin ich gekommen und habe sie am Zusammenfluss der Bäche von Ruma lagern lassen, und ebenso mit den Gatafan, ihren Führern und Herren, die ich bei Dhanab Naqma in Richtung Uhud habe halt machen lassen. Sie haben mit mir ein Bündnis geschlossen und mit fest versprochen, dass sie solange kämpfen werden, bis wir Muhammad und seine Anhänger völlig vernichtet haben.“

Nein, Huyayy! Du hast mir vielmehr ewige Schmach gebracht und eine leere Wolke, die ihr Wasser vergossen hat und die trotz Blitz und Donner nichts enthält. Lass mich in Frieden und versuche nicht, mich von meinem Versprechen abzubringen, denn ich habe an Muhammad immer nur Ehrlichkeit und Treue gesehen.“ Huyayy indes bedrängte Kab so lange, bis er ihm das Versprechen abnahm, er werde, wenn die Quraish und Ghatafan, ohne Muhammad getötet zu haben, zurückkehren müssten, ihn mit in seine Burg nehmen und mit ihm zusammen sein Schicksal erwarten. Damit hatte aber Kab seine Abmachung mit dem Propheten gebrochen und das Versprechen, das sie verband, gelöst.

Als Muhammad und die Muslime von dieser Entwicklung erfuhren, schickte er den damaligen Führer des Stammes Aus, Sad

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ibn Muradh und den Führer der Khazradj, Sad ibn Ubada, zusammen mit zwei anderen Gefährten los und trugen ihnen auf: Geht und seht nach, ob es wahr ist, was wir erfahren haben. Wenn es richtig ist, gebt mir in rätselhafter Form Bescheid, so dass ich es verstehe, aber entmutigt nicht die Leute. Halten sie dagegen treu zu unserer Vereinbarung, so macht es öffentlich bekannt!“

Sie gingen zu den Juden, fanden diese aber in einer noch übleren Einstellung gegenüber dem Propheten, als sie zuvor erfahren hatten. „Wer ist der Gesandte Gottes“, sprachen sie, „wir haben keine Abmachung mit ihm.“ Sad ibn Muadh in seinem leidenschaftlichen Ungestüm beschimpfte sich mit ihnen, doch Sad ibn Ubada hielt ihn mit den Worten zurück: „Hör auf, sie zu beschimpfen. Das, was uns von ihnen trennt, lässt sich nicht durch Schmähungen bereinigen.“

Die beiden Sads kehrten mit ihren Begleitern zum Propheten zurück, grüßten ihn und sprachen: „Abdal und Qara!“ womit sie auf den Verrat von Abdal und Qara anspielten, den diese einst an den Männern von Radji, Khubaib und seinen Freunden begannen hatten. Der Prophet aber rief: „Allahu Akbar! Seid frohen Mutes, ihr Muslime!“

Die Lage wurde für die Muslime immer ernster und sie hatten große Angst. Die Feinde drängten sie von oben und unten, bis die Gläubigen zu zweifeln begannen und bei einigen Heuchlern der Unglaube offen zutage trat. So sprach etwa Muattib ibn Qushair, ein Bruder des Stammes Amr ibn Auf: „Muhammad versprach uns, dass wir die Schätze Chosroes [Chosroe oder Chosrau, war von 531 bis zu seinem Tod 579 persischer Großkönig.] und Caesars aufzehren werden; dabei kann heute keiner von uns sicher auf den Abtritt [auf die Toilette] gehen.“ Und Aus ibn Qaiza, einer vom Stamme Haritha wandte sich vor einer großen Menge von Männern seines Stammes mit den Worten an den Propheten: „O Gesandter Gottes, unsere Häuser sind vor dem Feinde entblößt. Erlaube uns deshalb, dass wir zu unseren Gehöften zurückkehren, denn diese liegen außerhalb Medinas.“

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Der Prophet und die Heiden verharrten über zwanzig Tage lang, fast einen Monat, in ihren Stellungen, ohne dass es, von einigen Pfeilschüssen und der Tatsache der Belagerung abgesehen, zu einem Kampf kam.

Asim und ein anderer vertrauenswürdiger Überlieferer berichteten mir von Muhammad ibn Muslim az-Zuhri folgendes:

Als die Lage für die Muslime sich weiter verschlimmerte, schickte der Prophet zu Uyaina ibn Hisn und Harith ibn Auf, den beiden Führern der Ghatafan, und bot ihnen ein Drittel des Ernteertrages von Medina, wenn sie sich mit ihren Leuten zurückzögen. Es kam zu Friedensverhandlungen und es kam auch zu einem entsprechenden Dokument, doch war es noch nicht unterzeichnet und der Friede noch nicht beschlossen, sondern lediglich die gegenseitige Absicht dazu war bekundet worden. Als der Prophet dann das Abkommen unterzeichnen wollte, ließ er Sad ibn Muadh und Sad ibn Ubada holen, erzählte ihnen davon und fragte sie um Rat.

Die beiden erkundigten sich zunächst: „O Gesandter Gottes, ist dies eine Sache, von der du möchtest, dass wir sie tun oder ist es ein Befehl Gottes an dich, den wir ausführen müssen, oder tust du es nur uns zuliebe?“ „Ich tue es nur euch zuliebe“, entgegnete der Prophet, „ich würde es wahrlich nicht tun, wenn ich nicht gesehen hätte, wie die Araber wie mit einem einzigen Bogen auf euch schossen und euch von allen Seiten bedrängten. Ich möchte für euch etwas von ihrer Angriffswucht zerbrechen.“

Dem hielt Sad ibn Muadh entgegen: „O Gesandter Gottes, solange wir mit jenen Leuten zusammen der Vielgötterei und dem Götzendienst anhingen und wir Gott weder verehrten noch kannten, hat es sie nicht danach gelüstet, eine einzige Dattel aus Medina zu verzehren, es sei denn, wir hätten sie ihnen aus Gastfreundschaft gegeben oder sie ihnen verkauft. Sollen wir ihnen jetzt unseren Besitz schenken, nachdem uns Gott mit dem Islam ausgezeichnet, uns auf den rechten Weg geführt und uns durch dich berühmt gemacht hat? Bei Gott, wir haben dies nicht nötig und werden ihnen lediglich unser Schwert darreichen, bis Gott zwischen uns richtet.“

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Du sollst es haben“, erwiderte der Prophet und Sad ibn Muadh ergriff die Urkunde, tilgte die Schrift und sprach: „Nun lasst sie sich gegen uns mühen!“

Die Belagerung dauerte an, ohe dass es zu einem regelrechten Kampf kam. Einmal legten jedoch einige Ritter der Quraish ihre Rüstungen an, machten sich mit ihren Pferden auf den Weg zum Lager der vebündeten Kinana und riefen: „Auf zum Krieg, ihr Banu Kinana! Heute sollt ihr sehen, wer die wahren Ritter sind!“ Schnell ritten sie heran, bis sie am Graben halt machten. Bei seinem Anblick sprachen sie: „Dies ist wahrlich eine Kriegslist, auf die die Araber bisher noch nicht gekommen sind.“

[So ganz unbekannt schienen solche Gräben allerdings nicht zu sein. Bereits im Feldzug von Uhud hatten die mit den Quraish verbündeten Banu Aus bereits solche Gräben genutzt, um dem Feind den Angriff zu erschweren. Hierzu schreibt Tilman Nagel auf Seite 356: „In der Tat war er [Mohammed] im Nahkampf schwer am Kopf getroffen worden und auf die Knie niedergestürzt. Entweder hatte er sich in einer Bodenvertiefung vor weiteren Hieben schützen wollen oder aber er war in eines jener Löcher gefallen, die der Ausite Abu Amir hatte ausheben lassen, um einen Angriff auf die quraishitischen Stellungen zu verhindern. Bei einer der nächsten Schlachten wird Mohammed eine ähnliche Krieglist anwenden.“]

Sodann wandten sie sich einer engen Stelle des Grabens zu und hieben auf die Pferde ein, so dass sie ihn überwanden und in das sumpfige Gebiet zwischen dem Graben und dem Berg Sal eindrangen. Sogleich machte sich Ali mit einigen Muslimen auf, um die Lücke, durch die die Feinde ihre Pferde getrieben hatten, zu sichern. Unverzüglich stürzten die Reiter der Quraish auf sie zu. Amr ibn Abdwudd, der in der Schlacht von Badr verwundet worden war und deshalb nicht an der Schlacht von Uhud teilgenommen hatte, befand sich unter den Quraish und hatte sich besonders kenntlich gemacht, damit jeder seinen Rang sehen konnte. Als er mit seinen Reitern vor den Muslimen anhielt, rief er: „Wer ist zum Zweikampf bereit?“

Ali meldete sich und antwortete ihm: „Amr, du hast einmal geschworen, du würdest, wenn dich ein Quraishit vor die Wahl zwischen zwei Dingen stellt, eines davon annehmen?“ „Richtig!“ „So fordere ich dich denn auf, an Gott, seinen Propheten und an den Islam zu glauben.“ „Das brauche ich nicht.“ „So fordere ich dich auf, abzusteigen und zu kämpfen.“ Weshalb, Sohn meines Bruders? Wahrlich, ich möchte dich nicht töten.“ „Aber ich will dich töten!“

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Bei diesen Worten Alis wurde Amr so wütend, dass er sich von seinem Pferde stürzte, diesem die Beine zerhieb und es auf den Kopf schlug. Dann trat er auf Ali zu und die beiden umkreisten sich kämpfend, bis Ali ihn tötete und die anderen Ritter Hals über Kopf über den Graben flohen. Dazu sprach Ali die Verse:

Für steinerne Götzen hat er in seiner Torheit gekämpft;
Ich kämpfte für den Herrn des Propheten durch meinen Verstand.
Ich wandte mich ab, nachdem er am Boden dort lag
wie der Zweig einer Palme zwischen Steinen und Sand.
Und ich ließ ihm die Kleider. Wäre ich dort gefallen,
er hätte vom Leib mir gerissen ein jedes Gewand.
Seine Religion, ihr Muslime, wird Gott nie verlassen,
nie wird er nehmen von seinem Propheten die schützende Hand.

Und über Ikrima ibn abi Djahl, der damals, nachdem Amr gefallen war, seine Lanze wegwarf und floh, spottete Hassan ibn Thabit mit folgenden Versen:

Ikrima! So wie vielleicht noch nie zuvor
warfst du die Lanze weg und flohst voraus.
Du wandtest dich zur Flucht und ranntest ohne
rechts und links zu blicken, schnell wie Vogel Strauss.
Und dein Rücken glich nicht dem der Menschen:
Wie der Rücken der Hyänen sah er aus.

Wie Gott es im Koran, in Sure 33,10-11, beschrieben hat, verharrten der Prophet und seine Gefährten in Angt und Not, weil die Feinde sich gemeinsam gegen sie wandten und sie von oben und unten bedrängten. Da kam Nuaim ibn Masud vom Stamme Ghatafan zum Propheten und sprach: „O Gesandter Gottes, ich habe den Islam angenommen, doch wissen meine Leute nichts davon. Befehle mir nun, was du willst!“ „Du bist nur ein einzelner Mann unter uns“, erwiderte ihm der Prophet, „so gehe und suche Zwietracht unter den Gegnern zu säen, so gut du kannst. Krieg ist nun einmal Betrug.“ [Hier kommt wieder einmal Mohammeds skrupellose Art zum Vorschein.]

Nuaim begab sich daraufhin zu den [jüdischen] Banu Quraiza, mit denen er in heidnischer Zeit oft zusammen gezecht hatte, und sprach:

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 „Ihr Banu Quraiza! Ihr kennt meine Zuneigung zu euch und unsere besondere Freundschaft.“ „Ja, wir misstrauen dir nicht“, gaben sie zurück und er fuhr fort: „Die Quraish und die Ghatafan sind nicht in derselben Lage wie ihr. Euere Heimat ist Medina. Hier habt ihr eueren Besitz, eure Kinder und euere Frauen. Ihr könnt Medina nicht irgendwohin verlassen. Die Quraish und die Ghatafan sind gekommen, um Muhammad und seine Gefährten zu bekämpfen und ihr habt ihnen gegen Muhammad geholfen. Dies ist nicht ihr Land. Sie haben ihren Besitz und ihre Frauen nicht hier und sind deshalb nicht in der gleichen Lage wie ihr. Sobald sie eine Gelegenheit sehen, werden sie sie nutzen. Kommt es aber nicht dazu, werden sie in ihre Heimat zurückkehren und euch mit Muhammad allein lassen, gegen den ihr dann aber machtlos seid. Kämpft deshalb nicht auf ihrer Seite, solange ihr nicht einige Adlige von ihnen als Geiseln habt, die in euren Händen als Sicherheit dafür bleiben, dass sie zusammen mit euch gegen Muhammad kämpfen werden, bis ihr ihn vernichtet habt.“Du hast uns einen vorzüglichen Rat erteilt“, stimmten ihm die Banu Quraiza zu.

Dann ging er zu den Quraish und sprach zu Abu Sufyan und seinen Leuten: „Ihr wisst, wie sehr ich euch zugetan bin und was mich von Muhammad trennt. Nun habe ich etwas erfahren, dass ich glaube euch mitteilen zu müssen, um euch zu warnen. Behaltet es aber für euch.“ Die Quraish sicherten ihm das zu und er fuhr fort: „Wisst, dass die Juden inzwischen die Gegnerschaft zu Muhammad bereut und ihm die folgende Botschaft haben zukommen lassen: „Wir bereuen, was wir getan haben. Möchtest du, dass wir für dich aus den beiden Stämmem Quraish und Ghatafan einige vornehme Männer ergreifen und sie dir übergeben, damit du ihnen die Köpfe abschlagen kannst und wir dann gemeinsam gegen die übrigen ziehen, bis wir sie vernichtet haben?“ Muhammad hatte ihnen darauf eine zustimmende Antwort erteilt. Wenn euch die Juden nun um die Stellung von Bürgern bitten, übergebt ihnen nicht einen einzigen Mann!“ Schließlich ging er auch noch zu seinem eigenen Stamm, den Ghatafan, und sprach:

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Männer von Ghatafan! Ihr seid mein Ursprung und meine Sippe! Und ihr seid mir von allen am liebsten. Ich glaube nicht, dass ihr mir misstraut.“ Sie stimmten ihm zu und versprachen ihm auch, seinen Rat vertraulich zu behandeln, worauf er ihnen das gleiche erzählte wie den Quraish und sie ebenso warnte.

In der Nacht zum Sabbat im Monat Shawwal des Jahres 5 bewirkte es Gott dann für seinen Propheten, dass Abu Sufyan und die Häupter der Ghatafan einige Männer aus ihren beiden Stämmen zu den Banu Quraiza schickten und diesen folgendes mitteilen ließen: „Wir haben hier keine feste Wohnstatt und es verenden uns hier Kamele und Pferde. Macht euch deshalb bereit zum Kampf, damit wir Muhammad ein für allemal erledigen.“

Die Quraiza gaben ihnen zur Antwort: „Heute ist Sabbat, der Tag an dem wir nichts tun. [Der Sabbat ist für die Juden ein Feiertag. Am Sabbat ist es weder erlaubt, zu arbeiten, noch einzukaufen und erst recht nicht Krieg zu führen.] Es ist euch wohl bekannt, was einst mit denen geschehen ist, die ihn verletzten. Außerdem kämpfen wir nicht mit euch gegen Muhammad, solange ihr uns keine Bürgen stellt, die als Sicherheit so lange in unseren Händen bleiben, bis wir Muhammad vernichtet haben. Wir fürchten nämlich, dass ihr, wenn der Krieg zu euren Ungunsten verläuft und ihr im Kampf in Bedrängnis kommt, schnellstens nach Hause zurückkehrt und uns hier mit Muhammad alleine lasst, gegen den wir dann nichts mehr ausrichten können.“

Als die Boten mit der Erklärung der Quraiza zurückkamen, sprachen die Quraish und die Ghatafan: „Nuaim ibn Masud hatte wahrscheinlich recht. Lasst uns die Quraiza benachrichtigen, dass wir ihnen keinen einzigen Mann als Geisel übergeben werden und dass sie, wenn sie kämpfen wollen, dies tun sollen.“

Auf diese Antwort der beiden Stämme hin sprachen nun auch die Banu Quraiza: „Nuaim ibn Masud hat die Wahrheit gesprochen. Sie wollen nichts als kämpfen und wenn sie eine Gelegenheit sehen, werden sie sie ergreifen. Geht es aber anders aus, machen sie sich sofort auf den Heimweg und lassen uns hier mit Muhammad allein.“ Erneut ließen sie den Quraish und Ghatafan ausrichten, sie würden erst kämpfen, wenn sie ihnen Geiseln als Bürgen stell-

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ten. Jene lehnten abermals ab und Gott sähte Zwietracht unter ihnen. Auch schickte er in den Winternächten einen eiskalten Wind gegen sie, der ihnen die Kessel umwarf und ihre Zelte wegfliegen ließ.

Da wandte sich Abu Sufyan an die Quraish und sprach: „Männer von Quraish! Wir sind hier nicht an einer festen Wohnstätte. Pferde und Kamele gehen uns ein und die Banu Quraiza haben ihr Wort gebrochen. Schlimmes haben wir von ihnen erfahren. Auch seht ihr den heftigen Sturm, der uns keinen Kochkessel, kein Feuer und kein Zelt mehr lässt. Macht euch auf, ich ziehe ab!“

Darauf schritt er zu seinem Kamel, deren Vorderfüsse zusammengebunden waren, setzte sich darauf und schlug es, worauf es sich auf drei Beine erhob. Die Fussfessel wurde ihm erst abgenommen, als es bereits stand. Die Ghatafan hörten vom Aufbruch der Quraish und machten sich auch eilends auf den Rückweg in ihre Heimat. Am nächsten Morgen verließen der Prophet und die Muslime den Graben, kehrten in die Stadt zurück und legten ihre Waffen ab.

[Nuaim ibn Masud führte diese Intrige gegen die Banu Quraiza (jüdisch) und die Quraisch (arabisch), die nichts davon wussten, dass er sich mittlerweile zum Islam bekannte, offensichtlich auf Anraten Mohammeds durch, um unter ihnen ein Gefühl des Misstrauens und der Zwietracht zu verbreiten. Bemerkenswert ist dabei auch die als selbstverständlich erwähnte Aussage, Mohammed könnte den Adligen der Quraisch und Ghatafan die Köpfe abschlagen lassen. Würde man so etwas auch von Jesus und Buddha erwarten? Ich denke nicht. Dies sagt einiges über den Charakter Mohammeds aus.]

51. Der Angriff auf die Banu Quraiza [Mai 627] Top

Zur Zeit des Mittagsgebetes kam, wie mir Zuhri berichtete, Gabriel zum Propheten. Der Engel trug einen Turban aus Brokat und auch der Sattel des Maultiers, auf dem er ritt, war mit Seidenbrokat bedeckt. Er fragte den Propheten: „Hast du die Waffen bereits niedergelegt?“ „Ja“, antwortete Muhammad und Gabriel fuhr fort: „Die Engel haben dies noch nicht getan und ich komme gerade von der Verfolgung der Feinde zurück. Gott, er ist erhaben und mächtig, befiehlt dir, Muhammad, gegen die Banu Quraiza zu ziehen. Ich begebe mich jetzt zu ihnen und werde sie erheben lassen.“

[Da kommt also der Engel Gabriel auf einem Maultier angeritten und befiehlt Mohammed gegen die Banu Quraiza in den Krieg zu ziehen. Warum glauben die Menschen nur an einen solchen Unsinn? Glaubt Mohammed etwa, er könne die Gräuel, die er den Banu Quraiza angetan hat, den Engeln in die Schuhe schieben? Die Engel scheinen im übrigen genau so kriegslüstern und rachedurstig zu sein, wie Mohammed selbst. Scheinbar morden und töten sie genau skrupellos wie Mohammed und verbreiten den Islam ebenso mit Feuer und Schwert. Was ist das nur für eine Religion?]

Sogleich ordnete der Prophet an, unter den Muslimen auszurufen: „Alle diejenigen, die hören und gehorchen, sollen ihr Nach-

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mittagsgebet nicht verrichten, bevor sie sich nicht bei den Banu Quraiza eingefunden haben.“ Er schickte Ali mit der Fahne voraus und die Muslime folgten ihm eilends nach. Als sich Ali den befestigten Häusern der Quraiza näherte, vernahm er hässliche Worte über den Propheten. Er kehrte um und sprach zum Propheten, als er ihn unterwegs traf: „Gesandter Gottes! Du solltest dich diesen schändlichen Menschen nicht nähern.“ „Weshalb? Du hast wohl Schmähungen gegen mich gehört?“ „So ist es.“ „Wenn sie mich sähen, würden sie nicht so über mich reden.“ Und als er ihren Häusern näher kam, rief er: „Ihr Brüder der Affen! Hat Gott euch jemals erniedrigt und seine Rache über euch gesandt?“ „Du bist nicht so töricht, uns dies anzutun, Abu l-Qasim!21.1“, antworteten ihm die Quraiza.

21.1 Durch seinen Sohn Qasim, der bereits als Kind verstarb, trug Mohammed auch den Namen Abu l-Qasim.

Der Prophet belagerte sie 25 Tage, bis sie erschöpft waren und Gott ihre Herzen mit Angst erfüllte. Huyayy ibn Akhtab [von den Banu Nadir] war nach dem Abzug der Quraish und Ghatafan und entsprechend seiner Abmachung mit Kab ibn Asad [von den Banu Quraiza] in die Schutzfestung der Banu Quraiza geflüchtet. Als er sich bewusst wurde, dass der Prophet die Belagerung nicht aufheben würde, bevor er sie vernichtet habe, sprach Kab: „Volk der Juden! Ihr seht, was über euch gekommen ist. Ich mache euch drei Vorschläge. Entscheidet euch für einen!

Nämlich?“ „Entweder wir folgen und glauben diesem Mann. Es ist wahrlich deutlich geworden, dass er ein gesandter Prophet ist und dass er es ist, den ihr in eurer Schrift vorausgesagt findet. Dann werden euer Leben, euer Besitz, eure Kinder und eure Frauen sicher sein.“ „Niemals werden wir das Gesetz der Thora [der hebräischen Bibel] aufgeben und es gegen etwas anderes eintauschen!“

Wenn ihr diesen Vorschlag nicht annehmt, so mache ich euch einen zweiten, nämlich dass wir unsere Frauen und Kinder töten und dann unbelastet mit gezücktem Schwert gegen Muhammad und seine Gefährten ziehen. Gehen wir zugrunde, so lassen

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wir keine Nachkommen zurück, um die wir uns sorgen müssten. Siegen wir aber, werden wir andere Frauen und Kinder haben.“ „Wir sollen diese Armen töten? Was wäre dann noch schön am Leben?“

Wenn ihr auch dies ablehnt, so schlage ich euch als letztes folgendes vor: „Heute nacht ist die Nacht zum Sabbat und Muhammad und seine Gefährten werden sich wahrscheinlich vor uns sicher fühlen. Steigt deshalb hinunter; vielleicht können wir ihn und seine Leute überraschen.“ „Wir sollen unseren Sabbat schänden und tun, was keiner vor uns getan hat, ohne dass er, wie du weisst, (in einen Affen) verwandelt worden ist?“ „Ihr habt euch, seit euch eure Mutter gebar, noch nie zu etwas entschließen können!“

Darauf ließen sie den Propheten durch einen Boten die Bitte überbringen, er möge ihnen den Abu Lubaba, einen Bruder des Stammes Auf, schicken, damit sie sich mit ihm über ihre Lage beraten könnten. Der Prophet sandte Abu Lubaba zu ihnen und als sie ihn sahen, kamen die Männer herbei und ihre Frauen und Kinder weinten so sehr, dass er Mitleid mit ihnen empfand. „Glaubst du“, fragten sie ihn, „wir sollten uns Muhammads Urteil unterwerfen?“ „Ja“, antwortete er, und deutete auf seine Kehle, womit er ihnen andeutete, dass sie niedergemetzelt würden.

Abu Lubaba erzählte später, er habe den Ort noch nicht verlassen gehabt, als er bereits erkannte, dass er Gott und seinem Gesandten gegenüber treulos gehandelt habe. Er kehrte deshalb nicht zum Propheten zurück, sondern band sich in einer Moschee an einer Säule und schwor, er werde dort so lange verweilen, bis Gott ihm sein Tun verziehen habe und er werde nie mehr die Banu Quraiza und jene Stelle aufsuchen, wo er sich Gott und seinem Gesandten gegenüber ungetreu verhalten habe. [Vasallentreue nennt man so etwas. Als Vasallentreue wird eine kritiklose und unterwürfige Treue bezeichnet.]

Der Prophet hatte lange auf Abu Lubabas Rückkehr gewartet. Als er dann erfuhr, was mit ihm geschehen war, sprach er: „Wäre er zu mir gekommen, hätte ich für ihn um Vergebung gebetet. Jetzt aber werde ich ihn nicht aus seiner Lage befreien, bevor ihm Gott nicht verziehen hat.“

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Die Vergebung für Abu Lubaba, so überlieferte mir Yazid ibn Abdallah, wurde dem Propheten zur Zeit der Morgendämmerung geoffenbart, als er sich im Zimmer seiner Frau Umm Salama aufhielt. Diese erzählte später: „Als es dämmerte, hörte ich den Propheten lachen und fragte ihn nach dem Grund dafür. Er erklärte mir, dass dem Abu Lubaba verziehen worden sei. Ich bat ihm, diesem die frohe Nachricht bringen zu dürfen und der Prophet willigte ein. Von der Tür meines Zimmers aus rief ich zur Moschee hinüber: „Freue dich Abu Lubaba, Gott hat dir vergeben!“ Da eilten die Leute herbei, um ihn zu befreien, doch er sprach: „Nein, bei Gott, erst wenn mich der Prophet selbst losbindet!“ Auf dem Wege zum Morgengebet befreite ihn dann der Prophet.“

An diesem Morgen unterwarfen sich die Quraiza dem Urteil des Propheten. Da wandten sich die Aus an Muhammad und sprachen: „O gesandter Gottes! Die Quraiza sind unsere Verbündeten und nicht die der Khazradj. Du weißt, wie du vor einiger Zeit mit ihren Verbündeten [den Bau Qainuqa] verfahren bist. Damals hatte der Prophet die jüdischen Banu Qainuqa, Verbündete der Khazradj, belagert. Diese hatten sich seinem Urteil unterworfen, doch war der Khazradj Abdallah ibn Ubayy für sie eingetreten und der Prophet hatte sie ihm überlassen. Als nun die Aus um das gleiche Recht hinsichtlich der mit ihnen verbündeten Quraiza baten, fragte sie der Prophet: „Seid ihr damit zufrieden, wenn einer von euch das Urteil über sie fällt?“ „Ja!“ „So lasst Sad ibn Muadh entscheiden!“

Der Prophet hatte Sad, der am Graben von einem Pfeil getroffen worden war, auf dem Gebetsplatz in das Zelt einer Frau vom Stamme Aslam, namens Rufaida, bringen lassen, die sich um die Verwundeten kümmerte und die verletzten Muslime versorgte. Nachdem ihn der Prophet nun zum Richter über die Banu Quraiza ernannt hatte, kamen seine Stammesgenossen zu ihm und hoben ihn auf einen Esel. Da Sad recht beleibt war, legten sie ihm ein Lederkissen unter. Auf dem Weg zum Propheten baten ihn seine Stammesgenossen:

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Abu Amr, lass Milde mit deinen Verbündeten walten, denn eben deswegen hat dich der Prophet mit dieser Entscheidung beauftragt.“ Als sie ihn immer mehr bedrängten, sagte er: „Für mich ist die Zeit gekommen, dass es mich nicht mehr rührt, wenn ihr mich wegen einer Entscheidung tadelt, die ich im Sinne Gottes fälle.“ Beim Propheten und bei den Muslimen angelangt, fragte sie Sad: „Verplichtet ihr euch bei Gott, die Entscheidung, die ich über die Quraiza fällen werde, anzunehmen?“ Und nachdem sie ihm dies versprochen hatten, fuhr er fort: „So entscheide ich, dass die Männer getötet und die Kinder und Frauen gefangengenommen werden und ihr Besitz aufgeteilt wird.“

[Tilman Nagel beschreibt diesen Vorfall auf Seite 370 wie folgt: „Die Ausiten erbaten vom Propheten für ihre Schutzgenossen [die Banu Quraiza], die gleichen Bedingungen, die er den Hazragiten [Hazradj] für die Banu Qainuqa zugestanden hatte. [die Mohammad im Jahre 624 aus Medina vertrieben hatte] Statt eine Entscheidung zu fällen, wusch er seine Hände in Unschuld. Der Ausite Sad ibn Muadh sollte urteilen. Dieser, ein „wohlbeleibter schöner Mann“, musste auf einem Esel herbeigeholt werden, da er durch einen Pfeilschuss verwundet worden war. „Steht auf vor eurem Herrn“, befahl Mohammed, als Sad eintraf und die „Auswanderer“ stritten sich später, mit den „Helfern“ darüber, ob dieser Befehl ihnen beiden gegolten habe [den Auswanderern und Helfern] oder nur letzteren. Von Mohammed abgewandt, ihm vermochte Sad vor Ehrfurcht nicht ins Gesicht blicken, verkündete er den von ihm erwarteten Richterspruch: „Die Männer sollen getötet werden, die Güter verteilt, die Kinder und Frauen gefangen genommen werden.“

Lesen wir weiter, was Tilman Nagel auf Seite 373 über den Verfall der Sitten, bei den mit den Muslimen verbündeten arabischen Stämmen der Banu Aus und Banu Khazradj berichtet, seitdem Mohammed in Medina die Macht übernommen hatte: „Unter dem Vorwand, die Belange „Allahs und seines Gesandten“ seien die oberste Maxime des Handelns, brechen die [ethischen und moralischen] Sitten weg, die bis dahin das Zusammenleben der Menschen möglich gemacht haben. Ein friedliches Zusammenleben [war es bisher] gewiss nicht, aber eines, in dem bestimmte Verhaltensregeln im großen und ganzen beachtet wurden. Mohammed, angetrieben von seinem Alter Ego (Alter Ego = sein zweites Ich) Allah, nimmt sich das Recht, sie [die bisher bestandenen Sitten] beiseitezufegen. Die widerwärtigen Meuchelmorde, die er in Auftrag gibt, künden hiervon. Ja, das Abschlachten der Banu Quraiza nützt er dazu, jedermann vor Augen zu führen, dass alles Überkommene nicht mehr gilt, solange die eigensüchtigen Belange Allahs, will sagen, Mohammeds, im Spiele sind:

Er zwingt die Aussiten, die eigenen Schwurgenossen umzubrigen. Und diese Ungeheuerlichkeit ist keine einmalige Entgleisung. Mord im Auftrag Mohammeds wird zur nachahmenswerten Ruhmestat. Wie erwähnt drängen sich einige Hazragiten [von Hadzradj] danach, endlich auch ihrerseits für „Allah und seinen Gesandten“ auf's schmählichste alle Normen fahren zu lassen. „Zudem, wodurch Allah seinem Gesandten einen Vorteil verschaffte, gehört, dass die beiden Stämme der „Helfer“, die Bau Aus und Khazradj, in Gegenwart des Gesandten Allahs wie zwei kämpfende Kamelhengste gegeneinander hochsprangen. Taten die Ausiten etwas, woraus der Gesandte Allahs seinen Nutzen zog, dann sagten die Hazragiten sofort: „Bei Allah, ihr stecht uns doch nicht etwa dadurch beim Gesandten Allahs aus und im Eifer des Islam.“ Sie ließen nicht locker, bis sie etwas Vergleichbares zustande brachten.“

Aus diesem Grund, kann man den Versuch Ibn Ishaqs, die Ermordung der Banu Quraiza den Banu Aus anzulasten, nur als perfide bezeichnen. Der Einzige, der für die Ermordung der Banu Quraiza verantwortlich ist, ist Mohammed und niemand sonst. Denn Mohammed allein ist für den Verfall der Sitten verantwortlich. Erst durch seine angebliche Offenbarung durch den Erzengel Gabriel kam es zum Feldzug gegen die Banu Quraiza. Freiwillig haben die Banu Aus ihre Verbündeten von den Banu Quraiza sicherlich nicht ermordet. Schließlich waren sie den Banu Quraiza wohlgesonnen und betrachteten sie als Verbündete, die ihnen im Kriegsfall beistehen konnten. Sie haben sicherlich alles getan, um zu verhindern, dass die Banu Quraiza ermordet wurden.]

Schließlich mussten sich die Quraiza ergeben und der Prophet ließ sie im Gehöft der Bint Harith, einer Frau vom Stamme Nadjjar, einsperren. Sodann begab er sich zum Markt von Medina, dort, wo heute noch der Markt ist, und befahl, einige Gräben auszuheben. Als dies geschehen war, wurden die Quraiza geholt und Gruppe um Gruppe in den Gräben enthauptet. Darunter befanden sich auch der Feind Gottes Huyayy ibn Akhtab und das Stammesoberhaupt Kab ibn Asad. Insgesamt waren es 600 oder 700 Männer, einige behaupten sogar, es seien zwischen 800 und 900 gewesen. Als sie damals in Gruppen zum Propheten geführt wurden, fragten sie Kab: „Was glaubst du, wird man mit uns tun?“ „Werdet ihr es denn nie begreifen?“ rief Kab, „seht ihr denn nicht, dass der Rufer niemals aufhört zu rufen und dass diejenigen, die weggebracht werden, nie mehr zurückkehren. Es ist der Tod, bei Gott.“

Als der Feind Gottes, Huyayy ibn Akhtab, herangebracht wurde, war er mit einem besticktem, rötlichen Gewand bekleidet, in das er überall fingerkuppengroße Löcher geschnitten hatte, damit man es nach der Hinrichtung nicht von seiner Leiche rauben würde. Die Hände waren ihm mit einem Strick an den Hals gebunden. Als er den Propheten sah, sprach er: „Ich tadle mich nicht dafür, dass ich dir meine Feindschaft gezeigt habe, aber der, der Gott verlässt, der wird verlassen:“ Und

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an die Leute gewand, fuhr er fort: „O ihr Menschen! Gegen diesen Befehl Gottes ist nichts einzuwenden. Er hat den Kindern Israels eine Schrift, ein Verhängnis und ein Gemetzel offenbart.“ Nach diesen Worten setze er sich und wurde enthauptet.

Der Prophet verteilte den Besitz, die Frauen und Kinder der Banu Quraiza unter den Muslimen. Er legte fest, welche Anteile an der Beute jeweils den Reitern und Unberittenen zustanden und behielt selbst ein Fünftel ein. Jeder Reiter erhielt drei Teile, nämlich zwei Teile für das Pferd und ein Teil für sich selbst. Jeder Unberittene bekam ein Teil. Am Tag des Sieges über die Quraiza gab es 36 Pferde. Es war dies die erste Beute, die auf diese Weise aufgeteilt wurde und aus der ein Fünftel [für Mohammed] einbehalten wurde. Diese Regelung des Propheten wurde auch in den folgenden Feldzügen angewandt. Die gefangenen Frauen und Kinder aus dem Fünftel schickte er mit dem Helfer Sad ibn Zaid in den Nadjd [etwa 500 Kilometer nordöstlich von Medina] und tauschte sie gegen Pferde und Waffen ein.

Eine der gefangenen Frauen, Raihana bint Amr, behielt der Prophet für sich selbst. Sie blieb in seinem Besitz, bis er starb. Als er ihr vorschlug sie zu heiraten und sie aufforderte, den Schleier zu tragen, bat sie ihn, er möge sie lieber als Sklavin in seinem Besitz behalten, da dies für beide einfacher sei. Der Prophet kam ihrem Wunsche nach. Bei ihrer Gefangennahme zeigte sie ihre Abneigung gegenüber den Islam und hielt am Judentum fest. Der Prophet beachtete sie deshalb eine Zeitlang nicht und war darüber sehr enttäuscht. Eines Tages aber, als er mit seinen Gefährten zusammensaß, hörte er hinter sich das Geräusch zweier Sandalen und sprach: „Dies ist Thalaba, der mir die frohe Kunde bringt, dass Raihana den Islam angenommen hat.“

So war es in der Tat und der Prophet freute sich darüber. Im Grabenkrieg fanden nur 6 Muslime den Tod. Von den Ungläubigen fielen 3 Männer.

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52. Gedichte über den Grabenkrieg Top

Für die Quraish sprach Ibn Zibara die folgenden Verse:

Grüß mir das Lager, von dem alle Spuren schon lan-
ge, verwischt und verweht sind im Wandel der Zeiten,
Spuren, die mir wie jüdische Lettern erschienen.
Nur noch die Koppeln und Pflöcke verblieben in weiten
und einsamen Wüsten, in denen die blutjungen
Mädchen, die nie mehr ergötzen und Wollust bereiten.
Doch lasse dich nicht zur Erinn'rung an jenes vergangene
Leben und jene verwüsteten Plätze verleiten!
Dankbar gedenke vielmehr der tapferen Scharen,
die gemeinsam und alle voll Mut die geweihten
und heiligen Blutopfersteine von Mekka verließen,
um im stimmengewaltigem Heer nach Medina zu reiten.
Sie verließen die Höhen und deutlichen Wege,
vertraut mit den Pässen und Unwegsamkeiten,
und führten im Zuge die edlen und rassigen Pferde,
die Leiber gestreckt und auch schmal an den Seiten
und geboren von schlankem Geblüt wie die Wölfe,
die flink und behend um den Viehhirten gleiten.
Uyana strebte voran mit der Fahne des Heeres,
dahinter tat Sakhr die Schar der Verbündeten leiten,
zwei Herren, wie Monde so strahlend, die den Armen die
Hilfe gewähren und dem Flüchtling die Zuflucht bereiten,
bis sie Medina erreichten und gegen den Tod das
bewährte und schneidende Schwert aus der Scheide befreiten.
Vierzig bedrückende Tage erlebte Muhammad,
obwohl die Gefährten sich tapfer im Kampf um ihn reihten.
Und als man zum Aufbruch uns rief an dem Morgen,
da konntet ihr unsere Siege uns kaum mehr bestreiten.
Hätte euch nicht euer Graben geholfen, ihr läget
als Leichen jetzt dort, von den Geiern zerfleischt an den Seiten.

Für die Muslime antwortete darauf Hassan ibn Thabit mit den Versen:

Können die Spuren des leeren verwüsteten Lagers
dem suchenden Frager denn noch eine Antwort bereiten,
dort in der Wüste, wo Regen die Spuren verwischte
und dauernde wehende Winde hoch über sie gleiten?
Auch ich sah die Zelte einst dort, geschmückt von den hellen
Gesichtern, die her sich von edelster Abstammung leiten.
Doch lasse sie nun und denke nicht mehr an die Mädchen
mit knospenden Brüsten, die weichen, die hellen, gescheiten!
Beklage vielmehr, was du sahst von den zornigen Männern,
die sich voll Unrecht mit Gottes Gesandten entzweiten!
Sie riefen die Kämpfer aus Städten und Wüsten zusammen
und zogen davon, um mit Muhammad zu streiten.
Ibn Harb und Uyaina befehligten beide die Heere,
in die sich dazu noch die Schar der Verbündeten reihten,
bis sie Medina erreichten und hofften, die Freunde
Muhammads zu töten, zu plündern die Habseligkeiten.
Sie griffen uns an und bewiesen uns all ihre Macht,
doch wurden sie wütend zur Flucht noch getrieben beizeiten.
Ein heftiger Sturm hat sie alle zerstreut, als die Heere
des Herren aller Herzen uns siegreich von ihnen befreiten.
Vor ihrem Kampf hat Gott die Muslime bewahrt
und ließ ihnen beste Belohnung bereiten.
Nachdem sie bereits keine Hoffnung mehr hatten, versprengte
die Hilfe des schenkenden Königs die feindlichen Seiten
zur Freude Muhammads und seiner Gefährten, zur Schande
all derer, die lügend und zweifelnd die Wahrheit bestreiten,
und unrein und hart sind im grausamen Herzen
und überall ihren heidnischen Argwohn verbreiten.
Sie sind mit dem ewigen Unheil verbunden und werden
im Unglauben leben, verstockt bis ans Ende der Zeiten.

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53. Amr ibn As und Khalid ibn Walid nehmen den Islam an Top

Yazid ibn abi Habib überlieferte mir das folgende von Rashid, einem Freigelassenen des Habib ibn abi Aus vom Stamme Thaqif, der sich auf die Aussagen des Habib, seines Herrn, stützte. Diesem hatte Amr ibn As erzählt:

Nachdem wir mit den verbündeten Stämmen den Graben verlassen hatten, rief ich [Amr ibn As] einige Quraishiten zusammen, die meiner Meinung waren und mir ihr Gehör schenkten. Diesen erklärte ich: „Ihr kennt meine Meinung, dass das Treiben Muhammads inzwischen üble Ausmaße annimmt. Ich habe eine Idee und möchte euch fragen, was ihr davon haltet?“

Und was ist das für eine Idee?“ „Ich bin der Meinung, wir sollten uns zum Negus [dem König von Äthiopien] begeben und bei ihm bleiben. Gewinnt Muhammad die Oberhand über unser Volk, bleiben wir weiter beim Negus, denn es dürfte für uns besser sein, unter seiner Herrschaft als unter Muhammads zu leben. Siegen unsere Leute, kennen sie uns und werden uns nichts Schlimmes antun.“ „Ein vorzüglicher Rat!“ „So sammelt denn Geschenke, die wir dem Negus bringen können.“

Da dieser von den Erzeugnissen unseres Landes das Leder am meisten schätzte, brachten wir eine große Menge davon zusammen und machten uns auf den Weg, bis wir bei ihm anlangten. Wir waren gerade bei ihm angekommen, da erschien auch Amr ibn Umayya bei ihm, den der Prophet wegen Djafar und seinen Freunden nach Abessinien geschickt hatte23. Als er den Negus wieder verließ, sprach ich zu meinem Begleiter: „Das ist Amr ibn Umayya! Wenn ich zum Negus ginge und ihn bäte, ihn mir auszuliefern, würde er ihn mir überlassen und ich könnte ihm den Kopf abschlagen. Die Quraish müssten dann

23Zur Auswanderung nach Abessinien vergleich im Text Seite 65.

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feststellen, dass ich ihnen mit der Ermordung des Boten des Propheten einen großen Dienst erwiesen habe.“

Ich ging zum Negus und warf mich vor ihm nieder, wie ich es früher schon getan hatte. Er hieß mich willkommen und fragte: „Hast du mir aus deiner Heimat ein Geschenk mitgebracht?“ Ja, O König!“ „Viel Leder!“ Ich ließ es ihm bringen. Es gefiel ihm sehr und er war sehr versessen darauf. Dann bat ich ihn: „O König, ich habe gerade einen Mann von dir weggehen sehen. Er ist der Abgesandte eines unserer Feinde. Liefere ihn mir aus, damit ich ihn töten kann, denn er hat einige unserer besten und edelsten Männer umgebracht.“

Bei diesen meinen Worten erzürnte der Negus und schlug sich mit der Hand derart fest auf die Nase, dass ich dachte, er hätte sie gebrochen. Hätte sich die Erde gespalten, ich wäre aus Angst vor ihm hineingesprungen.

Wahrlich, wäre ich mir bewusst gewesen, dass du meine Bitte so abscheulich findest, hätte ich sie nicht geäußert!“, versuchte ich mich zu entschuldigen, doch er rief: „Soll ich dir etwa den Boten eines Mannes ausliefern, zu dem der Erzengel kommt, der auch zu Moses kam, damit du ihn umbringst!“ „O König, ist er wirklich ein solcher Mann?“, fragte ich ihn und er erwiderte: „Wehe dir, Amr! Gehorche mir und folge ihm, denn er ist im Recht und wird seine Gegner besiegen, wie Moses den Pharao und seine Heere besiegte!“ „Bist du bereit, dass ich dir anstelle Muhammads den Treueeid auf den Islam leiste?“

Er stimmte zu, streckte die Hand aus und ich leistete den Treueschwur. Als ich ihn dann verließ und zu meinen Gefährten zurückkehrte, hatte sich meine Meinung völlig geändert, doch verheimlichte ich ihnen, dass ich den Islam angenommen hatte. Sodann machte ich mich auf den Weg zum Propheten, um mich zum Islam zu bekennen.

Unterwegs rief ich Khalid ibn Walid, der aus Mekka kam und fragte ihn: „Wohin des Wegs, Abu Sulaiman?“

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Der Weg ist klar. Der Mann ist in der Tat ein Prophet. Ich gehe zu ihm, um den Islam anzunehmen. Wie lange soll ich noch warten?“

Bei Gott, mit der gleichen Absicht komme auch ich.“ In Medina angelangt, huldigte Khalid dem Propheten als erster. Dann trat ich auf Muhammad zu und sprach: „O Gesandter Gottes! Ich huldige dir unter der Bedingung, dass mir alle Schuld aus der Vergangenheit vergeben und alles Vergangene nicht mehr erwähnt wird.“

So huldige!“, antwortete der Prophet und fuhr fort: „Die Annahme des Islams schneidet wie die Hidjra [die Auswanderung aus Mekka] alles ab, was vorher war.“ Da huldigte ich ihm und ging weg.

54. Der Überfall auf die Banu Mustaliq [628] Top

Im Monat Shaban des Jahres 6 unternahm der Prophet den Zug gegen den Stamm der Banu Mustaliq aus dem Großverband der Khuzaa.

Asim ibn Umar, Abdallah ibn abi Bakr und Muhammad ibn Yahya haben mir jeder einen Teil der folgenden Darstellung über das Unternehmen gegen die Banu Mustalic erzählt:

Der Propher erfuhr, dass sich die Banu Mustalic unter ihrem Anführer Harith ibn abi Dirar gegen ihn sammelten. [Einzelheiten hierzu bei Timan Nagel Seite 363.] Da zog er gegen sie aus und traf sie an einer Wasserstelle namens Muraisi in der Gegend von Qudaid in Richtung Küste. Sie gingen aufeinander los und kämpften, bis Gott die Banu Mustaliq in die Flucht schlug, einige von ihnen tötete und den Propheten ihre Kinder, ihre Frauen und ihren Besitz zur Beute machen ließ. Die vielen Gefangenen wurden unter die Muslime verteilt, darunter auch Djuwairiya, des Harith Tochter.

Muhammad ibn Djafar berichtete mir von seinem Onkel Urwa ibn Zubair, dass Aisha, die Gattin des Propheten, folgendes erzählte:

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Als der Prophet die Gefangenen aus dem Stamm der Banu Mustaliq als Beute verteilte, geriet Djuwairiya in den Anteil des Thabit ibn Qais oder dessen Vetter und wollte sich selbst von ihm freikaufen. Sie war eine reizendende, anmutige Frau und jeder, der sie sah, war sogleich von ihr gefangengenommen. Sie kam zum Propheten, um ihn zu bitten, ihr beim Freikauf zu helfen. „Sobald ich sie an der Tür meines Zimmers sah“, so erzählte Aisha später, „empfand ich einen Widerwillen gegen sie, da ich wusste, dass der Prophet sie so sehen werde, wie ich sie sah.“

Sie trat bei ihm ein und sprach: „Ich bin Djuwairiya, die Tochter des Harith ibn abi Dirar, des Führeres seines Stammes. Mir ist, wie du weisst, Unheil widerfahren. Ich bin in den Beuteanteil des Thabit ibn Qais geraten, möchte mich aber von ihm freikaufen und bin deshalb mit der Bitte zu dir gekommen, mir dabei zu helfen.“ „Vielleicht möchtest du noch etwas Besseres“, fragte sie der Prophet und als sie wissen wollte, was er meinte, fuhr er fort: „Ich werde die Summe für deinen Freikauf bezahlen und dich heiraten!“ [Ob sie sich wohl etwas Besseres vorstellen konnte, als mit einem korpulenten 58-jährigen Mann verheiratet zu sein? Wahrscheinlich wurde sie gar nicht gefragt, ob sie Mohammed heiraten wolle.]

Sie war damit einverstanden und er heiratete sie. Die Nachricht verbreitete sich schnell unter den Muslimen, worauf sie alle ihre Gefangenen, die sie vom Stamm der Banu Mustaliq hatten, freiließen, da diese ja nun mit dem Propheten verschwägert waren. Durch seine Heirat mit ihr kamen 100 Familien dieses Stammes wieder frei und ich kenne keine andere Frau, die für ihren Stamm ein größerer Segen gewesen wäre.

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55. Die Lüge, die über Aisha verbreitet wurde Top

Zuhri hat für mich den folgenden Bericht zusammengestellt, wobei er sich auf die Aussagen von Alqama ibn Waqqas, Said ibn Djubair, Urwa ibn Zubair und Ubaidallah ibn Abdallah stützte. Alle haben ihm einige Teile davon erzählt, und der eine hat mehr davon behalten als der andere. Auch Yahya ibn Abbad und Abdallah ibn abi Bakr, ersterer nach Aussagen meines Vaters, letzterer von Amra, der Tochter des Abdarrahman, schilderten mir Aishas eigene Darstellung über die Angelegenheit mit der Verleumdung. Alles, was in ihren Bericht Eingang gefunden hat, stammt von diesen Männern, wobei sie sich gegenseitig ergänzen. Jeder von ihnen ist vertrauenswürdig und erzählte, was er von Aisha selbst gehört hat.

Aisha erzählte: „Immer wenn der Prophet beabsichtigte, Medina zu verlassen, ließ er durch das Los entscheiden, welche seiner Frauen ihn begleiten durfte. So tat er es auch vor dem Feldzug gegen die Banu Mustaliq. Das Los fiel auf mich und der Prophet nahm mich mit. Die Frauen pflegten damals nur Kleinigkeiten zu essen, damit sie unterwegs nicht zu schwer waren. Wenn mein Kamel gesattelt wurde, saß ich gewöhnlich schon in der Kamelsänfte, dem Haudadj. Dann kamen die Männer, fassten den Haudadj unten an, hoben ihn hoch, legten ihn dem Kamel auf den Rücken, banden ihn mit Stricken fest und zogen, das Kamel am Kopf führend, los.

Nach dem Unternehmen gegen die Banu Mustaliq machte sich der Prophet wieder auf den Rückweg. In der Nähe von Medina ließ er eine Rast einlegen und wir verbrachten dort einen Teil der Nacht. Als er wieder zum Aufbruch rufen lies, begannen die Leute sich fertig zu machen und ich ging etwas abseits, um meine Notdurft zu verrichten. Am Hals trug ich eine meiner Onyxketten [Onyx ist ein Schmuckstein]. Ohne dass ich es bemerkte, glitt diese, als ich mein

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Bedürfnis verrichtet hatte, mir vom Hals und erst bei meiner Rückkehr zum Lagerplatz griff ich suchend nach ihr und vermisste sie. Obwohl man bereits mit dem Aufbruch begonnen hatte, kehrte ich nochmals an jene Stelle zurück und suchte die Kette, bis ich sie fand. Die Männer, die mir das Kamel sattelten, waren inzwischen nach Beendigung ihrer Arbeit zu meiner Lagerstelle gekommen, die ich gerade wieder verlassen hatte und dachten, ich sei wie gewöhnlich bereits in der Kamelsänfte. In der festen Annahme, dass ich mich darin befände, hoben sie sie auf das Kamel und zogen weiter.

Ich aber fand bei meiner Rückkehr im Lager keine Menschenseele mehr vor. Sie waren alle weg. Da wickelte ich mich in mein Gewand und legte mich hin, denn ich wusste ja, dass man gewiss zu mir zurückkehren würde, sobald man mich vermisste. Und bei Gott, kaum hatte ich mich niedergelegt, da kam Safwan ibn Muattal vom Stamme Sulaim vorbei. Aus irgendeinem Grund war er hinter dem Heer zurückgeblieben und hatte die Nacht nicht mit den anderen verbracht. Als er meine Gestalt erblickte, kam er heran und blieb bei mir stehen. Er hatte mich schon früher einmal gesehen, als wir noch nicht den Schleier tragen mussten. Als er mich erkannte, rief er aus: „Wir gehören Gott und kehren zu ihm zurück! Die Frau des Propheten!“ Und während ich in meinem Gewand eingehüllt blieb, fuhr er fort: „Weshalb bist du zurückgeblieben? Gott erbarme sich deiner!“

Ich antwortete nicht. Er holte sein Kamel, bat mich aufzusteigen und hielt sich dabei von mir fern. So stieg ich auf. Er zog das Kamel am Kopf und machte sich eilends auf den Weg, um unsere Leute einzuholen. Aber bei Gott, wir erreichten sie nicht und ich wurde auch nicht vermisst, bis es Morgen wurde und sie haltmachten. Nachdem sie sich ausgeruht hatten, tauchte Safwan mit mir bei ihnen auf. Sogleich verbreiteten die Verleumder ihre Lügen über mich und das ganze Heer geriet in Aufregung. Ich aber wusste, bei Gott, von alledem nichts.

Wir gelangten nach Medina und alsbald wurde ich sehr krank, so dass ich immer noch nichts von den Gerüchten erfuhr. Diese aber waren bis zum Propheten und zu meinen Eltern gedrungen, die mir indes nicht das Geringste erzählten. Ich vermisste nur die gewohnte Freundlichkeit des Propheten, denn immer

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wenn ich sonst krank gewesen war, verhielt er sich mir gegenüber besonders nett und fürsorglich. Diesmal aber kümmerte er sich nicht um mich und mir fehlte seine Aufmerksamkeit. Immer, wenn er zu mir kam, fragte er lediglich meine Mutter, die mich pflegte: „Wie geht es ihr?“ und sonst nichts. Es tat mir im Herzen weh und als ich bemerkte, wie er sich mir entfremdet hatte, bat ich ihn, mir zu erlauben, dass man mich zur Pflege ins Haus meiner Mutter brächte. Er hatte nichts dagegen. So brachte man mich zu meiner Mutter, wobei ich aber immer noch nicht wusste, was eigentlich geschehen war, bis ich nach über 20 Tagen von meiner Krankheit wieder genas.

Wir waren Araber und hatten nicht diese gewissen Örtchen in unseren Häusern, wie die Fremden sie haben. Wir ekeln uns davor und verabscheuen sie. Um ein Bedürfnis zu verrichten, pflegten wir ins Freie, außerhalb der Stadt zu gehen. Die Frauen taten dies stes des Nachts. Eines Abends ging ich also zusammen mit Umm Mistah, die zum Geschlecht der Abdmanaf gehörte und eine Tante meines Vaters Abu Bakr war, hinaus, um meine Notdurft zu verrichten. Wie sie so mit mir dahinschritt, stolperte sie über ihr Kleid und schimpfte: „Soll doch Mistah fallen!“

Beim ewigen Gott“, entfuhr es mir, „so spricht man nicht über einen Auswanderer, der bei Badr gekämpft hat!“ Doch sie entgegnete: „Hast du, Tochter des Abu Bakr, denn nicht das Gerücht gehört?“ „Was für ein Gerücht?“ erwiderte ich und nachdem sie mir erzählt hatte, was die Verleumder redeten, fragte ich sie: „Ist das wirklich wahr?“ „Ja, bei Gott, so ist es!“ gab sie zurück.

Ich konnte nicht einmal mehr meine Notdurft verrichten, sondern lief sofort zurück, und, bei Gott, ich weinte so sehr, dass ich dachte, es würde mir das Herz zerreißen. Zu Hause schalt ich meine Mutter: „Gott möge dir vergeben! Die Leute reden über mich und du sagst mir kein Wort davon!“ „Meine liebe Tochter“, versuchte sie mich zu trösten, „nimm es nicht so schwer. Es gibt kaum eine schöne Frau, die mit einem Mann verheiratet ist, der sie liebt, ohne dass die Nebenfrauen und auch die anderen Leute über sie reden.“

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Der Prophet aber erhob sich unter den Muslimen und predigte ihnen, ohne dass ich davon wusste. Er lobte und pries Gott und sprach: „O ihr Menschen, wie kommt es, dass einige Männer mich wegen meiner Familie kränken und unwahr von ihr sprechen! Bei Gott, ich weiss nur Gutes von ihr. Wie kommt es, dass sie dies von einem Mann behaupten, von dem ich auch nur Gutes weiß und der keines meiner Zimmer ohne meine Begleitung betritt!“

Die Hauptschuld an den Gerüchten trugen Abdallah ibn Ubayy unter den Männern des Stammes Khazradj, sowie „Mistah und Hamna“, die Tochter des Djahsh. Hamnas Schwester Zainab war nämlich eine der Frauen des Propheten und diese war die einzige unter den Frauen, die sich mit mir in seiner Wertschätzung messen konnte. Während aber Gott Zainab in ihrem Glauben beschützte, so dass sie nur Gutes sprach, verbreitete Hamna das Gerücht überall. Sie tat dies gegen mich und zugunsten ihrer Schwester, die darunter sehr litt.

Auf die oben genannten Worte des Propheten erwiderte Usaid ibn Hudair: „Wenn die Verleumder zum Stamme Aus gehören, werden wir dich vor ihnen schützen; gehören sie aber zu unseren Brüdern vom Stamme Khazradj, so gib uns deine Befehle, denn bei Gott, dies wären wahrlich Menschen, denen man den Kopf abschlagen sollte.“

Darauf erhob sich Sad ibn Ubada, den man bislang für einen frommen Mann gehalten hatte und sprach: „Beim ewigen Gott! Du lügst! Wir werden sie nicht enthaupten! Du hättest dies nie gesagt, wenn du nicht wüsstest, dass sie zu den Khazradj gehören. Wären sie aus deinem Stamme, hättest du dies nicht gesagt.“ „Du lügst“, gab Usaid zurück, „du bist ein Heuchler, der für die Heuchler streitet!“

Die Männer gingen aufeinander los und beinahe wäre es zwischen den beiden Stämmen zu einem Kampf gekommen. Danach kam der Prophet zu mir und rief Ali und Usama ibn Zaid, um sich mit ihnen zu beraten. Usama lobte mich sehr und fuhr fort: „O Prophet Gottes! Es ist deine Familie und wir wissen nur das Beste über sie. All das, was behauptet wird, ist erlogen und falsch!“

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Ali dagegen sprach: „O Prophet Gottes! Der Frauen gibt es wahrlich genug und du kannst sie leicht ersetzen. Frage doch die Sklavin, sie wird dir die Wahrheit sagen!“ Der Prophet rief Buraira. Ali trat auf sie zu, versetzte ihr einen heftigen Schlag und fuhr sie an: „Sage dem Propheten die Wahrheit!“ „Bei Gott“, begann sie, „ich weiß nur Gutes über Aisha. Das einzige, was ich an ihr auszusetzen habe, ist, dass sie, wenn ich meinen Teig geknetet habe und sie bitte, darauf acht zu geben, dabei einschläft. Dann kommt das Schaf und frisst den Teig.“

Dann kam der Prophet zu mir ins Zimmer, bei mir waren meine Eltern und eine Frau von den Helfern, die mit mir weinte, setzte sich, pries und lobte Gott und sprach: „Aisha! Du weisst, was die Leute über dich reden! So fürchte Gott, und wenn du etwas getan hast, was die Leute behaupten, bereue es vor Gott, denn er nimmt die Reue seiner Diener an.“

Kaum hatte er dies gesagt, verschwanden meine Tränen, so dass ich sie nicht mehr spürte. Ich erwartete, dass meine Eltern für mich antworten würden, aber sie sagten nichts. Bei Gott, ich kam mir selbst zu armselig und klein vor, als dass ich erwartet hätte, dass Gott wegen mir Koranverse herabsenden könne, die man in den Moscheen rezitieren und beim Gebet sprechen würde, aber ich hofftte doch, dass der Prophet im Traum etwas sehen oder Gott ihm etwas mitteilen würde, um die Verleumdung von mir abzuwenden, denn er kannte meine Unschuld. Für eine koranische Offenbarung kam ich mir fürwahr zu unbedeutend vor. Als ich bemerkte, dass meine Eltern nichts sagten, fragte ich sie: „Antwortet ihr dem Propheten denn nicht?“ „Bei Gott, wir wissen nicht, was wir ihm antworten sollen“, gaben sie zurück.

Ich kenne keine Familie, die so viel gelitten hat, wie die Familie meines Vaters Abu Bakr in jenen Tagen. Als sie weiterhin schwiegen, brach ich erneut in Tränen aus und sagte: „Bei Gott, ich werde niemals etwas derartiges vor Gott bereuen! Ich weiss, dass ich, wenn ich bestätigen würde, was die Leute behaupten, und Gott weiß, dass ich unschuldig bin, etwas

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gestehen würde, was nicht geschehen ist. Streite ich aber ihre Verleumdung ab, wirst du mir nicht glauben.“

Dann versuchte ich, mich an den Namen Jakob zu erinnern, kam jedoch nicht darauf. Deshalb sagte ich: „Ich werde dir wie Josephs Vater antworten: „Ich muss mich in Geduld üben. Und Gott sei um Hilfe gebeten gegen das, was ihr aussagt.“ (Sure 12,18)“

Und, bei Gott, der Prophet hatte sich von seinem Platz noch nicht erhoben, als [wie nicht anders zu erwarten] in der gewohnten Weise eine Offenbarung Gottes über ihn kam. Man bedeckte ihn mit einem Gewand und legte ihm ein Lederkissen unter das Haupt [Epileptischer Anfall?23.1 ]. Ich aber fürchtete und sorgte mich nicht, als ich dies sah. Ich wusste ja, dass ich unschuldig war und das Gott mich nicht ungerecht behandeln würde. Nicht so meine Eltern. Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt! Kaum kam der Prophet wieder zu sich, als ich dachte, meine Eltern würden sterben aus Angst, Gott könne die Behauptung der Leute bestätigt haben. Der Prophet kam zu sich und setzte sich auf. Der Schweiss rann ihm vom Gesicht wie Perlen an einem Wintertag. Während er ihn sich von der Stirn wischte, sprach er: „Freue dich über die Botschaft, Aisha! Gott hat deine Unschuld geoffenbart.“

23.1[Manche meinen auch, Mohammed könnte unter Akromegali gelitten haben. Dies ist eine schwerwiegende Erkrankung der Hypophyse. (siehe: War Mohammed krank? oder: War Mohammed Epileptiker?)]

Ich aber lobte Gott. Sodann trat der Prophet hinaus vor die Leute und trug ihnen vor, was Gott geoffenbart hatte. Dem Mistah ibn Uthatha, dem Hassan ibn Thabit und der Hamna bint Djahsh aber, die vor allem jene Ungeheuerlichkeit verbreitet hatten, ließ er die vorgeschriebene Zahl von Peitschenhieben verabreichen.

Die Offenbarung, die Gott über die Schamlosen, die die Worte der Verleumder verbreitet hatten, herabsandte, lautet: „Diejenigen, die die Lüge [von dem angeblichen Fehltritt Aishas] vorgebracht haben, sind nur eine kleine Gruppe von euch. Ihr dürft nicht meinen, sie gereiche euch zum Nachteil. Sie gereicht euch vielmehr zum Vorteil [da nunmehr Klarheit geschaffen ist]. Jedem einzelnen von ihnen wird das angerechnet, was er an Sünden begangen hat. Und der Haupttäter hat eine gewaltige Strafe zu erwarten.“ (Sure 24,11)

Damit meinte Gott Hassan ibn Thabit und seine verleumderischen Freunde. Und Gott fuhr fort: „Warum haben denn, als ihr davon hörtet, die gläubigen Männer und Frauen nicht ihrerseits eine gute Meinung (von Aisha) gehabt?“ Und weiter sprach

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Gott: „Als ihr es mit eurer Zunge aufnahmt und mit eurem Mund sagtet, wovon ihr kein Wissen hattet und es für unwichtig hieltet, während es bei Gott schwer wiegt!“ (Sure 24,11-15)

Nachdem dies über Aisha und ihre Verleumder geoffenbart worden war, sprach ihr Vater Abu Bakr, der den Mistah finanziell unterstützte, weil dieser mit ihm verwandt war und Not litt: „Bei Gott, ich werde dem Mistah nichts mehr geben und werde ihm nicht mehr im geringsten helfen, nach alledem, was er über Aisha gesagt und was er über uns gebracht hat.“

Daraufhin sandte Gott die folgende Offenbarung herab: „Und diejenigen von euch, die begünstigt sind und über genügend Mittel verfügen, sollen nicht schwören, dass sie den Verwandten, den Armen und denen, die um Gottes Willen ausgewandert sind, nichts mehr geben werden. Sie sollen vielmehr verzeihen und Nachsicht üben. Wünscht ihr denn nicht, dass Gott euch vergibt? Gott ist barmherzig und bereit, zu vergeben.“ (Sure 24,22)

Wahrlich, ich möchte, dass Gott mir vergibt!“, sprach Abu Bakr und zahlte an Mistah wie bisher und schwor, dass er ihm die Unterstützung nie entziehen werde. Einer der Muslime äußerte sich über die Hiebe, die Hassan und seine Freunde erhielten, weil sie Aisha verleumdet hatten, mit den folgenden Versen:

Hamna, Mistah und Hassan: sie haben nun gekostet
ihren Teil und mussten ihre Schändlichkeiten büßen.
Aisha, des Propheten Gattin, haben sie verleumdet,
aber zornig auf dem Thron ließ Gott es sie verdrießen.
Den Gesandten Gottes haben sie damit gekränkt, doch
Scham und Schande ließen sie nicht lange es genießen.
Ausgeschüttet wurden Peitschenhiebe über sie, wie
sonst nur Regengüsse von den hohen Wolken fließen.

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56. Die kleine Pilgerfahrt nach Hudaibiya [März 628 n. Chr.] Top

Der Prophet verbrachte dann die Monate Ramadan und Shawwal in Medina. Im Monat Dhu l-Quada machte er sich auf den Weg nach Mekka., um die kleine Pilgerfahrt24 zu unternehmen. Kriegerische Absichten verfolgte er nicht24.1. Er forderte die Araber und benachbarten Beduinen auf, mit ihm zu ziehen, da er fürchtete, die Quraish würden ihm mit Waffengewalt entgegentreten oder ihm den Zugang zur Kaaba verwehren, was sie dann ja auch taten. Viele Araber zögerten jedoch und der Prophet brach mit den Auswanderern und den Helfern sowie denjenigen Arabern auf, die sich ihm angeschlossen hatten. Er führte Schlachtopfer mit sich und trug das Pilgergewand, damit sich die Quraish vor kriegerischen Absichten sicher fühlten und begreifen sollten, dass er wirklich nur ausgezogen war, um die Kaaba zu besuchen und zu verehren.

24Die große Pilgerfahrt (hadjj) ist eine der 5 Pflichten im Islam, der jeder erwachsene Muslim mindestens einmal im Leben nachkommen soll. Das genau festgelegte Zeremoniell findet zwischen dem 7. und 13. Dhu l-Hidjja [12. Monat] statt. Die kleine Pilgerfahrt (umra) ist zeitlich ungebunden, wurde ursprünglich gern im Radjab [7. Monat], später aber oft zusammen mit der großen Pilgerfahrt zusammen durchgeführt. Die 5 Pflichten der Moslems sind: 1. das Bekenntnis (Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.); 2. das fünfmalige tägliche Gebet; 3. das Almosen für die Bedürftigen; 4. das Fasten im Fastenmonat Ramadam; 5. einmal im Leben eine Pilgerreise nach Mekka zu machen

24.1[Die Aussage, dass Mohammed keine kriegerischen Absichten verfolgte, als er sich zur „kleinen Pilgerfahrt“ nach Mekka aufmachte, ist wohl nicht ganz richtig. Wie wir im nächsten Kapitel „Der Waffenstillstand“ sehen werden, hatte Mohammed wahrscheinlich durchaus die Absicht, Mekka zu erobern, denn auf Seite 201 heisst es: „Die Gefährten des Propheten waren wegen eines Traumes, den Mohammed gehabt hatte, in der Gewissheit ausgezogen, dass sie Mekka erobern würden.“

Timan Nagel schildert die Situation auf Seite 376 wie folgt: „Mohammed kam zu dem Schluss, es sei an der Zeit, als Wallfahrer die Kaaba aufzusuchen. Im Sauwal des Jahres 6 (begann am 13. Februar 628) gab er in Medina diese Absicht kund. Verschlagen wie er war, vermied er die erst im April anstehende eigentliche Pilgersaison, sondern beschied sich an der nicht an feste Daten gebundenen „Kleinen Wallfahrt“; er würde so nicht den Anweisungen der heidnischen Verwalter der Pilgerdienste gehorchen müssen. Oder spekulierte er darauf, dass ihm so kurz vor den turnusmäßigen Festtagen, ein Handstreich gelingen könnte, der ihn ans Ziel seines Lebens brächte? Was ihn wirklich zu seinem Entschluss bewog, verschweigen die Quellen.

Al-Waqidis Gewährsleute erzählen von einem Traum, in der er von Arafa aus nach Mekka gezogen sei und den Schlüssel der Kaaba empfangen habe. Während des Monats Sauwal (endete am 12. März 628) ließ er bei Medina die Opfertiere zusammentreiben und schmücken, insgesamt 70 Stück Vieh, je eines für 10 Mann. Am ersten Tag des Du l-Quada machte er sich auf den Weg. Den Quellen zufolge verzichten er und die Pilger ausdrücklich auf die Mitnahme von Waffen, abgesehen von einem Schwert je Mann. Es sollte den Anschein haben, als ob man nichts anderes als den Vollzug der Riten beabsichtigte.

Doch eine größere Anzahl bewaffneter Krieger, die nicht in den Weihestand eintraten, begleiteten seinen Zug. Außerdem schickte er einen Erkundungszug von 20 Reitern voraus. Diesem folgten die Opfertiere nebst den für sie verantwortlichen Wärtern. Er selber befand sich in der Schar der Wallfahrer, die schon kurz nach dem Verlassen Medinas den Weihezustand einnahmen. Unterwegs versuchte Mohammed vergeblich, Beduinen zum Mitziehen zu bewegen. Sie argwöhnten, er werde nicht lebend zurückkommen, sei er doch gar nicht in der Lage zu kämpfen.]

Zuhri berichtete mir von Urwa, der sich auf die Aussagen des Miswar ihn Makhrama stützte, folgendes:

Im Jahr von Hudaibiya zog der Prophet aus, um die Kaaba aufzusuchen, hatte aber keine kriegerischen Absichten. 70 Kamele führte er als Opfertiere mit. Da es 700 Männer waren, entfiel auf jeweils 10 Männer ein solches Kamel. [laut wikipedia.org waren es 1.400 Moslems] Unterwegs bei Usfan, begegnete Bishr ibn Sufyan dem Propheten und sprach: „O Gesandter Gottes! Die Quraish haben von deinem Aufbruch gehört. Mit Leopardenfällen bekleidet haben sie mit ihren Frauen und Kindern Mekka verlassen und sich in Dhu Tuwa niedergelassen. Sie haben geschworen, dass du Mekka niemals gegen ihren Willen betreten wirst. Khalid ibn Walid führt ihre Reiterei, die sie nach Kura al-Ghamim vorausgeschickt haben.“

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Wehe den Quraish!“ erwiderte darauf der Prophet, „der Gedanke an den Krieg hat sie verschlungen. Was würde es ihnen schaden, wenn sie sich nicht in meine Angelegenheiten mit den übrigen Arabern einmischten. Wenn diese mich töten, ist dies doch genau das, was sie wollen. Wenn Gott mir aber den Sieg über sie verleiht, werden sie in Scharen zum Islam übertreten oder mit mir kämpfen, solange sie dazu die Kraft haben. Was denken sich eigentlich die Quraish? Wahrlich, ich werde solange für meine göttliche Botschaft kämpfen, bis Gott ihr zum Sieg verhilft oder ich zugrunde gehe.“

Darauf erkundigte er sich nach einem Mann, der sie auf einem Wege nach Mekka führen könnte, ohne dass sie den Quraish begegnen würden. Dann befahl er seinen Leuten, zur rechten Hand durch das Salzgebiet zu ziehen, auf einem Weg, der sie über den Pass von Murar in die Niederungen von Hudaibiya unterhalb Mekkas bringen würde. Das Heer schlug diesen Weg ein und als die quraishitische Reiterei die Staubwolken sah, die die Muslime aufwirbelten, merkten sie, dass diese einen anderen Weg nahmen und kehrten dehalb im Galopp zu den Quraish zurück.

Auf dem Pass von Murar kniete das Kamel des Propheten nieder und seine Leute sprachen: „Dein Kamel will nicht weiter!“ „Es ist nicht die Art meines Kamels, so etwas zu tun, sondern der, der den Elefanten von Mekka zurückhielt25, versperrte ihm den Weg. Wenn mir die Quraish heute einen Vorschlag machen und mich bitten, erneut eine verwandtschaftliche Beziehung zu ihnen zu knüpfen, werde ich in jedem Fall darauf eingehen.“

25Dies bezieht sich auf den Elefanten von Abraha. Der Begriff geht auf die mit historischen Fakten verwobene Legende zurück, wonach der christliche König von Südarabien, Abraha, einen Feldzug gegen Mekka unternahm, sein Elefant aber an der Grenze der Stadt niederkniete und nicht mehr zu bewegen war, weiter zu ziehen. Eine Seuche vernichtete zudem sein Heer und er musste erfolglos umkehren. Nach muslimischer Berechnung geschah dies im Jahr 570 n. Chr., dem Geburtsjahr des Propheten Muhammad.

Er ließ die Muslime absteigen und als sie ihn darauf aufmerksam machten, dass es im Wadi dort kein Wasser gebe, wo sie sich lagern könnten, zog er aus seinem Köcher einen Pfeil und gab diesem einen seiner Gefährten. Jener stieg damit in eines der ausgetrockneten Wasserlöcher und stieß den Pfeil mitten hinein, worauf das Wasser reichlich floss. Nachdem Mensch und Tier getrunken hatten, ließen sie sich dort nieder.

Als der Prophet sich ausgeruht hatte, kam Budail ibn Warqa mit einigen anderen Männern vom Stamme Khuzaa zu ihm und sie fragten ihn, was er vorhabe. Er antwortete, er wolle keinen Krieg und sei lediglich gekommen, um die Kaaba zu besu-

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chen und den Heiligen Bezirk zu ehren. Dann sagte er ihnen das gleiche wie vorher schon dem Bishr ibn Sufyan. Die Khuzaa kehrten zu den Quraish zurück und sprachen: „Männer von Quraish! Ihr handelt zu voreilig gegen Muhammad. Er ist wirklich nicht gekommen, um zu kämpfen, sondern will lediglich die Kaaba besuchen.“

Die Quraish misstrauten dem Budail jedoch und wiesen ihn barsch ab, indem sie sagten: „Auch wenn Muhammad nicht vorhat zu kämpfen, wird er Mekka gegen unseren Willen nicht betreten und die Araber werden nicht darüber reden, dass wir es ihm erlaubt hätten.“

Sowohl die Muslime als auch die Heiden unter den Khuzaa waren für Muhammad Männer des Vertrauens und verschwiegen ihm nichts, was in Mekka geschah. Die Quraish schickten sodann den Hulais ibn Alqama zum Propheten. Hulais gehörte zu den Banu Harith aus dem Großverband der Kinana und war damals der Führer der Ahabish. Sobald der Prophet ihn kommen sah, wandte er sich an die Muslime und sprach: „Dieser Mann gehört zu denen, die den Gott der Kaaba verehren. Schickt ihm die Opfertiere entgegen, damit er sie sieht.“

Als Hulais die Kamele erblickte, wie sie von der Seite des Wadis auf ihn zuströmten und bemerkte, dass sie alle zum Zeichen der Opferung mit Halsbändern geschmückt waren und ihr Fell, da sie schon so lange auf dem Weg nach Mekka aufgehalten worden waren, bereits ganz zerfressen war, zog er aus Ehrfurcht vor diesem Anblick nicht weiter, sondern kehrte sogleich zu den Quraish zurück und erzählte ihnen davon. Diese aber sagten nur: „Setz dich hin! Du bist doch nur ein Beduine und hast keineAhnung!“

Abdallah ibn abi Bakr überlieferte mir weiter:

Zornig antwortete ihnen Hulais: „Ihr Quraish! Auf dieser Grundlage haben wir das Bündnis nicht mit euch geschlossen! Wollt ihr denn jemandem den Zutritt zum Hause Gottes verwehren, der gekommen ist, um es zu verehren? Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, entweder lasst ihr Muhammad das tun, wozu er gekommen ist oder ich werde meine Ahabish bis auf den letzten Mann abziehen.“

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Langsam, Hulais!“ erwiderten sie ihm, „lasse uns gewähren, bis wir zufriedenstellende Bedingungen erreicht haben!“

Zuhri fuhr in seinem Bericht fort:

Als nächstes schickten die Quraish den Urwa ibn Masud vom Stamme Thaqif25.1 zum Propheten. Urwa hatte ihnen erklärt: „Ihr Männer von Quraish! Ich habe gehört, mit welch tadelnden und bösen Worten ihr euren Boten bedacht habt, als er von Muhammad zurückkehrte. Ihr wisst, ihr seid für mich der Gebärer und ich bin für euch ein Sohn.“ Urwa stammte nämlich mütterlicherseits von den Quraish. „Nachdem ich gehört hatte, was euch geschehen ist, habe ich diejenigen Männer meines Stammes versammelt, die mir gehorchen und ich bin zu euch gekommen, um euch zu helfen.“

25.1[Gegen den Stamm der Thaqif wird Mohammad im Jahre 630 auch noch in den Krieg ziehen. Urwa ibn Masud nahm nach der Schlacht gegen die Thaqif den Islam an und wurde deshalb von seinen Stammesgenossen getötet. (siehe Seite 231)]

Die Quraish bestätigten ihm ihr Vertrauen. Urwa kam daraufhin zum Propheten, setzte sich vor ihm nieder und sprach: „Muhammad, hast du diesen bunten Haufen zusammengebracht und bist mit ihm zu deinem eigenen Stamm gezogen, um diesen zu vernichten? Die Quraish sind mit ihren Frauen und Kindern aufgebrochen, haben Leopardenfelle angelegt und geschworen, dass du gegen ihren Willen Mekka niemals betreten wirst. Ich bin sicher, deine Leute werden dich schon morgen im Stich lassen.“ Da rief Abu Bakr, der hinter ihm saß: „Wir und den Propheten in Stich lassen?! Scher dich lieber um den Kitzler deiner Göttin Lat!“

Wer ist dieser Mann, Muhammad?“ fragte Urwa und der Prophet sagte es ihm, worauf Urwa an Abu Bakr gewandt sprach: „Hättest du bei mir nicht etwas gut. Ich würde es dir heimzahlen. Aber jetzt sind wir quitt!“ Dann ergriff er, während er mit dem Propheten sprach, dessen Bart, doch Mughira ibn Shuba, der in seiner Eisenrüstung neben dem Propheten stand, holte zum Schlag auf seine Hand aus und drohte ihm: „Nimm deine Hand vom Gesicht des Propheten, solange du es noch kannst!“ „Wehe dir, du grober Flegel!“ entgegnete ihm Urwa und fragte den Propheten, der darüber lachen musste, nach dem Namen des Mannes.

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Es ist Mughira ibn Shuba, der Sohn deines Bruders!“ antwortete ihm der Prophet, worauf Urwa jenen beschimpfte: „Welche Treulosigkeit! Was es nicht erst gestern, dass ich für dich die Blutschuld bezahlt habe!“

Darauf erklärte der Prophet dem Urwa das gleiche, was er schon vorher den anderen gesagt hatte und deutete abermals darauf hin, dass er ohne kriegerische Absichten gekommen sei. Während seines Aufenthaltes beim Propheten sah Urwa, wie sich die Prophetengefährten Muhammad gegenüber verhielten: Immer wenn er seine Waschungen vollzog, eilten sie herbei, um sein Wasser zu bekommen; immer wenn er spuckte, rannten sie hinzu; und jedes Haar, das ihm ausfiel, hoben sie auf. [Solch ein Verhalten kann man bei vielen sogenannten „Gurus“ erleben. Die fanatisierten Anhänger sind ihm völlig hörig. Sie trinken sein Badewasser und lecken die Teller ab, von denen er gegessen hat.] Als Urwa dann zu den Quraish zurückkehrte, sprach er: „Männer von Quraish! Ich war schon bei Chosroe [persischer Großkönig] in seinem Reich, beim Kaiser in seinem Reich und beim Negus in seinem Reich, aber ich habe nie einen König in seinem Volk gesehen, wie Muhammad unter seinen Gefährten. Ich habe Männer gesehen, die für ihn nichts in der Welt jemals aufgeben werden. So macht euch nun eure eigenen Gedanken!“

57. Der Waffenstillstand Top

Zuhri berichtete weiter:

Dann schickten die Quraish den Suhail, einen Bruder der Banu Amir ibn Luayy, zum Propheten mit dem Auftrag: „Gehe zu Muhammad und schließe mit ihm Frieden unter der Bedingung, dass er in diesem Jahr [628] wieder nach Medina umkehrt, damit die Araber nicht sagen können, er habe Mekka jemals gegen unseren Willen betreten.“ Der Prophet sah ihn kommen und sagte: „Nachdem sie diesen Mann geschickt haben, glaube ich, dass sie Frieden schließen wollen.“ Suhail kam zum Propheten. Sie unterhielten sich lange miteinander, bis sie sich auf eine Friedensvereinbarung einigten und

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nur noch die entsprechende Urkunde zu schreiben war. Da sprang Umar [Umar ibn Khattab, 634 Nachfolger als Kalif von Abu Bakr] auf, lief zu Abu Bakr und sprach: „Abu Bakr! Ist er denn nicht der Prophet Gottes?“ „Doch!“ erwiderte dieser und Umar fragte weiter: „Und sind wir denn keine Muslime?“ „Doch!“ „Aber weshalb müssen wir dann durch diesen Vertrag mit den Heiden unseren Glauben so herabsetzen?“ „O Umar! Halte zu ihm! Ich bezeuge, dass er der Prophet Gottes ist.“ „Auch ich bekenne, dass er Gottes Prophet ist!“, antwortete ihm Umar, ging zu Muhammad und fragte auch ihn: „Bist du der Gesandte Gottes?“ „Ja.“ „Sind wir Muslime?“ „Ja.“ „Sind sie Ungläubige?“ „Ja.“ „Aber weshalb müssen wir dann durch diesen Vertrag mit den Heiden unseren Glauben so herabsetzen?“ „Ich bin der Sklave und der Prophet Gottes. Niemals werde ich seinem Auftrag zuwider handeln und niemals wird er mich zu Schaden kommen lassen.“

Später pflegte Umar darüber zu sagen: „Wegen meines damaligen Verhaltens dem Propheten gegenüber hörte ich nicht auf Almosen zu geben, zu fasten, zu beten und Sklaven freizulassen. Ich fürchtete nämlich, Gott werde mich für meine Worte bestrafen, die ich damals in der Hoffnung äußerte, meine Meinung sei die bessere.“

Sodann rief der Prophet Ali herbei und befahl ihm zu schreiben: „Im Namen des barmherzigen und gütigen Gottes“, doch Suhail wandte ein: „Den kenne ich nicht! Schreib nur: „In deinem Namen, o Gott26!“

26Der Heide Suhail versteht unter der Formel „In deinem Namen, o Gott“ nicht die Anrede an den einen Gott (Allah), sondern an den Gott Allah, der in Mekka neben vielen anderen Gottheiten verehrt wurde (Hubal, Uzza, Lat, Manat, u. a. m.) Dass er sich gegen den Zusatz „barmherzig“ (rahman) wandte, ist darin begründet, dass unter dem Namen Rahman in Arabien auch ein anderer Gott bekannt war, für den etwa Musailima gleichzeitig mit Muhammad als Prophet auftrat.

[Musailima ist ein Prophet, der gleichzeitig mit Mohammed auftrat. Er wirkte in Yamama bei den Banu Hanifa. Musailima wird in islamischen Quellen als Nachahmer des Propheten Mohammed beschrieben, und, nach einer Aussage Mohammeds, als „Musailima, der Lügner“ bezeichnet. Er wurde in al-Haddar in al-Yamama, im Nadschd, an der Karawanenroute nach Bahrain geboren, wo er im Stamm der Banu Hanifa seine Aktivität als Prophet entfaltete. Seine Offenbarungen soll er, wie Mohammed, vom Erzengel Gabriel erhalten haben. Gegen diese Behauptung polemisiert Mohammed in der Sure 6, Vers 93: „Und wer ist frevelhafter, als wer gegen Gott eine Lüge ausheckt oder sagt: „Mir ist (etwas als Offenbarung) eingegeben worden“, während ihm nichts eingegeben worden ist, und wer sagt: „Ich werde etwas herabsenden, das dem, was Gott herabgesandt hat, gleich ist.“

Im Mittelpunkt Musailimas monotheistischer Anschauung stand ar-Rahman (der Barmherzige), den bereits die vorislamischen Araber als den einen Gott gekannt haben. Musailima machte sich unter den Stämmen der Region als Rahman al-Yamama (der Barmherzige von al-Yamama) einen Namen. Mehrere Überlieferungen arabischer Historiographen, unter ihnen Ibn Ishaq, lassen darauf schließen, dass Musailima bereits vor Mohammeds Auftreten in Mekka als Prophet mit seiner Verkündung begonnen haben muss. Musailima fiel im Jahre 632, im selben Jahr, in dem auch Mohammed starb, bei der Schlacht von Yamama gegen den Heerführer der Muslime Chalid ibn al-Walid durch die Hand eines Schwarzen namens Wahschi, der sich später damit rühmte, den schlechtesten Menschen getötet zu haben. Aber auch andere rühmten sich, an der Ermordung von Musailima beteiligt gewesen zu sein. (Quelle: Musailima)]

Der Prophet war damit einverstanden und Ali schrieb es. Dann befahl er ihm fortzufahren: „Dies ist das Friedensabkommen, auf das sich Muhammad, der Gesandte Gottes, mit Suhail ibn Amr geeinigt hat.“

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Suhail aber sprach: „Würde ich bekennen, dass du der Gesandte Gottes bist, hätte ich nicht gegen dich gekämpft! Nenne lediglich deinen und deines Vaters Namen!“ So ließ der Prophet folgendes schreiben: „Dies ist das Friedensabkommen, auf das sich Muhammad, der Sohn des Abdallah, mit Suhail ibn Amr geeinigt hat. Sie sind übereingekommen, 10 Jahre auf den Krieg zu verzichten. In dieser Zeit sollen sich die Menschen sicher fühlen und voneinander fernhalten. Muhammad verpflichtet sich, jeden an die Quraish auszuliefern, der sich ohne die Erlaubnis seines Schutzherrn zu ihm begibt, während die Quraish ihrerseits nicht verpflichtet sind, Überläufer von Muhammad zurückzuschicken. Es soll keine Feindschaft, keinen heimlichen Diebstahl und keinen Betrug zwischen uns geben. Es steht jeden frei, sich für ein Bündnis mit Muhammad oder den Quraish zu entscheiden.“

[Laut wikipedia.org wurden folgende Punkte in Hudaibiya vereinbart:

  • Waffenstillstand für 10, nach anderen Berichten für 2 Jahre

  • Sicherheit für die Muslime, die in der Zukunft die Pilgerfahrt vollziehen wollen oder sich auf den Handelswegen in den Süden befinden

  • Sicherheitsgarantie Mohammeds für die Quraisch auf ihren Handelswegen in den Norden

  • Auslieferung derjenigen Muslime an die Mekkaner, die ohne Erlaubnis ihrer Schutzpatronen nach Medina fliehen sollten

  • Verzicht auf die kleine Pilgerfahrt im Jahr des Vertragsabschlusses, mit Garantie der Pilgerfahrt im darauf folgenden Jahr

Die überlieferte Urkunde trägt den Namen Muhammed ibn Abdallah und enthält keine islamischen Formeln. Allerdings sorgte die Bereitschaft Mohammeds, alle muslimischen Flüchtlinge nach Medina an die Mekkaner auszuliefern, für Unruhen. Der Rückzug Mohammeds mit seinem Verzicht auf die Umra, die kleine Pilgerfahrt (im Jahre 628), war ein weiterer Grund für Unzufriedenheit in den Reihen seiner Anhänger. Die gesamte Sure 48 (al-Fath = Der Erfolg) behandelt diese historischen Ereignisse. Hier spricht die Offenbarung allerdings von einem klaren Erfolg/Sieg („fath“) der Muslime, der nicht nur als Mohammeds diplomatischer Erfolg bei al-Hudaibiya, sondern, in der Retrospektive (im Rückblick) der islamischen Geschichtsschreibung und in der Koranexegese (in der Koranauslegung), auch als Hinweis auf die darauf folgende Eroberung der Oase von Khaibar, auf die Vertreibung der jüdischen Banu al-Nadir (Mai-Juni 628) und auf die Verteilung der Beute unter den seit al-Hudaibiya unzufriedenen Muslimen verstanden wird. (Quelle: Mohammed)]

Da sprangen die Khuzaa auf und erklärten, dass sie in ein Bündnis mit Muhammad treten würden. Die Banu Bakr sprachen sich dagegen für eine Verbindung mit den Quraish aus und sagten zum Propheten: „Du kehrst in diesem Jahr um, ohne Mekka betreten zu haben. Im nächsten Jahr werden wir dir den Weg freigeben, so dass du mit deinen Gefährten nach Mekka ziehen und drei Nächte dort bleiben kannst. Du darfst so bewaffnet sein, wie ein Reiter und die Schwerter in der Scheide mitführen. Sonst darfst du nichts in die Stadt mitbringen.“

[Der Vertrag ist das Papier nicht wert, auf dem er steht, denn bereits am 10. September 630 zog Mohammed mit seinem Heer in Mekka ein, um es zu erobern.]

Während der Prophet und Suhail die Urkunde verfassten, kam Suhails eigener Sohn, Abu Djandal, in Fesseln daher, nachdem er den Quraish hatte entfliehen können. Die Gefährten des Propheten waren wegen eines Traumes, den Muhammad gehabt hatte, in der Gewissheit ausgezogen, dass sie Mekka erobern würden. [Heißt dies, dass Mohammeds Offenbarungen etwa nicht alle richtig sind?] Als sie nun die Friedensverhandlungen sahen, die Verpflichtung zur Umkehr und alle anderen Abmachungen, die Muhammad einging, verzweifelten sie beinahe zu Tode. Kaum hatte Suhail nun seinen Sohn erblickt, stand er auf, schlug ihm ins Gesicht, packte ihn am Kragen und sprach: „Muhammad, wir haben unsere Abmachung getroffen, bevor mein Sohn zu dir kam.“

Der Prophet musste ihm recht geben und Suhail zog Abu Djandal heftig am Kragen, um ihn zu den Quraish zurückzuschleppen. Abu Djandal aber schrie so laut er konnte:

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O ihr Muslime! Soll man mich denn zu den Ungläubigen zurückbringen, damit sie mich in meinem Glauben wankend machen?“ Dies lies die Muslime noch mehr verzweifeln, doch der Prophet antwortete: „Habe Geduld, Abu Djandal, und rechne auf Gottes Vergeltung, denn er wird dir und den anderen Unterdrückten, die mit dir sind, einen Ausweg und einen glücklichen Ausgang bereiten. Wir haben mit ihnen Frieden geschlossen und uns bei Gott verpflichtet, diesen einzuhalten. Wir können deshalb keinen Verrat an ihnen begehen.“

Umar sprang auf, ging neben Abu Djandal her und sprach: „Geduld, Abu Djandal! Es sind nur Ungläubige und das Blut eines jeden von ihnen ist nicht mehr wert, als das Blut eines Hundes!26.1

26.1[Der Hund wird im Islam als ein besonders minderwertiges Tier angesehen. Mir scheint, die Einstellung, die Umar ibn Khattab, der zweite Kalif nach Mohammeds Tod, hier äussert, ist in den Köpfen vieler Muslime heute noch genauso präsent. Nicht umsonst werden weltweit 250 Millionen Christen wegen ihres Glaubens, vorwiegend von Muslimen, verfolgt, bedroht, überfallen, verschleppt, ausgepeitscht, enteignet, abgeschoben, vergewaltigt, vertrieben, zwangsverheiratet, verhaftet, inhaftiert, verhört, zwangsislamisiert, zur Zwangsarbeit verurteilt, körperlich und psychisch gefoltert und etwa 175.000 Christen jedes Jahr ermordet. (siehe auch Weltverfolgungsindex 2009]

In der Hoffnung, Abu Djandal würde seinen Vater erschlagen, hielt Umar ihm den Griff seines Schwertes so nahe hin, dass er es hätte ergreifen können. Abu Djandal verzichtete jedoch darauf, seinen eigenen Vater zu töten.

[In Fall Abu Basirs verstieß Mohammed allerdings gegen die vereinbarte Auslieferung eines Muslims an die Mekkaner, der ohne Erlaubnis seines Schutzpatrons nach Medina geflohen war: siehe Tilman Nagel auf Seite 405]

Der Prophet lagerte außerhalb des Heiligen Bezirks, verrichtete seine Gebete aber innerhalb desselben27. Nach Abschluss des Friedensabkommens schlachtete er seine Opfertiere. Dann setzte er sich nieder und schor sich den Kopf. Als seine Leute dies sahen, sprangen sie auf und taten es ihm gleich.

27Der „Heilige Bezirk“ schließt die ganze Stadt Mekka ein und reicht bis Hudaibiya. Die Grenze war durch Steine markiert.

Auf dem Rückzug wurde dem Propheten zwischen Mekka und Medina die Sure „Der Erfolg“ (Sure 48) geoffenbart: „Wir haben dir einen offenkundigen Erfolg beschieden. Gott wollte dir deine frühere und spätere Schuld vergeben, seine Gnade an dir vollenden und dich einen geraden Weg führen.“ (Vers 1-2)

Dann folgt der Bericht über den Propheten und seine Gefährten, bis er von der Huldigung spricht: „Diejenigen, die dir huldigen, huldigen Gott. Gottes Hand ist über ihrer Hand. Wenn einer eine Verpflichtung bricht, tut er das zu seinem eigenen Nachteil. Wenn aber einer eine Verpflichtung, die er Gott gegenüber eingegangen ist, erfüllt, wird er ihm gewaltigen Lohn geben. (Sure 48,10)

Im folgenden ermahnt Gott die Beduinen, die sich Muhammads Zug trotz seiner Aufforderung nicht angeschlossen hatten:

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Diejenigen Beduinen, die zurückgelassen worden sind, werden zu dir sagen: „Unsere Herden und Familien haben uns so sehr in Anspruch genommen.“ [usw., bis er über sie sprach:] Diejenigen, die zurückgelassen worden sind, wenn ihr aufbrecht, um Beute zu machen, sagen: „Lasst uns euch folgen!“ Sie würden das Wort Gottes gerne abändern. Sag: „Nein, ihr werdet uns nicht folgen. So hat Gott sich schon vorher geäußert.“ (Sure 48,11-15)

Es folgt der Bericht über die Beduinen und über den Kampf gegen das tapfere Volk, der ihnen erklärt wird. Dann sprach Gott weiter: „Gott hat wirklich an den Gläubigen Wohlgefallen gefunden als sie dir (in Hudaibiya) unter dem Baum huldigten. Er wusste, was sie im Herzen hatten. Und er sandte die Gelassenheit auf sie herab und stellte ihnen als Lohn einen nahen Erfolg und viel Beute in Aussicht, die sie machen würden. Gott ist mächtig und weise. Er hat euch versprochen, dass ihr viel Beute machen würdet. Und er hat euch den einen Teil eilends zukommen lassen und die Hand der Menschen von euch zurückgehalten. Und das geschah, dass es ein Zeichen für die Gläubigen sei und er euch einen geraden Weg führe. Und einen anderen Teil, über den ihr noch keine Gewalt habt, hat Gott bereits erfasst. Er hat zu allem die Macht. (Sure 48,18-21)

Im folgenden erwähnt Gott, wie er ihn vom Kampfe zurückhielt, nachdem er sie vorher besiegt hatte. Er meinte damit diejenigen, die er vor ihm zurückgehalten hatte und fuhr fort: „Und er ist es, der im Talgrund von Mekka ihre Hand von euch und unsere Hand von ihnen zurückgehalten hat, nachdem er sie früher über sie hatte siegen lassen. Gott durchschaut wohl, was ihr tut.“ (Sure 48,24)

[Sure 48 erinnert mich ein wenig an das Verhalten der Politiker nach den Wahl, die jede noch so schmerzliche Niederlage als einen Sieg feiern. Aber irgendwie muss Mohammed den enttäuschten Muslimen, die sich große Beute versprochen hatten, den Rückzug ja schmackhaft machen. Am besten, indem er ihnen einen neuen Feldzug mit viel Beute in Aussicht stellt.]

Und Gott sprach weiter: „Sie sind es, die ungläubig sind und euch von der Heiligen Stätte abgehalten haben, euch und die Opfertiere, so dass sie gehindert waren, ihre Schlachtstätte zu erreichen. Und wenn ihr nicht (im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung) gläubige Männer und Frauen, die es (in Mekka) gab, von denen ihr aber nichts wusstet, zu schaden gebracht hättet, so dass ihr euch unwissentlich an ihnen versündigt hättet, (wäre das Unternehmen anders ausgegangen).“ (Sure 48,25)

Dann sagte Gott: „Als die Ungläubigen das Ungestüm, dasjenige des Heidentums, in ihrem Herzen Platz ergreifen ließen (dies bezieht sich auf Suhail ibn Amr, als dieser es ablehnte, „Im Namen des barmherzigen und güti-

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gen Gottes“ und „Muhammad, der Gesandte Gottes“ zu schreiben), worauf Gott die Gelassenheit auf seinen Gesandten und die Gläubigen herabsandte und sie auf das Wort der Gottesfurcht verwies! Sie verdienen es eher und waren seiner am ehesten würdig (d. h. des Bekenntnisses zu Gottes Einheit: Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Sklave und sein Gesandter). Gott hat doch seinem Gesandten das Traumgesicht wirklich wahr gemacht: „Bestimmt werdet ihr, so Gott will, die Heilige Stätte in Sicherheit betreten und euch den Kopf scheren oder die Haare schneiden, ohne dass ihr euch zu fürchten braucht. Und er wusste, was ihr nicht wusstet.“ (Sure 48,26-27)

Kein früherer Sieg im Islam war größer gewesen als dieser. Zuvor wurde immer nur gekämpft, wenn sich die Menschen trafen. Nun aber, nachdem der Waffenstillstand erreicht und der Krieg aufgehoben war, die Menschen sich voreinander sicher fühlten und sich trafen, um miteinander zu reden, sprach kein vernünftiger Mensch mehr über den Islam, ohne ihm beizutreten. In den folgenden 2 Jahren bekehrten sich ebensoviele zum Islam, wie vorher schon an ihn geglaubt hatten oder sogar mehr.

[Dies geschah allerdings nicht, wie Ibn Ishaq uns glauben machen möchte, immer aus Überzeugung, sondern oft aus Angst vor kriegerischer Auseinandersetzung, die Mohammed jedem androhte, der sich nicht zum Islam bekannte. Die Feldzüge gegen Nichtmuslime fanden nämlich weiterhin statt, wie wir noch sehen werden.]

58. Der Zug nach Khaibar im Mai/Juni 628 n. Chr. Top

Nach seiner Rückkehr von Hudaibiya blieb der Prophet während des Monats Dhu l-Hidjja im Jahre 6 und eines Teils de Monats Muharram im Jahre 7 in Medina. Dann brach er nach Khaibar auf. Er wählte den Weg über den Berg Isr, dort errichtete man eine Moschee für ihn, und am Ort Sahba, vorbei an einem Wadi namens Radji, zwischen Khaibar und dem Stammesgebiet der Ghatafan. Dort lagerte er, um zu verhindern, dass die Ghatafan, die auf Seiten der Bewohner von Khaibar standen, diesen zur Hilfe kommen konnten.

[In Khaibar lebten die jüdischen Stämme der Bana Qainuqa und Banu Nadir, die Mohammed einst aus Medina vertrieben hatte. Tilman Nagel schreibt auf Seite 373 über die Juden in Khaibar: „Auch die Juden ließen das Massaker an den Banu Quraiza nicht auf sich beruhen. Man schmiedete in Khaibar Pläne, bei denen man auf die unzuverlässigen Beduinen von vornherein verzichtete. Man versprach sich mehr Erfolg, wenn man die Juden aus Fadak, Taima und dem „Tal der Ortschaften“ als Bundesgenossen gewänne. Im Übrigen sei Khaibar viel besser befestigt, als es die medinensischen Wohntürme der Banu Quraiza gewesen seien. Außerdem war man davon überzeugt, dass Mohammed niemals Medina verlassen werde, um irgendwo einen Ort zu belagern. Unvernünftig war diese Meinung nicht. Ob Mohammed eine längere Abwesenheit von Medina riskieren durfte, war keineswegs ausgemacht. Inwieweit er über die Überlegungen der Juden in Khaibar unterrichtet war, wissen wir nicht. Seinen Terror jedenfalls ließ er auch dorthin tragen.

Der Jude Sallam ibn abi l-Huqaiq, ein Angehöriger der Banu Nadir, der sich um das Zustandekommen, der im Grabenkrieg gescheiterten Koalition verdient gemacht hatte, sollte dafür mit dem Tod büßen. Fünf Männer der Banu Salima wollten durch einen Meuchelmord [an Sallam ibn abi l-Huqaiq] den Hazragiten den gleichen Ruhm sichern, wie ihn die Aussiten durch die Tötung [des jüdischen Dichters vom Stamme der Banu Nadir] Kab ibn al-Aschrafs errungen hatten. Mohammed war es zufrieden und jene 5 Männer schlichen sich in Khaibar ein, fanden unbemerkt den Weg in Sallams Schlafgemach und erstachen ihn auf dem Nachtlager.

Auf Khaibar hatte der Prophet ohnehin ein Auge geworfen. Im Ramadan des Jahres 6 (begann am 14. Januar 628) führte Abdallah ibn Rawaha, ein ihm seit dem Aqaba-Treffen ergebener Hazragite, einen Trupp zur Erkundung der Lage dorthin. Zwei Monate danach, Sallam war inzwischen ermordet worden, war Abdalla ibn Rawaha wieder in Khaibar, diesmal nicht in verdeckter Mission, sondern mit dem Auftrag, dem neuen Wortführer der Juden, Usair, ein Anerbieten Mohammeds zu unterbreiten: Wenn Usair sich dem Propheten unterwerfe27.1, dann dürfe er als dessen Statthalter weiterhin in Khaibar seines Amtes walten. Nach einigem Zögern machte sich Usair auf die Reise nach Medina. Man war des ständigen Kriegsführens überdrüssig. Unterwegs verdächtigten die muslimischen Begleiter den Juden, er plane Verrat und machten sein Gefolge nieder. Er selber scheint entkommen zu sein, wenn auch schwer verwundet. Mohammed hatte freilich die Ermordung Usairs gewünscht, wie man erzählt.]

27.1[Ist es nicht eine Kriegserklärung an die Juden in Khaibar, wenn Mohammed von Usair fordert, er solle sich Mohammed unterwerfen? Leider werden die soeben von Tilman Nagel erwähnten Vorfälle in der Prophetenbiografie Ibn Ishaqs verschwiegen.]

[Zum Beutekrieg gegen Khaibar (Khaibar oder Chaibar liegt etwa 150 km nördlich von Medina) äußert sich Tilman Nagel auf Seite 392 wie folgt: „Gegen Ende des Jahres 6 (628) war Mohammed wieder in Medina eingetroffen. Angesichts seiner kompromislosen, scharfmacherischen Worte, die er seit dem Grabenkrieg in der „Lesung“ [im Koran] verkündete, durfte man das Ergebnis des Vorstosses in Richtung Mekka kaum als glanzvoll werten. Im Gegenteil, es gab viele Enttäuschte. Wessen man Zeuge gewesen war, war weit hinter dem zurückgeblieben, was man einem unverbrüchlich von Allah unterstützten Propheten zugetraut hatte, der für das Licht und die Wahrheit und gegen die der Hölle verfallenen Mächte der Finsternis focht. Es brauchte also den „baldigen Erfolg“, von dem er in Sure 48, Vers 27 gesprochen hatte.

Wo er ihn suchen werde, war bereits festgelegt. Khaibar und das nach Norden sich erstreckende „Tal der Ortschaften“ waren lohnende Ziele. Den Krieg dorthin zu tragen, konnte man als einen Schachzug zur Sicherung Medinas ausgeben, denn die Juden von Khaibar waren mit den Beduinen der Ghatafan-Stämme im Bunde. (Die Juden der Banu Nadir hatten bereits zusammen mit den Banu Ghatafan in Jahre 627 bei der Grabenschlacht gegen Mohammed gekämpft.) Zweierlei musste die dringende Sorge Mohammeds auf diesem Feldzug sein: Der erschreckende Mangel an Bedarfsgütern und Kriegsgerät war zu beheben, und man hatte alles daranzusetzen, eine Vereinigung der Juden Khaibars mit den Verbündeten der Banu Ghatafan, zu vereiteln.]

Sobald die Ghatafan hörten, dass sich der Prophet im Gebiet von Khaibar aufhielt, sammelten sie sich und brachen auf, um,

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wie mir berichtet worden ist, den Juden gegen den Propheten zu helfen. Sie waren erst einen Tag unterwegs, als ihnen das Gerücht zu Ohren kam, dass mit ihren Herden und Familien etwas geschehen sei. Sie befürchteten, dass die Feinde sie in ihrer Abwesenheit angegriffen hätten und kehrten deshalb nach Hause zurück. Somit gaben sie dem Propheten den Weg nach Khaibar frei. Er rückte immer weiter in das Gebiet vor und nahm dabei Herde um Herde und eroberte Festung um Festung. Als erste fiel die Festung Naim. Dort starb Mahmud ibn Maslama, als ein Mühlstein auf ihn herangeschleudert wurde und ihn tötete. Die nächste Festung war Qamis und gehörte dem Stamm Abu l-Huqaiq. Von ihnen nahm der Prophet einige Frauen gefangen, darunter Safiya27.2, die mit Kinana ibn Rabi verheiratet war, und zwei ihrer Kousinen. Safiya nahm der Prophet für sich selbst. Dihya vom Stamme Kalb hatte den Propheten gebeten, Safiya ihm zu überlassen. Als Muhammad diese dann aber für sich selbst aussuchte, schenkte er dem Dihya die beiden Kousinen. Alle Gefangenen von Khaibar wurden unter den Muslimen verteilt.

27.2[Was die Prophetenbiographie Ibn Ishaqs verschweigt (jedenfalls in meiner Ausgabe der Prophetenbiographie), ist die Tatsache, dass Mohammed „Kinana ibn Rabi“, den Ehemann von Safiya, der auch der Schatzmeister der Banu Nadir war, der den Schatz der Banu Nadir verwahrte, zunächst foltern und dann töten ließ, damit er verriet, wo der Schatz der Banu Nadir versteckt sei. (Quelle: Kinana ibn al-Rabi)

Der deutsche Orientalist Prof. Dr. Gustav Weil (1808-1889) schreibt in seinem Buch „Das Leben Mohammeds“ über die Behandlung von Kinana ibn Rabi, dem Oberhaupt der Banu Nadir: „Kinana, dessen Gemalin Safjjeh, nach seinem Tod zur neuen Ehesklavin von Mohammed wurde, war einer der Führer der Juden und hatte die Schätze der geflüchteten Banu Nadir in Verwahrung. Man führte ihn vor Mohammed und fragte ihn danach: „Kinana leugnete und sagte, er wisse nicht, wo sie sich befinden. Da wurde ein Jude vor Mohammed gebracht, welcher sagte: „Ich habe gesehen, wie Kinana jeden Morgen um diese Ruine herumging.“ Mohammed sagte zu Kinana: „Darf ich dich töten, wenn wir den Schatz bei dir finden?“ Dieser sagte: „Ja“

Mohammed liess dann die Ruine ausgraben, und man fand darin einen Teil der Schätze. Er fragte ihn hierauf nach dem Übrigen, und als er sich weigerte es anzugeben, befahl Mohammed dem Zubeir Ibn Alawwan, ihn zu foltern, bis er alles herausgebe. Dieser schlug ihm mit dem Zündholze auf die Brust, bis er dem Tode nahe war, dann übergab er ihn dem Mohammed Ibn Maslama, der ihn für seinen Bruder Mahmud tötete.“ Damit war auch noch ein hängiger Fall von Blutrache bereinigt. (Das Leben Mohammed's nach Muhammed Ibn Ishak bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischam, übersetzt von Prof. Dr. Gustav Weil. Stuttgart 1864. 2. Band, Seite 163) (Quelle: Unterwerfung von Khybar]

Als der Prophet eines Tages sah, wie die Muslime das Fleisch von Hauseseln verzehrten, nannte er ihnen mehrere Dinge, die er ihnen fortan verbot.

Abdallah ibn abi Nadjih überlieferte mir von Makhul dazu folgendes:

Der Prophet verbot ihnen damals 4 Dinge: den Geschlechtsverkehr mit den Schwangeren unter den gefangenen Frauen27.3, den Genuss des Fleisches der Hausesel, den Genuss fleischfressender Tiere und den Verkauf von noch nicht aufgeteilter Beute

27.3[Der Geschlechtsverkehr mit den gefangenen Frauen, der natürlich nichts anderes als eine Vergewaltigung ist, war den Muslimen auf ihren Feldzügen allerdings generell erlaubt. Der sexuelle Umgang mit gefangenen Frauen, die als Sklaven betrachtet wurden, kommt unter anderem in den Hadithen, den Anweisungen, Handlungen und Empfehlungen Mohammeds, zum Ausdruck. So gibt z B. ein Hadith von Muslim ibn al-Haddschadsch darüber Auskunft. Nachfolgender Beleg aus der Sammlung von Muslim berichtet über ein sehr spezifisches Problem beim erlaubten  Gebrauch von gefangenen ungläubigen Frauen. Während die Mudjahidin (Gotteskrieger) eine mögliche Schwangerschaft mittels „Koitus Interruptus“ (arabisch: azl’) verhindern wollten, um den Wert der Beute bei Verkauf nicht zu schmälern, hat Mohammed ihre Bedenken zerstreut und ihnen versichert, daß keinerlei Vorsorge nötig sei:

Muslim B008 N3371: Abu Sirma sagte zu Abu Said al Khadri: „O Abu Said, hast du den Gesandten Allahs gehört, wie er von al-'azl (Koitus Interruptus) gesprochen hat?“ Dieser gab zur Antwort: „Ja“, und fügte dazu: „Wir waren auf einem Kriegszug gegen die Banu Mostaliq unterwegs und nahmen einige ausgezeichnete Araberinnen gefangen. Wir begehrten sie, denn wir litten unter der Abwesenheit unserer Ehefrauen. Da wir für erstere jedoch auch Lösegeld bekommen wollten, entschieden wir uns, mit ihnen zwar Geschlechtsverkehr zu haben, jedoch Koitus Interruptus (’azl; das Zurückziehen des männlichen Gliedes vor dem Samenerguss, um Empfängnis zu verhüten) zu praktizieren. Dann sagten wir uns, wir machen hier etwas, während der Gesandte Allahs unter uns weilt; warum fragen wir nicht einfach ihn um Rat?“ Also taten wir dies und er antwortete: „Es kommt nicht drauf an, ob ihr ’azl anwendet oder nicht denn jede Seele, welche bis zum Tag des Jüngsten Gerichts geboren werden soll, wird geboren werden.“ Quelle: Sexueller Missbrauch von Sklavinnen und weiblichen ungläubigen Kriegsgefangenen

So wurden also mit der Zustimmung des „Gesandten Gottes“ massenhaft gefangene Frauen vergewaltigt. Hätte man sich so etwas auch bei Jesus oder Buddha vorstellen können? Sicherlich nicht!]

Der Prophet eroberte weiter Festung um Festung und nahm Herde um Herde, bis sie zu den beiden Burgen Watih und Sulalim gelangten. Es waren dies die beiden letzten Festungen der Bewohner von Khaibar, die eingenommen wurden. Muhammad belagerte sie etwa 10 Tage.

Abdallah ibn Sahl überlieferte mir von Djabir ibn Abdallah folgendes:

Der Jude Marhab kam mit allen seinen Waffen aus der Festung seines Stammes und sprach im Radjaz-Metrum die Verse:

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In Khaibar wird mein Name Marhab oft genannt.
Ich bin für scharfe Waffen und als Held bekannt.
Bald nehme ich die Lanze, bald das Schwert zur Hand,
wenn Feinde nahen, löwengleich und wutentbrannt.
Und niemand darf sich feindlich nähern meinem Land.

„Wer stellt sich mit zum Zweikampf?“ rief er sodann zu den Muslimen hinüber und Kab ihn Malik erwiderte ihm:

Als Kab bin ich in Khaibar allen wohlbekannt,
als einer, der im Kampfe kühn die Not verband,
wenn immer neue Kriege ziehen durch das Land.
Mein scharfes Schwert, es leuchtet wie ein Diamant
in meiner tadelsfreien, tapf'ren Kämpferhand.
Wir treten euch, bis jedem seine Schmach bekannt
und ihr uns Steuern oder Beute gebt als Pfand.

„Wer stellt sich ihm zum Kampfe?“, fragte der Prophet und Muhammad ibn Maslama rief: „Ich, Gesandter Gottes! Ich bin zur Rache verpflichtet, nachdem gestern mein Bruder getötet wurde.“ „So trete gegen ihn an!“ antwortete ihm der Prophet und betete zu Gott, ihm zu helfen.

Die beiden gingen aufeinander los. Ein alter Baum stand zwischen ihnen, hinter dem sie jeweils vor ihrem Gegner Schutz suchten. Sobald sich der eine dahinter versteckte, schlug der andere die Äste von ihm ab, bis sie sich schließlich ungeschützt gegenüberstanden und der astlose Baum sie nur noch wie ein aufrecht stehender Mann voneinander trennte. Marhab stürzte sich auf Ibn Maslama und schlug auf ihn ein. Dieser parierte den Hieb mit dem Schild und Marhabs Schwert blieb darin stecken. Da schlug Ibn Maslama zu und tötete ihn.

Der Prophet belagerte die Bewohner von Kkaibar in ihren beiden Festungen Watih und Sulalim, bis sie keinen Ausweg mehr sahen und ihn baten, er möge sie ziehen lassen und ihr Leben verschonen. Der Prophet erfüllte ihnen ihre Bitte. Er hatte alle ihre Ländereien, Shaqq, Nata und Katiba, und alle ihre Festungen mit Ausnahme der beiden Burgen erobert. Als die Bewoh-

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ner des Gebietes von Fadak erfuhren, was in Khaibar geschehen war, schickten sie eine Gesandschaft mit der Bitte zum Propheten, er möge sie ebenfalls ziehen lassen und ihr Leben verschonen; sie würden ihm dafür ihre Besitzungen überlassen. Auch ihrer Bitte entsprach er. Nachdem sich die Bewohner von Khaibar auf dieser Grundlage ergeben hatten, baten sie den Propheten, er möge sie auf ihren ehemaligen Besitzungen beschäftigen und ihnen die Hälfte des Ertrages überlassen. Sie verwiesen darauf, dass sie mehr von der Bestellung des Landes verstünden, als die Muslime. Der Prophet ging auf ihre Bedingungen ein, fügte jedoch hinzu, dass er sie jederzeit verteiben könne, wenn er dies wolle. Die gleiche Vereinbarung traf er mit den Bewohnern von Fadak. Während Khaibar aber als Kriegsbeute unter den Muslimen aufgeteilt wurde, ging Fadak in den Privatbesitz des Propheten über, da die Muslime weder Pferde noch Kamele hatten einsetzen müssen, um es zu erobern.

[Die Bitte der Juden, ihr Land weiterhin bestellen zu dürfen und Mohammed die Hälfte des Ertrages zukommen zu lassen, geschah natürlich nicht freiwillig, wie Ibn Ishaq uns gerne erzählen möchte. Tilman Nagel schreibt hierzu auf Seite 398: „Mohammed erschloß sich in jenen Tagen weitere Einnahmequellen. Östlich von Khaibar lag Fadak, ebenfalls von Juden bewohnt. Wie zuvor im Falle Khaibars schickte er auch dorthin die Botschaft, man möge zum Islam übertreten. Dass der Prophet inzwischen Khaibar belagerte, verlieh der Forderung Nachdruck. Der Entsandte der Muslime machte sich zusammen mit einem einheimischen Unterhändler auf den Weg nach Khaibar. Dieser wollte von Mohammed wenigstens erreichen, dass man, von Krieg verschont, mit aller Habe Fadak verlassen durfte. Wenn die Datteln reif seien, werde man zurückkommen und sie ernten. Für diesen Vorschlag konnte sich Mohammed nicht erwärmen. Er zwang die Juden, weiter ihr Land zu bestellen, jedoch auf die Hälfte des Ertrages zu verzichten.]

Bevor Mohammed nach Medina zurückkehrte, soll er noch einen Abstecher nach Norden in das „Tal der Ortschaften“ unternommen haben, in ein Gebiet hinein, dass man nicht mehr zum Hedschas27.4, sondern bereits zu as-Sam [Syrien] rechnete. Die jüdischen Bewohner jener Gegend, bis hinauf nach Taima, wurden vom Schrecken erfasst und fanden sich zur Zahlung einer Kopfsteuer bereit, ohne dass es zu Kampfhandlungen gekommen wäre.

27.4[Der Hedschas ist eine Landschaft im westlichen Saudi-Arabien. Im Hedschas liegen auch die Städte Mekka und Medina. Das Betreten von Teilen des Hedschas, der Städte Mekka und Medina und deren Umgebung, ist Nichtmuslimen heutzutage verboten.]

Eines Tages, nachdem die Eroberungen beendet waren und der Prophet sich sicher wähnte, schenkte ihm Zainad bint Harith, eine der gefangenen Frauen, ein gebratenes Schaf. Sie hatte sich vorher erkundigt, welches Stück vom Schaf ihm am liebsten sei und man hatte ihr die Schulter genannt. Darauf vergiftete sie das ganze Schaf, tat auf die Schulter aber besonders viel Gift. Dann brachte sie es herbei und legte es vor dem Propheten nieder. Er nahm sich das Schulterstück und kaute einen Bissen davon, schluckte ihn aber nicht hinunter. Bishr ibn Bara, der beim Propheten war und sich ebenfalls einen Bissen genommen hatte, verschlang diesen jedoch. Der Prophet dagegen spuckte ihn aus und sprach: „Dieser Knochen sagt mir, dass er vergiftet ist.“

Er ließ die Frau holen und sie gestand. Als er sie fragte, weshalb sie dies getan habe, antwortete sie ihm: „Du weißt, was du meinem Volk angetan hast. Ich dachte mir, wenn du nur ein König bist, werde ich damit von dir erlöst sein; bist du aber ein Prophet, wirst du gewarnt werden.“ Da ließ sie der Prophet ungestraft ziehen. Bishr aber starb an dem, was er gegessen hatte.

Als die Eroberung von Khaibar beendet war, zog der Prophet noch in das Gebiet von Wadi l-Qura und belagerte es einige Tage. Dann kehrte er nach Medina zurück.

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59. Die vollzogene Pilgerfahrt im November 629 Top

Während der Monate Rabi bis Shawwal im Jahre 7 blieb der Prophet in Medina und ließ von seinen Anhängern mehrere Eroberungszüge durchführen. Dann, im Monat Dhu l-Quada, jenem Monat, in dem die Ungläubigen ihm im Jahr zuvor das Betreten von Mekka verwehrt hatten, unternahm er die „Vollzogene Pilgerfahrt“ anstelle der kleinen Pilgerfahrt, an der man ihn gehindert hatte28. Es waren die gleichen Muslime, die ihn bereits im Vorjahr begleitet hatten, die sich nun im Jahre 7 wieder auf den Weg machten. Sobald die Mekkaner davon hörten, verließen sie die Stadt, um ihm den Einzug nach Mekka zu ermöglichen. Die Quraish redeten sich ein, Muhammad und seine Gefährten litten unter Armut und Not.

28Muhammad verrichtete wiedrum nur die Kleine Pilgerfahrt (umra) und nicht die Große (hagjj).

Den folgenden Bericht des Ibn Abbas habe ich von einem vertrauenswürdigen Überlieferer:

Reihenweise standen die Mekkaner am Versammlungshaus, um den Propheten und seine Gefährten zu betrachten. Als er die Moschee betrat, legte er sein Gewand über die linke Schulter und ließ seine rechte Schulter unbedeckt. Er sprach: „Gott erbarme sich eines Mannes, der ihnen heute etwas von seiner Macht gezeigt hat.“

Er küsste den Schwarzen Stein und lief mit seinen Gefährten langsam um die Kaaba. Sobald ihn das Gebäude vor den Blicken der Zuschauer verbarg und er auch die südliche Ecke des Heiligtums geküsst hatte, ging er einfachen Schrittes wieder zum Schwarzen Stein und küsste ihn abermals. Sodann umkreiste er noch sechsmal die Kaaba, dreimal im Laufschritt und dreimal einfachen Schrittes. Die Muslime glaubten damals, dass dieses Ritual für sie nicht verbindlich sei und dass der Prophet dies nur wegen der Quraish und dem, was er von ihnen gehört hatte, so getan habe. Erst als er später während der Abschiedwallfahrt bei diesem Ritual blieb, wurde es zur Regel29.

29d.h. Es wurde Sunna, nämlich Praxis und Theorie der „sunnitisch“-muslimischen Gemeinde. Der Koran und die in den Hadith-(Traditions-)Werken festgehaltene Sunna sind die beiden Hauptquellen des Islam.

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Aban ibn Salih und Abdallah ibn abi Nadjih überlieferten mir von Ata die folgende Nachricht, die mir Mudjahid auch von Ibn Abbas mitteilte:

Während jener Reise heiratete der Prophet im Zustand des haram30 Maimuna, die Tochter des Harith. Derjenige, der für ihn diese Heirat vermittelte, war Abbas ibn Abdalmuttalib. Der Prophet blieb drei Tage in Mekka. Am letzten Tag kam Huwaitib ibn Abdaluzza, den die Quraish beauftragt hatten, dafür zu sorgen, dass der Prophet Mekka wieder verließ, mit einigen anderen Quraishiten zu ihm. Sie sagten: „Deine Frist ist abgelaufen. Verlasse uns!“

30d. h. im Weihezustand des Pilgers, der durch bestimmte rituelle Reinigungen und das Anlegen des Pilgergewandes erreicht wird. Sexueller Verkehr ist in diesem Zustand untersagt. Aus rechtlichen Gründen haben sich später die Meinungen der Juristen an der Überlieferung von Muhammads Heirat als Pilger heftig entzündet.

Was würde es euch schaden“, entgegnete der Prophet, „wenn ihr mich hierbleiben liesset, so dass ich bei euch die Hochzeit feiern und ein Festmahl veranstalten kann, an dem auch ihr teilnehmt?“ „Wir brauchen dein Essen nicht“, gaben sie zurück. „Mach, dass du wegkommst!“ Der Prophet verließ Mekka und gab Maimuna in die Obhut seines Freigelassenen Abu Raffi, der sie ihm dann nach Sarif nachbrachte. Dort vollzog er mit ihr die Ehe und kehrte im Monat Dhu l-Hidjja nach Medina zurück.

60. Der Feldzug nach Muta im Mai 630 Top

Muhammad ibn Djafar berichtete mir von seinem Oheim Urwa ibn Zubair folgendes:

Wenn Zaid fällt, erhält Djafar ibn abi Talib die Führung. Stirbt auch er, übernimmt Abdallah ibn Rawaha den Befehl über das Heer!“

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Die Muslime, 3.000 an der Zahl, rüsteten sich zum Aufbruch, und als es soweit war, nahmen die Feldherrn des Propheten von den Zurückbleibenden Abschied. Abdallah ibn Rawaha brach dabei in Tränen aus. Nach dem Grund dafür befragt, sprach er: „Ich weine nicht, weil ich etwa an dieser Welt hänge oder euch besonders missen würde, sondern weil ich den Propheten einen Koranvers habe vortragen hören, in dem es vom Höllenfeuer heißt: „Und es gibt keinen unter euch, der nicht zu ihm hinunterkommen würde. Dies ist bei deinem Herrn entschieden und beschlossen.“ (Sure19,71) Ich aber weiß nicht, wie ich aus dem Höllenfeuer zurückkehren kann, nachdem ich dorthin gelangt bin.“

Gott sei mit euch und schütze euch und bringe euch heil zu uns zurück!“, entgegneten die Muslime. Abdallah aber sprach:

Gott möge mir vergeben und mir einen Hieb vergön-
nen, der mir weite Wunden schlägt, aus denen Blutschaum fließt,
oder einen Todesstoß, aus kühner, heißer Männer-
hand, die mir die Lanze durch Gedärm und Leber spießt,
damit die Menschen, die mein Grab besuchen, flehn, dass er
für mich, nachdem ich recht getan, den rechten Weg beschließt.

Das Heer brach auf, und der Prophet begleitete es ein Stück des Wegs. Als er dann von ihm Abschied nahm und nach Medina zurückkehrte, sprach Abdallah ibn Rawaha:

Friede sei auf jenem Mann, dem besten aller Freunde,
dem ich hier den Abschied gab, umringt von hohen Palmen.

Das Heer zog bis nach Maan in Syrien [Entfernung Medina nach Damaskus/Syrien etwa 1.300 km]. Dort erfuhren die Muslime, dass Heraklius [der Kaiser von Byzanz, dem heutigen Istanbul] mit 100.000 Byzantinern, denen sich weitere 100.000 Mann aus den Stämmen Lakhm, Djudham, Qain, Bahra und Bali angeschlossen hatten, nach Maab, in der Landschaft Balqa, gekommen war. Auf diese Nachricht hin blieben die Muslime zwei Nächte in Maan und überlegten, was sie angesichts dieser Lage tun sollten. Einige schlugen vor: „Wir schreiben an den Propheten und unterrichten ihn von der Anzahl der Feinde. Entweder schickt er uns weitere Männer

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zur Hilfe, oder er erteilt uns einen anderen Befehl, nach dem wir uns richten können.“

Abdallah ibn Rawaha aber spornte sie an und sprach: „Bei Gott, ihr Männer, das, wovor ihr jetzt zurückschreckt, ist doch eben das, weshalb wir ausgezogen sind: der Märtyrertod! Wir kämpfen doch nicht gegen den Feind mit Zahlen, Kraft und Heeresgröße, sondern allein mit dem Glauben, mit dem Gott uns ausgezeichnet hat. So macht euch auf! Eines von zwei schönen Dingen erwartet uns: der Sieg oder der Märtyrertod!“ „Bei Gott, Ibn Rawaha hat recht!“ riefen die Muslime und zogen weiter.

An der Grenze der Landschaft Balqa trafen sie bei dem Dorf Masharif auf die byzantinischen und arabischen Heerscharen und zogen sich beim Anrücken des Gegners nach Muta zurück. Dort kam es zum Kampf. Zaid ibn Haritha kämpfte mit der Fahne des Propheten in der Hand, bis er so viel Blut verloren hatte, dass er mitten unter den feindlichen Lanzen fiel. Darauf ergriff Djafar die Fahne und stürzte sich in den Kampf. Als ihm jeder Fluchtweg abgeschnitten war, sprang er von seinem Rotschimmel, durchschlug diesem die Beine und kämpfte, bis er starb. Djafar war der erste Muslim, der so mit seinem Pferd verfuhr.

Yahya ibn Aabbad erzählte mir, wie er sich von seinem Rotschimmel stürzte, diesem die Beine zerschlug und kämpfte, bis er fiel, wobei er sprach:

Zum Garten Eden habe ich es nicht mehr weit;
und kühler Trunk erwartet mich voll Köstlichkeit.
Den Byzantinern droht der nahen Strafe Leid,
als Heide, ohne eines Stammbaums Vornehmheit.
Zum Todeskampfe gegen sie bin ich bereit.

Und nachdem Djafar gefallen war, ergriff Abdallah ibn Rawaha die Fahne, stürmte auf seinem Pferd voran und machte sich selbst Mut, indem er rief:

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Du musst dich Seele, in den Kampf begeben,
und geht es noch so gegen dein Bestreben.
Und lässt der Sieger Schrei dich auch erbeben,
du wirst zum Paradies dich heut' erheben.
Du klarer Wassertropfen sollst nicht länger leben
Von einem alten Wassersack umgeben!

Als er vom Pferd stieg, trat einer seiner Vettern mit einem Fleischknochen auf ihn zu und forderte ihn auf: „Stärke dich damit! Du hast schon schwere Kämpfe durchgemacht.“ Er nahm den Knochen und aß etwas davon. In diesem Augenblick hörte er jedoch heftigen Kampfeslärm und sprach zu sich selbst: „Und du lebst noch!“ warf den Knochen weg, ergriff sein Schwert, stürmte vor und kämpfte, bis er fiel. Sodann übernahm Thabit ibn Aqram die Fahne und rief: „Ihr Muslime! Einigt euch auf einen Mann aus euren Reihen, der die Führung übernehmen soll.“

Sie schlugen ihn selbst vor, doch er lehnte ab. So einigten sie sich auf Khalib ibn Walid. Nachdem dieser die Fahne übernommen hatte, versuchte er sich vom Feinde fernzuhalten und weitere Kämpfe zu vermeiden. Beide Seiten trennten sich voneinander und Khalid brachte die Muslime nach Medine zurück.

Muhammad ibn Djafar berichtete mir von seinem Onkel Urwa folgendes:

Als sich das Heer Medina näherte, ritt ihnen der Prophet mit den zurückgebliebenen Muslimen entgegen. Die Kinder rannten nebenher. „Nehmt die Jungen mit auf eure Esel“, forderte der Prophet seine Begleiter auf, „und gebt mir Djafas Sohn!“ Man brachte Abdallah ibn Djafar und setzte ihn vor sich auf sein Reittier. Dann begannen die Leute Staub auf die Heimkehrenden zu werfen und riefen: „Ihr Feiglinge! Ihr seid auf dem Wege Gottes geflohen!“ „Wenn Gott der Erhabene es will“, unterbrach der Prophet das Treiben, „sind es keine Fliehenden, sondern Männer, die sich zurückgezogen haben, um sich zum nächsten Kampf zu rüsten.“

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61. Der Grund für den Zug nach Mekka und die Eroberung [630]    Top

Nachdem der Prophet das Heer nach Muta geschickt hatte, verbrachte er selbst die Monate Djumada II. und Radjab in Medina. In dieser Zeit kam es zu dem Überfall des Stammes Bakr aus dem Großverband der Kinana gegen die Khuzaa an einer Wasserstelle namens Watir, im Unterland von Mekka. Der Grund zwischen diesen beiden Stämmen war folgender: Noch vor dem Islam war ein Angehöriger, der mit den Kinana verbündeten Banu Hadrami einmal als Händler unterwegs. Als er sich mitten im Gebiet der Khuzaa befand, wurde er von diesen überfallen, getötet und ausgeplündert. Darauf überfielen die Bakr einen Khuzaiten und töteten ihn. Unmittelbar vor dem Islam griffen dann die Khuzaa die Söhne des Aswad ibn Razn aus dem Clan der Banu Dil, die herrschende und edelste Familie unter den Kinana, an und töteten drei von ihnen in Arafa an den Grenzsteinen des Heiligen Bezirkes.

So stand es um die beiden Stämme Bakr und Khuzaa, als das Aufkommen des Islam ihren Streit in den Hintergrund drängte und man sich mehr mit dem neuen Glauben befasste. Im Vertrag von Hudaibiya zwischen dem Propheten und den Quraish war nun festgelegt worden, so berichtete mir Zuhri von Urwa und dieser von Miswar, Marwan und anderen Überlieferern, dass jeder, der sich mit dem Propheten oder den Quraish verbünden wollte, dies tun konnte. Die Banu Bakr entschieden sich darauf für die Quraish, während sich die Khuzaa auf die Seite des Propheten stellten. Der Clan der Banu Dil vom Stamme Bakr versuchte nun aber den Waffenstillstand dazu zu nutzen, um an den Khuzaa diejenigen zu rächen, die jene vormals umgebracht hatten. Naufal, der damalige Führer der Banu Dil, dem allerdings nicht alle Bakr folgten, überfiel mit seinen Leuten die Khuzaa an deren Brunnen Watir und tötete einen von

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ihnen. Beide Seiten trennten sich wieder, doch die Kämpfe begannen erneut. Die Quraish unterstützten die Bakr mit Waffen, und einige von ihnen kämpften im Schutze der Nacht sogar selbst auf ihrer Seite. Schließlich trieben sie die Khuzaa in den Heiligen Bezirk. Budail ibn Warqa begab sich daraufhin mit einem seiner Stammesgenossen von den Khuzaa zum Propheten nach Medina und berichtete ihm, was ihnen widerfahren war und dass die Quraish den Banu Bakr geholfen hatten. Dann machte er sich wieder auf den Rückweg nach Mekka.

[Tilman Nagel bestätigt auf Seite 412 die Aussagen Ibn Ishaqs. Er schreibt: „Wie so oft zeitigte ein lächerlicher Vorfall, weitreichende Folgen. Ein huzaitischee Bursche war Zeuge geworden, wie ein Bakrite den Gesandten Allahs geschmäht hatte. Der Huzaite brachte dem, wie er meinte, Übeltäter, eine Kopfwunde bei, worauf die bakritische Sippe der Banu Nufata mit einigen Führern der Quraishiten Fühlung aufnahmen, damit man an den Huzaiten Rache übe. Unter den Bakriten hielten sich allein die Banu Mudlig abseits, denn sie hatten sich schon vor der Schlacht von Badr verpflichtet, nicht gegen Mohammed Krieg zu führen. Auch Abu Sufyan ibn Harb soll sich nicht auf eine Attacke gegen die Huzaiten eingelassen haben. Andere Quraishiten waren jedoch zum Mittun bereit, und sie verabredeten mit einigen Bakriten einen nächtlichen Überfall. Das Opfer war eine bei Mekka lagernde Gruppe von Huzaiten. Einige retteten sich in das Haram-Gebiet und fanden in den Häusern zweier Stammesgenossen Unterschlupf. Drei Tage belagerte man sie dort. Als sich die Erregung gelegt hatte und man die Leichen von 23 Huzaiten gewahr wurde, beschlich die Quraishiten Furcht. Denn anders als einen Bruch des Vertrages von Hudaibiya konnte man das Geschehen kaum auslegen.

Die Quraishiten hatten in diesem Fall eindeutig gegen den Vertrag von Hudaibiya verstoßen. Wie Tilman Nagel aber auf Seite 413 schreibt, war „der Mord an den 23 Huzaiten, ein viel zu willkommener Grund für einen Krieg gegen Mekka, als dass Mohammed sich auf irgendeine Weise auf Abu Sufyans Ansinnen hätte einlassen wollen.“ Abu Sufyan war nämlich zu Mohammed gekommen, um flehentlich um eine Verlängerung des Friedensvertrages zu bitten. Er hatte alles getan, um einen Krieg zu verhindern. Er selber hatte sich, wie wir eben gesehen haben, nicht an dem Überfall beteiligt. Mohammed war außerdem mit Abu Sufyans Tochter Umm Habiba verheiratet. Man kannte sich also gut, aber trotz aller Bemühungen die Abu Sufyan versuchte, um einen Feldzug gegen Mekka zu verhindern, ging Mohammed in keinster Weise auf Abu Sufyans Bemühungen ein, er sprach nicht einmal mit ihm. Für Mohammed war der Krieg gegen Mekka also offensichtlich von Anfang an eine beschlossene Sache.

Unverrichteter Dinge kehrte Abu Sufyan nach Mekka zurück. Mohammed aber befahl die Vorbereitungen für einen Feldzug. Den Beduinen in der Umgebung Medinas richtete er aus, sie hätten sich am 23. Dezember 629 bei ihm einzufinden. Die Auswanderer stellten laut al-Waqidi 700 Mann, darunter 300 Berittene, die Helfer 3.500 Fusssodaten und 500 Mann Kavallerie (Berittene). Dass unter den Auswanderern fast jeder zweite zu Pferde in den Krieg ziehen konnte, deutet auf die erheblichenVermögenswerte hin, die sich diese Gruppe seit dem Kampf im Khaibar angeeignet hatte.]

Der Prophet aber sprach zu den Muslimen: „Ich glaube, Abu Sufyan wird zu euch kommen, um den Vertrag zu bekräftigen und die Vertragsfrist zu verlängern.“ Tatsächlich trafen Budail und seine Gefährten auf ihrem Rückweg in Usfan auf Abu Sufyan. Die Quraishiten hatten ihn aus Furcht über ihr Verhalten zum Propheten geschickt, damit er das Abkommen festige und eine Verlängerung der Vertragsdauer erwirke. Als Abu Sufyan unterwegs Budail traf, vermutete er, dass dieser beim Propheten gewesen war und fragte ihn: „Woher kommst du, Budail?“

Ich bin mit den Khuzaa an der Küste entlang und durch dieses Wadi gezogen.“ „Bei Muhammad warst du nicht?“ Budail verneinte und zog weiter in Richtung Mekka. Abu Sufyan aber sprach: Wenn Budail in Medina war, hat er dort seinen Tieren Datteln zu fressen gegeben.“ Und er ging zu der Stelle, wo Budails Kamel niedergekniet war, nahm etwas vom Dung, zerbröckelte ihn und fand Dattelkerne darin.

Ich schwöre“, rief er aus, „Budail ist bei Muhammad gewesen!“ Abu Sufyan zog weiter. In Medina angekommen begab er sich zunächst zu seiner Tochter Umm Habiba, die mit Muhammad verheiratet war, und wollte sich dort auf dem Teppich des Propheten setzen. Seine Tochter indes faltete den Teppich zusammen und Abu Sufyan fragte sie: „Mein liebes Töchterchen! Ich weiß nicht, bin ich dir zu schade für den Teppich oder ist dir der Teppich zu schade für mich?“

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Das ist der Teppich des Gesandten Gottes und du bist ein unreiner Heide. Ich möchte nicht, dass du auf dem Teppich des Propheten sitzt.“ „Wahrlich, seid du nicht mehr bei mir bist, ist es schlecht um dich bestellt.“

Darauf begab er sich zum Propheten selbst und redete auf ihn ein, doch erhielt er keine Antwort. Dann bat er Abu Bakr, er möge sich für ihn beim Propheten verwenden, dass dieser mit ihm spreche, doch wies er sein Ansinnen zurück. Und als er sich mit der gleichen Bitte an Umar [Umar ibn Khattab] wandte, sagte dieser: „Ich soll dich beim Propheten vermitteln!? Bei Gott, und hätte ich nur eine Ameise, ich würde mit ihr gegen dich kämpfen!“

Schließlich ging Abu Sufyan zu Ali, bei dem sich Fatima, die Tochter des Propheten, befand. Hassan, der Sohn der beiden, krabbelte vor ihr auf dem Boden herum. Abu Sufyan sprach: „O Ali, du bist mir von allen Leuten hier am engsten verwandt. Ich flehe dich an, vermittle für mich beim Propheten und lass mich, bitte, nicht erfolglos umkehren!“ „Wehe dir, Abu Sufyan!“ antwortete Ali, „Bei Gott, wenn der Prophet einmal etwas beschlossen hat, lässt er nicht mehr mit sich darüber reden.“

Da wandte sich Abu Sufyan an Fatima und bat sie: „Tochter Muhammads!“ Möchtest du nicht deinen kleinen Sohn hier beauftragen, dass er zwischen den Menschen ein Schutzverhältnis vermittelt, auf das er bis zum Ende aller Zeiten zum Herrn aller Araber wird?“ „Bei Gott, mein Sohn ist dafür nicht alt genug!“ erwiderte sie ihm und fuhr fort: „Ausserdem kann niemand einem anderen gegen den Propheten Schutz bieten.“ Da wandte sich Abu Suyan nochmals an Ali und sagte: „Vater des Hassan! Ich sehe, es steht schlecht um mich. Gib mir einen Rat!“

Bei Gott, ich weiß wirklich nicht, was dir helfen könnte. Aber du bist doch der Herr der Kinana; so biete unter den Leuten ein Schutzverhältnis an und kehre nach Mekka zurück!“ „Meinst du, das nützt mir etwas?“ „Ich glaube nicht, aber sonst fällt mir auch nichts ein.“

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Abu Sufyan begab sich in die Moschee und erklärte: „Ich gewähre Schutz unter den Menschen.“ Darauf bestieg er sein Kamel und verließ Medina. In Mekka fragten ihn die Quraish, was er habe ausrichten können und er sprach: „Ich ging zu Muhammad, redete auf ihn ein, doch er antwortete mir nicht. Dann war ich bei Abu Bakr, doch fand ich nichts Gutes an ihm. Darauf begab ich mich zu Umar und erkannte in ihm einen der schlimmsten Feinde. Schließlich ging ich zu Ali und bemerkte, dass er der Sanftmütigste unter jenen Leuten ist. Ich habe einen Rat von ihm befolgt, weiß aber nicht, ob er etwas nützt.“ Nämlich?“ „Er hat mir geraten, ich solle eine Schutzerklärung unter den Leuten abgeben, und ich habe dies getan.“ „Hat Muhammad dies bestätigt?“ „Nein!“ „Wehe dir! Er hat sich auch noch ein Spiel mit dir erlaubt. Was du gesagt hast, nützt gar nichts.“

Inzwischen befahl der Prophet den Muslimen, sich zu rüsten. Abu Bakr traf bei seiner Tochter Aisha ein, als diese gerade etwas von der Ausrüstung des Propheten zusammentrug und fragte sie: „Hat der Prophet dich gebeten, seine Ausrüstung zusammenzulegen?“ „Ja! Auch du sollst dich fertig machen.“ „Und wohin, glaubst du, will er ziehen?“ „Bei Gott, ich weiß es nicht.“ Später gab der Prophet den Medinensern bekannt, dass er nach Mekka aufbreche. Er befahl ihnen, sich gründlich vorzubereiten und den Quraish gegenüber ihr Vorhaben geheimzuhalten, damit er sie in Mekka überraschen könne.

Zuhri berichtete mir von Ubaidallah ibn Abdallah, der sich auf die Aussagen des Abdallah ibn Abbas stützte, folgendes:

Am zehnten Ramadan brach der Prophet auf. Er und die Muslime fasteten, bis sie Kudaid zwischen Usfan und Amadj erreich-

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ten. Mit 10.000 Muslimen zog er von dort weiter nach Marr as-Zahran. Allein vom Stamme Sulaim waren 700 oder 1.000 Männer dabei und vom Stamme Muzaina ebenfalls 1.000 Mann. Alle vertretenen Stämme folgten ihm in großer Zahl und viele hatten sich zum Islam bekehrt. Die Auswanderer und Helfer begleiteten geschlossen den Propheten und keiner blieb zurück.

Während der Prophet in Marr az-Zahran lagerte, wussten die Quraish immer noch nicht, was er vorhatte. Abu Sufyan, Hakim ibn Hizam und Budail ibn Warqa verließen deshalb in jenen Nächten Mekka, um Erkundigungen einzuziehen und Näheres in Erfahrung zu bringen. Zuvor hatte Abbas [Abbas ibn Abdalmuttalib, der Onkel Mohammeds] bereits den Propheten getroffen und sich ihm angeschlossen.

In Marr az-Zahran, erzählte Abbas, der Oheim des Propheten, später selbst, sorgte ich mich um die Quraish und sagte mir, wenn der Prophet gewaltsam nach Mekka eindringt, bevor sie zu ihm kommen und ihn um seinen Schutz bitten, bedeutet dies ihren Untergang für alle Ewigkeit. Ich bestieg deshalb das weiße Maultier des Propheten, um nach Arak zu reiten. Dort, so dachte ich mir, müsste ich einen Holzsammler, einen Melker oder sonst jemanden finden, der nach Mekka gehen und den Mekkanern berichten könnte, wo der Prophet lagerte, damit sie zu ihm kämen und ihn um seinen Schutz bäten, bevor er mit Gewalt bei ihnen eindringe. Und bei Gott, während ich so dahinritt, hörte ich plötzlich die Stimmen Abu Sufyans und Budails, die sich miteinander unterhielten. Abu Sufyan sagte gerade: „Ich habe noch nie solche Feuer und ein solches Lager gesehen, wie heute nacht.“

Dies, bei Gott, sind Feuer der Khuzaa, die der Krieg entzündet hat“; antwortete Budail. Doch Abu Sufyan wandte ein: „Die Khuzaa sind zu schwach und zu gering an Zahl, als dass dies ihre Feuer und ihr Lager wären.“

Ich hatte Abu Sufyans Stimme erkannt und als ich ihn anrief, erkannte er auch die meine und fragte überrascht, was ich wollte. „Wehe dir, Abu Sufyan“, erwiderte ich ihm, „dies ist der Prophet mit seinen Leuten und ich habe Angst um die Quraish.“ „Ich bitte dich inständig, was soll ich tun? fragte er mich und ich antwortete:

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Wenn du ihm in die Hände fällst, wird er dir den Kopf abschlagen lassen. Besteige daher dieses Maultier, damit ich dich zum Propheten bringe und ihn um Schutz für dich bitte!“ Er setzte sich hinter mir auf das Reittier und seine beiden Begleiter kehrten nach Mekka zurück. Immer wenn ich mit Abu Sufyan an einem Lagerfeuer der Muslime vorbeiritt, fragten sie, wer wir seien, erkannten dann aber das Maultier des Propheten und merkten, dass ich es war. Schließlich kamen wir auch an der Feuerstelle Umars (Umar ibn Khattab; Umars Tochter Hafsa war mit Mohammed verheiratet. Umar wurde später der zweite Kalif.) vorbei. Auch er erkundigte sich, wer wir seien und trat auf uns zu. Da erblickte er Abu Sufyan hinter mir auf dem Maultier und rief: „Abu Sufyan, der Feind Gottes! Gepriesen sei Gott, der dich uns vertragslos ausgeliefert hat!“

Eiligst rannte er zum Propheten. Ich aber ließ das Maultier gallopieren und kam etwas früher dort an. Kaum war ich vom Maultier gesprungen und beim Propheten eingetreten, eilte auch Umar herein und sprach zu ihm: „Diesen Abu Sufyan hat uns Gott vertragslos ausgeliefert! Lass mich ihm den Kopf abschlagen!“

Ich machte sogleich geltend, dass ich Abu Sufyan unter meinen Schutz gestellt hatte. Sodann setzte ich mich zum Propheten, ergriff sein Haupt und schwor, dass sich in dieser Nacht ohne mein Beisein niemand mit ihm werde vertraulich unterhalten können. Und als Umar weiter drängte, sprach ich: „Langsam, Umar! Wäre Abu Sufyan ein Mitglied der Sippe Adi ibn Kab, würdest du nicht so reden. Du weisst aber, dass er zu den Abdmanaf gehört.“ „Langsam, Abbas!“ widersprach er mir, „deine Bekehrung zum Islam am Tage, an dem du ihn annahmst, bedeutet mir wahrlich mehr, als wenn mein eigener Vater sich dazu bekehrt hätte. Und ich weiß auch, dass der Prophet der gleichen Meinung ist.“

Muhammad bat mich, Abu Sufyan mit zu meinem Lagerplatz zu nehmen und ihn am folgenden Morgen wieder zu ihm zu bringen. So verbrachte Abu Sufyan die Nacht bei mir und schon am frühen Morgen ging ich mit ihm wieder zum Propheten, der ihn mit den Worten empfing: „Wehe dir, Abu Sufyan! Ist es nicht an der Zeit zu erkennen, dass es keinen Gott gibt außer Gott?!“

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Du bist mir teurer als Vater und Mutter!“ erwiderte Abu Sufyan, „wie edel, milde und freundlich bist du doch! Gäbe es einen Gott außer Gott, hätte er mir, so glaube ich, weitergeholfen.“ „Wehe dir, Abu Sufyan! Glaubst du nicht, dass es an der Zeit ist, zu erkennen, dass ich der Gesandte Gottes bin?“ fragte ihn Muhammad weiter und er antwortete: „Du bist mir teurer als Vater und Mutter, und wie groß sind doch deine Milde, dein Edelmut und deine Freundlichkeit. Daran, dass du Gottes Gesandter seist, habe ich jedoch immer noch einige Zweifel.“

Nun wandte ich mich an Abu Sufyan und bat ihn inständig: „Nimm den Islam an und bekenne, dass es keinen Gott außer Gott gibt und dass Muhammad der Prophet Gottes ist, bevor man dir den Kopf abschlägt!“ Da sprach Abu Sufyan das Glaubensbekenntnis und wurde somit Muslim. Ich aber bat den Propheten, etwas für Abu Sufyans Ansehen zu tun, worauf er erklärte: „Jeder, der sich in das Haus des Abu Sufyan begibt, soll sicher sein! Und jeder, der in die Moschee geht soll sicher sein!“

Als Abu Sufyan sich daraufhin entfernen wollte, bat mich der Prophet, diesen an jener engen Stelle des Wadis, wo der Berg hineinragte, zurückzuhalten, damit er die Heere Gottes an sich vorbeiziehen sehe. Ich tat, wie mich der Prophet geheißen hatte. Die Stämme zogen mit ihren Fahnen an uns vorbei und Abu Sufyan fragte mich jedesmal nach dem Namen des Stammes. Antwortete ich ihm „Sulaim“, erwiderte er: „Was habe ich mit den Sulaim zu tun!“ und kamen dann die Muzaina, sagte er: „Was habe ich mit den Muzaina zu tun!“ usw. bis alle Stämme vorübergezogen waren.

Schließlich kam der Prophet mit seiner „dunkelgrünen Schar“ vorbei, „dunkelgrün“ genannt, wegen der großen Menge Eisen, in der sich die Auswanderer und Helfer befanden, von denen man nur die Augen aus den Eisenrüstungen hervorleuchten sah. Und wieder fragte mich Abu Sufyan: „Großer Gott, Abbas, wer sind jene?“ „Dies ist der Prophet mit den Auswanderern und Helfern“, erwiderte ich ihm, worauf er ausrief:

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Keiner kann sie überwältigen! Bei Gott, Abbas, die Macht deines Neffen ist gewaltig geworden.“ „Es ist seine Prophetenschaft, die dies bewirkt hat“, antwortete ich ihm und er gestand es ein. Ich riet ihm eilends zu den Quraish zu gehen. Dort angekommen, rief er so laut er konnte: „Ihr Quraish, Muhammad ist mit einer Heerschar gegen euch gezogen, der ihr nichts entgegenzusetzen habt. Wer in mein Haus kommt ist sicher!“ Da stürzte Hind, die Tochter des Utba, auf ihn los, packte ihn am Schmurrbart und schrie: „Tötet ihn, diesen dicken Fettsack! Was für ein schändlicher Beschützer seines Volkes!“

Weh euch, warnte er die Quraish“, „lasst euch von dieser Frau nicht verleiten, denn gegen Muhammads Heerschar könnt ihr nichts ausrichten. Wer aber in mein Haus kommt, ist sicher!“ „Gott soll dich töten!“ antwortete sie ihm, „was wird dein Haus uns helfen?“ „Auch jeder, der sich in seinem eigenen Haus einschließt“, so fuhr er fort, „ist sicher, und auch der, der sich in die Moschee begibt.“ Darauf zerstreuten sich die Leute und gingen in ihre Häuser oder in die Moschee.

Abdallah ibn abi Bakr berichtete mir folgendes:

Als der Prophet Dhu Tuwa erreichte, hielt er auf seinem Reittier an. Er trug einen Turban aus einem Stück roten jeminitischen Stoffes und beugte sich angesichts des Sieges, mit dem Gott ihn ausgezeichnet hatte, sein Haupt in Demut vor ihm nieder, so dass sein Bart beinahe die Mitte des Sattels berührte.“

Abdallah ibn abi Nadjih überlieferte mir folgendes:

In Dhu Tuwa teilte der Prophet sein Heer: Den Zubair, der den linken Flügel befehligte, ließ er mit einem Teil des Heeres von Kunda her in die Stadt eindringen, während er den Sad ibn Ubada beauftragte, über den Pass von Kada in die Stadt vorzurücken. Dem Kkalid, der dem rechten Flügel mit den Stämmen Aslam, Sulaim, Ghifar, Muzaina, Djuhaina u. a. voranstand, befahl er, von Lit aus an die Stadt heranzugehen. Die Hauptreihe der Mus-

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lime ergoß sich unter Führung des Abu Ubaida nach Mekka hinein, vor dem Propheten herziehend, der von Adhakhir kommend in die Stadt eindrang. Oberhalb Mekkas angelangt, wurde ihm dort sein Zelt errichtet.

Bei Khandama scharten inzwischen Safwan, Ikrima, und Suhail eine Gruppe von Männern zum Kampf um sich. Auch Himas ibn Qais, ein Bruder des Stammes Bakr, machte seine Waffen zurecht und besserte sie aus, als seine Frau ihn fragte: „Wozu tust du das?“ „Zum Kampfe gegen Muhammad und seine Gefährten!“ antwortete er. Doch sie entgegnete ihm: „Ich glaube nicht, dass du damit Muhammad und seine Gefährten auch nur im geringsten wirst aufhalten können.“ „Ich hoffe, ich werde dir einen von ihnen als Diener schenken“, gab er zurück und fuhr fort:

Es gibt nun, wenn sie kommen, keine Ausflucht mehr,
denn hier der fehlerlose langgespitzte Speer
und dieses doppeltscharfe Schwert sind meine Wehr!

Sodann kämpfte er zusammen mit Safwan, Ikrima und Suhail bei Khandama gegen die von Khalid geführten Muslime. Nachdem 3 Muslime und 12 oder 13 Heiden gefallen waren, flohen die Ungläubigen. Auch Himas flüchtete nach Hause und ließ seine Frau das Tor verriegeln. Als sie ihn dann spöttisch fragte, was aus seinen früheren Worten geworden sei, sprach er:

Hättest bei Khandama dort du gesehen
den Safwan und den Ikrima flüchtend sich drehen,
den Abu Yazid wie die Säule starr stehen
und heranziehen mit Schwertern Muhammads Armeen,
wie sie Arme und Schädel mit Wunden versehen
und mit wirrem Geschrei die Unsrigen flehen
und herüber die Rufe der Sieger wehen,
es würde dir schnellstens das Tadeln vergehen!

Der Prophet hatte seine Heerführer verpflichtet, beim Eindringen nach Mekka nur gegen jene zu kämpfen, die Widerstand

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leisteten. Lediglich eine kleine Anzahl von Ungläubigen, die er ihnen namentlich nannte, sollten sie töten, selbst wenn sie sie unter den Vorhängen der Kaaba versteckt fanden. Zu diesen gehörte Abdallah ibn Sad, ein Bruder der Banu Amir ibn Luayy. Dieser war zum Islam übergetreten und hatte für den Propheten Offenbarungen aufgeschrieben, war dann aber wieder vom Glauben abgefallen und zu den Quraish zurückgekehrt.

Nun floh er zu Uthman, der ihm durch Milchbruderschaft verbunden war und dieser versteckte ihn. Nachdem sich die Leute beruhigt hatten, brachte er Abdallah zum Propheten und bat um Straflosigkeit für ihn. Man behauptete, der Prophet habe lange geschwiegen, bevor er seine Zustimmung gab, und habe dann, nachdem sich Uthman wieder entfernt hatte, zu seinen Gefährten, die sich um ihn geschart hatten gesagt: „Ich habe geschwiegen, damit einer von euch aufsteht und ihm den Kopf abschlägt“, worauf ihn einer der Helfer fragte, weshalb er ihm kein Zeichen gegeben habe.“ Darauf erklärte der Prophet: „Der Prophet tötet nicht durch Zeichen.“

Zu denen, die der Prophet zu töten befahl, gehörte auch Abdallah ibn Khatal, ein Mann von den Banu Taim ibn Ghalib. Auch dieser war Muslim gewesen und der Prophet hatte ihn eines Tages zusammen mit einem Helfer ausgesandt, um die Armensteuer einzuziehen. Bei sich hatte er auch einen freigelassenen muslimischen Sklaven. Als sie einmal lagerten, befahl er diesem, einen Ziegenbock zu schlachten und ein Mahl zu richten. Er selber legte sich schlafen. Als er erwachte und der Freigelassene nichts vorbereitet hatte, ging er auf ihn los und tötete ihn. Danach fiel er wieder vom Islam ab und bekannte sich zur Vielgötterei. Er besaß auch zwei Singsklavinnen, Fartana und ihre Freundin, die über den Propheten Spottlieder sangen. Muhammad ordnete deshalb an, diese beiden zusammen mit Ibn Khatal zu töten.

Weiter gehörten dazu Huwairith ibn Nuqaidh, einer von denen, die Muhammad in Mekka geschmäht hatten und Miqyas ibn Hubaba. Letzterer hatte einen Helfer ermordet, der aus Versehen seinen Bruder umgebracht hatte. Er war ebenfalls als Heide zu den Quraish zurückgekehrt. Unter den zu Tötenden

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waren noch Sara, die Freigelassene eines Angehörigen der Banu Abdalmuttalib und Ikrima, der Sohn des Abu Djahl. Sara war eine von denen gewesen, die den Propheten in Mekka beschimpft hatten. Ikrima floh in den Jemen. Seine Frau, Umm Hakim, nahm den Islam an und bat beim Propheten um Gnade für ihn. Muhammad sicherte ihm Straflosigkeit zu und Umm Hakim zog in den Jemen, um ihren Mann zu suchen. Dann brachte sie ihn zum Propheten und Ikrima nahm den Islam an. Ibn Khatal und Miqyas dagegen wurden getötet. Auch eine der beiden Singsklavinnen des Ibn Khatal wurde umgebracht, während die andere floh, bis ihr der Prophet auf entsprechende Bitten hin Gnade erwies. Dasselbe geschah mit Sara. Den Huwairith aber tötete Ali.

Muhammad ibn Djafar überlieferte mir folgendes von Ubaidallah ibn Abdallah, der sich auf die Aussagen der Safiya, der Tochter des Shaiba, stützte:

Nachdem der Prophet in Mekka angekommen war und die Leute sich beruhigt hatten, begab er sich zur Kaaba und ritt siebenmal um sie herum, wobei er jedesmal mit einem Stock, den er in der Hand hielt, den Schwarzen Stein berührte. Dann rief er Uthman ibn Talha und ließ sich von ihm den Schlüssel zur Kaaba geben. Man öffnete ihm das Heiligtum und er trat ein. Er fand darin eine Holztaube, zerbrach sie mit eigener Hand und warf sie weg. Daraufhin stellte er sich an das Tor zur Kaaba, während sich die Menschen im Moscheehof um ihn scharten und sprach:

Es gibt keinen Gott, außer Gott allein. Er hat keinen Gefährten. Er hat sein Versprechen erfüllt und seinem Diener zum Sieg verholfen. Er allein hat die verbündeten Gegner in die Flucht geschlagen. Jede Blut- und jede Geldschuld, sowie jedes Vorrecht, mit Ausnahme des Rechts zur Bewachung der Kaaba und zur Tränkung der Pilger werden von mir aufgehoben. Die Blutschuld für einen versehentlich, doch halb absichtlich, mit Peitsche oder Stock Getöteten ist schwer: 100 Kamele, davon 40 trächtig. O ihr Quraish, Gott hat von euch genommen den Hochmut der heidnischen Zeit und den Stolz auf die Vorfahren. Alle Menschen stammen von Adam und Adam wurde aus Staub erschaffen.“ Dann trug er den Koranvers vor:

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Ihr Menschen! Wir haben euch geschaffen von einem männlichen und einem weiblichen Wesen und haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennt. Als vornehmster gilt bei Gott derjenige von euch, der am frömmsten ist!“ (Sure 49,13) Und er fügte hinzu: „Ihr Quraish! Was glaubt ihr, werde ich mit euch tun?“ „Gutes! Du bist uns ein edler Bruder, der Sohn eines edlen Bruders“, erwiderten sie und er sprach: „Geht eures Weges! Ihr seid frei!“

Dann setzte er sich in der Moschee nieder. Ali kam mit dem Schlüssel der Kaaba zu ihm und bat ihn: „Übertrage unserer Familie den Dienst an der Kaaba und das Tränken der Pilger!“ Der Prophet aber ließ Uthman ibn Talha holen und sprach: „Hier ist dein Schlüssel, Uthman. Heute ist ein Tag der Güte und Treue.“

An der Eroberung Mekkas nahmen insgesamt 10.000 Muslime teil. Von den Banu Sulaim 700, von den Bhanu Ghifar 400, von den Aslam 400 und von den Muzaina 1.003. Die übrigen waren Quraish, Helfer und ihre Bundesgenossen, sowie einige Beduinengruppen aus den Stämmen Tamin, Qais und Asad. Nach der Eroberung blieb der Prophet 15 Nächte in Mekka und verkürzte in dieser Zeit die Gebete32. Die Eroberung fand am 20. Ramadan des Jahres 8 statt.

32d. h. der Prophet betrachtete sich als Reisenden außerhalb seines Wohnortes Medina und betete deshalb die tägliche Gebete in einer kürzeren Form. (z. B. zwei Niederwerfungen statt vier), eine Praxis, die heute noch gültig ist.

62. Die Schlacht von Hunain im September 630 Top

Als der Stammverband der Hawazin hörte, dass der Prophet Mekka erobert hatte, rief Malik ibn Auf jene Stämme zusammen. Außer den Hawazin kamen auch alle Thaqif, Nasr und Djusham sowie, aus dem Stammesverband der Qais Ailan, einige wenige von den Banu Hilal. Aus dem Verband der Hawazin hielten sich die Stämme Kab und Kilab abseits. Keiner von ihnen, der einen Namen hatte, war anwesend. Unter den Banu

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Djusham befand sich Duraid, ein sehr alter Mann, an dem man nur noch seinen Rat und seine Kenntnisse in der Kriegsführung schätzte, da er einst ein erfahrener Führer gewesen war. Die Thaqif hatten zwei Häuptlinge: Qarib führte die Bündnistruppen, die Banu Malik leitete. Die oberste Führung lag bei Malik ibn Auf [einem Hawazin].

Nachdem sich dieser zum Zug gegen den Propheten entschlossen hatte, ließ er die Männer von ihren Herden, Frauen und Kindern begleiten. Als er im Wadi Autas haltmachte, sammelten sich die Kämpfer um ihn, und der alte Duraid, den man in einer Art Kamelsänfte trug, erkundigte sich nach dem Namen des Wadis. Sie nannten es ihm und er sprach: „Welch trefflicher Platz für die Reiter! Nicht hügeliges felsiges Land, nicht weicher Boden, voll mit Sand! Aber höre ich nicht der Kamele brüllen dabei und der Esel Geschrei und der Kinder Quängelei und das Blöken der Schafe?“

Sie erklärten ihm, dass Malik zusammen mit den Männern auch die Herden, Frauen und Kinder hergebracht hatte. Da ließ er Malik rufen und sprach: „Malik! Du bist der Führer deines Volkes geworden. Auf diesen Tag werden schwere Tage folgen. Höre ich nicht der Kamele brüllen und dabei der Esel Geschrei und der Kinder Quängelei und das Blöken der Schafe?“ „Ich habe die Männer von ihren Herden, Frauen und Kindern begleiten lassen.“ „Und weshalb?“ „Ich will hinter jeden Mann seine Familie und seine Herden stellen, damit er um sie kämpft.“

Da schnalzte Duraid und schimpfte: „Schafhirt, du dummer! Kann denn einen Flüchtenden etwas aufhalten? Wenn es zu deinen Gunsten verläuft, hilft dir nur ein Mann mit Schwert und Lanze; und wenn es zu deinen Ungunsten ausgeht, wirst du mit Familie und Herde entehrt. Was taten die Stämme Kab und Kilab?“ „Kein einziger ist von ihnen gekommen.“ „So fehlen Kraft und Leidenschaft. Wäre es ein Tag erhabener Taten, würden Kab und Kilab nicht abseits stehen. Ich wünschte mir, ihr hättet es ihnen gleichgetan. Welche von euren Stämmen sind da?“

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Amr ibn Amir und Auf ibn Amir.“ „Diese beiden Spross Amirs nutzen nichts und schaden nichts. O Malik, du hast nicht gut daran getan, den Hauptteil der Hawazin gegen die Brust der feindlichen Pferde zu stellen. Schicke sie hinaus in das unangreifbare und hohe Gebiet ihres Landes und begegne diesen Abtrünnigen vom alten Glauben auf dem Pferderücken. Geht es dann zu deinen Gunsten aus, können sich jene, die hinter dir stehen, wieder mit dir vereinen. Läuft es zu deinen Ungunsten, hast du deine Familien und deine Herden gerettet.32.1

Nein, das werde ich nicht tun! Du bist alt und dein Verstand ist alt. Entweder ihr Hawazin, ihr gehorcht mir, oder ich werde mich auf dieses Schwert stützen, bis es mir am Rücken wieder herauskommt.“ Malik konnte es nicht ertragen, dass Duraid irgend etwas zu sagen oder zu entscheiden haben sollte. Als die Hawazin darauf dem Malik ihren Gehorsam erklärten, sprach Duraid:

O könnt' ich wie ein Junger streiten,
ich würde ruhig vorwärts reiten,
das Ross mit länger Mähne leiten,
das ziegenschlank ist an den Seiten.

32.1[Tilman Nagel schildert die Schlacht von Hunain auf Seite 425 wie folgt: „Eine Nebensächlichkeit verrät uns, wie heikel die Lage Mohammeds, mitten im Kerngebiet seiner bisherigen Feinde, in Wirklichkeit war. Der Gesandte Allahs blieb 15 Tage in Mekka, wobei er stets zwei Rakas (Gebetsabschnitte) betete. Am Sonnabend den 6. Sauwal (27. Januar 630) zog er (aus Mekka) ab. Während des Aufenthaltes in seiner Vaterstadt fühlte Mohammed sich so unsicher, dass er die verkürzte Fassung des Gebetsritus befolgte, nur zwei Rakas, wie es eben Angesichts der Feinde zulässig ist.

Mit großem Heer, zu den 10.000 Medinensern und 12.000 Muslimen anderer Herkunft kamen, so berichten die Quellen, jetzt 2.000 Mekkaner, zog er gegen die Hawazin-Beduinen, deren Kriegsvorbereitungen die Quraishiten in Schrecken versetzt hatten. Nach 8 Tagen erreichte man Hunain, eine Talschaft, gegen at-Taif gelegen. Dort, das hatte sich herumgesprochen, sammelten sich die Hawazin. Die Schlacht am 10. Sauwal (31. Januar 630) war alles andere als ein leichtes Treffen. Nicht viel hätte gefehlt und Mohammed hätte als Besiegter Hunain verlassen müssen, denn er sah sich plötzlich nur noch von wenigen verteidigt. Unter dem Kampfruf „Gefährten der Kuh-Sure“ sollen sich die Muslime gesammlt und schließlich das Blatt gewendet haben, mit übernatürlichem Beistand, wie schon so oft berichtet wurde, vor allem aber beseelt von dem unbändigen Drang, die Feinde zu töten. Dass die Hawazin in ihre Schranken gewiesen worden wären, kann man aus den Angaben der Quellen mitnichten folgern. Vielmehr verlagerte sich das Geschehen nach at-Taif, wohin sich viele Beduinen zurückzogen, unter ihnen Malik ibn Auf.“]

Malik aber befahl den Männern: „Sobald ihr die Feinde erblickt, zerbrecht die Scheiden eurer Schwerter und stürzt euch auf sie wie ein Mann!“ Als der Prophet von ihnen hörte, schickte er den Ibn abi Hadrad zu ihnen, damit er sich unter sie mische und solange bei ihnen bleibe, bis er erfahre, was sie vorhätten. Ibn abi Hadrad tat, wie ihm geheißen worden war. Er bekam Kenntnis von ihrem Kriegsvorhaben gegen den Propheten und den Plänen Maliks und der Hawazin. Zum Propheten zurückgekehrt, berichtete er ihm alles. Als dieser daraufhin beschloss, gegen die Hawazin zu ziehen, teilte man ihm mit, dass Saywan ibn Umayya, der damals noch Heide war, Panzer und Waffen besitze. Muhammad ließ ihn holen und bat ihn: „Leihe uns deine Waffen, damit wir morgen mit ihnen gegen unseren Feind antreten können.“

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Willst du dir die Waffen mit Gewalt nehmen?“ fragte Safwan, und Muhammad erklärte ihm: „Nein, nur geliehen und verbürgt! Wir geben sie dir dann wieder zurück.“ Safwan hatte nichts dagegen einzuwenden und gab dem Propheten 100 Panzer [Brustpanzer] mit den entsprechenden Waffen. Man behauptete, dass Muhammad ihn auch bat, den Transport der Ausrüstung zu übernehmen und Safwan kam seiner Bitte nach. Sodann machte sich der Prophet mit 2.000 Mekkanern und jenen 10.000 Gefährten, durch die Gott hatte Mekka erobern lassen, auf, um gegen die Hawazin zu ziehen.

Asim berichtete mir von Abdarrahman ibn Djabir, dass dessen Vater diesem folgendes erzählt habe:

Als wir uns dem Wadi von Hunain näherten, stiegen wir ein anderes weites und abschüssiges Wadi in der Tihama[-Wüste] hinunter. Es war kurz vor dem Morgengrauen. Die Feinde waren schon vor uns in das Wadi gekommen und hatten sich in den Seitenwegen, an Biegungen und engen Stellen versteckt. Sie waren entschlossen und gerüstet, und als uns ihre einzelnen Abteilungen während des Aufstiegs plötzlich wie ein Mann überfielen, versetzten sie uns in tödliche Angst. Die Muslime flohen, ohne dass einer auf den anderen achtete. Der Prophet zog sich nach rechts zurück und rief: „Wohin ihr Männer? Her zu mir! Ich bin der Gesandte Gottes! Ich bin Muhammad, der Sohn des Abdallah.“

Doch es half nichts. Die Kamele fielen übereinander und die Männer rannten davon. Beim Propheten blieben nur einige wenige Auswanderer, Helfer und Verwandte, darunter Abu Bakr, Umar, Ali und Abbas. Einer von den Hawazin, auf einem roten Kamel, in der Hand eine schwarze Fahne, die an der Spitze einer langen Lanze hing, zog den Hawazin voran. Sobald er einen Muslim erreichte, stieß er mit der Lanze zu. Entwischten ihm die Flüchtenden, hob er die Lanze hoch, worauf die Nachkommenden ihm folgten.

Als die Muslime und die groben Kerle unter den Mekkanern, die mit dem Propheten gekommen waren, die Niederlage sahen, äußerten einige von ihnen offen ihre Feindschaft gegen-

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über dem Propheten, von der sie immer noch beseelt waren. So rief Abu Sufyan, der die Lospfeile noch in seinem Köcher trug: „Erst das Meer wird ihre Flucht beenden!“ Und Djabala ibn Hanbal schrie: „Vergeblich ist heut die Zauberei!“ Doch sein Bruder, obwohl wie er noch Heide, wies ihn zurecht: „Halt den Mund! Es ist mir immer noch lieber, von einem Quraishiten als von einem Stammesgenossen der Hawazin beherrscht zu werden!“

Zuhri überlieferte mir den folgenden Augenzeugenbericht des Abbas von dessen Sohn Kathir:

Ich war beim Propheten und hatte meine Hand am Gebissteil des Halfters, das ich seinem weißen Maultier zwischen die Kiefer geschoben hatte. Ich war ein kräftiger Mann mit einer gewaltigen Stimme. Als der Prophet seine Männer fliehen sah, rief er: „Wohin ihr Männer?“ Sie scherten sich aber nicht darum. Da forderte er mich auf zu schreien: „Ihr Helfer! Ihr Gefährten der Akazie33!“ Und sogleich kam ihre Antwort: „Hier! Hier!“

33Ein Jahr zuvor, beim ersten Zug nach Mekka, hatten ihm die medinensischen Helfer unter einer Akazie den Eid geschworen, bis zum Tod für ihn zu kämpfen.

Und jeder von ihnen, der sein Reittier nicht zur Umkehr bewegen konnte, warf ihm seinen Panzer auf den Nacken, ergriff Schwert und Schild, sprang herab und lies es laufen, während er meiner Stimme folgte, bis er beim Propheten anlangte. Schließlich hatten sich 100 von ihnen bei ihm versammelt, traten dem Feind entgegen und kämpften. Ihr Schlachtruf lautete zuerst: „Herbei, ihr Helfer!“ und später: „Herbei ihr Khazradj!“ Sie kämpften standhaft. Der Prophet von oben auf das Kampfgetümmel blickend, sprach: „Nun ist der Ofen heiß!“34

34Wie der berühmte islamwissenschaftler Alfred Guillaume (188-1965) vermerkte, enthielt der Ausspruch „Nun ist der Ofen heiß!“ mit „watis“ (Ofen) und „autas“, dem Namen des Wadis, in dessen Nähe der Kampf stattfand.

Asim, in seinem Bericht von Djabir, erzählte mir weiter:

Während jener Mann von den Hawazin auf seinem Kamel und mit der Fahne in der Hand sein Unwesen trieb, machte sich Ali zusammen mit einem der Helfer an diesen heran. Ali kam von hinten und zerschlug seinem Kamel die Hinterbeine, worauf es rückwärts zu Boden sank. Der Helfer stürzte sich auf den Mann und versetzte ihm einen Hieb, der ihm den Fuß und das halbe

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Bein davonfliegen ließ, worauf er tot vom Sattel fiel. Der Kampf tobte weiter und als die Flüchtenden zurückkehrten, fanden sie beim Propheten nur noch Gefangene, die Hände auf dem Rücken gefesselt.

Abdallah ibn abi Bakr und ein anderer vertrauenswürdiger Überlieferer berichteten mir von folgendem Erlebnis des Abu Qatada:

In der Schlacht von Hunain sah ich zwei Männer miteinander kämpfen: einen Muslim und einen Ungläubigen. Plötzlich bemerkte ich, wie ein anderer Ungläubiger seinem Gefährten gegen den Muslimen zur Hilfe kommen wollte. Ich ging auf ihn zu und schlug ihm eine Hand ab. Mit der anderen packte er mich jedoch am Halse und ließ mich wahrhaftig nicht los, bis ich den Geruch des Blutes verspürte. Er hatte mich schon fast erwürgt, und hätte ihn der Blutverlust nicht geschwächt, wäre es ihm auch gelungen. So stürzte er aber endlich nieder und ich erschlug ihn. Der weiter andauernde Kampf lenkte dann meine Aufmerksamkeit von ihm ab und ein Mekkaner kam an ihm vorbei und plünderte ihn aus. Als der Kampf zu Ende war und wir die Feinde besiegt hatten, sprach der Prophet: „Jedem, der einen Feind getötet hat, gehören dessen Waffen und Kleider.“

O Gesandter Gotte!“ wandte ich mich an ihn, „ich habe einen Feind getötet, von dem ich hätte reichlich Beute nehmen können, doch lenkte mich die Schlacht zu sehr von ihm ab und ich weiß nun nicht, wer sich die Beute geholt hat.“ Ein Mekkaner bestätigte meine Worte und gab zu, dass er die Beute besaß. Er bat den Propheten, mich mit einem Teil der Beute zufriedenzustellen. Abu Bakr aber wandet sich dagegen und sprach: „Willst du etwa mit einem Löwen Gottes, der für seine Religion kämpft, dass von ihm erbeutete Gut teilen? Gib ihm die Beute ganz zurück!“

Der Prophet stimmte dem zu. Ich aber nahm die Beute, verkaufte sie und erwarb für den Erlös einen kleinen Palmengarten. Es war dies mein erster Besitz.

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Mein Vater Ishaq erzählte mir folgende Überlieferung des Djubair ibn Mutim:

Noch bevor die Feinde flohen, sah ich, wie sich während des Kampfes etwas wie ein schwarzes Tuch vom Himmel herabsenkte und zwischen uns und den Feinden niederfiel. Als ich näher hinblickte, da waren es lauter schwarze Ameisen, die das ganze Wadi erfüllten. Ich zweifelte nicht daran, dass es die Engel waren und sogleich flohen die Feinde.

Die geschlagenen Ungläubigen kamen nach Taif. Einige unter ihnen bezogen ein Lager bei Autas und andere begaben sich nach Nakla. Die Reiterei des Propheten verfolgte diejenigen, die den Weg in Richtung Nakla einschlugen, jedoch nicht jene, die sich den Pässen zuwandten. Die Gefangenen aus der Schlacht von Hunain wurden mit ihrer Habe beim Propheten versammelt, der sie nach Djirana bringen und dort festhalten ließ. Über die Schlacht von Hunain sprach Budjair ibn Zuhair die folgenden Verse:

Wären nicht Gott und sein Diener gewesen, wir wären
geflohen, die Herzen in Schrecken verzweifelt entfacht.
Am Tag, als die Feinde am Abhang uns trafen,
da wurden die Pferde und Reiter zu Fall dort gebracht.
Das Gewand in den Händen, entflohen die einen, den
anderen brachten die Hufe der Pferde das Ende der Schlacht.
Mit dem Sieg unseres Glaubens hat Gott uns geehrt
und im Dienst für den Gnädigen mächtig gemacht.
Sie aber hat er vernichtet und alle zerstreut
und hat sie im Dienste des Teufels mit Schande bedacht.

Die folgenden Verse verfasste Abbas ibn Mirdas über die Schlacht von Hunain:

O Siegel aller Propheten! Du weist uns den richtigen
Weg und wurdest von Gott mit der Wahrheit gesandt.
Für die Geschöpfe hat Gott eine Liebe errichtet
auf dir, und dich den Gepries'nen, Muhammad, genannt.
Und wir, die wir fest zu dem Bund mit dir stehen,

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sind dir, geführt von Dahhak, als tapfere Heerschar bekannt.
Dahhak ist mit spitzen Waffen beladen, als wär er,
vom Feinde umringt, einem dornigen Baume verwandt.
Er bekämpft selbst die eigene Sippe, denn stets war sein Ziel,
dass er Gottes und deine Zufriedenheit fand.
Lass dir berichten, wie ich ihn angreifen sah:
Den Heiden zerschlug er die Häupter, umgeben von Sand;
bald würgte er sie mit den Händen, bald spaltete
er ihre Schädel, das schneidende Schwert in der Hand.
Voraus eilten ihm die Gefährten vom Stamme Sulaim,
und sie haben schlagend und stoßend den Feind übermannt.
Sie zogen voran seiner Fahne, vergleichbar dem Löwen,
der wütend den Gegner vom Lager der Jungen verbannt.
Nach dem Gehorsam zu Gott und der Liebe zu dir und nicht
nach den Banden des Blutes der Sinn ihnen stand.
Dein Herr ist der Helfer, und dies sind die Taten,
für die wir für immer berühmt sind im Land.

63. Der Zug nach Taif im Jahre 630 Top

Nachdem die bei Hunain geschlagenen Truppen des Stammes Thaqif ihre Stadt Taif erreicht hatten, verschlossn sie ihre Tore und bereiteten sich auf die Verteidigung vor. Urwa ibn Masud und Ghailan ibn Salama nahmen weder an der Schlacht von Hunain noch an der nun folgenden Verteidigung der Stadt Taif teil, da sie sich in Djarash befanden, um die Benutzung von Testudines [Schilddächer, zum Schutz gegen Pfeile], Katapulten und anderen Belagerungsmaschinen zu erlernen.

Von Hunain zog der Prophet nach Taif und lagerte in der Nähe der Stadt. Einige seiner Gefährten wurden durch Pfeile getötet, da das Lager zu nahe an der Stadtmauer gelegen war und die Pfeile sie erreichen konnten. Es gelang den Muslimen nicht, durch die Mauer in die verschlossene Stadt einzudringen; und nachdem jene Muslime durch Pfeilschüsse ums Leben gekommen waren, verlegte der Prophet das Lager an die Stelle, wo

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heute die Moschee von Taif steht. Muhammad belagerte die Stadt gute 20 Tage. Er kämpfte erbittert gegen sie und die Pfeilschützen beider Seietn schossen aufeinander. . Dann, am Tage des Sturms auf die Mauer, verbargen sich einige Prophetengefährten unter einem Testudo und rückten an die Mauer heran, um sie zu durchbrechen. Als die Thaqif aber glühende Eisenstücke auf sie herabschleuderten, mussten sie die Testudo verlassen und die Thaqif beschossen sie mit Pfeilen und töteten einige von ihnen. Daraufhin befahl der Prophet, die Rebstöcke des Stammes abzuschlagen und die Muslime folgten seiner Aufforderung.

Während der Belagerung von Taif sprach der Prophet, so habe ich erfahren, zu Abu Bakr: „Ich sah im Traum, wie mir ein mit Butter gefüllter Napf geschenkt wurde, aber ein Hahn hackte daran und vergoss den Inhalt.“ „So glaube ich nicht, dass du bei ihnen dein Ziel erreichen wirst“, erwiderte ihm Abu Bakr und der Prophet stimmte ihm zu.

Dann kam Khuwaila bint Hakim, die Frau Uthmans, zum Propheten und bat ihn, er möge ihr, wenn Gott ihm den Sieg über Taif verliehen habe, den Schmuck der Tochter Ghailans oder der Tochter Aqils schenken. Die beiden waren unter den thaqafitischen Frauen wegen ihres Schmuckes berühmt. Der Prophet aber antwortete: „Und wenn mir Gott nicht erlaubt, die Thaqif zu besiegen?!“ Da verließ ihn Khuwaila und erzählte dies Umar, der daraufhin zum Propheten ging und ihn fragte, ob er dies wirklich gesagt habe. Als der Prophet bejahte, erkundigte sich Umar weiter: „Und Gott hat dir den Sieg über die Thaqif nicht erlaubt?“ „Nein!“ „Soll ich also das Zeichen zum Abzug geben?“ Der Prophet stimmte zu und Umar ließ die Muslime abrücken.

Insgesamt waren bei Taif 12 Gefährten des Propheten gefallen: 7 von den Quraish, 4 von den Helfern und einer von den Banu Laith.

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64. Die Verteilung der Beute der Hawazin Top

Von Taif zog der Prophet mit den Muslimen und vielen Gefangenen der Hawazin über Dahna nach Djirana. Beim verlassen der Stadt Taif hatte einer seiner Gefährten ihm geraten, er solle die Thaqif verfluchen; doch er erwiderte: „O Gott, leite die Thaqif auf den rechten Weg und bringe sie zum Islam!“

In Djirana suchten ihn dann Abgesandte der Hawazin auf, denn er hielt dort 6.000 Frauen und Kinder ihres Stammes als Gefangene und unzählige Kamele und Schafe als Beute fest.

Amr ibn Shaib berichtete mir, was sein Vater von seinem Großvater Abdallah ibn Amr gehört hatte:

Die Abgesandten, die inzwischen den Islam angenommen hatten, kamen zum Propheten und sprachen: O Gesandter Gottes! Wir sind ein Ursprung und eine Sippe! Es ist dir nicht verborgen geblieben, welches Unglück uns getroffen hat. So sei uns gnädig, wie Gott dir gnädig ist!“ Und einer von ihnen aus dem Stamme Sad ibn Bakr erhob sich und sagte: „O Gesandter Gottes! Dort in den Pferchen (durch tragbare Zäune abgegrenztes (eingepferchtes) Weidestück) sind deine Tanten von Vaters und Mutters Seite und deine Ammen, die dich nährten. [Halima, die Amme des Propheten kam aus dem Stamm der Banu Bakr.] Hätten wir den Harith ibn abi Shimr oder den Numan ibn Mundhir bei uns gesäugt, und es wäre uns dann dies widerfahren, hätten wir auf ihr Mitgefühl und ihre Gunst hoffen können. Du aber bist der beste, den ein Stamm je genährt hat!“

Sind euch eure Frauen und Kinder oder eure Herden lieber?“ fragte sie der Prophet und sie antworteten: „Wenn du uns zwischen unseren Herden und unserem Stolz wählen lässt, gib uns unsrere Frauen und Kinder zurück. Sie sind uns lieber!“

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Die Gefangenen, die mir und der Sippe Abdalmutallib zustehen“, so erwiderte der Prophet, „gebe ich euch zurück. Und wenn ich mit den Muslimen das Mittagsgebet gesprochen habe, erhebt euch und sprecht: „Wir bitten den Propheten um Fürsprache für unsere Kinder und Frauen bei den Muslimen und die Muslime um Fürsprache beim Propheten!“ Ich werde euch dann meine Gefangenen geben und mich bei meinen Gefährten für euch einsetzen.“

Die Abgesandten taten, was der Prophet empfohlen hatte, und als er ihnen darauf die Gefangenen, die er und die Familie Abdalmutallib besaßen, zurückgab, erklärten auch die Auswanderer und Helfer, dass sie ihre Gefangenen dem Propheten zur Verfügung stellten. Aqra, Uyaina und Abbas ibn Mirdas lehnten es dagegen für ihre Person und für ihre Stämme Tamim, Fazara und Sulaim ab, die Gefangenen herauszugeben. Die Sulaim allerdings wandten sich gegen ihren eigenen Führer Ibn Mirdas und verzichteten auf die Gefangenen, worauf dieser ihnen vorwarf, sie hätten ihn lächerlich gemacht.

Den anderen erklärte der Prophet: „Jeder von euch, der an seinem Recht, die Gefangenen festhält, bekommt aus der ersten Beute, die ich machen werde, für jede Gefangene 6 Kamele. Gebt ihnen also ihre Kinder und Frauen zurück!“ [Hier wird also bereits der nächste Feldzug angekündigt.]

Bei den Abgesandten der Hawazin erkundigte sich der Prophet dann nach ihrem Führer Malik ibn Auf, und sie erzähltn ihm, dass er sich bei den Thaqif in Taif aufhalte. Da bat er sie: „Sagt dem Malik, dass ich, wenn er als Muslim zu mir kommt, ihm seine Familie und seine Herde zurückgebe und ihm noch 100 Kamele dazu schenke!“

Auf diese Nachricht hin verließ Malik Taif. Da er fürchtete, die Thaqif könnten erfahren, was ihm Muhammad hatte bestellen lassen, ließ er sein Kamel bereithalten und ein Pferd nach Taif bringen. In der Nacht verließ er die Stadt, bestieg sein Pferd und ritt im Galopp zu der Stelle, wo er das Kamel hatte festbinden lassen. Auf diesem erreichte er in Djirana oder Mekka den Propheten, der ihm seine Familie und seine Herde zurückgab und ihm noch 100 Kamele schenkte. Malik nahm daraufhin den Islam an und wurde ein guter Muslim. Dabei sprach er:

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Ich habe unter allen Menschen solche Männer
nie gefunden, die vergleichbar mit Muhammad waren.
Er hält sein Wort und schenkt gar reichlich dem, der darum fleht,
und wenn du willst, wirst du von ihm, was morgen ist erfahren.
Und wenn die Kämpfer, ihre scharfen Zähne zeigend, sich
mit Lanzen und mit Indiens Schwertern um sich scharen,
dann steht er dort, vom Staub umgeben, jenen Löwen gleich,
die über ihre Jungen wachend sie vom Tod bewahren.

[Tilman Nagel beschreibt auf Seite 427 die Situation nach dem Feldzug gegen Taif wie folgt: „Unverrichteter Dinge zog Mohammed ab. Bei al-Girana, einer Wasserstelle, näher an Mekka als an Taif, hatte man die Gefangenen Hawazin und die erbeuteten Tiere zusammengetrieben, nach al-Waqidi immerhin 6.000 Menschen sowie 24.000 Kamele und Kleinvieh in unbekannter Zahl. Nun sollte es ans Verteilen gehen. Seine engsten Genossen hatte der Gesandte Allahs freilich gleich bei Hunain bedacht. Sie hatten bereits ein hübsches Mädchen in Besitz nehmen dürfen. In al-Girana angelangt, musste Mohammed die Geduld seiner Krieger noch ein wenig strapazieren. Die Ankunft einer Abordnung der Hawazin war angekündigt. Darum ging der Gesandte Allahs zunächst an die Vergabe des Viehs und der geplünderten Wertgegenstände, unter denen ein Schatz von 4.000 Uqiya Silber mancherlei Begehrlichkeiten erregte.

Zuerst musste man die Wünsche jener Prominenten befriedigen, deren „Herzen mit dem Islam ausgesöhnt werden“ sollten. Unter ihnen waren beispielsweise Abu Sufyan ibn Harb, der 40 Uqiya Silber und 100 Kamele erhielt. Und was sei mit seinen Söhnen Jazid und Muawija, fragte Abu Sufyan. Mohammed ließ sich nicht lumpen. Beide erhielten den gleichen Anteil. Die Liste der ehemaligen Feinde, die al-Girana um einiges reicher verließ, braucht nicht im einzelnen erörtert zu werden. Etliche befanden ihren Zugewinn als zu gering. Al-Abbas ibn Mirdas, der Anführer der Banu Sulaim, mochte dem ganzen Verfahren nicht zustimmen und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Denn ihm, der sich mit seinem Stamm Mohammed schon bei Marr az-Zahran angeschlossen hatte, billigte man lediglich vier Kamele zu, während andere, wie der Tamimite al-Aqra ibn Habis mit 100 belohnt wurden.

Al-Abbas Zorn wurde weiter aufgestachelt, als Mohammed mit der Rücksicht auf die Milchverwandschaft, die ihn mit den Hawazin verband, nun die Freilassung der Gefangenen in Aussicht stellte, vorausgesetzt, Malik ibn Auf, der nach Taif geflohen war, bequeme sich zum Gesandten Allahs und trete zum Islam über. Als Malik ibn Auf diese Bedingung später tatsächlich erfüllte, musste Mohammed die bereits verteilten Mädchen von ihren Besitzern zurückfordern. Da einige der Beschenkten ihre neue Sklavin schon beschlafen hatten, ergaben sich rechtliche Schwierigkeiten. Aber die waren natürlich nur eine Nebensache angesichts der Enttäuschung über die Rückforderung.]

Nachdem der Prophet die Gefangenen von Hunain ihrem Stamm zurückgegeben hatte, ritt er weg, doch seine Leute folgten ihm mit den Worten: „O Gesandter Gottes! Verteile nun unter uns, was wir an Kamelen, Ziegen und Schafen erbeutet haben!“ Sie bedrängten ihn derart, dass er sich zu einem Baum flüchten musste und ihm sein Überhang heruntergerissen wurde. Da rief er: „Gebt mir meinen Überhang zurück! Ihr Männer hätte ich so viele Schafe wie Bäume in der Tahima stehen, ich würde sie unter euch verteilen. Ihr habt mich niemels geizig, feige oder lügend gesehen!“

Dann trat er zu seinem Kamel, nahm diesem ein Haar vom Höcker, hielt es mit zwei Fingern hoch und fuhr fort: „Ihr Männer! Ich habe, bei Gott, von eurer Beute nur ein Fünftel und nicht um dieses Haar mehr; und das Fünftel erhaltet ihr wieder. Gebt jeden Faden und jede Nadel zurück, die euch nicht zustehen. Denn der Betrug, den einer begeht, wird am Tage der Auferstehung als Schande, Feuer und Schmach auf ihn zurückfallen.“ (Sure 8,41)

Einigen führenden Männern gab der Prophet Geschenke, um sie und ihre Leute für sich zu gewinnen. So schenkte er dem Abu Sufyan, dessen Sohn Muawiya, dem Hakim ibn Hizam und anderen jeweils 100 Kamele.

Asim berichtete mir von Mahmud ibn Labid, der sich auf eine Überlieferung des Abu Said al-Khudri stützte, folgendes:

Nachdem der Prophet seine Geschenke unter den Quraish und den Beduinenstämmen verteilt hatte und die Helfer leer ausgin-

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gen, waren diese schmerzlich berührt. Es gab viel Gerede unter ihnen und schließlich sogar der Vorwurf, der Prophet habe nur an seinen eigenen Stamm gedacht. Sad ibn Ubada kam zu ihm und sprach: „O Gesandter Gottes! Die Helfer sind von dir schmerzlich berührt, weil du die Beute unter deinem Stamm verteilst und den Beduinenstämmen gewaltige Geschenke gemacht hast, wir aber nichts bekommen haben.“

Wo stehst du in dieser Angelegenheit?“ fragte der Prophet und Sad erwiderte: „Nur bei meinem Volk!“ „So lasse deine Leute hier in diesem Pferch zusammenkommen!“ Sad tat, wie er geheißen worden war. Und nachdem sich die Helfer versammelt hatten, trat der Prophet vor sie hin, lobte und pries Gott und sprach: „O ihr Volk der Helfer! Was ist das für ein Gerede, das ich von euch höre, und was für ein Groll, den ihr gegen mich hegt? Kam ich nicht zu euch nach Medina, als ihr in die Irre gingt, worauf Gott euch den richtigen Weg wies; als ihr arm ward, worauf Gott euch reich machte; als ihr untereinander verfeindet ward, worauf Gott eure Herzen versöhnte?“

Ja! Gott und sein Prophet sind überaus gnädig und gut!“ „Warum antwortet ihr mir nicht weiter, ihr Helfer?“ „Was sollen wir dir antworten? Bei Gott und seinem Propheten sind Gnade und Güte.“

Ihr könnt mir antworten, und ihr würdet die Wahrheit sagen, und man würde euch glauben: „Du kamst zu uns, als Lügner beschimpft, und wir haben dir geglaubt; verlassen, und wir haben dir geholfen; vertrieben, und wir haben dir Zuflucht gewährt; arm, und wir haben mit dir geteilt.“ Zürnt ihr mir im Herzen wegen weltlicher Güter, mit denen ich Menschen gewinne, damit sie Muslime werden, während ich euch dem Islam anvertraue? Seid ihr nicht zufrieden, dass jene mit Schafen und Kamelen davongehen, während ihr mit dem Propheten nach Hause zurückkehrt? Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, wäre nicht die Hidjra [die Auswanderung aus Mekka] gewesen, wäre ich einer von euch; und würden alle Menschen einen Weg gehen und die Helfer einen anderen, ich würde mit euch ziehen. O Gott, sei gnädig den Helfern, ihren Kindern und Kindeskindern!“

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Da weinten sie, bis ihnen die Tränen über die Bärte rannen und sie sprachen: „Wir sind mit dem Gesandten Gottes als Anteil zufrieden!“ Und der Prophet ging weg und sie zerstreuten sich. Von Djirana begab sich der Prophet nach Mekka zur kleinen Pilgerfahrt und kehrte dann am Ende des Monats Dhu l-Quada oder im Monat Dhu l-Hidjja nach Medina zurück. Zu seinem Vertreter in Mekka ernannte er den Attab ibn Asid. Bei ihm ließ er den Muadh ibn Djabal, damit er die Mekkaner im Glauben unterweise und sie den Koran lehrte.

Die Einwohner von Taif verharrten in ihrer Vielgötterei und ihrer ablehnenden Haltung bis zum Monat Ramadan im folgenden Jahr, dem Jahre 9 [631].

65. Der Zug nach Tabuk im Jahre 631 Top

Von Dhu l-Hidjja im Jahre 8 bis Radjab im Jahre 9 blieb der Prophet in Medina. Dann befahl er, Vorbereitungen für den Zug gegen die Byzantiner zu treffen.

Zuhri, Yazid ibn Ruman, Abdallah ibn abi Bakr und Asim ibn Umar berichteten mir über den Zug nach Tabuk, wobei sich ihre Schilderungen gegenseitig ergänzen:

Als der Prophet seinen Gefährten befahl, sich zum Zug gegen die Byzantiner zu rüsten, befanden sich die Menschen gerade in großer Not, die Hitze lastete schwer auf dem Land und es herrschte eine Dürre. Die Früchte waren reif und die Männer wollten lieber im Schatten bei ihren Früchten bleiben und ihr Land in dieser Zeit nicht verlassen. Früher hatte der Prophet fast immer nur in Andeutungen von dem Ziel seiner Feldzüge gesprochen und meist ein anderes als das wirkliche Ziel genannt. Diesmal aber sagte er es ihnen offen, denn der Weg war weit, die zeitlichen Umstände schwierig und die Zahl der Feinde, gegen die sie ziehen wollten, groß. So befahl er ihnen, sich entsprechend zu rüsten, und erklärte ihnen, dass er gegen die Byzantiner zu ziehen gedenke.

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Während der Prophet seine Vorbereitungen traf, sagte er eines Tages zu Djadd ibn Qais: „Djadd! Möchtest du dieses Jahr denn nicht gegen die Bleichhäutigen35 kämpfen?“

35Eigentlich die „Söhne der Bleich- oder (Gelb-)Häutigen, worunter die Byzantiner verstanden wurden. Häufig wurden sie auch „die Roten“ genannt, im Gegensatz zu den Arabern, die sich als braun oder schwarz bezeichneten.

O Gesandter Gottes“ Würdest du mir gestatten zurückzubleiben, und mich nicht in Versuchung führen? Wahrlich, meine Leute wissen, dass es keinen Mann gibt, der so wie ich den Reizen der Frauen verfallen ist, und ich habe Angst, dass ich mich nicht beherrschen kann, wenn ich die Frauen der Bleichhäutigen sehe.“

Der Prophet erlaubte ihm zurückzubleiben und wandte sich von ihm ab. Über Djadd aber wurde der Koranvers offenbart: „Und unter ihnen gibt es welche, die sagen: „Erlaube mir zurückzubleiben und führe mich nicht in Versuchung!“ Sind sie nicht bereits der Versuchung verfallen? Die Hölle wird dereinst die Ungläubigen umfassen!“ (Sure 9,49), [d. h. Es war nicht die Versuchung durch die byzantinischen Frauen, die er fürchtete; die Versuchung, die er verfiel, war größer, nämlich hinter dem Propheten zurückzubleiben und mehr an sich, als an ihn zu denken. Und Gott sprach:] Hintendrein hat er die Hölle zu erwarten!“ (Sure 14,16)

Einige Heuchler, die sich dem Heiligen Kampf entziehen wollten, an der Wahrheit zweifelten und Verleumdungen über den Propheten verbreiteten, forderten sich gegenseitig auf, in dieser Hitze nicht fortzuziehen. Über sie sandte Gott den Koranvers herab: „Sie sagen: „Rückt nicht in der Hitze aus!“ Sprich: Das Feuer der Hölle ist heißer! Wenn sie doch Verstand annehmen würden! Sie werden nur kurz zu lachen, aber lange zu weinen haben, zum Lohn für das, was sie begingen.“ (Sure 9,81)

Der Prophet betrieb eifrig seine Reisevorbereitungen und befahl den Muslimen, sich eilends zu rüsten. Die Reichen trieb er an, für die Sache Gottes Geld und Reittiere bereitzustellen. Einige brachten Reittiere und sicherten sich so ihren Lohn im Jenseits. Die größte Geldsumme von allen spendete Uthman ibn Affan. Als aber einige arme Muslime, die als die „Weiner“ bekannt wurden, zum Propheten kamen und ihn um Reittiere baten, konnte er ihnen keine geben. Da verließen sie ihn wieder, und ihre Augen flossen vor Tränen über aus Trauer darüber, dass sie die notwendigen Mittel nicht aufbringen konnten. Mir

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wurde erzählt, dass Ibn Yamin zweien von ihnen begegnete und sie fragte, weshalb sie weinten. Nachdem sie es ihm erklärt hatten, schenkte er ihnen ein Kamel, das sonst zum Wasserschöpfen verwendet wurde, als Reittier und versorgte sie mit getrockneten Datteln. Beide zogen dann mit dem Propheten.

Als Muhammad durch das Gebiet von Hidjr kam, ließ er lagern und die Männer holten sich Wasser aus dem Brunnen. Beim Weggehen aber warnte er sie: „Trinkt keinen Tropfen von diesem Wasser und verwendet es nicht für die Waschungen vor dem Gebet! Habt ihr Brotteig damit gemacht, verfüttert ihn an die Kamele und esst nicht davon! Und keiner soll sich in der Nacht allein und ohne Begleitung entfernen!“

Die Muslime gehorchten seinem Befehl mit Ausnahme zweier Männer von den Banu Saida. Der eine der beiden ging, um sein Bedürfnis zu verrichten, der andere, um sein Kamel zu suchen. Der erste erkrankte auf dem Weg an Diphterie und den zweiten packte der Wind und schleuderte ihn auf einen der beiden Berge des Stammes Tayyi. Als man dem Propheten davon erzählte, sprach er: „Habe ich euch nicht verboten, euch ohne Begleiter zu entfernen!“ Dann betete er für den einen, worauf dieser gesund wurde. Den anderen brachten ihm später die Tayyi nach Medina. Am nächsten Morgen hatten die Muslime kein Wasser und klagten dies dem Propheten. Da betete er, worauf Gott eine Wolke sandte und es regnete, so dass die Muslime ihren Durst stillen konnten und soviel Wasser mitnahmen, wie sie brauchten.

Asim überlieferte mir die folgende Schilderung von Mahmud ibn Labid, der sie von einem seiner Stammesgenossen gehört hatte:

Ein bekannter Heuchler unseres Stammes begleitete den Propheten überall hin. Und als Gott damals in Hidjr auf die Gebete des Propheten hin eine Regenwolke sandte und die Muslime ihren Durst stillen konnten, fragten wir ihn: Wehe dir! Zweifelst du immer noch?“ „Es war nur eine zufällig vorüberziehende Wolke“, erwiderte der Heuchler.

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Nach der Ankunft des Propheten in Tabuk kam der Statthalter von Aila, Yuhanna ibn Ruba, schloß mit ihm einen Friedensvertrag und zahlte die Kopfsteuer36. Auch die Bewohner von Djarba und Adhruh fanden sich ein und entrichteten ihre Abgaben. Der Prophet schrieb eine Urkunde für sie, die sie noch heute besitzen.

36Der Begriff „Djizya36.1“ beinhaltet hier wahrscheinlich nicht nur die Kopf-, sondern auch die Grundsteuer (Kharadj). Diese Steuern mussten die unterworfenen Christen und Juden (d. h. die Angehörigen einer „Buchreligion“), die sich nicht zum Islam bekannten, entrichten und erhielten dadurch den Schutz der Muslime. [In Europa ist dies unter dem strafbaren Tatbestand der Schutzgelderpressung bekannt.]

36.1Djizya oder Dschizya ist die Bezeichnung für die den nichtmuslimischen „Schutzbefohlenen“ (Dhimmis) unter islamischer Herrschaft auferlegte Steuer.

[Zuerst erzählt Ibn Ishaq uns die alberene Geschichte von der Regenwolke, die plötzlich anfing zu regnen, weil Mohammed um Regen betete und dann tut er so, als ob die christlichen Stämme, die sich von Mohammeds Armee bedroht fühlten, fast schon aus Freundschaft und Sympathie Mohammed und dem Islam gegenüber, bereit waren, die „Kopfsteuer“ zu entrichten. Sie wurden dazu natürlich von Mohammed gezwungen. Sehen wir uns einmal an, was Tilman Nagel über die Eroberung von Tabuk auf Seite 439 schreibt:

„Mohammed verbrachte die Zeit in Tabuk nicht müßig. Halid ibn al-Walid entsandte er mit einer Streifschar nach Dumat al-Ghandal. Er sollte den Kinditen Ukaidair ibn Abd al-Mailik, den dortigen christlichen Fürsten zum Islam zwingen. Man bekam ihn zusammen mit einem Bruder bei einem Ausritt zu fassen. Halid machte Ukaidir ein Angebot: Wenn er Dumat al-Ghandal dem muslimischen Trupp öffne, werde man ihn am Leben lassen. [Dumat al-Ghandal (al-Dschandal) ist ein Gouvernement der arabischen Provinz Dschauf.] Ukaidir fügte sich, doch die Verwandten in der Festung des Ortes, wollten sich nicht ergeben, solange sie ihn in Fesseln sahen. Die Befreiung von den Fesseln hatte Ukaidir teuer zu erkaufen. Halid forderte 2.000 Kamele, 800 Sklaven, 400 Panzerhemden, 400 Lanzen. Ausserdem verpflichtete sich Ukaidir, zusammen mit seinem Bruder zum Gesandten Allahs zu reisen, um sich dessen Urteilsspruch zu unterwerfen. Nach Übernahme der Sklaven, Kamele und Waffen, brach Halid mit den beiden Gefangenen nach Medina auf.

Elat36.2 beherrschte einen wichtigen Weg aus dem Hedschas nach as-Sam und hatte auch als Hafen Bedeutung. Der Fürst dieses Ortes, ein christlicher Araber namens Juhanna ibn Ruba, und seine Vornehmen waren bereits vorher Adressaten eines Schreibens Mohammeds gewesen, dessen Inhalt uns al-Waquidi ebenfalls überliefert: „(Noch) seid ihr in Frieden (mit mir). Ich preise vor euch Allah, außer dem es keinen Gott gibt. Denn ich würde nicht gegen euch kämpfen, bevor ich euch schreibe. Nimm also den Islam an oder gib die Kopfsteuer! Und gehorche Allah, seinem Gesandten und den Gesandten seines Gesandten...“]

36.2Elat, auch Eilat, oder Elath, ist eine Stadt an der Südspitze Israels im Süden der Wüste Negev. Die Stadt ist der einzige Zugang Israels zum Roten Meer und damit zum Indischen Ozean. Die Länge des israelischen Küstenabschnitts beträgt nur knapp 12 Kilometer. Im Hafen kann man bei guter Sicht Küsten von vier Ländern sehen (Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien).

[Es ist also wieder einmal das alte Lied. Krieg, Gewalt, Bedrohung und Erpressung sind die Mittel die Mohammed anwendet, um seine Feinde untertan zu machen.]

Für Yuhanna ließ er folgendes Dokument aufsetzen: „Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, des Allgütigen! Dies ist eine Sicherheitsurkunde von Gott und Muhammad, seinem Propheten und Gesandten, für Yuhanna ibn Ruba und die Bewohner von Aila [heute Elat], ihre Schiffe und Karawanen zu Wasser und zu Land. Sie, sowie alle Syrer, Jemeniten und Seeleute, die sich bei ihnen aufhalten, stehen unter dem Schutze Gottes und des Propheten Muhammad. Wer den Vertrag bricht, indem er etwas Neues hinzufügt, den schützt sein Besitz nicht. Er gehört dem, der ihn sich nimmt. Sie dürfen nicht am Zugang zu einem Brunnen und weder zu Wasser und zu Lande an der Benutzung eines Weges gehindert werden.“

Danach schickte der Prophet den Khalid ibn Walid zu Ukaidir nach Duma. Ukaidir gehörte zum Stamm der Kinda, herrschte als König über Duma und war Christ. Der Prophet sagte Khalid voraus, er werde Ukaidir auf der Jagd nach wilden Kühen treffen. Khalid machte sich auf den Weg, bis er in Sichtweite der Festung kam. Es war eine mondhelle Sommernacht, und Ukaidir hielt sich mit seiner Frau auf dem Dach auf. Die ganze Nacht über schabten die Kühe mit den Hörnern am Tor der Festung und seine Frau fragte ihn: „Hast du jemals schon so etwas gesehen?“ „Nein, bei Gott!“ „Wer lässt sie dies tun?“ „Niemand!“

Er stieg vom Dach, ließ das Pferd satteln und ritt mit einigen seiner Familienangehörigen, die ihre Wurfspeere dabeihatten, hinaus. Außerhalb der Festung stieß die muslimische Reiterschar auf sie, nahm sie gefangen und tötete Ukaidirs Bruder. Ukaidir trug ein mit Gold bedecktes Brokatgewand. Khalid nahm es ihm weg und schickte es dem Propheten, bevor er selbst mit Ukaidir bei ihm ankam.

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Asim berichtete mir, dass Anas ibn Malik erzählte:

Ich sah das Gewand des Ukaidir, als er zum Propheten gebracht wurde. Die Muslime betasteten und bestaunten es. Der Prophet aber sprach: „Darüber staunt ihr?! Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, die Mundtücher des Sad ibn Muadh im Paradies sind wirklich schöner!“ Dann brachte Khalid den Ukaidir selbst. Der Prophet schenkte ihm das Leben, schloss einen Vertrag mit ihm auf Zahlung der Kopfsteuer und ließ ihn in seinen Ort zurückkehren. Er blieb nur etwa 10 Tage in Tabuk und zog dann nach Medina zurück.

66. Die Gesandtschaft der Thaqif und ihre Bekehrung 631 Top

Der Prophet kam im Ramadan wieder in Medina an. Im gleichen Monat fand sich die Gesandschaft der Thaqif bei ihm ein. Mit den Thaqif war inzwischen folgendes geschehen: Nachdem der Prophet ihre Stadt Taif verlassen hatte [nachdem es ihm nicht gelungen war, die Stadtmauer von Taif zu überwinden], war ihm Urwa ibn Masud gefolgt, holte ihn noch vor Medina ein, nahm den Islam an und bat ihn mit dem Islam zu seinem Volk zurückkehren zu lassen. Der Prophet, der ihre stolze und ablehnende Haltung kannte, warnte ihn damals: „Sie werden dich töten!“ „O Gesandter Gotte!“ antwortete ihm Urwa, „ich bin ihnen lieber als ihre Erstgeborenen.“

Er war in der Tat bei seinen Stammesgenossen beliebt und sie hörten auf ihn. Er bat sie, den Islam anzunehmen, und hoffte, sie würden ihn wegen seines Ansehens bei ihnen nicht widersprechen. Nachdem er sie jedoch dazu aufgerufen und sich selbst offen zu seinem Glauben bekannt hatte, schossen sie von allen Seiten mit Pfeilen auf ihn, als er sich ihnen von seinem Zimmer aus ihnen zeigte. Einer der Pfeile verletzte ihn tödlich.

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Was denkst du über deinen Tod?“ fragte man ihn, noch bevor er starb, und er erwiderte: „Er ist eine Ehre, mit dem Gott mich auszeichnet, und ein Martyrium, zu dem er mich führt. Ich bin jenen Märtyrern gleich, die im Kampf auf seiten des Propheten fielen, bevor er ihre Stadt verließ. Begrabt mich neben ihnen!“ Sie bestatteten ihn an deren Seite, und man behauptet, dass der Prophet über ihn sagte: „Er ist in seinem Volke, was der Mann in der Sure „Ya Sin“ für sein Volk war.“37

37Vergleiche Koran Sure 36

Nach Urwas Tod ließen die Thaqif einige Monate verstreichen, bevor sie sich untereinander berieten und bemerkten, dass sie nicht gegen alle sie umgebenden Stämme, die inzwischen dem Propheten gehuldigt und den Islam angenommen hatten, Krieg führen konnten. Sie beschlossen deshalb, einen Mann zum Propheten zu schicken, wie sie vorher auch den Urwa gesandt hatten. Sie sprachen mit Abdjalil, einem Altersgenossen des Urwa und unterbreiteten ihm den Vorschlag. Er aber lehnte ab, da er fürchtete, man werde bei seiner Rückkehr mit ihm ebenso wie mit Urwa verfahren und sprach: „Ich tue es nur, wenn ihr noch einige andere Männer mit mir schickt.“

So kamen sie überein, ihn von 5 Männern begleiten zu lassen. Er nahm sie nur mit, weil er fürchtete, er würde sonst das gleiche Schicksal wie Urwa erleiden und damit sie bei der Rückkehr nach Taif ihre jeweiligen Stammesgruppen von ihm ablenkten.

Als sie in der Nähe von Medina bei Qanat halt machten, trafen sie dort Mughira ibn Shuba, der gerade die Kamele der Prophetengefährten weidete, eine Aufgabe, die die Gefährten abwechselnd übernahmen. Sobald er die Thaqafiten erblickte, ließ er die Kamele bei ihnen und rannte eilends zum Propheten, um ihm die frohe Botschaft von ihrer Ankunft zu verkünden. Unterwegs begegnete ihm Abu Bakr, und er erzählte ihm, dass thaqafitische Reiter gekommen seien, um dem Propheten zu huldigen und den Islam anzunehmen. Sie verlangten nur, dass der Prophet ihnen einige Bedingungen einräume und sie von ihm eine Urkunde erhielten, in der ihr Stamm, ihr Land und ihr Besitz

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gesichert werden. Da bat ihn Abu Bakr, er möge ihn zuerst zum Propheten gehen und mit ihm sprechen lassen. Während Abu Bakr dem Propheten die Nachricht brachte, kehrte Mughira zu den Thaqafiten zurück. Er lehrte sie, wie sie den Propheten zu grüßen hätten, denn sie pflegten noch die heidnische Begrüßungsform. Bei ihrer Ankunft in Medina wurde ihnen dann, so wird behauptet, neben der Moschee ein Zelt errichtet. Khalib ibn Said vermittelte zwischen ihnen und dem Propheten, bis sie ihre Urkunde erhielten, und Khalid war es auch, der das Dokument schrieb.

Die Thaqafiten weigerten sich, etwas von dem Essen zu verzehren, das man ihnen vom Propheten brachte, bevor nicht Khalid davon gekostet hatte, bis sie den Islam annahmen und die Urkunde ausgestellt war. Eine der Bitten, die sie an den Propheten richteten, war, er möge ihnen die Statue der Göttin Lat noch 3 Jahre unzerstört lassen. Der Prophet wies ihr Ansinnen zurück, und auch als sie ihn wenigstens um ein oder zwei Jahre Aufschub und schließlich sogar nur um einen Monat baten, lehnte er ab, eine bestimmte Frist zu gewähren. Sie wollten mit der Verschonung der Göttin, wie sie offen zugaben, nur erreichen, dass sie vor ihren törichten Stammesgenossen, ihren Frauen und Kindern, sicher wären.

Auch wollten sie ihr Volk durch die Zerstörung der Götzen nicht in Angst versetzen, bevor es sich zum Islam bekehrt hatte. Der Prophet aber gestand ihnen lediglich zu, Abu Sufyan und Mughira mit ihnen nach Taif zu schicken, damit sie das Götzenbild zerstörten. Weiterhin baten die Thaqafiten den Propheten, er möge sie von der Pflicht zum Gebet befreien und nicht von ihnen verlangen, dass sie ihre Götzenbilder mit eigenen Händen zerstören müssten. Letzteres gestand ihnen der Prophet zu. Über das Gebet aber sprach er: „Es ist nichts Gutes an einer Religion, in der es kein Gebet gibt!“

O Muhammad!“ antworteten sie, so werden wir die Gebete denn verrichten, auch wenn es eine Erniedrigung für uns ist.“ Als sie sich dann auf den Rückweg nach Taif machetn, schickte der Prophet den Abu Sufyan und den Mughira mit ihnen, damit sie den Götzen vernichteten. In der Nähe der Stadt wollte Mughira den Abu Sufyan vorausgehen lassen, doch lehnte dieser ab und sprach:

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Geh du zu deinem Volk!“ Abu Sufyan blieb auf seinem Landgut in Dhu l-Hadm. Mughira aber ging in die Stadt, begab sich hinauf zu der Göttin und schlug mit einer Spitzhacke auf das Götzenbild ein. Seine Sippe, die Banu Muattib, stand schützend vor ihm, da sie fürchtete, man werde auf ihn schießen oder ihn wie Urwa töten. Die Frauen der Thaqif kamen barhäuptig [mit unbedecktem Kopf] einher, weinten um die Göttin und klagten:

Weint um sie, die Schutz gewährt!
Statt zu kämpfen mit dem Schwert,
haben feige sie entehrt.

[Warum erinnert mich diese Szene wieder an die Zerstörung der größten stehenden Buddhastatue der Welt in Bamiyan/Afghanistan durch die Taliban im März 2001? An der Intoleranz des Islam hat sich seit 1.400 Jahren nichts geändert. Man kann den Frauen nur zustimmen. Überall dort, wo der Islam sich ausbreitet, wird die Toleranz, die Menschlichkeit und die Religionsfreiheit mit Füßen getreten.

Wie brüchig Mohammeds Macht in Wirklichkeit war, lesen wir bei Tilman Nagel auf Seite 452: „Das Wohlverhalten vieler Stammesführer gegenbüber Mohammed war gekauft. Ganz richtig hatte er erkannt, dass nur der Schrecken, den er und seine Helfershelfer verbreiteten, ihm die Herrschaft in Medina sicherte, und damit dieser Schrecken sich nicht verflüchtete, musste man immerfort kriegerische Unternehmungen ins Werk setzen und dabei gerade jenen die Gelegenheit geben, sich auszuzeichnen, die bis in die Zeit nach al-Hudaibiya gegen ihn gearbeitet hatten. Bei all dem Ruhm, in dem er sicht angesichts einer nicht abreißenden Kette von Gesandschaften nach Medina sonnen durfte, bei aller Anerkennung, die ihm als den mächtigstem Mann Arabiens zuteil wurden, entging ihm nicht, dass seine Herrschaft höchst brüchig war.

Die Brüchigkeit von Mohammeds Macht kam nach Mohammeds Tod erst richtig zum Ausdruck. Etliche Stämme erhoben sich gegen die von Mohammed geforderten Steuern. Hierzu schreibt Tilman Nagel auf Seite 183: „Die Nachricht vom Leiden Mohammeds (der 632 schwer erkrankte) verbreitete sich wie im Flug und so rebellierten al-Aswad im Jemen und Musailima im Jamama, ...und dann auch Tailaha im Gebiet der Banu Asad, nachdem Mohammed sich wieder erholt hatte. Darauf aber im Muharram (des Jahres 11) (begann am 29. März 632), befielen ihn die Schmerzen, in denen Allah ihn zu sich nahm. In der Überlieferung, die at-Tabari anführt, wagen sich die „Gegenpropheten“ erst aus der Deckung, als Mohammed vom Tod gezeichnet ist. At-Tabari begründet die Rebellion mit der Weigerung der Stämme, die sich zum Islam bekehrt hatten, die vom Propheten geforderten Steuern abzuführen.

Mohammeds medinensisches Herrschaftsgebilde war mithin nicht das einzige seiner Art auf der Arabischen Halbinsel, denn auch Talha und al-Aswad wirkten über ihren jeweiligen Stamm hinaus, indem sie sich des Prophetentums bedienten. Der gefährlichste Rivale des Quraishiten [Mohammed] erhob sich jedoch im Osten. Es war Musailima von den Banu Hanifa, der in den islamischen Quellen fast durchgängig als „Lügenbold“ bezeichnet wird.“ (Aber auch diese Rebellionen wurden von den Nachfolgern Mohammeds blutig niedergschlagen. Musailima fiel im Jahre 632 bei der Schlacht von Yamama gegen den Heerführer der Muslime Chalid ibn al-Walid.)]

67. Das Jahr 9. Das Jahr der Gesandschaften Top

Da ich das Dokument nicht größer als 1 MB machen möchte, habe ich mich entschlossen die Kapitel 67 bis 70 der Prophetenbiographie nicht mit in dieses Dokument aufzunehmen. Kapitel 67 handelt davon, dass viele Araber erkannten, dass sie nicht die Macht besaßen, Mohammed zu besiegen. Deshalb kamen sie 631 nach der Huldigung der Thaqif von überall her nach Medina und nahmen des Islam an.

244

68. Die Banu Harith nehmen durch Khalid ibn Walid den Islam an Top

Im Monat Rabi II. oder Djumada I. bekehrten sich auch die Banu Harith zum Islam. Davon handelt Kapitel 68.

245 – 247

69. Die beiden Lügenpropheten Musailima und Aswad Top

Kapitel 69 handelt von den beiden „Lügenpropheten“ Musailima und Aswad, von denen bereits berichtet wurde.

248

70. Die Abschiedswallfahrt 632 Top

Am 25. Dhu l-Qada 632 unternahm Mohammed seine letzte Wallfahrt nach Mekka, bevor er erkrankte. Davon handelt Kapitel 70.

249 - 250

71. Die Krankheit des Propheten Top

Die Krankheit des Propheten, an der Gott ihn sterben lassen und zu seiner Ehre und Gnade erheben wollte, begann in den letzten Tagen des Monats Safar oder zu Beginn des Monats Rabi I. Es fing damit an, dass er, wie mir berichtet wurde, mitten in der Nacht zum Friedhof Baqi al-Gharqad hinausging, dort um Vergebung für die Toten bat und dann zu seiner Familie zurückkehrte. Am Morgen begann dann sein Leiden.

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Durch die Überliefererkette: Abdallah ibn Umar von Ubaid ibn Djubair, einem Freigelassenem des Hakam, von Abdallah ibn Amr habe ich erfahren, dass der Freigelassene des Propheten Abu Muwaihiba folgendes erzählte:

Mitten in der Nacht ließ der Prophet mich zu sich kommen und sagte: „Mir wurde befohlen, für die Toten auf dem Baqi-Friedhof um Vergebung zu bitten. So komme mit mir!“ Ich ging mit ihm und als er mitten zwischen den Gräbern stand, sprach er: „Friede sei über euch, o ihr Volk der Gräber! Freut euch, dass ihr nicht mehr seid, wo die Lebenden sind! Wie Fetzen der finsteren Nacht nahen die Versuchungen41, eine nach der anderen, die letzte schlimmer als die erste.“ Und zu mir gewandt fuhr er fort: „Mir wurden die Schlüssel zu den Schätzen dieser Welt und der Aufstieg ins Paradies nach einem langen Leben hier angeboten, und ich wurde vor die Wahl gestellt, mich dafür oder für die Begegnung mit meinem Herrn und den Eintritt ins Paradies schon jetzt zu entscheiden.“

41„Versuchungen“ ist der ursprüngliche Sinn des Wortes „fitan“. Es erhielt aber bald die Bedeutung „Bürgerkriege“, „Spaltungen der Gemeinde“, was vielleicht auch schon hier intendiert (beabsichtigt) ist.

Ich flehe dich an, nimm die Schlüssel für die Schätze dieser Welt, ein langes Leben darin und den Eintritt ins Paradies!“ bat ich ihn, doch er sprach: „Nein, bei Gott, Abu Muwaihiba! Ich habe mich entschieden, schon jetzt meinem Herrn zu begegnen und ins Paradies einzugehen.“

Dann bat er für die Toten um Vergebung und nachdem er den Friedhof verlassen hatte, begann sein Leiden, durch das Gott ihn zu sich nahm.

Yayub ibn Utba berichtete mir von Zuhri, dass ihm Ubaidallah ibn Abdallah die folgende Schilderung der Frau des Propheten, Aisha, überliefert hat:

Als der Prophet vom Friedhof zurückkehrte, fand er mich, wie ich über Kopfschmerzen klagte. „Nein, bei Gott, Aisha, mein Kopf schmerzt!“ sagte daraufhin der Prophet und fuhr fort: „Würde es dich nicht schmerzen, wenn du vor mir sterben würdest und ich dich in das Leichen-

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tuch hülle, das Totengebet über dich spreche und dich begrabe?“ „Wahrlich, mir ist, als sähe ich dich vor mir, wie du nach meinem Begräbnis nach Hause zurückkehrst und hier mit einer deiner Frauen die Hochzeitsnacht verbringst42!“

42Ein nettes Beispiel für die sprichwörtliche Eifersucht der Aisha.

Der Prophet lächelte. Als er dann seine Frauen aufsuchte, wurden die Schmerzen immer schlimmer, bis sie ihn im Hause Maimumas übermannten. [Maimuma war Mohammeds 9. Frau. Laut wikepwdia.org soll Mohammed mit 10 Frauen* verheiratet gewesen sein.] Er rief seine Frauen zusammen und bat sie um ihr Einverständnis, dass er in meinem Hause gepflegt werde und sie stimmten zu. Mit verbundenem Kopf und gestützt auf zwei Männer seiner Familie kam er schleppenden Schrittes zu mir. Als die Krankheit und die Schmerzen immer schlimmer wurden, sprach er: „Schüttet sieben Schläuche mit Wasser aus verschiedenen Brunnen über mich, auf dass ich zu den Menschen hingehen kann und ihnen meinen Auftrag gebe!“ Wir ließen ihn sich in einem Waschzuber der Tochter Umars, Hafsa, setzen und gossen das Wasser über ihn, bis er zu rufen begann: „Genug! Genug!“

*[siehe auch Tilman Nagel Seite 104: „Prophet! Wir erlauben dir (den Geschlechtsverkehr mit) deinen Ehefrauen, denen du ihren Lohn (ihre Mitgift) gegeben hast, sowie mit deinen Sklavinnen, die Allah dir als Beute zuschlug, ferner mit den Töchtern deiner Onkel und Tanten in väterlicher und mütterlicher Linie, die mit dir die Hedschra (die Auswanderung) vollzogen haben, ferner mit jeder gläubigen Frau, sofern sich diese dem Propheten schenkt und dieser sie zum Beischlaf begehrt.“ (Sure 33,50) Durch die Heirat unter nahen Verwandten (Inzucht) kommt es unter den muslimischen Kindern immer wieder zu schweren geistigen und körperlichen Behinderungen. In Europa dürfen Verwandte in gerader Linie aus medizinischen Gründen nicht untereinander heiraten - zu groß ist das Risiko von Mißbildungen und schweren psychischen Störungen. Im islamischen Kulturkreis ist die Heirat unter nahen Verwandten, zur Stärkung der Familienbande, nicht nur akzeptiert, sondern oftmals sogar erwünscht.

In Großbritannien hat Umweltminister Phil Woolas mit ungewohnt offenen Worten die vor allem unter den aus Pakistan stammenden britischen Moslems verbreitete Verwandtenhochzeit aufgegriffen und auf die daraus resultierenden genetischen Schäden hingewiesen. Während pakistanischstämmige Briten nur 3 Prozent der Neugeborenen stellten, seien sie für ein Drittel aller genetisch bedingten Mißbildungen bei Neugeborenen in Großbritannien verantwortlich. Woolas wurde bei seinen Aussagen von der Labour-Abgeordneten Ann Cryers unterstützt, die sogar von „Inzucht“ sprach. Woolers sagte, das Thema dürfe nicht länger tabuisiert werden (Quelle: Times 10. Februar 2008).]

Zuhri berichtete mir von Ayyub ibn Bashir folgendes:

Der Prophet kam mit verbundenem Kopf und bestieg die Kanzel. Zuerst betete er lange über die bei Uhud Gefallenen und bat um Vergebung für sie. Dann sprach er: „Gott hat einen seiner Diener vor die Wahl zwischen dieser Welt und einem Leben bei ihm gestellt, und der Diener wählte letzteres.“ Abu Bakr verstand die Worte und erkannte, dass der Prophet sich selbst meinte. Er weinte und rief: „Nein! Wir flehen dich an!“ „Langsam, Abu Bakr!“ erwiderte Muhammad und fuhr fort: „Seht diese Türen, die zur Moschee hin offen stehen. Nur die Tür des Hauses von Abu Bakr lasst geöffnet, denn ich kenne keinen unter meinen Gefährten, der mir ein besserer Beistand wäre!“

Zuhri berichtete mir von Hamza ibn Abdallah, dass Aisha erzählte:

Als der Prophet schwer erkrankte, sprach er: „Lasst Abu Bakr die Gebete leiten!“

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O Gesandter Gottes!“ wandte ich ein, „mein Vater Abu Bakr ist ein zarter Mann mit einer schwachen Stimme, und wenn er den Koran liest, weint er oft.“ „Lasst Abu Bakr die Gebete leiten!“ befahl er nochmals, und als ich denselben Einwand erhob, sprach er: „Ihr seid wie die Gefährten Josephs43!“ Sagt Abu Bakr, er soll den Leuten vorbeten!“ Ich hatte diese Bedenken nur geäußert, weil ich wollte, dass mein Vater von dieser Aufgabe verschont bliebe, und weil ich wusste, dass die Menschen nie einen Mann lieben werden, der den Platz des Propheten einnimmt, und dass sie ihn für alles Unheil, das geschieht, verantwortlich machen werden.

43Gemeint sind gewiss die Brüder Josefs, vergleiche Koran, Sure 12

Ibn Shibab sprach: Abdalmalik ibn abi Bakr ibn Abdarrahman berichtete mir von seinem Vater, der sich auf die Worte des Abdallah ibn Zamaa stützte, folgendes:

Während ich mich einmal mit einigen anderen Muslimen beim Propheten befand, in den Tagen, als es ihm immer schlechter ging, rief gerade Bilal zum Gebet. Da sprach der Prophet: „Lasst jemanden den Gläubigen vorbeten!“ Ich trat hinaus und fand Umar bei den Leuten. Abu Bakr war nicht anwesend. Da forderte ich Umar auf, das Gebet zu leiten und er tat es. Sobald aber der Prophet Umars kräftige Stimme „Allahu akbar“ rufen hörte, sagte er: „Wo ist Abu Bakr? Dies wollen Gott und die Muslime nicht! Dies wollen Gott und die Muslime nicht!“

Daraufhin wurde Abu Bakr gerufen und er betete mit den Gläubigen weiter, nachdem Umar sein Gebet beendet hatte. Mir aber hielt Umar vor: „Wehe dir! Was hast du mir angetan, Ibn Zamaa? Bei Gott, als du mich auffordertest, das Gebet zu leiten, dachte ich, der Prophet hätte dich mit diesem Befehl geschickt. Ich hätte sonst nicht vorgebetet.“ „Nein, der Prophet hatte mir dies nicht aufgetragen“, antwortete ich, „aber als ich Abu Bakr nicht sah, dachte ich, dass du unter den Anwesenden am meisten Anrecht darauf hast, das Gebet zu leiten.“

Muhammad ibn Ibrahim überlieferte mir von Qasim ibn Muhammad folgendes:

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Der Prophet sprach, als er Umar beim Gebet „Allahu abbar“ rufen hörte: „Wo ist Abu Bakr? Jenen wollen Gott und die Muslime nicht. Die Muslime hätten nie daran gezweifelt, dass der Prophet mit diesen Worten Abu Bakr zu seinem Nachfolger ernannt hat, wenn nicht Umar später bei seinem eigenen Tod gesagt hätte: „Wenn ich einen Nachfolger ernenne, so hat dies vor mir schon jemand getan, der besser war als ich. Und wenn ich es ihnen überlasse, einen Nachfolger für mich zu wählen, so hat dies auch schon jemand getan, der besser war als ich.“ Aus diesen Worten erkannten die Muslime, dass der Gesandte Gottes keinen Nachfolger bestimmt hatte44.

44Abdallah Abu Bakr, der Schwiegervater Mohammeds (Tochter: Aisha bint Abi Bakr), wurde in der Zeit von 632 bis 634 der erste Nachfolger Mohammeds, der erste der vier „rechtgeleiteten“ Kalife. (Kalif bedeutet: der Nachfolger des Gesandten Gottes) Die erste Aufgabe Abu Bakrs bestand in der Bekämpfung der aufständischen und vom Islam abgefallenen Araberstämme, die die Zakat-Zahlungen einstellten. Die Zakat bzw. Zakah  ist im Islam eine Verpflichtung, die auf den Koran (Sure 9,60) zurückgeht. Dabei wird Muslimen vorgeschrieben, einen bestimmten Anteil ihres Besitzes Armen und Bedürftigen sowie anderen festgelegten sozialen Gruppen zur Verfügung zu stellen. Die Zakat wird aber nur an Muslime verteilt. Umar ibn al-Chattab, ebenfalls ein Schwiegervater Mohammeds (Tochter: Hafsa), wurde in der Zeit von 634 bis 644 der zweite Nachfolger Mohammeds, der zweite „rechtgeleitete“ Kalif. Umar eroberte Palästina, Ägypten, Syrien, Irak und Iran. Umar ibn al-Chattab soll die Steinigung von untreuen Ehemännern und Ehefrauen eingeführt haben. Umar wurde 644 von einem persischen Sklaven namens Abu Lulu in Medina ermordet. Abu Bakr wurde neben dem Propheten Mohammed beerdigt. Beide Gräber und das Grab des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab (Khattab) sind heute in der Hauptmoschee von Medina, der Prophetenmoschee, integriert.

Abu Bakr ibn Abdallah ibn abi Mulaika berichtete mir fogendes:

Am Montag verließ der Prophet mit verbundenem Kopf sein Gemach und begab sich zum Morgengebet. Abu Bakr betete bereits den Gläubigen vor. Als der Prophet erschien, wurden sie unruhig, und Abu Bakr merkte daran, dass der Prophet gekommen war. Daraufhin trat er von seinem Platz zurück. Doch der Prophet stieß ihn in den Rücken und forderte ihn auf, weiter vorzubeten. Er selbst ließ sich rechts neben Abu Bakr nieder und verrichtete das Gebet im Sitzen. Nach dem Gebet wandte er sich den Gläubigen zu und sprach zu ihnen mit so lauter Stimme, dass sie durch die Tür der Moschee nach draußen drang: „O ihr Menschen! Das Feuer ist entfacht und die Versuchungen nahen wie Fetzen dunkler Nacht. Bei Gott, ihr könnt mir nichts zur Last legen. Ich habe euch nur erlaubt, was der Koran erlaubt, und ich habe euch nur verboten, was der Koran verbietet.“

Yaqub ibn Utba überlieferte mir von Zuhri, der sich auf Urwa beruft, die folgenden Worte Aishas:

In jenen Tagen kam der Prophet von der Mosche zurück und legte das Haupt in meinen Schoß. Da trat ein Mann aus der Familie Abu Bakrs ein. In der Hand trug er ein grünes Zahnputzholz, und als ich den Blicken des Propheten entnahm, dass er das Holz gerne gehabt hätte, fragte ich ihn:

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„Möchtest du das Zahnputzholz?“ Er bejahte. Ich nahm das Hölzchen, kaute es für ihn weich und gab es ihm. Er rieb sich damit so gründlich die Zähne, wie ich es noch nie bei ihm gesehen hatte und legte es beiseite. Dann bemerkte ich, wie mir sein Kopf auf meinem Schoße schwer wurde. Und als ich ihm darauf ins Antlitz sah, waren seine Augen starr. Er sprach: „Ja! Der erhabenste Gefährte ist der im Paradies!“ „Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat! Du wurdest vor die Wahl gestellt und hast gewählt!“ antwortete ich, und der Gesandte verschied.

Yahya ibn Abbad ibn Abdallah erzählte mir von seinem Vater Abbad, dass dieser Aisha hätte sagen hören:

Der Propet hatte den Kopf an meiner Brust liegen, als er starb. Es war zu einer Zeit, als ich an der Reihe war, und ich war seinetwegen zu niemandem ungerecht. Es geschah durch meine Unerfahrenheit und mein jugendliches Alter, dass er in meinen Armen verschied. Ich legte dann sein Haupt auf ein Kissen, stand auf, und schlug mir, zusammen mit den anderen Frauen, auf Brust und Gesicht.

Zuhri überlieferte mir von Said ibn Musayyab den folgenden Bericht über Abu Huraira:

Nachdem der Prophet verstorben war, erhob sich Umar und sprach zu den Muslimen: „Einige Heuchler werden behaupten, der Prophet sei gestorben. Nein! Der Gesandte Gottes ist nicht gestorben, sondern er ist zu seinem Herrn gegangen, sowie Moses, der 40 Nächte von seinem Volk fernblieb und dann zu ihm zurückkehrte, nachdem behauptet worden war, er sei gestorben. Bei Gott, der Prophet wird zurückkehren, wie Moses zurückgekehrt ist, und wird denjenigen Händen und Füßen abschlagen, die behauptet haben, er sei gestorben.“

[Wenn man solche Äußerungen liest, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln und man wendet sich entsetzt und angewidert von dieser brutalen Religion ab.]

Als Abu Bakr davon hörte, begab er sich zum Tor der Moschee, während Umar zu den Leuten sprach. Er achtete auf nichts, sondern ging in das Zimmer der Aisha, wo der Prophet mit einem Mantel aus jemenitischem Stoff bedeckt lag. Er trat hinzu, deckte das Gesicht des Propheten auf, küsste es und sprach:

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„Du, der du mir teurer bist als Vater und Mutter, hast den Tod gekostet, den Gott dir beschieden hat, und ein zweiter Tod wird dich nicht mehr treffen.“ Er legte ihm den Mantel wieder über das Gesicht, trat hinaus, wo Umar zu den Menschen sprach, und forderte ihn auf zu schweigen. Dieser weigerte sich aber und redete weiter. Da wandte sich Abu Bakr selber an die Gläubigen, und als sie seine Worte vernahmen, ließen sie Umar stehen und kamen zu ihm. Abu Bakr lobte und pries Gott und sprach: „O ihr Menschen! Wenn jemand Muhammad anbetet, Muhammad ist tot! Wenn jemand Gott anbetet, Gott lebt und wird nie sterben!“

Dann trug er den Koranvers vor: „Muhammad ist nur ein Gesandter. Vor ihm hat es schon Gesandte gegeben. Werdet ihr euch denn zurückwenden (von ihm abwenden), wenn er stirbt oder getötet wird? Wer sich zurückwendet, wird Gott keinen Schaden zufügen.. Aber Gott wird es denen vergelten, die dankbar sind.“ (Sure 3,144)

Bei Gott, es war, als hätten die Muslime nichts von der Offenbarung dieses Verses gewusst, bevor ihn Abu Bakr damals vortrug. Sie übernahmen ihn und führten ihn ständig im Munde. Umar aber erzählte später: „Bei Gott, kaum hatte ich Abu Bakr den Vers vortragen hören, war ich so erschüttert, dass mich meine Füße nicht mehr trugen und ich zu Boden stürzte: Ich wusste jetzt, der Prophet war wirklich gestorben!“

72. Die Beisetzung des Propheten Top

[Am Leichnam des Propheten sah man nicht die Merkmale, wie sie an gewöhnlichen Toten erscheinen. Mohammed wurde dort begraben, wo er gestorben war. Man wusch Mohammed, schob das Bett beiseite, auf dem er gestorben war (im Hause von Aisha) und grub darunter sein Grab. Mohammed wurde im Alter von 61 Jahren am Dienstag den 8. Juni 632 in Medina bestattet.]

Die Muslime waren vom Tod des Propheten schwer getroffen. Und Aisha, so habe ich gehört, pflegte zu sagen: „Nach des Propheten Tod wurden die Araber abtrünnig. Christen und Judentum erhoben ihr Haupt, die Heuchelei wurde offenkundig, und die Muslime glichen, da sie den Propheten verloren hatten, einer im Regen einer kalten Winternacht herumirrenden Schafherde, bis Gott sie unter Abu Bakr wieder sammelte.“