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Über dieses Buch Top
Aus dem Arabischen übertragen und bearbeitet von Gernot
Rotter
Spohr Verlag - 5. Auflage 1999 - ISBN 3-927606-40-5
Noch ein paar Worte zum Autor Ibn Ishag und zum Spohr-Verlag.
Muhammad ibn Ishaq ist ein arabischer Historiker, der 704 in Medina
geboren wurde und 768 in Bagdad starb. Er schrieb die Biographie
Mohammeds im Jahre 750, also etwa 120 Jahre nach Mohammeds Tod. Salim
E. Spohr ist der muslimische Direktor des Spohr-Verlages, der
vorwiegend Bücher zum Thema Islam veröffentlicht.
Eigene Bemerkungen zum Text, die nicht vom Übersetzer
stammen, werde ich in eckigen Klammern kommentieren: [Mein Kommentar]
Da die PDF-Datei maximal eine Größe von 1 MB
(Megabyte) haben sollte, konnte ich die Kapitel 67 bis 70 und 72 nicht
mit aufnehmen.
Dort, wo es möglich war, habe ich die
Jahreszahlen, an dem sich das Geschehen ereignete, eingetragen. So
bekommt man einen besseren zeitlichen Überblick. Die Zeitangaben
beziehen sich allerdings auf die islamische Zeitrechnung. Die
islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, dem Auszug Mohammeds
aus Mekka, am 24. September 622. Dadurch ergibt sich gegenüber der
gregorischen Zeitrechnung, die in der nichtmuslimischen Welt
gebräuchlich ist, eine Zeitverschiebung von 622 Jahren , 9 Monaten
und 24 Tagen. Will man das Geschehen also in gregorianischer
Zeitrechnung darstellen, dann muss man diese Zeitverschiebung
berücksichtigen. Da der islamische Kalender nach
Mondjahren rechnet und verglichen mit dem Gregorianischen Kalender
kürzer ist, wandern die islamischen Monate im Laufe mehrerer
Jahrzehnte außerdem durch das Sonnenjahr. Dort, wo die Daten in gregorianischer Zeitrechnung bekannt
sind, habe ich sie in Klammern hinter die islamische Zeitrechnung
gesetzt. Sie stammen u.a. aus der Mohammed-Biographie Prof. Dr. Tilman
Nagels.
Prof.
Dr. Tilman Nagel, geboren am 19. April 1942 in
Cottbus, ist einer der bekanntesten deutschen Orientalisten und
Islamwissenschaftler. Er studierte an der Universität Bonn
Islamwissenschaft, Vergleichende Religionswissenschaft und
Zentralasienkunde. Nach seiner Promotion, der Ernennung zum Doktor, im
Jahre 1967 und dem Erwerb der „venia legendi“, der Lehrberechtigung als
Privatdozent, im Jahre 1971, war er bis 1981 am Seminar für
Orientalische Sprachen an der Universität Bonn tätig. Danach
lehrte und forschte er von 1981 bis 2007 als Professor für
Arabistik und Islamwissenschaft an der Universität Göttingen.
Er wurde zum Ende des Sommersemesters 2007 emeritiert. Die Emeritierung
ist die altersbedingte Befreiung (Entpflichtung) eines Professors.
Prof. Dr. Tilman Nagel hat wichtige Standardwerke der Islamwissenschaft
verfasst. Sein bekanntestes Werk ist das im Jahre 2008 erschienene,
1.052 Seiten umfassende Buch über den Propheten Mohammed: Mohammed - Leben und Legende (Oldenbourg
Wissenschaftsverlag, 2008)
Vorwort zur ersten Ausgabe Top
Ibn Ishaq und sein Werk
Keinem arabischen Adligen mit politischen Ambitionen
wäre es im sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in den Sinn
gekommen, Medina zum Ausgangspunkt seiner Kariere zu machen. Die Stadt,
die das Grab des Propheten Mohammed, der Friede sei auf ihm, in sich
barg, lag nun, hundert Jahre nach seinem Hinscheiden (632), schon
wieder abseits der großen Politik. Die Zentren des arabischen
Reiches hatten sich nach Norden in den fruchtbaren Halbmond*
verschoben. Von Damaskus aus regierten die umayadischen Kalifen,
während sich im Irak in den alten Heerlagern Kufa und Basra die
alidische und abbasidische Opposition sammelte und Bagdad
schließlich Damaskus als Sitz der Kalifen ablöste. Medina
hatte nur noch eines zu bieten: seine Gelehrten, die sich dem Studium
des Koran hingaben, mit echten und angeblichen Worten des Propheten um
Rechtsfragen stritten und dabei misstrauisch dem weltlichen Treiben der
Stellvertreter des Propheten, den Kalifen, im Norden zusahen.
*Der fruchtbare
Halbmond ist die Bezeichnung für das niederschlagsreiche
Winterregengebiet nördlich der Syrischen Wüste bzw. im Norden
der arabischen Halbinsel.
In diesem Milieu lernte und lehrte in der ersten Hälfte
des achten Jahrhunderts in Medina ein Mann, von dem ein Zeitgenosse
sagte, dass unter den Menschen das Wissen über das Leben des
Propheten nicht vergehen werde, solange er lebe: unser Autor Muhammad
ibn Ishaq. Seinen Großvater hatten einst die in den Irak
vordringenden muslimischen Heere gefangen genommen und als Sklaven nach
Medina geschickt, wo er aber bald, nachdem er den Islam angenommen
hatte, die Freiheit geschenkt bekam. Seine Söhne befassten sich
bereits alle mit der Überlieferung prophetischen Handelns und
Sagens [den Hadithen], weshalb es nicht verwundert, dass sich auch der
junge, um 704 geborene Ibn Ishaq dem gleichen Studium zuwandte. Im
besonderen nahm ihn aber
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die Geschichte gefangen, ein Gebiet, dem man indes in den
orthodoxen Gelehrtenkreisen Medinas noch mit Skepsis
gegenüberstand. Mit einer ungewöhnlichen Begeisterung
versuchte er sich alle nur möglichen Informationen zu beschaffen.
Ende der dreißiger Jahre [730] trieb ihn sein
Wissensdrang und wohl auch die Suche nach dem noch kostbarem
Schreibmaterial bis nach Alexandrien. Kaum nach Medina
zurückgekehrt, bekam er aber den Neid seiner engstirnigen
pharisäischen Kollegen zu spüren. Sie bezichtigten ihn
alidischer [Ali ibn Abi Talib war der Cousins und Schwiegersohnes
Mohammed, er wird als Oberhaupt des schiitischen und alevitischen
Islams betrachtet] oder auch nondeterministischer Neigungen [nichts ist
vorherbestimmt], wiesen ihm „schwache“ Überlieferungen nach,
kritisierten, dass er sogar von Juden und Christen Berichte
übernahm und schwärzten ihn schließlich mit angeblichen
Frauengeschichten beim umayyadischen Statthalter an [die Umayyaden sind
eine Dynastie von Kalifen, die von 661 bis 750 Oberhäupter des
sunnitischen Islam waren; die Kalifen verstehen sich als Nachfolger
Mohammeds]. Kein Wunder, dass ibn Ishaq beschloß, in den Irak
auszuwandern. Mit Wehmut wird er seine Geburtsstadt kaum verlassen
haben. Im Gegenteil, der Irak war inzwischen zum Sammelbecken
zahlreicher geistiger und religiöser Strömungen geworden, die
einem solchen Mann eine anregende Umgebung versprachen.
Ausserdem bahnte sich der Sturz der Umayyaden und der Sieg
der Abbasiden an [Die Dynastie der Abbasiden löste 750 die
Umayyaden in der Regierung des Kalifats ab.], die dann in den
fünfziger Jahren mit der Gründung Bagdads einen
Anziehungspunkt für Gelehrte aus allen Provinzen des Reiches
schufen. Der zweite Abbasiden-Kalif Mansur (754 bis 775), erkannte wohl
die Begabung und das gewaltige Wissen dieses Medinensers, der
inzwischen auch Nordmesopotamien [heutiges Anatolien, Nordirak] und
Persien [Iran] bereist hatte und ließ ihm jegliche Förderung
angedeihen. Als Ibn Ishaq Ende der sechziger Jahre in Bagdad starb, lag
das erste umfassende Geschichtsbuch der islamischen Welt vor.
Ibn Ishaq hatte sein Werk in vier Teilen konzipiert, von
denen der letzte auch als selbstständiges Buch in Umlauf kam. Der
erste Teil „derAnfang“ genannt, enthielt die Geschichte von der
Erschaffung der Welt, den Propheten von Adam bis Jesus und den
arabischen Stämmen in vorislamischer Zeit. In den beiden folgenden
Teilen „die Sendung“ und „die Kämpfe“, fand sich eine umfassende
Darstellung der Vita [der Biographie] des Propheten Muhammed. Im
vierten Teil, „die Kalifen“, führt der Autor schliesslich die
Geschichte bis auf seine Zeit fort. Das Gesamtwerk in seiner
ursprünglichen Form ist uns nicht erhalten. Der
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letzte Teil muss von weniger Zitaten bei späteren
Autoren abgesehen, als gänzlich verloren gelten, und das gleiche
trifft auf den ersten Teil zu, doch haben sich davon längere
Passagen erhalten. Dass wenigstens die beiden mittleren Teile, die uns
das Leben Mohammeds schildern, fast vollständig vor dem Verlust
bewahrt blieben, verdanken wir einem ägyptischen Gelehrten, der um
830 n. Chr. starb, nachdem er sich als Grammatiker und Genealoge
[Familienforscher] einen bedeutenden Namen gemacht hatte: Ibn Hisham.
Ein Schüler des Ibn Ishaq hatte ihm den Text aus dem Irak
mitgebracht, und er gestaltete dieses Material zu jenem Buche um, das
als die Sira (Vita) schlechthin bis heute die berühmte
Prophetenbiographie blieb.
Wie Ibn Hisham bei der Edition des Werkes verfahren ist,
erklärt er selber in seiner Anleitung: „Wenn Gott will, werde ich
dieses Buch mit Abrahams Sohn Ismail und jenen aus seiner
Nachkommenschaft beginnen, die die Ahnen [Vorfahren] des Propheten
waren, und werde Ibn Ishaqs Berichte darüber anführen. Die
anderen Nachkommen Ismails werde ich übergehen und mich ganz auf
das Leben des Propheten beschränken. Deshalb werde ich auch auf
einige jener Berichte aus Ibn Ishaqs Werk verzichten, in denen der
Prophet nicht erwähnt wird, über die es keine koranischen
Offenbarungen gibt und die weder als Kommentar noch als Zeugnis
für irgendetwas in diesem Buche dienen. Weiterhin werde ich
diejenigen von ihm angeführten Gedichte weglassen, die, wie ich
festgestellt habe, keinem Kenner der Poesie geläufig sind. Und
schließlich werde ich solche Nachrichten nicht wiedergeben,
über die zu sprechen entweder widerwärtig ist oder deren
Erwähnung einige Leute verletzen würde oder deren
Überlieferung mir Bakkai (der Vermittler des Textes) als nicht
gesichert angegeben hat. Alles andere werde ich, wenn Gott will,
vollständig wiedergeben, soweit es sicher bekannt und
überliefert ist.“ Anhand von Zitaten bei anderen Autoren, die Ibn
Ishaqs Text benutzt haben, lässt sich feststellen, dass Ibn Hisham
in der Tat den weitaus größten Teil seiner Vorlage
wörtlich übernommen hat, so dass wir mit Recht Ibn Ishaq als
den Autor und Ibn Hisham lediglich als den Herausgeber des Buches
bezeichnen können. Nur den Teil über die vorislamische
Geschichte hat er extrem verkürzt, die eigentliche Vita des
Propheten aber beina-
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he vollständig übernommen. Es hat gewiss zur
Popularität des Werkes beigetragen, dass Ibn Hisham an vielen
Stellen, und vor allem zu schwierigen Passagen in den Gedichten, kurze
Erläuterungen einschob, die er jedoch stets als seine eigenen
Worte kennzeichnete.
Der eigentliche Text, wie er uns noch heute vorliegt, ist
demnach etwa 120 Jahre nach Mohammeds Tod von Ibn Ishaq
niedergeschrieben bzw. diktiert worden. Aus unabhängigen
Vergleichszitaten ergibt sich außerdem, dass auch Ibn Ishaq den
überwiegenden Teil seines Materials oft wörtlich von seinen
Lehrern übernommen hat und somit die Berichte bereits im ersten
islamischen Jahrhundert teils schriftlich, teils mündlich im
Umlauf waren. So hatte sein von ihm häufig zitierter Lehrer Zuhri
(gestorben um 742) bereits ein, heute verlorenes, Buch über die
Schlachten des Propheten geschrieben, und das gleiche trifft
wahrscheinlich auf seinen Zeitgenossen Asim ibn Umar zu. Eine weitere
Hauptquelle Ibn Ishaqs, Urwa ibn Zubair (gestorben 712), ein
Großneffe der ersten Frau des Propheten und möglicherweise
der Begründer der Prophetenbiographie überhaupt, führt
uns in noch frühere Zeit. Diese zeitliche Nähe der
Berichterstatter zum Geschehen erklärt nicht zuletzt die
überraschende Menschlichkeit, mit der Muhammed geschildert wird,
und auch manchen kritischen Ton, der sich trotz Ibn Hischams
redaktionellem Eingreifen erhalten hat. Der früheren schriftlichen
Fixierung des Leben Muhammeds, verdankt es der Islam u.a., dass sein
Begründer, von der Volksfrömmigkeit und einigen Sekten einmal
abgesehen, nie in dem Maße wie andere Religionsstifter
verklärt wurde. Der heutige europäische Leser möge
deshalb diese menschliche, ja manchmal allzu menschlichen Züge,
die er in der Biographie des Propheten finden mag, weniger der Person
Muhammeds anlasten als der Ehrlichkeit seiner Biographen.
Zur literarischen Form und Übersetzungsproblematik
Als literarische Gattung nimmt die Prophetenbiographie
innerhalb der arabischen Geschichtschreibung eine gewisse
Sonderstellung ein. Sie ist das älteste Thema der Historiographie
und sowohl inhaltlich als auch formalgeschichtlich eng
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mit dem Hadith (Nachrichten über Taten und
Aussprüche des Propheten und seiner Gefährten) verbunden..
Andererseits hat gerade Ibn Ishaqs Werk aufgrund der Fülle von
Gedichten und gewisser Typen von Anekdoten durchaus auch viele
Berührungspunkte zur Schönen Literatur, dem Adab.
Charakteristisch für die Hadith-Literatur war die
Überlieferungskette (Isnad), mit deren Hilfe der Autor die
Herkunft seiner Nachricht nachwies, entsprechend etwa unseren
Fußnoten in wissenschaftlichen Abhandlungen. Stereotype
Formulierungen wie „es berichtete mir A von B von C, dass der Prophet
gesagt hat... “ lassen zwar den Eindruck aufkommen, es handele sich
dabei grundsätzlich um mündliche Überlieferung, doch
wissen wir heute, dass sich hinter den in solchen Formulierungen
enthaltenen Namen nicht selten ältere Autoren verbergen, von denen
z. B. auch Ibn Ishaq, wie bereits angedeutet, lediglich wieder
abgeschrieben hat.
Diese Überliefererketten sind auch in andere Bereiche
arabischer Literatur eingedrungen und verleihen ihr oft ein seltsam
anmutendes atomisiertes Gepräge, als sie jede fortlaufende
Darstellung, z. B. eines historischen Vorganges, ständig
unterbrechen und der Leser etwa die Schilderung einer Schlacht in
kleinen, oft völlig voneinander unabhängigen
Augenzeugenberichten über diese oder jene private Keilerei
serviert bekommt. Ibn Ishaq zeichnet sich noch wohltuend durch die
spärliche Verwendung der Überliefererketten aus, ja an vielen
Stellen verzichtet er völlig auf entsprechende Angaben oder fasste
sie zu Beginn eines längeren Abschnittes zusammen. Dadurch wirken
seine Berichte geschlossener und entsprechen mehr unserem
europäischen Formgefühl, ohne dass der für die arabische
Geschichtsschreibung so typisch anekdotenhafte Stil verlorenginge. Dem
deutschen Leser wird, von eingestreuten Gedichten einmal abgesehen, die
nüchterne Darstellungsweise auffallen, vor allem, wenn er die
vielzitierte blumige Ausdrucksweise des Orients in diesem Buch zu
finden glaubte. Die frühe arabische Literatur ist in ihrer Prosa
nüchtern, oft sogar spröde. Dass die Darstellung trotzdem oft
sehr lebendig wirkt, verdankt sie den Augenzeugenberichten und dem
daraus resultierendem Stilmittel der direkten Rede, die der Araber
stets jeder anderen Art von Beschränkung vorzog. Ein weiteres
Merkmal der historischen
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und vielfach auch der schönen Literatur ist die
ungeheure Fülle der auftretenden Namen, die dem europäischen,
nicht fachlich vorgebildeten Leser den Zugang zu diesem Schrifttum
mitunter sehr erschwert. Diese auf den ersten Blick geradezu
abschreckende „Nomomanie“ [Namensvielfalt] hat ihre Ursache teils in
der gemeinsemitischen Vorliebe für geneologische [familiäre]
Verhältnisse, teils, wie im Falle der Prophetenbiographie, in dem
Bedürfnis, die Haltung gewisser Familien und Stämme
gegenüber dem Propheten herauszustreichen oder auch
herunterzuspielen, teils in materiellen und sozialen Folgen, die sich
z. B. aus der Teilnahme eines Vorfahren an einer Schlacht auf Seiten
des Propheten ergeben konnten.
Diese und andere Wesenszüge der Prophetenbiographie
bringen den Übersetzer ständig in einen Zwiespalt zwischen
seiner Verpflichtung zur sprachlichen genauen und inhaltlich
vollständigen Wiedergabe des Textes einerseits, und der Aufgabe,
das Original lesbar zu machen, andererseits. Im ersten Fall nimmt er
schwerfällige Formulierungen und eine große Zahl
erläuternder Anmerkungen in Kauf, im zweiten Fall muss er auf
manche stilistische Eigenart und auf zahlreiche sachliche Inhalte
verzichten. Goethe nannte einst in seinem „Westöstlichem Diwan“
[in dem er sich auch mit dem Islam beschäftigt] die erste
Übersetzungsweise das „Niederziehen auf die Wasserebene“ und
charakterisierte sie als äußerst wünschenwert, doch
muss man wohl hinzufügen, wünschenswert für ihn, der
sich berufen fühlte, den Text dann aus dem Wasser zu holen und
selbst in eine adäquate Form zu betten. Die vollkommene
Übersetzung ist nach Goethes Ansicht diejenige, die „dem Original
identisch ist“, und er wies auf die Voßschen Übertragungen
Homers, die nach anfänglicher Ablehnung „dem
geistreich-talentvollen Jüngling ungeahnte rhetorische,
rhythmische, metrische Vorteile zur Hand“ gegeben hätten. Aber
gerade diese Übersetzungsweise ist für das Arabische nicht
möglich, denn, um mit Friedrich Rückert zu sprechen
[Friedrich Rückert (1788-1866) war ein deutscher Dichter,
Übersetzer und einer der Begründer der deutschen
Orientalistik], „dazu gehören eine nähere Verwandschaft oder
eine innigere Aneignung eines fremden Bildungskreises, als deren wir
bis jetzt uns in bezug auf den Orient rühmen können“. Aus
Rückerts Worten ist die Hoffnung zu spüren, diese „innigere
Aneignung“ werde eines Tages Wirklichkeit werden und jene
Übersetzungen erlauben, die ihm vorschwebten. Heute, genau 150
Jahre nachdem Rückert diese Worte schrieb, sind
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wir der innigeren Aneignung des islamisch-arabischen
Kulturkreises kaum ein Stück näher gekommen, und die Probleme
des Übersetzens sind dieselben geblieben. Sie gelten auch nicht
nur für die von Goethe und Rückert angesprochene Poesie,
sondern in gleicher Weise für die Prosa.
Entscheidend für die Übersetzungshinweise ist der
Adressat, an den die Übersetzung gerichtet ist. Es steht
außer Frage, dass der Religionswissenschaftler und der
Historiker, der des Arabischen nicht mächtig ist, der die
Prophetenbiographie eines Ibn Ishaq aber als Quelle für seine
Forschungen benutzen möchte, nach einer kommentierten
wissenschaftlichen und vollständigen Übersetzung verlangt,
wobei ihn Stil und Form weniger oder gar nicht zu interessieren
brauchen. Auf der anderen Seite stehen aber der Lehrer, der Student,
der Journalist, der Wirtschaftsfachmann, kurz alle jene, die, aus
welchem Grunde auch immer, ein Interesse am Orient gefunden haben und
sich anhand übersetzter Texte ein eigenes Bild von Literatur,
Geschichte und Religion der Araber machen möchten. Für diesen
Leserkreis wurde die Bibliothek Arabischer Klassiker geschaffen, deren
ersten Band Sie nun in Händen haben.
Zur Gestaltung und Benutzung des Buches
Folgende Grundsätze und Überlegungen sind in die
Übersetzung und Gestaltung des Buches eingegangen:
a) Die großen literarischen Werke der frühen und
klassischen Epoche arabischen Schrifttums sind fast immer
äußerst umfangreich, weshalb in der Regel nur eine Auswahl
aus dem jeweiligen Text gegeben werden kann. Im vorliegenden Fall wurde
etwa ein Viertel des Originals (Ibn Hishams Anmerkungen nicht
mitgerechnet) übersetzt. Verzichtet wurde vor allem auf die
Übertragung des umfangreichen Vorspanns über die
vorprophetische Geschichte Südarabiens und Mekkas, auf die langen
Namenslisten von Teilnehmern an den einzelnen Schlachten, auf Legenden
und Begebenheiten, die sich vom Motiv häufig wiederholen (z B.
„Wunder“ während des Grabenkrieges und die Berichte über die
Abordnungen der einzelnen Stämme im Jahr der Delegationen) [Im
Jahre 631, kurz vor Mohammeds Tod, zog Mohammed mit einem Heer von
30.000 Mann nach Tabuk im syrischen Einflussgebiet der Byzantiner. Das
Jahr nach Tabuk wird auch das Jahr der Delegationen genannt. Nachdem
die Araber erkannten, dass sie nicht die Macht besaßen, Mohammed
zu bekämpfen, kamen von überall her arabische Delegationen,
unterwarfen sich Mohammed und nahmen den Islam an.], auf solche
Schilderungen, die für das Verständ-
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nis der Person Mohammeds und den Ablauf der Ereignisse
unmittelbar ohne Bedeutung sind, und schließlich auf jene
Kapitel, die reine Kommentare zu einzelnen Abschnitten des Korans
darstellen. (In der Übersetzung der Koranzitate bin ich, von
kleinen formalen Änderungen abgesehen, der Übertragung von
Rudi Paret, Der Koran, Stuttgart 1966, gefolgt.) [Man kann die
Übersetzung Rudi Parets bei koransuren.de nachlesen] Das Hauptanliegen bestand
darin, die historische Abfolge und den inneren Bezug der Geschehnisse
durch die Kürzungen nicht zu zerstören.
[Der Übersetzer Gernot Rotter spricht davon, dass er bei
der Übersetzung der Prophetenbiographie Ibn Ishaqs auf einen Teil
seines Werkes verzichtet hat. Mir fiel beim Lesen der
Prophetenbiographie ebenfalls auf, dass einige Vorkommnisse in der
Prophetenbiographie Gernot Rotters gar nicht erwähnt werden. So
fehlen z.B. die Hinweise auf die Hinrichtungen, die Mohammed an seinen
Kritikern vornehmen liess. siehe: Auftragsmorde an politischen Gegnern oder Ka'b ibn
al-Aschraf.)
Jeder der Mohammed den geforderten Respekt schuldig blieb,
wurde getötet. Hierzu schreibt Prof. Dr. Tilman Nagel in seiner
Mohammed-Biographie auf Seite 185: „In Sure 33,61 kündigt Mohammed
ein hartes Einschreiten gegen seine verbliebenen Kritiker an: „Sie
werden dort nur noch kurze Zeit deine Nachbarn sein.“ Mit dem
Vertreiben soll es diesmal nicht abgetan sein, denn Vers 61 sagt, „sie
sind verflucht und wo immer sie angetroffen werden, ergreift man sie
und tötet sie auf grausame Weise.“ Dass Sure 33,61 nicht erst vom
Qadi Iyad (dem islamischen Gericht) als Beleg für solch eine
Bestrafung herangezogen wurde, zeigt die vorhin erwähnte
widerwärtige Art der Hinrichtung des Dichters Ibrahim al-Fazari,
der kopfüber an ein Holz genagelt wurde.
Es fehlt in der Prophetenbiographie Gernot Rotters ebenso die
Geschichte Kinana ibn al-Rabi's, dem jüdischen Stammesoberhaupt
der Banu Nadir, den Mohammed zunächst foltern und dann töten
ließ, damit dieser das Geheimnis preisgab, wo der Schatz des
Stammes versteckt war (siehe: Kinana ibn al-Rabi). „Banu“ ist übrigens die
Bezeichnung für „Stamm“.
Ebenso wird die Vertreibung des jüdischen Stammes der
Banu Quainuqa aus Medina, nach der Schlacht von Badr im Jahre 624,
nicht in der Biographie Gernot Rotters erwähnt. (siehe: Banu
Qainuqa) Gerhard Konzelmann* schreibt in seiner Mohammed-Biographe
„Mohammed - Allahs Prophet und Feldherr“ (Sonderausgabe des Lingen
Verlages 1980) über die Vertreibung der Banu Qainuqa aus Medina
auf Seite 126: „Es wird berichtet, Mohammed habe durchaus mit dem
Gedanken gespielt, die Männer des jüdischen Stammes (Banu
Quainuqa) töten zu lassen und die Frauen als Sklavinnen zu
verkaufen. Von Männern der (arabischen) Sippe Aus sei Mohammed
darauf hingewiesen worden, dass er für einen Tötungsbefehl
kein Verständnis bei ihnen finden könne. [Unter
einer Sippe versteht man im Allgemeinen so etwas wie eine
Großfamilie, ein Klan (Clan).] Seinen
Standpunkt
verteidigte Mohammed mit den Worten: „Die Ungläubigen, die
durchaus nicht glauben wollen, werden von Allah als das ärgste
Vieh betrachtet“.“]
*Gerhard Konzelmann, geboren am 26. Oktober 1932 in
Stuttgart; gestorben 28. Mai 2008 ebenda, war ein deutscher Journalist.
Er studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in Tübingen und
Besancon (Frankreich). Konzelmann wurde vor allem als
Nahostkorrespondent der ARD (Erstes deutsches Fernsehprogramm) und
Moderator des „Weltspiegels“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
Außerdem trat er als Sachbuchautor und Opernkomponist hervor.
b) Aus Gründen der Lesbarkeit ist es sprachlich vielfach
nicht möglich, das Original „wörtlich“ wiederzugeben, sondern
man muss gelegentlich in die Paraphrase [Umschreibung] ausweichen. Eine
besondere Problematik stellt in diesem Zusammenhang die exemplarisch
ausgewählte Poesie dar. Im allgemeinen besteht ein arabisches
Gedicht aus beliebig vielen Versen, die jeweils in zwei Halbverse
zerfallen. Der Reim am Ende des zweiten Halbverses zieht sich durch das
ganze Gedicht. Einige Versmaße, die vor allem in Kampf- und
Spottgedichten verwendet wurden, kennen die Aufteilung in Halbverse
nicht und reimen jede Zeile. Neben dem Reim spielen die Versmaße
eine entscheidende Rolle. Sie sind (wie auch z.B. im Griechischen) von
Längen und Kürzen bestimmt, also quantitativ, und wesentlich
zahlreicher als etwa in den klassischen europäischen Sprachen.
Diese Metren im Deutschen qualitativ (d. h. durch Betonung der langen
Silben) wiederzugeben, wie es etwa mit dem Hexameter [dem klassischen
Versmaß der Dichtung] üblich ist, ist für die arabische
Poesie kaum durchführbar, da etwa die gar nicht seltene Folge von
drei Längen hintereinander im Deutschen ungemein schwerfällig
und unnatürlich wirkt. Ich habe deshalb auf eine Nachahmung der
Metren im allgemeinen verzichtet, dagegen die Zahl der Silben pro Vers
annähernd beibehalten. Um den Charakter der Gedichte nicht
völlig aufzugeben, bin ich jedoch beim Reim geblieben, was bei
Gedichten, die sich über zwanzig und mehr Verse erstrecken,
ebenfalls problematisch ist, aber doch wenigstens einen charakterischen
Zug des Originals erhält. Eine solche Übersetzungsweise
erfordert natürlich gewisse Freiheiten in der Wortwahl, doch habe
ich versucht, zumindest die sprachlichen Bilder vollständig
beizubehalten.
c) Die sachlichen Anmerkungen wurden auf ein Minimum
beschränkt und finden sich am Ende des Textes. Die Namen
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derjenigen Personen, Sippen und Stämme, die in der
Umgebung des Propheten oder in der auf seinen Tod folgenden Entwicklung
eine bedeutende Rolle spielen, sowie einige biblische Gestalten werden
im alphabetischen Verzeichnis des Anhangs kurz erläutert. Dies
erleichtert es dem Leser, sich in der Fülle der Namen besser
zurechtzufinden. Die wichtigsten Orte und Siedlungsgebiete der
großen Stämme sind in einer Kartenskizze am Ende des Buches
festgehalten. Ebenfalls im Anhang werden in einer Zeittafel Hinweise
auf die Umrechnung der Daten und eine chronologische Übersicht
über die wichtigsten Ereignisse gegeben sowie in einer
bibliographischen Liste einige weiterführende Standardwerke und
andere bisherige Übersetzungen genannt.
Tübingen, im Frühjahr 1976 - Gernot Rotter
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Vorwort zur Neuauflage 1999 Top
Es gibt wohl keinen Autor oder Übersetzer, der sich
nicht freut, wenn ein Verleger ihm den Wunsch anträgt, ein
längst vergessenes Werk aus seiner Feder neu aufzulegen, und dies
auch noch in einem neuen strahlendem Gewand. Die von den Medien sehr
positiv aufgenommene Erstauflage von 1976 hat danach in
unveränderter Form drei weitere Auflagen erlebt, nämlich
1979, 1988 und 1991, davon die letzten beiden jeweils als Taschenbuch.
In den Jahren danach, als das Buch vom Markt verschwunden war, wurde
ich häufig vor allem von Deutschen oder in Deutschland
aufgewachsenen Muslimen, die des Arabischen nicht oder nicht mehr
ausreichend mächtig sind, um das Original zu lesen, gefragt, wann
denn endlich mit einer Neuauflage zu rechnen sei. Der Wunsch danach
erreichte gleichzeitig den muslimischen Verleger, Herrn Spohr. So
fanden der Verleger und der Übersetzer leicht zusammen, um eine
Neuauflage zu gestalten. Und der Verlag hat dann keine Mühen und
Kosten gescheut, um dem Werk Ibn Ishaqs ein seiner Bedeutung
entsprechendes Äußeres zu verleihen. So ist ein bibliophiles
Kleinod entstanden, für das ich Herrn Spohr außerordentlich
dankbar bin.
Hamburg, im Dezember 1998 – Ramadan 1419 – Gernot Rotter
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Das Vorwort des Verlages habe ich ausgelassen, da es sich
insbesondere mit der typographischen Schreibweise befasst.
1. Der Stammbaum Muhammads von Adam Top
Mohammed
ist der Sohn des Abdallah, des Sohnes des Abdalmuttalib, des Sohnes
des Hashim, des Sohnes des Abdmanaf, des Sohnes des Qusayy, des
Sohnes des Kilab, des Sohnes des Murra, des Sohnes des Kab, des
Sohnes des Luayy, des Sohnes des Ghalib, des Sohnes des Fihr, des
Sohnes des Malik, des Sohnes des Nadr, des Sohnes des Kinana, des
Sohnes des Khuzaima, des Sohnes des Mudrika, des Sohnes des Ilyas,
des Sohnes des Mudar, des Sohnes des Nizar, des Sohnes des Maadd, des
Sohnes des Adnan, des Sohnes des Udad, des Sohnes des Muqawwam, des
Sohnes des Nahur, des Sohnes des Tairah, des Sohnes des Yarub, des
Sohnes des Yashdjub, des Sohnes des Nabit, des Sohnes des Ismail, des
Sohnes des Ibrahim, des Sohnes des Tarih, des Sohnes des Nahur, des
Sohnes des Sarugh, des Sohnes des Rau, des Sohnes des Falikh, des
Sohnes des Aibar, des Sohnes des Shalikh, des Sohnes des Arfakhshadh,
des Sohnes des Sam, des Sohnes des Nuh, des Sohnes des Lamk, des
Sohnes des Matushalakh, des Sohnes des Akhnukh-man behauptet, dies
sei der Prophet Idris; er war der erste Mensch, dem die
Prophetenschaft und das Schreiben mit dem Schreibrohr zuteil wurde,
des Sohnes des Yard, des Sohnes des Mahlil, des Sohnes des Qainan,
des Sohnes des Yanish, des Sohnes des Shith, des Sohnes des Adam.
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2.Abdalmuttalibs Gelübde, seinen
Sohn zu opfern Top
Einst gelobte Abdalmuttalib, der Großvater Muhammeds:
„Wenn mir zehn Söhne geboren werden und aufwachsen, bis sie mich
schützen können, werde ich einen von ihnen Gott bei der Kaaba
opfern.“ [Die Kaaba ist das zentrale Heiligtum des Islam. Sie
befindet sich im Innenhof der großen al-Haram-Moschee in Mekka.]
Nachdem er zehn Söhne bekommen hatte, und wusste, sie
würden ihn schützen können, versammelte er sie und
erzählte ihnen von seinem Gelübde. Er bat sie, sein
Versprechen gegenüber Gott zu erfüllen. Sie stimmten ihm zu
und fragten: „Aber wie sollen wir dies tun?“
Jeder von euch erwiderte Abdalmuttalib „nehme einen Pfeil,
schreibe seinen Namen darauf und bringe ihn mir.“
Dies taten sie, und Abdalmuttalib trat mit ihnen vor den
Götzen Hubal in der Mitte der Kaaba, wo dessen Götzenbild an
einem Brunnen stand, in welchem man die Geschenke sammelte, die der
Kaaba dargebracht wurden. [Hubal war der Hauptgott bei den arabischen
Quraisch, dem herrschenden Stamm von Mekka.]
Bei Hubal lagen sieben Pfeile, die beschriftet waren. So
stand auf dem einen das Wort „Blutgeld“, und immer wenn man sich nach
einem Mord nicht darüber einig war, wer das Blutgeld zahlen
sollte, loste man mit den sieben Pfeilen, und derjenige, der diesen
Pfeil zog, musste das Blutgeld entrichten. Auf einem anderen Pfeil
stand „ja“ und auf einem dritten „nein“. Immer
wenn man eine Entscheidung herbeiführen wollte, suchte man sie in
den Lospfeilen, und je nachdem, ob der Pfeil mit „ja“ oder jener mit
„nein“ gezogen wurde, handelte man. Auf den übrigen Pfeilen
standen die Worte „er gehört zu euch“, „fremd im Stamme“, „er
gehört nicht zu euch“ und „Wasser“. Wollte man nach Wasser graben,
loste man mit den Pfeilen, darunter auch dem letztgenannten, und grub
an jenem Orte, für den der Pfeil entschied. Wollte man einen
Knaben beschneiden, eine Heirat durchführen, einen Toten
bestatten, oder hegte man Zweifel über die Abstammung eines
Mannes, zog man mit hundert Dirham [Währung in Arabien] und ei-
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nem Schlachtkamel zum
Götzen Hubal und gab es dem Priester, dem Herrn der Pfeile. Sodann
brachten sie denjenigen heran, um den es ging und sprachen: „O unser
Gott! Das ist der Soundso, der Sohn des Soundso, mit dem wir dies und
jenes tun wollen. Offenbare uns deshalb die Wahrheit über ihn!“
Dann baten sie den Herrn
der Pfeile, das Los zu werfen. Bei „er gehört zu euch“ galt er als
echtes Mitglied des Stammes, bei „er gehört nicht zu euch“ wurde
er als Bundesgenosse angesehen, und bei „fremd im Stamme“ hatte er
keinerlei Bindungen zu ihnen, weder von der Abstammung her noch durch
ein Stammesbündnis. Immer wenn das Los in anderen Fällen „ja“
erbrachte, handelten sie entsprechend und bei „nein“ schoben sie es um
ein Jahr auf und brachten es dann ein zweites mal vor. In allen ihren
Entscheidungen richteten sie sich nach den Lospfeilen.
Abdalmuttalib nun sprach
zum Herrn der Pfeile: „Wirf das Los über meine Söhne mit
diesen Pfeilen hier!“ Und er erzählte ihm von seinem Gelübde.
Dann gab ihm jeder seiner Söhne den Pfeil mit seinem Namen.
Abdallah, der Vater Muhammads, war des Abdalmuttalibs jüngster und
liebster Sohn, und Abdalmuttalib hoffte, das Los werde nicht auf ihn
fallen. Der Priester nahm die Pfeile. Abdalmuttalib aber stand beim
Götzen Hubal und betete zu Gott. Doch das Los fiel auf Abdallah,
und Abdalmuttalib nahm ihn an die Hand, ergriff das große Messer
und brachte ihn zu den Götzenbildern des Isaf und der Naila, um ihn dort zu opfern. [Die
Araber beteten in der vorislamischen Zeit die Götter Lat, Uzza, Hubal, Manat, Isaf und Naila an. Von den Moslems
wurden diese Götter herabwürdigend als Götzen
bezeichnet.] Da kamen die Quraish* aus ihren
Versammlungen und fragten ihn: „Was hast du vor, Abdalmuttalib?“ „Ich
will ihn opfern“, erwiderte dieser, doch die Quraish und seine eigenen
Söhne baten ihn flehend: „Bei Gott! Opfere nicht deinen Sohn,
nicht bevor du nicht ein Sühnegeld angeboten hast. Sonst werden
die Männer fortan immer ihre Söhne bringen und schlachten.
Was wird dann aus den Menschen werden?“ Und Mughira aus der Sippe
Makhzum, dessen Großmutter aus Abdalmuttalibs Familie stammte,
beschwor ihn: „Bei Gott! Opfere deinen Sohn nicht, bevor du nicht ein
Sühnegeld angeboten hast. Wir würden unser ganzes
Vermögen geben, um ihn loszukaufen.“
*[Die Quraish (auch
Quraisch, Quraysh oder Koreisch) sind ein arabischer Stamm, von dem der
Prophet Mohammed abstammt. Die Quraish führen ihre Abstammung auf
Abraham zurück. Während des frühen 6. Jahrhunderts
übernahmen die Quraish die Kontrolle über die Stadt Mekka und
die schon in vorislamischer Zeit als Heiligtum verehrte Kaaba. Sie
konnten sich vor allem als erfolgreiche Händler etablieren.]
27
Und die Quraish und seine
Söhne forderten ihn auf: „Tue es nicht! Sondern ziehe mit ihm nach
Medina. Dort lebt eine Seherin, die einen Geist besitzt. Frage sie und
handle entsprechend. Befiehlt sie dir, ihn zu opfern, so tue es.
Entscheidet sie aber auf einen glücklichen Ausgang für dich
und für ihn, so nimm es an.“
Da machten sie sich auf
den Weg nach Medina, wo man ihnen sagte, die Seherin sei in Kheibar.
Sie ritten weiter, bis sie bei ihr anlangten und befragten sie.
Abdalmuttalib erzählte ihr von sich und seinem Sohn, was er mit
ihm tun wollte und was er gelobt hatte. „Laß mich für heute
allein“, bat sie sie, „damit mein Geist zu mir kommen und ich ihn
befragen kann.“ Sie entfernte sich und Abdalmuttalib betete wieder zu
Gott. Als sie am nächsten Tag zu ihr zurückkehrten, sprach
sie: „Ich habe die Botschaft empfangen. Wie hoch ist das Blutgeld bei
euch?“ „Zehn Kamele“, antworteten sie wahrheitsgemäß, und
die Seherin fuhr fort: „So kehrt in euer Land zurück. Nehmt dort
euren Gefährten [Abdallah] und zehn Kamele und lasst die Lospfeile
über sie und ihn entscheiden. Fällt das Los gegen ihn aus, so
vermehrt die Zahl der Kamele, bis euer Herr zufrieden ist. Entscheidet
das Los gegen die Kamele, so opfert sie an seiner statt. Euer Herr ist
dann zufrieden und euer Gefährte gerettet.“
Sie verließen die
Seherin und kehrten nach Mekka zurück. Nachdem sich alle darauf
geeinigt hatten, brachten sie Abdallah und zehn Kamele, während
Abdalmuttalib beim Bilde Hubals stand und zum erhabenen Gott betete.
Die Pfeile wurden geworfen und das Los entschied gegen Abdallah. Da
brachten sie zehn weitere Kamele und Abdalmuttalib betete wieder zu
Gott, doch das Los entschied erneut gegen Abdallah. So verfuhren sie
weiter und das Los entschied immer gegen Abdallah, bis hundert Kamele
erreicht waren. Erst dann fiel das Los auf die Kamele, und die Quraish
und alle anderen riefen: „Nun ist dein Herr zufrieden, Abdalmuttalib!“
Doch Abdalmuttalib, so wird behauptet, entgegnete: „Nein, bei Gott,
erst wenn ich das Los noch dreimal habe entscheiden lassen.“
28
So warfen sie erneut die
Pfeile über Abdallah und die Kamele, während Abdalmuttalib zu
Gott betete. Und dreimal entschied das Los gegen die Kamele. Da wurden
diese geschlachtet und niemand daran gehindert, von ihrem Fleisch zu
essen.
3. Eine Frau bietet sich Abdallah an Top
Als
Abdalmuttalib danach seinen Sohn Abdallah bei der Hand nahm und mit ihm
wegging, trafen sie bei der Kaaba die Schwester des Waraqa ibn Naufal.
Diese blickte Abdallah ins Antlitz und fragte ihn: „Wohin gehst du
Abdallah?“ „Mit meinem Vater.“ „Du erhälst so viele Kamele, wie
für dich geschlachtet wurden, wenn du mir sogleich beiwohnst.“
„Mein Vater ist bei mir und ich kann ihm nicht zuwider handeln, noch
mich von ihm trennen.“
Abdalmuttalib
setzte seinen Weg mit Abdallah fort und brachte ihn zu Wahb ibn
Abdmanaf, der damals an Abstammung und Adel der Führer der Sippe
Zuhra vom Stamme Quraish war. Dieser gab Abdallah seine Tochter Amina
zur Frau, die damals unter den Quraish die edelste war. Sogleich
vollzog Abdallah mit ihr die Ehe und sie empfing den Gesandten Gottes.
Als Abdallah sie darauf verließ und zu der Frau ging, die sich
ihm zuvor angeboten hatte, fragte er sie: „Was ist mit dir, dass du mir
heute nicht mehr anbietest, was du mir gestern angeboten hast?“ „Das
Licht“, sprach sie, „dass dich gestern begleitet hat, hat dich
verlassen. Ich brauche dich deshalb nicht mehr.“
[So
etwas würde ich als nachträgliche Glorifizierung Mohammeds,
bzw. seines Vaters Abdallah, bezeichnen. Da glaubt man zu wissen, dass
Amina, die Frau Abdallahs, den Gesandten Gottes empfangen hat und die
Schwester des Waraqa ibn Naufal will bei Abdallah ein Licht gesehen
haben. Mir erscheint es ohnehin als sehr unwahrscheinlich, dass zu
jener Zeit eine Frau auf offener Straße und dazu noch im Beisein
des Vaters überhaupt den Mut gehabt hätte, die Frage zu
stellen, ob ein Mann ihr beiwohnt. Aber man möchte den
gläubigen Moslems offenbar den Eindruck vermitteln, dass von
Abdallah ein Licht ausgegangen sei.]
Von
ihrem Bruder Waraqa, der Christ geworden war und die Schriften las,
hatte sie nämlich gehört, dass in diesem Volke ein Prophet
erscheinen werde. So aber war der Gesandte Gottes der Edelste und
Vornehmste seines Volkes, sowohl von seines Vaters wie von seiner
Mutter Seite.
29
4. Die Worte, die Amina in der
Schwangerschaft hörte Top
Die Menschen erzählen, dass zu Amina, als sie den
Propheten unter dem Herzen trug, eine Stimme kam, die zu ihr sprach:
„Du hast empfangen den Herrn dieses Volkes, und wenn er geboren wird,
so sprich: „Ich gebe ihn in die Obhut des Einzigen vor dem Übel
eines jeden Neiders. Und nenne ihn Muhammad, den Gepriesenen!“
[Die Menschen erzählen viel. Muss man es deswegen
glauben?]
Auch Amina sah in der Schwangerschaft, wie ein Licht von ihr
ausging, indem sie die Schlösser von Busra in Syrien erblickte.
Nur kurz nachdem Amina den Propheten empfangen hatte, starb Abdallah,
der Vater Muhammads.
Da Ibn Ishaq sich immer wieder auf die islamischen
Zeitrechnung bezieht, möchte ich hier einmal die islamische
Bezeichnung der 12 Monatsnamen wiedergeben:
01. Monat - Muharram
02. Monat - Safar
03. Monat - Rabi al-awwal
04. Monat - Rabi ath-thani
05. Monat - Dschumada l-ula
06. Monat - Dschumada th-thaniyya
07. Monat - Radschab
08. Monat - Schaban
09. Monat - Ramadan
10. Monat - Schawwal
11. Monat - Dhu l-qada
12. Monat - Dhu l.hiddscha
5. Die Geburt des Propheten und seine
Amme [570] Top
Der Prophet wurde am Montag dem 17. des Monats Rabi I. im
Jahr des Elefanten2 geboren. 2[Tilman
Nagel nennt auf Seite
99 März 569 n.Chr. als Geburtsdatum Mohammeds] Nach der
Geburt sandte Amina einen Boten zu seinem Großvater Abdalmuttalib
und ließ ihm sagen: „Ein Knabe wurde dir geboren. Komm und sieh
ihn dir an.“ Abdalmuttalib kam und betrachtete ihn. Amina aber
erzählte ihm, was sie in der Schwangerschaft gesehen und
gehört und welchen Namen ihn zu geben man sie geheißen
hatte. Da nahm Abdalmuttalib den Knaben, brachte ihn in die Kaaba und
betete zu Gott, um ihm für seine Gabe zu danken. Und nachdem er
ihn zu seiner Mutter zurückgebracht hatte, suchte er eine Amme
für ihn und wählte dafür schließlich eine Frau vom
Stamme „Sad ibn Bakr“, namens Halima, Tochter des Abu Dhuaib.
30
[Der arabische Nomadenstamm „Sad ibn Bakr“, in dem Mohammed
etwas mehr als zwei Jahre lang von einer Amme aufgezogen wurde, ist ein
Unterstamm der Hawazin. Der Stamm der Hawazin kämpfte am 31.
Januar 630 (siehe Tilman Nagel Seite
425) zusammen mit dem arabischen Stamm der Thaqif aus Taif bei
Hunain gegen Mohammed, wobei Mohammed die Schlacht gewann. Wir kommen
später darauf zurück.]
[Tilman
Nagel schreibt auf Seite
327 über das Verhältnis von Abdallah zu Amina:
„Daneben gab es im alten Arabien eine Form legaler Beziehungen zwischen
Mann und Frau, die man als gekauften Geschlechtsverkehr bezeichnen
kann. Wir lernten sie kennen, als Abdalmuttalib seinen Sohn Abdallah
mit Amina bt. Wahb zusammenbrachte. Das Entgelt, das die Frau erhielt
scheint ihr Eigentum gewesen zu sein. Sie selber verblieb in der
Sippengemeinschaft, in die hinein sie geboren war. Und wenn man sich
die spärlichen Nachrichten über die Kindheit Mohammeds in
Erinnerung ruft, muss auch die Erziehung des aus einer solchen
Verbindung hervorgegangenen Sohnes der Mutter oblegen haben.
Als
Säugling jedoch war Mohammed einer Amme von den Banu Bakr
übergeben worden, zu der er noch als Erwachsener eine tiefe
Zuneigung hegte. Möglicherweise war es üblich, Söhne aus
solch einer uxorilokalen Verbindung (der Ehemann siedelt zum Wohnsitz
der Ehefrau) durch Ammen aufziehen zu lassen, wenn deren spätere
Eingliederung in die Sippe des Vaters verabredet worden war. Ein
solcher Brauch würde die in der Überlieferung über die
frühe Kindheit Mohammeds vorausgesetzte Erwerbsmässigkeit
des Stillens fremder Kinder erklären, vielleicht auch die hohe
Wertschätzung der Milchbruderschaft, die als eine durch die Sippe
des Erzeugers gelenkte Stiftung einer Bindung aufzufassen wäre,
durch die die Erinnerung an die leibliche Mutter überdeckt werden
sollte. Dies aber bleibt alles eine Vermutung, solange eine
gründliche Auswertung der reichen Quellen zum vor- und
frühislamischen Arabien noch aussteht. (Mohammed wurde
zusätzlich zum Kind der Amme Halima gestillt, dieser war also sein
„Milchbruder“)]
Djahm, der Freigelassene des Harith
vom Stamme Djumah, berichtete mir die folgende Geschichte, die ihm
Abdallah ibn Djafar ibn abi Talib erzählt hatte, der sie von
Halima selbst gehört hatte.
Halima, die Amme des Propheten, erzählte, wie sie und
andere Frauen des Stammes mit ihrem Mann und einem kleinen Sohn im
Säuglingsalter ihre Heimat verließen, um sich als Ammen
fremde Säuglinge zu suchen. Es war damals, so erzählte sie,
ein Jahr der Dürre, das uns nichts mehr zum Leben ließ. Auf
einer mondfarbenen Eselin brach ich auf. Bei uns hatten wir eine alte
Kamelin, die keinen Tropfen Milch mehr gab. Des Nachts konnten wir
nicht schlafen, weil unser Kind, dass wir dabei hatten, vor Hunger
weinte. Meine Brust war leer und auch der Euter der Kamelin. Doch wir
hofften dass Regen kommen und unsere Reise ein glückliches Ende
nehmen würde. Ich ritt auf meiner Eselin; sie war so schwach und
abgemagert, dass ich den Zug der Karawane verzögerte und den
anderen zur Last fiel. Endlich erreichten wir Mekka und suchten nach
Säuglingen. Auch Muhammad wurde einer jeden von uns angeboten,
doch lehnten wir alle ab, als wir erfuhren, dass er ein Waisenkind war.
Wollten wir doch den Lohn vom Vater und sprachen deshalb: „Ein Waise!
Was können seine Mutter und sein Großvater uns schon geben!“
[Mohammeds Vater Abdallah starb bereits einige Wochen vor Mohammeds
Geburt.]
Schliesslich hatten alle Frauen, die mit mir gekommen waren,
einen Säugling, nur ich nicht. Als wir uns zum Aufbruch sammelten,
bat ich deshalb meinen Mann: „Bei Gott, ohne einen Säugling kehre
ich mit meinen Gefährtinnen nicht zurück! Lass mich deshalb
jenes Waisenkind holen und es mitnehmen!“ „Ich habe nichts
einzuwenden,“ entgegnete er, „vielleicht wird Gott uns dafür
segnen.“
So holte ich Muhammad allein aus dem Grunde, weil ich kein
anderes Kind gefunden hatte. Nachdem ich mit ihm zu unserem Gepäck
zurückgekehrt war, setze ich ihn auf meinen Schoß und, siehe
da, meine Brüste gaben so viel Milch, wie er nur wollte.
[Mohammeds Einfluss wird hier und auf den folgenden Seiten wieder etwas
ausgeschmückt.] Er und auch mein eigener Sohn tranken, bis sie
gestillt waren und einschliefen. Dabei hatten wir vorher mit unserem
Kind nie Schlaf gefunden. Und als mein Mann zu jener alten Kamelin
ging, da
31
war auch sie voll mit Milch. Er molk, soviel wir beide
trinken konnten, bis wir vollständig gesättigt waren und eine
gute Nacht verbrachten. Als wir des Morgens erwachten, sagte mein Mann:
„Wisse Halima! Du hast, bei Gott, einen gesegneten Menschen an dich
genommen.“
„Bei Gott, ich hoffe es,“ antwortete ich ihm. Wir brachen auf.
Ich ritt auf meiner Eselstute und trug Muhammad bei mir. Und, bei Gott,
mein Reittier lief nun so schnell, dass meine Begleiter mit ihren Eseln
nicht mehr mithalten konnten und meine Gefährtinnen mir zuriefen:
„Tochter des Abu Dhuaib, nimm doch Rücksicht auf uns! Ist das denn
nicht dieselbe Eselin, mit der du von zu Hause aufgebrochen bist?“
„Doch, bei Gott, sie ist es!“, erwiderte ich. Sie aber wunderten sich
und sprachen über mich: „Wahrlich, Großes wird mit ihr
geschehen.“
Dann erreichten wir unsere Lagerplätze im Gebiet unseres
Stammes Sad. Ich kenne, bei Gott, kein unfruchtbareres Land als dieses,
doch als wir nun mit Muhammad ankamen, kehrten meine Ziegen und Schafe
am Abend fett und voll mit Milch von der Weide zurück. Indes,
während wir molken und tranken, fanden die anderen in den Eutern
ihrer Tiere keinen Tropfen. Und auch, als sie ihren Hirten befahlen,
dorthin zu ziehen, wo mein Hirte das Vieh hatte weiden lassen, kamen
ihre Herden hungrig zurück und gaben keinen Tropfen Milch,
während die meinen fett und milchreich waren.
Zwei Jahre lang erfuhren wir Gottes Gnade, bis ich Muhammad
entwöhnte. Er wuchs heran wie kein anderer Junge und war bereits
ein kräftiges Kind. Als wir ihn einmal zu seiner Mutter brachten,
fürchtete ich nach all dem Segen, den wir durch ihn erfahren
hatten, dass sie ihn nicht mehr bei uns lassen würde und bat sie
deshalb: „O lasse ihn doch bei mir, bis er größer ist, denn
ich habe Angst um ihn wegen der Pest in Mekka.“ Wir drangen so lange in
sie, bis sie ihn mir wieder mitgab.
Einige Monate nach der Rückkehr hütete er eines
Tages zusammen mit seinem Milchbruder hinter unseren Zelten die Schafe,
als unser Sohn plötzlich herangelaufen kam und rief:
32
„Dieser mein Bruder vom Stamme Quraish – zwei Männer in
weißen Gewändern haben ihn gepackt, zu Boden geworfen, ihm
den Leib geöffnet und sein Herz geschüttelt.“
Sofort liefen mein Mann und ich zu ihm hin, und fanden ihn,
wie er mit bleichem Gesicht dastand. Wir fassten ihn an und fragten:
„Was ist mit dir geschehen?“ „Zwei Männer mit weißen
Gewändern,“ begann er zu erzählen, „kamen zu mir, warfen mich
nieder, öffneten meinen Leib und suchten irgendetwas darin.“
Wir brachten ihn zum Zelt zurück, aber mein Mann sprach
zu mir: „Halima, ich fürchte, ein Geist ist in den Knaben
gefahren. Gib ihn seiner Mutter zurück, bevor er sich offen an ihm
zeigt!“ So brachten wir ihn zu seiner Mutter, die erstaunt fragte: „Was
führt dich mit ihm her, Amme? Du wolltest doch unbedingt, dass er
bei dir bleibt.“ „Gott“, so begann ich, „hat meinen Sohn soweit
gedeihen lassen, und ich habe meine Pflicht getan. Nun fürchte
ich, es könnte ihm etwas geschehen, und bringe ihn dir deshalb
zurück, wie du es wünschest.“ „Was hast Du? Sag mir die
Wahrheit! Was ist geschehen?“ Und sie bat mich solange, bis ich ihr
alles erzählte. Dann fragte sie mich: „Hast du Angst um ihn, vor
dem bösen Geist?“ „Ja“, gestand ich, doch sie fuhr fort: „Nein,
bei Gott, der böse Geist kann ihm nichts tun. Großes wird
mit ihm geschehen. Soll ich dir von ihm erzählen?“
Und als ich sie darum bat, schilderte sie mir, wie sie in der
Schwangerschaft ein Licht gesehen hatte, dass sie noch nie eine
leichtere Schwangerschaft als die mit ihm gesehen hatte und dass er bei
der Geburt die Hände auf den Boden und den Kopf gen Himmel
gerichtet habe. [Gebetshaltung?] Mich aber schickte sie weg, indem sie
sprach: „So lasse ihn denn hier und gehe in Frieden!“
Von einem gelehrten Mann, ich glaube,
es kann nur Khalid ibn Madan gewesen sein, hat mit Thaur ibn Yazid
folgendes erzählt:
Den Propheten baten einmal einige seiner Genossen, ihnen von
sich selbst zu erzählen. Er kam ihrer Bitte nach und sprach:
33
„Ich bin das Gebet meines Vaters Abraham und die frohe
Botschaft meines Bruders Jesus. Meine Mutter sah, als sie mit mir
schwanger war, ein Licht von sich ausgehen, dass ihr die Schlösser
Syriens erleuchtete. Gestillt wurde ich im Stamme der Banu Sad ibn
Bakr. Und als ich eines Tages mit meinem Milchbruder hinter unseren
Zelten die Schafe hütete, kamen zu mir zwei Männer in
weißen Gewändern mit einem goldenen Becken, gefüllt mit
Schnee. Sie packten mich, öffneten mir den Leib, nahmen mein Herz
heraus, spalteten es, entnahmen einen schwarzen Blutklumpen und warfen
ihn weg. Dann wuschen sie mein Herz und meinen Leib, bis sie sie
gereinigt hatten.“
Schließlich sprach der eine zum anderen: „Wiege ihn
gegen zehn aus seinem Volke auf!“ Er tat es und ich [Mohammed] wog sie
auf. Und weiter sprach er: „Wiege ihn gegen hundert aus seinem
Volke!“Er tat es und ich wog sie auf. „Wiege ihn gegen tausend aus
seinem Volke!“ fuhr er fort, und wieder wog er mich, und ich wog sie
auf. Dann erst sprach er: „Lass ab von ihm, bei Gott, auch wenn du ihn
gegen sein ganzes Volk wiegst, wird er es aufwiegen.“
6.
Amina stirbt und der Prophet lebt bei seinem Großvater
Abdalmuttalib [576] Top
Der Gesandte Gottes lebte bei seiner Mutter und seinem
Großvater Abdalmuttalib unter dem Schutze und der Obhut Gottes,
der ihn für die Ehre, die er ihm angedeihen lassen wollte, wie
eine schöne Pflanze heranwachsen ließ. Als der Prophet sechs
Jahre alt war, starb aber seine Mutter Amina, die Tochter des Wahb.
Muhammad blieb bei seinem Großvater Abdalmuttalib. Diesem hatte
man im Schatten der Kaaba eine Liegestatt aufgestellt, um welche seine
Söhne herumsaßen und warteten, bis er jeweils aus der Kaaba
herauskam. Aus Ehrfurcht vor ihm wagte es keiner, sich daraufzusetzen.
Nur der Gesandte Gottes kam oft
34
und nahm Platz darauf, obwohl er noch ein Knabe war. Stets
versuchten zwar seine Onkel, ihn davon fern zu halten, aber immer wenn
Abdalmuttalib dies sah, sprach er: „Laßt meinen Jungen! Bei Gott,
Großes wird mit ihm geschehen.“ Dann pflegte er ihn zu sich auf
das Bett zu setzen und ihm den Rücken zu streicheln. Alles, was er
ihn tun sah, erfreute ihn.
Als der Prophet acht Jahre alt war, starb aber auch
Abdalmuttalib ibn Hashim und sein Sohn Abbas übernahm den Dienst
am Zamzam-Brunnen3 und das Austeilen des Wassers, obwohl er
der jüngste seiner Söhne war. Später bestätigte ihn
der Prophet in diesem Amt, welches deshalb bis heute in den Händen
der Nachkommen des Abbas liegt.
3Der Zamzam-Brunnen liegt nördlich der Kaaba
und wurde nach der islamischen Legende von [Erzengel] Gabriel
geöffnet, um Hagar3.1 und Ismail3.2 vor dem
Verdursten zu retten. Er soll eine Zeitlang zugeschüttet gewesen
und vom Großvater des Propheten, Abdalmuttalib, wieder
ausgegraben worden sein. Die Verteilung des heiligen und heilsamen
Wassers an die Pilger war eines der Ämter, die mit der Kaaba
verbunden waren.
3.1[Hagar ist eine ägyptische Sklavin aus dem
alten Testament. Da das Paar Abraham und Sara kinderlos zu bleiben
scheint, wohnt Abraham auf Bitten seiner Frau der ägyptischen
Sklavin Hagar bei.]
3.2[Ismail ist im Islam der erste Sohn Abrahams
(in der Bibel Ismael) und ein Prophet des Islam]
7.
Abu Talib sorgt für den Propheten [578] Top
Nach dem Tode seines Großvaters Abdalmuttalib, lebte
Muhammad bei seinem Onkel Abu Talib, dessen Fürsorge ihn
Abdalmuttalib empfohlen hatte, da Abdallah, der Vater des Propheten und
Abu Talib sowohl von ihres Vaters, wie von ihrer Mutter Seite,
Brüder waren. So sorgte fortan Abu Talib für den Propheten,
der ihn ganz bei sich aufnahm.
Yahya ibn Abbad erzählte mir die
folgende Geschichte, die er von seinem Vater gehört hatte:
Im Stamme Libh lebte ein Seher. Immer wenn er nach Mekka kam,
brachten die Männer von Quraish ihre Söhne zu ihm, damit er
sie sich betrachtete und für sie in die Zukunft sehe. Zusammen mit
den anderen ging eines Tages auch Abu Talib mit Muhammad zu dem Seher.
Dieser betrachtete ihn, wurde dabei aber durch irgend etwas abgelenkt.
Als er sich ihm wieder zuwenden wollte, sah er ihn nicht mehr und rief:
„Wo ist der Junge? Bringt ihn her!“ Abu Talib hatte des Sehers
besondere Aufmerksamkeit für Muhammad bemerkt und ihn deshalb vor
ihm verborgen. Der Seher rief:
35
„Wehe euch, bringt mir den Jungen zurück, den ich gerade
gesehen habe! Bei Gott, Großes wird mit ihm geschehen!“ Abu Talib
aber brachte Muhammad weg.
8.
Der Mönch Bahira Top
Abu Talib zog eines Tages als Händler mit einer Karawane
nach Syrien. Nachdem er die Vorbereitungen beendet und sich für
die Reise entschieden hatte, wurde er vom Propheten leidenschaftlich
bedrängt, so dass er Mitleid mit ihm empfand und sagte: „Bei Gott,
ich will ihn mitnehmen und wir wollen uns niemals trennen.“
So machte er sich mit ihm auf die Reise. In Busra, in Syrien,
wo die Karawane anlangte, lebte ein Mönch namens Bahira in seiner
Klause. Er kannte die Bücher der Christen. Schon immer hatten in
jener Klause Mönche gelebt, die ihr Wissen aus einem Buch
schöpften, dass sie, so wird behauptet, einer zum anderen
weitervererbten. Die Mekkaner waren früher schon oft bei diesem
Mönch vorbeigekommen, doch hatte er nie mit ihnen gesprochen, noch
sich irgendwie um sie gekümmert. Als sie aber in diesem Jahr in
der Nähe seiner Klause lagerten, bereitete er ihnen ein
großes Mahl. Er hatte nämlich in seiner Zelle gesehen, dass
eine Wolke den Propheten in der sich nähernden Karawane
beschattete. Und nachdem diese dann herangekommen war [die Karawane]
und sich in der Nähe unter einem Baum gelagert hatte, bemerkte er,
wie die Wolke Schatten über den Baum breitete und dessen Zweige
sich so über Mohammed bogen, dass er darunter Kühlung fand.
Als Bahira dies sah, kam er aus seiner Klause und ließ ihnen
sagen: „Ich habe euch ein Mahl bereitet, Männer von Quraish. Ich
möchte, dass ihr alle kommt, jung und alt, Sklave und freier Mann.“
„Bei Gott, Bahira. Bedeutsames ist heute an dir“, erwiderte
einer von ihnen und fuhr fort: „Noch nie hast du dies für uns
getan, und wir sind schon oft bei dir vorbeigekommen. Was ist
36
heute mit dir.“ „Du hast recht. Es ist, wie du sagst. Aber
ihr seid Gäste und ich möchte euch mit einem Mahl ehren, an
dem ihr alle teilhaben sollt.“ Da kamen sie alle zu ihm. Nur Muhammad
blieb wegen seines jungen Alters beim Gepäck unter dem Baum
zurück. Als nun Bahira sich unter seinen Gästen umsah,
erblickte er nicht das Zeichen, dass er aus dem Buche kannte. Deshalb
sprach er: „Nicht ein einziger von euch, Männer von Quraish, soll
meinem Mahle fern bleiben!“
„Bahira“, antworteten sie ihm, „keiner, dem es gebühre zu
dir zu kommen, ist zurückgeblieben. Nur einen Knaben, den
jüngsten von uns, haben wir bei unserem Gepäck gelassen.“
„Tut dies nicht“; bat er uns, „ruft ihn, damit er mit euch am Mahle
teilnimmt!“ Und ein Mann von den Quraish pflichtete ihm bei: „Bei den
Göttinnen Lat und Uzza, wir haben Tadel verdient, dass wir den
Sohn Abdallahs, des Sohnes des Abdalmuttalib, zurückgelassen
haben.“
Und er ging zu Mahammad, trug ihn in seinen Armen herbei und
ließ ihn unter seinen Gefährten sitzen. Als Bahira ihn sah,
begann er ihn eindringlich zu beobachten und die Merkmale an seinem
Körper zu betrachten, von denen er aus seinem Buche wußte,
dass sie ihn kennzeichneten. Nachdem seine Gäste das Mahl beendet
hatten und weggingen, trat Bahira zu Muhammad und flehte ihn an: „O
Knabe, ich bitte dich bei Lat und Uzza, beantworte mir, was ich dich
frage.“ Die beiden Göttinnen rief er vor Muhammad nur deswegen an,
weil er zuvor seine Begleiter bei ihnen hatte schwören hören.
Der Prophet erwiderte: „Bitte mich nicht bei Lat und Uzza, denn nichts
hasse ich mehr als diese beiden!3.3“
3.3[Ich halte die Aussage Mohammeds, dass er die
Götter Lat und Uzza hasst, zu diesem Zeitpunkt für sehr
unwahrscheinlich. Schließlich war er noch ein Knabe, wie die
Biographie schreibt. Seine „Offenbarungen“ aber empfing er erst mit
etwa 40 Jahren. Es erscheint mir sehr unwahrscheinlich, dass er bereits
zu diesem Zeitpunkt an den Monotheismus glaubte und die Götter Lat
und Uzza hasste. Wahrscheinlich ist die Aussage Mohammeds über die
Götter Lat und Uzza genau so unwahrscheinlich, wie die Geschichte
mit der Wolke, die in der Wüste über Mohammed schwebte und
ihm Schatten spendete. Wahrscheinlich gab es auch den Mönchen
Bahira gar nicht. Ich wüßte auch nicht, wo in der Bibel
irgendwelche Körpermerkmale von irgendwelchen „Propheten“
beschrieben werden. Wahrscheinlich sollen die Aussagen der
Prophetenbiographie beweisen, dass der Prophet Mohammed bereits in der
Bibel angekündigt wurde, was aber nicht der Wahrheit
entspricht. Ich werde später noch darauf eingehen.]
„So bitte ich dich denn bei Gott“, sprach Bahira, „mir meine
Fragen zu beantworten!“ Muhammad willigte ein, und der Mönch
begann, sich nach seinen Träumen, seinem Körper und anderem
zu erkundigen. Muhammad erzählte ihm alles. Alles stimmte mit den
Merkmalen überein, die Bhira aus seinem Buche kannte.
Schließlich betrach-
37
tete er auch seinen Rücken und sah an der bestimmten
Stelle zwischen seinen Schultern das Siegel der Prophetenschaft.
Nachdem er dies alles erfahren hatte, brachte er Muhammad zu seinem
Onkel Abu Talib zurück und fragte ihn: „Wie steht dieser Junge zu
dir?“ „Er ist mein Sohn.“ „Dies kann nicht sein, denn sein Vater sollte
nicht mehr leben.“ „Ja, es ist der Sohn meines Bruders.“ „Und was ist
mit deinem Bruder geschehen?“ „Er ist gestorben, als seine Frau mit dem
Jungen schwanger war.“
„Nun hast du die Wahrheit gesprochen. Bringe deinen Neffen
zurück in seine Heimat und nehme ihn in acht vor den Juden, denn
wenn sie an ihm sehen und erkennen werden, was ich an ihm bemerkt habe,
werden sie ihm Schlimmes antun. [Bereits hier beginnen die ersten
antisemitischen Anklänge.] Überaus Großes wird mit
deinem Neffen geschehen. So bringe ihn nun schnell zurück!“
Nachdem Abu Talib in Syrien seine Handelsgeschäfte
beendet hatte, zog er deshalb eilends mit Muhammad zurück nach
Mekka. Und Muhammad wuchs heran, wobei Gott ihn behütete und
beschützte und ihn vor der Unreinheit des Heidentums3.4
bewahrte, da er ihn ehren und mit der Prophetenschaft auszeichnen
wollte, bis er das Mannesalter erreichte und in seinem Volke der
Tugendhafteste war, der Beste und Edelste, der Hilfsbereiteste und
Sanftmütigste, der Aufrichtigste und Treueste und am weitesten
entfernt von Zuchtlosigkeit und schlechtem Charakter. Bald nannte man
ihn wegen all der guten Eigenschaften, die Gott in ihm vereinigt hatte,
nur noch Amin, den Treuen.
3.4[Hier nun auch die ersten
negativen Äußerungen gegenüber den Heiden, (den
Götzenanbetern). Man spricht von der „Unreinheit des Heidentums“.
Liest man die Eigenschaften mit denen Mohammed charakterisiert wird
(tugendhaft, edel, hilfsbereit, sanftmütig, aufrichtig, treu, frei
von Zuchtlosigkeit und schlechtem Charakter) dann ist dies genau das
Bild, welches die meisten Moslems von Mohammed haben. Leider stimmt
dieses Bild nicht mit der Realität überein. Das werden wir
auch hier in der Biographie Mohammeds noch zu lesen bekommen. Bis zu
seiner Auswanderung aus Mekka mag Mohammed durchaus einen edlen
Charakter
gehabt haben. Dies änderte sich allerdings mit dem Auszug aus
Mekka. Er war keineswegs mehr der Sanftmütigste. Vielmehr war er
eher der Gnadenlose, der seinen Zorn gegen jeden richtete, der nicht
seiner Meinung war. So schreibt Gerhard Konzelmann in seiner
Mohammed-Biographie auf Seite 126: „Wen Mohammed hasste, den verfolgte
er mit äußerster Hartnäckigkeit.“
Dass Mohammed nicht unbedingt der Zuchtloseste war, erkennt
man wohl daran, dass er nach dem Tod seiner ersten Frau Kjadidja
mindestens 9 weitere Ehefrauen hatte (siehe: Familie
Mohammeds) und mit großer Sicherheit noch etliche Sklavinnen,
mit denen der Geschlechtsverkehr, laut der Koransure 23,1-6, ebenfalls
erlaubt war. In Tilman Nagels Mohammed-Biographie lesen wir auf Seite
331: „Unbeschränkt dürfen hingegen die Sklavinnen zum
Beischlaf benutzt werden.“
Mohammeds jüngst Frau war Aischa. Er heiratete sie mit 6
Jahren und vollzog mit ihr zum ersten Mal die Ehe (hatte mit ihr
Geschlechtsverkehr) als sie 9 Jahre als war. Hierzu sagt der islamische
Gelehrte Sahih
Bukhari (810-870) in Hadith 60,25
(Die Heirat): „Aischa, Allahs Wohlgefallen auf ihr, berichtete, dass
der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, seine Eheschließung
mit ihr vornahm, als sie sechs Jahre alt war, und mit ihr die ehelichen
Beziehungen erst unterhielt, als sie neun Jahre alt war, und dass die
Ehe mit ihm insgesamt neun Jahre dauerte (bis er starb).“ Mohammed war
zu dieser Zeit 53 Jahre alt (siehe: Tilman Nagel: Seite 328. Das erinnert mich doch sehr stark an
das Foto
des Jahres von 2007 von Unicef, obwohl der Mann auf dem Foto 40
Jahre alt ist und das Mädchen 11 Jahre.]
9.
Muhammad heiratet Khadidja [595] Top
Im Alter von 25 Jahren heiratete der Prophet Khadidja, die
Tochter des Khuwailid ibn Asad ibn Abdaluzza. Sie war eine
Geschäftsfrau von Adel und Reichtum und dingte Männer, die
für eine gewisse Profitbeteiligung mit ihren Waren Han-
38
del trieben. Die Quraish waren ja ein Handelsvolk. Als sie
von Muhammads Ehrlichkeit, seiner Zuverlässigkeit und seinem edlen
Charakter hörte, schickte sie nach ihm und unterbreitete ihm den
Vorschlag, als Händler ihre Waren nach Syrien zu bringen. Sie bot
ihm dafür mehr als jeden anderen und stellte ihm noch einen ihrer
Sklaven namens Maisara zur Verfügung. Der Prophet nahm an und
zusammen mit Maisara und den Waren machte er sich auf den Weg nach
Syrien. Als er sich dort im Schatten eines Baumes in der Nähe der
Klause eines Mönches niederließ, wandte sich dieser an
Maisara und fragte ihn: „Wer ist jener Mann, der sich unter den Baum
gesetzt hat?“ „Er gehört zum Stamme Quraish, zu den Hütern
des Heiligtums“, antwortete Maisara. „Nur Propheten“, erklärte
darauf der Mönch, „haben unter diesem Baum gesessen.“
Muhammad verkaufte dann seine Waren, die er mitgebracht
hatte, kaufte selbst wieder, was er wollte und machte sich
schließlich mit Maisara auf den Rückweg nach Mekka. Dieser,
so erzählte man, sah eines Tages zur Zeit der größten
Mittagshitze unterwegs zwei Engel, die Muhammed, während er auf
einem Kamel dahinritt, Schatten spendeten vor der Sonnenglut. [Da
stellt man sich schon die Frage, ob Maisara die Mittagshitze nicht gut
bekommen ist.] Nachdem Mohammed die Waren zu Khadidja gebracht hatte,
verkaufte sie diese und erzielte fast den doppelten Gewinn. Maisara
aber erzählte ihr von den Worten des Mönches und von den
beiden Engeln, die er gesehen hatte, wie sie Muhammad Schatten
spendeten. Nun war Khadidja eine entschlossene, edle und kluge Frau,
mit allen Eigenschaften, mit denen Gott sie hatte auszeichnen wollen.
Auf Maisaras Worte schickte sie nach Muhammad und soll dann zu ihm
gesagt haben:
„Sohn meines Oheims [Onkels], ich liebe
dich aufgrund unserer gegenseitigen Verwandschaft, deines hohen
Ansehens in deiner Familie, deiner Redlichkeit, deines guten Charakters
und deiner Ehrlichkeit.“ Dann bot sie ihm selbst die Ehre an [ihn zu
heiraten]. Sie war damals unter den quraishen Frauen die edelste an
Abstammung, die vornehmste und reichste, und jeder aus ihrer Sippe war,
wenn nur irgend möglich, auf ihr Vermögen aus. Muhammad
berichtete seinen Onkeln von Khadijas Vorschlag, worauf sich sein Oheim
Hamza ibn Abdalmuttalib zu Khadijas Vater, Khu-
39
wailid ibn Assad, begab und bei ihm für Muhammad um die
Hand Khadidjas anhielt. Sie heirateten und Muhammad gab ihr als
Brautgabe zwanzig junge Kamele. Sie war seine erste Frau, und solange
sie lebte, heiratete er keine andere. Sie gebar ihm alle seine Kinder3.5,
mit Ausnahme Ibrahims [Sohn], nämlich Qasim [Sohn], nach ihm
nannte man den Propheten Abu l-Qasim, Tahir [Sohn], Tayyib [Sohn],
Zainab [Tochter], Ruqayya, [Tochter] Umm Kulthum [Tochter] und Fatima
[Tochter]. Seine Söhne Quasim, Tahir und Tayyib starben alle noch
in heidnischer Zeit, während seine Töchter den Islam
erlebten, sich zum Glauben bekannten und mit dem Propheten die Hidjra
(Hidschra), die Auswanderung nach Medina, mitmachten.
3.5[Mohammed und Khadidja adoptierten auserdem
noch einen Adoptivsohn namens Zaid ibn Haritha3.6. Ibrahim
zeugte Mohammeds mit seiner 10. Frau Marija. Marija war eine koptische
(christliche) Sklavin, die er vom ägyptischen König geschenkt
bekam. Ibrahim starb mit etwa 2 Jahren.]
3.6Zaid ibn
Haritha kam vom arabischen Stamm Kalb, im Südosten des
Jordanlandes. Er wurde als Sklave nach Mekka gebracht, wo ihn Khadidja
kaufte und Muhammad schenkte. Dieser ließ ihn frei und adoptierte
ihn. Er nahm als einer der ersten den Islam an und bekleidete in
Muhammads Umgebung eine bevorzugte Stellung, was sich nicht zuletzt in
zahlreichen militärischen Aufträgen äußerte. Er
war der erste Mann der Zainab, die er verstieß, damit Muhammad
sie selbst heiraten konnte. Er fiel im Mai 630 als einer der Feldherren
bei Muta in Syrien.
Khadidja hatte ihrem Vetter Waraqa, einem Christen und
gelehrten Mann, der die Schriften gelesen hatte, von den Worten des
Mönches erzählt, wie Maisara er ihr berichtet hatte und auch
von den beiden Engeln, die dieser gesehen hatte, wie sie Muhammad
Schatten spendeten. Waraqa hatte ihr daraufhin geantwortet: „Wenn dies
wahr ist, Khadija, dann ist Mohammed wahrlich der Prophet dieses
Volkes. Ich weiß, dass für dieses Volk ein Prophet zu
erwarten ist. Seine Zeit ist nun gekommen.“ Waraqa konnte es dann kaum
mehr erwarten und fragte immer wieder: „Wie lange noch?“ und sprach
darüber die folgenden Verse:
Lange harre ich schon aus in meinem
Kummer,
und die Tränen wollen nicht vergehen.
O Khadidja, immer Neues tust du kund,
doch das lange Warten kann ich nicht verstehen.
Aber hier im Tale Mekkas hoffe ich,
die Erfüllung deiner Worte auch zu sehen,
Die du uns erzähltest einst von jenem Mönch.
Nein! Du konntest sie nicht so verdrehen!
Herrschen wird gewiss Muhammad unter uns,
besiegen, wer es wagt zu widerstehen.
Er wird breiten über dieses Land ein Licht
und die Schöpfung schützen vor dem Untergehen.
Niederlagen werden treffen stets den Feind,
die Freunde werden stets nur Siege sehen.
40
O wie wünsche ich, ich wäre
dann dabei!
Als erster würd ich bei ihm stehn,
kämpfen für den Glauben, mag Quraish ihn noch so hassen,
noch so laut in Mekka flehen.
Ja, durch ihn, den sie verachten, hoffe ich,
zu Gott zu steigen, während sie hinutergehen.
Welch ein Tor ist doch, wer nicht an diesen glaubt,
der sich für Gott entschied, für den die Stern' sich drehen.
Wenn ich dann noch lebe, werden alle Heiden schrein
ob der Dinge die geschehen.
Sterbe ich, so will ich doch zufrieden sein,
denn niemand kann dem Schicksal je entgehen.
10. Der Wiederaufbau der Kaaba [605] Top
Als der Prophet 35 Jahre alt war, entschlossen sich die
Quraish, die Kaaba neu zu errichten. Sie planten, sie mit einem Dach zu
versehen, fürchteten sich aber davor, sie zu zerstören. Sie
war ein ohne Mörtel errichteter Steinbau und etwas mehr als
mannshoch. Man wollte sie nun höher bauen und ein Dach
darüberbreiten. Aus der Kaaba war nämlich ein Schatz
gestohlen worden, der sich in ihrer Mitte in einem Brunnen befunden
hatte. Der Schatz wurde später bei einem Freigelassenen aus dem
Stamme Khuzaa gefunden. Die Quraish schlugen ihm dafür die Hand ab.
Nun war bei Djidda das Schiff eines byzantinischen Kaufmanns
gestrandet und zerschellt. Sie nahmen das Holz und richteten es zum
Decken der Kaaba her. In Mekka gab es auch einen koptischen Zimmermann,
und so war schon einiges, was sie zur Restaurierung brauchten, bereit.
Indes da war noch die Schlange, die aus dem Brunnen der Kaaba, in den
man täglich die Opfergaben warf, herauszukriechen pflegte, um sich
auf der Mauer des Gebäudes zu sonnen. Sie war eines der Dinge,
wovor sie Angst hatten, denn keiner konnte sich ihr nähern, ohne
dass sie ihren Kopf hob, zischte und ihr Maul aufsperrte. Als sie sich
nun
41
eines Tages auf der Mauer der Kaaba wie gewöhnlich
sonnte, schickte Gott einen Vogel, der sie packte und mit ihr
davonflog. Da sprachen die Quraish: „Laßt uns hoffen, dass Gott
unser Vorhaben billigt! Wir haben einen befreundeten Handwerker, haben
Holz, und Gott hat uns von der Schlange befreit.“
Nachdem man sich nun dazu entschlossen hatte, die Kaaba
abzureißen und neu aufzubauen, erhob sich Abu Wahb von der Sippe
Makhzum und entfernte den ersten Stein, doch entfiel dieser seiner Hand
und kehrte an seinen Platz zurück. Da sprach er: „Männer von
Quraish, bringt in dieses Gebäude nicht unrecht erworbenes Gut,
nicht den Lohn der Hure, nicht das Geld des Wucherers und nichts, was
ihr erzwungen habt!“
Sodann
teilte man die Arbeit an der Kaaba (siehe: Bild)
unter die großen Stämme der Quraish auf. Die Seiten des
Tores erhielten die Abdmanaf und Zuhra, die Seite zwischen der Ecke des
schwarzen Steines3.7 und der Südecke die Makhzum und die
ihnen angeschlossenen quraishitischen Stämme, die Rückseite
die Stämme Djamah und Sahm und die Seite des Hatim4 die Abdaddar, Asad und Adi. Doch dann bekamen sie wieder
Angst davor, die Kaaba zu zerstören. Da sprach Walid, der Sohn des
Mughira: „Ich will als erster mit der Zerstörung beginnen“, und er
ergriff seine Spitzhacke, wandte sich der Kaaba zu und rief: „O Gott,
erschrecke nicht! O Gott, wir wollen nur das Beste!“ Dann
zerstörte er einen Teil an der Seite der beiden Ecken. In der
Nacht wartete man ängstlich und sprach: „Wir wollen sehen! Wenn
Walid etwas zustößt, reißen wir die Kaaba nicht weiter
ein, sondern legen alles wieder zurück, wie es war. Geschieht ihm
nichts, so billigt Gott unser Tun.“
3.7[Vom Schwarzen Stein wird angenommen, dass er
ein Meteorit sein könnte. Er könnte auch aus Lava oder Basalt
bestehen, also vulkanischen Ursprungs sein. Allerdings wurde er bisher
nie wissenschaftlich untersucht. Er ist vielleicht etwas
größer als ein Fussball und ist heute in einen silbernen
Rahmen eingefasst, da er im Jahre 683 während des zweiten
Bürgerkrieges bei einem Brand in mehrere Stücke zerbrochen
ist. Der Schwarze Stein ist so an einer Ecke der Kaaba befestigt, dass
man ihn mit der ausgestreckten Hand berühren kann. Die muslimische
Überlieferung besagt, dass Abraham den Schwarzen Stein beim
Erbauen der Kaaba als Geschenk vom Erzengel Gabriel empfangen haben
soll, und der Stein somit aus dem Paradies stamme.]
4Gegenüber der nordwestlichen Wand steht eine
halbkreisförmige, etwa einen Meter hohe Mauer aus weißem
Marmor, die nicht mit der Kaaba verbunden ist. Der Zwischenraum dieser
Hatim genannten Mauer und der Kaaba gilt als die Stelle, wo der Prophet
Ismail und seine Mutter Hagar begraben sind.
Am nächsten Morgen machte sich Walid
wieder an die Arbeit und mit ihm die anderen, bis sie die Grundmauer
Abrahams erreichten und auf eng aneinanderliegende grüne Steine
stießen, Kamelhöckern gleich. [Es heißt, dass die
Kaaba vom ersten Propheten Adam (von Adam und Eva) erbaut wurde, dann aber in
Vergessenheit geriet und zu einer Ruine verkam. Der Patriarch Abraham
und
sein Sohn Ismail haben sie durch göttliche Fügung wieder
entdeckt und wieder aufgebaut. Quelle: Kaaba] Von einem
Überlieferer wurde mir
erzählt, dass einer von den an der Zerstörung beteiligten
Quraish zwischen zwei dieser Steine eine Brechstange schob, um einen
davon herauszudrücken. Kaum bewegte sich aber der Stein, da bebte
ganz Mekka und man ließ deshalb die Grundmauer wie sie war. Ich
habe auch erfahren, dass die Quraish an der Ecke
42
eine syrische Schrift fanden, die sie aber
nicht verstanden, bis ein Jude sie ihnen vorlas. Sie lautete: Ich bin
der Gott, der Herr von Mekka. Ich erschuf Mekka an dem Tage, als ich
Himmel und Erde erschuf und Sonne und Mond formte, und ich habe es mit
sieben gläubigen Engeln umgeben. Es wird nicht vergehen, solange
seine beiden Berge stehen. Ein Segen für Wasser und Milch für
seine Bewohner.
[Himmel
und Erde (das Universum) bestehen wohl einige Milliarden Jahre
länger
als Mekka. Aber die Anhänger des Kreationismus bzw. des
„Intelligent Design“ sind der Auffassung, dass es so etwas wie
die Evolution nicht gegeben hat, sondern dass das Universum durch
Gott erschaffen wurde. Wahrscheinlich sind sie religiös so
verblendet oder lediglich zu bequem oder zu ungebildet, um sich mit
den wissenschaftlichen Fakten vertraut zu machen.]
Sodann trugen die quraishitischen Stämme Steine herbei,
um die Kaaba neu zu errichten, jeder Stamm für sich. Sie begannen
zu bauen, bis sie auf die Höhe des Schwarzen Steines kamen und in
Streit gerieten. Jeder Stamm wollte nämlich, dass nur er den Stein
an seinen Platz lege. Schließlich bildeten sie Parteien,
schlossen Bündnisse und rüsteten zum Kampf. Die Abdaddar
brachten eine Schale mit Blut, verbündeten sich auf den Tod mit
den Adi und tauchten darauf ihre Hände in das Blut, weshalb man
sie fortan die Blutlecker nannte. So blieb es vier oder fünf Tage.
Dann versammelten sich die Quraish im Heiligtum und berieten einander,
blieben aber in zwei Lager gespalten. Schließlich, so behaupteten
einige Überlieferer, habe Abu Umayya, der Sohn des Mughira und
damals der älteste unter den Quraish, das Wort ergriffen:
„Männer von Quraish! Lasst den ersten, der durch das Tor des
Heiligtums zu uns hereintritt, in eurem Streit entscheiden.“ Sie waren
damit einverstanden. Der erste der hereinkam, war der Prophet. Als sie
ihn sahen, riefen sie: „Al-Amin, der Treue! Mit ihm sind wir
einverstanden! Dies ist Muhammad!“
Nachdem
sie ihm alles erklärt hatten, bat er sie, ihm
ein Tuch zu bringen. Mit eigener Hand legte er den Stein in dieses Tuch
hinein und forderte einen jeden Stamm auf, jeweils an einer Seite des
Tuches anzufassen und den Stein gemeinsam hochzuheben. So geschah es.
Und als sie ihn auf die richtige Höhe gehoben hatten, legte er
selber den Stein an seinen Platz. Dann bauten sie darüber weiter.
Zur Zeit des Propheten war die Kaaba 18 Ellen hoch und zunächst
mit weißem ägyptischem, dann mit jemenitischem Stoff
bedeckt. Hadjjadj ibn Yusuf ließ sie später als erster mit
[schwarzem] Seidenbrokat verhüllen [der
jährlich erneuert wird]. [Die Kaaba ist
heute
13,10 m hoch und hat eine Grundfläche von 11,03 m
× 12,62 m. Die vier Ecken zeigen ungefähr in die vier
Himmelsrichtungen.]
43
11. Ein Hinweis auf den Propheten im
Evangelium Top
Zu den Prophezeiungen, die, wie ich erfahren
habe, Jesus, der Sohn Mariens, im Evangelium, das für die Christen
von Gott zu ihm kam, über den Propheten gemacht hat, gehört
das, was der Apostel Johannes nach dem Testament Jesu im Evangelium
schrieb, nämlich dass Jesus sprach: „Wer mich hasst, der hasst
auch den Herrn. Hätte ich unter ihnen nicht die Werke getan, die
vor mir kein anderer tat, hätten sie keine Sünde. Aber von
nun an sind sie stolz und glauben, dass sie mich und den Herrn
besiegen. Aber es muss erfüllt werden das Wort, das im Gesetz
steht: „Sie hassen mich ohne Grund.“ Wenn aber Munhamanna gekommen sein
wird, den Gott euch senden wird aus der Gegenwart des Herrn, und der
Geist der Wahrheit, der vom Herrn ausgegangen sein wird, dann wird er
Zeugnis geben von mir, und auch ihr werdet Zeugnis geben, weil ihr von
Anfang an bei mir ward. Darüber habe ich zu euch gesprochen, damit
ihr nicht klagt5.“
Munhamanna bedeutet auf syrisch Muhammad, auf griechisch ist es
Paraklid.
5Dem hier
wiedergegebenen Text (Johannes 15,23-27) liegt die
syrisch-palästinensische Version des Evangeliums zugrunde.
[Ich vermag nicht zu sagen, ob die oben
erwähnte syrisch-palästiensische Version des
Johannes-Evangeliums echt ist. In der Lutherbibel von 1912 sieht der
oben zitierte Vers aus dem Johannes-Evangelium allerdings etwas anders
aus. Dort ist nämlich keineswegs die Rede davon, dass Gott einen
„Munhamanna“ senden wird. Vielmehr ist in der Lutherbibel davon die
Rede, dass Gott Trost bzw. Beistand senden wird. In der Lutherbibel
sieht Johannes 15,23-27 wie folgt aus: „Wer mich haßt, der
haßt auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke getan
unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine
Sünde. Nun aber haben sie es (die Werke) gesehen und hassen doch
beide, mich und den Vater. Doch daß erfüllet werde der
Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: „Sie hassen mich ohne Ursache.“
Wenn aber der Beistand (Tröster) kommen wird, welchen ich euch
senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht,
der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von
Anfang bei mir gewesen.“ In der Lutherbibel ist also vom Beistand, in
anderen Versionen vom Tröster die Rede, vom Geist der Wahrheit,
der vom Vater ausgeht. Gemeint ist damit die universelle Wahrheit, die
den Menschen Trost spendet und ihnen in ihrem Kummer Beistand leistet.
Bestätigt wird die Aussage des Bibelverses Johannes
15,23-27 außerdem durch Johannes.14,26. Dort wird gesagt: „Und
ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster
geben, daß er bei euch bleibe ewiglich.“ Auch hier ist also vom
Tröster die Rede. Auch das Lukas-Evangelium spricht in diesem
Zusammenhang vom Tröster. Bei Lukas.24,49 heißt es: „Aber
der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in
meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des,
das ich euch gesagt habe.“
Tilman Nagel sagt hierzu auf Seite
181: „In Sure 61 verweist er (Mohammed) auf ein angebliches Wort
Jesu, dass das Kommen des Gesandten Allahs geweissagt habe. „Ahmad“, zu
deutsch „hochgerühmt“, ist aus derselben Wurzel gebildet wie
„Mohammed“. Man hat deshalb Ahmad hier nach einer in muslimischen
Korankommentaren häufig anzutreffenden Deutung als einen
Eigennamen verstanden...“]
12.
Die Sendung des Propheten [610]
Top
Als
Muhammad 40 Jahre alt war, machte Gott ihn aus Mitleid mit der Welt zum
Gesandten und Verkünder für alle Menschen. Gott hatte mit
jedem Propheten, den er vor ihm sandte, einen Bund geschlossen, an ihn
zu glauben, Zeugnis für ihn abzulegen und ihm gegen seine
Widersacher zu helfen. Er hatte sie verpflichtet, dies allen
weiterzugeben, die an ihn glaubten. Und sie taten, wie sie
geheißen. Zu Muhammad sprach Gott:
44
„Als
Gott mit den Propheten den Bund schloß, sprach er: „Wenn immer
ich euch eine Offenbarungsschrift oder Weisheit gebe und hierauf ein
Gesandter zu euch kommt, der bestätigt, was euch an Offenbarungen
bereits vorliegt, dann müsst ihr an ihn glauben und ihm helfen!“
Er fragte sie: „Erkennt ihr dies an und übernehmt meinen Bund?“
Sie antworteten: „Wir erkennen es an.“ Er [Gott] aber sprach: „So legt
denn Zeugnis ab und ich will mit euch Zeuge sein!“ (Sure 3,81). So
schloß Gott mit allen Propheten den Bund, dass sie Zeugnis
für ihn ablegten und ihm gegen seine Widersacher halfen. Sie aber
gaben es an alle aus beiden Schriftreligionen [Judentum und
Christentum] weiter, die an sie glaubten.
[So
wie Gott hier beschrieben wird, so in etwa stellt sich sicherlich auch
Lieschen Müller den lieben Gott vor. Warum glauben so viele
Menschen daran, dass Gott, bzw.
der Erzengel Gabriel,
Mohammed erschienen sei? Warum glauben sie
daran, dass Gott Mohammed irgendeine Botschaft oder Offenbarung
überbracht hat? Davon auszugehen, dass er
göttliche Offenbarungen erhielt oder dass Gott einen Bund mit ihm
abschloß, ist ehrlich gesagt, nichts als purer Unsinn. Man sollte
auch endlich einmal mit der Vorstellung aufräumen, da gäbe es
„Propheten“ die direkt von Gott gesandt seien. Das alles sind kindliche
Vorstellungen, an die aber leider viele Menschen glauben. Man fragt
sich, warum die Menschen so leichtgläubig sind.]
Zuhri berichtete, dass Aisha dem Urwa ibn
Zubair folgendes erzählte:
Als
Gott Muhammad ehren und sich der Menschen durch ihn erbarmen wollte, da
zeigte sich dessen Prophetenschaft zuerst in seinen wahren
Träumen, die im Schlaf stets wie der Anbruch des Morgens über
ihn kamen. Auch ließ Gott ihn die Einsamkeit schätzen, und
bald war ihm nichts mehr lieber, als allein zu sein.
Wahb erzählte mir von Ubaid:
Jedes
Jahr zog sich der Prophet im Monat Ramadan in die Einsamkeit
zurück, um zu beten und die Armen zu speisen, die zu ihm kamen.
Immer wenn er am Ende des Monats nach Mekka zurückkehrte, begab er
sich zuerst zur Kaaba und umschritt sie sieben oder mehr Male. Erst
dann ging er nach Hause. Auch in jenem Ramadan, in dem Gott ihn ehren
wollte, in jenem Jahr, in dem er ihn sandte, zog Muhammad wieder mit
seiner Familie nach dem Berg „Hira“, um sich in der Einsamkeit dem
Gebete zu widmen. Und in jener Nacht, in der Gott ihn durch die Sendung
auszeichnete und sich damit der Menschen erbarmte, kam Gabriel zu ihm.
[An
dieser Stelle möchte ich das oben gesagte noch etwas ergänzen
und vertiefen. Wie Ibn Ishaq schreibt, war Mohammed offenbar ein sehr
gläubiger Mensch. Er ging also während des Monats Ramadan
in die Einsamkeit und betete. Dies erinnert mich sehr stark an das
Verhalten von Jesus, der, wie viele gläubige Juden, stets 40
Tage vor Ostern in die palästiensische Wüste ging, um zu
fasten und zu beten. Mohammed hat in dieser Zeit ebenfalls gefastet,
schließlich ist der Ramadan der Fastenmonat. Buddhas Leben sah
im Prinzip nicht sehr viel anders aus. Aber Buddha meditierte anstatt
zu beten. Physiologisch geschieht aber vollkommen dasselbe, egal ob
man betet oder meditiert. Entscheidend ist beim Gebet, bzw. bei der
Meditation, die Tiefe der Konzentration. Dabei ist es egal, ob man
sich auf Gott konzentriert, wie dies Jesus und Mohammed taten oder ob
man sich auf die Atmung oder auf das "Dritte Auge" (Punkt auf der
Stirn) konzentriert, wie Buddha dies bei der
Meditation tat. Im Gehirn laufen bei beiden Konzentrationsmethoden
dieselben physiologischen Prozesse ab.
Dies
führt, wenn man diese Konzentrationsmethoden perfekt beherrscht,
dazu, dass körpereigene Drogen aktiviert werden. Diese
körpereigenen Drogen können so stark sein, dass
Halluzinationen oder Visionen auftreten. Dies ist von vielen Yogis
bekannt. Es ist von vielen Yogis und auch von vielen „Heiligen“
bekannt, dass sie glaubten mit Gott oder mit irgendeinem anderen
Heiligen persönlich zu sprechen oder ihn persönlich zu
sehen. Das heißt aber nicht, dass dies wirklich so war, auch
wenn sie fest davon überzeugt waren. Und ich denke, dass dies
auch bei Mohammed der Fall war. Wenn Mohammed also das Gefühl
hatte, die Offenbarungen direkt von Gott zu erhalten, so ist dies
nicht anderes als eine Sinnestäuschung, die auf körpereigene
Drogen zurückzuführen ist und nicht auf den direkten
Kontakt mit Gott. Dieselben Sinnestäuschungen treten
gelegentlich auch bei Schläfenlappenepileptikern und eventuell
auch bei anderen Gehirnerkrankungen auf. Hierüber gibt es viele
dokumentierte Fälle. Es könnte also durchaus sein, dass
Mohammed an einer solchen Erkrankung gelitten haben könnte, bei
der er
Visionen hatte. Einige vermuten, dass Mohammed an Epilepsie oder an Akromegalie,
einer Erkrankung der Hypophyse, gelitten haben könnte. Darauf
werde ich später noch etwas ausführlicher eingehen.]
Als
ich schlief, so erzählte der Prophet später, trat der Engel
Gabriel zu mir mit einem Tuch wie aus Brokat, worauf etwas geschrieben
stand, und sprach: „Lies!“ „Ich kann nicht lesen“, erwiderte ich.
45
Da
presste er das Tuch auf mich, so dass ich dachte, es wäre mein
Tod. Dann lies er mich los und sagte wieder: „Lies!“ „Ich kann nicht
lesen“, antwortete ich. Und wieder würgte er mich mit dem Tuch,
dass ich dachte, ich müsste sterben. Und als er mich freigab,
befahl er erneut: „Lies!“ Und zum dritten Mal antwortete ich: „Ich kann
nicht lesen.“ Als er mich dann noch einmal fast zu Tode würgte und
mir wieder zu lesen befahl, fragte ich aus Angst, [weil ich
befürchtete] er könne es noch einmal tun: „Was soll ich
lesen?“ Da sprach er: „Lies im Namen deines Herrn, des Schöpfers,
der den Menschen erschuf aus geronnenem Blut! Lies! Und der
Edelmütigste ist dein Herr, er, der das Schreibrohr zu gebrauchen
lehrte, was sie nicht wussten.“ (Sure 95,1-5)
Ich
wiederholte die Worte und als ich geendet hatte, entfernte er sich von
mir. Ich aber erwachte und es war mir, als wären mir die Worte ins
Herz geschrieben. Sodann machte ich mich auf, um auf den Berg zu
steigen. Doch auf halber Höhe vernahm ich eine Stimme vom Himmel:
„O Muhammad, du bist der Gesandte Gottes und ich bin [der Erzengel]
Gabriel.“ Ich erhob mein Haupt zum Himmel, und siehe da, da war Gabriel
in der Gestalt eines Mannes und seine Füße berührten
den Horizont des Himmels.
Und
wieder sprach er: „O Muhammad, du bist der Gesandte Gottes und ich bin
Gabriel!“ Ohne einen Schritt vorwärts oder rückwärts zu
tun blieb ich stehen und blickte zu ihm. Dann begann ich, mein Gesicht
von ihm abzuwenden und über den Horizont schweifen zu lassen, doch
in welche Richtung ich auch blickte, immer sah ich ihn in der gleichen
Weise. Den Blick auf ihn gerichtet, verharrte ich, ohne mich von der
Stelle zu rühren. Khadija sandete inzwischen ihre Boten aus, um
nach mir zu suchen. Doch kehrten sie erfolglos zu ihr zurück,
nachdem sie bis oberhalb von Mekka gelangt waren. Schließlich
wich die Erscheinung von mir und ich machte mich auf den Rückweg
zu meiner Familie. Ich kam zu Khadidja, setzte mich an ihre Seite und
schmiegte mich eng an sie.
[Der
Hinweis darauf, dass Mohammed den Erzengel überall erblickte, egal
in welche Richtung er schaute, weist darauf hin, dass die Ereignisse
sich in Mohammeds Gehirn abspielten und nicht in der äußeren
Umgebung.]
46
„Abu
l-Quasim“, fragte sie mich, „wo bist du gewesen? Bei Gott, ich habe
meine Boten ausgesandt, um dich zu suchen. Bis oberhalb von Mekka sind
sie gezogen, doch kamen sie ohne dich zurück.“ Ich erzählte
ihr, was ich gesehen hatte. Da rief sie aus: „Freue dich, Sohn meines
Oheims und sei standhaft! Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt,
wahrlich, ich hoffe, du wirst der Prophet dieses Volkes sein.“
Dann
erhob sie sich, legte ihre Kleider an und begab sich zu ihrem Vetter
Waraqa ibn Naufal, der Christ geworden war, die Heiligen Schriften las
und von den Anhängern der Thora und des Evangeliums gelernt hatte.
Ihm erzählte sie von den Worten Muhammads und Waraqa rief aus:
„Heilig, heilig, bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt! Wahrlich,
Khadidja, wenn du mir die Wahrheit gesagt hast, so ist wahrhaftig der
Engel Gabriel zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich
der Prophet dieses Volkes! Sag ihm, er soll standhaft bleiben!“
Khadidja
kehrte zum Propheten zurück und erzählte ihm die Worte
Waraqas. Als Muhammad dann aus der Abgeschiedenheit vom Berge Hira
wieder nach Mekka zurückkam, begab er sich zunächst wie immer
zur Kaaba und schritt um sie herum. Dabei erblickte ihn Waraqa und
sprach: „Sohn meines Bruders, sage mir, was du gesehen und gehört
hast!“ Nachdem der Prophet ihm alles geschildert hatte, rief Waraqa:
„Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt! Du bist der Prophet dieses
Volkes. Der Engel Gabriel ist zu dir gekommen, wie er zu Moses kam. Man
wird dich einen Lügner nennen, kränken, vertreiben und zu
töten versuchen. Wahrlich, wenn ich jenen Tag erlebe, werde ich
Gott helfen, wie er es weiß.“ Und er neigte sein Haupt und
küsste ihn auf die Stirn.
47
[Der israelische Wissenschaftler, Benny
Shannon, vom psychologischen Institut der Universität in
Jerusalem, glaubt
im Fall Moses nicht an ein „übernatürliches, kosmisches
Ereignis“, also nicht an die Erscheinung eines Engels. Vielmehr
vermutet er, dass Moses Drogen konsumierte, als er auf dem Berg Sinai
Gott hörte und von ihm die Zehn Gebote empfing oder als er den
brennenden Dornbusch sah, aus dem Gott zu ihm sprach (2.
Mose 3,1-12). Bewusstseinsverändernde
Halluzinogene hätten eine wichtige Rolle bei den religiösen
Riten der Israeliten im biblischen Zeitalter gespielt, erklärt
Benny Shannon. Shannon selbst
hatte bereits während einer religiösen Zeremonie im
Amazonas-Regenwald mit pflanzlichen Drogen experimentiert, berichtete
er: „Ich hatte Visionen, die religiös-spirituelle Bedeutung
hatten“, sagte er. Die Substanz, die die Schamanen aus dem
südamerikanischen Regenwald noch heute bei ihren religiösen
Riten einnähmen, sei derjenigen ähnlich, die aus der Rinde
des Akazienbaums gewonnen werde. Und dieser Baum werde häufig in
der Bibel erwähnt, erklärte der Wissenschaftler. Neben der
Möglichkeit der Aktivierung körpereigener Drogen, besteht
natürlich auch die Möglichkeit der Einnahme externer Drogen,
um Visionen zu erzeugen. (siehe: Moses stand unter Drogen)]
13. Der Anfang der Offenbarung des
Korans Top
Die
ersten Offenbarungen empfing der Prophet im Monat Ramadan, wie aus den
folgenden Worten Gottes deutlich wird: „Der Monat Ramadan, in dem
herabgesandt wurde der Koran als Rechtleitung für die Menschen und
als Beweis der rechten Führung und Rettung (Sure 2,185).
Wir
haben ihn [den Koran] in der Nacht der Bestimmung herabgesandt. Aber
wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist. Die Nacht der
Bestimmung ist besser als tausend Monate. Die Engel und der Geist
kommen in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn herab, lauter Logowesen.
Sie ist voller Heil und Segen, bis die Morgenröte sichtbar wird.
(Sure 97)
Bei
der deutlichen Schrift! Wir haben sie in einer gesegneten Nacht
hinabgesandt. Und haben die Menschen damit gewarnt. In dieser Nacht
wird jede Weise Angelegenheit entschieden. Wir haben die Schrift
hinabgesandt als eine Sache, die von uns kommt. Wir haben die Botschaft
der Offenbarung gesandt (Sure 44, 1-5).
Nach
dem Erlebnis auf dem Berg Hira kamen die Offenbarungen
regelmäßig zu Muhammad. Er glaubte an Gott und an das, was
ihn von ihm erreichte. Er empfing es voll Freude, [egal] ob es bei den
Menschen Zufriedenheit oder Ärger auslöste. Wegen der
Behandlung, die die Propheten von Seiten der Menschen erdulden
müssen, und der Ablehnung, die man ihrer göttlichen
Offenbarung entgegenbringt, ist das Prophetentum eine mühevolle
Last, die nur die Starken und Entschlossenen unter ihnen mit Gottes
Hilfe und Vermittlung zu ertragen vermögen. Muhammad aber
führte Gottes Auftrag aus, trotz aller Feindseligkeiten und
Kränkungen, die ihm von seinem Stamm wiederfuhren.
48
14.
Khadidja bekennt sich zum Islam
Top
Khadidja
glaubte an ihn und an die Offenbarungen, die er von Gott brachte und
stand ihm in seinem Bemühen zur Seite. Sie war überhaupt die
erste, die sich zu Gott und seinem Propheten bekannte und seinen
göttlichen Offenbarungen glaubte. Dadurch erleichterte Gott ihm
seine Last, denn immer wenn Mohammed auf üble Ablehnung und
Verleundung stieß und darüber traurig war, ließ Gott
es ihm bei ihr vergessen, sobald er nach Hause kam, da sie ihn
bekräftigte und stärkte, an ihn glaubte und ihn über das
Verhalten der Leute beruhigte.
Dann
trat für eine gewisse Zeit eine Unterbrechung in den Offenbarungen
ein, bis der Prophet darüber bekümmert und traurig wurde.
Schließlich aber brachte ihm Gabriel die Sure „Der Morgen“ (Sure
93), in der ihm sein Herr, der ihn so sehr geehrt hatte, schwor, dass
er ihn nicht verlassen habe und ihn nicht hasse. Gott sprach: „Beim
Morgen und bei der Nacht, wenn alles still ist! Dein Herr hat dich
nicht verlassen und verabscheut dich nicht. Und das Jenseits ist besser
für dich als das Diesseits. Dein Herr wird dir geben, dass du
zufrieden sein wirst. Hat er dich nicht als Waise gefunden und dir
Aufnahme gewährt, dich auf dem Irrweg gefunden und recht geleitet
und dich bedürftig gefunden und reich gemacht? Gegen die Waise
sollst du deswegen nicht gewalttätig sein und den Bettler sollst
du nicht anfahren. Aber berichte von der Gnade deines Herrn!“ (Sure
93,1-11)
Deshalb
begann nun der Prophet, denjenigen in seiner Sippe, zu denen er
Vertrauen hatte, im geheimen von der Prophetenschaft zu erzählen,
mit der Gott ihn und durch ihn die Menschen begnadet hatte.
49
15.
Der Beginn der Verpflichtung zum Gebet Top
Als dem Prophet die Verpflichtung zum
täglichen Gebet auferlegt wurde, kam Gabriel auf den Höhen
von Mekka zu ihm und grub mit der Ferse ein Loch an einer Stelle am
Wadi, worauf dort eine Quelle hervorsprudelte. [Ein Wadi ist ein
zeitweilig ausgetrockneter Flusslauf in einem Wüstengebiet.]
Während der Prophet ihm zusah, vollzog Gabriel die Waschung, um
ihm zu zeigen, wie die Reinigung für das Gebet durchzuführen
sei. Darauf wusch sich Muhammad, wie er es von Gabriel gesehen hatte.
Dann erhob sich der Engel mit ihm zum Gebet und der Prophet betete wie
er. Nachdem Gabriel wieder entschwunden war, ging Muhammad zu Khadidja
und verrichtete vor ihr Waschung und Gebet, um es ihr zu zeigen und
Khadidja tat es ihm nach.
Von Utba, einem
Freigelassenen des Stammes Taim, hörte ich, wie er von dem
großen Überlieferer Nafi ibn Djabair den folgenden Bericht
des Ibn Abbas weitererzählte:
Nachdem dem Propheten die Verpflichtung zum
Gebet auferlegt worden war, kam Gabriel zu ihm und betete mit ihm das
Mittagsgebet, als die Sonne sich zu neigen begann, dann das
Nachmittagsgebet, als sein Schatten so lang war, wie er selbst, dann
das erste Abendgebet, als die Sonne unterging, dann das zweite
Abendgebet, als das Abendrot verging, und dann das Morgengebet, als die
Dämmerung anbrach. Und wieder kam Gabriel zu ihm und betete mit
ihm das Mittagsgebet, als sein Schatten so lang war, wie er selbst,
dann das Nachmittagsgebet, als sein Schatten die doppelte Länge
hatte, dann das erste Abendgebet, als die Sonne unterging zur gleichen
Zeit wie am Vortage, dann das zweite Abendgebet, als das erste Drittel
der Nacht verstrichen war, und dann das Morgengebet, als es schon hell
war, aber noch vor Sonnenaufgang.
Sodann sprach Gabriel:
50
„O Muhammad, die täglichen Gebete sollen
jeweils innerhalb der Zeiten verrichtet werden, an denen du heute und
gestern gebetet hast.
16. Ali ibn abi Talib, der erste Muslim Top
Der erste Mann, der an den Propheten und seine göttliche
Botschaft glaubte und mit ihm zusammen betete, war Muhammads Vetter
Ali, der Sohn des Abu Talib, der Sohn des Abdalmuttalib ibn Hashim. Ali
war damals 10 Jahre alt, und Gott hatte ihm die Gnade erwiesen, dass er
vor dem Islam in Muhammads Obhut aufgewachsen war.
[Wie bereits erwähnt, wuchs auch Mohammed
ab seinem 8. Lebenjahr, nach dem Tod seines Großvaters
Abdalmuttalib ibn Hashim im Jahre 578, bei dem er nach dem Tod seiner
Mutter Amina im Jahre 576 für zwei Jahre gelebt hatte, bei Ali's
Vater Abu Talib auf. Muhammed nahm Ali später zu sich, als Ali 10
Jahre alt war. Näheres erfahren wir dazu gleich in der Biographie.
Mohammed war zu diesem Zeitpunkt etwa 40 Jahre alt. Ali wurde
später der vierte Kalif im sunnitischen Islam und erster Imam
aller Linien der schiitischen und alevitischen Imame. Da Mohammed
keinen Nachfolger ernannt hatte, kam es zur Aufspaltung des Islams in
den sunnitischen und schiitischen Zweig des Islams, die sich teilweise
auf's heftigste bekämpfen.]
Abdallah ibn abi Nadjih berichtete
mir die folgende Darstellung des Mudjahid ibn Djabr:
Die Gnade, die Gunst und die Güte, die
Gott Ali angedeihen lassen wollte, zeigte sich, als die Quraish von
einer schweren Hungersnot getroffen wurden. Abu Talib, Alis Vater,
hatte nämlich eine große Familie zu ernähren, weshalb
sich Muhammad an seinen Onkel Abbas, einen der wohlhabensten der Sippe
Hashim, wandte: „O Abbas, dein Bruder Abu Talib hat eine große
Familie zu versorgen, und du siehst, welche Not über die Menschen
hereingebrochen ist. Lass uns deshalb zusammen zu ihm gehen und ihm die
Last für einen Teil der Familie abnehmen, indem wir beide je einen
seiner Söhne aufnehmen und an seiner Statt großziehen.“Abbas
war damit einverstanden. Sie begaben sich zu Abu Talib und sprachen.
„Wir möchten dir einen Teil der Sorge für deine Familie
abnehmen, bis die Not, in der sich jetzt die Menschen befinden,
gewichen ist.“ „Tut, was ihr wollt“, antwortete Abu Talib, „aber lasst
mir meinen Sohn Aquil!“
Muhammad nahm daraufhin Ali zu sich in die Familie und Abbas
tat mit Djafar das gleiche. Ali blieb bei Muhammad, bis
51
Gott diesen als Propheten sandte, worauf Ali ihm folgte und
an ihn glaubte. Djafar blieb bei Abbas, bis er sich zum Islam bekehrte
und der Hilfe des Abbas entraten [entbehren] konnte.
[Mohammed nahm Ali zu sich, bis er begann,
seine vielen Kriege zu führen, an denen sich Ali ebenfalls
beteiligte. In seinem Buch Islam
und Terrorismus (Resch-Verlag, Gräfeling, 2005) sagte der
ehemalige ägyptische Professor für Islamische Geschichte der
weltberühmten über eintausend Jahre alten
Al-Azhar-Universität in Kairo, Mark A. Gabriel5.1, auf Seite 78: „In der Zeit nach der Hijra (nach der
Übersiedlung Mohammeds von Mekka nach Medina), zwischen 622 und
632 (Tod Mohammeds) führte der Prophet selbst 27 Kriegszüge
an und liess 47 Beute- und Eroberungszüge durch seine Getreuen
durchführen. Das ergibt, rein statistisch gesehen, jedes Jahr acht
Feldzüge.“ Wir kommen im Laufe dieser Biographie auf die
Feldzüge Mohammeds zurück. (Sie werden allerdings nicht alle
beschrieben.) Eine Übersicht über die Feldzüge Mohammeds
kann man hier nachlesen: Mohammds
Feldzüge
5.1Marc A. Gabriel lehrte als Professor für
Islamgeschichte an der Al-Azhar Universität in Kairo.
Außerdem war er Imam an der Moschee von Gizeh. Als er an der
Friedfertigkeit des Islam zweifelte, wurde er von der ägyptischen
Polizei verhaftet, ins
Gefängnis gesteckt, gefoltert und sollte getötet werden. Auch
sein Vater wollte ihn töten, als er erfuhr, dass er sich zum
Christentum bekannte. Als man ihn wieder frei ließ, floh er aus
Ägypten. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz seiner Familie
vor radikalen Islamisten änderte er seinen Namen in Mark (Marc) A.
Gabriel. Heute lebt er in den USA. Davon berichtet auch das Video
(englisch) mit ihm.
Tillman Nagel schreibt auf Seite
777: „Die Auslegung der Kriege Mohammeds als Verteidigungskriege
beruht auf dieser die überlieferten Fakten verdrehenden Sicht, die
von den meisten Muslimen und vielen kritischen Andersgläubigen bis
in die Gegenwart vehement verfochten wird. Sie fügt sich nahtlos
mit der Fiktion zusammen, Mohammed sei in Mekka ein unpolitischer
Duldner gewesen.]
Ein kundiger Überlieferer berichtete,
dass der Prophet, wenn die Zeit des Gebets nahte, in die Schluchten
außerhalb Mekkas hinausging, wobei ihn Ali, ohne Wissen seines
Vaters, seiner Oheime und seiner übrigen Familie, begleitete. Sie
verrichteten dort ihre Gebete und kehrten bei Anbruch der Nacht nach
Hause zurück. So blieb es eine gewisse Zeit, bis Alis Vater Abu
Talib eines Tages die beiden zufällig beim Gebet überraschte
und den Prophet fragte: „Was ist das für eine Religion, die ich
dich hier ausüben sehe?“ „Oheim“, erwiderte da Muhammad, „dies ist
die Religion des Gottes, die Religion seiner Engel, die Religion seiner
Propheten und die Religion unseres Stammvaters Abraham. Mit ihr hat
mich Gott als Propheten zu den Menschen gesandt und du bist von allen
am würdigsten, meinen Rat zu erhalten, meine Einladung für
den rechten Weg zu empfangen, mir Folge zu leisten und mir beizustehen.“
„Sohn meines Bruders“, entgegnete Abu Talib,
„ich kann mich nicht von der Religion und dem Glauben meiner Väter
trennen, aber bei Gott, kein Übel soll dir widerfahren, solange
ich lebe.“ Man berichtete auch, dass Abu Talib seinen Sohn Ali fragte,
was für eine Religion es sei, an die er glaube, worauf ihm Ali
geantwortet habe: „Lieber Vater, ich glaube an Gott, seinen Propheten
und seine Offenbarung. Ich habe mit ihm zu Gott gebetet und ich bin ihm
gefolgt.“ Und Abu Talib erwiderte: „Er hat dich wahrlich nur zum Besten
aufgefordert. So bleibe denn bei ihm.“
Als zweiter nach Ali bekannte sich Zaid ibn
Haritha vom Stamme der Kalb, ein freigelassener Sklave des Propheten,
zum Islam. [Mohammed hatte ihn als Stiefsohn adoptiert.] Auf ihn folgte
Abu Bakr, aus der quraishitischen Sippe Taim ibn Murra. Nachdem dieser
Muslim geworden war, zeigte er öffentlich seinen Glauben und rief
für Gott und seinen Propheten auf. Er war beliebt in seiner Sippe,
geschätzt und umgänglich. Und von allen wusste er am meisten
über die Genealogie [Familienforschung]
52
des Stammes Quraish, ihre hellen, wie ihre
dunklen Stellen. Er war ein rechtschaffender und ehrlicher Kaufmann und
wegen seines Wissens, seiner Erfahrung in Handelsdingen und seiner
angenehmen Gesellschaft pflegten die Männer seiner Sippe oft zu
ihm zu kommen und sich mit ihm über vielerlei Fragen zu
unterhalten. Alle, denen er vertraute, die zu ihm kamen und sich zu ihm
setzten, begann er aufzufordern, an Gott zu glauben und sich zum Islam
zu bekennen.
Abu Bakr aus der Sippe Taim, war der engste
Vertraute des Propheten und einer der ersten, die an seine Sendung
glaubte. Er war etwas jünger als Muhammad und offenbar schon vor
dem Islam mit Muhammad befreundet. Als Kaufmann besaß er ein
bescheidenes Vermögen, dass er zu einem großen Teil zum
Freikauf von wegen ihres Glaubens verfolgten Sklaven in Mekka
ausgegeben haben soll. Die Heirat seiner [sechsjährigen] Tochter
Aisha verstärkte noch die Beziehungen der beiden Männer. Abu
Bakr nahm an allen militärischen Unternehmungen Muhammads teil.
Nach dem Tod des Propheten 632 wurde er zum ersten „Stellvertreter“
Muhammads, zum Kalifen, ernannt. Er starb aber schon zwei Jahre
später im Jahre 634. Seine Regierungszeit ist gekennzeichnet durch
die Niederwerfung der nach Muhammads Tod gegen den Islam revoltierenden
Stämme auf der arabischen Halbinsel. Abu Bakr wurde in der
islamischen Welt zum Inbegriff des schlichten und frommen Kalifen.
17. Muhammad tritt öffentlich als
Prophet auf [613] Top
In großer Zahl bekehrten sich nun Männer und
Frauen zum Islam, bis ganz Mekka darüber redete. Darauf befahl
Gott seinem Propheten, sich öffentlich zu seiner göttlichen
Botschaft zu bekennen, mit seinem Auftrag öffentlich vor die
Menschen zu treten und sie zum Glauben an ihn aufzurufen. [Neben
Mohammed gab es in Saudi Arabien vier weitere Männer, die sich als
Propheten verstanden, nämlich Musailima, Tulaiha, Talha und
Al-Asward al-Ansi (siehe Tilman Nagel Seite
183)] Seit seiner Sendung waren inzwischen 3 Jahre vergangen
[Mohammed war nun 43 Jahre alt.], in denen der Prophet den Auftrag
Gottes verheimlicht hatte. Nun aber sprach Gott: „Gib bekannt, was dir
befohlen wird und wende dich ab von den Heiden, die dem einen Gott
andere Götter beigesellen.“ (Sure 15,94) Ferner sprach er: „Und
warne deine nächsten Verwandten vor der Strafe Gottes und senke
deine Flügel für die Gläubigen, die dir folgen.“ (Sure
26,214) Und sage: „Ich bin der deutliche Warner.“ (Sure 15,88)
Um sich vor den Leuten ihres Stammes zu verbergen, pflegten
die Gefährten des Propheten zum Gebet in die Schluchten
außerhalb Mekkas zu ziehen. Eines Tages befand sich Sad ibn abi
Waqqas mit einer Gruppe Prophetengefährten dort beim Gebet, als
eine Schar Heiden bei ihnen erschien, sie grob unterbrach, sie wegen
ihres Gebetes beschimpfte und schließlich handgreiflich wurde.
Sad schlug dabei mit dem Kieferknochen eines Kamels auf einen
Ungläubigen ein und verwundete ihn am Kopf. Es war dies das erste
Blut, das im Islam vergossen wurde.
53
Als der Prophet, wie Gott es ihm befohlen hatte, den Islam
öffentlich zu verkünden begann, wandten sich seine
Stammesgenossen zunächst nicht von ihm ab. Sie wiesen ihn erst
zurück, als er ihre eigenen Götter schmähte5.2.
Mit Ausnahme einer kleinen verachteten Gruppe, die Gott durch den Islam
davor bewahrte, erklärten sie ihn alle für untragbar,
bekämpften ihn und waren sich in ihrer Ablehnung einig. Unter den
Heiden blieb ihm nur sein Onkel Abu Talib freundlich zugetan. Er
gewährte ihm seinen Schutz und stellte sich vor ihn.
5.2Zunächst
schmähte Mohammed die Götter der Quraish nur mit Worten, in
dem er ihre Götter als Götzen verunglimpfte. Später
dagegen, als er im Jahre 630 Mekka eroberte, ließ er alle
Götterstatuen der Quraish aus der Kaaba und aus den
Privathäusern entfernen und vernichten. In der Umgebung von Mekka
ließ er die Heiligtümer der Götter „Al-Manat“, der
Göttin des Mondes, und „Al-Uzza“, der Göttin des
Morgensterns, zerstören und forderte die Beduinenstämme auf,
dem Islam beizutreten.
Der Prophet indes führte weiter Gottes Befehl aus und
verkündete seinen Auftrag, ohne dass ihn etwas davon abzuhalten
vermochte. Als die Quraish sahen, dass er ihnen in keinem Punkt, den
sie ihm vorwarfen, nämlich der Absage an sie und die
Schmähung ihrer Götter, nachgab und dass sein Onkel Abu Talib
weiter zu ihm hielt und nicht an sie auslieferte, gingen einige
Männer des quraishitischen Adels zu Abu Talib und sprachen: „Abu
Talib! Der Sohn deines Bruders hat unsere Götter beschimpft,
unsere Religion geschmäht, unsere Tugenden lächerlich gemacht
und unsere Väter des Irrtums bezichtigt. Entweder du sorgst
dafür, dass er uns nicht weiter belästigt oder du lässt
uns freie Hand gegen ihn. Du stehst doch ebenso im Gegensatz zu ihm wie
wir, und wir werden dich von ihm erlösen.“
Abu Talib antwortete freundlich und in aller
Höflichkeit, worauf sie ihn wieder verließen. Der Prophet
aber fuhr fort, die Religion Gottes zu offenbaren und zum Glauben an
ihn aufzurufen, wodurch sich die Beziehungen zwischen ihm und seinen
Gegnern weiter verschlechterten und sie sich noch mehr miteinander
verfeindeten. Die Quraish sprachen immer häufiger von ihm und
hetzten einander gegen ihn auf. Schließlich gingen sie wieder zu
Abu Talib und sprachen: „Abu Talib! Du hast ein ehrwürdiges Alter
und besitzt hohes Ansehen unter uns. Wir haben dich gebeten, dem Sohn
deines Bruders sein Tun zu verbieten, doch du hast ihn uns nicht vom
Leibe geschafft. Wahrlich, wir werden es nicht länger dulden, dass
er unsere Väter beschimpft, unsere Tugenden lächerlich macht
und unsere Götter verunglimpft. Entweder du bringst ihn
54
dazu, dass er uns nicht mehr behelligt oder wir werden gegen
euch beide kämpfen, bis eine unserer Parteien untergeht.“
Darauf verließen sie ihn wieder. Schwer lasteten auf
Abu Talib die Entfremdung und die Feindschaft seines Volkes, doch
konnte er Muhammad einfach nicht preisgeben und enttäuschen.
Yaqub, der Sohn des Utba,
erzählte, dass ihm folgendes berichtet wurde:
Nachdem die Quraish ihre Forderungen gestellt hatten,
ließ Abu Talib Muhammad holen und sprach: „Sohn meines Bruders,
die Vertreter meines Stammes waren bei mir.“ Er erzählte ihm alles
und fuhr fort: „Verschone uns und bürde mir nicht etwas auf, was
ich nicht tragen kann!“ Da dachte Muhammad, dass sein Oheim ihn in
Stich lassen und preisgeben wollte und dass er seine Hilfe und
Unterstützung verlieren werde. „Mein Oheim“, antwortete er ihm,
„bei Gott, selbst wenn sie mir die Sonne in meine rechte und den Mond
in meine linke Hand legen würden, um mich davon abzubringen, bevor
Gott den Islam nicht zum Sieg verholfen hat oder ich für ihn
gestorben bin, werde ich nicht davon ablassen.“
Dann brach er in Tränen aus und erhob sich. Doch als er
davon ging, rief Abu Talib ihn zurück und sprach: „Gehe hin, Sohn
meines Bruders und verkünde was du willst. Bei Gott, für
nichts werde ich dich jemals preisgeben.
Als die Quraish erfuhren, dass Abu Talib es ablehnte,
Muhammad in Stich zu lassen und entschlossen war, deshalb mit ihnen zu
brechen, gingen sie mit Umara, dem Sohn des Walid ibn Mughira, erneut
zu ihm und schlugen ihm folgendes vor: „Abu Talib! Dies ist Umara, der
stärkste und schönste junge Mann im Stamme der Quraish. Nimm
ihn! Sein Verstand und seine Hilfe werden dir von Nutzen sein. Nimm ihn
als deinen Sohn an und liefere uns dafür deinen Brudersohn aus,
der sich deiner und deiner Väter Religion widersetzt, die
Gemeinschaft deines Volkes gespalten und seine Tugenden lächerlich
gemacht hat, dass wir ihn töten. So steht es denn Mann gegen Mann.
„Bei Gott“, erwiderte Abu Talib, „wie übel ist doch, was
ihr von mir verlangt. Ihr wollt mir euren Sohn geben, damit ich ihn
55
euch ernähre und ich soll euch den meinen geben, damit
ihr ihn umbringt! Bei Gott, dies wird niemals geschehen!“ Mutim aus der
Sippe Abdmanaf ibn Qusayy hielt ihm entgegen: „Wahrlich, Abu Talib,
dein Volk hat dich gerecht behandelt und sich bemüht, zu
vermeiden, was du verabscheust. Aber ich sehe nicht, dass du auch nur
einen Vorschlag von ihm annimmst.“ „Ihr habt mich, bei Gott, nicht
gerecht behandelt“, gab Abu Talib zurück, „sondern seid euch schon
längst darin einig, mich aufzugeben und die anderen zu
unterstützen. So macht denn, was ihr wollt.“
Die Lage wurde nun noch gespannter und die Auseinandersetzung
immer hitziger. Die Spaltung im Volke vertiefte sich und man zeigte
offene Feindschaft gegeneinander. Die folgenden Verse richtete Abu
Talib gegen Mutin und die Sippe Abdmanaf, die ihn in Stich gelassen
hatte und gegen die anderen aus dem Stammesverband der Quraish, die ihm
feindlich gesinnt waren:
Zu Amr, Walid und Mutim sprich: „Der
Schutz durch euch, er gilt
mir nichts! Ich tausch' ihn für ein Fohlen aus Kamelgestüt,
ein schwaches, mit nur kurzen Beinen, das auch stets noch blökt
und sich die beiden Flanken voll mit seinem Harn besprüht;
das nicht der Herde folgen kann, wenn sie zur Tränke strebt,
und mehr dem Klippdachs* gleicht, wenn er hinauf zur Wüste zieht!“
„Es ist nicht unsere Sache!“, hört ein jeder meine Bru-
dersippen sprechen, der um ihre Hilfe sich bemüht.
Wiewohl es ihre Sache ist! Doch sie sind abgefallen,
wie vom Berge fallend schnell der Fels hinunterflieht.
Besonders meine ich die Sippen Naufal und Abdshams:
Sie warfen uns rasch weg, wie eine Kohle, die noch glüht.
Die eigenen Stammesbrüder haben sie im Volk geschmäht
und haben nun die Hände leer, nachdem ihr Adel schied.
Sie teilen jetzt den Ruhm mit jenen, deren Väter man
nicht kennt, es sei denn, dass man ihren Ahn erriet.
Dazu gehören auch die Sippen Zuhra, Taim, Makhzum,
von denen früher keine uns zu helfen mied.
Bei Gott, auf ewig wird die Feindschft dauern zwischen uns,
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solange man noch einen Sproß von
uns auf Erden sieht.
Wie ach so töricht wurden ihnen Sinne und Verstand,
so dumm wie jener, der aus trockenem Brunnen Wasser zieht.
[*Der Klippdachs ist ein
kaninchengroßes Tier.]
Die Quraish hetzten gegen die Gefährten des Propheten,
die innerhalb ihrer Einzelstämme lebten und sich zum Islam bekehrt
hatten. Jeder Stamm fiel über die ihm angehörenden Muslime
her, quälte sie und versuchte, sie gewaltsam von ihrem Glauben
abzubringen. Den Propheten schützte Gott vor ihnen durch Abu
Talib. Als dieser sah, was die Quraish taten, rief er seine Sippe
Hashim und Abdalmuttalib auf, ihm zu helfen, den Propheten zu
schützen. Alle, mit Ausnahme des verfluchten Gottesfeindes Abu
Lahab, kamen seinem Wunsch nach und stellten sich auf seine Seite. Als
er bemerkte, wie eifrig und besorgt seine Sippe zu ihm stand, freute
sich Abu Talib und pries sie mit den folgenden Versen, in denen er ihre
Vergangenheit und die erhabene Stellung des Propheten unter ihnen
betonte, um sie in ihrer Haltung zu bestärken:
Einst wird Quraish es erkennen im Streit
um den Ruhm:
Abdumanaf ist die Seele im Stammesverband!
Wird denn bei Abdumanaf nach dem Adel gesucht,
werden bei uns, bei den Hashim, die Edlen erkannt.
Dann wird Muhammad für alle zum einzigen Stolz,
er, der Erwählte, der Edle, den Gott uns gesandt.
Hetzen auch jetzt die Quraish gegen uns allesamt,
siegen indes werden wir; ihnen schwand der Verstand.
Immer schon haben wir Unrecht auf's schärfste bekämft,
keiner von uns hat verächtlich sich lange gewandt.
Schhutz haben wir stets im Unglück gegeben der Stadt,
jeden Eroberer rasch aus den Häusern verbannt.
Wiederbelebt ward durch uns das vertrocknete Rohr,
das unter unserem Schirm wieder Feuchtigkeit fand.
57
18. Verhandlungen mit den Quraish Top
Der Islam begann sich in Mekka unter den Männern und
Frauen der quraishitischen Sippen auszubreiten, obwohl die Quraish,
soweit es in ihrer Macht stand, die Muslime einsperrten und vom Glauben
abzubringen versuchten.
Den folgenden Bericht erzählte
mir ein Überlieferer von Said ibn Djubair und Ikrama, einem
Freigelassenem des Ibn Abbas:
Eines Tages bei Sonnenuntergang versammelten sich die
führenden Männer von Quraish an der Rückseite der Kaaba
und sprachen zueinander: „Lassen wir doch Muhammad holen und
unterhalten wir uns mit ihm, damit man uns später keine
Vorwürfe machen kann!“ „Die Edlen deines Volkes“, so ließen
sie ihm ausrichten, „haben sich deinetwegen versammelt, um mit dir zu
sprechen. So komme zu ihnen.“ Schnell eilte der Prophet herbei, da er
glaubte, sie hätten ihre Meinung über seine Worte
geändert. Er wollte ja nichts lieber, als sie auf den rechten Weg
bringen, da ihr sündhaftes Verhalten ihn schmerzte. Nachdem er
sich zu ihnen gesetzt hatte, sagten sie:
„Muhammad, wir haben dich holen lassen, um mit dir zu reden,
denn wir kennen wahrlich keinen anderen Mann unter den Arabern, der
soviel Unheil über sein Volk gebracht hat wie du. Du hast unsere
Väter beschimpft, unsere Religion geschmäht, unsere
Götter beleidigt, unsere Tugenden lächerlich gemacht und
unsere Gemeinschaft gespalten. Es gibt keine Gemeinheit, die du uns
nicht angetan hast. Wenn du dies tust, weil du Geld willst, so sind wir
bereit, dir von unserem Vermögen soviel zu geben, dass du der
Reichste unter uns bist. Ist es Ehre, nach der du verlangst, so machen
wir dich zu unserem Führer. Ist es ein Königreich, dass du
möchtest, machen wir dich auch zum König über uns. Wenn
du glaubst, dass du von einem Geist besessen bist, der immer zu
58
dir kommt, so werden wir unser ganzes Vermögen für
dich aufwenden, um dir eine Arznei zu suchen, die dich von ihm befreit.“
„Nichts von alledem möchte ich“, erwiderte der Prophet
und fuhr fort: „Was ich euch bringe, bringe ich nicht des Geldes, der
Ehre oder gar der Herrschaft wegen, sondern Gott hat mich als Prophet
zu euch gesandt und mir eine Schrift geoffenbart. Er hat mir befohlen
Freudenbote und Warner für euch zu sein. Ich habe euch die
Botschaft meines Herrn gebracht und guten Rat erteilt. Nehmt ihr meine
Worte an, so wird es euer Glück im Diesseits und im Jenseits sein.
Lehnt ihr ab, so will ich geduldig Gottes Ratschluß erwarten, bis
er zwischen uns richtet.“
„Muhammad“, antworteten sie, „du weißt, dass kein
anderes Volk ärmer an Land und Wasser ist und ein härteres
leben führt als wir. Wenn du schon keines unserer Angebote
annimmst, dann bitte doch für uns deinen Herrn, der dich mit
deiner Sendung beauftragt hat, er möge uns diese Berge wegbewegen,
die uns einschließen, möge unser Land eben machen, möge
darin Flüsse wie im Irak und in Syrien entspringen lassen und
möge unsere verstorbenen Ahnen erwecken, damit wir sie befragen
können, ob du die Wahrheit sprichst oder nicht. Bestätigen
sie [die Ahnen] deine Worte und kannst du bewirken, worum wir dich
gebeten haben, so glauben wir dir, kennen deinen Rang bei Gott und
wissen, dass er dich, wie du sagst, als Propheten gesandt hat.“
„Dies ist nicht der Inhalt meiner Sendung“, entgegnete
Muhammad, „sondern mit meiner Offenbarung wurde ich zu euch gesandt.
Nehmt ihr sie an, so wird es euer Glück im Diesseits und Jenseits
sein. Weist ihr sie zurück, so will ich geduldig Gottes
Entscheidung erwarten.“
[Was zu dieser Zeit, als Mohammed noch in Mekka verweilte,
auffällt, ist die Tatsache, dass Mohammed sich noch sehr tolerant
gegenüber den Nichtmuslimen verhielt. Hierzu sagte Hartmut Krauss
vom Hintergrundverlag auf seiner Rede auf der Kritischen Islamkonferenz im Jahre 2008: „Von
herausragender Bedeutung für das islamische Aussage- und
Normensystem ist vor allem der ethisch-normative Bruch zwischen dem
mekkanischen und dem medinesischen Teil des Korans. In Mekka stand
Mohammed mit seiner kleinen Anhängerschar einer
übermächtigen Ablehnungsfront gegenüber. Entsprechend
tragen die dort (in den Jahren zwischen 610 und 622 geoffenbarten
Koranverse einen nahezu ausschließlich spirituellen Charakter.
Von Kriegsführung und Gewaltanwendung ist angesichts der gegebenen
Kräfteverhältnisse keine Rede. Im Gegenteil: In der
mekkanischen Sure 73,10 heißt es: „Und ertrage in Geduld, was sie
(die verleumderischen Quraishiten) sprechen, und flieh' von ihnen in
geziemender Flucht“.
Nach der Übersiedlung nach Medina und der dortigen
Gründung eines islamischen Gemeinwesens ändert sich der
Verkündungsinhalt allerdings radikal, d. h. er wird den neuen
Möglichkeiten der kriegerisch-räuberischen Selbstbehauptung
gegenüber einer feindlichen Umwelt angepasst. Aus der Position der
errungenen Stärke wird nun ein friedlicher Ausgleich mit den
Ungläubigen ausgeschlossen: Dies drückt sich auch in Sure
2,191 aus: „Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und
vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben, denn Verführung
(zum Unglauben) ist schlimmer als Totschlag“.
Der ehemalige Professor für islamische Geschichte an der
Al-Azhar Universität in Kairo, Mark A. Gabriel, sagt in seinem
Buch Islam und Terrorismus über den
unterschiedlichen Charakter der Koranverse in der Zeit als Mohammed
noch in Mekka lebte und in der Zeit, nachdem er Mekka verlassen hatte,
folgendes:
Naskh (Aufhebung, Ausserkraftsetzung) basiert auf der
Tatsache, dass der Koran Mohammed zu verschiedenen Zeiten über
einen Zeitraum von 22 Jahren hinweg geoffenbart wurde. Manche Teile des
Korans kamen später, manche früher. Um einen Widerspruch
aufzulösen, beschloss man, dass neuere Offenbarungen die
älteren Offenbarungen aufheben.
Es gibt im Koran mindestens
114 Verse, die von Liebe, Frieden
und Vergebung sprechen, besonders in der
Sure mit dem Titel „Die Kuh“ (Sure
2,62; 2,109). Doch als später Sure 9,5
geoffenbart wurde, hob sie diese früheren Verse auf.:
Tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie
findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus
jedem Hinterhalt auf. Wenn sie jedoch in
Reue umkehren und das Gebet
verrichten und die Steuer zahlen, lasst sie ihres
Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig. (Sure 9,5)
Dies ist als der „Vers des Schwertes“ bekannt, und er erklärt,
dass Muslime jeden bekämpfen müssen, der sich nicht zum
Islam bekehren will, ob innerhalb oder außerhalb von
Arabien. Darin sieht man die endgültige Entwicklung des Djihad
(des Heiligen Krieges) im Islam.
Mehrere Quellen bestätigen den Gedanken, dass der
Vers des Schwertes die 114 Koranverse, die davon sprechen, den
Ungläubigen zu vergeben, statt sie zu töten, ersetzt und
aufgehoben (nasikh) hat, vgl. z.B. Jalal al-Din al Suyuti,
Ab-Bab al-Nuzul [Grundlagen der Offenbarung],
erschienen im Verlag Dar Ihya al-’Ulum, Beirut, Lebanon, 1983
Das Naskh-Prinzip ist sehr wirksam. Wenn ein
Vers nasikh oder aufgehoben ist, dann existiert er praktisch nicht
mehr. Man könnte nun fragen: „Warum gibt es
überhaupt Widersprüche im Koran? Warum haben sich
die Offenbarungen im Lauf der Zeit verändert?“ Diese
Frage lässt sich beantworten, indem wir einen Blick auf das Leben
Mohammeds werfen, dem Propheten des Islam.
Anfangs waren die Botschaften, die Mohammed geoffenbart wurden,
friedlich und freundlich, um Menschen anzuziehen. Doch die
Umstände veränderten sich. Mohammed traf in Mekka, der
Stadt, wo er seine Botschaft erstmals predigte, auf viel Widerstand, so
dass er sie im Jahre 622 n. Chr. verließ. Er ging nach Yathrib,
in eine Stadt, die heute Medina heißt, wo er eine
Militärmacht aufbaute und die Zahl seiner Anhänger
vergrößerte. (Sowohl Mekka als auch Medina liegen im
heutigen Saudi-Arabien.) Als Mohammed eine gewisse Macht erlangt hatte,
war er in der Lage, zurückzukehren und Mekka und die umliegenden
Gebiete zu erobern. Der Islam wandelte sich von einer geistlichen
Religion in eine politische Revolution.
In Mekka drehte sich das ganze Leben des Propheten Mohammed um Gebete
und Meditationen, sodass die koranischen Offenbarungen in Mekka von
Frieden und Zusammenarbeit mit anderen sprechen. In Medina jedoch wurde
Mohammed zu einem Militärführer und Eroberer, und
entsprechend ist in den Offenbarungen in Medina von Militärmacht
und Eroberung im Namen des Islam (Djihad) die Rede.
Sechzig Prozent der Koranverse handeln vom Djihad, was einleuchtend
ist, da Mohammed den größten Teil des Korans empfing,
nachdem er Mekka verlassen hatte. Der Djihad wurde zur grundlegenden
Triebkraft des Islam.
Es wäre schön, wenn die Suren im Koran in der Reihenfolge
angeordnet wären, in der sie geoffenbart wurden, aber das ist
nicht der Fall. In manchen Koranausgaben ist jeder Vers gekennzeichnet,
ob er in Mekka oder in Medina geoffenbart wurde; doch um die genaue
Reihenfolge der Offenbarungen zu erfahren, muss man zu
wissenschaftlichen Nachschlagewerken greifen.]
„Wenn du dies nicht für uns tun willst“, bedrängten
sie ihn weiter, „so tue etwas für dich! Bitte deinen Herrn, dir
einen Engel an die Seite zu stellen, der deine Worte bestätigt und
uns widerlegt. Bitte ihn auch, er möge dir Gärten und
Schlösser, goldene und silberne Schätze schaffen, um dir zu
geben, was du offensichtlich brauchst. Denn du gehst auf dem Markt
deinen Geschäften nach wie wir und musst dir deinen
Lebensunterhalt suchen, wie wir es tun. Dann würden wir erkennen,
welchen Vorrang und welche Stellung du bei deinem Herrn genießt,
wenn du wirklich ein Prophet bist, wie du behauptest.“
59
Als ihnen der Prophet daauf die gleiche Antwort gab wie
zuvor, fuhren sie fort: „So lasse den Himmel in Stücke auf uns
herabfallen6, wie es nach deiner Behauptung der Herr tun
kann, wenn er es will. Nur wenn du dies vermagst, werden wir an dich
glauben.“ „Dies liegt bei Gott“, gab der Prophet zurück, „wenn er
es mit euch tun will, wird er es tun.“ Da wandten sie ein: „Wusste dein
Herr denn nicht, dass wir uns mit dir zusammensetzen, dir diese Fragen
stellen und unsere Forderungen an dich richten würden? Er
wäre doch sonst zu dir gekommen und hätte dir erklärt,
was du uns hättest erwidern können, wenn wir deine Worte
nicht annehmen. Wir haben erfahren, dass dich jener Mann aus der
Landschaft Yamama, namens Rahman6.1, unterweist; und an
Rahman werden wir wahrlich niemals glauben. Wir sind dir gegenüber
ohne Schuld, Muhammad. Wir werden dich nicht in Ruhe lassen und du
wirst mit uns nicht fertig werden, bevor nicht du oder wir vernichtet
sind.“
6Zu dieser und auch einigen der voranstehenden Forderungen,
vergleiche Koransure 17,90-93: Und sie sagten: „Wir
werden dir nicht glauben, solange du uns nicht aus der Erde eine Quelle
hervorkommen läßt oder einen Garten mit Palmen und
Weinstöcken hast und dazwischen lauter Bäche hervorsprudeln
läßt oder den Himmel, wie du behauptet hast, in Stücken
auf uns herabfallen läßt oder Allah und die Engel (uns)
leibhaftig herbeibringst oder (solange du nicht) ein prunkvolles Haus
hast oder in den Himmel aufsteigst. Und wir werden (dann auch) nicht
glauben, daß du aufgestiegen bist, solange du uns nicht eine
Schrift herabsendest, die wir lesen (können).“ „Sag: „Mein Herr
sei gepriesen! (Wo denkt ihr hin?) Bin ich denn etwas anderes als ein
Mensch und ein Gesandter?““
6.1Nach
islamischer Sicht soll Mohammed Analphabet gewesen sein. Dies wird um
so mehr betont, um sein göttliches Prophetentum zu untermauern,
frei nach dem Motto: „Er war Analphabet, mithin konnte er nichts
Wesentliches über Religionen erfahren haben. Welche Quelle sollte
somit seiner Belehrung dienlich gewesen sein? Also blieb nur die
Möglichkeit, er habe seine Informationen mit Hilfe des Erzengels
Gabriel direkt von Gott erhalten!“ Wenngleich er nicht lesen und
schreiben konnte, war er dessen ungeachtet nicht taub und blind und
besaß daher die Möglichkeit das von ihm Gehörte
niederschreiben zu lassen. Aus diesen Bruchstücken entstand erst
viel später der Koran. Mohammed kannte also eine ganze Menge
hochintelligenter und belesener Leute, die ihm sein Wissen über
religiöse Zusammenhänge verschafften. Zu den Leuten, von
denen Mohammed sein Wissen über Religion bezog, gehörte u.a.
der oben erwähnte Rahman. Rahman kam aus Yamama und war
Stammesmitglied der Hanifen. (siehe: Beitrag
von Magus)
Und einer von ihnen fügte hinzu: „Wir beten die Engel,
die Töchter Gottes an.“ Und ein anderer sprach: „Wir werden
solange nicht an dich glauben, als du uns nicht Gott und die Engel als
Bürgen gebracht hast.“ Nach diesen Worten erhob sich der Prophet,
um zu gehen. Da stand auch Abdallah ibn abi Umayya auf, der Sohn einer
Tante Muhammads, und wandte sich zu ihm: „Dein Volk hat dir
Vorschläge gemacht, aber du hast keinen angenommen. Sie haben dich
gebeten, etwas für sie zu tun, damit sie erkennen, welchen Rang du
bei Gott innehast, um an dich zu glauben und dir folgen zu können,
aber du hast nichts getan. Dann haben sie dich gebeten, etwas für
dich selber zu tun, wodurch sie hätten erkennen können,
welchen Vorzug du vor ihnen bei Gott genießt, aber du hast nichts
getan. Schließlich haben sie dich gebeten, ihnen schon jetzt
einen Teil der Strafe zukommen zu lassen, mit der du ihnen in deiner
Offenbarung Angst6.2 machst, aber du hast nichts getan. Wahrlich, ich werde nicht
an dich glauben, bevor ich nicht gesehen habe, wie du auf einer Leiter
zum Himmel emporsteigst und mit vier Engeln zurückkommst, die
bezeugen, was du sagst. Ja, wahrscheinlich werde ich nicht einmal dann
an dich glauben.“
6.2[Nicht so ungeduldig, Männer von Quraish. Die Strafe
kommt schneller als euch lieb ist. - Aber es ist schon wahr und ihr
werdet es in diesem Buch auch noch feststellen, dass Mohammed permanent
irgendwelche Drohungen ausspricht, um den Menschen Angst zu machen, so
dass man irgendwann ziemlich angewidert davon ist. Man hat den
Eindruck, dass der ganze Islam nur auf Drohungen, Bestrafungen und
Unterwerfung beruht.]
60
Mit diesen Worten verließ er den Propheten. Muhammad
kehrte zu seiner Familie zurück, traurig und bekümmert, weil
seine Hoffnungen, die er in ihre Einladungen gesetzt hatte, vergebens
gewesen waren, und weil er hatte erfahren müssen, dass sie sich
nur noch mehr entfremdet hatten.
Nachdem der Prophet aus der Versammlung weggegangen war,
sprach dort Abu Djahl6.3 „Männer von Quraish! Ihr habt gesehen, dass Muhammad
nicht damit aufhören will, unsere Religion, unsere Väter,
unsere Tugenden und unsere Götter zu verunglimpfen. Ich
schwöre, ich werde ihn morgen mit einem Stein so groß, dass
ich ihn kaum heben kann, erwarten. Und wenn er sich beim Gebet
niederbeugt, werde ich ihm damit den Schädel einschlagen. Es ist
mir gleich, ob ihr mich dann ausliefert oder beschützt. Die
Abdmanaf sollen dann tun, was sie wollen.“
6.3Abu Djahl kam aus der
quraishen Sippe der Makhzum, deren Führer er, als Nachfolger von
Walid ibn Mughira, noch vor der Hidjra, vor dem Auszug der Moslems nach
Medina, wurde. Abu Djahl war der bedeutendste Gegner des Propheten und
war für den Boykott (über den noch gesprochen wird) und die
Verfolgung vieler Muslime verantwortlich. Der überaus
einflussreiche und reiche Abu Djahl fiel in der Schlacht von Badr im
Jahre 624. Sein Sohn Ikrama übernahm bis zu einem gewissen Grad
seine Stellung.
Sie versprachen ihn, man werde ihn nicht ausliefern und
bestärkten ihn noch in seinem Vorhaben. Am nächsten Morgen
nahm Abu Djahl einen Stein, wie er ihn beschrieben hatte, setzte sich
nieder und wartete auf den Propheten. Dieser kam und betete,
während die Quraish in ihrer Versammlung saßen und warteten,
was Abu Djahl tun würde. Als Muhammad sich im Gebet niederbeugte,
nahm Abu Djahl einen Stein und ging auf den Propheten zu. Als er aber
in seine Nähe kam, machte er fluchtartig kehrt. Sein Gesicht hatte
die Farbe verloren und war erfüllt von Entsetzen. Seine Hände
hatten sich verkrampft und der Stein war ihm entfallen.
„Abu Djahl, was hast du“, riefen die
Quraish. „Ich ging auf ihn zu, doch als ich in seine Nähe kam“, so
erwiderte Abu Djahl, „trat mir ein Kamelhengst entgegen mit einem Kopf,
einem Nacken und Zähnen, wie ich sie noch nie an einem Hengst
gesehen habe. Er wollte mich fressen.“ Später soll der Prophet
erklärt haben, es sei Gabriel gewesen. Er hätte Abu Djahl
gepackt, wenn er noch näher gekommen wäre. [Arabische
Märchenstunde aus 1001 Nacht. Wahrscheinlich
hat dieses Ereignis niemals stattgefunden. Diese Geschichte soll wohl
ein Beleg dafür sein, dass Mohammed durch göttliche
Kräfte beschützt wurde.]
Darauf erhob sich Nadr, der Sohn des Harith und sprach:
„Männer von Quraish! Es ist etwas über euch gekommen, worauf
ihr keinen Ausweg wisst. Muhammad war ein junger Mann, den ihr alle
sehr gern hattet, dessen Worten ihr völlig vertraut
61
habt und der unter euch als der Zuverlässigste galt. Als
ihr dann seine Schläfen ergrauen saht und er mit seiner
Verkündung kam, nanntet ihr ihn zuerst einen Zauberer. Doch ein
Zauberer ist er nicht, denn wir kennen die Zauberer und haben gesehen,
wie sie auf ihre Knoten spucken7. Dann nanntet ihr ihn einen
Seher. Doch auch ein Seher ist er nicht, denn wir kennen die Seher, ihr
Verhalten und ihre gereimte Sprache. Dann nanntet ihr ihn einen
Dichter. Doch auch ein Dichter ist er nicht, denn wir kennen die
Dichtung und ihre Metren, den Hazadj, wie den Radjaz8. Dann
nanntet ihr ihn einen Besessenen. Doch auch ein Besessener ist er
nicht, denn wir kennen die Besessenheit und er zeigt weder das
bezeichnende Ersticken, noch das Einflüstern, noch die geringste
Verwirrung. Männer von Quraish! Achtet auf euch. Schlimmes ist
über euch gekommen.“
7Die auf den „Knoten spuckenden Zauberer“ werden
für die vorislamische Zeit häufig erwähnt und erscheinen
auch im Koran (Sure 113,4). Dahinter steckt die Vorstellung, dass man
durch das Blasen oder Spucken auf ein verknotetes Stück Stoff o.
ä. aus dem Besitz des zu Verfluchenden den Knoten löst und
damit dem Besitzer auf magische Art Schaden zufügt.
8Hazadj und Radjaz gelten den Arabern als
älteste Dichtungsformen. Vor allem der Radjaz (bei dem jeder Vers
in der
Regel aus zwei oder drei Dijamben besteht) ist eines der beliebtesten
altarabischen Metren für Kinder-, Spott- und Kampflieder sowie
Zauberverse.
Nadr, der dies sagte, war einer jener Teufel unter den
Quraish, die den Propheten beleidigten und angriffen. Er war in Hira im
Irak gewesen und hatte dort die Geschichte über die persischen
Könige, über Rostam und Isfandiyar kennengelernt. Und als der
Prophet einmal in einer seiner Versammlungen an Gott erinnerte und sein
Volk vor der göttlichen Heimsuchung gewarnt hatte, die die alten
Völker vor ihnen traf, war Nadr, nachdem der Prophet geendet
hatte, mit den Worten aufgestanden: „Wahrhaftig, ihr Männer von
Quraish, ich kenne bessere Geschichten als er. Kommt her zu mir! Ich
erzähle euch eine schönere Geschichte.“ Und nachdem er ihnen
von der persischen Königen, von Postam und Isfandiyar erzählt
hatte, hatte er sie gefragt: „Inwiefern ist nun Muhammad ein besserer
Geschichtenerzähler als ich?“ [Mohammed ließ Nadr dafür
im April
624 ermorden, weil dieser es gewagt hatte, ihm das Publikum
abspenstig zu machen. (siehe Tilman Nagel Seite 313]
Dieser Nadr schickten nun die Quraish zusammen mit Uqba, dem
Sohn des Abu Muait, zu den jüdischen Rabbis nach Medina, um sich
bei ihnen nach Muhammad zu erkundigen, ihnen den Propheten zu
beschreiben und ihnen von seinen Worten zu berichten. „Denn“, so
sprachen sie, „sie sind das erste Volk mit einer Heiligen Schrift und
sie verstehen von Propheten mehr als wir.“ Die beiden taten, wie sie
geheißen und baten schließlich die Rabbis in Medina: „Ihr
seid die Leute der Thora [der hebräischen Bibel] und wir sind zu
euch gekommen, damit ihr uns sagt, was wir mit diesem Mann tun sollen.“
62
„Fragt ihn“, so begannen die Rabbis, „nach drei Dingen, die
wir euch auftragen! Kann er euch darüber berichten, ist er ein
gesandter Prophet. Kann er es nicht, ist er ein Lügner. So macht
euch eure eigene Meinung über ihn. Als erstes fragt ihn nach
jungen Männern, die in alter Zeit veschwanden, denn es gibt von
ihnen eine wunderbare Geschichte. Dann fragt ihn nach dem Wanderer, der
das Ende der Erde gen Sonnenaufgang und gen Sonnenuntergang erreichte.
Und schließlich fragt ihn nach dem Wesen des Geistes. Gibt er
euch Antwort darüber, so folgt ihm, denn dann ist er ein Prophet.
Andernfalls ist er ein Lügner. Macht dann mit ihm, was ihr
für richtig haltet.“
Die beiden Männer kehrten nach Mekka zurück und
berichteten den Quraish, was die Rabbis gesagt hatten. Darauf begaben
sie sich zu Muhammad und stellten ihm die drei Fragen. Er versprach
ihnen am nächsten Tag zu antworten, vergaß jedoch
hinzuzufügen: inshallah (wenn Gott will). Zwei Wochen vergingen,
ohne dass Gott über die Fragen zu ihm sprach oder Gabriel zu ihm
kam. Schließlich streuten die Mekkaner Verleumdungen aus und
sprachen: „Muhammad hatte uns auf den folgenden Tag vertröstet.
Nun aber sind fünfzehn Nächte verstrichen ohne dass er uns
auch nur eine Frage beantwortet hat.“
Den Propheten ergriff große Trauer darüber, dass
die Offenbarung ausgeblieben war und auch die Reden der Mekkaner
bekümmerten ihn sehr. Doch dann kam Gabriel und überbrachte
ihm die Sure „Die Höhle“ (Sure 18), in der Gott ihn wegen seiner
Trauer tadelte und ihm die Antworten auf ihre Fragen über die
jungen Männer, den Wanderer und den Geist gab9. Die
Mekkaner erkannten es nun als die Wahrheit. Sie merkten, dass seine
Worte richtig waren und dass er den Rang eines Propheten besaß,
da er ihnen auf ihre Fragen verborgenes Wissen geoffenbart hatte. Aber
ihr Neid hinderte sie daran, ihm zu folgen und an ihn zu glauben. Sie
blieben anmaßend gegen Gott, übergingen ganz offensichtlich
seinen Befehl und beharrten weiter auf ihrem Unglauben. Einer von ihnen
sprach: „Hört nicht auf diesen Koran! Betrachtet ihn als
törichtes Gerede, vielleicht bleibt ihr dann siegreich. Wenn ihr
aber mit Mu-
63
hammad nur einen Tag lang disputiert und streitet, wird er
euch besiegen.“
9Sure 18, die im arabischen Text darauf teilweise
wiedergegeben ist.
[Gab es etwa irgendwelche Zweifel daran, dass Mohammed die
drei Fragen nicht hätte beantworten können? Auch ein Erzengel
hat so allerlei um die Ohren und hat nicht immer sofort für jeden
„Propheten“ Zeit. Gut Ding will Weile haben. Erinnern wir uns daran,
dass Mohammed allerlei kluge Köpfe um sich gesammelt hatte,
darunter auch ehemalige Christen und Juden, die sich natürlich in
den heiligen Schriften bestens auskannten. allmystery.de geht auf dieser
und dieser
Seite sehr ausführlich darauf ein. Vielleicht war auch ein Ritt
nach Medina erforderlich, um die nötigen Informationen bei den
dort ansässigen Juden einzuholen.]
19. Die Quraish verfolgen die
Schutzlosen unter den Muslimen Top
Die Quraish gingen gegen alle jene
feindselig vor, die sich zum Islam bekehrt hatten und dem Propheten
folgten. Besonders aber stürzten sich die Stämme auf die
Schwachen unter ihnen, die nicht den Schutz einer Sippe genossen. Sie
sperrten sie ein, folterten sie mit Schlägen, Hunger und Durst und
setzten sie in Mekka der Sonnenhitze aus, wenn diese am stärksten
war, um sie vom Islam abzubringen. Einige wurden so schwer heimgesucht,
dass sie ihren Glauben wieder aufgaben; andere blieben ihnen
gegenüber standhaft und wurden von Gott davor bewahrt.
Bilal war als Sklave geboren worden
und gehörte jemandem von der Sippe Djumah. Sein Vater hieß
Rabah, seine Mutter Hamama. Er war aufrichtig im Glauben und rein im
Herzen. Umayya, einer der führenden Männer der Djumah,
brachte Bilal oft in der größten Mittagshitze hinaus in das
breite Tal von Mekka, warf ihn auf den Rücken, ließ ihm
einen mächtigen Stein auf die Brust legen und sprach: „Du bleibst
so liegen, bis du stirbst, wenn du nicht Muhammad abschwörst und
nicht zu den Göttinnen Lat und Uzza betest.“ „Einer, Einer!“, rief
Bilal und bekannte sich trotz seiner Bedrängnis zum einzigen Gott.
[Damit wollte Bilal zum Ausdruck bringen, dass es nur einen Gott,
nämlich Allah, gibt.]
Von seinem
Vater erzählte mir Hisham ibn Urwa folgendes:
Als Bilal gequält wurde und
„Einer, Einer!“ rief, kam einmal Waraqa ibn Naufal vorüber,
bestärkte Bilal in seinem Glauben und trat dann auf Umayya und die
anderen vom Stamme Djumah zu, die sich an der Folterung Bilals
beteiligten. „Ich schwöre bei Gott“, sprach er zu ihnen, „wenn ihr
ihn auf diese Weise umbringt, werde ich sein Grab zu einer
Wallfahrtsstätte machen.“
64
Auch Abu Bakr [der engste Vertraute
Mohammeds] kam eines Tages dazu, als die Djumah, in deren Viertel sein
Haus stand, Bilal peinigten. Er fragte Umayya: „Fürchtest du nicht
Gott, dass er dich bestrafen wird für das, was du mit diesem Armen
tust? Wie lange soll das noch gehen?“ „Du warst es doch, der ihn
verdorben hat“, erwiderte Umayya, „nun befreie du ihn auch aus der
Lage, in der du ihn jetzt siehst!“ „Ja, ich werde es tun“, entgegnete
Abu Bakr, „ich habe einen schwarzen Sklaven, der kräftiger und
stärker ist als Bilal und deinem Glauben angehört. Den gebe
ich dir für Bilal.“ Umayya war damit einverstanden. Abu Bakr aber
nahm Bilal und entließ ihn aus dem Sklavenstand, so wie er schon
vor ihm sechs anderen Sklaven die Freiheit geschenkt hatte.
Es war vor allem der Frevler, Abu
Djahl, der die Quraish gegen die Muslime aufhetzte. Sobald er davon
hörte, dass ein Mann zum Islam übergetreten war, der dem Adel
angehörte und den Schutz seiner Sippe genoss, tadelte und
schmähte er ihn mit den Worten: „Du hast den Glauben deines
Vaters, der besser war als du, verlassen. Wir werden dich für
blöde und schwachsinnig erklären und dir dein Ansehen
zugrunde richten.“ Wenn es ein Händler war, der den Islam
angenommen hatte, sprach er zu ihm: „Wahrlich, wir werden deine
Geschäfte boykottieren und dir dein Vermögen vernichten.“ Und
wenn es jemand aus unterstem Stand war, schlug er ihn und hetzte die
anderen gegen ihn auf.
20. Die
Auswanderung nach Abessinien (Äthiopien) [615] Top
Als der Prophet all
das Unglück sah, das seine Gefährten traf, und erkannte, dass
er sie nicht davor schützen konnte, obwohl er selbst, dank der
Hilfe Gottes und seines Onkels Abu Talib verschont blieb, riet er
ihnen, nach Abessinien wegzuziehen. „Denn dort“, so sprach er,
„herrscht ein [christlicher] König, bei dem niemanden Unrecht
geschieht. Es ist ein freundliches Land. Bleibt dort, bis Gott eure Not
zum Besten wendet!“
65
Darauf folgten die
Gefährten des Propheten nach Abessinien, da sie die Versuchung
fürchteten, vom Islam abzufallen und sich mit ihrem Glauben zu
Gott flüchten wollten. Es war dies die erste Hidjra [Auswanderung
aus Mekka, auch Hidschra genannt]. Die Zahl der Auswanderer ohne
Söhne, die sie als Kleinkinder bei sich hatten oder die dort
geboren wurden, betrug 83 Mann. Zu den Geschichten, die von den
Auswanderern verfasst wurden, nachdem sie sicher in Abessinien
angekommen waren, die freundliche Aufnahme durch den Negus [König]
lobten und ohne Furcht vor jemanden Gott dienen konnten, gehörten
die folgenden Worte des Abdallah ibn Harith:
O Reiter, bringe von mir eine Botschaft zu denen,
die Gottes Worte und Kunde vom Glauben erstreben.
Beichte allen Verfolgten im Tale von Mekka,
die dort nur Qualen und schmachvolle Folter erleben:
„Wir haben im Land unseres Gottes die Helfer gefunden,
die uns aus Schande und Scham und Erniedrigung heben.
So bleibt nicht länger mehr dort, wo euch Schmach und Verachtung
im Leben, wie auch im Tode für immer umgeben!“
Uthman
ibn Mazun richtete gegen seinen Vetter Umayya, der damals im Stamme
Djumah eine führende Rolle spielte und ihn wegen seines Glaubens
misshandelt hatte, die folgenden Verse:
Nun, da das Meer und gewaltige Berge uns trennen,
wundert mir doch, welchen Hass du entgegen mir brachtest.
Weg triebst du mich aus dem sicheren Tale von Mekka,
hier dieses Schloss du zu bitterer Wohnstatt mir machtest.
Aber vergebens befiederst du nun deine Pfeile,
ja, auch umsonst auf die Schärfe der Spitzen du achtest.
Edle und mächtige Männer bekämpfst du grausam,
frühere Hilfe von ihnen du nicht mehr beachtest.
Erst wenn das Unglück und niedre Verräter dich treffen,
wirst du begreifen, welch schmerzlichen Fehler du machtest.
66
21.
Die Quraish senden eine Delegation nach Abessinien, um die Auswanderer
zurückzuholen Top
Als die Quraish sahen, dass die Gefährten
des Propheten sicher und geborgen in Abessinien lebten und dort ein
schützendes Obdach gefunden hatten, beschlossen sie, zwei
standhafte Männer aus ihren Reihen zum Negus [Negus bedeutet
König und ist einer der ältesten Feudaltitel des
Kaiserreiches Äthiopien.] zu schicken, um die Auswanderer von
ihrem Glauben abzubringen und sie aus dem Land ihrer Zuflucht wieder
zurückzuholen. Sie sandten Abdallah, den Sohn des Abu Rabia und Amr9.1, den Sohn des As. Für den Negus und seine
Heerführer gaben sie ihnen Geschenke mit.
9.1[Amr ibn
As, aus der Sippe der Quraish, spielte zu Mohammeds
Lebzeiten noch eine untergeordnete Rolle. Nach seiner Bekehrung einige
Monate vor der Eroberung Mekkas, nutzte Mohammed jedoch gleich
sein militärisches Talent und beaufragte ihn mit einigen kleineren
militärischen Aktionen und schließlich mit der Unterwerfung
von Oman. Er spielte dann eine bedeutende Rolle bei den Feldzügen
in Syrien und eroberte Ägypten, wo er Fustat, das spätere
Kairo, gründete. Er starb 663. Mohammed hatte bereits zu Lebzeiten
74 Kriege gegen arabische, jüdische und christliche Stämme
geführt. Doch auch nach Mohammeds Tod setzte sich die islamische
Expansion fort. Mit Feuer und Schwert wurden Palästina,
Syrien, Jordanien, Israel, Ägypten, Armenien, Marokko, Iran,
Irak, Ägypten, Spanien, Portugal, Teile Frankreichs, die
Türkei
(Byzanz), Zypern, Indien, China und Pakistan erobert und zwangsweise islamisiert. (siehe: Islamische Expansion)]
Umm Salama,
später eine der Frauen des Propheten, schilderte hinterher dem Abu
Bakr aus dem Stamme der Makhzum die Ereignisse. Von diesen hörte
Muhammad ibn Muslim den Bericht, der ihn mir weiter erzählte:
Umm Salama sprach: Als wir in Abessinien
ankamen, wurden wir vom Negus aufs beste aufgenommen. Wir konnten in
Sicherheit unseren Glauben ausüben und Gott dienen, ohne dass wir
misshandelt wurden oder etwas Unziemliches zu hören bekamen. Als
die Quraish in Mekka dies erfuhren, beschlossen sie, wegen uns zwei
standhafte Männer aus ihren Reihen zum Negus zu schicken und ihnen
vom Besten, was Mekka an Waren zu bieten hatte, Geschenke für ihn
mitzugeben. Das, was man am meisten unter den aus Mekka nach Abessinien
eingeführten Waren schätzte, war Leder. Man brachte nun
für den Negus eine große Menge davon zusammen und bereitete
auch für jeden seiner Feldherrn ein Geschenk vor. Dann schickten
sie damit Abdallah und Amr nach Abessinien und gaben ihnen die Weisung
mit, sie sollten zuerst den Feldherrn und erst dann dem Negus die
Geschenke übergeben und diesen darauf bitten, ihnen die
Auswanderer auszuliefern, bevor er selbst mit ihnen gespochen habe.
67
Die beiden machten sich auf den Weg und kamen
zum Negus, bei dem wir uns in bester Obhut befanden. Sie übergaben
zunächst den Feldherrn ihre Geschenke und erklärten jedem von
ihnen: „In das Land eures Königs sind einige törichte
Burschen von uns geflohen, die sich vom Glauben ihres Volkes getrennt
haben, aber auch nicht eurer [christlichen] Religion beigetreten sind.
Sie haben eine neue Religion erfunden, die uns ebensowenig bekannt ist,
wie euch. Die Führer unseres Volkes haben uns deshalb zu eurem
König gesandt, damit er sie zu uns zurückschickt. Wenn wir
nun mit dem König darüber sprechen werden, so ratet ihm, er
solle sie uns ausliefern, ohne dass er erst mit ihnen redet, denn wir
wissen an besten über sie und ihre Schandtaten Bescheid.“
Die Feldherren versprachen es ihnen. Dann
übergaben die beiden auch dem Negus seine Geschenke und dieser
nahm sie an. Sie erhoben vor ihm die gleichen Anschuldigungen gegen die
Auswanderer, wie vor den Feldherrn und diese rieten dem Negus, der
Bitte der Mekkaner nachzukommen. Doch da erzürnte der Negus und
sprach: „Nein, bei Gott, ich werde sie den beiden nicht ausliefern.
Keinen, der schutzsuchend in mein Land kam und mich anderen vorzog,
werde ich preisgeben, bevor ich sie nicht gerufen und darüber
befragt habe, was die beiden von ihnen behaupten. Ist es so, wie sie
sagen, werde ich sie ihnen ausliefern und zu ihrem Volk
zurückschicken. Ist es aber nicht so, so werde ich sie vor den
beiden in Schutz nehmen und ihnen meine Gastfreundschaft gewähren,
solange sie mich darum bitten.“
Sodann schickte er einen Boten zu den
Gefährten des Propheten, um sie zu holen. Als dieser zu ihnen kam,
versammelten sie sich und berieten darüber, was sie dem Negus
sagen sollten, wenn sie zu ihm kämen. „Was auch immer geschehen
wird“, so sprachen sie, „wir werden ihm sagen, was wir wissen und was
unser Prophet uns befahl.“
Der Negus hatte auch seine Bischöfe holen
lassen, die ihre Heiligen Schriften um ihn herum ausbreiteten. Als die
Muslime ankamen, fragte der Negus: „Was ist das für eine Religion,
deretwegen ihr euch von eurem Volk getrennt habt ohne dass ihr meiner
oder einer anderen bekannten Religion beigetreten seid?“
68
„O König“, begann Djafar, der Sohn des Abu
Talib, seine Antwort. „Wir waren ein unwissendes Volk, verehrten
Götzen, aßen unreines Fleisch, gingen zu den Huren,
verletzten Verwandschaftsbande, missachteten die Gastfreundschaft und
die mächtigen unter uns bereicherten sich an den Schwachen. So
lebten wir, bis Gott uns aus unserer Mitte einen Propheten sandte,
dessen Abstammung, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Anstand wir kennen.
Er rief uns auf, die Einheit Gottes zu bekennen und ihm zu dienen, die
Steine und Götzen aber, die wir und unsere Väter verehrten,
aufzugeben. Er befahl uns, stets die Wahrheit zu sprechen, Treue zu
bewahren, Blutsbande zu achten, dem Gast Schutz zu gewähren und
Verbrechen und Blutvergießen zu vermeiden [Man denke nur daran,
wieviel Blut inzwischen im Namen des Islam vergossen wurde.] Er verbat
uns zu huren und zu lügen9.2, den
Waisen den Besitz zu nehmen und unbescholtene Frauen zu verleumden. Er
befahl uns, Gott allein zu verehren und ihm nichts [keine anderen
Götter] beizugesellen, zu beten, Almosen zu geben und zu fasten.
Wir glaubten an ihn, folgten ihm in seiner Offenbarung, dienten Gott
allein, ohne ihm etwas anderes beizugesellen, erachteten für
verboten, was er uns für verboten erklärte, und sahen als
erlaubt an, was er uns erlaubte. Unser Volk aber stürzte sich auf
uns, peinigte uns und versuchte, uns von unserem Glauben abzubringen,
damit wir die Verehrung Gottes aufgeben, zum Götzendienst
zurückkehren und wieder wie zuvor die üblen Dinge für
erlaubt halten sollten. Als sie dann mit Gewalt gegen uns vorgingen,
uns unterdrückten, uns Beschränkungen auferlegten und uns an
der Ausübung unseres Glaubens hinderten, begaben wir uns in dein
Land und wollten lieber bei dir als bei jemand anderem sein. Wir
schätzen deinen gastlichen Schutz und hoffen, dass uns bei dir, o
König, kein Unrecht geschieht.“
[9.2Mit der
Wahrheit nimmt es der Koran allerdings nicht immer so genau. So gibt es
zum Beispiel den Begriff der Taqyiia (Taqiyya), der es dem Moslems
erlaubt, in Notsituationen zu lügen. Der Koran erlaubt in
Notsituationen die Verheimlichung oder gar Verleugnung des Glaubens,
solange man „innerlich am Glauben festhält“ (Sure 16,106). Weiter
erlaubt der Koran die vordergründige Freundschaft mit Feinden des
Islams (normalerweise soll nach Sure 5,51 kein Muslim mit einem Juden
oder Christen eine Freundschaft eingehen), wenn man sich vor ihnen
fürchtet (Sure 3,28). Auch der Genuss verbotener Speisen (Alkohol,
Blut, Fleisch von ungeschächteten Tieren, Schwein, Hund oder
Katze) ist den Moslems erlaubt, wenn sie in einer Notlage sind (Sure
6,119).
Die Koranverse, die Taqiyya erlauben, werden
von der Tafsir-Wissenschaft mit dem Fall des Ammār ibn Yāsir in
Verbindung gebracht, der gezwungen worden war, Götzen zu verehren.
Überliefert wurde der Fall zweier muslimischer Gefangener des
„falschen Propheten“ Musailima, von denen einer den Märtyrertod
wählte, der andere aber sein Leben rettete, indem er vorgab, dem
Gegenpropheten zu huldigen. Der Prophet Mohammed soll bei der Nachricht
des Todes erklärt haben: „Der Getötete ist dahingegangen in
seiner Gerechtigkeit und seiner Glaubensgewissheit und hat seine
Herrlichkeit erlangt; Heil ihm! Dem andern aber hat Gott eine
Erleichterung gewährt, keine Züchtigung soll ihn treffen.“
Rudolf Strothmann-Moktar Djebli: Taqiyya. In: Encyclopedia of Islam.
Leiden 2003, S. X:134a-136a. (Quelle: Taqiyya)]
„Hast du etwas von der Offenbarung dabei, die
euer Prophet euch brachte?“ fragte der Negus. „Ja“ „Lies es mir vor.“
Djafar rezitierte einen Abschnitt aus der Sure „Maria10“ [10Sure 19], und, wahrlich, der Negus weinte, bis
sein Bart feucht war. Und auch seine Bischöfe weinten, bis
Tränen ihre heiligen Schriften benetzten. [Ich
möchte noch einmal darauf hinweisen, dass der Koran zu dieser
Zeit, also bevor Mohammed aus Mekka auswanderte, noch einen sehr
spirituellen, friedlichen und freundlichen Charakter hatte. Dies
änderte sich allerdings 622 mit der Auswanderung Mohammeds aus
Mekka.] Dann wandte sich der
Negus an die beiden Abgesandten der Mekkaner und sprach:
69
„Diese Offenbarung und die Offenbarung Jesu
kommen aus derselben Nische. Geht! Bei Gott, ich werde sie euch nicht
ausliefern und sie nicht hintergehen!“ Als die beiden den Negus
verließen, sagte Amr zu Abdallah: „Morgen werde ich ihm etwas
erzählen, womit ich sie an der Wurzel vernichte!“ Abdallah, der
gottesfürchtigere der beiden, wandte ein: „Tue es nicht!! Auch
wenn sie sich uns widersetzt haben, bleiben sie doch unsere
Stammesgenossen.“ Amr aber beharrte darauf und sprach: „Ich werde ihm
von ihrer Behauptung berichten, Jesus, der Sohn Mariens, sei nur ein
Mensch gewesen.“
Am nächsten Morgen ging Amr zu Negus und
sagte: „O König, sie behaupten Ungeheuerliches von Jesus. Lass sie
holen und frage sie danach!“ Der Negus folgte seinen Worten. Noch nie
war uns dergleichen geschehen. Die Auswanderer versammelten sich wieder
und berieten, was sie über Jesus antworten sollten, wenn man sie
danach fragte. Dann beschlossen sie: „Wir werden sagen, was Gott sagte
und was uns unser Prophet geoffenbart hat, nämlich das er der
Diener Gottes, sein Prophet, sein Geist und sein Wort ist, das er der
Jungfrau Maria eingegeben hatte.“
Der Negus nahm einen Stock vom Boden auf und
sprach: „Wahrlich, Jesus ist nicht um eine Länge dieses Stockes
mehr, als das, was du sagtet.“ Ein Raunen ging durch die ihn umgebenden
Feldherrn, doch er fuhr fort: „Wenn ihr auch raunt“, und an die Muslime
gewandt, „geht, ihr seid sicher in meinem Land. Wer euch beschimpft,
wird Strafe zahlen. Nicht für einen Berg aus Gold würde ich
einem von euch Unrecht tun. Gebt den beiden ihre Geschenke zurück.
Ich brauche sie nicht. Gott hat kein Bestechungsgeld angenommen, als er
mir meine Herrschaft zurück-
70
gab. Warum sollte ich nun gegen ihn
Bestechungsgeld annehmen! Er ist damals nicht den Leuten gegen mich
gefolgt, weshalb sollte ich nun ihnen gegen ihn folgen?“ Da
verließen die beiden den Negus, schmachvoll und mit Geschenken,
die sie mitgebracht hatten. Wir aber blieben bei ihm in sicherer Obhut.
22. Umar ibn Khattab wird Muslim Top
Nachdem
Amr und Abdallah zu den Quraish zurückgekehrt waren, ohne die
Prophetengefährten und mit einer abweisenden Antwort des Negus,
und nachdem Umar ibn Khattab10.1, ein
energischer Mann, an dessen Schutzbefohlene sich niemand heranwagte,
sich inzwischen auch zum Islam bekehrt hatte, erhielten die noch in
Mekka lebenden Prophetengefährten durch Umar und den ebenfalls
bekehrten Hamza ibn Abdalmuttalib10.2
solchen Schutz, dass sie den heidnischen Quraish Widerstand leisten
konnten. Abdallah, der Sohn des Masud, pflegte immer zu sagen: „Wir
konnten solange nicht unsere Gebete bei der Kaaba verrichten, bis Umar
Muslim wurde. Nachdem er zum Islam übergetreten war,
bekämpfte er die Quraish, bis er bei der Kaaba beten konnte und
auch wir mit ihm dort beteten.“
10.1Umar ibn Khattab kam aus der in Mekka
politisch unbedeutenden quraischitischen Sippe „Adi“. Seine
ursprünglich erbitterte Feindschaft gegenüber Muhammad und
seine plötzliche Bekehrung aufgrund einiger Koranverse, haben ihn
in Europa einen Vergleich mit dem christlichen Apostel Paulus
eingebracht. Die besondere Stellung, die er bereits im heidnischen
Mekka innegehabt haben soll, ist gewiss übertrieben. Erst seine
enge Freundschaft mit Abu Bakr, die Heirat seiner Tochter Hafsa mit dem
Propheten [Hafsa wurde Mohammeds vierte Ehefrau.] und seine eigene
Tatkraft und Zuverlässigkeit haben ihn wohl so eng mit dem
Propheten verbunden, der sehr auf seinen Rat hörte. Im Jahre 634
trat Umar ibn Khattab als zweiter Kalif die Nachfolge Abu Bakrs an.
Unter seiner Herrschaft erfolgten die großen Eroberungen im Irak,
in Syrien und Ägypten. Zahlreiche politische Einrichtungen, die
aus der jungen Gemeinde ein funktionierendes Statswesen machen sollten,
gehen auf ihn zurück. Seine Strenge und sein puritanischer
Lebenswandel sind berühmt geworden. Ende 644 wurde er von einem
christlichen Sklaven ermordet.
10.2Hamza ibn Abdalmuttalib war ein Onkel des
Propheten, der sich durch seinen persönlichen Einsatz für
Muhammad in Mekka, vor allem aber durch seine Tapferkeit, bei den
Schlachten von Badr und Uhud, auszeichnete. Bei Uhud wurde er
allerdings getötet und seine Leiche verstümmelt. In der
späteren Volksliteratur wurde Hamza zu einer phantastischen
Heldengestalt.
Umar
bekannte sich zum Islam, nachdem die Auswanderer nach Abessinien
gezogen waren. Und so kam es, wie ich erfahren habe, zu seiner
Bekehrung: Seine Schwester Fatima und ihr Mann Said ibn Zaid hatten den
Islam angenommen, verbargen aber ihren Glauben vor Umar. Aus seiner
Sippe bekannte sich ferner Nuaim ibn Abdallah zum Islam und
verheimlichte dies ebenfalls aus Angst vor seiner Familie. Khabbab ibn
Aratt besuchte häufig Fatima, um ihr den Koran vorzulesen. Eines
Tages machte sich Umar mit umgürteten Schwert auf den Weg zum
Propheten und einer Gruppe seiner Gefährten, von denen man ihn
berichtet hatte, dass sie in einem Haus bei Safa zusammengekommen
waren. Einschließlich der Frauen waren es fast
71
40
Personen, darunter Muhammads Onkel Hamza, Abu Bakr und Ali mit einigen
anderen Muslimen, die beim Propheten geblieben und nicht nach
Abessinien ausgewandert waren. Nuaim traf Umar auf dem Weg und fragte
ihn: „Wohin willst du Umar?“ „Zu Muhammad, diesem Sabier11, der die Quraish gespalten, ihre Tugenden für dumm
erklärt, ihre Religion geschmäht und ihre Götter
beschimpft hat, damit ich ihn umbringe.“
11Wie im Koran sind auch hier unter Sabier
(Sabäer), die
Mandäer (Nazoreär) zu verstehen, die nach Juden und Christen
als dritte
„Buchreligion“ angesehen wurden.
„Du
betrügst dich selbst, Umar. Glaubst du denn die Abdmanaf werden
dich länger auf Erden wandeln lassen, nachdem du Muhammad
getötet hast? Willst du denn nicht lieber zu deiner eigenen
Familie gehen und dort nach dem Rechten sehen?“ „Wen aus meiner Familie
meinst du denn?“ „Dein Schwager und Vetter Said und deine Schwester
Fatima haben den Islam angenommen und sind Muhammads Glauben gefolgt.
Kümmere dich erst einmal um sie!“
Da
kehrte Umar um und begab sich zu seiner Schwester und seinem Schwager.
Bei diesen war gerade Khabbab mit einem Blatt, auf dem die Sure „Taha12“ (12Sure 20) geschrieben war, die er den beiden
vorlas. Als sie Umar kommen hörten, versteckte sich Khabbab in
einem Zimmer, während Fatima das Blatt nahm und unter ihren
Oberschenkel schob. Umar hatte aber, als er sich dem Haus näherte,
Khabbabs Rezitation gehört und fragte deshalb beim Eintreten: „Was
war das für eine Stimme, die ich gehört habe?“ „Nichts hast
du gehört!“, entgegneten die beiden. „Doch, auch hat man mir
erzählt, dass ihr dem Glauben Muhammads gefolgt seid.“
Mit
diesen Worten stürzte er sich auf Said. Fatima warf sich
dazwischen, um ihn von ihrem Mann zurückzuhalten. Doch er schlug
auf sie ein und verwundete sie am Kopf. Da gestanden die beiden: „Ja,
wir sind Muslime geworden und glauben an Gott und seinen Propheten.
Mache mit uns, was du willst.“Als Umar sah, dass seine Schwester
blutete, bereute er seine Tat, wich zurück und sagte zu ihr: Gib
mir das Blatt, von dem ich euch vorhin habe vorlesen hören, damit
ich sehe, was Muhammad verkündet.“
72
Umar
konnte nämlich lesen und schreiben. Fatima wandte ein: „Wir haben
Angst, du könntest es vernichten.“ „Sei unbesorgt“, versuchte Umar
sie zu beruhigen und schwor ihr bei seinen Göttern, er werde es
ihr zurückgeben, wenn er es gelesen habe.
Da
hoffte Fatima, er werde sich vielleicht zum Islam bekehren und sagte:
„Du bist unrein in deiner Vielgötterei, mein Bruder, und nur der
Reine darf es berühren.“ Da wusch sich Umar und sie gab ihm das
Blatt mit der Sure Taha. Nachdem er einen Abschnitt davon gelesen
hatte, rief er aus: „Welch schöne und edle Worte!“ Als Khabbab in
seinem Versteck dies hörte, kam er heraus und sprach zu Umar:
„Wahrlich, Umar, ich hoffe, Gott hat dich mit dem Ruf seines Propheten
ausgezeichnet, denn ich hörte, wie dieser gestern sagte: „O Gott,
stärke den Islam durch den Übertritt des Abu l-Hakam oder des
Umar!“
„Führe
mich zu Muhammad, Khabbab, damit ich Muslim werde.“ „Er ist mit einigen
seiner Gefährten in einem Hause bei Safa.“ Da gürtete Umar
sein Schwert um, ging zum Propheten und seinen Gefährten und
klopfte bei ihnen an die Tür. Als sie seine Stimme vernahmen,
erhob sich einer der Gefährten, ging zur Tür und erblickte
durch den Spalt Umar mit dem Schwert. Voller Angst lief er zu Muhammad
zurück und rief: „O Gottes Gesandter! Es ist Umar und er
trägt ein Schwert!“ Hamza, der Sohn des Abdalmuttalib aber sprach:
„Lass ihn ein! Hat er Gutes im Sinn, werden wir ihn entsprechend
behandeln. Hat er Schlechtes im Sinn, werden wir ihn mit seinem eigenen
Schwert töten.“
„So
lass ihn ein“, stimmte der Prophet zu und der Mann öffnete Umar
die Tür. Muhammad erhob sich und trat im Zimmer auf ihn zu, packte
ihn am Gürtel, zog ihn fest an sich und sprach: „Was bringst du,
Sohn des Khattab? Bei Gott, ich fürchte, du wirst die Muslime
solange verfolgen, bis Gott Unheil über dich herabsendet!“
73
„Gesandter
Gottes“, entgegnete Umar, „ich bin gekommen, um an Gott, seinen
Propheten und dessen Offenbarungen zu glauben.“ „Gott ist groß“,
rief da Muhammad so laut, dass alle im Hause wussten, dass Umar Muslim
geworden war. Darauf zersteuten sich die Gefährten des Propheten
gestärkten Herzens, nachdem sich nun nach Hamza auch Umar zum
Islam bekehrt hatte. Sie wussten nämlich, dass diese beiden den
Propheten schützen konnten und sie mit ihrer Hilfe von ihren
Feinden Gerechtigkeit erlangen würden.
23.
Die Boykotturkunde Top
Die
ausgewanderten Prophetengefährten hatten in Abessinien eine
sichere Zuflucht gefunden. Der Negus schützte jeden, der sich zu
ihm flüchtete. Umar war zum Islam übergetreten und stand
jetzt zusammen mit Hamza auf Seiten des Propheten und seiner
Gefährten. Unter den Stämmen begann sich der Islam weiter
auszubreiten. Als die heidnischen Quraish dies alles sahen, berieten
sie darüber eine Urkunde zu verfassen, in der gegen die Sippen
Hashim und Mutallib die folgenden Boykottmaßnahmen festgelegt
werden sollten: Es dürfen keine Ehen mehr mit Angehörigen
dieser beiden Sippen geschlossen werden und es darf nicht mehr an sie
verkauft und nichts mehr von ihnen gekauft werden. Nachdem sie sich
darauf geeinigt hatten, schrieben sie die Bedingungen auf ein Blatt und
gaben sich das Verspechen, diese einzuhalten. Das Blatt hängten
sie in die Mitte der Kaaba auf, damit es sie immer wieder an ihre
Verpflichtung gemahme. Der Schreiber der Urkunde war Mansur ibn Ikrima
aus der Sippe Abdmanaf ibn Abdaddar. Der Prophet verwünschte ihn
bei Gott, worauf einige seiner Finger gelähmt wurden.
Als
die Quraish diesen Boykott verhängten, gingen die Banu Hashim und
die Banu Muttalib alle zu Abu Talib, schlossen sich seiner Gruppe an
und
sammelten sich um ihn. Nur Abu Lahab aus der Sippe Hashim trennte sich
von ihnen und half den heid-
74
nischen
Quraish. Über diese Vorgänge sprach Abu Talib die folgenden
Verse:
Gebe dem Stamme Luayy [Quraish] und dort vor allem den Kab
[Kab ibn Luayy],
von mir über uns mit folgendem Bericht:
Wisst ihr denn nicht, dass wir Muhammad als Gesandten fan-
den so wie Moses, von dem das erste aller Bücher spricht?
Und dass euch dieses Schreiben zum Unheil wird gereichen
wie des Kameles Schrei, das mit zerschnittener Sehne niederbricht.
Wacht auf, bevor man euch das Grab in dieser Erde gräbt
und ihr danach mit schwerer Sünde tretet vor Gericht!
Den Vätern folget nicht! Zerreißet nicht die Bande,
die uns knüpften einst die Liebe und des Blutes Pflicht!
Sehnt nicht herbei den endlosen Krieg, denn bitter schmeckt
oft jenen der Krieg, der am meisten war darauf erpicht.
Beim Herren der Kaaba! An die Bedrängnis der Zeit und
die Not verraten wir Muhammad, den Gepriesenen, nicht,
solange noch Hälse und Hände dem Schwerte entgingen,
dessen Eisen vom Berge Qusas leuchtet im Licht,
wenn du siehst, wie auf engem Schlachtfeld, brechen die Speere
und die gierigen Geier sich laben mit schwarzem Gesicht,
wenn Rosse rennen verzweifelt über das Feld
und die Helden schrein, solange noch einer ficht.
Hat doch Hashim, unser Vater, seine Lenden umgürtet
und Lanze und Schwert seinen Söhnen gemacht einst zur Pflicht.
Der Krieg ermüdet uns nicht, solange nicht wir ihn ermüden,
und niemand hört uns klagen, wenn herein das Unheil bricht.
Wenn den anderen Helden die Herzen entfliehen vor Angst,
verlassen uns der Verstand und die Tapferkeit nicht.
Zwei
oder drei Jahre litten dann die Muslime unter dem Boykott, bis sie
völlig erschöpft waren, da nur noch insgeheim und heimlich
etwas zu ihnen gebracht werden konnte.
75
24.
Die Rückkehr der Auswanderer aus Abessinien Top
Die
Gefährten des Propheten, die nach Abessinien ausgewandert waren,
hörten dort, die Mekkaner seien alle zum Islam übergetreten
und zogen deshalb nach Mekka zurück. Als sie jedoch in die
Nähe der Stadt anlangten, erfuhren sie, dass die Nachrichten von
der Bekehrung der Mekkaner falsch waren, weshalb sie nur unter dem
Schutz einer Sippe oder heimlich in die Stadt zurückkehren
konnten. Einige von ihnen blieben dann in Mekka, bis sie mit dem
Propheten nach Medina auswanderten und auf seiner Seite bei Badr und
Uhud kämpften. Andere wurden bis nach der Schlacht von Badr durch
ihre heidnischen Verwandten vom Propheten ferngehalten. Wieder andere
starben noch vorher in Mekka. Insgesamt kehrten 83 Männer aus
Abessinien zu Mohammed nach Mekka zurück. [83 Männer waren
auch im Jahre 615 nach Abessinien ausgewandert.]
25.
Die Aufhebung des Boykotts Top
Die
Banu Hashim und die Banu Muttalib lebten in jenem schluchtartigen
Viertel von Mekka, dass die Quraish ihnen in der Boykotturkunde
zugewiesen hatten. Schließlich betrieben aber doch einige der
heidnischen Quraish die Aufhebung der Boykotturkunde, die sie gegen die
beiden Sippen verfasst hatten. Keiner erwies sich dabei als so
entschlossen wie Hisham ibn Amr, der durch seine Mutter mit den Banu
Hashim verbunden war und ein enges Verhältnis zu ihnen hatte. Er
genoss hohes Ansehen in seinem Volk und pflegte des Nachts, wenn sich
die Banu Hashim und Banu Muttalib in ihren Vierteln befanden, mit
seinem Kamel, dass er einmal mit Nahrungsmit-
76
teln,
ein anderesmal mit Kleidung beladen hatte, bis zum Eingang der Schlucht
zu ziehen. Dort nahm er dem Tier das Halfter vom Kopf und versetzte ihm
einen Hieb in die Seite, so dass es in die Schlucht lief.
Schließlich begab er sich zu Zuhair, dem Sohn des Abu Umayya, aus
der Sippe Makhzum, dessen Mutter eine Tante des Propheten war und
sprach zu ihm:
„Zuhair,
wie kannst du noch zufrieden essen, dich kleiden und heiraten,
während man den Verwandten deiner Mutter weder etwas verkauft noch
etwas von ihnen kauft und ihre Männer keine Frauen und ihre Frauen
keine Männer mehr zur Ehe bekommen. Ich schwöre dir bei Gott,
wenn es um die Verwandten des Abu l-Hakam ginge und du ihn um einen
solchen Boykott gebeten hättest, hätte er deiner Bitte
niemals entsprochen.“ „Weh dir, Hisham“, entgegnete ihm Zuhair. „Was
kann ich schon tun? Ich bin allein. Wenn ich noch jemanden zur Seite
hätte, würde ich mich so lange für die Aufhebung des
Boykotts einsetzen, bis er aufgehoben wird.“ „Du hast doch schon einen
zweiten Mann gefunden!“ „Wen denn?“ „Mich!“ „So suche einen Dritten!“
Da
ging Hisham zu Mutin, dem Sohn des Adi, und sprach: „Mutim, kannst du,
nur um den Quraish zuzustimmen, zufrieden mit ansehen, wie zwei Sippen
aus der Nachkommenschaft des Abdmanaf zugrunde gehen? Wenn ihr sie mit
diesen beiden Familien so etwas tun lasst, wirst du wahrlich bald
erleben, wie sie mit euch das gleiche machen“, „Was kann ich allein
schon tun?, antwortete ihm auch Murtim und Hisham entgegnete: „Ich habe
schon einen Zweiten!“ „Wen?“ „Mich selbst.“ „So suche einen Dritten.“
„Das habe ich auch schon getan.“ „Wer ist es?“ „Zuhair, der Sohn des
Abu Umayya.“ „So suche einen Vierten!“ Darauf begab sich Hisham noch zu
Abu l-Bakhtari und zu Zamaa, dem Sohn des Aswad, wobei ähnliche
Worte gewechselt wurden.
77
Diese
fünf Männer verabredeten dann ein nächstes Treffen auf
der Höhe von Hadjun oberhalb Mekkas. Sie kamen dort zusammen und
beschlossen, gemeinsam die Aufhebung des Boykotts zu betreiben und
durchzusetzen. Zuhair verlangte noch als erster sprechen zu
dürfen. Am nächsten Morgen, als die Quraish zu ihren
Versammlungen gingen, kam er in einem feierlichen Gewande, umschritt
siebenmal die Kaaba, trat dann zu den Versammlungen und sprach:
„Mekkaner, können wir noch essen und uns kleiden, während die
Banu Hashim dem Untergang geweiht sind, da sie nichts verkaufen und
nichts kaufen können. Wahrlich ich werde mich nicht setzen,
solange diese ungerechte Boykotturkunde nicht zerrissen worden ist!“
„Lügner“,
rief Abu Djahl, der an der Seite des Heiligtums saß, „sie wird
nicht zerrissen!“ „Du bist ein noch größerer Lügner“,
griff Zamaa in den Streit ein. „Wir waren damals nicht damit
einverstanden, dass die Urkunde geschrieben wurde.“ Und Abu l-Bakhtari
unterstützte ihn mit den Worten: „Zamaa hat Recht, wir waren
damals nicht damit einverstanden.“ Und Mutim fügte hinzu: „Ihr
beiden habt die Wahrheit gesagt und jeder, der etwas anderes behauptet,
ist ein Lügner. Wir sind vor Gott unschuldig an der Urkunde und
ihrem Inhalt.“
Nachdem
auch Hisham noch entsprechende Worte geäußert hatte, sprach
Adu Djahl: „Das ist des Nachts irgendwo ausgeheckt und nicht hier
bespochen worden!“ Abu Talib sass währenddessen neben dem
Heiligtum. Mutim aber ging zu dem Dokument, um es zu zerreißen,
doch die Würmer hatten es schon fast völlig aufgefressen und
nur noch die Worte: „In deinem Namen, o unser Gott!“ waren erhalten
geblieben.
78
26.
Eine christliche Gesandtschaft bekehrt sich zum Islam Top
Eines
Tages kamen etwa 20 Christen aus Abessinien zum Propheten nach Mekka,
die von ihm gehört hatten. Sie fanden ihn im Heiligtum, setzten
sich zu ihm, sprachen mit ihm und stellten ihm Fragen, während
sich die Quraish in ihren Versammlungen rund um die Kaaba befanden.
Nachdem sie den Propheten alles gefragt hatten, was sie wollten, rief
er sie zu Gott auf und trug ihnen den Koran vor. Als sie diesen
hörten, liefen ihnen die Augen vor Tränen über. Sie
folgten seiner Aufforderung, glaubten an ihn und erkannten an ihm die
Merkmale, die in ihrer Heiligen Schrift über ihn geschrieben
waren. Als sie den Propheten verließen, stellte sich ihnen Abu
Djahl mit einigen anderen Quraish in den Weg.
[Vielleicht
kann mir einmal ein Moslem erzählen, in welcher Heiligen Schrift,
die Merkmale eines Propheten beschrieben sein sollen, von denen hier
immer wieder die Rede ist.]
„Ihr
elenden Kerle“, schimpften die Quraish, „eure Glaubensgenossen zu Hause
haben euch geschickt, damit ihr diesen Mann hier aufsucht und ihnen
dann einen Bericht über ihn bringt. Nun habt ihr euch kaum zu ihm
gesetzt, da gebt ihr schon eure Religion auf und glaubt ihm sein
Gerede. Wir haben noch nie etwas Dümmeres als euch gesehen.“
„Frieden sei mit euch“, erhielten sie zur Antwort „wir wollen uns mit
euch nicht in dummes Gerede einlassen. Wir haben unsere Religion und
ihr die eure. Wir haben uns eifrig um das Beste bemüht.“
Nach
anderen Berichten waren die Christen nicht aus Abessinien, sondern aus
Nadjran gekommen. [Nadjran (Nadschran) liegt in Südwest-Arabien,
im heutigen Jemen.] Auf sie sollen sich die folgenden Koranverse
beziehen:
Diejenigen,
die die Schrift erhalten haben, noch ehe der Koran da war,
glauben an ihn. Und wenn er ihnen verlesen wird, sagen sie:
„Wir glauben an ihn. Es ist die Wahrheit von unserem Herrn. Wir waren
schon Muslime, noch ehe er [der Koran] da war.“ (usw. bis zu dem Vers:)
„Uns kommen unsere Werke zu und euch die euren. Heil sei über
euch. Wir wollen mit den Toren nichts zu tun haben.“ (Sure 28,52-55).
79
Sehr
häufig, so habe ich erfahren, saß der Prophet auf der
Höhe von Marwa am Verkaufsstand eines jungen christlichen Sklaven
namans Djabar. Die Gegner des Propheten behaupten deshalb: „Das meiste
was Muhammad verkündet, bringt ihm dieser christliche Sklave Djabr
bei.“ Über diese Behauptung sandte Gott diesen Koranvers herab:
„Wir wissen wohl, dass sie sagen: „Es lehrt ihn ein Mensch.“ Doch die
Sprache dessen, auf den sie anspielen, ist nicht Arabisch. Dies
hingegen ist deutliche arabische Sprache.“ (Sure 16,103)
27.
Die Nachtreise [620] Top
Über die Nachtreise des Propheten habe
ich die Berichte der beiden Überlieferer Abdallah ibn Masrud und
Abu Said al Khudri, den Bericht der Frau des Propheten, Aisha, den
Bericht des Kalifen Muawiya I., die Berichte der Überlieferer
Hasan ibn abi Hasan, Zuhri und Qatada und anderer, sowie den Bericht
der Tochter Abu Talibs, Umm Hani, übernommen. In der folgenden
Darstellung habe ich jeweils aus allen diesen Berichten über die
Nachtreise des Propheten etwas entnommen.
In der
Nachtreise des Propheten und den Berichten darüber finden die
Gläubigen eine Prüfung und einen Ausdruck für die Macht
und die Herrschaft Gottes, eine Lehre für die Verständigen,
sowie Rechtleitung, Barmherzigkeit und Stärkung. Es war gewiss
Gottes Handeln, mit dem er ihn, so wie er wollte, die Nachtreise
durchführen ließ, um ihn von seinen Wundern, so viele er
wollte, zu zeigen, damit er mit eigenen Augen seine gewaltige Macht
sehe, mit der er vollbringt, was er will.
Abdallah, der Sohn des Masud, pflegte folgendes zu
erzählen:
Dem
Propheten wurde Buraq gebracht. Dies ist ein Reittier, auf dem auch die
Propheten vor ihm geritten waren und das seinen
80
Huf
bei jeden Schritt so weit setzte, wie sein Blick reichte. Er wurde auf
das Reittier gehoben und Gabriel begleitete ihn, wobei er die Wunder
zwischen Himmel und Erde sah, bis er nach Jerusalem gelangte. Dort traf
er Gottes Freund Abraham, Moses und Jesus inmitten anderer Propheten,
die sich für ihn versammelt hatten und betete mit ihnen. Dann
wurden ihn drei Gefäße gebracht, das eine mit Milch, das
zweite mit Wein und das dritte mit Wasser.
„Dabei
hörte ich eine Stimme“, so berichtete Muhammad selbst, die sagte:
„Wenn er das Wasser nimmt, wird er ertrinken und ebenso sein Volk; wenn
er den Wein nimmt, wird er in die Irre gehen und ebenso sein Volk; wenn
er die Milch nimmt, wird er rechtgeleitet werden und ebenso sein Volk.“
Da ergriff ich das Gefäß mit der Milch und trank davon,
worauf Gabriel zu mir sprach: „Muhammad, du bist rechtgeleitet und
ebenso dein Volk.“
Hasan überlieferte die folgende Schilderung des
Propheten:
Während
ich im Heiligtum in Mekka schlief, kam Gabriel zu mir und stieß
mich mit dem Fuß. Ich setzte mich auf, sah aber nichts und legte
mich wieder hin. Da kam er ein zweites Mal und stieß mich mit dem
Fuß. Wieder setzte ich mich auf, legte mich aber wieder hin, als
ich nichts sah. Schließlich kam er zum dritten Mal und
stieß mich mit dem Fuß. Ich setzte mich auf und er ergriff
mich am Oberarm. Ich erhob mich und er führte mich hinaus zum Tor
des Heiligtums. Und siehe da, da stand ein weißes Reittier, halb
Maultier (Kreuzung
aus Eselhengst und Pferdestute), halb
Esel. An den Schenkeln hatte es zwei Flügel, mit
denen es seine Hinterbeine vorantrieb, während es seine
Vorderbeine dort aufsetzte, wohin sein Blick reichte. Es setzte mich
auf sich und machte sich mit mir auf die Reise, wobei wir uns nicht
mehr trennten.
Von Qatada wurden folgende Verse des Propheten
weitererzählt:
Als
ich mich dem Tier näherte, um aufzusteigen, scheute es. Doch
Gabriel legte ihm die Hand auf die Mähne und sprach: „Schämst
du dich nicht, Buraq, über das, was du tust? Bei Gott, kein
Edlerer hat dich vor ihm geritten!“
81
Da
schämte es sich so sehr, dass es in Schweiß ausbrach und
hielt still, dass ich aufsteigen konnte.
Der Bericht des Hasan geht folgendermaßen weiter:
Der
Prophet ritt zusammen mit Gabriel bis nach Jerusalem. Dort fand er
Abraham, Moses und Jesus inmitten anderer Propheten. Muhammad trat als
Vorbeter vor sie hin und betete mit ihnen. Sodann wurden ihm zwei
Gefäße gebracht, das eine mit Wein gefüllt, das andere
mit Milch. Der Prophet nahm das Gefäß mit der Milch und
trank davon. Das Gefäß aber mit dem Wein ließ er
stehen. Da sprach Gabriel zu ihm: „Rechtgeleitet wurdest du für
die Schöpfung und rechtgeleitet wurde dein Volk, Muhammad! Der
Wein ist euch verboten.“ Darauf begab sich der Prophet nach Mekka
zurück und erzählte am Morgen den Quraish, was geschehen war.
Die meisten Leute sprachen: „Dies ist nun wirklich unmöglich! Die
Karawane braucht einen Monat von Mekka nach Syrien und wieder einen
Monat für den Rückweg. Wie will dieser Muhammad beides in
einer Nacht tun?“
Viele
von denen, die sich bereits bekehrt hatten, fielen wieder vom Glauben
ab und die Leute kamen zu Abu Bakr und fragten ihn: „Was hälst du
nun von deinem Freund? Er behauptet, er sei vergangene Nacht in
Jerusalem gewesen, habe dort gebetet und sei wieder nach Mekka
zurückgekehrt.“ „Ihr lügt“, entgegnete Abu Bakr, doch sie
blieben bei ihren Worten und fuhren fort: „Dort im Heiligtum ist er und
erzählt den Leuten davon.“ „Bei Gott“, sprach darauf Abu Bakr,
„wenn er es sagt, ist es auch wahr. Was verwundert euch so daran? Er
berichtet mir ja auch, dass ihn Offenbarungen von Gott, vom Himmel zur
Erde, in einer Stunde des Nachts oder des Tages erreichen und ich
glaube es ihm. Dabei ist es viel erstaunlicher als das, worüber
ihr euch jetzt wundert.“
Dann
ging er zu Muhammad und fragte ihn: „O Prophet Gottes, hast du jenen
Leuten erzählt, du seiest heute Nacht in Jerusalem gewesen?“ und
als Muhammad seine Frage beajahte, fuhr er fort:
82
„So
beschreibe es mir, denn ich bin schon dort gewesen!“ Der Prophet begann
Jerusalem zu beschreiben und immer wenn er etwas geschildert hatte,
rief Abu Bakr aus: „Du hast die Wahrheit gesprochen! Ich bezeuge, dass
du der Gesandte Gottes bist!“
Am
Ende sagte deshalb der Prophet zu Abu Bakr: „Du Abu Bakr bist der
Siddiq (der Ehrliche), der, der die Wahrheit bezeugt.“ [Wahrscheinlich
hätte Abu Bakr Mohammed auch zugestimmt, wenn Mohammed
erzählt
hätte, der Petersdom steht in Jerusalem. Mit anderen Worten: an
der Nachtreise ist nicht ein Körnchen Wahrheit.]
Damals gab der
Prophet Abu Bakr den Beinamen „Siddiq“. Über diejenigen, die wegen
Muhammads Bericht über die Nachtreise wieder vom Islam abfielen,
sandte Gott den [folgenden] Koranvers herab: „Und wir haben das
Traumgesicht [eine Vision], das wir dich sehen ließen, nur zu
einer Versuchung der Menschen gemacht, desgleichen den verfluchten
Baum*
im Koran. Wir wollen ihnen damit Angst machen. Aber es bestärkt
sie nun um so mehr in ihrer Widersetztlichkeit.“ (Sure 17, 60)
*[Der
Zaqqum-Baum oder auch Saqqum-Baum entstammt dem Koran, Sure 44 Verse
43-46. Er wird zuweilen auch als der „verfluchte Baum“ bezeichnet und
soll direkt dem Höllenfeuer entwachsen. Seine Fruchtscheide soll
aussehen wie die Köpfe von Satanen (Dämonen). Die Verdammten
in der Hölle sollen ewig die Früchte dieses Baumes essen
müssen, die wie flüssiges Metall sind und wie kochendes
Wasser in den Bäuchen der Sünder brennen sollen. Quelle: Zaqqum]
Soweit der Bericht Hasans über die
Nachtreise des Propheten mit den Zusätzen von Qatada. Ein Mitglied
der Familie Abu Bakrs berichtete mir die folgenden Worte der
späteren Frau des Propheten, Aisha:
Der
Körper des Propheten wurde in jener Nacht nicht vermisst, sondern
Gott ließ nur seinen Geist die Nachtreise machen.
[Dass nur Mohammeds Geist diese Nachtreise
machte, darauf deutet auch der Koranvers hin, der von einem
Traumgesicht spricht, was soviel wie Traum oder eine Vision ist. Es ist
also davon auszugehen, dass Mohammed einen Traum hatte. Oder war es
eine visuelle Halluzination? Aber was hat ein Traum schon zu bedeuten?
Es gibt viele Menschen, die glauben, Offenbarungen oder
übersinnliche Erscheinungen zu haben. In der Psychiatrie werden
Offenbarungs-Wahrnehmungen oder übersinnliche Erscheinungen als
Psychose-Kriterium abgefragt.]
Und von Yaqub ibn Utba
hörte ich den folgenden Ausspruch des Muawiya über die
Nachtreise des Propheten:
„Es war ein wahres Traumgesicht von Gott.“ Die
beiden letzten Aussagen widersprechen nicht der vorangegangenen
Darstellung Hasans, da Gott selbst den Koranvers herabgesandt hat: Und
wir haben das Traumgesicht, das wir dich sehen ließen, nur zu
einer Versuchung für die Menschen gemacht. (Sure 17,60)
Und sie widersprechen auch nicht Gottes Worten
in dem koranischen Bericht über Abraham, als dieser zu seinem Sohn
sprach: „O mein Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich opfern
muss.“ (Sure 34,102) und dies dann auch tat. Ich schließe daraus,
dass die Offenbarungen von Gott zu den Propheten im Schlaf, wie auch im
Wachsein kommen. Der Prophet selbst, so habe ich erfahren, pflegte zu
sagen: „Meine Augen schlafen, während mein Herz wach ist.“.
83
Nur Gott weiß, wie die Offenbarungen zu
Muhammad kamen und dieser sah, was er sah.
Zuhri behauptet nach
Said ibn Musayyab, der Prophet habe seine Freunde Abraham, Moses und
Jesus, wie er sie zu jener Nacht sah, folgendermaßen beschrieben:
„Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der mir
ähnlicher war als Abraham. Moses war von rotbrauner Hautfarbe,
hochgewachsen, dürr, mit gekräuselten Haaren und einer
Hakennase, als gehöre er zum Stamm der Shanua [Moses muss als Jude
natürlich mit einer Hakennase verunglimpft werden.]. Jesus war von
heller Hautfarbe, weder klein noch groß, mit glattem Haar und
vielen Flecken im Gesicht, als sei er gerade aus dem Bad gekommen. Man
dachte, sein Haar tropfe vor Wasser, ohne dass jedoch welches daran
war. Der, der ihm von euch am ähnlichsten sieht, ist Urwa, der
Sohn des Masud, vom Stamme Thaqif.“
Umm Hani, die Tochter
Abu Talibs, pflegte über die Nachtreise des Propheten folgendes zu
erzählen:
„Der Prophet ging auf keine Nachtreise, wenn er
nicht in meinem Hause war. Auch in jener Nacht schlief er bei uns. Er
hatte das zweite Nachtgebet verrichtet und war mit uns zur Ruhe
gegangen. Kurz vor Anbruch der Morgendämmerung weckte er uns und
nachdem wir zusammen das Morgengebet verrichtet hatten, sprach er: „Umm
Hani, ich habe gestern das zweite Nachtgebet, wie du gesehen hast, mit
euch hier in diesem Tal verrichtet. Dann kam ich nach Jerusalem und
betete dort. Und nun habe ich das Morgengebet, wie du siehst, wieder
hier mit euch gesprochen.“
Mit diesen Worten erhob er sich, um
wegzugehen. Ich griff den Saum seines Gewandes, wodurch sich sein Leib
entblößte, als wäre es ein koptisches Faltengewand und
bat ihn: „O Prophet Gottes, erzähle den Leuten nichts davon, denn
sie werden dich einen Lügner nennen und beschimpfen.“ „Bei Gott,
ich werde es ihnen erzählen“, antwortete er jedoch. Nun hatte ich
eine abessinische Sklavin und dieser befahl ich, dem Propheten zu
folgen, um zu hören, was er den Leuten erzählte und was diese
zu ihm sagten. Muhammad ging zu den Leuten
84
und berichtete ihnen von seinem Erlebnis.
Diese aber wunderten sich und sprachen: „Was für einen Beweis hast
du dafür, Muhammad? Wir haben noch nie so etwas gehört.“
„Der Beweis dafür“, erwiderte er, „ist,
dass ich in dem und dem Tal an der Karawane der Banu Soundso
vorüberkam, die vor dem Geräusch meines Reittiers erschraken
und denen ein Kamel davonlief, dass ich ihnen aber wiederzufinden half.
Dies geschah auf meinem Weg nach Syrien. Ich reiste weiter, bis ich
beim Berge Dadjnan an der Karawane des Stammes Soundso vorüberkam.
Die Leute schliefen gerade. Bei sich hatten sie einen
Wasserbehälter, den sie mit irgendetwas zugedeckt hatten. Ich nahm
die Decke ab, trank den ganzen Inhalt und deckte das Gefäß
wieder zu, wie es war. [Ein Reittier ist eben kein Orientexpress, mit
eigener Wasserversorgung.] Als Beweis dafür sage ich euch, dass
ihre Karawane gegenwärtig von der Höhe Baida zum Pass von
Taim herunterzieht, angeführt von einem staubfarbenen Kamel mit
zwei Säcken, von denen der eine schwarz und der andere
verschiedene Farben aufweist.“
Da eilten die Menschn zu jenem Pass und das
erste Kamel, das ihnen begegnete, war, wie er es beschrieben hatte. Sie
fragten die Reisenden auch nach dem Wasserbehälter und diese
erzählten, dass sie ihn mit Wasser gefüllt und zugedeckt
hatten. Als sie erwachten, hätten sie ihn zwar bedeckt gefunden
wie zuvor, aber ohne Wasser. Später fragte man in Mekka auch die
Leute von der anderen Karawane und diese antworteten: „Er sagt wirklich
die Wahrheit! [Oder gibt es daran etwa irgendwelche Zweifel?] Wir
erschraken in jenem Wadi, das er genannt hat und ein Kamel lief uns
weg. Darauf hörten wir die Stimme eines Mannes, die uns den Weg
wies, bis wir das Tier wiederfanden. [Am Ende glaubten die Männer
vom Stamme der Banu Soundso noch, dies wäre vielleicht die Stimme
des Erzengel Gabriels gewesen.]
85
28. Die Himmelsreise [620] Top
Jemand, dessen Aussage
ich nicht in Zweifel ziehe, hat mir die folgenden Worte Muhammads
erzählt, wie er sie von Abi Said al-Khudri überliefert
bekommen hat:
Nachdem ich in Jerusalem gebetet hatte, wurde
mir eine Leiter gebracht, so schön, wie ich noch nie etwas gesehen
hatte. Es war die Leiter, auf die die Todgeweihten ihre Augen richten,
wenn das Ende naht. Gabriel ließ mich auf ihr hinaufsteigen, bis
er mich zu einem der Himmelstore brachte, das man das Hütertor
nennt. Es wird bewacht von einem Engel namens Ismail, dem 12.000 Engel
unterstehen, von denen einem jeden wiederum 12.000 Engel gehorchen. An
dieser Stelle pflegte der Prophet in seinem Bericht die Worte Gottes
anzuführen: „Die Heerscharen deines Herrn kennt er allein. (Sure
74,31)
Dann fuhr er fort: Als ich durch das Tor
geführt wurde, fragte der Engel: „Wer ist dies, Gabriel?“ „Dies
ist Muhammad“, erwiderte Gabriel. „Ist er gesandt worden?“ „Ja.“ Darauf
erflehte er Gottes Güte für mich. Ich aber trat in den
untersten Himmel12.1 ein und sah dort einen Mann sitzen, an dem
die Seelen der verstorbenen Menschen vorüberzogen. Über die
einen sprach er Gutes und freute sich, wobei er sagte: „Eine gute Seele
aus einem guten Körper!“ Zu den anderen aber sprach er mit
finsterem Gesicht: „Wie abscheulich! Eine schlechte Seele aus einem
schlechten Körper!“
12.1[Nach
den Vorstellungen des Islam gibt es sieben Himmel und sieben
Höllen, die sich im Grad der Himmelsfreuden bzw. der
Höllenqualen unterscheiden. Die sieben Himmel (Paradiese) des
Islams heißen: Adn, Naiim, Nawa, Darussalaam, Daarul Muaqaamah,
Al-Muqqamul Amin, Khuldi. (Quelle: Heaven in Islam)
Muhammad steigt in die 7 Himmel auf. Er begegnet Adam im 1. Himmel,
Johannes und Jesus im 2. Himmel, Joseph im 3. Himmel, Idris im 4.
Himmel, Aaron im 5. Himmel, Mose im 6. Himmel und Abraham im 7. Himmel.
Die sieben Höllen im Islam heißen Dschahannam, Dschahiem,
Sair, Saqar, Ladha, Hawiya und Hutama. Die Dschahannam ist als
Feuergrube gedacht, über die eine schmale Brücke in den
Himmel führt. Alle Seelen der Toten müssen über diese
Brücke gehen, lediglich die Verdammten fallen ins Feuer, wenn sie
nicht durch die Gnade Allahs erlöst werden. (Quelle: Islamische
Hölle)]
„Wer ist dies“, fragte ich Gabriel und er
erklärte mir: „Dies ist dein Vater Adam, an dem die Seelen seiner
Nachkommen vorbeiziehen. Die Seelen der Gläubigen darunter
erfreuen ihn, worauf er spricht: „Eine gute Seele aus einem guten
Körper“, während die Seelen der Ungläubigen seinen
Abscheu und
86
seinen Widerwillen erregen, worauf er spricht:
„Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper.“
Dann erblickte ich Männer mit Lippen wie
von Kamelen. In ihren Händen hatten sie faustgroße
glühende Steine, die sie sich in den Mund warfen und die aus ihrem
Gesäß wieder herauskamen. „Wer sind sie?“, fragte ich
Gabriel und dieser antwortete: „Dies sind jene, die den Besitz der
Waisen ohne Recht aufgezehrt haben.“
Sodann erblickte ich Männer in der Art
der Familie des Pharao mit Bäuchen, wie ich sie noch nie gesehen
habe. Über sie zogen Wesen hin, wie vor Durst schmachtende Kamele,
wenn sie dem Feuer ausgesetzt werden. Sie treten auf die Männer,
ohne dass sich diese von ihrer Stelle bewegen konnten. Wieder fagte ich
Gabriel: „Wer sind diese Männer?“ und er erwiderte mir: „Dies sind
jene, die sich vom Wucher genährt haben!“
Und dann sah ich Männer, vor denen neben
stinkendem, erbärmlichem Fleisch auch gutes, fettes lag, doch nur
von dem stinkenden konnten sie essen. „Wer sind sie?“ fragte ich
Gabriel und er erklärte mir: „Das sind jene Männer, die sich
nicht die Frauen nahmen, die Gott ihnen erlaubte, sondern zu jenen
gingen, die Gott ihnen verbot.“
Dann erblickte ich Frauen, die an ihren
Brüsten aufgehängt waren und ich fragte Gabriel: „Wer sind
sie?“ „Dies sind jene Frauen“, antwortete er, „die ihren Männern
Kinder unterschoben, die sie nicht gezeugt haben.“
Sodann brachte er mich hinauf in den zweiten
Himmel, und siehe, da waren die beiden Vettern Jesus, der Sohn der
Maria, und Johannes, der Sohn des Zacharias. Und er brachte mich hinauf
in den dritten Himmel. Dort war ein Mann mit einem Gesicht, so
schön wie der Vollmond. Ich fragte Gabriel, wer dies sei und er
sprach: „Dies ist dein Bruder Joseph12.2, der
Sohn Jakobs!“
[12.2Jakob,
der Stammvater Israels, hatte 12 Söhne (Ruben, Simeon, Levi, Juda,
Dan, Naftali, Gad, Issachar, Sebulon, Joseph, Benjamin.), aus denen die
12 Stämme Israels hervorgingen. Joseph (Josef) war der
zweitjüngste Sohn Jakobs, der aufgrund seiner Gabe, Träume zu
deuten, von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft wurde.
Später wurde Joseph zum Schwiegersohn des Sonnenpriesters. Josef
wird im Judentum nur wenig Ehre erwiesen, war er es schließlich,
der Israel nach Ägypten kommen ließ, und dadurch indirekt in
die Sklaverei. Er war ein Opfer seiner missgünstigen Geschwister.
Im Islam ist Joseph der Prophet Yusuf.]
Und er brachte mich hinauf in den vierten
Himmel, wo ein Mann war, von dem Gabriel mir sagte, es sei Idris12.3. Und er brachte mich in den fünften Himmel, dort war
ein Mann im reifen Alter
87
mit weißem Haar und einem mächtigen
weißen Bart. Nie habe ich einen schöneren Mann gesehen. „Wer
ist dies“, fragte ich wieder Gabriel und er gab mir zur Antwort: „Dies
ist der Vielgeliebte in seinem Volk, Aaron12.4, der Sohn des Imram.“
12.3[Der Prophet Idris war nach dem Islam der erste
Mensch und Prophet der schreiben und lesen konnte. Er erfand die
Technik des Schreibens. Er soll 360 Jahre gelebt haben und noch vor
seinem Tod von Allah von der Erde entrückt worden sein.]
12.4[Aaron ist nach biblischer Überlieferung der ältere
Bruder Moses. Als Harun ist Aaron einer der Propheten des Islam. Er ist
der Bruder des Propheten Musa (Mose). Er ist der Sohn des Imran (Amram)
und wurde von Allah zum Volk der Juden nach Israel gesandt, um seine
Botschaft zu verkünden, nämlich keinem Gott zu dienen,
außer Allah, und ihm niemanden beizugesellen, nur das Gute zu
tun und den Menschen kein Unrecht zuzufügen.]
Und er brachte mich in den sechsten Himmel, dort war ein Mann
von dunkler Farbe, großem Wuchs und einer gekrümmten Nase,
als gehörte er zum Stamm der Shanua. Als ich Gabriel nach ihm
fragte, erklärte er mir, dass dies Moses, der Sohn Imrams, war.
Und er brachte mich in den siebten Himmel, dort sah ich einen Mann in
reifem Alter auf einem Stuhl am Tore zum Paradiese sitzen, durch das an
jedem Tag 70.000 Engel eintraten, die erst am Tage der Auferstehung
wieder zurückkehren. Nie habe ich einen Mann gesehen, der mir
ähnlicher war und Gabriel sprach: „Dies ist dein Vater Abraham!“
Schließlich betrat er mit mir das Paradies. Dort
erblickte ich ein Mädchen mit dunkelroten Lippen und da sie mir
gefiel, fragte ich sie: „Wem gehörst du?“ „Dem Zaid, dem Sohn des
Haritha“, erwiderte sie mir.
Aus dem Bericht des Abdallah ibn
Masud, entnehme ich die folgenden Worte des Propheten:
„Immer wenn mich Gabriel von einem Himmel zum nächsten
brachte, fragte man ihn, als er um Einlass bat, wer ich sei. Er nannte
ihnen meinen Namen und sie fragten ihn weiter, ob ich gesandt worden
sei. Als er es bejahte, riefen sie aus: „Gott schenke ihm Leben, Bruder
und Freund!“ So geschah es, bis wir zum siebten Himmel gelangten und er
mich schließlich zu meinem Herrn [Allah] brachte, der mir
für jeden Tag 50 Gebete zur Pflicht machte. Als ich dann auf dem
Rückweg wieder bei Moses vorbeikam, welch vortrefflicher Freund
ist er doch, fragte er mich: „Wieviele Gebete sind dir auferlegt
worden?“ „50 jeden Tag“, erwiderte ich, worauf er sprach: „Das Gebet
ist eine schwere Last und dein Volk ist schwach. Gehe zurück zu
deinem Herrn und bitte ihn, er möge dir und deinem Volke diese
Last erleichtern!“
88
Ich tat, wie er mich geheißen hatte und mein Herr
ließ mir 10 Gebete nach. Doch als ich wieder bei Moses vorbeikam,
sagte er mir nochmals das gleiche und Gott erließ mir weitere 10
Gebete. So ging es fort, bis nur noch 5 Gebete übrig waren. Als
ich dann wieder zu Moses kam und er mir erneut riet, Gott um
Erleichterung zu bitten, sprach ich zu ihm: „Ich bin nun so oft zu
meinem Herrn zurückgekehrt und habe ihm diese Bitte vorgetragen,
dass ich mich jetzt schäme und es nicht nochmals tun werde.“
„Seinen Zuhörern aber versprach der Prophet: „Jedem von euch, der
diese Gebete gläubig und ergeben verrichtet, werden sie wie 50
Gebete vergolten werden.“
29. Gott straft die Spötter Top
Der
Prophet stand geduldig und ergeben zu seinem göttlichen Auftrag
und ermahnte weiter sein Volk, trotz all der Verleumdungen und all des
Spotts, die er von ihnen erfuhr. Die schlimmsten Spötter waren:
Von der Sippe Asad: Aswad, der Sohn des Mutallib; von der Sippe Zuhra:
Aswad, der Sohn des Abdyaghuth; von den Makhzum: Walid, der Sohn des
Mughira; von den Sahm: As, der Sohn des Wail; von den Khuzaa: Harith,
der Sohn des Tulatila. Als diese in ihrer Bosheit verharrten und den
Propheten immer wieder verspotteten, sandte Gott die Offenbarung herab:
„Und gib bekannt, was dir befohlen wird und wende dich von den Heiden
ab. Wir genügen dir als Schutz gegenüber den Spöttern,
die Gott einen anderen Gott zur Seite setzen. Sie werden es noch zu
wissen bekommen.“ (Sure 15,94-96)
Yazid ibn Ruman, gestützt auf die
Aussagen des Urwa oder eines anderen Überlieferers, berichtete mir
folgendes:
Eines
Tages kam Gabriel zum Propheten, während jene Spötter12.5 die Kaaba umschritten. Der Engel stand neben Muhammad, als
Azwad der Sohn des Muttalib, vorüberkam und Gabriel ihm
89
ein
großes Blatt ins Gesicht warf, worauf er erblindete. Dann kam
Aswad, der Sohn des Abdyaghuth, vorbei und Gabriel deutete auf dessen
Bauch, worauf dieser anschwoll und er an Wassersucht starb. Als Walid
vorbeikam, deutete Gabriel auf eine Narbe, die sich jener Jahre zuvor
am Knöchel zugezogen hatte, als er an einem Manne vom Stamme
Khuzaa vorübergekommen war, der gerade seine Pfeile befiederte,
wovon einer an seinem über den Boden schleifendem Gewand
hängenblieb und ihn am Fuß verletzte. Diese ganz
unbedeutende Narbe brach nun wieder auf und er starb daran. Dann kam
As, der Sohn des Wail, vorbei und Gabriel deutete auf seine Fusssohle.
Als dieser dann mit seinem Esel nach Taif zog und das Tier sich
über einen Dornenbusch hermachte, drang ihn ein Dorn in die
Fusssohle und tötete ihn. Schließlich kam auch Harith, der
Sohn des Tulatila und Gabriel deutete auf dessen Kopf, worauf sich
dieser mit Eiter bedeckte und Harith starb. [Was
ist das für ein fieser Engel, dieser Gabriel.]
12.5[Die Sitte, Spötter zu bestrafen oder zu töten,
haben die Moslems bis heute beibehalten. Jedenfalls steht auf
„Gotteslästerung“ und dem Austritt aus dem Islam bis heute laut
der islamischen Rechtssprechung, der Scharia, die Todesstrafe (siehe:
Artikel 190-196 im Strafgesetz
der Islamischen Republik Iran). Muslime, die sich
von ihrer Religion abwenden, müssen in Europa allerdings auch mit
Selbstjustiz durch ihre Familien rechnen. Wie diese Selbstjustiz bei
Abtrünnigen aussieht, kann man hier nachlesen.]
30. Abu Talib
und Khadidja sterben Top
Die Männer, die den Propheten in seinem
eigenen Hause schmähten, waren Abu Lahab, Hakam, Uqba, der Sohn
des Abu Muait, der Thaqafit Adi und der Hudhailit Ibn Asda. Sie waren
seine Nachbarn und nur Hakam nahm später den Islam an. Einer von
ihnen, so wurde mir erzählt, pflegte mit der Gebärmutter
eines Schafes nach ihm zu werfen, wenn er betete. Ein anderer warf sie
in seinen Kochtopf, wenn dieser für den Propheten bereitgestellt
wurde. Schließlich musste er sich, wenn er beten wollte, hinter
einer Mauer vor ihnen verstecken.
Drei Jahre vor der Hidjra (vor der
Auswanderung aus Mekka) starben dann [seine Frau] Khadidja und Abu
Talib [sein Onkel, bei dem er nach dem Tod seines Großvaters
Abdalmuttalib lebte]. Khadidja war ihm eine aufrechte Stütze im
Glauben gewesen, sooft er mit seinen Sorgen zu ihr kam und Abu Talib
hatte ihm stets Unterstützung und Zuflucht gewährt und
gegenüber seinem Volk Schutz und Beistand angedeihen lassen. Mit
ihrem Tod folgte nun ein Unglück nach dem anderen. Nach-
90
dem Abu Talib verschieden war, gingen die
Quraish in ihren Kränkungen gegenüber dem Propheten so weit,
wie sie es zu seinen Lebzeiten niemals zu tun gewagt hätten. Ein
unverschämter Kerl aus der Reihe der Quraish streute dem Propheten
sogar einmal Staub auf den Kopf.
Hisham berichtete mir
von seinem Vater Urwa ibn Zubair:
Als dies geschah, ging der Prophet, den Staub
noch auf dem Haupt, nach Hause, wo ihm eine seiner Töchter weinend
den Staub abzuwaschen began. Da sprach er: „Weine nicht, mein
Töchterchen! Gott wird deinen Vater verteidigen!“ Und er sagte
auch: „Bevor Abu Talib starb, haben mir die Quraish derart
Abscheuliches nicht angetan.“
Als Abu Talib erkrankte und die Quraish
erfuhren, wie schlecht es um ihn stand, sprachen sie untereinander:
„Hamza und Umar haben sich zum Islam bekehrt und die Sache Muhammads
hat sich unter allen quraishitischen Sippen verbreitet. Laßt uns
deshalb zu Abu Talib gehen und ihn bitten, dass er bei seinem Neffen
einige Zugeständnisse für uns erreicht und von uns für
ihn einige Zugeständnisse annimmt. Wir sind sonst wahrhaftig nicht
davor sicher, dass man uns unseres ganzen Einflusses beraubt.“
Abbas ibn Abdallah
überlieferte mir von seinem Großvater Mabad ibn Abbas die
folgende Darstellung:
Die führenden Männer von Quraish:
Utba, Shaiba, Abu Djahl, Umayya und Abu Sufyan kamen zusammen mit
anderen Adligen zu Abu Talib und sprachen: „Abu Talib! Du weißt,
welchen Rang du bei uns bekleidest und siehst, dass dein Ende naht. Wir
sind sehr besorgt um dich. Du weißt ja, wie es zwischen uns und
deinem Neffen steht. So rufe ihn und vermittle einen Kompromiss
zwischen uns, damit wir uns gegenseitig in Ruhe lassen und er uns
unseren Glauben lässt, wie wir ihm den seinen lassen!“ Abu Talib
ließ Mohammed holen und sagte zu ihm: „Sohn meines Bruders! Diese
Edlen deines Volkes sind gemeinsam zu dir gekommen und sind bereit, dir
Zugeständnisse zu machen, wenn du ihnen auch welche machst.“
91
„Gut“, entgegnete der Prophet, „ein Wort nur
gebt mir, dass ihr die Araber beherrschen und die Perser euch untertan
machen könnte!12.6“ „Gern, bei deinem Vater! Auch zehn Worte
wenn du willst“, antwortete Abu Djahl und der Prophet fuhr fort. So
sprecht, es gibt keinen Gott außer Gott!“ und sagt euch los von
allem, was ihr neben ihm anbetet!“ Erstaunt klatschten sie in die
Hände und riefen: „Willst du denn alle Götter zu einem Gott
machen, Muhammad? Du hast wahrlich einen seltsamen Glauben!“ Und
zueinander gewandt sprachen sie. „Von diesem Mann bekamen wir wahrlich
keines der Zugeständnisse, die wir wollten. Gehen wir und bleiben
bei der Religion unserer Väter, bis Gott zwischen uns und ihm
richtet!“ Mit diesen Worten zerstreuten sie sich.
12.6[Bereits zu diesem Zeitpunkt spielte Mohammed offensichtlich
mit dem Gedanken, Saudi-Arabien und Persien militärisch zu
unterwerfen und zu islamisieren. Wie intolerant er gegenüber
anderen Religionen war, zeigt sein Verhalten gegenüber den
Quraish, denen er keinerlei Zugeständnisse machte. Bereits zu
diesem Zeitpunkt ging es sowohl Mohammed, als auch den Quraish, nicht
nur um Religion, sondern um die politische Macht. Die Quraish
befürchteten, sie könnten sie verlieren und Mohammed setzte
alles daran, sie zu erobern. Der nachfolgenden Satz von Abu Talib „Ich
habe nicht bemerkt, dass du zuviel von ihnen verlangt hättest.“
kann man allerdings nur als Hohn bezeichnen, forderte Mohammed doch von
den Quraish die bedingungslose Unterwerfung unter den Islam. Dieselbe
Haltung hat der Islam bis heute beibehalten.]
Abu Talib aber sprach zum Propheten: „Ich habe
nicht bemerkt, dass du zuviel von ihnen verlangt hättest. Als
Muhammad dies von Abu Talib hörte, glaubte er, er könne sich
nun zum Islam bekehren und flehte ihn an: „So sprich du die Worte, mein
Oheim. Wenn du es tust kann ich am Tag der Auferstehung Fürbitte
für dich einlegen.“ Abu Talib aber erwiderte, als er sah, wie
Muhammad sich um ihn bemühte: „Sohn meines Bruders, müsste
ich nicht fürchten, dass die Quraish dich und die Söhne
deines Vaters nach meinem Tod beschimpfen und glauben werden, ich
hätte jene Worte nur aus Angst vor dem Tod gesprochen, würde
ich sie sagen, aber doch nur, um dir eine Freude zu machen.“
Als Abu Talib dann im Sterben lag, sah sein
Bruder Abbas, wie er die Lippen bewegte. Er lehnte sein Ohr an dessen
Mund und rief aus: „Sohn meines Bruders, mein Bruder hat das Wort
gesprochen, das zu sprechen du ihn gebeten hast.“ Muhammad aber sagte,
er habe es nicht gehört. Über die Gruppe der Männer, die
gemeinhin zu Muhammad gekommen waren und seinen Vorschlag
zurückgewiesen hatten, sandte Gott die Offenbarung herab: „Beim
Koran mit der Mahnung! Nein! Die Ungläubigen fühlen sich
stark und widersetzen sich. Wie viele Generationen haben wir vor ihnen
zugrunde gehen lassen! Sie riefen, wo doch keine Zeit mehr war, sich zu
retten. Sie wundern sich darüber, dass ein Warner aus ihren
eigenen Reihen zu ihnen
92
gekommen ist. Und sie sagen in ihrem
Unglauben: „Dies ist ein verlogener Zauberer. Will er denn aus den
Göttern einen einzigen Gott machen? Das ist doch merkwürdig.“
Und die Vornehmen von ihnen entfernten sich mit den Worten: „Geht hin
und haltet euren Göttern die Treue! Das ist, was man von euch
haben möchte. Wir haben nicht gehört, dass es so etwas in der
bisherigen Religion gegeben hätte. Das ist eine reine Erfindung.“
(Sure 36,1-6) Mit der „bisherigen Religion“ sind die Christen gemeint,
da diese sagen: „Gott ist einer von Dreien.“ (Sure 5,73) [Die Christen
glauben an die Dreifaltigkeit: Gott Vater, Gottes Sohn Jesus und an den
Heiligen Geist.]
31. Der Beginn des Islams bei den
„Helfern12.7“ Top
12.7[In seinen
späteren kriegerischen Auseinandersetzungen, die nach der
Hidschra, nach der Auswanderung aus Mekka im Jahre 622, begannen,
unterschied Mohammed zwischen den „Auswanderern“, die mit ihm zusammen
aus Mekka ausgewandert waren und den medinensischen „Helfern“.]
Als Gott seine
Religion weiter verbreiten, seinen Propheten stärken und sein
Versprechen ihm gegenüber einlösen wollte, machte sich
Muhammad während der Wallfahrtszeit auf, um sich wie jedes Jahr
bei dieser Gelegenheit den arabischen Stämmen anzubieten. Bei
Aqaba traf er damals eine Gruppe aus Medina vom Stamme Khazradj, der
Gott Gutes angedeihen lassen wollte. [Die
arabischen Stämme Khazradj und Banu Aus, von denen einige Sippen
miteinander verfeindet waren, wandten
sich in erster Linie an Mohammed, weil sie sich von der
Abhängigkeit
der jüdischen Stämme befreien wollten. Mit anderen Worten,
sie wollten sich beide der jüdischen Stämme entledigen.
Dabei erhofften sie sich Hilfe von Mohammed. Wir kommen später
darauf zurück.]
Den folgenden Bericht überlieferte mir Asim, der Sohn
des Umar, von den Alten seines Volkes:
Als der Prophet diese
Männer traf, fragte er sie: „Wer seid ihr?“ „Männer vom
Stamme Khazradj.“ „Also Genossen der Juden?“ „Ja“ „Wollt ihr euch nicht
setzen, damit ich mit euch sprechen kann?“ Da setzen sie sich zu ihm
und er rief sie zum Glauben an den erhabenen Gott auf, legte ihnen den
Islam dar und trug ihnen den Koran vor. Gott hatte bei ihnen den Weg
zum Islam in der Weise vorbereitet, dass sie in ihrer Heimat, in
Medina, mit Juden zusammenlebten, die ein schrift- und
wissenbesitzendes Volk sind, während sie selbst der
Vielgötterei und dem Götzendienst anhingen. [Man beachte,
dass das Wort „Götzen“ in der Biographie in herabwürdigender
Weise für die Götter der Nichtmuslime benutzt wird.] Oft
hatten sie die Juden überfallen und immer wenn es Streit zwischen
beiden Gruppen gab, drohten ihnen die Juden mit den Worten:
93
„Bald wird ein Prophet
gesandt werden. Seine Zeit ist angebrochen. Wir werden ihm folgen und
euch mit seiner Hilfe töten, wie Ad und Iram getötet wurden.“
Nachdem nun der
Prophet mit ihnen gesprochen und sie zum Glauben an Gott aufgerufen
hatte, sprachen zu zueinander: „Leute! Wisset, dies ist wahrlich der
Prophet, mit dem die Juden uns gedroht haben! Lasst uns achtgeben, dass
sie nicht vor uns bei ihm sind!“
Sie kamen deshalb
seiner Aufforderung nach, indem sie an ihn glaubten und den Islam von
ihm annahmen. Dabei sagten sie: „Wir haben unser Volk verlassen, denn
kein Volk ist so sehr durch Feindschaft und Streit gespalten.Vielleicht
kann Gott es durch dich wieder einen. Wir werden zu unserem Volk
zurückkehren, für deine Sache bei ihm werben und ihm diesen
Glauben vorlegen, in dem wir dir nun gefolgt sind. Wenn Gott es in
dieser Religion einigt, wird es keinen mächtigeren Mann geben als
dich.“
Mit diesen Worten
verließen sie den Propheten und kehrten als Gläubige in ihre
Heimat zurück. In Medina angekommen erzählten sie ihren
Stammesgefährten von Muhammad und warben für den Islam, bis
sich dieser bei ihnen ausbreitete und es bei den „Helfern“ kein Haus
mehr gab, in dem man nicht vom Propheten sprach.
32. Die erste
Huldigung von Aqaba Top
Im folgenden Jahr kamen 12 „Helfer“ aus Medina
zur Wallfahrt nach Mekka und trafen sich bei Aqaba mit dem Propheten.
Es war dies das „Erste Aqaba“. Sie huldigten dem Propheten nach Art der
Frauen, d.h. noch ohne Verpflichtung zum Kampf, die ihnen erst
später auferlegt wurde.
Über die
Bedingungen der Huldigung berichtete mir Yazid ibn abi Habib, der sich
auf die Aussagen von Abu Marthad stützte. Dieser hatte es wieder
von Abdarrahman ibn Usaila und dieser von Ubada. Ubada erzählte:
94
„Ich war beim Ersten Aqaba dabei. Wir waren 12
Männer und huldigten dem Propheten nach Art der Frauen d. h. noch
ohne Verpflichtung zum Kampf, die wir erst später erhielten. Bei
der Huldigung verpflichteten wir uns, Gott nichts zur Seite zu stellen,
nicht zu stehlen, nicht Unzucht zu treiben, unsere Kinder nicht zu
töten12.8, unsere Nachbarn nicht zu verleumden und ihm
in allem, was rechtens ist, zu gehorchen.
12.8[Wie in vielen frühen Kulturformen besaßen die
Väter das Recht, ihre neugeborenen Kinder zu töten. Daraus
erklärt sich das koranische Verbot, Kinder wegen möglicher
„Verarmung“ zu töten (Sure 6,151; 17,31). Bedroht waren hierbei
vor allem neugeborene Mädchen, weil sie später weniger
effektiv zum Lebensunterhalt der Familie oder, in beduinischen
Verhältnissen, zur Verteidigung beitragen konnten. Sie wurden dann
nach ihrer Geburt lebend im Sand verscharrt. Auch diese Praxis wird
durch ihre Kritik im Koran bezeugt (Sure 81,8-9; 16,58-59). Quelle: Der Islam]
„Wenn ihr die erfüllet“, so sprach der
Prophet zu uns, „werdet ihr ins Paradies eingehen. Wenn ihr einem der
Gebote zuwider handelt, liegt es bei Gott, euch zu strafen oder euch zu
verzeihen.“
Als die Männer ihn wieder
verließen, schickte der Prophet den Musab ibn Umairit mit ihnen
und trug ihm auf, ihnen den Koran vorzutragen, sie den Islam zu lehren
und sie in der Religion zu unterweisen. Musab wurde dann in Medina der
„Leser“ genannt. Er wohnte dort bei Asad, dem Sohn des Zurara. Asim
erzählte mir, dass Musab den Medinensern vorbetete, da die beiden
verfeindeten Stämme Aus und Khazradj12.9 es ablehnten, dass einer aus ihrer Mitte diese Aufgabe
wahrnahm. Musab blieb bei Asad in Medina und rief die Einwohner zum
Islam auf, bis es kein Haus der „Helfer“ mehr gab, in dem nicht
muslimische Männer und Frauen lebten.
12.9[Die Khazradj (Chazradsch) und die Banu Aus sind vermutlich
im fünften Jahrhundert aus Südarabien nach Yathrib (Medina)
eingewandert. Zunächst waren sie den dort schon ansässigen
Juden (Banu Quraiza, Banu Nadir und Banu Qainuqa) unterworfen. Sie
konnten jedoch die alteingesessene jüdische Bevölkerung in
Abhängigkeit bringen und wurden die Herren der Stadt. Später
zerstritten sich verschiedene Unterstämme der Khazradj und der
Aus, dabei waren die Banu Aus mit den jüdischen Stämmen der
Banu Quraiza und Banū Nadir und die Khazradj mit dem jüdischen
Stamm der Banu Qainuqa verbündet.]
33. Die zweite Huldigung von Aqaba Top
Dann kehrte Musab nach Mekka zurück und
im folgenden Jahr zogen die muslimischen „Helfer“ zusammen mit ihren
Stammesgefährten [es waren insgesamt 73 Männer und 2 Frauen],
die noch der Vielgötterei anhingen, zur Wallfahrtszeit nach Mekka
und verabredeten mit dem Propheten für den mittleren der
Tashriq-Tage13 ein Treffen bei Aqaba.
13Die Tashriq-Tage sind die letzten drei Tage der Pilgerzeit
(11. - 13. Dhu l-Hidjja im 12. Monat)
Mabad ibn Kab
erzählte mir, dass ihm sein Bruder Abdallah, einer der
kenntnisreichsten Männer unter den „Helfern“, von ihrem Vater Kab,
der bei Aqaba dabeigewesen war und dem Propheten dort gehuldigt hatte,
die folgende Schilderung überliefert hat:
95
Wir machten uns zusammen mit unseren
heidnischen Stammesgenossen auf den Weg. Wir hatten gebetet und die
Unterweisungen im Glauben erhalten. Bei uns war auch Bara, der Sohn des
Marur, unser Führer und unser Ältester. Nachdem wir uns auf
die Reise gemacht und Medina verlassen hatten, sprach Bara zu uns: „Ich
bin zu einer Ansicht gekommen, von der ich aber bei Gott nicht
weiß, ob ihr mir darin zustimmen werdet oder nicht.“
„Nämlich?“ „Ich bin der Meinung, ich sollte beim Gebet der Kaaba
in Mekka nicht den Rücken zukehren, sondern mich ihr zuwenden.“
„Wir haben aber erfahren“, wandten wir ein, „dass sich der Prophet beim
Gebet stets nach Syrien wendet und wir wollen ihm nicht zuwider
handeln.“
„Ich werde mich trotzdem zur Kaaba wenden.“
„Wir aber nicht.“ Und immer wenn die Zeit zum Gebet kam, richteten wir
unser Gesicht nach Syrien, während er sich in Richtung der Kaaba
wandte. Wir taten dies, bis wir in Mekka anlangten. Wir hatten ihn zwar
deswegen getadelt, doch er war dabei geblieben. Nach unserer Ankunft
bat er mich: „Sohn meines Bruders, lass uns zum Propheten gehen und ihn
wegen meiner Handlungsweise während der Reise fragen. Dass ihr
euch in dieser Frage gegen mich gestellt habt, hat mich doch
berührt.“ So machten wir uns auf, den Propheten zu fragen. Da wir
ihn aber nicht kannten und ihn vorher noch nie gesehen hatten, wandten
wir uns an einen Mekkaner und erkundigten uns, wo Muhammad zu finden
sei.
„Kennt ihr ihn?“, fragte er uns. „Nein.“ „Dann
kennt ihr vielleicht Abbas, seinen Onkel?“ Als wir dies bejahten, da
Abbas oft als Händler zu uns kam, fuhr er fort: „Wenn ihr ins
Heiligtum kommt, ist Muhammad der Mann, der bei Abbas sitzt.“ Wir
gingen dorthin und fanden Abbas und neben ihm den Propheten. Wir
grüßten und setzten uns zu ihm und Muhammad fragte Abbas:
96
„Kennst du die beiden Männer?“ „Ja“,
antwortete Abbas, „das ist Bara ibn Marur, der Führer seines
Volkes und der andere Kab ibn Malik.“ Ich werde nie vergessen, wie der
Prophet daraufhin ausrief: „Der Dichter?“ Abbas bestätigte es ihm.
Dann wandte sich Bara an Muhammad: „O Prophet
Gottes! Ich machte mich auf die Reise, nachdem Gott mir den rechten Weg
zum Islam gewiesen hatte, doch war ich der Meinung, mich beim Gebet
nicht mit dem Rücken zur Kaaba stellen zu können, sondern
mich ihr zuwenden zu müssen. Meine Gefährten waren jedoch in
dieser Frage derart gegen mich, dass es mich in meinem Herzen
berührte. Was meinst du, Gesandter Gottes?“ „Du hättest eine
Gebetsrichtung, wenn du dabei bliebst!“ erwiderte ihm der Prophet.14
14Anspielung auf eine Änderung der Gebetsrichtung.
Zunächst hatte sich Muhammad beim Gebet nach Jerusalem gewandt.
Ein bis zwei Jahre nach der Hidjra [nach der Auswanderung von Mekka
nach Medina] wurde durch eine koranische Offenbarung (Sure 2,242-245)
die [Gebets-]Richtung zur Kaaba vorgeschrieben. [Im Gegensatz zu
orthodoxen Muslimen (Sunniten und Schiiten) beten die Aleviten, da sie
kein Pflichtgebet kennen, nicht in der vom Koran vorgeschrieben
Gebetsrichtung. Quelle: Qibla (Gebetsrichtung)]
Bara aber wandte sich wieder der
Gebetsrichtung Muhammads zu und betete mit uns gen Syrien. Nachdem wir
die Wallfahrt durchgeführt hatten und die mit dem Propheten
vereinbarte Nacht kam, nahmen wir Abu Djabir zur Seite, einen unserer
Führer und Edlen und damals noch Heide, vor unseren
ungläubigen Stammesgefährten hatten wir unser Vorhaben
verheimlicht, und redeten auf ihn ein: „Abu Djabir, du bist einer
unserer Führer und unserer Edlen und wir möchten dich von
deinem Unglauben, in dem du lebst, befreien, damit du nicht morgen
Brennholz für das Höllenfeuer bist.“
Wir riefen ihn zum Glauben an den Islam auf
und erzählten ihm von unserer Verabredung mit dem Propheten. So
wurde er Muslim, nahm mit uns an Aqaba teil und wurde einer der Nuqaba15.
15Nuqaba, eigentlich Führer. Terminus technicus (Fachwort)
für
die zwölf bei Aqaba gewählten Vertreter der Medinenser.
Das erste Drittel der Nacht verbrachten wir
schlafend an unserem Lagerplatz zusammen mit unseren Gefährten.
Dann machten wir uns heimlich und so leise wie Flughühner auf den
Weg zu unserem Treffpunkt, bis wir alle in dem Graben bei Aqaba
versammelt waren, insgesamt 73 Männer und 2 Frauen. Wir warteten
bis der Prophet zusammen mit seinem Onkel Abbas zu uns kam. Abbas war
damals noch Heide, doch wollte er bei dieser Angelegenheit seines
Neffen gern dabei sein
97
und darauf achten, dass man ihm eine
ausreichende Sicherheit gewährte. Er war auch der erste, der das
Wort ergriff:
„Volk von Khazradj!“ Die Araber pflegten beide
medinensischen Stämme, sowohl die [Banu] Aus, wie die Khazradj,
mit diesem Namen zu bezeichnen15.1, „ihr
wisst, welche Stellung Muhammad bei uns innehat. Wir haben ihn vor
unseren eigenen Stammesgefährten geschützt, die über ihn
genau so denken wie wir. Er lebt in Ansehen bei seinem Volk und in
Sicherheit in seiner Heimat. Nun will er sich aber unbedingt euch
anschließen. Wenn ihr meint, ihr könnt ihm gegenüber
euer Versprechen einhalten und ihn vor seinen Gegnern schützen,
dann übernehmt, was ihr euch aufgeladen habt. Wenn ihr aber
glaubt, ihr werdet ihn, nachdem er zu euch gezogen ist, fallenlassen
und verraten, dann lasst ihn lieber gleich in Ruhe, denn hier bei
seinem Volk in Mekka lebt er in Ansehen und Sicherheit.“
15.1Die Banu Aus und die Khazradj (Chazradsch) nannten sich
gemeinsam auch Banu Qaila, da sie gemeinsam von derselben Ahnherrin,
Qaila, abstammen.
„Wir haben deine Worte gehört“,
antworteten wir und baten den Propheten: „Gesandter Gottes, sprich du
selbst und entscheide nach deinem Willen für dich und deinen
Herrn!“ Muhammad ergriff das Wort, trug den Koran vor, rief zum Glauben
an Gott auf und stärkte unser Verlangen nach dem Islam. Dann
sprach er: „Ich nehme eure Huldigung auf der Grundlage an, dass ihr
mich schützt, wie eure Frauen und Kinder.“ Da ergriff Bara seine
Hand und sagte: „Ja, bei dem, der dich als Prophet mit der Wahrheit
gesandt hat, wir werden dich schützen, wie wir unsere Frauen
schützen. Lass uns dir huldigen, Gesandter Gottes! Wir sind, bei
Gott, Männer des Krieges und besitzen Waffen, die wir von
Geschlecht zu Geschlecht vererbt haben.“
Während Bara noch zum Propheten sprach,
unterbrach ihn Abu Haitham und fragte Muhammad: „Wir haben Bindungen zu
jenen Männern“, er meinte die Juden in Medina, „und wenn wir diese
nun brechen, wirst du dann vielleicht, nachdem Gott dir den Sieg
geschenkt hat, zu deinem Volk zurückkehren und uns allein lassen?“
Da lächelte der Prophet und erwiderte: „Nein, Blut ist Blut und
nicht zu bezahlendes Blut ist nicht zu bezahlendes Blut16. Ich gehöre zu euch und ihr gehört zu mir. Ich
98
bekämpfe den, den ihr bekämpft und
ich bin in Frieden mit dem, mit dem ihr in Frieden seid. Wählt 12
Nuqaba unter euch aus, damit sie ihrem Volk in seinen Angelegenheiten
vorstehen.“
16d. h., wie Ibn Hisham erklärend hinzufügt: Was euch
heilig ist, ist auch mir heilig und euer(e) Blut(schuld) ist auch
mein(e) Blut(schuld)
Sie taten dies und wählten 9 Männer
vom Stamme der Khazradj und 3 vom Stamme der Aus. Zu diesen Nuqaba
überlieferte mir Abdallah ibn abi Baki, sprach der Prophet: „Ihr
seid die Bürgen für euer Volk, wie es die Jünger Jesu,
des Sohnes der Maria, waren. Und ich bin der Bürge für mein
Volk“, womit er die Muslime meinte. Die Nuqaba stimmten dem zu.
Asim, der Sohn des
Umar umd Enkel des Qatada, erzählte mir folgendes:
Als sich dann alle versammelten, um dem
Prophet zu huldigen, sprach der „Helfer“ Abbas, der Sohn des Ubada:
„Männer von Khazradj! Seid ihr euch bewusst, was es bedeutet,
diesem Mann zu huldigen?“ „Ja.“ „Ihr huldigt ihm auf dem Krieg gegen
alle Menschen, die hellhäutigen, wie die dunklen. Wenn ihr meint,
ihr werdet ihn aufgeben, wenn euer Eigentum verloren und eure Edlen
gefallen sind, so tut es lieber gleich, denn bei Gott, es wird euch
sonst zur Schande im Diesseits und im Jenseits gereichen. Wenn ihr aber
glaubt, ihr werdet euer Versprechen ihm gegenüber halten, trotz
des Verlustes eures Vermögens und des Todes eurer Edlen, dann
nehmt ihn, denn bei Gott, er wird euch im Diesseits und im Jenseits zum
Wohle gereichen.“
„Wir nehmen das alles in Kauf“, erwiderten sie
und fragten den Propheten: „Und was erhalten wir, Gesandter Gottes,
wenn wir dies erfüllen?“ „Das Paradies!“ antwortete Muhammad,
worauf sie riefen: „So strecke deine Hand aus!“ Er tat es und sie
schlugen in seine Hand ein. Insgesamt nahmen 73 Männer und 2
Frauen von den Stämmen Aus und Khazradj am Zweiten Aqaba teil. Man
behauptete, dass auch die beiden Frauen huldigten, doch pflegte der
Prophet Frauen nicht die Hand zu geben, sondern trug ihnen nur die
Bedingungen vor und sprach, wenn sie zustimmten: „Geht! Ich habe eure
Huldigung angenommen.“
99
34. Das Götzenbild des Amr ibn
Djamuh Top
Nachdem die Helfer nach der Huldigung bei
Aqaba nach Medina zurückgekehrt waren, bekannten sie sich dort
öffentlich zum Islam. In ihrem Volk gab es noch einge Alte, die an
ihrem Glauben, der Vielgötterei, festhielten, darunter Amr ibn
Djamuh, einer der Führer und Edlen der Banu Salama. Sein Sohn
Muadh war bei Aqaba dabeigewesen und hatte dem Propheten gehuldigt.
Nach Sitte der Edlen hatte Amr in seinem Haus ein hölzernes
Götzenbild namens Manat, dass sie als Gott verehrten und
ständig sauber hielten. Nachdem die jungen Männer der Banu
Salama den Islam angenommen hatten, pflegten sie sich des Nachts zu
jenem Götzenbild des Amr zu stehlen, es fortzutragen und
kopfüber in seine Senkgrube des Stammes zu werfen. [Eine Sekgrube ist eine Grube zur
Aufnahme von Fäkalien.] Am folgenden Morgen
rief dann Amr: „Wehe euch! Wer hat sich in der vergangenen Nacht an
unseren Göttern vergangen?“
Dann machte er sich auf die Suche nach dem
Götzen und als er ihn gefunden hatte, wusch, reinigte und
pafümierte er ihn. „Bei Gott“, drohte er, „wenn ich erfahre, wer
dies getan hat! Schimpf und Schande werde ich über ihn
häufen!“ Sobald er aber des Nachts schlief, machten sie sich
wieder über den Götzen her und am nächsten Morgen musste
ihn Amr, nachdem er ihn in der gleichen schmachvollen Lage gefunden
hatte, wider säubern und von seinem Gestank befreien. Als es ihm
schließlich zu viel wurde und er den Götzen wieder einmal
aus seiner Lage befreit und ihn wie üblich gereinigt hatte, band
er ihm sein Schwert um und sprach: „Wahrlich, ich weiß nicht, wer
dir dies antut. Wenn etwas an dir ist, so verteidige dich. Du hast
jetzt das Schwert.“
Nachdem er abends eingeschlafen war, kamen sie
wieder, nahmen dem Götzen das Schwert vom Hals, banden ihm mit
einem Strick einen toten Hund um und warfen ihn in eine der Senkgru-
100
ben des Stammes. Am Morgen sah ihn Amr wieder
nicht an seinem Platz und machte sich auf die Suche nach ihm, bis er
ihn in jener Grube mit dem Kopf nach unten und mit einem toten Hund
zusammengebunden fand. Als er ihn in diesem Zustand erblickte und die
Muslime in seinem Stamme mit ihm redeten, nahm er durch Gottes Gnade
den Islam an und wurde selbst ein guter Muslim. Danach, und nachdem er
Gott erkannt hatte, hielt er seine Erfahrung mit dem Götzen und
seinen Dank gegenüber Gott, der ihn aus Blindheit und Irrtum
errettet hatte, in folgenden Versen fest:
Wahrlich, wärst du ein
Gott, du lägst jetzt nicht
mit dem Hund in der Grube, den Kot im Gesicht!
Schmach über den, der als Gottheit dich weiter verficht!
Wir erkannten dich jetzt, du trauriger Wicht.
Preis sei Gott, dem es niemals an Gnade gebricht
und bei dem jeder Glaube erfährt sein Gericht.
Er allein hat mich errettet zum Licht,
das mir vom Grabesdunkel Erlösung verspricht.
[Es ist schon erstaunlich, wie die Menschen
sich von dem Versprechen, sie würden einst in das Paradies
eingehen, blenden lassen. Das war zur Zeit Mohammeds wohl nicht anders
als heute. Auch heute glauben viele Menschen an die Reinkarnation bzw.
an die Wiedergeburt. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum man
wohl die Geschichte mit der Götterstatue, die von den Muslimen in
die Senkgrube geworfen wurde, erzählt hat? Sie hat mit
großer Wahrscheinlichkeit gar nicht stattgefunden, sondern ist
wohl eher symbolisch zu verstehen. Sie zeigt wieder einmal die ganze
Intoleranz der Muslime, die sich bis heute fortgesetzt hat. Dies
erkennt man z. B. an der Sprengung der beiden 35 und 55 Meter hohen
Buddha-Statuen in Bamiyan/Afghanistan im Jahre 2001.
Und weil diese Geschichte so
symbolträchtig ist, stellt man sich die Frage, ob durch diese
Geschichte das Handeln der Muslime gerechtfertigt werden soll? Die
Muslime sollten sich vielleicht auch einmal die Frage stellen, ob das
Ergebnis ein anders gewesen wäre, wenn man nicht diese
Götterstatue in die Senkgrube geworfen hätte, sondern z. B.
einen „geheiligten“ islamischen Gegenstand und was sie dabei empfunden
hätten. Wie sehr sie auf die vermeintliche Herabwürdigung
eines ihrer Symbole reagieren, zeigt sich unter anderem im Streit um
die Mohammed-Karrikaturen, die am 30. September 2005 in der
dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten veröffentlicht wurden.]
35. Die Offenbarung des Befehls zum Kampf Top
Vor der Huldigung von Aqaba war es dem Propheten nicht
erlaubt, Krieg zu führen und Blut zu vergießen. Es war ihm
nur aufgetragen worden, für Gott zu werben, Kränkungen zu
ertragen und den Unwissenden zu vergeben. Die Quraish hatten seine
Anhänger verfolgt, bis sie sie von ihrem Glauben wieder abbrachten
oder aus ihrer Heimat vertrieben. Diese hatten nur die Wahl, ihren
Glauben aufzugeben, gefoltert zu werden oder aus Mekka nach Abessinien
(Äthiopien), Medina oder sonstwohin zu fliehen. Als die Quraish
weiter Gott schmähten, die Ehre, die er ihnen erweisen wollte,
zurückzuwiesen, seinen Propheten der Lüge ziehen
[bezichtigten] und alle diejenigen folterten und vertrieben, die ihn
anbeteten, sich zu seiner Einheit bekannten, sei-
101
nem Propheten glaubten und an seiner Religion festhielten, da gab Gott seinem Propheten die Erlaubnis, zu
kämpfen und an jenen Rache zu nehmen, die ihn und seine
Gefährten ungerecht behandelt hatten.
Der erste Koranvers, der darüber geoffenbart wurde, war,
wie ich von Urwa und anderen Überlieferern erfahren habe, das
folgende Wort Gottes: „Denjenigen die kämpfen, ist die Erlaubnis
erteilt worden, weil ihnen vorher Unrecht geschehen ist. Gott hat die
Macht, ihnen zu helfen, ihnen, die unberchtigter Weise aus ihren
Wohnungen vertrieben worden sind, nur weil sie sagen: Unser Herr ist
Gott. Und wenn Gott nicht die einen Menschen durch die anderen
zurückgehalten hätte [indem er ihnen aus ihren eigenen Reihen
Widersacher entstehen ließ], wären Klausen, Kirchen,
Synagogen und andere Gotteshäuser, in denen der Name Gottes
unablässig erwähnt wird, zerstört worden. Aber bestimmt
wird Gott denen, die ihm helfen, auch helfen. Er ist stark und
mächtig, ihnen, die, wenn wir ihnen auf der Erde Macht geben, das
Gebet verrichten, Almosensteuer geben, gebieten, was recht ist, und
verbieten, was verwerflich ist. Die letzte Entscheidung liegt bei
Gott.“ (Sure 22,39-41)
Und danach offenbarte Gott auch: „Und kämpft gegen sie,
bis niemand mehr versucht, zum Abfall vom Islam zu verführen und
bis nur noch Gott verehrt wird!“ (Sure 2,193)
Nachdem ihm Gott die Erlaubnis zum Krieg erteilt hatte und
ihm jene Helfer aus Medina den Treuschwur auf den Islam und auf ihre
Hilfe für ihn, seine Anhänger und die Flüchtlinge
geleistet hatten, befahl der Prophet den Gefährten aus seinem
Stamm und auch den anderen Muslimen, die bei ihm in Mekka lebten, nach
Medina zu ziehen, die Hidjra [die Auswanderung] dorthin zu unternehmen
und sich ihren Brüdern unter den Helfern anzuschließen. Er
sprach: „Gott möge euch Brüder und eine Wohnstatt schaffen,
in der ihr sicher seid!“ Danach zog eine Gruppe nach der anderen weg.
Der Prophet blieb in Mekka und wartete bis sein Herr es ihm erlauben
würde, die Stadt auch zu verlassen und nach Medina auszuwandern.
102
[Dann kann das Gemetzel ja losgehen. Es ist natürlich
Unsinn, dass Mohammed die Erlaubnis, Krieg zu führen, von Gott
erhalten hat. Nicht eine Offenbarung hat er von Gott erhalten. Sie
entspringen alle seiner eigenen Phantasie. Es stimmt allerdings, dass
die Quraish Mohammed und seinen Anhängern ziemlich übel
mitspielten. Aber dieselbe Intoleranz findet sich auf Seiten Mohammeds.
Diese Intoleranz ist ein wesentliches Element des Islam und ist bis
heute unverändert erhalten geblieben. Solange Mohammed sich den
Quraish unterlegen fühlte passte er sich an und tat das, was man
von ihm verlangte. Nun aber, da die medinensischen Helfer ihm
Unterstützung zusicherten, fühlt er sich offenbar stark
genug, seinen Gegnern auch militärisch entgegenzutreten. Dies ist
zwar verständlich, allerdings entspricht Mohammeds Reaktion eher
der eines Feldherren, als der eines Propheten.
Wie mir scheint, war Mohammed fest entschlossen, nun seinen
Glauben mit allen Mitteln zu verbreiten. An dieser Haltung des Islams
hat sich bis heute grundsätzlich nichts geändert. Wie das
Hilfwerk Open Doors berichtet, werden heute etwa 250 Millionen Christen
vorwiegend in islamischen Ländern verfolgt. 175.000 Christen
werden jährlich vorwiegend in den islamischen Staaten
getötet. Und weil in Sure 22,39-41 von zerstörten Klausen,
Kirchen, Synagogen und andere Gotteshäusern die Rede ist, sei
darauf hingewiesen, dass dies heute bittere Realität in vielen
islamischen Staaten ist, in denen in den letzten Jahren Tausende von
christlichen Kirchen zerstört wurden. (Quelle: 175.000 Christen werden jährlich ermordet)]
36. Die Hidjra [die Auswanderung] des
Propheten [24. September 622] Top
Der Prophet blieb in Mekka, nachdem seine Gefährten
bereits ausgewandert waren und wartete auf Gottes Erlaubnis, selbst die
Hidjra zu unternehmen. Nur diejenigen, die man eingesperrt oder
gewaltsam von ihrem Glauben abgebracht hatte, sowie sein Vetter Ali und
Abu Bakr, waren noch bei ihm in der Stadt. Oft bat Abu Bakr den
Propheten, auch auswandern zu dürfen, doch dieser gab ihm zur
Antwort: „Überstürze nichts! Vielleicht wird Gott dir einen
Reisegefährten geben.“ Und Abu Bakr hoffte, dies werde Mohammed
selbst sein.
Als die Quraish sahen, dass der Prophet außerhalb
Mekkas Anhänger und Freunde gewonnen hatte und seine mekkanischen
Gefährten zu jenen gezogen waren, mussten sie erkennen, dass diese
bei den Medinensern Wohnung und Schutz gefunden hatten. Sie
fürchteten, der Prophet werde nun auch zu jenen gehen. Sie wussten
ja, dass er sich entschlossen hatte, gegen sie Krieg zu führen.
Deshalb versammelten sie sich im Haus des Rates, wo sie alles zu
entscheiden pflegten, es war dies das Haus des Qusayy ibn Kilab, um zu
beraten, was sie nun in ihrer Furcht mit Muhammad tun sollten.
Ich habe darüber den Bericht des
Abdallah ibn abi Nadjih in der Wiedergabe des Mudjahid und den Bericht
des Abdallah ibn Abbas, die mir von vertrauenswürdigen Freunden
überliefert wurden:
Nachdem sich die Quraish entschieden und miteinander
vereinbart hatten, im Haus des Rates zusammenzukommen, um über den
Propheten zu beraten, kam zu ihnen am verabredeten Tag, dem sogenannten
Tag des Gedränges, der Teufel in Gestalt eines würdevollen
Greises und mit einem Mantel bekleidet. Er stellte sich vor das Tor des
Hauses und als sie ihn dort sahen, fragten sie ihn, wer er sei. Er gab
ihnen zur Antwort:
103
„Ich komme aus dem Nadjd. [
Der Nadjd (auch Nadschd oder Nedschd) ist eine Landschaft und Provinz
im
Saudi-Arabien.] Ich habe
von eurem Vorhaben gehört und würde gern an eurer Versammlung
teilnehmen, um zu hören, was ihr sagt. Vielleicht kann ich euch
mit Rat zur Seite stehen.“ So ließen sie ihn mit hinein, wo sich
die Edlen der bedeutenden Sippen des Stammes Quraish versammelt hatten.
Die Beratung begann mit der Aufforderung: „Ihr habt gesehen,
was Muhammad getan hat. Wir können nicht länger davor sicher
sein, dass er uns nicht mit seinen Anhängern von außerhalb
unseres Stammes plötzlich angreift. Laßt uns deshalb eine
Entscheidung über ihn fällen!“ Einer von ihnen machte darauf
den folgenden Vorschlag. „Legt ihn in Eisen und schließt ihn ein!
Dann wartet bis er stirbt, wie vor ihm Zuhair, Nabigha und andere
Dichter seinesgleichen gestorben sind!“
„Das ist kein geeigneter Vorschlag für euch“, wandte der
Alte aus dem Nadjd ein, „denn wenn ihr ihn einsperrt, wird dies zu
seinen Gefährten dringen und diese werden euch sogleich angreifen
und ihn aus euren Händen befreien. Schließlich werden sie
euch zahlenmäßig derart überlegen sein, dass sie euch
völlig besiegen. Nein, das ist kein guter Vorschlag. Überlegt
euch einen anderen!“
Sie berieten weiter und schließlich sagte ein anderer:
„Laßt uns ihn aus unserem Land vertreiben! Wenn er einmal weg
ist, brauchen wir uns nicht darum zu kümmern, wohin er gegangen
und wo er geblieben ist. Ist er uns aus den Augen, können wir
unsere alte Eintracht wieder herstellen.“ „Auch dieser Vorschlag taugt
nichts“, schaltete sich der Alte aus dem Nadjd ein, „habt ihr denn
nicht bemerkt, wie schön er sprechen und wie fein er sich
ausdrücken kann und wie er die Herzen der Menschen mit seiner
Botschaft gewinnt. Würdet ihr dies tun, müsstet ihr damit
rechnen, dass er sich bei irgendeinem Beduinenstamm niederlässt
und diesen durch seine Worte derart überwältigt, dass er mit
ihm gegen euch zieht, euch in eurem eigenen Land besiegt, euch die
Herrschaft aus den Händen reißt und schließlich mit
euch machen kann, was er will. Überlegt euch einen anderen Plan!“
„Ich habe eine Idee, auf die noch keiner von euch gekommen
ist“, meldete sich Abu Djahl zu Wort.
104
„Nämlich?“, fragten sie ihn und er fuhr fort: „Ich meine,
wir sollten aus jedem Stamm einen angesehen, edlen und starken jungen
Mann holen und jedem von ihnen ein scharfes Schwert geben. Diese sollen
sich ihn dann gleichzeitig vornehmen und ihn mit einem enzigen Hieb
töten. Wir hätten dann endlich Ruhe vor ihm, denn die
Blutschuld würde sich auf alle Stämme verteilen und die Sippe
Abdmanaf könnte nicht gegen sie alle Krieg führen. [Abdmanaf
ist der Ur-Urgroßvater des Propheten Muhammad und Stammvater der
vier mekkanischen Sippen Abdschams, Naufal, Haschim und Muttalib.]
Vielmehr müssten sie sich mit dem Blutgeld zufrieden geben, das
wir ihnen zahlen!“ „Das ist es“, rief der Alte, „es gibt keinen Plan,
der besser wäre!“ Mit dieser Entscheidung gingen sie auseinander.
[Tillman Nagel schreibt in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 268 folgendes zur Auswanderung und zu der
oben erwähnten Versammlung: „Der Gesandte Allahs betrachtete sich
und seine Anhänger als Vertriebene
(vergleiche Sure 22,40). Davon
redet er zu wiederholten Malen im Koran. Um Vertreibung ging es
vermutlich letztlich auch seinen qurashitischen Feinden, denen in der
Legende erst der Satan etwas böses suggerieren muss. Der
Mordkomplott als der Gipfel des Leidensweges und die bedingungslose
Heeresfolge sind die Fiktionen, die für die planvoll gesteuerte
Hedschra [Auswanderung] unentbehrlich sind. Mit dem tatsächlichen
geschehen... haben sie nichts zu tun. Wir beobachten einen zäh an
ererbten religiös-gesellschaftlichen Leitbildern festhaltenden
Mohammed, für den die Vertreibung keineswegs der Beginn des
politischen Wirkens ist, sondern ein retardierendes (verzögerndes)
Moment auf dem Weg zur Macht.“]
Zum Propheten aber kam Gabriel und riet ihm, er solle in der
kommenden Nacht nicht in seinem Bett schlafen. Das erste Drittel der
Nacht verstrich und die Quraish versammelten sich an seiner Tür,
um aufzupassen, wann er einschlief. Dann wollten sie über ihn
herfallen. Der Prophet sah sie jedoch und bat Ali, in seinem Bett zu
schlafen und sich, wie er es selbst zu tun gewohnt war, völlig mit
seinem grünen Hadramaut-Mantel zuzudecken [Hadramaut war ein
altsüdarabisches Königreich im heutigen Jemen.]: es
würde ihm nicht Schlimmes geschehen.
In der weiteren Darstellung
stütze ich mich auf die Schilderung des Muhammad ibn Kab, wie sie
mir Yazid ibn Ziyad weitererzählt hatte:
Unter denen, die sich an Muhammads Tür versammelt
hatten, war auch Abu Djahl. Er sprach: „Muhammad behauptet, wenn ihr
ihm in seiner Sache folgtet, würdet ihr die Könige über
Araber und Perser werden und nach eurem Tod würdet ihr
wiedererweckt werden und in Gärten leben, so schön, wie die
Gärten am Jorden, sonst aber werde es ein Gemetzel unter euch
geben und nach eurer Wiedererweckung würdet ihr in einem
Höllenfeuer verbrennen.“
Da trat der Prophet mit einer Handvoll Staub zu ihnen hinaus
und sagte: „Ja, dies sage ich! Und du bist einer von letzteren!“ Nun
hatte Gott aber ihren Blick von ihm genommen, so dass sie ihn nicht
sehen konnten. Er streute Staub auf ihre Häupter, wobei er aus der
Sure Yasin (Jasin) [Sure 36] die folgenden Verse sprach: „Beim weisen
Koran! Du bist wirklich einer der Gesandten und befindest dich auf
einem geraden Weg. Er ist vom Mächtigen und Barmherzigen als
Offenba-
105
rung herabgesandt, damit du Leute warnst, deren Väter
noch nicht gewarnt worden sind, so dass sie nichts Böses ahnen.
Aber nun ist ja das Wort [der Vorherbestimmung] an den meisten von
ihnen in Erfüllung gegangen, so dass sie nicht glauben. Wir haben
ihnen Fesseln an den Hals getan und die gehen ihnen bis zum Kinn, so
dass sie den Kopf hochhalten. Und wir haben vor ihnen einen Wall
errichtet und ebenso hinter ihnen und sie zugedeckt, so dass sie nichts
sehen. (Sure 36,1-9)
Am Ende der Verse hatte er jedem der Männer Staub auf
den Kopf gestreut und ging seines Wegs. Ein Mann, der vorher nicht bei
der Gruppe der Quraish an der Tür gewesen war, trat jetzt zu ihnen
und fragte: „Auf was wartet ihr denn hier?“ „Auf Muhammad“, gaben sie
zur Antwort, worauf er rief: „Ja, Muhammad ist doch schon zu euch
herausgekommen, hat jedem von euch Staub auf den Kopf getan und ist
wieder gegangen! Seht ihr denn nicht, was mit euch geschehen ist?“ Sie
fassten sich auf den Kopf und bemerkten den Staub. Dann begannen sie zu
suchen und sahen auf dem Bett die in den Mantel des Propheten
eingehüllte Gestalt Alis.
„Da ist doch Muhammad! Er schläft in seinem Mantel!“,
flüsterten sie und warteten bis zum Morgen. Als sich dann aber Ali
von seinem Lager erhob, mussten sie feststellen, dass jener Mann die
Wahrheit gesagt hatte.
Danach gab Gott seinem Propheten die Erlaubnis zur Hidjra.
Abu Bakr, der ein wohlhabender Mann war, hatte auf die geschilderten
Vertröstungen des Propheten hin zwei Reitkamele gekauft, sie in
seinem Hof eingesperrt und in Vorbereitung auf die Flucht gut
gefüttert.
Abu Bakrs Tochter Aisha erzählte
nach der Darstellung des Urwa, wie ich sie von einem
vertrauenswürdigen Manne gehört habe, folgendes:
Gewöhnlich kam der Prophet immer am frühen Morgen
oder am späten Abend zum Hause Abu Bakrs. An jenem Tage aber, da
er die Erlaubnis zur Hidjra und zum Verlassen Mekkas erhalten hatte,
kam
er bereits gegen Mittag zu uns und mein Vater sagte, als er ihn
erblickte: „Zu dieser Stunde kommt der Prophet nur, wenn etwas
geschehen ist.“
106
Muhammad trat ein, mein Vater bot ihm seinen Platz an und er
setzte sich. Nur ich und meine Schwester Asma waren noch zugegen. Der
Prophet ersuchte meinen Vater uns beide hinauszuschicken, doch dieser
bat ihn, dass wir bleiben durften. Dann sagte Muhammad: „Gott hat mir
die Erlaubnis zum Hidjra erteilt.“ „Gehen wir zusammen?“ „Ja.“
Bei Gott, ich habe noch nie jemanden so vor Freude weinen
sehen wie damals meinen Vater. Er erzählte dann dem Propheten von
den beiden Kamelen, die er bereitgehalten hatte. Sie dingten
[verpflichteten] den Ibn Arqat, damals noch ein Heide, und
übergaben ihm die beiden Tiere, damit er sie bis zum verabredeten
Aufbruch hütete.
Niemand, so ist mir berichtet worden, wusste etwas vom
Aufbruch des Propheten außer Ali, Abu Bakr und dessen Familie.
Dem Ali hatte Muhammad davon erzählt, und ihm aufgetragen, noch so
lange in Mekka zu bleiben, bis er den betreffenden Leuten [in Mekka]
die wertvollen Gegenstände zurückerstattet hattet, die diese
dem Propheten aufgrund seiner Vertrauenswürdigkeit zu treuen
Händen übergeben hatten. Nach der Entscheidung zum Aufbruch
kam der Prophet zu Abu Bakr. Durch ein kleines Fenster an der
Rückseite des Hauses machten sie sich davon zu einer Höhle im
Berge Thaur unterhalb Mekkas und versteckten sich darin.
[Mohammds Gottvertrauen scheint nicht allzu groß
gewesen zu sein, wenn er sich vor den Quraish in einer Höhle
versteckt. Vielleicht hätte er einfach darauf vertrauen sollen,
dass Gott ihn notfalls wieder unsichtbar macht :-). Aber zur
Ehrenrettung Mohammeds sei noch angefügt, dass wir noch so manches
„Wunder“ von ihm erleben werden.]
Seinem Sohn Abdallah trug Abu Bakr auf, tagsüber
herumzuhören, was die Leute über sie redeten und ihnen dann
am Abend von ihren Gesprächen zu berichten. Seinen freigelassenen
Sklaven, Amir ibn Fuhaira, befahl er, tagsüber die Ziegen und
Schafe zu hüten und diese am Abend zu ihnen in die Höhle zu
bringen. Seine Tochter Asma schließlich brachte ihnen am Abend
das nötige Essen. Muhammad blieb mit Abu Bakr drei Tage in dieser
Höhle. Die Quraish aber setzen hundert Kamele zur Belohnung
für jeden aus, der ihn ihnen zurückbrächte.
Nach diesen drei Tagen machten sich Muhammad und seine
Begleiter unter Führung des Abdallah ibn Arqat auf den Weg. Er
führte sie unterhalb Mekkas entlang der Küste [des Roten
Meeres, Medina liegt etwa 447 Kilometer nördlich von Mekka], bis
sie den Weg unterhalb von Usfan kreuzten. Unterhalb von Amadj reisten
sie weiter über Qudaid, Kharrar und den Engpass von
107
Marra zur Wasserstelle von Liqf und von dort hinunter zur
Wasserstelle von Mahadj, dann weiter über Mardjih Mahadj hinunter
zum Mardjih von Dhu l-Ghadwain, durch das Tal von Dhu Kashr und
über Djadadjid, Adjarad, Dhu Salam, im Tale von Ada, die
Wasserstelle von Tihim, Abadid, Fadjja hinunter nach Ardj. Von dort
brachte sie ihr Führer durch den Engpass von Air, rechter Hand von
Akuba, hinunter ins Tal von Rim und schließlich am Montag, dem
12. des Monats Rabi I, genau am Mittag ins Dorf Quba bei
Medina zum Stamme Amr.
Muhammad ibn Djafar berichtete mir
von Urwa, dass Abdarrahman ibn Uwaimir die folgende Schilderung
über die Ankunft des Propheten von einem seiner Stammesgenossen
gehört hat:
Wir hatten von Muhammads Aufbruch in Mekka gehört und
erwarteten voll Sehnsucht seine Ankunft bei uns. Immer nach dem
Morgengebet zogen wir hinauf auf das Lavafeld und harrten des
Propheten, bis wir keinen Schatten mehr fanden und heimkehren mussten.
Es war dies in der heißen Jahreszeit. Auch an jenem Tage, da der
Prophet anlangte, hatten wir draußen gesessen, bis es keinen
Schatten mehr gab. Wir waren gerade in unsere Häuser
zurückgekehrt, als der Prophet ankam. Ein Jude der gesehen hatte,
was wir taten, und wusste, dass wir die Ankunft des Propheten
erwartetet, sah ihn als erster und rief, so laut er konnte: „O ihr Banu
Qaila! Euer Glück ist gekommen.!“ [Die arabischen Stämme Banu Aus und Khazradj aus Medina,
nannten sich auch, wegen der gemeinsamen Ahnherrin, Qaila, Banu Qaila.]
Da gingen wir hinaus zum Propheten und fanden ihn zusammen
mit dem etwa gleichaltrigen Abu Bakr [Mohammed war zu diesem Zeitpunkt
52 Jahre alt.] im Schatten einer Palme. Die meisten von uns hatten
Muhammad vorher noch nie gesehen. Als wir uns um sie drängten,
wussten wir deshalb nicht, wer von den beiden es war. Erst als der
Schatten von ihm wich und Abu Bakr sich erhob, um ihm mit seinem
Gewandt Schatten zu spenden, da wussten wir es. Der Prophet wohnte dann
zunächst, so wird erzählt, bei Kulthum, dem Sohn des Hidm,
einem der Banu Ubaid. Andere behaupteten bei Sad, dem Sohn des
Khathama. Diejenigen Überlieferer, die Kulthum angegeben,
berichteten, der Prophet habe dessen Haus nur verlassen, um bei Sad mit
seinen Leuten zusammenzusitzen, da dieser ein Jung-
108
geselle ohne Familie war und er die Junggesellen unter den
ausgewanderten Gefährten des Propheten beherbergte.
Deshalb sei man dann zu der Ansicht gekommen, der Prophet sei
bei Sad abgestiegen, da Sads Haus das „Haus der Unverheirateten“
genannt wurde. Gott allein weiß, wie es war. Abu Bakr nahm
Quartier in Sunh bei Khubaib, dem Sohn des Isaf, einem der Banu Harith
ibn Khazradj, nach anderer Aussage bei Kharidja, dem Sohn des Zaid, von
gleichen Stamm. Ali war noch drei Tage und drei Nächte in Mekka
geblieben, bis er [den Quraish] die Gegenstände zurückgegeben
hatte, die dem Propheten zur Aufbewahrung anvertraut worden waren. Dann
gesellte er sich zum Propheten und wohnte mit ihm bei Kulthum.
Muhammad blieb von Montag bis Donnerstag bei den Banu Amr und
legte dort den Grundstein für die Moschee. Am Freitag ließ
Gott ihn sie verlassen und zum Freitagsgebet war er bei den Banu Salim.
Er verrichtete es in der Moschee am Grunde des Wadi Ramuna. Es war dies
sein erstes Freitagsgebet in Medina. Dann, als er weiter zog, hielten
ihn immer wieder die Vertreter der veschiedenen Sippen an und baten
ihn, bei ihnen zu bleiben, ihren Besitz mit ihnen zu teilen und ihren
Schutz zu genießen, doch er forderte sie jedesmal auf, seinen
Kamelen den Weg freizugeben, da er unter Gottes befehl stehe.
So zog das Tier von einem Gehöft zum anderen, bis es zu
der Sippe Malik vom Stamm Nadjjar kam und dort beim Tor der Moschee
niederkniete, damals noch ein Platz zum Trocknen von Datteln, der zwei
Waisen des Stammes gehörte, die unter dem Schutz des Muadh ibn
Afra standen. Da der Prophet nicht abstieg, erhob sich das Kamel wieder
und schritt ein Stück weiter, wobei ihm der Prophet den Zügel
frei ließ und es nicht leitete. Es drehte sich jedoch um, kehrte
an die erste Stelle zurück, kniete erneut nieder, bleib
erschöpft liegen und legte seinen Hals auf die Erde. Der Prophet
stieg ab, Abu Ayyub trug das Gepäck in sein Haus und der Prophet
bezog bei ihm Quartier.
„Wem gehört dieser Dattelplatz?“ fragte er dann den Muadh
und dieser antwortete ihm: „Zwei Waisen, die unter meinem Schutz
stehen. Ich werde sie zu ihrer Zufriedenheit dafür
entschädigen, so dass du ihn als Moschee nehmen kannst.“
109
Der Prophet befahl, dort eine Moschee zu errichten und blieb
solange bei Abu Ayyub wohnen, bis die Moschee und seine Wohnräume
fertiggestellt waren. Er selbst nahm an den Bauarbeiten teil, um die
Muslime dafür zu begeistern und sowohl die Auswanderer aus Mekka,
als auch die Helfer aus Medina arbeiteten unermüdlich. Einer von
ihnen reimte:
Wenn wir uns setzen,
während der Prophet sich müht,
dann sagt man, dass vor uns die Arbeit flieht.
Der Prophet blieb in Medina vom Monat Rabi I. bis
zum Monat Safar des folgenden Jahres, in dem
die Moschee und seine Wohngebäude fertiggestellt wurden. Alle
Medinenser nahmen den Islam an und kein Haus blieb übrig, dessen
Bewohner sich nicht zum Islam bekannten. Lediglich die Khatma, Waqif,
Wail und eine Gruppe der Aus verharrten in ihrer Vielgötterei.
[Auch die jüdischen Stämme der Banu Quraiza, Banu Nadir und Banu Qainuqa bekannten sich nicht zum Islam.]
Die erste Predigt, die der Prophet, wie ich von Abu Salama
erfahren habe, bei ihnen hielt, war die folgende. Er pries und lobte
Gott, wie es sein Brauch war und fuhr fort: „O ihr Menschen, sorgt euch
vor! Bei Gott, ihr wisst einer von euch kann niedergeschmettert werden
und seine Herde ohne Hirten lassen. Und sein Herr wird zu ihm sprechen,
nicht durch einen Übersetzer oder schützenden Pförtner:
„Kam nicht mein Gesandter zu dir und hat dich unterrichtet? Gab ich dir
nicht Besitz und habe ich dir nicht meine Gunst erwiesen? Welche
Vorsorge hast du getroffen?“ Und jeder wird nach rechts und nach links
blicken, aber nichts sehen. Und er wird nach vorne schauen und nur die
Hölle sehen. Wer sein Gesicht vor dem Feuer schützen kann und
sei es nur durch ein Stück einer Dattel, der tue es! Und findet er
nichts, so versuche er es mit einem guten Wort. Denn die gute Tat wird
zehnfach, ja zweimal siebenhundertfach belohnt werden. Der Friede, die
Gnade und der Segen Gottes seien mit euch.“
Ein anderes Mal predigte der Prophet folgendes: „Lob sei
Gott! Ich preise ihn und erflehe seine Hilfe. Bei Gott nehmen wir
unsere Zuflucht vor unseren eigenen Sünden und dem Übel
unseres Tuns. Wen Gott rechtleitet, der geht nicht in die Irre. Und wen
er in die Irre führt, der wird nicht rechtgeleitet.
110
Ich bekenne: Es gibt keinen Gott außer Gott allein und
er hat keinen Gefährten. Das beste Wort ist das Buch Gottes.
Gedeihen wird der, der Gott durch es im Herzen zierte, der, den es vom
Unglauben zum Islam brachte und der, der es über die anderen Worte
der Menschen stellt. Es ist das beste und beredtste Wort. Liebt, was
Gott liebt! Liebt Gott mit eurem ganzen Herzen. Verzagt nicht über
das Wort und die Erwähnung Gottes! Lasst nicht eure Herzen
verstocken vor ihm. Aus allem, was er schafft, wählt und sucht er
aus. Und die Taten, die er wählt, nennet er das Beste, und den
Menschen, den er wählt, nennt er den Erwählten, und das Wort,
das er wählt, nennet er das Rechtschaffene. In allem, was den
Menschen gebracht wird, gibt es das Verbotene und Erlaubte. Verehrt
Gott! Gesellt ihm nichts bei! Fürchtet ihn, wie er zu
fürchten ist! Tut aufrichtig, was ihr mit dem Munde sprecht! Liebt
euch untereinander im Geiste Gottes! Wahrlich, Gott erzürnt, wenn
sein Bund gebrochen wird. Friede sei mit euch!“
Für die Auswanderer und die Helfer schrieb der Prophet
eine Urkunde, mit der er auch mit den Juden eine vertragliche Einigung
traf, diese in ihrer Religion und in ihrem Besitz bestätigte und
die gegenseitigungen Verpflichtungen festlegte:
[Die Urkunde mit den Juden ist allerdings, wie wir noch sehen
werden, das Papier nicht wert, auf dem sie steht, denn Mohammed brach
die Verträge mit den Juden ebenso, wie er später
Verträge mit den Quraish (Mekkanern) brach. Mit den Quraish
schloss er nämlich im Jahre 628 einen 10-jährigen
Friedenvertrag, den er allerdings bereits im Jahre 630 brach und in
Mekka einmarschierte. (siehe: Seite 201)]
„Im Namen des barmherzigen und gütigen Gottes. Dies ist
eine Urkunde von Muhammad, dem Propheten Gottes, über die
Beziehungen zwischen den gläubigen Muslimen von Quraish und
Yathrib (Medina), jenen, die ihnen folgen, sich angeschlossen haben und
zusammen mit ihnen kämpfen. Sie sind eine Gemeinde in
Unterscheidung zu den anderen Menschen. Die Auswanderer von den Quraish
sollen, entsprechend ihrer bisherigen Sitte, gemeinsam die Blutschuld
unter sich bezahlen und ihre Gefangenen auslösen mit der
Billigkeit und Gerechtigkeit, wie sie unter den Muslimen üblich
ist. Die Banu Auf zahlen ihre Blutschuld entsprechend ihrer bisherigen
Sitte und jede Untergruppe löst ihre Gefangegen aus, entsprechend
der Billigkeit und Gerechtigkeit unter den Muslimen. Ebenso die
Stämme Saida, Harith, Djusham, Nadjjar, Amt ibn Auf, Nabit und
Aus. Die Gläubigen geben keinen Schuldner unter ihnen auf, sondern
helfen ihm nach Billigkeit, seine Auslösesumme oder das Blutgeld
zu zahlen.
[Die Blutrache wurde traditionell unter den Arabern geduldet
und wurde mit dem Blutgeld geahndet, wenn die Verwandten des Opfers
damit einverstanden waren. Waren sie nicht damit einverstanden, dann
durften sie selber Blutrache an den Verwandten des Täters
ausüben.]
Ein Gläubiger schließt kein Bündnis mit
dem
111
Freigelassenen eines anderen Muslims ohne dessen Zustimmung.
Die gottesfürchtigen Gläubigen stellen sich gegen jeden, der
ungerecht gegen sie handelt oder versucht, Unrecht, Sünde,
Feindschaft und Verderbtheit unter die Gläubigen zu streuen.
Gemeinsam wenden sie ihre Hände gegen ihn und sei es der Sohn
eines von ihnen. Ein Gläubiger tötet keinen Gläubigen
wegen eines Ungläubigen und hilft keinem Ungläubigen gegen
einen Gläubigen. [Dies erinnert an Sure 5,51, die den
gläubigen Muslimen empfiehlt, keine Freundschaft mit Juden oder
Christen einzugehen.]
Gottes Schutz ist ein einziger. Gibt auch nur der Geringste
von ihnen einem Fremden Schutz, so ist dies für alle
verpflichtend. Die Gläubigen stehen, gegenüber den anderen
Menschen, gegenseiteig in einem Verhältnis wie Herr und
Freigelassener. Die Juden, die uns folgen, genießen die gleiche
Hilfe und Unterstützung, solange sie die Gläubigen nicht
ungerecht behandeln und andere gegen sie unterstützen. Der Friede
der Gläubigen ist ein einziger. Kein Gläubiger schließt
für sich gegen einen anderen Gläubigen einen Frieden im Kampf
für Gott, es sei denn auf der Grundlage der Gerechtigkeit und
Gleichheit.
Auf jedem Feldzug wechseln sich die Reiter in der
Führung ab. Die Gläubigen rächen füreinander, das
im Heiligen Kampf vergossene Blut. Die gottesfürchtigen
Gläubigen stehen unter der besten und weisesten Rechtleitung. Kein
Ungläubiger aus Medina gewährt den Quraish Schutz für
Güter oder Personen, noch setzt er sich für einen Quraishiten
gegen einen Gläubigen ein. Wenn jemand ungerechterweise einen
Gläubigen tötet und dabei die Unrechtmäßigkeit
eindeutig ist, dann ist jener der Vergeltung unterworfen, es sei denn,
der Vertreter des Ermordeten ist mit einer Zahlung zufrieden. Alle
Gläubigen stehen gemeinsam gegen den Mörder und sind
verpflichtet, sich gegen ihn zu wenden.
Einem Gläubigen, der dem Inhalt dieser Urkunde
zugestimmt hat und an Gott und den letzten Tag glaubt, ist es nicht
erlaubt, einem Übeltäter zu helfen oder ihm Zuflucht zu
gewähren. Auf dem, der dies dennoch tut, liegt der Fluch und der
Zorn Gottes am Tage der Auferstehung. Durch nichts kann er sich
dafür entschädigen. In jeder Frage, in der ihr uneins seid,
wendet euch an Gott und Muhammad! Die Juden tragen ihre eigenen
Unkosten, solange sie zusammen mit den Muslimen kämpfen. Die Juden
im Stamme Auf bilden mit den Gläubigen eine Gemeinde. Den Juden
ihre Religion und den Muslimen die ihre!
112
Dies gilt für ihre Freunde, wie für sie selbst, es
sei denn, einer hat unrecht oder sündhaft gehandelt. Er bringt
Unheil über sich und seine ganze Familie. Dies gilt
gleichermaßen für die Juden in den Stämmen Nadjjar,
Harith, Saida, Djusham, Aus, Thalaba, Djafna, einem Unterstamm der
Thalaba und Shutaiba. Treue geht vor Verrat. Für die Klientel der
Thalaba gilt das gleiche und ebenso für die engen Freunde der
Juden.
Niemand aus der Gemeinde zieht ohne die Erlaunis Muhammads in
den Kampf, doch wird er nicht daran gehindert, Rache für eine
Verwundung zu nehmen. Wer immer vorschnell jemanden tötet,
vernichtet nur sich selbst und seine Familie, es sei denn, jener hat
Unrecht getan. Gott wird mit ihm zufrieden sein. Die Juden tragen ihre
Unkosten und ebenso die Muslime die ihren. Sie helfen einander gegen
jeden, der gegen die Leute dieser Urkunde kämpft. Zwischen ihnen
herrscht echte Freundschaft und Treue ohne Verrat. Ein Mann ist nicht
schuld für den Verrat seines Bundesgenossen. Wem Unrecht
geschieht, dem wird geholfen. Die Juden tragen ihre eigenen Unkosten,
solange sie zusammen mit den Muslimen kämpfen. Das Tal von Yathrib
(Medina) ist ein Heiligtum für die Leute dieser Urkunde.
Der unter dem Schutz stehende Fremde, wird behandelt wie
derjenige, der ihm Schutz gewährt, solange er nicht schadet und
keinen Verrat begeht. Einer Frau wird nur mit Zustimmung ihrer Familie
Schutz gewährt. Immer wenn zwischen den Leuten dieser Urkunde
etwas geschieht oder zwischen ihnen Streit entsteht, woraus Unheil zu
befürchten ist, so ist dies Gott und Muhammad, seinem Gesandten,
vorzulegen. Gott nimmt aus dieser Urkunde an, was am frömmsten und
rechtschaffensten ist. Den Quraish und ihren Helfern wird kein Schutz
gewährt. Die Leute dieser Urkunde helfen sich gegen jeden, der
Yathrib überfällt. Wenn die Juden zu einem Friedensschluss
aufgerufen werden, so tun sie es und halten ihn ein. Und wenn sie die
gleiche Forderung an die Gläubigen stellen, so tun diese es
ebenso, es sei denn, sie kämpfen für den Glauben.
Jeder erhält den Schutz von seiner Seite. Die Juden vom
Stamme Aus, ihre Schutzbefohlenen wie sie selbst, haben die gleichen
Rechte und Pflichten wie die Leute dieser Urkunde, solange sie sich
diesen gegenüber aufrichtig verhalten. Treue geht vor Verrat.
Jeder, der etwas erwirbt, erwirbt es für
113
sich selbst. Gott billigt diese Urkunde. Sie schützt
nicht den Übeltäter und den Sünder. Derjenige, der
auszieht zum Kampfe, ist in Medina sicher wie derjenige, der nichts
unternimmt, solange er nicht Unrecht und Verrat begeht. Gott
schützt jeden, der aufrichtig ist und ihn fürchtet. Und
Muhammad ist der Prophet Gottes17.
17Dieser Text ist als die
„Verfassung von Medina“ bekannt und häufig diskutiert worden. Der
Text gilt allgemein als authentisch (echt), doch ist die exakte
Entstehung (vor oder nach der Schlacht von Badr, vor oder nach der
ersten Judenvertreibung) weiterhin umstritten. Zahlreiche
Wiederholungen machen zudem eine Zusammensetzung aus verschiedenen und
zu verschiedenen Zeiten entstandenen Elementen wahrscheinlich. Auch
inhaltlich bleibt manches problematisch und die Übersetzung ist
nicht immer gesichert.
37. Der Gebetsruf Top
Nachdem sich der Prophet mit seinen ausgewanderten
Brüdern in Medina eingerichtet hatte und die Lage der Helfer in
der Stadt bereinigt war, verfestigte sich der Islam bei ihnen. Das
Gebet war eingesetzt, die Armensteuer und das Fasten zur Pflicht
gemacht, die gesetzlichen Strafen festgelegt und das Erlaubte und das
Verbotene vorgeschrieben. Der Islam hatte bei ihnen seine Heimat
gefunden. Und es waren diese Helfer, die im „Haus des Islam17.1“
und im Glauben heimisch geworden waren. (Sure 59,9)
17.1[Prof. Dr. Christine
Schirrmacher von der „Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte“ schreibt in ihrem Artikel Der Jihad im Islam
über das „Haus des Islam“: „Die islamischen Rechtsgelehrten
unterscheiden zwischen dem „Haus des Islams“, den Muslimen, und
dem „Haus des Krieges“, den Nichtmuslimen, wobei ein friedliches
Nebeneinander eigentlich nicht existieren kann. Im 11. Jahrhundert n.
Chr. arbeitete der sunnitische Rechtsgelehrte al Mawardi eine Theorie
aus, die insbesondere im Bereich des politischen Islam (dem
Islamismus) bis heute Anerkennung erfährt. al Mawardi unterteilte
die Welt in zwei Bereiche, das „Haus des Islam“,
in dem der Islam und
das islamische Gesetz aufgerichtet sind und das „Haus des Krieges“,
in
dem der Islam noch nicht regiert.
Diese Einteilung findet sich so weder im Koran noch in der
islamischen Überlieferung, sondern ist eine Definition
muslimischer Theologie. In der Theorie führt das „Haus des Islam“
beständig gegen das „Haus des Krieges“ einen gerechten
Eroberungskrieg, den Jihad, und zwar so lange, bis auch das „Haus des
Krieges“ zum „Haus des Islam“ geworden ist. Es ist aus muslimischer
Sicht im Grunde unmöglich, dass der wahre Glaube (der Islam) und
der Unglaube (arabisch: Kufr) oder Vielgötterglaube (arabisch:
Shirk) friedlich nebeneinander her existieren. Da der Islam von einer
einheitlichen (rein islamischen) Gesellschaft ausgeht, hat das „Haus
des Krieges“ keine eigentliche Existenzberechtigung neben dem „Haus des
Islam“ und soll so bald wie möglich in das „Haus des Islam“
überführt werden.“]
Als der Prophet gekommen war, hatten sich die Gläubigen
zunächst ohne besondere Aufrufe zu den festgelegten Zeiten bei ihm
zu den Gebeten versammelt. Zuerst hatte der Prophet daran gedacht, wie
die Juden mit einer Trompete zum Gebet aufrufen zu lassen, doch dann
missfiel ihm dieser Gedanke und er ließ eine Klapper machen,
durch deren Schläge die Muslime zum Gebet gemahnt wurden.
In dieser Zeit hatte Abdallah ibn Zaid einmal einen Traum,
ging am nächsten Morgen zum Propheten und erzählte ihm davon:
„Letzte Nacht ging im Traum ein Mann an mir vorüber. Er war mit
zwei grünen Gewändern bekleidet und trug eine Klapper in der
Hand. Ich fagte ihn: „Du Diener Gottes, verkaufst du mir die Klapper?“
„Was willst du damit machen?“ „Wir rufen zum Gebet damit.“ „Soll ich
dir dafür etwas Besseres sagen?“ „Nämlich?“ „Der Ruf: Allahu
akbar, Allahu akbar, Allahu akbar! Ich bekenne, dass es keinen Gott,
außer Gott gibt! Ich bekenne, dass Muhammad der Prophet Gottes
ist! Auf zum Gebet! Auf zum Gebet! Auf zum Heil! Auf zum Heil! Allahu
akbar, Allahu akbar! Es gibt keinen Gott, außer Gott!“
Als er dies dem Propheten erzählt hatte, rief dieser
aus: „Wahrlich, ein wahrer Traum, in sha' Allah! [Inschallah = So Gott
will] Gehe zu Billal und trage es ihm vor. Er soll mit jenen Worten zum
Gebet rufen, denn er hat eine wirkungsvollere Stimme als du!“ Nachdem
Umar zu Hause erstmals Bilal zum Gebet hatte rufen hören, ging er,
sein Gewand über den Boden schleppend, zum Propheten und sprach:
„O Prophet Gottes! Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat! Ich
hatte genau den gleichen Traum wie Abdallah ibn Zaid!“ „Gott sei
gelobt“, erwiderte Muhammad.
Obige Überlieferung habe ich von
Muhammad ibn Ibrahim, der sie von Muhammad, dem Sohn des Abdallah ibn
Zaid, gehört hatte. Die folgende Aussage stammt von einer Frau aus
dem Stamm der Nadjjar, von der Urwa sie hörte. Dieser gab sie an
Muhammad ibn Djafar weiter, der sie mir erzählte:
Mein Haus war das höchste im Umkreis der Moschee und
Bilal rief dort täglich zum Morgengebet. Er kam stets, bevor es
dämmerte und erwartete den Anbruch des Morgens. Sobald er das
Frühlicht erblickte, streckte er seine Arme aus und rief: „O Gott,
ich preise dich und erflehe deine Hilfe, dass sich die Quraish zu
dieser Religion bekennen mögen.“ Ich habe nie erlebt, dass er
diese Worte einmal vor dem Gebetsruf weggelassen hätte.
115
38. Die Feinde unter den Juden Top
Aus Hass und Neid darüber, dass Gott die Araber dadurch
ausgezeichnet hatte, dass er aus ihrer Mitte einen Propheten
wählte, zeigten die jüdischen Rabbis dem Propheten in jener
Zeit ihre ganze Feindschaft. Aus den beiden [arabischen] medinensischen
Hauptstämmen Banu Aus und Khazradj schlossen sich ihnen auch noch
diejenigen Männer an, die in ihrer Religion der Unwissenheit
verharrten. Es waren dies die Heuchler, die an der Religion ihrer
Väter festhielten und die Auferstehung leugneten und die, als sie
das Erscheinen des Islam dazu zwang und sich ihre Stämme um ihn
scharrten, sich nach außen hin zum Islam bekannten und ihn
annahmen, da sie sich davor schützen wollten, getötet zu
werden.
[Hier zeigt sich wieder einmal die ganze Intoleranz des
Islam. Er zwingt die Menschen dazu, wenn sie keine Christen oder Juden
sind, sich zum Islam zu bekennen oder sie werden getötet. Tilman
Nagel sagt in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 346 über das Verhältnis zwischen den
Muslimen und den Juden in Medina: „Im zweiten Abschnitt der
Vereinbarung (der Verfassung von Medina) in der Mohammed den Juden der
verbündeten Klane ihre Glaubenspraxis belässt, dies aber mit
der Unterordnung ihrer Belange unter die „Gemeinschaft der
Gläubigen“ verknüpft, wird das Grundmuster des späteren
islamischen Gemeinwesens sichtbar, in dem allen Andersgläubigen
ein minderen Rang zugewiesen wird.“]
Insgeheim waren sie jedoch Heuchler und ihre Zuneigung galt
den Juden, da diese den Propheten als Lügner bezeichneten und den
Islam leugneten. Die jüdischen Rabbis waren es, die den Propheten
durch ihre Fragen in Bedrängnis zu bringen suchten und unter den
Gläubigen Verwirrung stiften wollten, um die Wahrheit durch
Falsches zu entstellen. Über ihre Fragen wurden koranische
Offenbarungen herabgesandt. Einige Fragen über das, was erlaubt
und was verboten ist, kamen aber auch von den Muslimen selbst.
[Auf Seite 347 weist Tilman Nagel darauf hin, dass die
arabiaschen Stämme der Banu Aus und Khazradj Mohammed auch deshalb
nach Medina holten, damit sie sich aus der Unterlegenheit der
jüdischen Stämme befreien konnten.
Wikipedia.org beschreibt die Situation vor der
Ankunft Mohammeds in Medina wie folgt: „Die Khazradj und
die Banu Aus sind vermutlich im fünften Jahrhundert aus
Südarabien nach Medina eingewandert. Zunächst waren sie den
dort schon ansässigen Juden (Banu Quraiza, Banu Nadir und Banu
Qainuqa) unterworfen. Sie konnten jedoch die alteingesessene
jüdische Bevölkerung in Abhängigkeit bringen und wurden
Herren der Stadt. Später zerstritten sich verschiedene
Unterstämme der Khazradj und der Aus. Dabei waren die Banu Aus mit
den Banu Quraiza und Banu Nadir, die Khazradj mit den Banu Qainuqa
verbündet. Zur Zeit der Auswanderung war nach längeren
Kämpfen zwar eine gewisse Ruhe eingekehrt, die jedoch nur auf die
gegenseitige Erschöpfung und nicht auf einen Friedensschluss
gegründet war. “
Auf Seite
347 fügt Tilman Nagel hinzu: „Die Juden gehörten keinem
von Mohammed verbündeten Klan an. Ihnen konnte schwerlich
entgangen sein, dass jene Ausiten und Hazragiten, die ihn (Mohammed)
herbeigeholt hatten, in ihm den Mann sehen, mit dessen Hilfe sie sich
aus ihrer Unterlegenheit erheben und ihnen gleichrangig werden wollten.
Den Banu Aus und den Khazradj konnte es also nur recht sein, wenn
Mohammed den Juden einen untergeordneten Rang zuwies. Die Banu Aus und
die Khazradj erwarteten von Mohammed, dass man die medinensischen Juden
genauso behandelte, wie die Juden von Husaika, über die die
khazragitische Sippe der Banu Salima einst durch einen Überfall
einen glänzenden Sieg errungen hatte, was dazu führte, dass
die Juden von Husaike den Banu Salima bis heute untertan sind.“]
Zu den Heuchlern aus den Stämmen Aus und Khazradj
gehörte Djulas, der Sohn des Suwaid. Djalas war es, der einmal
über den Propheten sagte: „Wenn dieser Mann die Wahrheit spricht
und wir alles glauben, sind wir schlimmer als die Esel.“ Umair ibn Sad
hinterbrachte diesen Ausspruch dem Propheten, obwohl er zu Djulas Stamm
gehörte und in enger Beziehung zu ihm stand, da Djulas nach dem
Tod von Umais Vater dessen Mutter geheiratet hatte. Bevor er zum
Propheten ging, hatte er Djulas erklärt: „Von allen Menschen bist
du mir der liebste, du hast dich mir gegenüber am
großzügigsten gezeigt und dir wünsche ich es am
allerwenigsten, dass dich etwas Unangenehmes trifft. Wenn ich aber nun
erzähle, was du gesagt hast, werde ich Schande über dich
bringen. Schweige ich davon, wird mir mein Glaube verloren gehen. Da
fällt mir ersteres noch leichter als letzteres.“
[Prophet, ich weiß was... Da kann man
mal sehen, wohin blinder Glaube und ein mangelndes Selbstbewusstsein,
gepaart mit Untertanenmentalität, führt. Glaube und
Obrigkeitshörigkeit wird über das Leben der Menschen
gestellt, die einem die liebsten sind. Und natürlich sendet Gott
sofort die passende Sure, um die Abtrünnigen Moslems zu bestrafen.
In der Realität wird der Abfall vom Islam bis heute mit dem Tod
bestraft. (siehe auch: Bei Abfall vom Islam droht die Todesstrafe)]
Mit diesen Worten ging Umair zum Propheten und erzählte
ihm, was Djulas gesagt hatte. Dieser schwor dann dem Propheten bei
Gott, dass Umair ihn verleumdet und er desgleichen nie
geäußert habe. Gott aber sandte den Koranvers herab: „Sie
schwören bei Gott, sie hätten das Wort des Unglaubens nicht
gesagt. Dabei haben sie es doch gesagt sind ungläubig geworden,
nachdem sie den Islam angenommen hatten, und haben im Sinn gehabt, was
sie nicht erreichen konnten, und sie haben nur darüber gegrollt,
dass Gott und sein Gesandter sie durch Huld reich gemacht hat. Wenn sie
sich nun bekehren, ist es besser für sie. Wenn sie sich aber
abwenden, wird Gott ihnen im Diesseits und im Jenseits eine
schmerzhafte Strafe zukommen lassen. Und sie haben dann auf der Erde
weder Freunde noch Helfer (Sure 9,74).
[Gottes Strafe scheint so abgrundtief zu sein, dass er
offensichtlich überhaupt nicht verzeihen kann, denn in Sure 9,80
heisst es: „Du magst (Allah) um Vergebung für sie bitten oder
nicht, (ja) du magst (ihn sogar) siebzigmal um Vergebung für sie
bitten, Allah wird ihnen (so oder so) nicht vergeben.“]
Man behauptet, Djulas habe später aufrichtig bereut und
sei ein guter Muslim geworden. [Was blieb ihm auch anderes übrig?]
Zu den Heuchlern gehörte auch Nabtal, der Sohn des
Harith. Über ihn soll der Prophet gesagt haben: „Wer den Teufel
sehen möchte, der schaue sich Nabtal an!“ Nabtal war von
kräftiger Statur und tiefschwarzer Hautfarbe, hatte langes
wehendes Haar, rotunterlaufene Augen und dunkelrote Wangen. Er pflegte
zum Propheten zu kommen, mit ihm zu reden und ihm zuzuhören und
nachher seine Worte den Heuchlern weiterzuerzählen. Er war es, der
sagte: „Muhammad hört auf alles. Jedem, der ihm etwas
erzählt, glaubt er.“
Über ihn sandte Gott den Koranvers herab: „Und unter
ihnen gibt es welche, die dem Propheten Ungemach zufügen und
sagen: „Er hört auf alles.“ Sprich: Er hört für euch nur
Gutes, indem er an Gott glaubt und den Gläubigen Glauben schenkt.
Er ist eine Barmherzigkeit für diejenigen von euch, die glauben.
Diejenigen, die dem Gesandten Gottes Ungemach zufügen, haben eine
schmerzhafte Strafe zu erwarten (Sure 9,61).
Unter den jüdischen Rabbis, die sich in heuchlerischer
Weise mit den Muslimen zum Islam bekannten, war auch Zaid, der Sohn des
Lusait. Er war es, der, als sich das Kamel des Propheten einmal
verirrte, sprach:
117
„Muhammad behauptet, er erhielte himmlische Botschaft. Dabei
weiß er nicht einmal, wo sein Kamel ist!“ Der Prophet erfuhr von
diesen Worten und sprach, nachdem Gott ihm gezeigt hatte, wo sein Kamel
war: „Ich weiß nicht, was Gott mich wissen lässt. Er hat mir
gezeigt, wo es ist, nämlich in demunddem Tal und es hat sich mit
seinem Halfter an einem Baum verfangen.“ Sogleich machten sich einige
Muslime auf den Weg und fanden das Kamel so, wie der Prophet es
beschrieben hatte.
Die Heuchler pflegten auch zur Moschee zu
kommen, den Erzählungen der Muslime zuzuhören und sich
über ihren Glauben lustig zu machen. Eines Tages hatten sich dort
wieder einige von ihnen versammelt, als der Prophet sah, wie sie die
Köpfe zusammensteckten und miteinander flüsterten. Da befahl
er, sie mit Gewalt aus der Moschee zu treiben. Einer von ihnen war Amr
ibn Qais vom Stamme Nadjjar, der in der Heidenzeit die Götzen des
Stammes bewacht hatte. Abu Ayyub ging auf ihn zu, packte ihn am
Fuß und zog ihn über den Boden zur Moschee hinaus, wobei
jener rief: „Wie kommst du dazu, mich aus dem Dattelspeicher der
Thalaba hinauszuwerfen?“18
18Die Moschee wurde auf einem ursprünglichen
Dattelspeicher des Stammes Thalaba errichtet.
Dann trat Abu Ayyub auch zu Rafi ibn Wadia, einem anderen
Heuchler des Stammes Nadjjar, griff ihn sich fest am Gewand, versetzte
ihn eine Ohrfeige und warf ihn mit den Worten zur Moschee hinaus:
„Pfui, du dreckiger Heuchler. Lass dich in der Moschee des Gesandten
Gottes nicht mehr sehen!“
Abdallah, der Sohn des Abdarrahman,
aus Mekka erzählte mir folgende Schilderung des Shah ibn Haushab:
Eines Tages kam eine Gruppe jüdischer Rabbis zum
Propheten und sprach: „Wenn du uns vier Fragen, die wir dir stellen,
beantwortest, folgen wir dir und glauben an dich.“ „Gebt mir darauf
euer Versprechen bei Gott!“, erwiderte Muhammad. „Einverstanden!“ „So
fragt, was ihr wollt!“
118
„Sage uns, wie es kommt, dass ein Sohn seiner Mutter
ähnlich sehen kann, wo der Same doch vom Mann stammt?“ „Ich
beschwöre euch bei Gott und seinen Zeichen für die Kinder
Israels! Wisst ihr nicht, dass der Same des Mannes weiß und dick
und der der Frau gelb und dünn ist und dass die Ähnlichkeit
sich danach richtet, welcher der beiden Samen zuerst kommt?“ „Bei Gott,
richtig! Nun berichte uns über deinen Schlaf!“ [Gemeint ist wohl
der Zustand, in dem Mohammed seine Offenbarungen empfängt.] „Wisst
ihr nicht, dass die Augen dessen, der diesen Schlaf hat, wobei ihr
behauptet, ich sei kein solcher, schlafen, während sein Herz
wacht?“
„Bei Gott richtig! Jetzt sage uns, was Israel [gemeint ist
Jakob, der Sohn des Isaak's, der vom Engel den Namen Israel erhielt]
sich selbst verboten hat!“ „Wisst ihr nicht, dass Israel am liebsten
Kamelmilch trank und Kamelfleisch aß, dass er sich aber selbst
für verboten erklärte, um Gott dafür zu danken, dass er
ihn einmal von einer Krankheit genesen ließ?“
„Richtig, bei Gott! Nun erzähle uns noch über den
Geist!“ „Wisst ihr nicht, dass Gabriel der Geist ist und er zu mir
kommt?“ „Bei Gott, richtig!“ Aber Muhammad, er ist uns ein Feind. Er
ist ein Engel, der Ungemach und Blutvergießen bringt. Wäre
es nicht so, würden wir dir folgen.“
Da sandte Gott die Koranverse herab: „Sprich: Wenn einer dem
Gabriel feind ist und er hat ihn (den Koran) doch mit Gottes Erlaubnis
dir ins Herz herabgesandt, als Bestätigung dessen, was vor ihm da
war, und als Rechtleitung und Frohbotschaft für die
Gläubigen. Wenn einer Gott und seinen Engeln und Gesandten und dem
Gabriel und Michael feind ist, so ist Gott dem Ungläubigen feind.
Und wir haben doch klare Zeichen zu dir hinabgesandt. Nur die Frevler
glauben nicht daran. Hat denn nicht jedesmal, wenn sie eine
Verpflichtung eingingen, ein Teil von ihnen sie geleugnet? Nein! Die
meisten von ihnen nicht. Und als von Gott ein Gesandter zu ihnen kam,
der bestätigte, was ihnen bereits vorlag, warf ein Teil von denen,
die die Schrift erhalten hatte, die Schrift Gottes wieder hin, wie wenn
sie von nichts wüssten. Und sie folgten dem, was die bösen
Geister unter der Herrschaft Solomons vortrugen. Nicht Solomo war
ungläubig, sondern die bösen Geister, indem sie die Menschen
in der Zauberei unterwiesen.“ (Sure 2,99-102)
119
Eines Tages betrat der Prophet eine jüdische Schule und
rief die dort versammelten Juden zum Glauben an Gott auf. Numan ibn Amr
und Harith ib Zaid aber fragten ihn: „Was ist das für eine
Religion, die du vertrittst, Muhammad?“ „Die Religion Abrahams!“
„Abraham war aber Jude!“ „So lasst die Thora zwischen uns entscheiden!“
Dies lehnten sie jedoch ab und Gott sandte die Koranverse herab: „Hast
du nicht jene gesehen, die einen Anteil an der Schrift erhalten haben?
Sie werden zur Schrift Gottes aufgerufen, damit sie zwischen ihnen
entscheiden, worauf ein Teil von ihnen den Rücken kehrt und sich
abwendet. Das kommt daher, dass sie sagen: „Das Höllenfeuer wird
uns nur eine Anzahl von Tagen erfassen.“ Was sie ausheckten, hat sie in
ihrer Religion betört.“ (Sure 3,23-34)
Als sich die jüdischen Rabbis und Christen aus Nadjran
beim Propheten versammelten, begannen sie zu disputieren und die Rabbis
sprachen: „Abraham war in jedem Fall ein Jude.“ „Abraham war ein
Christ“, behaupteten dagegen die Christen.
Da offenbarte Gott die Koranverse: „Ihr Leute
der Schrift! Warum streitet ihr über Abraham18.1, wo doch die Thora und das Evangelium erst nach ihm
herabgesandt worden sind? Habt ihr denn keinen Verstand? Ihr habt da
über etwas gestritten, worüber ihr kein Wissen habt. Warum
streitet ihr nun aber über etwas, worüber ihr kein Wissen
habt? Gott weiß Bescheid, ihr aber nicht. Abraham war weder Jude
noch Christ. Er war vielmehr ein gottergebener Hanif19 und keiner, der der Vielgötterei anhing. Die Menschen,
die Abraham am nächsten stehen, sind diejenigen, die ihm gefolgt
sind, und dieser Prophet und die, die gläubig sind. Gott ist der
Freund der Gläubigen.“ (Sure 3,65-68)
18.1Die Geschichte Abrahams wird zuerst im hebräischen
Tanach und zwar im 1. Buch Mose (hebräisch: Bereschit; griechisch:
Genesis) erzählt. Das 1. Buch Moses ist das erste Buch der
hebräischen und christlichen Bibel. Abraham gehört zusammen
mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den Erzvätern, aus
denen laut biblischer Überlieferung die Zwölf Stämme des
Volkes Israel hervorgingen. Neben dem Judentum berufen sich auch das
Christentum und der Islam auf Abraham als Stammvater. Darum bezeichnet
man alle drei auch als abrahamitische Religionen. Im Islam heisst
Abraham Ibrahim.
19Der Begriff „Hanif“ erscheint mehrfach im Koran und in der
Prophetenbiographie. Es ist viel darüber geschrieben worden, ohne
dass jedoch eine eindeutige Erklärung erreicht wurde. Als Hanifen
gelten diejenigen, die vor Muhammad die reine und unverfälschte
monotheistische Religion (der Glaube an einen einzigen Gott)
besaßen, d. h. keine polythistischen Heiden waren (Menschen, die
viele Götter anbeteten), aber weder Juden noch Christen waren.
Auch mehrere Männer im heidnischen Mekka vor der Sendung des
Propheten werden Hanifen genannt, darunter Waraqa ibn Naufal.
[Tilman Nagel schreibt auf Seite 146 seiner Mohammed-Biographie über
Mohammed und das Hanifentum: „Dass er [Mohammed] und seine
Anhängerschaft hinter die heiligen Schriften der Juden und
Christen zurückgeht, wird Mohammed zum wichtigsten Argument gegen
die „Schriftbesitzer“, zu einem Argument, dass ihm mit der
Übernahme des Gedankenguts der Hanifen zugefallen war... In Medina
wird es ihm helfen, die Eigenständigkeit seiner Verkündigung
gegenüber Tora und Evangelium zu behaupten, eine
Eigenständigkeit, die sich aus der Authentizität [der
Echtheit] des fortwährenden Angesprochenseins durch Allah, in der
Verbindung mit der Berufung auf den „vorjüdischen“ und erst recht
„vorchristlichen“ Abraham ergibt: Die „Schriftbesitzer“ haben ein
„Buch“, das schon lange ein Gegenstand gelehrter, und wie Mohammed
polemisch unterstellt, den Sinn verdrehender Debatten ist. Er selber
aber hat eine unmittelbare Beziehung zu dem einen Schöpfer.“]
Als der Prophet die jüdischen Rabbis und die Christen
aus Nadjran, die sich bei ihm versammelt hatten, zum Glauben an den
Islam aufrief, fragte ihn [der Jude] Abu Rafi al-Quraiza:
„Möchtest du, Muhammad, dass wir dich anbeten, wie die Christen
Jesus, den Sohn der Maria, anbeten?“ Und einer von den Christen namens
Ribbis fragte ihn ebenfalls: „Ist es das, was du von uns willst,
Muhammad, und wozu du uns aufrufst?“
„Gott bewahre mich davor“, entgegnete der Prophet, „dass ich
einen anderen als ihn anbete oder dazu auffordere, einen anderen als
ihn anzubeten. Dafür hat Gott mich nicht gesandt und das hat er
mich nicht aufgetragen.“
Und Gott sandte darüber die Koranverse herab: „Es darf
nicht sein, dass Gott einem Menschen die Schrift, Urteilsfähigkeit
und Prophetie gibt und dieser daraufhin zu den Menschen sagt: „Wendet
eure Verehrung mir zu, statt Gott!“ Seid vielmehr damit zufrieden,
Rabbiner zu sein, indem ihr die Schrift lehrt und forscht! Und es geht
nicht an, dass er euch befiehlt, die Engel und Propheten euch zu Herren
zu nehmen. Sollte er euch befehlen, ungläubig zu sein, nachdem ihr
gottergeben ward?“ (Sure 3,79-80)
Eines Tages kamen Numan ibn Ada, Bahri und Shas zum Propheten
und sprachen mit ihm. Er rief sie zum Glauben an Gott auf und warnte
sie vor seiner Rache. „Du kannst uns keine Angst machen, Muhammad!“
entgegneten sie ihm und fuhren in der Art der Christen fort: „Wir sind
die Kinder und Geliebten Gottes!“
Darüber offenbarte Gott die Koranverse: „Und die Juden
und die Christen sagen: „Wir sind Kinder Gottes und von ihm geliebt.“
Sprich: Warum bestraft er euch dann für eure Schuld. Nein! Ihr
seid Menschen wie alle anderen Menschen, die er geschaffen hat. Er
vergibt, wem er will, und bestraft, wen er will. Gott hat die
Herrschaft über Himmel und Erde und alles, was dazwischen ist. Bei
ihm wird alles enden.“ (Sure 5,18)
Der Prophet forderte die Juden auf, den Islam anzunehmen,
versuchte, sie dafür zu begeistern und warnte sie vor der
Eifersucht und der Strafe Gottes. Sie aber wiesen ihn zurück und
glaubten nicht an seine Botschaft. Da wandten sich die Gefährten
des Propheten, Muadh, Sad ibn Ubada und Uqba ibn Wahb, mit folgenden
Worten an die Juden: „O Volk der Juden! Fürchtet Gott! Ihr wisst
sehr wohl, dass er der Gesandte Gottes ist, denn ihr habt uns von ihm
erzählt und ihn uns beschrieben, als er noch gar nicht gesandt war.
[Anmerkung: Mit großer Sicherheit steht
nichts in der Bibel, was darauf hindeutet, das Mohammed der kommende
Prophet sei. Außerdem sollte man nicht alles glauben, was in
sogennanten „Heiligen Schriften“ steht, denn die sind alle nur von
Menschen verfasst worden, auch wenn die Religionen uns gerne
erzählen wollen, sie seien den Menschen durch Gott offenbart
worden. Die Hindus behaupten übrigens ebenfalls, die Veden, die
heiligen hinduistischen Schriften, seien ihnen von sogenannten Rishis
(heiligen Sehern) von Gott offenbart worden. Warum sehen die
hinduistischen Schriften dann aber so viel anders aus, als die
Schriften anderer Religionen, wenn es nur einen Gott gibt? Jede Zeit
und jede Kultur versucht eben die spirituellen Fragen auf ihre Art und
Weise zu
lösen. Aber keine Religion sollte für sich die absolute
Wahrheit beanspruchen, denn dies ist lediglich Ausdruck fanatischer
(neurotischer) Religiosität.]
„Dies haben wir nie gesagt!“, erwiderten sie und behaupteten:
„Seid Moses hat Gott keine Schrift mehr geoffenbart und keinen
Verkünder Froher Botschaft und keinen Warner mehr gesandt.“
Darüber sandte Gott den Koranvers herab:
121
„Ihr Leute der Schrift! Unser Gesandter ist nunmehr zu euch
gekommen, um euch während einer Zwischenzeit in der Reihe der
Gesandten Klarheit zu geben, damit ihr nicht sagt: „Zu uns ist kein
Verkünder Froher Botschaft und kein Warner gekommen.“ Nun ist ja
ein Verkünder Froher Botschaft und ein Warner zu euch gekommen.
Gott hat zu allem die Macht.“ (Sure 5,19)
Einige Juden kamen einmal zum Propheten und fragten ihn, an
welche Propheten er glaube. Muhammad antwortete ihnen mit dem
Koranvers: „Wir glauben an Gott und das, was als Offenbarung auf uns
und was auf Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und die Stämme Israels
herabgesandt worden ist und was Moses, Jesus und die Propheten von
ihrem Herrn erhalten haben, ohne dass wir bei einem von ihnen einen
Unterschied machen. Ihm sind wir ergeben:“ (Sure3,84)
Bei der Erwähnung Jesu leugneten sie [die Juden] seine
Prophetenschaft und sprachen: „Wir glauben nicht an Jesus, den Sohn der
Maria, und an niemenden, der an diesen glaubt.“
Darüber offenbarte Gott: „Sprich: Ihr Leute der Schrift!
Habt ihr denn keinen anderen Grund, uns zu grollen, als das wir an Gott
glauben und an das, was zu uns und was schon früher herabgesandt
worden ist und dass die meisten von euch Frevler sind?“ (Sure 5,59)
Eine Gruppe Juden kam einmal zum Propheten und fragte ihn:
„Gott hat alles geschaffen, aber wer hat Gott geschaffen?“ Da
erzürnte der Prophet dermaßen, dass sich seine Farbe
änderte und er wütend auf sie losging. Doch Gabriel kam,
beruhigte ihn und brachte ihm von Gott die Antwort auf ihre Frage,
nämlich den Vers: „Sprich: Er ist Gott, ein einziger Gott, der
Unveränderliche. Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt
worden. Und keiner ist ihm gleich.“ (Sure 112)
[Wie man sieht, ist es immer gut, wenn man einen
(Schutz-)Engel zur Seite hat. Der hat nicht nur eine beruhigende
Wirkung, sondern auf alle Fragen immer die passende Antwort (auch wenn
die nicht immer besonders klug ausfällt). Aber als
Überraschungseffekt reicht das meistens erstmal für den
Anfang, wie man sieht. Notfalls
muss man den Erzengel noch ein weiteres Mal kontaktieren. :-)]
Nachdem er ihnen dies vorgetragen hatte, fragten sie ihn
weiter: „Dann beschreibe uns, wie er aussieht, seinen Unter- und seinen
Oberarm!“
Da
erzürnte der Prophet noch mehr als das erste Mal und
stürzte sich erneut auf sie. [Ich fürchte, hier muss wieder
einmal der Engel seine beruhigende Wirkung enfalten.], doch Gabriel
beruhigte ihn wieder [Siehste, ich hab's euch ja erzählt. Die
weise Voraussicht hat mir übrigens mein Schutzengel
geflüstert. Nicht dass ihr noch denkt, ich sei hellsichtig. Also
wenn ihr mich fragt, Gott hat mindestens solche
Oberarme wie Popeye.] und
brachte ihm von Gott die Antwort: „Und sie haben Gott nicht richtig
eingeschätzt. Am Tag der Auferstehung wird er die ganze Erde in
seiner Hand halten und die Himmel zusammen-
122
gefaltet in seiner Rechten. Gepriesen sei er! Er ist erhaben
über das, was sie ihm beigesellen.“ (Sure 39,67)
39. Das Datum der Hidjra und die
ersten Feldzüge [623] Top
Der Prophet kam am Montag, dem 12. des Monata Rabi I., genau
am Mittag, nach Medina. Er war damals 53 Jahre alt
und seit seiner Sendung waren 13 Jahre verstrichen. Er blieb dann 11
Monate ununterbrochen in Medina. Zu Beginn des 12. Monats, des Monats
Safar im folgenden Jahr, begab er sich erstmals auf einen Feldzug, den
sogenannten Feldzug von Abwa, in dessen Verlauf er bis Waddan
vorstieß. Das Unternehmen war gegen die Quraish und den Stamm der
Damra gerichtet. Der Führer dieses Stammes schloß jedoch
Frieden mit ihm, und er kehrte kampflos nach Medina zurück, wo er
für den Rest des Monats Safar und den Beginn des Monats Rabi I
blieb.
[Wie Tilman Nagel in seiner Mohammed-Biographie auf Seite 299 berichtet, gab es vor dem Feldzug gegen
die Banu Damra bereits 2 Feldzüge, nämlich ein Feldzug nach
Hamza und Ubaida, die allerdings nicht von Mohammed persönlich
ausgeführt wurden, sondern in seinem Auftrag. Bei seinem Feldzug
gegen die Banu Damra zog er mit 30 Berittenen in den Krieg. Indem er
mit den Banu Damra ein friedfertiges Verhältnis einleitete, schuf
er eine wichtige Voraussetzung für die Eroberung Mekkas und
bedrohte von nun an die nach as-Sam führenden Handelsstraßen
auf der sich die Karawanen bewegten.
Auf Seite
300 schreibt Timan Nagel: „Mohammed bereitete demnach ohne die
Mithilfe der Medinenser seinen Krieg gegen Mekka vor. Allein
mekkanische Auswanderer schickte er zur Erkundung aus, um die
Quraishiten zu überfallen.und auszurauben. Die Medinenser
betrachteten die Aktivitäten Mohammeds mit gemischten
Gefühlen. Der Widerstand gegen einen, von einer sektiererischen
Minderheit der Einheimischen herbeigeholten Mann, der der Gesandte
Allahs zu sein behauptete und Anstalten machte, sich mit diesem
Anspruch zum Herrn der Oase aufzuschwingen und deren Bewohner in
langwierige Kriege gegen Mekka zu verwickeln, war keineswegs
geringfügig. Mit politischen Geschick, aber auch mit
Kaltschnäuzigkeit und Ruchlosigkeit wusste Mohammed ihn zu brechen.
Der
Feldzug nach al-Abwa war mit einem politischem Erfolg
gekrönt worden. Die Banu Damra hatten versprochen, nicht mit den
Quraishiten gemeinsamme Sache zu machen. Dies ermunterte Mohammed im
13. Monat nach der Hedschra (Auswanderung), im September 623, nach
Buwat auszurücken, um einer quraishitischen Karawane aufzulauern.
Er stieß somit in ein strategisch wichtiges Gebiet vor,
süd-westlich von Medina, durch das sich die von as-Sam (Das
umgangssprachliche „as-Sam“ (arabisch für Norden) wird in
der arabischen Welt gerne für Syrien verwendet.) nach Mekka
ziehenden Karawanen bewegten und das außerdem mehrere kleine
Häfen aufwies, die von Ägypten aus angelaufen wurden.
Für dieses Mal blieb Mohammed ohne Erfolg. Die quraishitische
Karawane, 2.500 Lastkamele, wurde von einer starken Eskorte bewacht.
Der Prophet kehrte zurück, ohne auf eine „Kriegslist des Feindes
getroffen zu sein“, wie es bei ergebnislosen Unternehmungen oft heisst,
eine Formel, die den Anschein erwecken soll, Gewalt sei immer von den
Feinden ausgegangen.“]
Dann zog Muhammad nach Buwat (siehe oben) gegen die Quraish,
kehrte jedoch wieder kampflos nach Medina zurück und blieb dort
für den Rest des Monats Rabi II und einen Teil des Monats Djumada
I. In diesem Monat machte er sich wieder auf gegen die Quraish. Er zog
bis Ushaira, im Tal von Yanbu und verbrachte dort den Rest dieses
Monats und einige Tage des Monats Djamada II. In dieser Zeit
schloß er einen Freundschaftsvertrag mit dem Stamm der Mudlidj
und dessen Bundesgenossen von den Damra. Anschließend kehrte er
wieder kampflos nach Medina zurück, hatte dort aber noch keine
zehn Nächte verbracht, als Kurz ibn Djabir vom Stamme Fihr einen
Raubüberfall auf das in der Umgebung der Stadt weidende Vieh
[welches Medinensern gehörte] unternahm. Der Prophet verfolgte ihn
bis zum Wadi Safawan bei Badr. Deshalb wird dieses Unternehmen auch das
„Erste Badr“ genannt, doch entkam ihm Kurz und Mohammed kehrte nach
Medina zurück, wo er für den Rest des Monats Djumada II.und
die Monate Radjab und Shaban blieb.
[Wie Tilman Nagel auf Seite
300 berichtet, wagte Mohammed ein viertel Jahr später erneut
einen Vorstoß nach Badr. Diesmal aber mit räuberischem Ziel.
Ihm war zu Ohren gekommen, die Mekkaner hätten kostbare Güter
nach as-Sam abgefertigt. Aber auch dieser Feldzug blieb ohne Ergebnis,
denn die Karawane hatte den Ort, wo er ihr auflauern wollte, schon
passiert.]
123
40. Der Streifzug des Abdallah ibn
Djahsh und die Offenbarung über den heiligen Monat [624] Top
Im Monat Radjab, nach seiner Rückkehr vom Ersten Badr,
schickte der Prophet Abdallah ibn Djahsh mit einer Gruppe von 8
Auswanderern, Helfer [aus Medina] waren keine darunter, auf einen
Streifzug in Richtung Mekka. Er gab ihm ein Schreiben mit und befahl
ihm, dieses erst zwei Tage nach seinem Aufbruch zu lesen und dann
entsprechend dem Inhalt des Briefes zu handeln, ohne aber einen seiner
Begleiter dazu zu zwingen. Abdallah tat, wie er geheißen. Als er
nach zwei Tagen das Schreiben öffnete, las er: „Wenn du diesen
Brief gelesen hast, ziehe weiter bis nach Nakhla, zwischen Mekka und
Taif, lauere dort den Quraish auf und versuche für uns zu
erfahren, was sie treiben.“
Abdallah fügte sich diesem Befehl, erzählte seinen
Gefährten davon und fuhr fort: „Der Prophet hat mir aber verboten,
einen von euch zu etwas zu zwingen. Wer also den Märtyrertod
sucht, der ziehe mit mir weiter. Wer ihn nicht begehrt, der kehre
zurück. Ich jedenfalls handle nach dem Befehl des Gesandten
Gottes.“
So zog er los und keiner seiner Gefährten blieb
zurück. Sie durchquerten den Hidjaz, bis sie oberhalb von Furu zum
Bergwerk von Bahran gelangten. Dort verirrte sich das Maultier, auf dem
seine beiden Begleiter Sad und Ibn Ghazwan bisher abwechselnd geritten
waren. Während die beiden zurückblieben, um das Tier zu
suchen, zog Abdullah mit den anderen weiter bis nach Nakhla, wo sie auf
eine Karawane der Quraish stießen, die Rosinen, Leder und andere
Handelswaren mit sich führte. In dieser Karawane befanden sich
unter anderen, Amr, der Sohn des Hadrami, die beiden Makhzumiten Uthman
und sein Bruder Naufal sowie Ibn Kaisan, ein Freigelassener der Hashim
ibn Mughira. Als die Quraish den Streifzug erblickten, fürchteten
sie sich zunächst, da sie sich ganz in der Nähe gelagert
hatten. Dann sahen sie aber Ukkasha, einen von Abdallahs
Gefährten, der sich den Kopf wie zur Pilgerfahrt geschoren hatte
und fühlten sich sicher in dem Glauben, es seien harmlose Pilger.
Es war der letzte Tag im Monat Radjab [ein heiliger Monat im Islam] und
Abdallah beriet sich deshalb mit seinen Gefährten.
Er sprach: „Wenn wir sie diese Nacht unbehelligt ziehen
lassen, werden sie morgen den Heiligen Bezirk erreichen und dort vor
uns sicher sein. Töten wir sie aber heute, so töten wir sie
im Heiligen Monat.“
[Im Sure
9,36 des
Korans heisst es: „Das Jahr hat zwölf Monate. Davon sind vier
haram (heilig), drei aufeinanderfolgende: Dhul-Qada (11. Monat),
Dhul-Hidscha (12. Monat) und Muharram (1. Monat), und der Radschab
(7. Monat) von Mudar, der zwischen Dschumada (6. Monat) und Schaban
(8. Monat) liegt.“ (Buchari) Mudar war ein Stamm, der die
Heiligkeit des Radschab achtete und nicht an ihr rüttelte.]
Sie
zögerten und hatten Angst, sie anzugreifen, machten sich aber
schließlich gegenseitig Mut und beschlossen, so viele wie
möglich von ihnen zu töten und die Waren zu rauben. Waqid vom
Stamm Tamin traf Amr, den Sohn des Hadrami, tödlich mit einem
Pfeil. Den Uthman und den Freigelassenen Ibn Kaisan nahmen sie
gefangen, während Naufal ihnen entkommen konnte. Dann brachte
Abdallah zusammen mit seinen Gefährten die Karawane und die beiden
Gefangenen zum Propheten nach Medina. Muhammad aber war sehr ungehalten
und tadelte sie: „Ich habe euch nicht befohlen, im Heiligen Monat zu
kämpfen.“
[Wie
es aussieht, war Mohammed allerdings sehr wohl mit dem
Karawananüberfall einverstanden. Er sollte nur nicht im Heiligen
Monat Radschab stattfinden. Dies kann man unter anderem daran
erkennen,
dass Mohammed, wie Timan Nagel auf Seite
301 schreibt, Abdallah ibn Djahsh,
mit dem Titel „Heerführer der Gläubigen“ auszeichnete.]
Mohammed
rührte die Karawane und die beiden Gefangenen [zunächst]
nicht an und weigerte sich etwas von den Waren anzunehmen. Abdallah und
seine Gefährten waren bestürzt und dachten, sie seien
verloren. Auch ihre muslimischen Brüder machten ihnen heftige
Vorwürfe und die Quraish in Mekka sprachen: „Muhammad und seine
Anhänger haben den Heiligen Monat verletzt, denn sie haben Blut
vergossen, Güter geraubt und Männer gefangen genommen.“
Die
noch in Mekka lebenden Muslime versuchten, diesem Vorwurf mit der
Behauptung zu begegnen, es sei dies nicht im Monat Radjab,
sondern bereits im Monat Shaban geschehen. Als der Vorfall
schließlich immer heftiger diskutiert wurde, offenbarte Gott [wie
nicht anders zu erwarten war] die Worte: „Man fragt dich nach dem
Heiligen
Monat, ob es erlaubt ist, in ihm zu kämpfen. Sprich: In ihm zu
kämpfen ist ein schweres Vergehen. Aber die Menschen vom Wege
Gottes abzuhalten, und nicht an ihn zu glauben, und Gläubige von
der Heiligen Stätte abzuhalten und deren Anwohner daraus zu
vertreiben, all das wiegt schwerer bei Gott. Und der Versuch,
Gläubige zum Abfall vom Islam zu verführen, wiegt schwerer
als töten. Und sie werden nicht aufhören, gegen euch zu
kämpfen, bis sie euch von eurem Glauben abbringen, wenn sie
können.“ (Sure 2,217)
Nachdem Gott diese Koranverse herabgesandt und damit die
Muslime von ihrer Besorgnis befreit hatte, nahm der Prophet die
Karawane und die beiden Gefangenen an. Die Quraish schickten aus Mekka
einen Boten zu ihm, um die beiden Gefangenen, Uthman und Ibn Kaisan,
loszukaufen, doch der Prophet ließ ihnen ausrichten: „Wir lassen
euch sie nicht auslösen, solange unsere beiden Gefährten
nicht wieder aufgetaucht sind.“ Er meinte Sad und Ibn Ghazwan, die ihr
verirrtes Maultier gesucht und deswegen am Kampf nicht teilgenommen
hatten. „Wir fürchten, ihr tut ihnen etwas an. Wenn ihr sie
tötet, töten wir auch eure beiden Männer.“
Als dann Sad und Ibn Ghazwan doch wieder auftauchten, nahm er
von den Quraish die Auslösesumme an. [Der Freigelassene] Ibn
Kaisan wurde aber ein guter Muslim und blieb beim Propheten, bis er
später beim Brunnen Mauna als Märtyrer starb. Uthman dagegen
kehrte nach Mekka zurück und starb dort als Ungläubiger.
Nachdem die koranische Offenbarung Abdallah und seine
Gefährten von ihrer Angst erlöst hatte, waren sie um ihre
Vergeltung besorgt und fragten den Propheten: „O Gesandter Gottes!
Können wir hoffen, das uns der Streifzug so vergolten wird, wie
denen, die sich im Heiligen Kampf befinden?“ Als Antwort sandte Gott
die folgende Offenbarung, mit der er ihnen die größte
Hoffnung auf eine solche Vergeltung machte: „Diejenigen, die glauben,
und diejenigen, die ausgewandert sind und auf dem Wege Gottes
gekämpft haben, dürfen auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen.
Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ (Sure 2,218)
Über Abdallahs Streifzug und die Angriffe der Quraish
gegen Muhammad wegen des Heiligen Monats, dichtete Abu Bakr, nach
anderen Überlieferern, Abdallah selbst, die folgenden Verse:
Der Kampf ist in Heiligen Monat ein
Frevel für euch,
doch habt ihr den größten Frevel gar nicht erkannt:
Denn ihr, und Gott ist Zeuge, glaubt nicht an Muhammad
126
und habt gegen seine Verkündung
euch immer gewandt.
Und ihr habt aus Gottes Moschee seine Diener vertrieben,
bis er bei der Kaaba für sich keinen Beter mehr fand.
Ihr möget schmähen an uns im Heiligen Monat den Kampf,
doch schlimmer ist der, der den Glauben aus Mekka verbannt.
Mit des Hadrami Blut haben wir unsere Lanzen getränkt
in Nakhla, als Waqid entfachte des Krieges lodernden Brand.
Und Uthman, der Sohn des Abdallah, ist gefangen bei uns;
es hält ihn am Halse der Fessel blutiges Band.
41. Die Änderung der
Gebetsrichtung [624] Top
Im Monat Shaban, zu Beginn des 18. Monats nach der Ankunft
des Propheten in Medina, wurde die Gebetsrichtung, die Qibla,
geändert20
20Von nun an wurde durch eine Offenbarung (Sure
2,242-245) in Richtung der Kaaba in Mekka gebetet.
42. Die große Schlacht von
Badr [17. März 624] Top
Der Prophet erfuhr, dass Abu Sufyan20.1 mit einer
gewaltigen Karawane der Quraish von Syrien auf dem Weg zurück nach
Mekka war. Die Karawane trug Güter und Handelswaren der Quraish
mit sich und wurde von 30 oder 40 Mann begleitet.
[Gerhard Konzelmann berichtet in seinem Buch „Mohammed –
Allahs Prophet und Feldherr“ auf Seite 111 davon, dass es „die
größte Karawane der Banu Quraish, die Hauptkarawane des
Jahres 624“ war, die von Syrien her den Weg nach Mekka nahm.
Tilman Nagel schreibt über den Aufbruch der Muslime zum
Karawanenüberfall auf Seite
307: „Hubaib ibn Jusuf und Qais ibn Muharrit waren zwei für
ihre Kriegskünste bekannte Haudegen, mit dem Islam aber hatten sie
sich bis dahin nicht anfreunden können. Als Mohammed mit 74
Auswanderern und ungefähr 200 Helfern von Medina aufbrach, wollten
jene beiden nicht zurückstehen. Sie ritten hinterher, holten
Mohammed ein und baten ihn, er möge sie am Beutezug beteiligen. Er
forderte, sie sollten auf der Stelle den Islam annehmen. Dies lehnten
sie aber zunächst ab. Hubaib überlegte es sich vor der
Schlacht jedoch noch anders, trat zum Islam über und stellte im
Kampf seine Tüchtigkeit unter Beweis. Qais dagegen musste
unverrichteterdinge nach Medina zurückkehren. Sobald die Muslime
siegreich und mit Gütern beladen eingetroffen waren, bemerkte er,
was ihm entgangen war, und wurde nun ebenfalls Muslim. Die
Zugehörigkeit zur neuen Religion war die Voraussetzung für
die Beteiligung an den Raubzügen, ein äusserst
nützlicher Schachzug Mohammeds.“]
20.1[Abu Sufyan war der Führer der reichsten
und politisch, neben der Makhzum, stärksten quraishitischen Sippe,
Abdshams. Abu Sufyan war ein entschiedener Gegner Muhammads, doch muss
er bereits nach dem Grabenkrieg [627 in Medina] kompromissbereiter
gewesen sein. Jedenfalls trug seine Haltung dazu bei, dass die
Eroberung Mekkas ohne größeres Blutvergießen verlief.
Die Heirat seiner verwitweten Tochter Umm Habiba, die sich schon
länger zum Islam bekannte, mit Muhammad im Jahre 628,
förderte wohl außerdem eine Annäherung zwischen
Muhammad und Abu Sufyan. Später nahm er an der Eroberung Syriens
teil und starb 653 im hohen Alter. Sein Sohn Muawiya wurde der erste
umayyadische Kalif in Damaskus (661-680). Manches, was in den Quellen
so negativ an Abu Sufyan gezeichnet wird, geht auf anti-umayyadische
Propagande zurück.]
Zuhri, Asim ibn Umar, Abdallah ibn
abi Bakr und Ibn Ruman haben mir von Urwa, Ibn Abbas und anderen
Überlieferern jeweils einen Teil der Vorgänge von Badr
berichtet. Im folgenden habe ich ihre Darstellungen zusammengefasst:
Nachdem der Prophet gehört hatte, dass Abu Sufyan mit
einer Karawane aus Syrien anrückte20.2, rief er die
Muslime zusammen und sprach: „Dies ist die Karawane der Quraish mit
ihren Gütern. Zieht aus gegen sie, vielleicht wird Gott sie euch
zur Beute machen!“
20.2Gerhard Konzelmann spricht in seinem Buch
„Mohammed – Allahs Prophet und Feldherr“ auf Seite 111 davon, dass die
Karawane von 70 Bewaffneten bewacht wurde.
127
Die
Männer kamen seiner Aufforderung nach, die einen schnell, die
andern zögernd, da sie nicht glaubten, der Prophet werde sich auf
einen Krieg einlassen. In der Zwischenzeit versuchte Abu Sufyan, als er
sich dem Hidjaz näherte [Der Hidjaz (Hedschas) ist eine Landschaft
im westlichen Saudi-Arabien, die westlich vom Roten Meer begrenzt
wird.], die letzten Neuigkeiten zu erfahren und befragte besorgt jeden
Reiter, den er unterwegs traf, bis ihm schließlich einer
erzählte, dass Muhammad seine Gefährten zum Kampf gegen ihn
und seine Karawane aufgerufen hatte. Er blieb von da an auf der Hut und
heuerte den Damdam ibn Amr an, den er mit der Weisung nach Mekka
schickte, die Quraish zur Verteidigung ihrer Waren aufzufordern und sie
davon zu unterrichten, dass Muhammad die Karawane abfangen wollte.
Damdam
ritt eilends nach Mekka und meldete dies den Quraish, die sich sogleich
zum Aufbruch rüsteten, wobei sie sprachen: „Muhammad und seine
Leute glauben wohl, sie hätten es wieder mit einer Karawane wie
der des Ibn Hadrami zu tun. Sie werden bald etwas anderes erleben!“
Jeder
von ihnen machte sich bereit oder sandte einen anderen an seiner statt.
Alle zogen aus und keiner der Edlen blieb zurück außer Abu
Lahab20.3, der an seiner Stelle den As ibn Hisham schickte.
Dieser schuldete ihm 4.000 Dirham, die er nicht bezahlen konnte.
Für diesen Betrag nun zog er an Abu Lahabs Stelle mit.
20.3Gerhard
Konzelmann berichtet auf Seite 112, dass sich 950 wehrtüchtige
Männer
aus Mekka bereitfanden, die Karawane zu retten.
Nachdem
die Quraish ihre Vorbereitungen beendet und sich zum Aufbruch
entschlossen hatten, erinnerten sie sich plötzlich an einen Zwist
mit den Banu Bakr vom Stamme Kinana und fürchteten, diese
könnten ihnen in den Rücken fallen. Da erschien ihnen der
Teufel in der Gestalt der Suraqa, eines der edlen der Kinana, und
erklärte ihnen: „Ich bin euer Pfand, dass die Kinana nichts
böses hinter eurem Rücken unternehmen.“
Eilend
brachen sodann die Quraish auf. Auch der Prophet machte sich in den
ersten Tagen des Monats Ramdam auf den Weg. Zwei schwarze Fahnen zogen
ihm voran; die eine „Adler“ genannt, trug Ali, die andere befand sich
bei den Helfern. Der Prophet und seine Gefährten hatten damals 70
Kamele, auf denen sie abwechselnd ritten. So teilte auch er sich ein
Reittier
128
mit
Ali und Marthad. Sie nahmen zunächst den gewöhnlichen Weg von
Medina nach Mekka und lagerten zum ersten Mal bei dem Brunnen Rauha.
Von dort zogen sie bis Munsaraf, wo sie den Weg nach Mekka
verließen und sich nach rechts über Naziya in Richtung Badr
wandten. Sie durchquerten das Wadi Ruqan zwischen Naziya und dem Pass
von Safra. Als sie nach dem Abstieg vom Pass in der Nähe von Safra
anlangten, schickte der Prophet Basbas und Adi nach Badr voraus, um
Erkundigungen über Abu Sufyan und seine Karawane einzuholen. Er
selbst zog weiter in Richtung auf das Dorf Safra zu, das zwischen zwei
Bergen liegt. Bevor er das Dorf erreichte, erkundigte er sich nach dem
Namen der beiden Berge und erfuhr, dass der eine Muslih, Koter und der
andere Mukhri, Kacker, genannt wurde. Auch nach den Bewohnern fragte er
und man unterrichtete ihn, dass zwei Untergruppen des Stammes Ghifar,
die Banu n-Nar, die Söhne des Feuers und die Banu Huraq, die
Söhne des Brandes, dort lebten. Er erblickte in diesen Namen ein
schlechtes Vorzeichen und wollte deshalb den Weg zwischen den beiden
Höhen hindurch vermeiden. So zog er rechts an Safra vorbei zu
einem Wadi namens Dhafran. Dahinter lagerten sie.
Dort
erfuhr er, dass die Quraish aus Mekka heranrückten, um ihre
Karawane zu verteidigen. Er beriet sich darüber mit seinen
Gefährten und nachdem ihm Abu Bakr und Umar [Umar ibn Khattab]
bereits zugesprochen hatten, erhob sich auch Miqad und sagte: „O Gottes
Gesandter! Gehe dorthin, wohin dir Gott den Weg weist, denn wir sind
bei dir und wir werden wahrlich niemals zu dir sagen, was die Kinder
Israels zu Moses sagten: „Geh du mit deinem Herrn und kämpft! Wir
werden hierbleiben.“ (Sure 5,24); sondern wir sagen dir: „Geh du mit
deinem Herrn und kämpft! Wir werden zusammen mit euch
kämpfen!“ Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, auch
wenn du mit uns bis nach Bark al-Ghimad zögest, würden wir
mit dir gegen die Verteidiger kämpfen, bis du es erobert.“
Der
Prophet dankte ihm und segnete ihn. Dann bat er auch die medinensischen
Helfer um ihren Rat, denn sie bildeten die Mehrheit und hatten ihm bei
der Huldigung von Aqaba erklärt, sie könnten ihn nur in
Medina schützen und wie ihre eigenen Kinder und Frauen
verteidigen. Er fürchtete deshalb, die Helfer
129
würden
sich nur verpflichtet fühlen, ihm gegen einen Angreifer in Medina
zu helfen, aber es vielleicht nicht als ihre Aufgabe ansehen, mit ihm
außerhalb der Stadt gegen einen Feind zu ziehen. Nachdem er diese
Zweifel geäußert hatte, fragte ihn Sad, der Sohn des Muadh:
„Bei Gott, meinst du damit etwa uns, Gesandter Gottes?“ Und als der
Prophet bejahte, erklärte er: „Wir glauben an dich und bezeugen,
dass deine Botschaft die Wahrheit ist. Wir haben mit dir darauf einen
Bund geschlossen und dir versprochen, dass wir die folgen und gehorchen
werden. So gehe, wenn du willst, wir sind bei dir. Bei dem, der dich
mit der Wahrheit gesandt hat, selbst wenn du uns auffordern
würdest, das Meer zu durchqueren und würdest dich
hineinstürzen, wir alle würden dir folgen und keiner von uns
würde zurückbleiben. Wir haben nichts dagegen, dass du uns
morgen gegen unsere Feinde führst, denn wir sind standhaft im
Krieg, getreu im Kampf. Vielleicht wird Gott dir an uns zeigen, was dir
Freude bringt. So lass uns mit Gottes Segen mit dir ziehen!“
Sads
Worte stimmten den Propheten glücklich und gaben ihm Mut. „Zieht
los und seid frohen Mutes“, rief er seinen Gefährten zu, „denn
Gott hat mir versprochen, dass wir eines von beiden, die Karawane oder
das Heer der Quraish, besiegen werden, und, bei Gott, mir ist jetzt,
als sähe ich schon die geschlagenen Feinde.“
Sie
brachen von Dhafran auf, überquerten die Asafir-Pässe, kamen
zu einem Ort namens Dabba, ließen Hannan, eine berghohe
Sanddüne, zur Rechten liegen und lagerten schließlich in der
Nähe von Badr. Am Abend schickte der Prophet Ali, Zubair und Sad
ibn abi Waqqas mit einigen anderen Männern als Kundschafter zum
Brunnen von Badr. Sie trafen dort an der Tränke eine Kamelherde
der Quraish und zwei ihrer Sklaven. Sie nahmen diese beiden mit
zurück zum Lager und fragten sie, während der Prophet sein
Gebet verrichtete. Zuerst behaupteten sie beide, die Quraish [das Heer
der Quraish] hätten sie zum Brunnen geschickt, um Wasser für
sie zu holen. Den Muslimen missfiel diese Auskunft jedoch, da sie
wünschten, die beiden würden zur Karawane des Abu Sufyan
gehören. Sie prügelten sie deshalb heftig, bis sie sich dazu
bekannten. Dann erst ließ man von ihnen ab.
Der
Prophet aber sprach, nachdem er sich im Gebet gebeugt und zweimal
niedergeworfen hatte: „Als die beiden euch die Wahrheit sagten, habt
ihr sie geschlagen und als sie logen, habt ihr von ihnen abgelassen.
Sie haben die Wahrheit gesagt und gehören wirklich zum Heer der
Quraish.“ Dann bat er selbst die beiden zu erzählen, wo sich die
Quraish befänden. „Sie sind hinter der Sanddüne, die du dort
am äußersten Rand des Wadis siehst“, erhielt er zur Antwort.
Die Sanddüne hieß Aqanqal. Dann fragte er sie weiter: „Wie
viele sind sie?“ „Viele.“ „Was ist ihre Zahl?“ „Wir wissen es nicht.“
„Wie viele Tiere schlachten sie täglich?“ „Manchmal neun, manchmal
zehn.“ „Dann sind es zwischen 900 und 1.000. Welche Edlen sind unter
ihnen?“ Die beiden zählten sie auf. Da wandte sich Muhammad seinen
Gefährten zu und sprach: „Dieses Mekka hat seine Herzstücke
gegen euch gesandt!“
Vorher
hatten schon die beiden Kundschafter des Propheten, Basbas und Adi,
Badr erreicht und ihre Kamele bei einem Hügel in der Nähes
des Brunnens niederknien lassen. Mit einem alten Wasserschlauch waren
sie hingegangen um Wasser zu holen und hatten dort Madjdi ibn Amr
angetroffen, der aber nicht wusste, wer sie waren. Die beiden
hörten auch am Brunnen, wie sich zwei Mädchen des dort
ansässigen Stammes über irgendeine zu begleichende Schuld
unterhielten und die eine der anderen versprach: „Morgen oder
übermorgen kommt die Karawane. Ich werde für sie arbeiten und
dir dann zurückzahlen, was ich dir schulde.“ Madjdi
bestätigte dem Mädchen, was er über die Karawane gesagt
hatte und bereinigte den Streit zwischen den beiden. Adi und Basbas
aber bestiegen ihre Kamele, ritten zum Propheten und erzählten,
was sie gehört hatten.
131
Inzwischen
war Abu Sufyan vorsichtshalber seiner Karawane vorausgeritten. Er kam
zu demselben Brunnen und fragte dort Madjdi, ob er jemanden bemerkt
hätte. Dieser antwortete: „Ich habe niemanden gesehen, den ich
nicht kannte, außer zwei Reitern, die dort am Hügel ihre
Kamele niederknien ließen, ihre Wsserschläuche
füllten und wieder davonritten.“ Abu Sufyan ging darauf zu der
Stelle, nahm etwas vom Dung der Kamele der beiden und zerkrümelte
ihn. Als er darin Dattelkerne fand, sprach er: „Das ist das Viehfutter
in Medina!“
Auf
schnellstem Wege kehrte er zu seiner Karawane zurück und
änderte deren Richtung, indem er den gewöhnlichen Weg
verließ, so schnell er konnte, zur Küste abbog und Badr zur
Linken liegen ließ. Dann, als er sah, dass er seine Karawane
geretten hatte schickte er einen Boten zu den Quraish und ließ
ihnen sagen: „Ihr seid ausgezogen um eure Karawane, eure Männer
und eure Güter zu schützen. Nun, da sie gerettet ist,
könnt ihr wieder umkehren.“
Abu
Djahl aber sprach: „Nein! Wir werden nicht umkehren, bevor wie Badr
nicht erreicht haben!“ Badr war einer der Märkte der Araber, wo
sie alljährlich einen Markt abhielten. „Wir wollen drei Tage dort
bleiben, Kamele schlachten, einen Festschmaus halten, Wein trinken und
die Sklavinnen sollen uns aufspielen. Die Araber werden hören,
dass wir gekommen sind und uns versammelt haben und sie werden uns
für immer achten. Zieht weiter!“
Das
Heer der Quraish setzte sich wieder in Bewegung, bis es am
äußersten Rand des Wadis, hinter der Düne Aqanqal Halt
machte. Yalyal, das eigentliche Tal des Wadis, lag zwischen Badr und
Aqanqal und die Brunnen von Badr waren auf der Medina zugewandten Seite
des Tales. Gott sandte Regen herab und der Boden wurde weich.
Während sich für die Muslime die Erde zusammenklebte und sie
nicht am Vorrücken hinderte, konnten die Quraish kaum mehr
weiterziehen. Der Prophet ritt mit seinen Männern eilends bis zum
ersten Brunnen von Badr und hielt an.
Mir wurde berichtet, dass Männer vom Stamme der
Banu Salama folgendes erzählten:
Dort
an jenem Brunnen fragte Hubab ibn Mundhir den Propheten: „Dieser Platz
hier, an dem es kein Vor und kein Zurück mehr gibt, hat Gott ihn
dir zugewiesen oder hast du ihn nach deiner Meinung und aus deiner
Berechnung heraus gewählt?“ „Letzteres ist richtig“, erwiderte der
Prophet. Da sprach Hubab: „O Gesandter Gottes! Dies ist kein geeigneter
Platz. Mach dich mit den Leuten auf und lass uns zu den Brunnen ziehen,
die den Feinden am nächsten liegen. Die anderen Brunnen dahinter
wollen wir verstopfen. Bei unserem Brunnen aber legen wir ein Becken an
und füllen es mit Wasser. Kämpfen wir dann mit ihnen, haben
wir zu trinken, sie aber nicht.“
„Einen
guten Rat hast du mir gegeben“, dankte ihm der Prophet und machte sich
mit seinen Männern wieder auf den Weg. An dem, den Quraish am
nächsten liegenden Brunnen lagerten sie. Die anderen Brunnen
ließen sie verstopfen, während sie bei dem ihren ein Becken
anlegten, es mit Wasser füllten und alle mit ihren
Gefäßen daraus schöpften.
Abdallah ibn abi Bakr erzählte mir, dass man ihm
folgendes berichtet habe:
Sad,
der Sohn des Muadh, wandte sich an den Propheten und sprach: „O
Gesandter Gottes! Sollen wir dir nicht eine Hütte bauen, in der du
dich aufhalten kannst und dir daneben deine Reitkamele bereithalten?
Wenn wir dann auf unseren Feind treffen und wenn Gott uns stärkt
und uns den Sieg verleiht, ist es das, was wir wollen. Geht es anders
aus, besteigst du dein Reittier und begibst dich zu unseren Leuten, die
[in Medina]
zurückgeblieben sind. O Gesandter Gotter! Wir sind dir nicht mehr
in Liebe zugetan als sie. Hätten sie gewusst, dass es zu einem
Kampf kommen würde, wären sie nicht zurückgeblieben.
Gott wird dich durch sie schützen und sie werden dir mit Rat und
Tat zur Seite stehen.“ Der Prophet dankte ihm und segnete ihn. Sodann
errichtete man für ihn eine Hütte, in der er sich aufhielt.
133
Am
Morgen setzten sich die Quraish in Bewegung und rückten heran. Als
der Prophet sie von Aqanqal herunterkommen sah, rief er: „O Gott, da
kommen die Quraish in ihrer Eitelkeit und ihrem Stolz. Sie befehden
dich und zeihen deinen Gesandten der Lüge. O Gott! Gib mir die
Hilfe, die du mir versprochen hast! O Gott! Vernichte sie an diesem
Morgen!“
Mein Vater Ishaq ibn Yasar und andere Gelehrte
erzählten mir, dass einige Alte unten den Helfern folgendes
berichteten:
Nachdem
die Quraish ihr Lager bezogen hatten, schickten sie den Umair ibn Wahb
los, um herauszufinden, wie viele Prophetengefährten es seien. Er
ritt in das Lager der Muslime, kehrte mit seinen Leuten zurück und
sprach: „Dreihundert, vielleicht auch etwas mehr oder weniger. Aber
wartet noch, ich will sehen, ob sie einen Hinterhalt gelegt oder noch
irgendwelche Hilfstruppen versteckt halten.“ Er zog weit in das Wadi
hinein, konnte aber nichts entdecken. Bei seiner Rückkehr sagte
er: „Ich habe nichts gefunden, aber ich habe, Männer von Quraish,
Kamele den Tod tragen sehen, Kamele aus Yatrib (Medina), den Tod auf
den Rücken. Es sind Leute, deren einziger Schutz und deren
alleinige Zuflucht ihre Schwerter sind. Keiner von ihnen wird
getötet werden, bevor er nicht einen von uns getötet hat. Und
wenn sie dann so viele von uns getötet haben, wie sie selbst sind,
was ist dann noch Gutes am Leben? Überdenkt nochmals euer Tun!“
Nachdem
Hakim ibn Hizam diese Worte Umairs gehört hatte, kam er zu Utba,
dem Sohn des Rabia und sprach: „Du bist der Führer und Herr der
Quraish, dem sie gehorchen. Möchtest du, dass man dich bei ihnen
für alle Zeit in bestem Andenken bewahrt?“ „Wie denn, Hakim?“
„Indem du mit den Leuten umkehrst und die Blutschuld für deinen
Bundesgenossen Ibn Hadrami, die wir von Mohammed fordern, selbst
übernimmst.“ „Ich werde es tun und du sollst Zeuge sein. Ibn
Hadrami war mein Bundesgenosse und ich bezahle seinen Leuten die Blut-
134
schuld
und die verlorenen Güter [die Abdallah
ibn Djahsh und seine Leute bei dem
Karawananüberfall, den sie im Auftrag Mohammeds durchführten,
erbeutet hatten]. Aber gehe zu Abu Djahl, denn ich fürchte, er
wird sich dagegen auflehnen!“
Während
sich Hakim zu Abu Djahl begab, erhob sich Utba und hielt eine Ansprache
an die Quraish: „Männer von Quraish! Wahrlich, ihr werdet durch
einen Kampf gegen Muhammad und seine Gefährten nichts gewinnen.
Wenn ihr ihn besiegt, werden wir uns nicht mehr ins Antlitz sehen
können, weil wir uns gegenseitig unsere Verwandten und Bekannten
umgebracht haben. Kehrt um und überlasst Muhammad den anderen
Arabern! Wenn sie ihn töten, geschieht genau das, was ihr wollt
und wenn nicht, kann er euch nicht vorwerfen, ihr hättet ihm
angetan, was ihr wolltet!“
Hakim
war inzwischen zu Aba Djahl gekommen, der gerade seinen Panzer aus der
Hülle genommen hatte und ihn einölte. Hakim erzählte ihm
von Utbas Vorschlag, doch Abu Djahl wies ihn mit den Worten
zurück: „Seine Lungen haben sich vor Angst gefüllt, als er
Muhammad und seine Gefähreten sah. Nein! Wir werden nicht umkehren
bis nicht Gott zwischen uns und Muhammed entschieden hat. Utba glaubt
doch selbst nicht, was er sagt. Er hat vielmehr nur gesehen, dass
Muhammad und seine Gefährten nicht mehr Männer sind als die
Esser eines Schlachtkamels und dass sein eigener Sohn unter ihnen ist.
Nun hat er Angst, wir könnten seinem Sohn etwas tun.“
Dann
sandte Abu Djahl einen Boten zum Bruder des Ibn Hadrami, Amir, und
ließ ihm sagen: „Dieser Utba, dein Bundesgenosse, will mit den
Leuten umkehren [nach Mekka reiten], wo du deine Rache vor Augen hast.
Auf! Fordere die Einhaltung des Bundes und die Rache für die
Ermordung deines Bruders!“ Da erhob sich Amir, zog blank und schrie:
„Rache für meinen Bruder Amr, Rache für Amr!“ Und es
entbrannte der Kampf. Die Quraish verharrten in ihrem Übel und
Utbas Vorschlag wurde verworfen. Aswad aus der Sippe Makhzum, ein
übler und bösartiger Kerl, trat als erstes von den Quraish
vor und rief: „Ich schwöre, ich werde aus ihrem Wasserbecken
trinken oder es zerstören, oder, noch bevor ich es erreiche,
sterben.“
[Tilman
Nagel beschreibt auf
die Situation in Badr Seite
309 wie folgt: „Die Schwachstelle des Feindes
erkennend, soll Mohammed am 14. März 624 eilig alle Brunnen der
Gegend zugeschüttet haben, nur einer, der reichlich Wasser gab,
blieb unberührt, man legte ein Becken an, so dass stets der eigene
Bedarf gedeckt werden konnte. Die Mekkaner verspürten jedoch bald
Wasserknappheit. Sie mussten an der einzigen ergiebigen Wasserstelle
früher oder später die Entscheidung suchen. In der Tat
rückten die Qraishiten am Morgen in der Tat nahe heran, machten
Halt und entsandten einige Männer, die Wasser beschaffen sollten.
Mohammed ließ sie gewähren, weshalb sich unter den Quraish
Zuversicht ausbreitete. Die Schlacht, so hab man gehofft, werde sich
vermeiden lassen.“ - Es war also nicht die Absicht der
Mekkaner, einen Krieg zu führen. Nur durch den Entschluss und die
Kriegslist Mohammeds kam es erst zur Schlacht bei Badr. - Wie Tilman
Nagel auf Seite
308 berichtet, ließen sich die Männer wohl „teils aus
Beutegier und teils aus Eifer für die Sache Allahs“ (aus
religiösem Fanatismus) in den Krieg hineinreißen.]
135
Aswad
kam heran, doch Hamza, der Oheim des Propheten, trat ihm entgegen und
versetzte ihn noch vor dem Becken einen Hieb, dass ihm ein Fuß
und die Hälfte des Beines davonflogen. Er fiel auf den Rücken
und rauschend floss das Blut von seinem Bein zu seinen Gefährten.
Trotzdem kroch er noch zum Becken und stürzte sich hinein, um
seinen Schwur zu erfüllen. Hamza aber folgte ihm und erschlug ihn
im Becken.
Dann
trat Utbar zusammen mit seinem Bruder Shaiba und seinem Sohn Walid aus
der Reihe der Quraish hervor und rief die Muslime zum Einzelkampf auf.
Drei junge Burschen von den Helfern boten sich ihnen zum Kampf an, doch
die Quraish fragten sie: „Wer seid ihr?“ „Wir gehören zu den
medinensischen Helfern des Propheten.“ „Von euch wollen wir nichts!“
Und einer der Quraish rief: „Muhammad!“ „Schicke unseresgleichen und
Männer unseres Stammes gegen uns!“
Da
forderte der Prophet Abu Ubaida, Hamza und Ali auf, sich im Einzelkampf
mit ihnen zu messen. Die Quraish fragten auch sie, wer sie seien,
erkannten sie aber als ebenbürtige Edle an. Ubaida, der
Älteste kämpte gegen Utba, Hamza gegen Shaiba und Ali gegen
Walid. Es dauerte nicht lange, da hatten Hamza und Ali ihre Gegner
getötet. Ubaida und Utba tauschten zwei Schläge, worauf beide
verwundet niederstürzten. Sogleich fielen Hamza und Ali mit ihren
Schwertern über Utba her und erledigten ihn. Ubaida aber trugen
sie zurück zu ihren Gefährten.
Dann
drängten beide Seiten vor und gingen aufeinander los. Der Prophet
hatte seinen Gefährten befohlen, nicht anzugreifen, bevor er es
anordne. „Wenn sie euch umzingeln“, sprach er, überschüttet
sie mit euren Pfeilen!“ Er selbst blieb mit Abu Bakr in der Hütte,
bat Gott um die versprochene Hilfe und sagte unter anderem: „O Gott,
wenn diese meine Schar heute untergeht, wird dich niemand mehr
anbeten.“ „Deine dauernden Bitten“, wandte Abu Bakr ein, „werden deinem
Herrn lästig fallen. Gott erfüllt dir, was er dir verspro-
136
chen
hat.“ Dann schlief der Prophet in der Hütte ein und als er aus
seinem kurzen Schlummer erwachte, sagte er: „Freue dich Abu Bakr!
Gottes Hilfe ist zu dir gekommen. Hier ist Gabriel und führt sein
Pferd am Zügel, dessen Vorderzähne Staub bedeckt sind.“
Als
erster Muslim wurde Mihdja, ein Freigelassener Umars, durch einen Pfeil
getötet, und ein weiterer Pfeil traf den Haritha, einen vom Stamme
Nadjjar, tödlich am Hals, als er gerade aus dem Becken trank.
Darauf trat Muhammad zu seinen Leuten hinaus und spornte sie mit den
Worten an: „Bei dem, in dessen Hand Muhammads Seele liegt, jeder, der
heute standhaft Gottes Lohn erhoffend gegen den Feind kämpft, nur
vorwärts strebt und nicht zurückweicht und dann den Tod
findet, den wird Gott ins Paradies eingehen lassen.“
Umair
ibn Humam, der gerade einige Datteln in der Hand hielt und davon
aß, hörte diese Worte und rief: „Herrlich! Herrlich! Trennt
mich vom Paradies nur der Tod aus ihrer Hand?“ Und sogleich warf er die
Datteln weg und ergriff sein Schwert und kämpfte, bis er fiel.
Dann nahm der Prophet eine Handvoll Steinchen, wandte sich zu den
Quraish und rief: „Hässlich sollen diese Gesichter werden!“ Mit
diesen Worten warf er mit den Steinen nach ihnen und befahl seinen
Männern loszustürmen. Dies war das Ende der Quraish. Gott
tötete viele ihrer Führer und ließ viele ihrer Edlen in
Gefangenschaft geraten.
Nach
Beendigung des Kampfes ordnete der Prophet an, dass alles, was die
Männer an Beute angesammelt hatten, im Lager zusammengetragen
werde, doch die Muslime begannen sich zu streiten. Diejenigen, die die
Beute gesammelt hatten, sagten: „Dies gehört uns!“ Und diejenigen,
die gegen den Feind gekämpft hatten und ihn verfolgt hatten,
riefen: „Bei Gott, wären wir nicht gewesen, hättet ihr jetzt
nichts. Hätten wir den Feind nicht von euch abgehalten,
hättet ihr nichts bekommen.“
[Es
ist davon auszugehen, dass die große Mehrheit der Muslime wohl
eher an der Beute interessiert war, als daran, als Märtyrer ins
Paradies einzugehen. Dies sieht man auch an dem Streit um die Beute.
Gerhard Konzelmann beschreibt die Vorgänge vor der Schlacht bei
Badr auf Seite 110 wie
folgt: „Der Erfolg in der Expedition in den Süden (der
erfolgreiche Karawanenüberfall des Abdallah ibn Djahsh) brachte
innenpolitische Konsequenzen für Medina. Die Einwohner, die schon
vor Mohammeds Ankunft in der Stadt gelebt hatten, waren zwar durch ihr
Abkommen mit den Zugewanderten an der Teilnahme an möglichen
Kämpfen gegen die Banu Quraish verpflichtet, doch hatte Mohammed
für den Ritt nach Süden nur Männer ausgewählt, die
mit ihm aus Mekka gekommen waren. Als die ursprünglichen Bewohner
Medinas sahen, dass die Expeditionsteilnehmer reich mit wertvollen und
zugleich leichtverkäuflichen Waren belohnt wurden, da sprachen
auch sie den Wunsch aus, bei derartigen Unternehmungen mitzumachen
Auf
der Liste der Kampfbereiten standen schon bald über 300 Namen. Die
meisten gehörten zu den Stammesbewohnern von Medina. Sie erhielten
von Mohammed die Bezeichnung „Ansar“. Dieses Wort kann mit „Helfer“
übersetzt werden. Mohammed sprach sie meist mit der Bezeichnung
„Ansar al Nabi“ (Helfer des Propheten) an. Die Emigranten aus Mekka und
die Helfer wurden schon wenige Wochen nach dem so glücklich
verlaufenden ersten Beutezug zu einer gemeinsamen Bewährungsprobe
(bei Badr) eingesetzt.
Über
den Streit um die Beute schreibt Gerhard Konzelmann auf Seite 120: „Die
achte Sure trägt die Bezeichnung „al Anfal“, die Beute.
Ausgelöst wurde ihre Offenbarung um den Streit der Sieger
untereinander um das Eigentum der Verlierer und um Ansprüche auf
die Gefangenen, die einen Teil der Beute darstellten. (Für die
Gefangenen konnte man Lösegeld fordern oder sie als Sklaven
verkaufen.) Jeder wollte vom Sieg profitieren: Die Kämpfer und
diejenigen, die zum Schutz des Propheten beim Zelt geblieben waren.
Beide Gruppen begannen noch in der Endphase des Kampfes damit, den
Toten der Quraish die Kleider auszuziehen, ihren Schmuck abzustreifen
und ihre Schwerter einzusammeln. Kaum war der Sieg errungen, begann die
Plünderung der Zelte. Die Quraish hatten auf dem Feldzug vielerlei
mitgenommen: Lebensmittel, Wein, teure Gewänder, Geschenke
für gastfreundliche Stammesfürsten, Pferde und Kamele, Geld,
aber auch Sklavinnen.]
Und
diejenigen, die den Propheten bewacht hatten, aus Sorge, der Feind
könnte sich gegen ihn wenden, behaupteten: „Ihr
137
habt
nicht mehr Recht darauf als wir! Wir hätten auch gegen den Feind
gekämpft, als er durch Gottes Hilfe davonlief und hätten auch
gern die Beute aufgesammelt, als sie niemand mehr verteidigte, doch
waren wir besorgt, der Feind könnte nochmals zurückkehren.
Deshalb blieben wir zum Schutze des Propheten. Ihr habt nicht mehr
Recht auf die Beute als wir.“
Abdarrahman ibn Harith und andere meiner Lehrer
überlieferten mir von Sulaiman ibn Musa, der sich auf die Aussagen
Makhuls stützte, folgendes:
Abu
Umma vom Stamme Bahila, fragte später einmal den Ubada ibn Samit
nach der Offenbarung der Sure „Die Beute“ (Sure 8). Da erzählte
ihm dieser: „Sie wurde wegen uns, den Badr-Kämpfern, geoffenbart,
als wir uns um die Beute stritten und unser ganzer schlechter Charakter
sich zeigte. Aber Gott entriss durch diese Sure die Beute unseren
Händen und übergab sie dem Propheten. Dieser teilte sie in
gleichen Teilen unter den Muslimen auf.“ [Hier vergisst Ibn Ishaq zu
erwähnen, dass Mohammed ein Fünftel der Beute für sich
selber beanspruchte. (siehe: Sure 8,41)]
Sodann
schickte der Prophet den Abdallah ibn Rawaha mit der Siegesbotschaft zu
den Bewohnern der Oberstadt von Medina und den Zaid ibn Haritha in die
Unterstadt. Usama, der Sohn des Zaid, erzählte später: „Wir
schlossen gerade das Grab von Ruqayya, der Tochter des Propheten und
der Frau Uthmans, bei dem mich der Prophet zurückgelassen hatte,
um nach ihr zu sehen, da traf mein Vater Zaid in Medina ein. Ich kam zu
ihm, als er von Menschen umringt auf dem Betplatz stand und rief: „Die
Edlen der Quraish, Utba, Shaiba, Abu Djahl, Zama, Abu l-Bhaktari,
Umayya ibn Khalaf und die beiden Söhne des Hadjjadj, Nahib und
Munabbih sind tot!“ „Ist das wahr?“, fragte ich meinen Vater und er
erwiderte: „Ja, bei Gott, mein Sohn, es ist wahr.“ Der Prophet selbst
erreichte Medina einen Tag, bevor man die Gefangenen brachte.
Abdallah ibn abi Bakr berichtete mir von Yahya ibn
Abdallah:
Als
die Gefangenen ankamen, befand sich Sauda, die Frau des Propheten,
gerade bei der Familie des Afra, wo man den Tod
138
seiner
beiden Söhne beweinte. Die Frauen mussten damals noch keinen
Schleier tragen und Sauda erzählte: „Ich war gerade bei Afras
Familien, als der Ruf ertönte: „Man bringt die Gefangenen!20.4“
Sogleich ging ich nach Hause zum Propheten. Plötzlich erblickte
ich in einer Ecke des Zimmers den Abu Yazid, die Hände mit einem
Strick an seinem Hals gefesselt. Als ich ihn so sah, konnte ich nicht
an mich halten und rief: „Ihr habt euch ergeben, anstatt wie edle
Männer zu sterben.“ Da schreckte mich die Stimme des Propheten
auf, der rief: „Hetzt du gegen Gott und seinen Propheten?“ „O Gesandter
Gottes“, erwiderte ich, „bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt
hat, ich konnte mich einfach nicht beherrschen, als ich ihn in diesem
Zustand sah.“ Dann verteilte der Prophet die Gefangenen an seine
Gefährten und trug ihnen auf, sie gut zu behandeln.
20.4[Tilman
Nagel schreibt auf Seite
313 über den Umgang mit den mekkanischen Gefangenen:
„Beträge zwischen 1.000 und 4.000 Silberdirhem ließen sich
für einen Mekkaner erpressen. Zum Vergleich: Der bei den Muslimen
in Medina übliche Kaufpreis für eine Frau belief sich auf 500
Dirhem. Diese Summen jedenfalls pflegte Mohammed für seine
zahlreichen Gattinen aufzuwenden. Im langsamen Zuge führte man die
Gefangenen nach Medina. Die ihm besonders verhassten Uqba ibn abi Muait
und an-Nadr ibn al-Harit, der versucht hatte, ihm mit Geschichten aus
der iranischen Überlieferung das Publikum abspenstig zu machen,
ließ Mohammed unterwegs ermorden.
Der
Prophet mischte sich jedoch vielfach in diese Angelegenheiten ein und
erwirkte die kostenlose Freilassung des einen oder anderen, sofern
diese ihm versprachen, nie wieder an Kriegen gegen Medina teilzunehmen.
Auch von einem Tauschhandel wird berichtet: Abu l-As ibn ar-Rabi von
den Banu Abd Sams, erlangte die Freiheit, nachdem er dafür gesorgt
hatte, dass seine Ehefrau, Mohammeds Tochter Zainab, nach Medina
gebracht wurde. In Mekka war man mit dieser Abmachung ganz und gar
nicht zufrieden, vermutlich, weil sie darauf hinauslief, dass Heiden,
ihre dem Islam zugerechneten Ehefrauen herausgeben sollten. Zwei
Männer, die Zainab bei ihrer Abreise aus Mekka bedroht hatten,
ließ Mohammed später umbringen. Die Geschichte mit Abu l-As
und Zainab nahm dagegen ein glückliches Ende. Um die Zeit als
Mohammed Mekka seiner Gewalt unterwarf [630], wurde Abu l-As von einer
muslimischen Streifschar überfallen und nach Medina verschleppt,
wo Zainab ihm Schutz gewährte, und da er nun den Islam annahm,
erhielt er sie als Gattin zurück.]
Unter
den Gefangenen befand sich auch Abu l-As20.5, der
Schwiegersohn des Propheten und Gatte seiner Tochter Zainab. Aufgrund
seines Reichtums, seiner Redlichkeit und seines Handelns, war er einer
der geachtetsten Männer in Mekka. Mütterlicherseits war er
ein Neffe der Khadidja [Mohammeds erster Frau], die ihn wie ihren
eigenen Sohn behandelte. Als sie eines Tages den Propheten, bevor er
seine Offenbarungen empfing, bat, für ihren Neffen eine Frau zu
suchen, gab er ihm seine eigene Tochter Zainab in die Ehe. Nachdem Gott
dann Muhammad mit dem Prophetentum ausgezeichnet hatte, glaubten
Khadidja und seine Töchter an ihn, bezeugten die Wahrheit seiner
Offenbarung und bekannten sich zu seiner Religion. Abu l-As aber
verharrte in seiner Vielgötterei. Nun hatte der Prophet auch seine
Tochter Ruqayya verheiratet, und zwar mit Utba, dem Sohn des Abu Lahab.
Als er dann öffentlich Gottes Auftrag verkündete und sich
offen gegen die Quraish wandte, sprachen diese untereinander: „Wir
haben Muhammad von der Fürsorge seiner Tochter befreit. Geben wir
sie ihm doch zurück! Er soll sich selber um sie kümmern!“
20.5Abu
l-As ibn Rabi trat erst nach der Eroberung Mekkas zum Islam über,
nachdem er zuvor zweimal von den Muslimen gefangen genommen und auf
Bitten Zainabs hin wieder freigelassen worden war. Er starb 634, zwei
Jahre nachdem Mohammed gestorben war.
Sie
gingen zuerst zu Abu l-As und sagten: „Trenne dich von deiner Frau! Wir
verheiraten dich dafür mit jeder anderen Quraishitin, die du
möchtest.“ „Niemals werde ich die tun und ich will an ihrer Stelle
auch keine andere Frau von den Quraish“, entgegnete er ihnen, und
139
der
Prophet, so habe ich gehört, war voll des Lobes für diese
Haltung seines Schwiegersohnes.
Dann
kamen die Quraish auch zu Utba [der mit Mohammeds Tochter Ruqayya
verheiratet war] und machten ihm den gleichen Vorschlag. Er willigte
ein und erhielt dafür die Tochter des Said ibn As. Die Tochter des
Propheten, Ruqayya, aber verstieß er, noch bevor er ihr
beigewohnt hatte. So befreite Gott sie aus seiner Hand, ihr zur Ehre
und ihm zur Schande und Uthman ibn Affan heiratete sie.
Der
Prophet war damals in seiner Entscheidungsfreiheit zu sehr eingeengt,
um etwas erlauben oder verbieten zu können. Obwohl der Islam
seine Tochter Zainab von ihrem Gatten Abu l-As schied, konnte der
Prophet die beiden bis zur Hidjra [Auswanderung] nicht voneinander
trennen und Zainab blieb bei Abu l-As, sie eine Muslimin, er ein Heide.
Als die Quraish dann nach Badr zogen, kam auch Abu l-As mit ihnen und
geriet in Gefangenschaft zum Propheten nach Medina.
Schließlich
schickten die Mekkaner die Auslösesumme für die
Auslösung und auch Zainab ließ den entsprechenden Betrag zur
Auslösung von Abu l-As nach Medina bringen, darunter eine
Halskette, die ihr einst Khadidja zur Hochzeit geschenkt hatte. Als der
Prophet die Kette erblickt hatte, ergriff ihn großes Mitleid mit
seiner Tochter Er bat seine Gefährten, ihr sowohl ihren Mann als
auch das Geld zurückzuschicken und sie erfüllten ihm seine
Bitte.
Die
Gesamtzahl der Muslime, die an der Schlacht von Badr teilnahm, betrug
314, davon waren 83 mekkanische Auswanderer und 231 medinensiche
Helfer, 61 von Stamme Banu Aus und 170 vom Stamme Khazradj. Von den
mekkanischen Auswanderern fielen 6 und von den medinensischen Helfern 8
Männer. Die Quraish dagegen verloren 50 Männer, 43 von ihnen
wurden gefangen genommen.
[Im
Koran wird darauf hingewiesen, dass die Muslime während des
Kampfes von 3.000 Engeln unterstützt wurden: „Genügt es euch
nicht, daß euch euer Herr mit 3.000 herabgesandten Engeln
unterstützt? Fürwahr, wenn ihr Geduld übt und
gottesfürchtig seid und der Feind euch plötzlich angreift,
wird euer Herr euch mit 5.000 heranstürmenden Engeln
unterstützen.“ (Sure 3,124-125) Quelle: Schlacht von Badr]
140
43.
Gedichte über die Schlacht von Badr Top
Zur
Dichtung, die von beiden Seiten über die Schlacht
von Badr verfasst wurde, gehören die folgenden Verse des Kab ibn
Malik, eines Bruders des Stammes Salama:
Gottes Wille ist voll Wunder! Er in
seiner Macht kann
handeln, wie er will und niemand wird ihn je bezwingen!
Er entschied am Tag von Badr, dass wir jene üblen
Männer trafen, die im eignen Übel sich verfingen.
Sammeln und zum Kampfe rufen taten sie die Nachbar-
stämme, eine große Schar zum Kriege dingen,
um nur gegen uns allein zu ziehen und die Stämme
Kab und Amir, alle gegen uns zu bringen.
Der Prophet in unsrer Mitte war umringt vom Stamme
Aus wie eine Festung: Niemand konnte in sie dringen.
Und der Stamm Nadjjar, er stürmte vor mit seinem Banner,
leicht gerüstet ließ er von des Staubes Wolken sich umringen.
Als wir stießen auf den Feind und jeder standhaft suchte,
für die Freunde seine Todesängste mutig zu bezwingen,
da bezeugten wir, dass außer Gott kein andrer Herr ist,
und nur sein Gesandter konnte uns die Wahrheit bringen.
Und wir zückten unsre Schwerter, hell im Lichte funkelnd,
wie wenn grelle Feuerbrände flackernd daran hingen.
Auseinander schlugen wir die Feindesschar mit ihnen,
dass die Frevler ihrem Todesschicksal nicht entgingen.
Abu Djahl stürzte nieder auf sein Antlitz; auch den
Utba ließen dort im Staube liegen unsre Klingen.
At-Tamini und auch Shaiba blieben auf dem Schlachtfeld;
keiner konnte sie zum Glauben an den Herrn des Thrones zwingen.
Ja, zum Brennholz wurden sie fürs Feuer in der Hölle,
dort, wohin von jeher immer alle Heiden gingen.
Während nun der Heizer schürt die Glut mit Stein und Eisen,
werden glühend heiße Höllenflammen sie verschlingen.
141
Der Gesandte Gottes hatte sie gerufen,
doch sie
hörten nicht und suchten in dem Ruch des Magiers ihn zu bringen.
Gottes Wille war es, sie zu töten. Gegen seinen
Willen sich zu sträuben: Keinem kann es je gelingen.
Hassan
ibn Tabit dichtete über die Schlacht von Badr die
folgenden Verse:
Quraish hat am Tage von Badr erfahren,
am Tag, als sie fielen und mancher in Haft dort geriet,
dass wir, als die Lanzen, die hohen, sich stritten,
im Kriege gewannen am Tage des Abu Walid.
Die Söhne Rabias erlagen im Kampfe
im zweifachen Panzer aus Eisen vom Schmied.
Hakim ist geflohen aus Angst vor dem Stamme
Nadjjar, der wie die Löwen so mutig vorwärts zieht.
Und Fihr wurde von allen verlassen,
während Klein Harith weit in der Ferne voran ihnen flieht.
Schande hat euch getroffen, der Tod euch ereilt
dort an der Ader am Halse, wo es am schnellsten geschieht.
Davon seid ihr alle gelaufen, und keiner
von euch um die alte Kampfesehre sich müht.
Auch
die folgenden Verse stammen von Hassan ibn Thabit:
Haben die Mekkaner auch wirklich
erfahren,
wie wir sie schlugen, die Heiden, mit tödlichem Mut?
Wir töteten kämpfend die Herren ihres Stammes,
ihr Heer zog zurück, zerschlagen und bar jeder Hut.
Wir töteten Utba und dann Abu Djahl;
auch Shaiba, die Hände gestreckt, im Sande dort ruht.
Wir töteten Tuma und auch den Suwaid,
als sich im Kampfe erhob des Staubes schmutzige Flut.
Durch uns sind gar viele gefallen von edel-
stem Stammbaum in Volke, aus vornehmsten Blut.
Wir ließen sie liegen, den Schakalen zum Fraß,
um später zu brennen in höllischer Glut.
142
Sufaya, die Tochter des Musafir ibn abi Amr, beklagte mit den
folgenden Versen den Tod eines Quraishiten:
Weh mir! Meine Augen sind leer,
die Tränen alle verflossen,
wie aus zwei Kübeln der Sklave
das Wasser schnell hat vergossen.
Der Löwe im Dickicht mit seinen Krallen
und seinen Zähnen, den großen,
kraftvoll, gewaltig und feurig,
zum Schutze seiner Jungen entschlossen:
Er ist nicht gleich meiner Sehnsucht
nach ihm, der im Kampf unverdrossen
selbst fand nun den Tod, das Schwert in
der Hand, aus Stahl war gegossen
und mit dem er andern die Wunden einst schlug,
woraus das Blut war schäumend geflossen.
Qutaila,
die Tochter des Harith ibn Alqama, trauert mit den
folgenden Versen um ihren Bruder Nadr20.6, der bei Badr in
Gefangenschaft geriet und auf dem Weg nach Medina bei Uthail von den
Gefährten des Propheten ermordet wurde:
O Reiter, der Weg nach Uthail ist nicht
weit.
Schon am Morgen des fünften Tages kommst du dort an.
Viele Kamele eilten von mir schon mit Grüßen dorthin
zu einem Toten; grüß ihn auch du und erzähl ihm sodann
von meiner Trauer um ihn und vom Strom meiner Tränen,
den ich oft auch erstickte, noch bevor er vom Auge mir rann.
Sag mir: Kann Nadr mich hören, wenn ich ihn rufe?
Versteht mich ein Toter, der nicht sprechen mehr kann?
O Muhammad, edelster Sproß aus dem Stamm deiner Mutter,
die sich aus vornehmer Sippe erwählte den Mann,
hätte es dir denn geschadet, ihm gnädig das Leben zu lassen,
wie manch anderer Krieger sich trotz seines Zorns der Gnade besann?
Auch hättest für ihn du ein Lösegeld annehmen
können,
so hoch, wie noch niemals ein Sieger eines gewann.
Nadr war dir von allen am engsten verwandt und ver-
143
diente am meisten, dass die Freiheit du
botest ihm an.
Doch gewaltsam schleppte man ihn dem Tode entgegen,
einen erschöpften, in Ketten gefangenen Mann.
Und die Schwerter der eigenen Brüder schlugen ihn nieder.
Ach! Wie viele Bande des Blutes zerbrachen daran.
20.6[Unter den in Badr gemachten Gefangenen
befanden sich Okba bin Abi Mueit und Al-Nadr bin Alharith. Als der
Prophet diese beiden Männer erblickte, erinnerte er sich an ihre
Feindschaft und Boshaftigkeit, die sie ihm in Mekka hatten zuteil
werden lassen und befahl, sie zu enthaupten. Al-Nadr war der Gefangene
von Meqdad, der sehr an einem Lösegeld interessiert war. Meqdad
sagte zu dem Propheten: „Das ist mein Gefangener, und ich habe das
Recht, ihn als meinen Teil der Beute zu betrachten.“ Darauf fragte der
Prophet Meqdad: „Hast du denn vergessen, was dieser schändliche
Mann über die Offenbarungen des Korans gesagt hat?“ Es war
nämlich Al-Nadr gewesen, der in Mekka gesagt hatte: „Wir haben sie
schon gehört, und wenn wir nur wollten, so könnten wir
ähnliche Verse hersagen, der Koran enthält ja doch nichts als
alte Märchen.“ Darauf bezieht sich auch Sure 8,31.
Sure 8, Vers 31: Und
als ihnen Unsere Zeichen verlesen wurden, sprachen sie: „Wir haben
gehört; wollten wir, so sprächen wir das gleiche; siehe, dies
sind nichts als die Fabeln der Früheren.
Schliesslich
musste Al-Nadr für diese Bemerkung mit seinem Leben zahlen. Meqdad
zog seinen Anspruch auf den Gefangenen zurück und Al-Nadr wurde
enthauptet. Als nächster wurde Aqba vor den Propheten gebracht,
und Asem Ibn Sabet erhielt den Befehl, ihn zu töten. Okba schrie
laut: "Was wird denn aus meinen Kindern?" Der Prophet gab zur Antwort:
„Zur Hölle!“ (Ali Dashti, Seite 157 f) Quelle: Auftragsmorde an politischen Gegnern)]
44. Die Schlacht von Uhud [17. März 625] Top
[Die
Schlacht von Uhud20.7 ist ein Rachefeldzug der Quraish, für die verlorene
Schlacht von Badr. Vor der Schlacht von Uhud gab es allerdings einige
Ereignisse, die nicht in der (in meiner) Prophetenbiographie
erwähnt werden.
Sie berichtet Gerhard Konzelmann auf Seite 122 davon, dass Mohammed
nach der
Schlacht von Badr eine Frau und einen Mann ohne Urteil hinrichten
ließ, die die Kühnheit besessen hatten, Spottgedichte
über ihn zu schreiben. Es handelte sich um den jüdischen
Poeten Kab ibn al-Aschraf vom Stamme der Banu Nadir und um die
Jüdin Asma Marwin. (siehe auch: Kab ibn al
Aschraf)
Zu
den
Morden an Kab ibn al-Aschraf und Asma Marwin lesen wir
bei Tilman Nagel auf Seite
348: „Bereits vorher hatten zwei abscheucliche Morde eine
Atmosphäre der Terrors erzeugt. Asma bint Marwin, eine Jüdin,
hatten sich in obszönen Versen schon vor der Schlacht bei Badr
dagegen gewandt, dass sich einige Ausiten und Hazragiten einem
Dahergelaufenen unterwarfen. Töricht sei es, auf einen solchen
Mann irgendwelche Hoffnungen zu setzen. Ähnliche Ansichten wurden
Kab ibn al-Asraf nachgesagt. Einer der Verwandten von Asma's Ehemann
gelobte, er werde die Spötterin umbringen, sobald Mohammed
unversehrt aus dem Krieg gegen Mekka zurückgekehrt sei. Kaum war
dies geschehen, stahl sich jener eifrige Muslim in ihr Haus, nahm ihr
immerhin den Säugling von der Brust und erschlug die Ahnungslose
mit dem Schwert. Mit einem Anflug von Schuldgefühlen suchte der
Mörder am Morgen den Propheten auf, der ihn aber beruhigte: „Um
ihretwillen gehen keine zwei Ziegen mit den Hörnern aufeinander
los.“ Der Verbrecher sei ein Mann, der im Verborgenen Allah und seinen
Gesandten unterstützte...“
20.7Uhud
ist ein Berg in der
Nähe von Medina.
Ausserdem
führte ein Vorfall in Medina dazu, dass
Mohammed gegen den jüdischen Stamm Banu Qaynuqa (Banu Qainuqa),
die hauptsächlich als Goldschmiede und Waffenschmiede arbeiteten,
in den Krieg zog. Mohammed, der nie vrgessen konnte, dass die Juden
trotz seiner Verhandlungsbemühungen, seine Gotteslehre und seinen
Herrschaftsanspruch in Medina abgelehnt hatten, nutzte die Gelegenheit,
die Banu Qaynuqa aus Medina zu vertreiben. Er belagerte die Siedlung
der jüdischen Großfamilie, die aus etwa 1.000 Personen
bestand, die nur über eine unbedeutende Wasserquelle innerhalb
ihres Gebietes verfügten, 15 Tage lang, bis sie vor Durst
kapitulierten. Innerhalb von drei Tagen mussten sie Medina verlassen.
Mohammed hatte durchaus mit dem Gedanken gespielt, die Männer des
jüdischen Stammes Banu Qaynuqa zu töten [wie er es im Jahre
627 mit dem jüdischen Stamm der Banu Quraiza tat] und die Frauen
[und Kinder] als Sklaven verkaufen zu lassen [wie Mohammed es nach
vielen Kriegzügen mit den Frauen und Kindern seiner Kriegsgegner
und mit den Frauen und Kindern des jüdischen Stammes der Banu
Quraiza
tat]. Aber der arabische Stamm der Banu Aus, der mit den Banu Qaynuqa
befreundet war, hatten sich bei Mohammed dagegen ausgesprochen.
(Konzelmann, Seite 123-126), siehe
auch: Banu Qainuqa
Vor der Schlacht von Uhub verbot Mohammed auch den Moslems
den Wein und das Glücksspiel. (wikipedia.org sagt:
„Während der sechstägigen Belagerung (der Banu Nadir im
August 625) soll (Mohammed) zudem das islamische Weinverbot offenbart
worden sein.“) „Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und
Lospfeile sind (ein wahrer) Greuel und Teufelswerk. Meidet es!
Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergeben. Der Satan will (ja) durch
Wein und das Losspiel nur Feindschaft und Haß zwischen euch
aufkommen lassen und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abhalten.
Wollt ihr denn nicht (damit) aufhören?“ (Sure 5,90-91) Mohammed
spricht allerdings davon, dass im Paradies „ein
unerschöpflicher Becher unter ihnen die Runde macht, der
allerdings keinen Rausch erzeugt und von dem sie nicht müde
werden.“ (Sure 37,45-47) Aus Sure 16,11 geht allerdings hervor, dass
Mohammed in der Frühzeit der Offenbarung den Moslems den Wein
durchaus zugestand. Sure 16,11 lautet nämlich: „Er läßt
euch dadurch das Getreide wachsen, und die Ölbäume, Palmen
und Weinstöcke, und (sonst) allerlei Früchte. Darin liegt ein
Zeichen für Leute, die nachdenken.“]
Die folgende Darstellung der Schlacht
von Uhud habe ich aus den Berichten des Zuhri, Muhammad ibn Yahya,
Asim, Husain ibn Abdarrahman und anderen zusammengestellt:
Nach der Niederlage der heidnischen Quraish bei Badr, der
Rückkehr des geschlagenen Heeres nach Mekka und der Ankunft Abu
Sufyans mit seiner Karawane, gingen Abdallah, der Sohn des Abu Rabia,
Ikrima, der Sohn des Abu Djahl und Safwan, der Sohn des Umayya,
zusammen mit anderen Quraish, die bei Badr ihre Väter, Söhne
und Brüder verloren hatten, zu Abu Sufyan und den anderen
Männern, die in dessen Karawane Waren hatten und sprachen zu
ihnen: „Männer von Quraish! Muhammad hat euch großen Schaden
zugefügt und eure Besten getötet. Helft uns deshalb mit dem
Erlös aus euren Waren, damit wir gegen ihn Krieg führen und
vielleicht unsere Toten rächen können.“
Sie waren damit einverstanden. Gott aber offenbarte über
sie, so hat man es mir erzählt, den folgenden Koranvers:
„Diejenigen, die ungläubig sind, geben ihr Vermögen aus, um
ihre Mitmenschen vom Wege Gottes abzuhalten. Sie werden es ausgeben.
Dann wird es ein schmerzliches Bedauern für sie geben und sie
werden bestraft werden. Und diejenigen, die ungläubig sind, werden
alle zur Hölle gehen (Sure 8,36).
Nachdem sich Abu Sufyan und die anderen Teilhaber der
Karawane zur Aufwendung ihres Geldes bereiterklärt hatten,
sammelten sich die Quraish mit ihren Ahabish, den ihnen
botmäßigen (befreundeten) kinanitischen Stämmen und den
Bewohnern des Tieflandes zum Krieg. Djabair ibn Mutim sprach zu seinem
abessi-
144
nischen (äthiopischen) Sklaven Wahshi, der, wie alle
Abessinier, mit seiner Lanze das Ziel nur selten verfehlte: „Ziehe auch
du mit den Männern! Wenn du meinen Onkel Tuaima rächst, indem
du Hamza, den Oheim Muhammads, tötest, lasse ich dich frei!“
Die Quraish zogen mit allen verfügbaren Männern,
den Gefolgsleuten vom Stamme Kinana und den Bewohnern des Tieflandes los20.8. Sogar die Frauen
begleiteten sie in ihren Kamelsänften, um ihre Kampfeswut zu
schüren und sie von der Flucht zurückzuhalten. So wurde Abu
Sufyan, der das Herr anführte, von Hind, der Tochter des Utba,
begleitet und immer wenn sie während des Zuges den Sklaven Wahshi
sah, rief sie ihm zu: „Auf Abu Dasma, Vater der Schwärze!
Befriedige deinen Rachedurst!“
20.8[Die Quraish zogen mit 3.000
Männern und 200 Pferden in den Krieg. (siehe: Schlacht von Uhud)]
Schliesslich langten sie bei Ainan, einer Anhöhe im
Salzsumpf am Rande des Wadi Qanat gegenüber von Medina, an. Sobald
der Prophet davon gehört hatte, wandte er sich mit folgenden
Worten an die Muslime in Medina: „Ich hatte einen guten Traum. Ich habe
zwei Kühe und an der Spitze meines Schwertes eine Scharte gesehen.
Meine Hand, so träumte ich, steckte ich in einen starken Panzer
und ich glaube, dieser Panzer soll Medina bedeuten. Ich meine deshalb,
wir sollten in Medina bleiben und die Quraish lassen, wo sie sind.
Bleiben sie dort, befinden sie sich in einer schlechten Ausgangslage.
Dringen sie aber in die Stadt ein, werden wir hier gegen sie
kämpfen.“
Abdallah, der Sohn des Ubayy, stimmte dem
Vorschlag des Propheten zu, die Stadt nicht zu verlassen. Andere
Muslime aber, die später bei Uhud für den Glauben starben und
zuvor bei Badr nicht dabeigewesen waren, bestürmten den Propheten:
„O Gesandter Gottes“, führe
uns hinaus gegen den Feind! Er wird sonst glauben, wir seien zu feige
und zu schwach, gegen ihn zu kämpfen.“ „O Gesandter Gottes“, versuchte Abdallah ibn Ubayy den Propheten
zurückzuhalten, „bleibe in Medina und ziehe nicht hinaus gegen
sie! Bei Gott, noch nie haben wir die Stadt verlassen, um einen Feind
zu bekämpfen, ohne dass wir schwere Verluste erlitten; und noch
nie ist jemand in die Stadt eingedrungen,
145
ohne dass wir ihm Verluste zufügten. So lasse sie, wo
sie sind. Wenn sie dort bleiben, sind sie in einer sehr schlechten
Lage. Kommen sie in die Stadt, werden unsere Männer ihnen
kämpfend entgegentreten, während die Frauen und die Kinder
von den Häusern Steine auf sie herabwerfen. Und wenn sie sich
zurückziehen, werden sie es mit der gleichen Enttäuschung
tun, mit der sie gekommen sind.“
Diejenigen, die dem Feind entgegenziehen wollten, drangen so
lange in den Propheten, bis er in sein Haus trat und seinen Panzer
anlegte. Es war am Freitag zur Zeit nach dem Gebet. Ein Helfer vom
Stamme Nadjjar war gestorben und der Prophet hatte das Totengebet
für ihn gesprochen. Als er nun aufbrach, hatten die Männer es
aber schon wieder bereut, dass sie ihn gegen seinen Willen dazu
überredet hatten und sprachen: „O Gesandter Gottes! Wir haben dich
dazu überredet, obwohl du es nicht wolltest und wir kein Recht
dazu hatten. So bleibe hier, wenn du möchtest!“
„Es ziemt sich nicht für einen Propheten“,
erwiderte er, „wenn er seine Rüstung einmal angelegt hat, diese
wieder auszuziehen, noch bevor er gekämpft hat.“ Mit 1.000
Gefährten machte er sich auf den Weg. Bei Shaut, zwischen Medina
und Uhud, trennte sich Abdallah ibn Ubayy vom Propheten und kehrte mit
einem Drittel der Männer wieder um, wobei er sprach: „Er hat sich
ihnen gebeugt und nicht auf mich gehört. Ich weiß nicht,
warum wir uns hier umbringen lassen sollen.“ [Nun waren es noch etwa
700 Muslime, darunter 50 Bogenschützen. Ihnen standen 3.000
Quraish entgegen.]
Als er mit den Heuchlern und Zweiflern, die
ihm folgten, zurückzog, ritt Abdallah ibn Amr hinter ihnen her:
„Ihr Männer, ich beschwöre euch bei Gott, lasst euer Volk und
euren Propheten nicht im Stich, jetzt, da der Feind nahe ist.“
„Wüssten wir“, gaben sie zurück, „dass ihr wirklich
kämpfen werdet, würden wir euch nicht verlassen. Wir glauben
aber nicht, dass es überhaupt zu einem Kampf kommen wird.“ Sie
blieben bei ihrer ablehnenden Haltung und zogen sich weiter
zurück. Da verfluchte sie Abdallah ibn Amr: „Ihr Feinde Gottes,
macht, dass ihr verschwindet. Gott wird dafür sorgen, dass der
Prophet auch ohne euch auskommt.“
146
Der Prophet rückte vor, bis er die
Schlucht von Uhud an der dem Berg zugewandten Seite erreichte. Er
richtete Kamele und Kämpfer nach Uhud aus und erteilte die
Weisung, dass keiner kämpfen solle, bevor er es befehle. Die
Quraish hatten ihre Pferde und Kamele zur Weide auf die den Muslimen
gehörenden Felder von Samgha im Wadi Qanat geschickt und einer der
Helfer rief, als der Prophet zunächst zu kämpfen verbot:
„Sollen wir ihr Vieh die Felder der Banu Qaila [Banu Aus und Khadzradj]
abweiden lassen, ohne dass wir zuschlagen?“
Der Prophet bereitete sich mit seinen 700
Männern zum Kampfe vor. Die Bogenschützen, 50 an der Zahl,
unterstellte er dem Abdallah ibn Djubair, der an jenem Tage durch seine
weißen Gewänder besonders auffiel und befahl ihm: „Halte uns
die Reiterei der Quraish mit den Pfeilen deiner Bogenschützen vom
Leibe, so dass sie uns nicht in der Rücken fallen, ob die Schlacht
nun zu unseren Gunsten verläuft oder nicht. Halte in jedem Fall
deine Stellung, damit sie uns nicht aus deiner Richtung angreifen
können!“
Dann legte der Prophet einen zweiten Panzer an
und übergab das Banner an Musab, dem Sohn des Umair, einem Bruder
des Stammes Abdaddar. Auch die Quraish trafen ihre Vorbereitungen zum
Kampf. Sie waren 3.000 Mann und hatten 200 Pferde, die sie auf dem Zug
neben ihren Kamelen hergeführt hatten. Der rechte Flügel
ihrer
Reiterei unterstand dem Khalid ibn Walid und der linke dem Sohn des Abu
Djahl, Ikrima.
Der Prophet ergriff sein Schwert und rief:
„Wer kann dieses Schwert so gebrauchen, wie es ihm gebührt?“
Einige Männer boten sich ihm an, doch er enthielt es ihnen.
Schließlich trat Abu Dudjana, ein Bruder des Stammes Saida, auf
ihn zu und fragte ihn: „Was gebührt denn deinem Schwert, o
Gesandter Gottes?“ „Es gebührt ihm, dass du solange auf den Feind
einschlägst, bis es sich verbiegt“, antwortete ihm der Prophet und
Abu Dudjana sprach: „Genauso werde ich es gebrauchen, o Gesandter
Gottes.“ Da gab ihm der Prophet das Schwert. Abu Dudjana war ein
tapferer Mann und sich seiner Kampfeskraft wohl bewusst. Im-
147
mer wenn er seinen Turban anlegte, wussten
die anderen, dass er kämpfen werde. Auch damals, nachdem er das
Schwert aus der Hand des Propheten entgegengenommen hatte, holte er
jenen Turban hervor, band ihn sich um den Kopf und stolzierte zwischen
den Linien auf und ab.
Asim ibn Umar
berichtete mir weiter folgendes:
Abu Amir hatte sich mit 50, andere behaupten
nur mit 15, jungen Männern des Stammes Aus einige Zeit zuvor vom
Propheten getrennt und war nach Mekka gegangen. Dort hatte er den
Quraish versprochen, dass ihm Falle eines Krieges keine zwei
Männer gegen ihn kämpfen würden. Nun als die Quraish und
die Muslime aufeinandertrafen, stieß Abu Amir mit den Ahabish und
den Sklaven der Mekkaner als erstes auf die Muslime und rief:
„Männer vom Stamme Aus! Ich bin Abu Amir!“
„Blind sollst du werden, du gottloser
Frevler!“, schrien sie zurück und er sprach: „Schlimmes hat meinen
Stamm befallen, seit ich ihn verlassen habe.“
Dann kämpfte er verbissen und schleuderte
Steine nach ihnen. Abu Sufyan, der Führer der Quraish hatte die
Bannerträger der Banu Abdaddar mit folgenden Worten zum Kampf
angespornt: „O Söhne des Abdaddar, ihr habt am Tag von Badr unsere
Fahne getragen. Was geschah, habt ihr gesehen. Die Männer erleiden
immer das Schicksal ihrer Fahne. Geht sie verloren, sind sie es auch.
Entweder ihr schützt also unsere Fahne oder ihr übergebt sie
uns, damit wir sie für euch schützen.“ Sie waren über
diese Worte sehr bekümmert, drohten ihm und sprachen: „Wir sollen
dir unsere Fahne übergeben?! Wenn wir morgen auf den Feind
treffen, wirst du es erleben, was wir tun.“ Dies aber war es, was Abu
Sufyan wollte.
Als sie aufeinandertrafen und gegeneinander
vorrückten, schlugen die Frauen der Quraish hinter ihren
Männern die Tamburine und spornten sie an. Hind, die Tochter des
Utba, rief:
Auf ihr Banu Abdaddar!
Auf zum Schutze der Enkelschar!
Scharfe Hiebe reichet dar!
148
Und auch mit folgenden Versen feuerte sie die Männer an:
Kissen werden aus wir breiten
denen, die jetzt vorwärts schreiten.
Die, die aber rückwärts reiten,
meiden wir für alle Zeiten.
Die Männer kämpften bis ein heisses
Gefecht entbrannte. Abu Dudjana drang tief in die Schar der Feinde ein
und tötete jeden, auf den er stieß. Auch unter den
Ungläubigen war ein Mann, der es nicht bei Verwundungen bewenden
ließ, sondern jeden ganz erledigte. Die beiden kämpften sich
aufeinander zu bis sie sich trafen und zwei Schläge tauschten. Der
Ungläubige hieb auf Abu Dudjana ein, doch dieser parierte mit dem
Schild und das Schwert des Gegners blieb darin stecken. Da schlug Abu
Dudjana zu und traf ihn tödlich. Dann, so erzählte ein
Augenzeuge, sah ich, wie er das Schwert über den Scheitel der Hind
[einer Quraishitin] hob, es jedoch wieder von ihr wandte.
Abu Dudjana erzählte später selbst:
„Ich erblickte eine Person, die die Feinde aufs heftigste zum Kampf
anspornte und wandte mich ihr zu. Als ich jedoch das Schwert gegen sie
erhob, brach sie in Wehklagen aus und ich merkte, dass es eine Frau
war. Ich hatte zu große Ehrfurcht vor dem Schwert des Propheten,
als dass ich damit auf eine Frau hätte schlagen können.
Hamza, der Onkel des Propheten, kämpfte,
bis er Artat ibn Abdshurahbil, einen der Fahnenträger der Quraish,
getötet hatte. Dann lief ihm Siba ibn Abdaluzza über den Weg
und Hamza rief ihm zu: „Her mit dir, du Sohn der
Mädchenbeschneiderin21!“
21Die Mutter des Siba war eine der Frauen, die im heidnischen
Mekka die Mädchen bechnitten. Die Sitte wurde im Islam, mit
Ausnahme Ägyptens und des Sudans nicht beibehalten. In
Ägypten herrscht heute darüber eine Auseinandersetzung mit
den Rechtsgelehrten.
[Diese Information ist leider falsch. Alle
muslimischen Männer werden im Kindesalter beschnitten. Dies ist in
meinen Augen nichts anderes als Kindesmisshandlung bzw.
Körperverletzung im Namen der Religion Im Islam und im Judentum
werden alle Jungen beschnitten. Die Juden beschneiden die Neugeborenen
acht Tage nach der Geburt. Die Muslime beschneiden die Jungen im Alter
von 12 bis 14 Jahren. Die Beschneidung ist eine grausame und sehr
schmerzhafte Prozedur. Im größten islamischen Staat, in
Indonesien, (dort leben 238 Millionen Menschen, in Saudi-Arabien leben
nur 27 Millionen Menschen) sind 98 Prozent aller Mädchen
beschnitten. In Afrika wird die Beschneidung in 28 Staaten, vornehmlich
in islamischen Staaten, praktiziert. In sieben afrikanischen
Ländern, in Dschibuti, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone,
Somalia und im Norden des Sudan, ist die Beschneidung fast
flächendeckend verbreitet. Über 90 % der Frauen sind
dort beschnitten. Die weibliche Beschneidung ist in der Regel noch
grausamer als die Beschneidung der Jungen und mit großen
körperlichen und seelischen Folgeschäden verbunden. Die
Zwangsbeschneidung von Jungen und Mädchen ist und bleibt ein
barbarischer Akt gegen das Selbstbestimmungsrecht der Menschen, denen
dieses Leid zugefügt wird. (Quelle: Beschneidung
weiblicher Genitalien, siehe auch: Beschneidung
ist Genitalverstümmelung)]
Sie stießen aufeinander. Hamza aber hieb
auf ihn ein und tötete ihn. Washi, der abessinische Sklave des
Quraishiten Djabair, erzählte später: „Ich sah, wie Hamza mit
seinem Schwerte die Kämpfer niederstreckte, ohne auch nur einen
auszulassen, alle wie ein dunkelfarbiges Kamel überragend. Noch
bevor ich ihn erreichte, trat Siba ihm entgegen, doch Hamza rief ihm
zu: „Nur her zu mir,
149
du Sohn der Mädchenbeschneiderin!“ und
versetzte ihm einen tödlichen Hieb, so schnell, dass man glauben
konnte, er hätte seinen Kopf gar nicht berührt. Dann schwang
ich meine Lange, zielte genau und warf sie auf Hamza. Sie traf ihn in
den Unterleib und trat ihm zwischen den Beinen wieder hervor. Er
versuchte noch auf mich zuzulaufen, brach jedoch zusammen. Ich
ließ mir Zeit, bis er gestorben war, dann trat ich zu ihm hin,
nahm meine Lanze wieder an mich und begab mich zurück zu unserem
Lager, da mich außer ihm kein anderer unter den Gegnern
interessierte.“
Danach sandte Gott den Muslimen seine Hilfe
und erfüllte sein Versprechen. Sie hieben die Feinde nieder, bis
diese von ihrem Lager abgeschnitten waren und sich eine sichere
Niederlage für sie anbahnte.
Yahya ibn Abbad ibn
Abdallah ibn Zubair erzählte mir folgende Schilderung, die auf
seinen Urgroßvater zurückgeht:
„Ich sah, wie die Dienerschaft und die
Begleiterinnen der Hind ihre Gewänder schürzten und flohen.
Nichts hinderte uns mehr daran, sie zu ergreifen, als sich unsere
Bogenschützen plötzlich dem feindlichen Lager zuwandten, von
dem wir den Gegner getrennt hatten. Dadurch entblößten wir
unsere rückwärtige Deckung und die feindliche Reiterei fiel
von hinten über uns her. Einer rief: Muhammad ist tot!“ Sogleich
zogen wir uns zurück und der Feind kehrte wieder um, nachdem wie
seine Fahnenträger bereits getötet hatten, so dass keiner
sich mehr dem Banner nähern konnte.
[Im Zeichen des sicheren Sieges
verließen die muslimischen Bogenschützen den ihnen von
Mohammed zugewiesenen Platz, um das feindliche Lager zu plündern.
Tilman Nagel schreibt über das undisziplinierte Verhalten der
muslimischen Bogenschützen auf Seite
354: „In die Darstellung des Geschehens sind Motive aus der
Badr-Erzählung eingedrungen, so etwa, dass die Beutegier der
Gläubigen einen fast schon errungenen Sieg zunichte gemacht hatte.
Bei Badr war die vorschnelle Inbesitznahme der Gefangenen zu tadeln
gewesen (Sure 8,67) Ferner sollen bei Uhud die Streiter Mohammeds von
Schläfrigkeit befallen worden sein, nicht aber die Feinde. Und die
Engel seien diesmal der Partei des Gesandten Allahs nicht zur Hilfe
geeilt. Man focht mit äußerster Härte und Erbitterung.
„Töte“, lautet die Kampfesparole der Gläubigen und schreckte
auch vor Verstümmelungen der gefallenen Gegner nicht zurück.
Gerhard Konzelmann berichtet auf Seite 142
über das Verhalten der quraishitischen Frauen nach der Schlacht:
„Die Männer des Quraish-Stammes waren erschöpft nach diesem
Erfolg, an den sie selbst nicht mehr geglaubt hatten. Jetzt war die
Stunde der Frauen gekommen. Sie verstümmelten die Leichen der
gefallenen Moslems durch Abschneiden von Nasen, Ohren und
Geschlechtsteilen. Die Leichenstücke wurden von den Frauen
getrocknet und später als Schmuckstücke um Hals und Arme
getragen. Es gab auch noch weitere Verstümmelungen“. Weiter
berichtete er: „Hint, die Frau des quraishitishen Kommandeurs Abu
Suyan, riss einem Toten die Leber heraus und biss hinein. Sie galt
fortan bei den Moslems als besonders scheussliches Beispiel einer
Feindin der wahren Religion“.
Tilman Nagel dagegen berichtet auf Seite
355 davon, dass Wahsi, ein abessinischer Sklave den Onkel
Mohammeds, Hamza Abdallmuttalib, tötete und ihm die Leber aus dem
Körper trennte.]
Ein Überlieferer
berichtete mir:
„Die Fahne lag am Boden, bis Amra, die Tochter
des Alqama, sie für die Quraish wieder aufhob und diese sich um
sie scharten. Der letzte, der sie davor gehalten hatte, war Suab, ein
abessinischer Sklave. Er kämpfte, bis ihm die Hände
abgeschlagen wurden. Er beugte sich über die Fahne nieder und
hielt sie zwischen Brust und Hals, bis er, Gott um Vergebung bittend,
getötet wurde.
Nachdem die Muslime von ihrer Deckung
entblößt waren, fügte ihnen der Feind große
Verluste zu. Es war ein Tag der
150
Heimsuchung und Prüfung, an den Gott
viele Muslime mit dem Märtyrertod ehrte. Schließlich drangen
die Feinde bis in die Nähe des Propheten vor. Er wurde von einem
Stein getroffen und fiel auf die Seite. Dabei verlor er einen seiner
Schneidezähne und wurde im Gesicht und an der Lippe verletzt.
Humaid, genannt der
Lange, erzählte mir von Anas ibn Malik folgendes:
In der Schlacht von Uhud verlor der Prophet
einen Schneidezahn und wurde im Gesicht verwundet. [Jetzt weiß
ich auch, warum man Mohammed immer nur mit geschlossenem Mund
zeichnet.] Als ihm das Blut über das Antlitz rann und er es
abwischte, sprach er: „Wie kann ein Volk gedeihen, dass seinen
Propheten das Gesicht mit Blut färbt, während er es zum
Glauben an den Herrn aufruft!“ Gott offenbarte darüber den
Koranvers: „Es ist nicht deine Sache, ob er ihnen vergibt oder sie
bestraft. Es sind Frevler (Sure 3,128).
[Gerhard Konzelmann beschreibt die Situation
in seinem Buch auf Seite 141 wie folgt: „Ehe die Bogenschützen
begriffen was vorging, waren sie schon von den angreifenden Reitern
erschlagen. Was Mohammed hatte verhindern wollen, das traf ein: Die
gegnerische Reiterei befand sich im Rücken der Moslems. Da gab es
keine Kampfeslinie mehr um den Feind aufzuhalten. Die Quraish-Reiter
waren überall und trieben die Moslemgruppen auseinander. Als dann
noch der Schrei zu hören war „Mohammed ist tot!“ da brach der
Widerstand zusammen. Die Moslems flohen ohne Besinnung in Richtung
Medina. Niemand besaß die Kraft, sie aufzuhalten.
Mohammed war aber nicht tot. Er war nur
verwundet und blutete. Das Visier seines Gesichtsschutzes war ihm in
dem Mund gedrungen und hatte ihm die Schneidezähne ausgebrochen.
Die Überlieferungen sind sich nicht einig, ob Mohammed von einem
Schwertstreich oder von einem Steingeschoß getroffen worden war.
Mit Hilfe seiner Begleiter gelang ihm die Flucht auf die Anhöhe
des Hügels Uhud. Seine Korpulenz, so wird von den frühen
Chronisten ganz ehrlich berichtet, sei ihm dabei sehr hinderlich
gewesen.“
Tilman Nagel schreibt auf Seite
356: „Als man die Muslime endlich darauf aufmerksam gemacht hatte,
dass Mohammed noch lebte, war es mit dem kopflosen Flüchten
vorbei, aber eine Wende vermochte man dem Kampf nicht mehr zu geben.
Statt den Sieg zu nutzen, zogen sich die Mekkaner zurück und
verschafften den Muslimen dadurch die Gelegenheit, ihre Kräfte zu
sammeln und den Abrückenden zu folgen.]
Hussain ibn
Abdarrahman erzählte mir von Mahmud ibn Amr:
Als die Feinde den Propheten zu
überwältigen suchten, rief dieser aus: „Wer opfert sich
für uns?“ Ziyad ibn Sakan machte sich mit fünf anderen
Helfern auf und kämpfte für den Propheten, bis einer nach dem
anderen fiel und schließlich nur noch Ziyad übrig war. Er
kämpfte allein weiter, bis es ihm seine Wunden verboten. Da kehrte
eine Gruppe Muslime zurück und vertrieb die Gegner. Der Prophet
ließ ihn zu sich bringen und sein Haupt auf sein Bein legen. In
dieser Haltung starb er.
Der erste, der nach der Niederlage und dem
Gerücht, der Prophet sei gefallen, diesen erkannte, war Kab ibn
Malik. „Ich erkannte ihn“, so erzählte er später, „an seinen
Augen, die unter dem Helm hervorleuchteten. Ich rief so laut ich
konnte: „O ihr Muslime, seid frohen Mutes! Dies ist der Gesandte
Gottes!“ Der Prophet indes gab mir ein Zeichen, still zu sein. Nachdem
die Muslime alle den Propheten erkannt hatten, trugen sie ihn hinauf
zur Schlucht. Bei ihm waren Abu Bakr, Umar, Ali, Talha, Zubair und
einige andere Muslime. Am Eingang
151
der Schlucht entfernte sich Ali, füllte
am Brunnen sein Schild mit Wasser und brachte es dem Propheten zu
trinken. Dieser fand es jedoch zu übelriechend, so dass er nicht
davon trank und sich nur das Blut vom Gesicht wusch. Er goß sich
das Wasser über den Kopf und sprach dabei: „Gewaltig ist Gottes
Zorn gegen den, der das Gesicht des Propheten bluten ließ!“
Während der Prophet mit seinen Gefährten in der Schlucht war,
kam plötzlich eine Gruppe Quraishiten den Berg herauf und der
Prophet warnte: „O Gott! Sie dürfen nicht höher kommen als
wir!“
Sogleich stellte sich Umar mit einigen anderen
Auswanderern den Quraish kämpfend entgegen und trieb sie wieder
den Berg hinab. Der Prophet selbst versuchte, am Berg auf einen Felsen
zu steigen, doch hatte ihn sein Alter korpulent werden lassen, so dass
er mit seinen beiden Panzern nicht hinaufkam. Da kauerte sich Talha
nieder und hob den Propheten hoch, bis er bequem oben sass. „Talha hat
sich damit das Paradies verdient“, sprach darauf der Prophet.
Asim ibn Umar
erzählte mir von Mahmud ibn Labid folgendes:
Als der Prophet nach Uhud zog, suchten
inzwischen Husail ibn Djabar und Tabit ibn Waqsh mit den Frauen und
Kindern Schutz in den Verteidigungsburgen von Medina. Dort unterhielten
sich die beiden Männer und der eine sagte zum anderen: „Was soll
das? Worauf warten wir? Keiner von uns hat noch länger zu leben
als ein Esel trinkt. Wir werden ohnehin heute oder morgen sterben.
Warum nehmen wir nicht gleich unsere Schwerter und folgen dem
Propheten? Vielleicht wird Gott uns den Märtyrertod an seiner
Seite schenken.“
Sie griffen sich ihre Schwerter, machten sich
auf den Weg und mischten sich, ohne dass man sie erkannte, unter die
Kämpfer. Den Thalid erschlugen die Heiden, während Husail den
Schwertern der Muslime zum Opfer fiel, die ihn nicht als einen von
ihnen erkannt hatten. Da rief sein Sohn Hudhaifa: „Das ist mein Vater!“
Bei Gott, wir wussten es nicht“, erwiderten sie
wahrheitsgemäß und Hudhaifa sprach: „Gott möge euch
vergeben, denn er ist der Allbarmherzige.“ Der Prophet wollte dem
Hudhaifa die Blutschuld für seinen Vater bezahlen, doch Hudhaifa
spendete sie als Almosen für die Muslime, was ihn in des Propheten
Gunst noch steigen ließ.
Salih ibn Kaisan
überlieferte mir folgendes:
Hind, die Tochter des bei Badr gefallenen Utba
und die sie begleitenden Frauen verstümmelten die Leichen der
gefallenen Prophetengefährten und schnitten ihnen Ohren und Nasen
ab. Hind machte Fußreifen und Armbänder daraus und schenkte
sie Washi, den Sklaven des Djubair. Hamza dem Oheim des Propheten, den
Washi getötet hatte, schnitt sie die Leber aus, kaute sie, konnte
sie aber nicht hinuterschlingen und warf sie weg. Dann stieg sie auf
einen hohen Felsen und schrie, so laut sie konnte:
Wir haben euch zurückgezahlt die
Badr-Schlacht,
denn jeder zweite Krieg noch größre Glut entfacht.
Utbas Tod ließ mich nicht ruhen eine Nacht;
auch Sohn und Bruder hattet ihr mir umgebracht.
Den Durst hab' ich gestillt und wahr den Schwur gemacht.
Du, Washi, hast mit Kühlung mir mein Herz bedacht.
Dir gebührt mein Dank, solang in mir ein Leben wacht,
bis meine Knochen faulen in des Grabes Schacht.
Auch die folgenden Verse sprach Hind:
In Uhud hab' ich die Rache an Hamza
gefunden,
Hab' ihm die Leber aus seinem Körper gewunden.
Dies hat mich von heftiger Trauer entbunden,
die mir gar schmerzlich und lange das Herz hat geschunden.
Wie Löwen oder wie eisiger Regen in Winterstunden
kommt der Krieg über euch mit Tod und mit Wunden.
Bevor Abu Sufyan mit den Quraish das Schlachtfeld
verließ, stieg er auf den Berg und rief mit lauter Stimme:
153
„Ihr habt vorzüglich gekämpft! Im
Krieg wird eine Schlacht durch die nächste vergolten. Zeige deine
Überlegenheit, Hubal!“ [Hubal war der Hauptgott der
Quraishiten, dessen aus rotem Karneol (Schmuckstein) gefertigtes Bild
in der Kaaba stand.]
Der Prophet ließ Umar darauf mit den Worten erwidern:
„Gott ist erhabener und mächtiger als der Götze Hubal21.1.
Wir sind nicht gleich. Unsere Toten sind im Paradies, die euren in der
Hölle!“ Auf diese Antwort hin bat Abu Sufyan den Umar, zu ihm
herüberzukommen. Der Prophet riet Umar, zu ihm zu gehen. Bei ihm
angekommen fragte ihn Abu Sufyan: „Haben wir Muhammad getötet?“
„Bei Gott, nein! Er kann sogar hören, was du gerade gesagt hast“,
entgegnete ihm Umar und Abu Sufyan fuhr fort: „Ich glaube dir mehr als
Ibn Qamia.“ Ibn Qamia hatte gegenüber den Quraish behauptet, er
habe Muhammad getötet. Dann rief Abu Sufyan zu den Muslimen
hinüber: „Es gab Verstümmelungen an euren Gefallenen.
Wahrlich, mir ist das weder recht noch unrecht und ich habe es weder
verboten noch befohlen.“ Und als er mit seinen Leuten abzog, rief er
den Muslimen noch zu: „Nächstes Jahr treffen wir uns wieder bei
Badr.“
21.1[Zu diesem ganzen religiösen Fanatismus fallen mir
eigentlich nur die Worte des britischen Autors Richard Dawkins ein, der
in seinem Buch Der Gotteswahn schrieb: „Der Gott
des Alten Testaments ist die unangenehmste Gestalt der gesamten
Dichtung: eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein
kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontroll-Freak; ein
rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein
frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinds- und
völkermörderischer, ekliger, größenwahnsinniger,
sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“ Trifft dies nicht
nicht mehr oder weniger auf alle Religionen zu? Und dann auch noch die
kindliche Vorstellung, die einen seien in der Hölle und die
anderen im Himmel.
Oder
die fanatische Vorstellung, man käme durch den Märtyrertod
direkt ins Paradies. Wie verblendet und naiv muss man eigentlich sein,
um an einen solchen Unsinn zu glauben? Dr. Heinz Gstrein,
Präsident der Arbeitsgemeinschaft Orthodoxer Kirchen in der
Schweiz, sagte am 6. Juni 2009 in einem Vortrag: „Auch wir Christen
sind nicht frei von blutrünstigen Verirrungen. Unsere Kreuzritter
haben wie heute die islamischen Selbstmordattentäter geglaubt,
dass ihnen als Lohn der Himmel verheißen ist.“ Religionen
funktionieren scheinbar immer nach demselben Prinzip. Aber zum
Glück haben die Christen aus ihren Fehlern gelernt. Auch dem Islam
wird dieser Lernprozess nicht erspart bleiben.
Bei
dieser Gelegenheit möchte ich noch ein paar Anmerkungen zu den
Vorstellungen des Paradieses machen, wie es im Koran und in den
Hadithen beschrieben wird:
Im Paradies fließen „Ströme von Wasser, Milch,
Wein und Honig“ (Sure 47,15). Die Gläubigen tragen schöne
Gewänder aus Brokat und Seide (Sure 35,33) und sind mit
Goldschmuck geschmückt (Sure 18,31; Sure 76,21) Sie haben
„Armringe aus Gold“ und „sind mit Perlen geschmückt“ (Sure 35,33)
Auf Polstern, die mit Gold durchwoben sind, lehnen (sie)
auf diesen einander gegenüber. Bedient werden sie von
Jünglingen, die nicht altern, mit Humpen und Kannen (voll Wein)
und einem Becher (voll) von Quellwasser (zum Beimischen), (mit einem
Getränk) von dem sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken werden,
und (mit allerlei) Früchten, was (immer) sie wünschen, und
Fleisch von Geflügel, wonach (immer) sie Lust haben. Und
großäugige Huris (Paradiesjungfrauen) haben sie zu ihrer
Verfügung, (in ihrer Schönheit) wohlverwahrten Perlen zu
vergleichen.
Und die zur Rechten - was (wißt ihr) von denen, die zur
Rechten sein werden? Sie befinden sich an Lotusbäumen, die
der Dornen entblößt sind, und dicht (mit Laub) besetzten
Akazien (bzw. Bananenbäumen), in weit reichendem Schatten, an
Wasser, das sich (über das Erdreich) ergießt, mit vielen
Früchten, (die sie) ununterbrochen und unbehindert (zu ihrer
Verfügung haben), und dick gepolsterten Betten. (Und Huris stehen
zu ihren Diensten.) Wir haben sie regelrecht geschaffen und sie zu
Jungfrauen gemacht, heiß liebend und gleichaltrig. (Sure 56,15-38)
„Wir geben ihnen
großäugige Huris als Gattinnen“ (Sure 52,20).
„Darinnen befinden
sich auch, die Augen sittsam niedergeschlagen, weibliche Wesen, die vor
ihnen weder Mensch noch Dschinn (Geister) entjungfert hat.“ (Sure
55,56).
„Sie sind so
strahlend schön, wie wenn sie aus Hyazinth und Korallen
wären“ (Sure 55,57)
„Houris, in den
Zelten abgesperrt ... die vor ihnen weder Mensch noch Dschinn
entjungfert hat.“ (Sure 55,72-74)
„Die
Gottesfürchtigen dagegen haben große Glück zu erwarten,
Gärten und Weinstöcke, gleichaltrige Houris mit schwellenden
Brüsten ...“ (Sure 78,31-33)
„Huri“ oder „Houri“
ist von dem arabischen Begriff „hur“ abgeleitet und bedeutet:
„diejenigen, in deren Augen das Weiße und das Schwarze stark
hervortreten“. Mit diesem Ausdruck wird auf die besondere
Schönheit dieser Frauen hingewiesen. Diese paradiesische Frauen
werden keinen anderen Mann anblicken als ihren Gemahl und sie werden in
ihren Zelten zurückgezogen leben.
Nach der
Überlieferung von Abu Musa sollen den Muslim im Paradies 72
Jungfrauen erwarten (Lexikon des Islam, Fourier Verlag, Wiesbaden,
vgl. auch Mishkat 3. Kapitel):
Dass es sich nicht um die Ehefrauen handelt, deuten
verschiedene Aspekte an:
„Wir haben sie
regelrecht geschaffen und sie zu Jungfrauen gemacht ... heiß
liebend und gleichaltrig“ (56,35-37),
„mit schwellenden
Brüsten“ (78,33),
„Hyazinthen und
Korallen vergleichbar“ (55,58),
„die vor ihnen weder
Mensch noch Dschinn (Geister) entjungfert haben“ (55,56).
Quelle: Paradiesvorstellungen
und Koran
Sure 56
Der Wiener Philosoph, Buchautor und
Theaterwissenschaftler Thomas Maul sagte in seiner Rede auf der „Kritischen Islamkonferenz 2008“ wohl
zu recht: „Der Islam ist eine Ideologie, die existentiell auf Koitus
und Gewalt gründet.“]
Der
Prophet ließ durch einen seiner Gefährten seine Zustimmung
dazu bekunden. Dann schickte er Ali hinter den Mekkanern her und trug
ihm auf: „Folge ihnen und achte darauf, was sie tun und was sie
vorhaben! Wenn sie auf ihren Kamelen reiten und die Pferde seitlich
mitführen, wollen sie nach Mekka zurückkehren. Reiten sie
aber auf den Pferden und führen die Kamele, wollen sie nach
Medina. Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, wenn sie letzteres
beabsichtigen, werde ich gegen sie ziehen und mit ihnen kämpfen!“
Als
Ali zurückkehrte, berichtete er, dass sie die Pferde führten
und auf den Kamelen ritten und in Richtung Mekka zögen, Der
Prophet, so wurde mir überliefert, machte sich danach auf der
Suche nach [seinem Onkel] Hamza und fand ihn im Grunde des Wadis, die
Leber aus dem Körper gerissen, verstümmelt und ohne Nase und
Ohren. Als er dies sah sprach er: „Wäre es nicht wegen der Trauer
seiner Schwester Safiya und weil es nach meinem Tod Sitte werden
könnte, ich würde ihn
154
so
liegen lassen als Nahrung für die wilden Tiere und die Vögel.
Wahrlich wenn Gott mir eines Tages den Sieg über die Quraish
schenkt, werde ich dreißig Männer von ihnen
verstümmeln!“
Und
die Muslime schworen, als sie die Trauer und den Zorn des Propheten auf
die Mörder seines Oheims bemerkten: „Bei Gott, wenn Gott uns eines
Tages über sie siegen lässt, werden wir sie verstümmeln,
wie noch nie ein Araber jemanden verstümmelt hat.“
Buraida ibn Sufyan berichtete mir von Muhammad ibn
Kab folgendes; das gleiche erfuhr ich von einem anderen
vertrauenswürdigen Überlieferer, der sich auf die Aussagen
Ibn Abbas stützte:
Über
die Drohungen des Propheten und seiner Gefährten sandte Gott den
Koranvers herab: „Wenn ihr straft, so straft, wie man euch gestraft
hat! Wenn ihr aber geduldig seid, ist es besser für euch. Sei
geduldig! Durch Gott wirst du geduldig sein. Sei nicht traurig
über sie und lass dich durch die Ränke, die sie schmieden,
nicht bedrücken!“ (Sure 16,126)
Da
verzieh ihnen der Prophet, war geduldig und verbot das
Verstümmeln. Sodann wollten die Leute ihre Gefallenen nach Medina
bringen, um sie dort zu bestatten. Doch der Prophet verwehrte es ihnen
und befahl sie dort zu begraben, wo sie gefallen waren.
Zuhri berichtetet mir von Udhri, einem Bundesgenossen
der Sippe Zuhra:
Als
der Prophet über die Gefallenen von Uhud blickte, sprach er: „Ich
bezeuge für sie, dass jeder, der um Gottes Willen verwundet wurde,
am Tag der Auferstehung auferweckt wird mit rot blutenden und nach
Moschus duftenden Wunden. Seht, wer von ihnen am meisten aus dem Koran
beherrschte und legt ihm im Grab jeweils vor die anderen.“
Sie
bestatteten jeweils zwei und drei Männer zusammen. Die Schlacht
von Uhud fand am Samstag in der Mitte des Monats Shawwal (im Jahre 3)
statt. Es
war ein Tag der Heimsuchung, des Unglücks und der Prüfung,
mit dem Gott die Gäubigen auf die Probe stellte und die Heuchler
in Versuchung führte,
155
die
ihren Glauben nur mit der Zunge bekannten, ihren Unglauben aber im
Herzen verbargen. Und es war ein Tag, an dem Gott diejenigen mit dem
Märtyrertod auszeichnete, die er damit ehren wollte. Insgeamt
wurden in der Schlacht von Uhud 65 Muslime getötet, sowohl
Auswanderer wie Helfer. Von den Ungläubigen fielen 20 Männer.
45. Gedichte über die Schlacht von Uhud Top
Zu den Gedichten, die über die Schlacht von Uhud
verfasst wurden, gehören die folgenden Verse des Kab ibn Malik, in
denen er Hamza und andere bei Uhud gefallenen Muslime beweinte:
Du weinst und möchtest doch nur
weiter klagen
und die Erinnerung dir nicht versagen
an jene Männer, deren Kunde dich er-
reichte, in diesen gar verdrehten Tagen;
die Erinn'rung lässt dein Herz erbeben,
aus Sehnsucht und aus Trauer ganz verzagen.
Indes, die Toten werden hochgeehrt in
sel'gen Gärten droben mit Gelagen
für das, was an des Wadis Ufer unter
dem Prophetenbanner sie ertragen
haben an dem Morgen, da die Aus und Khaz-
radj nahmen ihre Schwerter ohne Klagen.
Die Gefolgschaft des Gepriesnen war entschlossen,
für die klare Wahrheit jeden Kampf zu wagen,
und sie ließ nicht nach, umringt von Staubeswolken,
auf den kühnen Gegner einzuschlagen,
bis der König sie zu jenen Gärten rief,
an deren Eingang hoch die dichten Bäume ragen.
Alle starben und bestanden ihre Prüfung,
ohne ihrem Glauben zu entsagen:
so hat mit seinem scharfen Schwerte Hamza
156
in der Schlacht getreu die Pflicht getragen;
es traf von Naufal ihn der große Sklave
so wie dunkle Dromedare alle überragen,
und er konnte ihn die flammengleiche
helle Lanze durch den Körper jagen.
Auch Numan erfüllte sein Versprechen,
und auch Hanzala tat nie verzagen
an die Wahrheit, bis sein Geist zu einer
prächtgen goldnen Wohnstatt ward getragen.
Eure Toten aber, ihr Quraish, sie wer-
den in der tiefsten Hölle brennend klagen.
Der
gleiche Dichter drückte seine Trauer über den Tod Hamzas auch
mit folgenden Versen aus, in denen er Safiya, Hamzas Schwester,
anspricht:
Auf, Safiya, sei nicht schwach und
laß die
Frauen ihre Klagen über Hamza mehren!
Laß nicht nach im Weinen über diesen
Löwen Gottes in den kampfgeprüften Heeren.
Er war die Stärke für unsre Waisen, der
wie der Leu (Löwe) es verstand, im Kampf sich zu wehren,
dem Prophet zu gefallen und um den
mächtigen Herrn des Thrones zu ehren.
Auf der Gegenseite pries Amr ibn As den Sieg
der Quraish bei Uhud mit folgenden Worten:
Gleich einem um den Berg gewundnen
Gürtel ist das Heer,
aus unfruchtbarer Wüste kommend, gegen euch geritten.
Dort wünschte sich der Stamm Nadjjar in seiner Dummheit,
uns zu treffen; manchmal gehen in Erfüllung solche Bitten!
Nichts schreckte sie in ihrem Übel, außer dass auf einmal
aus der
Schlucht von uns die Reiterscharen eilends vorwärtsschritten.
Sie wollten unsre Zelte plündern, noch bevor sie sie
erreichten, brenned heiße Hiebe auf sie niederglitten;
und es blieben liegen dort vom Stamme Khazradj
Männerköpfe wie Melonenscheiben aufgeschnitten.
157
Ja, schon immer haben wir verteidigt
unsre Zelte
und schon manche haben unter unsrem Zorn gelitten.
46. Der Kampf am Brunnen von Mauna im
Februar 626 Top
Der Prophet blieb den Rest des Monats Shawwal
sowie die Monate Dhu l-Qada, Dhu l–Hidjja und Muharram in Medina. Vier
Monate nach der Niederlage von Uhud schickte er dann jene Gruppe von
Gefährten auf den Weg, die am Brunnen von Mauna niedergemetzelt
wurden.
Über diese
Vorgänge habe ich von meinem Vater Ishaq, von Abdallah ibn abi
Bakr und von anderen Gelehrten die folgende Darstellung erhalten. Mein
Vater stützte sich dabei auf die Aussagen des Mughira, des Sohnes
des Andarrahman:
Abu l-Bara, genannt der „Speerspieler“, kam
eines Tages zum Propheten nach Medina, der ihm den Islam erklärte
und ihn einlud, sich dazu zu bekehren. Abu l-Bara nahm den Islam zwar
nicht an, war in seiner Einstellung jedoch nicht mehr weit davon
entfernt und sprach: „Muhammad, wenn du einige deiner Gefährten zu
den Bewohnern des Nadjd (Nadschd) [etwa 600 km nordöstlich von
Medina] schickst und diese zur Bekehrung aufforderst, werden sie, so
glaube ich, den Islam annehmen.“ „Ich fürchte, sie werden meine
Männer töten“, entgegnete der Prophet, doch Abu l-Bara fuhr
fort: „Ich garantiere für ihre Sicherheit. Schicke sie nur los und
lasse sie bei den Bewohnern für deine Sache werben!“
Da sandte der Prophet den Mundhir ibn Amr,
genannt „Der-schnell-den-Tod-sucht“, einen Bruder des Stammes Saida,
zusammen mit 40 Gefährten aus der Reihe der besten Muslime. Sie
zogen los, bis sie den Brunnen von Mauna in der Gegend zwischen dem
Gebiet des Stammes Amir und der Lavawüste des Stammes Sulaim
erreichten und haltmachten. Von dort schickten sie den Haram ibn Milham
mit einem Schreiben des
158
Propheten zu Amir ibn Tufail, dem „Feind
Gottes“. Dieser sah sich den Brief jedoch nicht einmal an, sondern
stürzte sich sogleich auf Haram und tötete ihn. Dann rief er
die Banu Amir gegen die Prophetengefährten zur Hilfe, doch
weigerten sich diese mit dem Argument, sie wollten das
Schutzversprechen, das Abu l-Bara ihnen abgenommen hatte, nicht
verletzen.
Darauf wandte er sich an die Usayya, Ril und
Dhakwan, Untergruppen des Stammes Sulaim, um Unterstützung. Diese
kamen seinem Wunsch nach. Sie zogen zu den Muslimen und umringten sie
an ihrem Lagerplatz. Als diese die Angreifer bemerkten, ergriffen sie
ihre Schwerter und kämpften, bis sie alle, außer Kab ibn
Zaid, den Tod gefunden hatten. Diesen ließen sie mit einem
letzten Funken Leben im Körper liegen. Schwer verwundet fand man
ihn dann später unter den toten Muslimen. Er lebte noch bis zur
Grabenschlacht [im Jahre 627 in Medina], in der er als Märtyrer
fiel.
Amr ibn Umayya und ein Helfer vom Stamme Amr
waren während des Kampfes mit den Kamelen der Muslime auf der
Weide und erst die über das Lager kreisenden Vögel
kündeten ihnen von dem Unheil, dass ihre Gefährten getroffen
hatte. „Bei Gott, diese Vögel bedeuten Schlimmes!“ sagten sie und
begaben sich zurück, um nachzusehen. Da lagen ihre Gefährten
im Blut, und die Reiterschar, die sie getötet hatte, hielt noch
daneben.
„Was meinst du, sollen wir tun?“, fragte der
Helfer den Amr ibn Umayya: „Ich glaube, wir sollten zum Propheten
zurückkehren und ihm erzählen, was geschehen ist.“ „Ich kann
mich nicht von einem Ort entfernen, an dem Mundhir getötet wurde
und möchte nicht, dass man so etwas von mir erzählt.“ Mit
diesen Worten begann der Helfer zu kämpfen, bis er fiel. Den Amr
ibn Umayya nahmen sie gefangen, doch ließ ihn Amir ibn Tufail
wieder frei, als er ihm erzählte, dass er zum Stammesverband der
Mudar gehörte. Er schnitt ihm nur die Stirnlocke21.2 ab und entließ ihn aufgrund eines Gelübdes seiner
Mutter, so behauptete er, die sich zur Freilassung eines Gefangenen
verpflichtet hatte.
21.2[Das Abschneiden der Sirnlocke war nicht nur ein Zeichen der
Erniedrigung, sondern die Stirnlocke hatte eine religiöse
Bedeutung. Tilman Nahel schreibt auf Seite
552, dass man während der Regierungszeit des zweiten Kalifen
Umar ibn al-Chattab (634-644) allen Christen die Stirnlocke abschnitt,
um ihren minderen machtlosen Rang sichtbar zu machen. Siehe
auch Der
unselige Pakt von Umar]
159
Amr ibn Umayya machte sich auf den
Rückweg. Bei Qarqara, am Anfang des Wadi Qanat, tauchten zwei
Männer von Stamme Amir auf und lagerten mit Ibn Umayya im
Schatten. Die beiden Amiriten waren mit dem Propheten durch ein
Schutzversprechen verbunden, wovon Ibn Umayya aber nichts wusste. Er
hatte sie nach ihrer Stammeszugehörigkeit gefragt und erfahren,
dass sie zu den Amir gehörten. Er wartete, bis sie schliefen. Dann
stürzte er sich auf sie und brachte sie um. Dabei war er im
Glauben, er hätte damit die Ermordung der Prophetengefährten
gerächt.
Zurück in Medina erzählte er dem Propheten, was
geschehen war, doch dieser rief aus: „Du hast zwei Männer
getötet, für die ich nun die Blutschuld bezahlen muss.“ Und
er fuhr fort: „An diesem ganzen Unternehmen ist Abu l-Bara schuld. Ich
selbst wollte es nicht und habe solch einen Ausgang befürchtet.“
Als Abu l-Bara davon erfuhr, dass Amir ibn Tufail sein
Versprechen ihm gegenüber nicht gehalten hatte und dass nun
seinetwegen so viele Gefährten des Propheten den Tod gefunden
hatten, bedrückte ihn dies sehr.
47. Die Vertreibung der Banu Nadir
[August 625 n. Chr.] Top
[Die Vertreibung des jüdischen Stammes der Banu Nadir
aus Medina fand im August 625 n. Chr. statt. Zuvor gab es aber noch
zwei Ereignisse, die nicht in der (meiner) Prophetenbiographie
erwähnt werden. Im Juli 624 gab es eine Auseinandersetzung mit den
arabischen Stämmen der Banu Sulaim und Banu Gatafan. Ausserdem
ließ Mohammed einen erneuten Karawanenüberfall
ausführen. Tilman Nagel berichtet auf Seite
353 von folgenden Ereignissen:
„Anfang Juli 624 wurde in Medina bekannt, dass sich etwa 200
km südöstlich an der von Mekka nach as-Sam führenden
Pilgerstraße die Banu Sulaim und die Banu Gatafan
zusammenrotteten. Das konnte angesichts des Kriegszustandes nichts
gutes bedeuten. Mohammed eilte mit Tempo in jene Gegend, traf dort aber
nur große Viehherden und etliche Hirten an. Deren Stammesgenossen
hatten sich zum Wasserholen entfernt. Die Zahl der Kamele, die Mohammed
in die Hände fielen, waren so hoch, dass nach der Einbehaltung des
für ihn selber bestimmten Beutefünftels, jeder der etwa 200
„Gläubigen“ um sieben Tiere reicher war. (Es waren insgesamt also
1.750 Kamele, wovon Mohammed 350 Kamele erhielt.) Es lohnte sich
mithin, für die Sache des Ialams zu kämpfen.
Die Küstenstraße nach as-Sam war für die
Handelskarawanen nicht mehr nutzbar, seit Mohammed die dort lebenden
Stämme zu Bündnispartnern gewonnen hatte. Jetzt schnitt er
auch die Inlandsroute nach Norden ab. Es blieb den Mekkanern nichts
anderes als das Wagnis einzugehen, die Wüstengebiete, die man
gewöhnlich mied, zu durchqueren. Überdies war dieser Weg
nicht im Sommer gangbar, der seit alters her üblichen Zeit der
Karawanan nach as-Sam, sondern nur im Winter. Safwan ibn Umaija aber
wollte sich auf das Risiko einlassen. In Medina erfuhren die Banu Nadir
von dieser Unternehmung und durch einen Zuträger gelangte die
Neuigkeit auch zu Mohammed. Dieser schickte seinen Sklaven Zaid ibn
Harita mit 100 Mann los. Die Karawane wurde gestellt und ausgeraubt.
Das Beutefünftel (für Mohammed) belief sich auf 20.000
Silberdirhem, woraus sich errechnen lässt, dass auf jeden
Beteiligten ein hübsches Sümmchen entfiel.“]
Nun zurück zur Vertreibung des jüdischen Stammes
der Banu Nadir aus Medina.
Yazid, der Sohn Rumans, berichtete
mir über die Vertreibung des Stammes der Nadir folgendes:
Sodann begab sich der Prophet zu dem jüdischen Stamm der
Banu Nadir. Er wollte sie bitten, ihm bei der Bezahlung der Blutschuld
für jene beiden Männer zu helfen, die Amr ibn Umayya zuvor
umgebracht hatte. Muhammad war dazu verpflichtet, da ihn mit den beiden
Ermordeten ein Schutzversprechen verbunden hatte. Andererseits waren
die beiden Stämme, Nadir und Amr Bundesgenossen. Als der Prophet
nun mit seiner Bitte zu den Banu Nadir kam, erklärten sie sich
bereit, ihm zu helfen. Dann zogen sie sich zur Beratung zurück und
sprachen zueinander:
160
„In eine so günstige Lage bekommen wir diesen Mann nie
wieder“, der Prophet saß nämlich neben der Wand eines ihrer
Häuser. „Wer steigt also auf das Haus, wirft einen Stein auf ihn
und befreit uns von ihm?“
Einer von ihnen, Amr ibn Djihash, erklärte sich dazu
bereit und stieg auf das Haus, um einen Stein auf den Propheten zu
schleudern. Dieser saß dort mit einigen seiner Gefährten,
darunter Abu Bakr, Umar und Ali, als ihn eine Botschaft vom Himmel
erreichte, in der ihm das Vorhaben jener Leute geoffenbart wurde. Er
machte sich deshalb sogleich auf den Rückweg nach Medina, ohne
aber seinen Gefährten davon etwas gesagt zu haben. Diese warteten
bei den Banu Nadir auf ihn, und als es ihnen zu lange wurde, suchten
sie ihn. Ein Mann, der gerade aus Medina kam, erzählte ihnen
schließlich, er habe den Propheten in die Stadt kommen sehen. Sie
folgten ihm dorthin und als sie ihn erreichten, berichtete er ihnen von
dem Verrat., den die Juden gegen ihn geplant hatten. Dann ließ er
zum Krieg gegen sie rüsten, zog mit den Männern los und fiel
über die Banu Nadir her. Es war dies im Monat Rabi I..
[Schauen wir einmal, wie Gerhard Konzelmann
den Vorfall bei den Banu Nadir in seinem Buch auf Seite 129 schildert:
„Die an Zahl noch immer starke jüdische Bevölkerungsgruppe in
Medina entschloss sich nach dem Mord an Kab ibn al-Aschraf21.3, das Verhältnis zwischen Juden und Moslems durch einen
Vertrag zu regeln, der Pflichten und Rechte genau ordnen sollte.
Mohammed nahm die Breitschaft der jüdischen Führer,
künftig enger mit ihm zusammenzuarbeiten, entgegen. Der Fortgang
der Ereignisse zeigte aber, dass ihm der Wille zur dauerhaften
Kooperation mangelte.
21.3[Timan Nagel schildert den Mord an Kab ibn al-Aschraf auf Seite 347 wie folgt: „Wer schafft mir Kab ibn
al-Aschraf vom Hals?“ soll Mohammed seine Anhänger gefragt haben.
Muhammad ibn Maslama, ein Eidgenosse der aussitischen Banu Abd al-Ashal
war zu dem Verbrechen bereit. Ihm schlossen sich weitere drei
Mitglieder dieser Sippe an sowie ein ausitischer Schwager Muhammad ibn
Maslamas. Sad ibn Muad, jener Mann von den Banu Abd al Ashal, der dem
Propheten auf dem Zug in die Schlacht die Loyalität der Helfer
zugesichert hatte, wurde von Mohammed zum Anführer des
Mordunternehmens ernannt. Die Zugehörigkeit zum Islam vermag jede
frühere Verbindung zu trennen, und dies muss unter Beweis gestellt
werden... Das liegt auf der gleichen Linie wie die vorhin notierte
gefühllose Abkehr von engsten Verwandten, die sich nicht Mohammed
anschlossen.
In einer Mondnacht im Rabi al-auwal (begannen am 22. August
624) machten sich die von höchster Stelle autorisierten
Mörder auf den Weg. Am Wohnort des Opfers angekommen, lockten sie
ihn heraus, versprachen mit ihm den Rest der Nacht in geselliger Runde
zu verbringen. Kab, arglos wie er war, folgte ihnen. „Wunderbar
parfümierte Haare hast du!“ sagte der, der Kab am vertrautetsten
war, und fuhr ihm immer wieder mit der Hand durch die dichten Locken.
Plötzlich packte er fest zu und schrie: „Tötet den Feind
Allahs!“ Die anderen schlugen mit dem Schwert auf Kab ein. Doch weil
dieser sich an den heimtückischen Freund klammerte, zeigten die
Hiebe nicht die erhoffte Wirkung. Muhammad ibn Maslama nahm ein langes,
am Ende zugespitztes Eisen, das er mit sich führte, und trieb es
dem Verletzten in den Bauchnabel bis tief in den Leib hinein. Da
kreischte der Feind Allahs auf und oben auf den Wohntürmen der
Juden entzündete man Feuer.“
Kabs abgetrennten Kopf schleppten die Verbrechen zu Mohammed.
Sobald sie sich dessen Wohnsitz genähert hatten und in Sicherheit
waren, riefen sie: „Allahu akbar!“ und der Prophet unterbrach sein
rituelles Nachtgebet: „Allahu akbar!“ „Glücklich seien eure
Gesichter!“ begrüßte er sie. „Und das deinige, Gesandter
Allahs!“ erwiderten sie und warfen ihm den Kopf vor die
Füße. Da pries er Allah für den Tod Kabs, dann spie
(spuckte) er in die Wunde des verletzten Mörders, und sie
verheilte. Dies ist, was al-Waqidi über jene gräßliche
Untat zu berichten weiß.
Im Hause des Ramla Bat Harith nahm Mohammed
den Banu Nadir die Verpflichtung ab, nie wieder die Muslime zu
kritisieren, sofern sie sich das Schicksal von Kab ibn al-Aschraf*
ersparen wollten und fortan hüteten und ängsteten sie sich.
Sie waren seit dessen Ermordung erniedrigt. (siehe Tilman Nagel Seite 352)
*Zuvor hatte man bereits die jüdische
Dichterin Asma Bat Marwan (Merwan) vom Stamme der Banu Omejja und den
Dichter Abu Afak vom Stamme der Banu Obeida auf Geheiß Mohammeds
töten lassen. (siehe: Auftragsmorde)
Konzelmann weiter auf Seite 129: „Etwa ein
Jahr nach dem Mord an den jüdischen Satiriker Kab
ibn al-Aschraf (vom Stamme der Banu Nadir) brach Mohammed mit der
jüdischen Sippe der Banu Nadir Streit vom Zaun. Dieser Sippe hatte
die Mutter des Kab angehört; zu ihr hatte sich auch Kab selbst
bekannt. Um das Blutgeld für einen Erschlagenen aufbringen zu
können; Mohammeds Anhänger
waren in vielerlei Fehden verwickelt, forderte Mohammed der
kooperationsbereiten Großfamilie der Banu Nadir einen
beachtlichen Betrag ab. Die Juden fragten sich, warum sie mehr zahlen
sollten, als die Moslems in Medina. Sie luden zu Verhandlungen ein.
Die Gespräche fanden im Schatten eines Lehmhauses statt.
Mohammed und die übrigen Mitglieder der Moslemdelegation
saßen mit dem Rücken an die Hauswand gelehnt. Die
jüdischen Verhandlungspartner entschuldigten sich plötzlich
für die Unhöflichkeit, die Gäste allein lassen zu
müssen, doch sei es ihre Pflicht, für ein ordentliches
Festmahl zu sorgen. Mohammed und die Seinen fanden es merkwürdig,
dass ihre Gegenüber verschwunden waren. Dieses Benehmen war
jedenfalls ungewöhnlich. Schließlich stand Mohammed auf und
verschwand zwischen den Häusern. Als er nicht wiederkam entfernten
sich auch die übrigen Moslems nach und nach. Von den Juden hatte
sich keiner mehr blicken lassen.“
Was ist von Mohammeds Offenbarung zu halten? Natürlich
hat es keine himmlische Offenbarung gegeben. Es stellt sich vielmehr
die Frage, ob er die Differenzen, die es bei der Frage nach dem
Blutgeld mit den Banu Nadir gab, nutzen wollte, sich ein für alle
mal des jüdischen Stammes zu entledigen? War es also von
vornherein Mohammeds Absicht, die Banu Nadir aus Medina zu vertreiben?]
Mohammed belagerte die Banu Nadir 6 Tage lang. Danach
erfolgte die Offenbarung des Weinverbots. Die Juden hatten sich in
ihren Bergen vor ihm verschanzt. Als der Prophet darauf befahl, ihre
Palmen abzuschlagen und Feuer daran zu legen21.4, riefen sie
ihm zu: „O Muhammad! Du hast bisher mutwillige Zerstörungen
verboten und alle die getadelt, die sie durchführten. Wie kommt es
dann, dass du unsere Palmen abschlägst und verbrennst?“
21.4[Gerhard Konzelmann schreibt hierzu auf Seite
131: „Das wichtigste, was der Stamm al Nadir besaß, waren die
Palmengärten. Mit Entsetzen sahen die Juden, wie dieser stolze
Besitz in sturer Gründlichkeit zerstört wurde. Etwas
derartiges hatte sich in Arabien bisher noch nicht ereignet. Die Palmen
galten fast als heilig. Doch nicht aus religiösen Gründen
wurden sie respektiert, sondern weil sie als Spender von Nahrung
unersetzlich waren. Die lange Zeit, die sie zum Wachstum
benötigten, machten sie wertvoll. Kein Angreifer hatte jemals so
barbarisch gehandelt und hatte solche Pflanzen zerstört.. Zwischen
den Völkern Arabiens galt die Absprache, Palmenhaine unangetastet
zu lassen. Mohammed war vorzuwerfen, dass er die Zerstörung der
Dattelpalmen kaltblütig und mit Vorbedacht befahl.]
Unter den Banu Auf, einer Untergruppe der medinensischen
Khazradj, gab es einige Männer, darunter den Feind Gottes Abdallah
ibn Ubayy, Wadia, Malik ibn abi Qauqal, Suwaid und Dais, die den Banu
Nadir hatten folgendes ausrichten lassen: „Haltet stand und verteidigt
euch. Wir werden euch nicht aufgeben. Kämpft man gegen euch,
werden wir auf eurer Seite kämpfen, vertreibt man euch, ziehen wir
mit euch weg.“
Die Nadir erwarteten diese versprochene Hilfe, doch jene
taten nichts. Da erfüllte Gott ihre Herzen mit Schrecken und sie
baten den Propheten, er möge sie vertreiben, ihnen aber ihr Leben
lassen und ihnen erlauben, so viel von ihrem Besitz mitzu-
161
nehmen, wie die Kamele tragen konnten, außer ihre
Waffen. Der Prophet war damit einverstanden. Sie schleppten alles fort,
was die Kamele zu tragen imstande waren. Es gab sogar einige, die ihre
Häuser bis zum Oberbalken der Tür zerstörten, diesen auf
den Rücken eines Kameles luden und damit wegzogen. Sie begaben
sich nach Khaibar (Kheibar oder Chaibar liegt etwa 150 km nördlich
von Medina.), einige auch nach Syrien. Unter ihren Adligen, die nach
Khaibar gingen, waren Sallam, Kinana und Huyayy. Nachdem sie sich in
Khaibar angesiedelt hatten21.5, unterwarf sich ihnen die
dortige Bevölkerung.
21.5[In Khaibar wurden sie allerdings zwei Jahre später, im
Juni 628, erneut von Mohammed überfallen. Sie duften danach zwar
weiterhin dort leben, mussten aber zukünftig die Hälfte ihrer
wirtschaftlichen Erträge an die Moslems abliefern. Mohammeds Nachfolger,
der Kalif Umar ibn al-Chattab, hingegen vertrieb die Juden 642 n. Chr
ganz von der arabischen Halbinsel. Legitimiert wurde dies durch einen
Hadith (einem Ausspruch Mohammeds), den Mohammed kurz vor seinem Tod
geäußert haben soll: „Es gibt keine Koexistenz zweier
Religionen auf der arabischen Halbinsel.“ (siehe: Zug
nach Chaibar)]
Abdallah, der Sohn des Abu Bakr, erzählte mir,
dass ihm folgendes berichtet wurde:
Mit
Kind und Kegel zogen sie davon. Pfeifen und Tamburine hatten sie bei
sich und Sängerinnen zogen spielend hinter ihnen drein. Mit einem
solchen Prunk und einem solchen Stolz, machten sie sich auf den Weg,
wie man es damals bei noch keinem Stamm jemals gesehen hatte. Den
übrigen Besitz ließen sie dem Propheten zurück. Es
wurde sein persönliches Gut, über das er verfügen
konnte, wie er wollte. Er verteilte es unter die ersten Auswanderer.
Von den Helfern erhielten lediglich Sahl ibn Hunaif und Abu Dudjana
etwas, die über Armut klagten. Nur zwei Männer des Stammes
Nadir wurden Muslime, jedoch alleine, um ihren Besitz zu retten.
[Und
wiederum fiel erhebliche Beute an. „Nur zwei Juden erkauften durch
Annahme des Islam die Rückgabe ihrer Besitzungen. Das übrige
Land erklärte Mohammed, weil es nicht durch offenen Kampf, sondern
durch Vertrag erworben war, nicht zur Beute der Muslime, sondern als
sein Eigentum und verteilte es unter die mekkanischen Flüchtlinge,
welche so auf einmal wohlhabende Grundbesitzer wurden.“ (Nöldeke,
Geschichte des Korans,
Seite 113) Ein unmittelbarer logischer Zusammenhang zwischen dem
Umstand, daß Beute durch Vertrag gemacht wird und nicht „zu Ross
und Kamel“ und der Tatsache, dass Mohammed deshalb die ganze Beute
für sich beanspruchte, ist nicht ersichtlich. Trotzdem ordnete
Allah dieses Verteilungsverfahren in Sure 59,6-8 an und in der Hadith
Muslim B 19 N 4347 erlangte es Gesetzescharakter. (Quelle: Vertreibung der Banu Nadir)
Gerhard
Konzelmann spricht auf Seite 132 dvon, dass 1.000 Juden des Stammes al
Nadir Medina verließen. Trotz der Vernichtungsaktion während
der Belagerung, waren noch Tausende von Palmen erhalten geblieben. Sie
stellten einen gewaltigen Reichtum dar und waren jetzt Bestandteil der
Beute. Die Banu Nadir konnten ihr bewegliches Eigentum mitnehmen, nur
Waffen, sowie Gold und Silber mussten sie zurücklassen. Da der
Stamm über 600 Kamele verfügte, gelang es ihm vieles von
seiner Habe zu retten. Die Lastkamele wurden auch mit Bauholz beladen,
dass die Männer von al Nadir aus ihren Lehmhütten rissen. Die
Moslems sahen mit Unbehagen, wie sich die Beute verminderte.]
Die
gesamte Sure „Die Versammlung“ (Sure 59) wurde über die Banu Nadir
geoffenbart. Darin wird geschildert, mit welcher Strafe sie Gott
heimsuchte, wie er seinem Propheten Macht über sie gab und was er
mit ihnen tat.
48. Der Feldzug von Dhat ar-Riqa [Mai 626] Top
Nach dem Zug gegen die Banu Nadir blieb der Prophet den Monat
Rabi II. Und einen Teil vom Djumada (im Jahre 4) in Medina. Sodann
begab er sich auf den Feldzug in den Nadjd gegen die Banu Muharib und
die Banu Thalaba, zwei Unterstämme des Großverbandes der
Gatafan. Er rückte bis Nakhl
162
vor, wo er auf eine große Menge der Gatafan
stieß. Beide Seiten näherten sich einander, es kam jedoch
nicht zum Kampf, da jeder den Gegner fürchtete Schliesslich betete
der Prophet das Gebet der Furcht22 und zog mit seinen Leuten wieder ab.
22Das Gebet der Furcht wird in
der Koransure 4,101-103 beschrieben. Bei Bedrohung kann das Gebet
gruppenweise verrichtet werden, wobei eine Gruppe die Waffen
bereithält, während eine andere betet. Auch kann in solchen
Fällen das Gebet verkürzt werden.
Der Feldzug wurde Dhat ar-Riqa genannt, weil sie während
des Zuges ihre Fahnen mit Flicken (riqa) ausbesserten. Nach anderen
Überlieferern erhielt der Feldzug diesen Namen nach einem dort
stehenden Baum, den man so nannte.
Amr ibn Ubaid überlieferte mir
von Hasan, der sich wieder auf Djabir ibn Abdallah stützte,
folgendes:
Ein Mann vom Stamme Muharib, namens Gharath, fragte seine
Stammesgefährten von Gatafan und Muharib: „Soll ich euch nicht
Muhammad töten?“ „Doch, aber wie willst du das anstellen?“
entgegneten sie ihm. „Indem ich ihn meuchlings ermorde.“ Ghaurath begab
sich zum Propheten, der am Boden saß und sein Schwert auf dem
Schoß liegen hatte und fragte ihn: „Muhammad, darf ich mir einmal
dein Schwert betrachten?“ Der Prophet bejahte. Ghaurath nahm das
Schwert, zog es aus der Scheide und begann, es zu schwingen, um ihn zu
erschlagen, doch Gott hielt ihn davon zurück. Dann fragte
Ghaurath: „Muhammad, hast du denn keine Angst von mir?“ „Nein“,
antwortete der Prophet, „weshalb sollte ich denn vor dir Angst haben?“
„Fürchtest du mich denn nicht, wenn ich das Schwert in der Hand
halte?“ „Nein, Gott wird mich vor dir schützen.“ Da gab Ghaurath
dem Propheten das Schwert zurück.
[So langsam wirken die übernatürlichen Kräfte,
die Mohammed angeblich beschützen, ein wenig abgenutzt. Um so
häufiger man sie erwähnt, um so unglaubwürdiger werden
sie.]
Gott aber offenbarte: „Ihr Gläubigen! Gedenket der
Gnade, die Gott euch erwiesen hat, als gewisse Leute ihre Hand nach
euch ausstrecken wollten, worauf er ihre Hand von euch
zurückhielt. Und fürchtet Gott! Auf Gott sollen die
Gläubigen immer vertrauen.“ (Sure 5,11)
Yazid ibn Ruman überlieferte mir, dass dieser Koranvers
über Amr ibn Djihash, den Bruder des Stammes Nadir und seine
Mordabsichten geoffenbart wurde. Gott weiß am besten, welche
Version richtig ist.
163
49. Der letzte Feldzug nach Badr
[August 626] Top
Nachdem der Prophet vom Riqa-Feldzug nach Medina
zurückgekehrt war, verbrachte er dort den Rest des Monats Djumada
I., sowie die Monate Djumada II. und Rajab. Im Shaban zog er
dann nach Badr, um sich, wie verabredet, mit Abu Sufyan erneut zur
Schlacht zu treffen. Er wartete dort 8 Nächte auf ihn. Abu Sufyan
war mit seinen Mekkanern nur bis Madjanna im Gebiet von Zahren oder bis
nach Usfan gekommen und entschied sich dann zur Rückkehr. Seinen
Mekkanern erklärte er dies mit den Worten: „Männer von
Quraish! Für uns ist nur ein fruchtbares Jahr günstig, wenn
wir unser Vieh die Sträucher abweiden lassen und selbst
genügend Milch trinken können. Diese Jahr aber ist zu
trocken. Ich kehre deshalb um und bitte euch, mir zu folgen.“
So kehrten die Quraish wieder zurück. Die Mekkaner
nannten dieses ihr Heer das „Brei-Heer“, indem sie behaupteten, sie
seien nur ausgezogen, um Brei zu essen.
Der Prophet begab sich wieder nach Medina und blieb dort, bis
der Monat Dhu l-Hidjja im Jahre 4 seiner Ankunft nach
Medina vorüber war. Sodann unternahm er einen Feldzug nach Dumat
al-Djandal, kehrte jedoch um, ohne den Ort erreicht und ohne einen
Kampf geführt zu haben und blieb den Rest des Jahres (5) in Medina.
50. Die Grabenschlacht [April 627] Top
Die Grabenschlacht fand im Monat Shawwal des Jahres 5 statt.
Yazid ibn Ruman, ein
vertrauenswürdiger Überlieferer, hat mir, gestützt auf
Abdallah ibn Kab, Muhammad ibn Kab, Zuhri, Asim, Abdallah ibn abi Bakr
und andere Gelehrte, von der Grabenschlacht berichtet, wobei der eine
den anderen ergänzte:
Eine Gruppe von Juden, darunter die Nadiriten Sallam, Huyayy
und Kinana sowie die Wailiten Haudha und Abu Ammar, zogen zusammen mit
anderen Angehörigen der Stämme Nadir und Wail, die sich auf
die Gegenseite des Propheten gestellt hatten, zu den Quraish nach
Mekka. Dort riefen sie zum Krieg gegen den Propheten auf und sprachen:
„Wir werden euch im Kampf gegen ihn beistehen, bis wir ihn völlig
vernichtet haben.“
[Tilman Nagel beschreibt die Situation auf Seite
366 wie folgt: „Nach wie vor sahen sich er [Mohammed] und seine
„Gläubigen“ von einem Zusammengehen der Mekkaner mit den Juden
nördlich von Medina bedroht. Gerade letztere [die Juden]
würden, das stand nach der Vertreibung der Banu n-Nadir
außer Frage, alles daransetzen, die Macht jenes
Emporkömmlings einzudämmen. Ebensowenig konnte man daran
zweifeln, dass ein Krieg gegen Mohammed nur dann zu gewinnen war, wenn
man die Banu Gatafan und die Banu Sulaim an sich band. Wie schon
erwähnt hatten sich nach der Absage der Revancheschlacht von Badr
einige Juden der Banu n-Nadir sowie der Hanife Abu Amir und ein Aussite
[vom Stamme der Banu Aus] aus dem Mohammed ablehnenden Sippenverband
der Banu Wail zu Abu Sufyan [nach Mekka] begeben, um darüber zu
beratschlagen, wie man den gemeinsamen Feind bezwingen könne.
Die jüdischen und die aussitischen Bündnisbewerber
waren aus Mekka zu den Banu Gatafan weitergezogen. Ihnen versprachen
sie, wie wir schon wissen, eine Jahresernte Datteln der [vorwiegend von
Juden besiedelten] Oase Kheibar. Auch die Quraishiten trachteten fremde
Stämme für ihre Sache zu gewinnen und forderten überdies
die Ababis auf, sich zum Feldzug gegen Medina zu sammeln. Eine kleine
Gruppe Huzaiten hatte die Vorbereitungen der Mekkaner beobachtet und
war zu Mohammed geeilt, um ihn zu warnen.
Durch die schlimmen Erfahrungen von Uhud gewitzt, entschied
er sich diesmal auf einen Angriff zu verzichten. Stattdessen sah man
sich im Oasengebiet [von Medina] nach einem Gelände um, dass man
leicht zur Verteidigung herrichten konnte. Als geeigneter erschien ein
Terrain südlich des Berges Sal. Den Berg im Rücken hob man in
aller Eile einen Graben aus, der einen großen Teil des „unteren“
Medina sicherte. Das sich südlich daran anschließende
„obere“ Medina, Quba und die [jüdischen] Siedlungsbebiete der Banu
n-Nadir sowie der Banu Quraiza, blieben notgedrungen ungeschützt.
Die Banu Quraiza, der letzte jüdische Stamm in Medina, lieh den
Muslimen die so dringend benötigten Hacken, Schaufeln und
Tragekörbe. Unentwegt trieb Mohammed seine Mannen zur Arbeit an,
denn man wusste inzwischen, dass die Feinde ein beeindruckendes Heer
von 10.000 Kämpfern zusammengebracht hatten, darunter eine starke
Reiterei.
Schauen wir uns einmal an, wie Gerhard Konzelmann die
Situation auf Seite 148 beschreibt: „Die Breitschaft zum Krieg wuchs
schließlich in Mekka. Die herrschende Schicht der Kaufleute war
daran interessiert, dass wieder normale Verhältnisse auf den
Karawanenrouten herrschten. Doch sie kalkulierten ihre
Kampfesstärke und begannen wieder zu zweifeln. Mit 3.000 Kriegern
waren sie bei Uhud gerade noch gegen 700 Moslems erfolgreich gewesen.
Sie rechneten sich ihre Chanchen im kommenden Konflikt aus.
Wahrscheinlich war, dass alle Ansar (Helfer) beim Angriff auf der Seite
des Propheten stehen würden. Für diesen Fall mussten die
Quraish vorsorgen. 10.000 Mann, darin waren sich alle einig, wurden bei
diesem Feldzug benötigt. Sie selbst besaßen nicht
genügend Männer, um auch nur ein Viertel dieser
Kampfesstärke stellen zu können.
Mitglieder der jüdischen Stämme übernahmen die
Anwerbung von Truppen im Namen der Stadt Mekka. Mit der Handelsstadt
als zentralen Partner bildete sich eine Koalition unterschiedlicher
Verbündeter, die nur vom Willen zusammengehalten wurden,
möglichst viel Beute zu machen. Den Kämpfern aus den
Beduinenstämmen war es gleichgültig, welche Ideologie in
Medina geglaubt wurde. Sie waren auch nicht durch Parolen von der
Freiheit der Karawanenwege zu beeindrucken. Sie suchten nur eine
möglichst bequeme Gelegenheit zum Plündern. Im Februar des
Jahres 627 (n. Chr.) brach das Zehntausendmannheer vom Sammelplatz bei
Mekka auf.“
wikipedia.org
berichtet über die Vorgeschichte zur Grabenschlacht: „Die Mekkaner
hatten schon zwei Jahre zuvor, nach der Schlacht von Uhud, begonnen,
sich auf einen Angriff auf Medina vorzubereiten und gewannen dabei die
Unterstützung mehrerer Stämme. Am Ende hatten sie eine Armee
von etwa 10.000 beziehungsweise 7.500 Mann mit 600 Pferden
zusammengebracht. Allerdings hatte Mohammed, dem etwa 3.000 Mann zur
Verfügung standen, das Getreide im Norden der Oase schon
abgeerntet, so dass bei ihrer Ankunft das Viehfutter für die
mekkanischen Kavallerie schnell knapp wurde. Als er den unmittelbar
bevorstehenden Aufbruch der feindlichen Armee aus Mekka erfahren hatte,
befahl Mohammed derweil seinen Anhängern, einen Graben auszuheben.
Nach sechs Tagen waren die Arbeiten an diesem Graben, an denen sich
Mohammed persönlich beteiligt hatte, beendet.“]
Nun zurück zur Prophetenbiographie Ibn Ishaqs:
„O ihr Juden“, erwiderten die Quraish, „ihr seid das Volk mit
der ersten Schrift und wisst, worüber wir uns mit Muhammad
zerstritten haben. Welche Religion ist nun besser, die unsere oder die
seine?“ „Eure Religion ist besser als die seine und ihr seid im Recht,
nicht er“, gaben ihnen die Juden zur Antwort. Über sie hat Gott
die Koranverse geoffenbart: „Hast du nicht jene gesehen, die einen
Anteil an der Schrift erhalten haben? Sie glauben an Götzen und
falsche Gottheiten und sagen über die, die ungläubig sind:
„Die da sind eher auf dem rechten Weg als die Gläubigen.“ Das sind
diejenigen, die Gott verflucht hat. Und wen Gott verflucht, für
den findest du keine Helfer. [... usw. bis zu dem Vers:] Oder beneiden
sie etwa die Leute wegen dessen, was Gott ihnen von seiner Huld gegeben
hat? Wir haben der Sippe Abrahams die Schrift und die Weisheit gegeben
und ihnen gewaltige Herrschaft verliehen. Und nun glauben die einen von
ihnen daran, während die anderen ihre Mitmenschen davon abhielten.
Die Hölle wird schlimm genug brennen.“ (Sure 4,51-55)
165
Die Quraish freuten sich über die Worte der Juden,
nahmen eilfertig den Gedanken vom Krieg gegen Muhammad, wozu die Juden
sie aufgefordert hatten, an, sammelten sich und trafen ihre Absprachen.
Dann begaben sich die Juden auch zu den Ghatafan, forderten sie
ebenfalls zum Kampf gegen den Propheten auf, bekundeten ihnen ihre
Unterstützung und berichteten ihnen, dass die Quraish ihrer
Aufforderung bereits nachgekommen seien. So schlossen sich ihnen auch
die Ghatafan an.
[Mir kommt die Auseinandersetzung um die richtige Religion so
vor, als würden sich zwei Kinder darüber streiten, wer den
rechten Glauben hat. Jeder meint, im Besitz der Wahrheit zu sein.
Ebenso kindisch erscheint mir die Vorstellung der Hölle.
Außerdem geht es der Prophetenbiographie wohl auch darum, die
Schuld für den Grabenkrieg den Juden und den Quraish anzulasten.
Realität ist aber, dass sowohl die Quraish als auch die Juden
allen Grund hatten, sich von Mohammed bedroht zu fühlen.
Schliesslich hatte Mohammed mehrfach quraishitische Karawanen
überfallen, mehrere jüdische Kritiker ermorden lassen und die
jüdischen Stämme der Banu Qainuqa und Banu Nadir aus Medina
vertrieben. Ist es da angesichts der weiterhin zu befürchtenden
Übergriffe Mohammeds gegen die Quraish und gegen die Juden,
verwunderlich, wenn sie gemeinsam darüber nachsinnen, wie man sich
dieser Gefahr entledigen kann? Offensichtlich war es angesichts der
Tatsache, dass sich das gemeinsame Heiligtum der Mekkaner und der
Moslems, nämlich die Kaaba, in Mekka befand, von vornherein
Mohammeds Absicht, Mekka zu erobern, um sie zur heiligen Stadt der
Muslime zu machen.]
Dieser Vers wurde über diejenigen Muslime herabgesandt,
die das Gute beachteten und wünschten und die Gott und seinem
Propheten gehorchten. Über die Heuchler aber, die sich ohne
Erlaubnis des Propheten von ihrer Arbeit davonstahlen, sprach Gott:
166
„Einen Aufruf des Gesandten dürft ihr unter euch nicht
bewerten, wie wenn einer von euch einen anderen aufruft. Gott kennt
schon diejenigen von euch, die sich wegstehlen, um sich in Sicherheit
zu bringen. Diejenigen, die Schwierigkeiten machen, indem sie sich von
einer Sache zurückziehen, sollen sich in acht nehmen, dass nicht
eine Prüfung oder schmerzhafte Sache über sie kommt!.
Gehört nicht alles, was im Himmel und auf Erden ist, Gott? Er
kennt schon den Zustand, in dem ihr euch befindet, d. h. ob ihr
lügt oder die Wahrheit sagt. Und am Tag, da sie zu ihm
zurückgebracht werden, wird er ihnen dann Kunde geben, über
das, was sie getan haben. Gott weiß alles:“ (Sure 24,63-64)
Über die Arbeiten am Graben habe ich manche
Erzählungen gehört, in denen Gott Beispiele geboten hat
für die Rechtfertigung des Propheten und für die
Bestätigung seiner Prophetenschaft, Dinge, die die Muslime mit
eigenen Augen sahen. [Nun folgen einige der „Wunder“, die Mohammed
während der Grabenschlacht vollbracht haben soll.] Eine dieser
Erzählungen ist die folgende, die Djabir ibn Abdallah
überlieferte: An einer Stelle des Grabens bereitete ihnen einmal
ein gewaltiger Felsbrockeen große Mühe und sie klagten es
dem Propheten. Da ließ er sich einen Behälter voll Wasser
bringen, spie hinein, betete sodann, wie Gott es von ihm wünschte
und besprengte den Felsen mit dem Wasser. Die Anwesenden berichteten
später: „Bei dem, der ihn als Propheten mit der Wahrheit gesandt
hat, der Fels zerfiel wie zu Sand und leistete Hacken und Schaufeln
keinen Widerstand mehr.“
Die folgenden Begebenheiten
berichtete mir Daid ibn Mina, der wieder von jemandem anderen
gehört hatte, dass eine Tochter des Bashir ibn Sad erzählte:
Meine Mutter Amra bint Rawaha rief mich zu sich, legte mir
eine Handvoll Datteln in mein Gewand und sprach: „Bringe deinem Vater
und deinem Onkel das Essen!“ Ich nahm die Datteln und ging. Als ich auf
der Suche nach den beiden beim Propheten vorbeikam, sagte er: „Komm
her, Mädchen, was hast du da?“ „O Gesandter Gottes, dies sind
Datteln, mit denen mich meine Mutter zu meinem Vater und zu meinem
Oheim schickt, damit sie sie essen.“
167
„Gib sie mir“, forderte mich der Prophet auf. Ich
schüttete sie ihm in die Hände, doch waren es so wenige, dass
sie sie nicht einmal ausfüllten. Dann ließ er ein Gewand
ausbreiten, schüttete die Datteln darauf, so dass sie sich auf dem
Gewand verteilten und befahl einem seiner Begleiter, unter den Leuten
am Graben auszurufen, sie sollten zum Essen kommen. Alle liefen herbei
und begannen die Früchte zu verzehren. Die Datteln vermehrten sich
aber immer weiter, so dass sie, als die Männer wieder weggingen,
immer noch vom Rande des Gewandes fielen.
[Jesus soll ja auch etliche Wunder vollbracht
haben, meint jedenfalls das Neue Testament. Dazu gehört z. B. der
wunderbare Fischfang auf dem See Gennesaret, bei dem die Apostel Simon,
Jakob, Johannes und die Söhnes des Zebedäus auf Anraten Jesus
zum Fischen hinaus in den See fuhren, und so viele Fische fingen, dass
das Volk, welches gekommen war, um das „Wort Gottes“ zu hören,
gesättigt wurde, nachdem sie zuvor die ganze Nacht gefischt hatten
und nicht einen einzigen Fisch gefangen hatten. (Lukas 5,1-12) Da
wollte Mohammed wohl nicht hintenanstehen und der islamische
Volksglaube, der dem Christentum in dieser Beziehung sicherlich in
nichts nachsteht, erfand ebenso Wunder, wie dies einige Jahrhunderte
zuvor im Christentum geschehen war.]
Salman, der Perser, erzählte,
wie mir berichtet wurde, folgendes:
„Ich arbeitete an einer Stelle des Grabens, wo mir ein Felsen
sehr zu schaffen machte. Der Prophet war in meiner Nähe und als er
sah, wie schwer ich mich tat, stieg er zu mir herab, nahm mir die Hacke
aus der Hand und hieb damit dreimal auf den Felsen, wobei jedesmal ein
Lichtstrahl aufleuchtete. Ich fragte ihn: „O Gesandter Gottes, der du
mir teurer bist als Vater und Mutter, was ist das, was ich unter der
Hacke aufleuchten sehe, wenn du damit zuschlägst?“ „Hast du dies
denn wirklich gesehn, Salman?“, fragte er mich zurück und als ich
bejahte, sprach er: „Dass erste Aufleuchten bedeutet, dass Gott mir den
Jemen geöffnet hat, das zweite Syrien und den Westen und das
dritte den Osten.“
[Hier kommen allmählich Mohammeds Überlegungen zum
Ausdruck, nicht nur die Herrschaft über die saudi-arabische
Halbinsel zu erlangen, sondern eigentlich die ganze Welt für den
Islam zu erobern.]
Als der Prophet den ganzen Graben fertiggestellt hatte,
rückten die Quraish heran und lagerten mit 10.000 Ahabish [Die
Ahabish war ein ursprünglich gegen die Quraish gebildeter Bund
mehrere kleinere Stämme aus der Umgebung Mekkas. Sie
kämpften aber zusammen mit den Quraish gegen Mohammed.], den Kinana und den
Bewohners des Tieflandes, die ihnen folgten, am Zusammenfluss der
Sturzbäche von Ruma zwischen Djuruf und Zughaba. Auch die Ghatafan
kamen mit den anderen Bewohnern des Nadjd, die ihnen folgten, heran und
lagerten bei Dhanab Naqma in Richtung Uhud. Der Prophet zog mit 2.000
Muslimen vor die Stadt und ließ das Lager errichten. Der Graben
war zwischen ihm und dem Feind. Die Kinder und Frauen ließ er in
Burgen bringen.
Der Gottesfeind Huyayy ibn Akhtab vom jüdischen Stamme
Nadir kam zu Kab ibn Asad von den jüdischen Banu Quraiza,
168
der für seinen Stamm die Verträge schloss und mit
dem Propheten ein Abkommen vereinbart hatte. Als Kab, die Stimme des
Huyayy vor der Burg hörte, schloß er vor ihm das Tor. Huyayy
bat um die Erlaubnis, eintreten zu dürfen, doch weigerte sich Kab,
ihm zu öffnen. Huyayy rief: „Wehe dir, Kab, mach mir auf!“ „Wehe
dir, Huyayy!“ erwiderte Kab, „du bist ein Mann von schlechtem
Vorzeichen. Ich habe mit Mohammed einen Vertrag geschlossen und werde
diesen nicht brechen, denn ich habe nur Treue und Aufrichtigkeit an ihm
gesehen.“
„Öffne mir, dann kann ich mit dir reden!“ „Nein, ich
werde es nicht tun!“ „Du sperrst mich doch nur aus, weil du Angst hast,
ich könnte dir etwas von deinem Weizenbrei wegessen.“ Dies machte
Kab wütend und er öffnete dem Huyayy das Tor. Dann sprach
dieser: „Wehe dir, Kab, ich habe dir ewigen Ruhm und ein Meer von
Kriegern gebracht. Mit den Quraish, ihren Führern und Herren bin
ich gekommen und habe sie am Zusammenfluss der Bäche von Ruma
lagern lassen, und ebenso mit den Gatafan, ihren Führern und
Herren, die ich bei Dhanab Naqma in Richtung Uhud habe halt machen
lassen. Sie haben mit mir ein Bündnis geschlossen und mit fest
versprochen, dass sie solange kämpfen werden, bis wir Muhammad und
seine Anhänger völlig vernichtet haben.“
„Nein, Huyayy! Du hast mir vielmehr ewige Schmach gebracht und
eine leere Wolke, die ihr Wasser vergossen hat und die trotz Blitz und
Donner nichts enthält. Lass mich in Frieden und versuche nicht,
mich von meinem Versprechen abzubringen, denn ich habe an Muhammad
immer nur Ehrlichkeit und Treue gesehen.“ Huyayy indes bedrängte
Kab so lange, bis er ihm das Versprechen abnahm, er werde, wenn die
Quraish und Ghatafan, ohne Muhammad getötet zu haben,
zurückkehren müssten, ihn mit in seine Burg nehmen und mit
ihm zusammen sein Schicksal erwarten. Damit hatte aber Kab seine
Abmachung mit dem Propheten gebrochen und das Versprechen, das sie
verband, gelöst.
Als Muhammad und die Muslime von dieser Entwicklung erfuhren,
schickte er den damaligen Führer des Stammes Aus, Sad
169
ibn Muradh und den Führer der Khazradj, Sad ibn Ubada,
zusammen mit zwei anderen Gefährten los und trugen ihnen auf: Geht
und seht nach, ob es wahr ist, was wir erfahren haben. Wenn es richtig
ist, gebt mir in rätselhafter Form Bescheid, so dass ich es
verstehe, aber entmutigt nicht die Leute. Halten sie dagegen treu zu
unserer Vereinbarung, so macht es öffentlich bekannt!“
Sie gingen zu den Juden, fanden diese aber in einer noch
übleren Einstellung gegenüber dem Propheten, als sie zuvor
erfahren hatten. „Wer ist der Gesandte Gottes“, sprachen sie, „wir
haben keine Abmachung mit ihm.“ Sad ibn Muadh in seinem
leidenschaftlichen Ungestüm beschimpfte sich mit ihnen, doch Sad
ibn Ubada hielt ihn mit den Worten zurück: „Hör auf, sie zu
beschimpfen. Das, was uns von ihnen trennt, lässt sich nicht durch
Schmähungen bereinigen.“
Die beiden Sads kehrten mit ihren Begleitern zum Propheten
zurück, grüßten ihn und sprachen: „Abdal und Qara!“
womit sie auf den Verrat von Abdal und Qara anspielten, den diese einst
an den Männern von Radji, Khubaib und seinen Freunden begannen
hatten. Der Prophet aber rief: „Allahu Akbar! Seid frohen Mutes, ihr
Muslime!“
Die Lage wurde für die Muslime immer ernster und sie
hatten große Angst. Die Feinde drängten sie von oben und
unten, bis die Gläubigen zu zweifeln begannen und bei einigen
Heuchlern der Unglaube offen zutage trat. So sprach etwa Muattib ibn
Qushair, ein Bruder des Stammes Amr ibn Auf: „Muhammad versprach uns,
dass wir die Schätze Chosroes [Chosroe oder Chosrau, war
von 531 bis zu seinem Tod 579 persischer Großkönig.] und Caesars aufzehren werden; dabei kann heute keiner von
uns sicher auf den Abtritt [auf die Toilette] gehen.“ Und Aus ibn
Qaiza, einer vom Stamme Haritha wandte sich vor einer großen
Menge von Männern seines Stammes mit den Worten an den Propheten:
„O Gesandter Gottes, unsere Häuser sind vor dem Feinde
entblößt. Erlaube uns deshalb, dass wir zu unseren
Gehöften zurückkehren, denn diese liegen außerhalb
Medinas.“
170
Der Prophet und die Heiden verharrten über zwanzig Tage
lang, fast einen Monat, in ihren Stellungen, ohne dass es, von einigen
Pfeilschüssen und der Tatsache der Belagerung abgesehen, zu einem
Kampf kam.
Asim und ein anderer
vertrauenswürdiger Überlieferer berichteten mir von Muhammad
ibn Muslim az-Zuhri folgendes:
Als die Lage für die Muslime sich weiter verschlimmerte,
schickte der Prophet zu Uyaina ibn Hisn und Harith ibn Auf, den beiden
Führern der Ghatafan, und bot ihnen ein Drittel des Ernteertrages
von Medina, wenn sie sich mit ihren Leuten zurückzögen. Es
kam zu Friedensverhandlungen und es kam auch zu einem entsprechenden
Dokument, doch war es noch nicht unterzeichnet und der Friede noch
nicht beschlossen, sondern lediglich die gegenseitige Absicht dazu war
bekundet worden. Als der Prophet dann das Abkommen unterzeichnen
wollte, ließ er Sad ibn Muadh und Sad ibn Ubada holen,
erzählte ihnen davon und fragte sie um Rat.
Die beiden erkundigten sich zunächst: „O Gesandter
Gottes, ist dies eine Sache, von der du möchtest, dass wir sie tun
oder ist es ein Befehl Gottes an dich, den wir ausführen
müssen, oder tust du es nur uns zuliebe?“ „Ich tue es nur euch
zuliebe“, entgegnete der Prophet, „ich würde es wahrlich nicht
tun, wenn ich nicht gesehen hätte, wie die Araber wie mit einem
einzigen Bogen auf euch schossen und euch von allen Seiten
bedrängten. Ich möchte für euch etwas von ihrer
Angriffswucht zerbrechen.“
Dem hielt Sad ibn Muadh entgegen: „O Gesandter Gottes,
solange wir mit jenen Leuten zusammen der Vielgötterei und dem
Götzendienst anhingen und wir Gott weder verehrten noch kannten,
hat es sie nicht danach gelüstet, eine einzige Dattel aus Medina
zu verzehren, es sei denn, wir hätten sie ihnen aus
Gastfreundschaft gegeben oder sie ihnen verkauft. Sollen wir ihnen
jetzt unseren Besitz schenken, nachdem uns Gott mit dem Islam
ausgezeichnet, uns auf den rechten Weg geführt und uns durch dich
berühmt gemacht hat? Bei Gott, wir haben dies nicht nötig und
werden ihnen lediglich unser Schwert darreichen, bis Gott zwischen uns
richtet.“
171
„Du sollst es haben“, erwiderte der Prophet und Sad ibn Muadh
ergriff die Urkunde, tilgte die Schrift und sprach: „Nun lasst sie sich
gegen uns mühen!“
Die Belagerung dauerte an, ohe dass es zu einem regelrechten
Kampf kam. Einmal legten jedoch einige Ritter der Quraish ihre
Rüstungen an, machten sich mit ihren Pferden auf den Weg zum Lager
der vebündeten Kinana und riefen: „Auf zum Krieg, ihr Banu Kinana!
Heute sollt ihr sehen, wer die wahren Ritter sind!“ Schnell ritten sie
heran, bis sie am Graben halt machten. Bei seinem Anblick sprachen sie:
„Dies ist wahrlich eine Kriegslist, auf die die Araber bisher noch
nicht gekommen sind.“
[So ganz unbekannt schienen solche Gräben allerdings
nicht zu sein. Bereits im Feldzug von Uhud hatten die mit den Quraish
verbündeten Banu Aus bereits solche Gräben genutzt, um dem
Feind den Angriff zu erschweren. Hierzu schreibt Tilman Nagel auf Seite
356: „In der Tat war er [Mohammed] im Nahkampf schwer am Kopf
getroffen worden und auf die Knie niedergestürzt. Entweder hatte
er sich in einer Bodenvertiefung vor weiteren Hieben schützen
wollen oder aber er war in eines jener Löcher gefallen, die der
Ausite Abu Amir hatte ausheben lassen, um einen Angriff auf die
quraishitischen Stellungen zu verhindern. Bei einer der nächsten
Schlachten wird Mohammed eine ähnliche Krieglist anwenden.“]
Sodann wandten sie sich einer engen Stelle des Grabens zu und
hieben auf die Pferde ein, so dass sie ihn überwanden und in das
sumpfige Gebiet zwischen dem Graben und dem Berg Sal eindrangen.
Sogleich machte sich Ali mit einigen Muslimen auf, um die Lücke,
durch die die Feinde ihre Pferde getrieben hatten, zu sichern.
Unverzüglich stürzten die Reiter der Quraish auf sie zu. Amr
ibn Abdwudd, der in der Schlacht von Badr verwundet worden war und
deshalb nicht an der Schlacht von Uhud teilgenommen hatte, befand sich
unter den Quraish und hatte sich besonders kenntlich gemacht, damit
jeder seinen Rang sehen konnte. Als er mit seinen Reitern vor den
Muslimen anhielt, rief er: „Wer ist zum Zweikampf bereit?“
Ali meldete sich und antwortete ihm: „Amr, du hast einmal
geschworen, du würdest, wenn dich ein Quraishit vor die Wahl
zwischen zwei Dingen stellt, eines davon annehmen?“ „Richtig!“ „So
fordere ich dich denn auf, an Gott, seinen Propheten und an den Islam
zu glauben.“ „Das brauche ich nicht.“ „So fordere ich dich auf,
abzusteigen und zu kämpfen.“ Weshalb, Sohn meines Bruders?
Wahrlich, ich möchte dich nicht töten.“ „Aber ich will dich
töten!“
172
Bei diesen Worten Alis wurde Amr so wütend, dass er sich
von seinem Pferde stürzte, diesem die Beine zerhieb und es auf den
Kopf schlug. Dann trat er auf Ali zu und die beiden umkreisten sich
kämpfend, bis Ali ihn tötete und die anderen Ritter Hals
über Kopf über den Graben flohen. Dazu sprach Ali die Verse:
Für steinerne Götzen hat er in
seiner Torheit gekämpft;
Ich kämpfte für den Herrn des Propheten durch meinen Verstand.
Ich wandte mich ab, nachdem er am Boden dort lag
wie der Zweig einer Palme zwischen Steinen und Sand.
Und ich ließ ihm die Kleider. Wäre ich dort gefallen,
er hätte vom Leib mir gerissen ein jedes Gewand.
Seine Religion, ihr Muslime, wird Gott nie verlassen,
nie wird er nehmen von seinem Propheten die schützende Hand.
Und über Ikrima ibn abi Djahl, der damals, nachdem Amr
gefallen war, seine Lanze wegwarf und floh, spottete Hassan ibn Thabit
mit folgenden Versen:
Ikrima! So wie vielleicht noch nie zuvor
warfst du die Lanze weg und flohst voraus.
Du wandtest dich zur Flucht und ranntest ohne
rechts und links zu blicken, schnell wie Vogel Strauss.
Und dein Rücken glich nicht dem der Menschen:
Wie der Rücken der Hyänen sah er aus.
Wie Gott es im Koran, in Sure 33,10-11, beschrieben hat,
verharrten der Prophet und seine Gefährten in Angt und Not, weil
die Feinde sich gemeinsam gegen sie wandten und sie von oben und unten
bedrängten. Da kam Nuaim ibn Masud vom Stamme Ghatafan zum
Propheten und sprach: „O Gesandter Gottes, ich habe den Islam
angenommen, doch wissen meine Leute nichts davon. Befehle mir nun, was
du willst!“ „Du bist nur ein einzelner Mann unter uns“, erwiderte ihm
der Prophet, „so gehe und suche Zwietracht unter den Gegnern zu
säen, so gut du kannst. Krieg ist nun einmal Betrug.“ [Hier kommt
wieder einmal Mohammeds skrupellose Art zum Vorschein.]
Nuaim begab sich daraufhin zu den [jüdischen] Banu
Quraiza, mit denen er in heidnischer Zeit oft zusammen gezecht hatte,
und sprach:
173
„Ihr
Banu Quraiza! Ihr kennt meine Zuneigung zu euch und
unsere besondere Freundschaft.“ „Ja, wir misstrauen dir nicht“, gaben
sie zurück und er fuhr fort: „Die Quraish und die Ghatafan sind
nicht in derselben Lage wie ihr. Euere Heimat ist Medina. Hier habt ihr
eueren Besitz, eure Kinder und euere Frauen. Ihr könnt Medina
nicht irgendwohin verlassen. Die Quraish und die Ghatafan sind
gekommen, um Muhammad und seine Gefährten zu bekämpfen und
ihr habt ihnen gegen Muhammad geholfen. Dies ist nicht ihr Land. Sie
haben ihren Besitz und ihre Frauen nicht hier und sind deshalb nicht in
der gleichen Lage wie ihr. Sobald sie eine Gelegenheit sehen, werden
sie sie nutzen. Kommt es aber nicht dazu, werden sie in ihre Heimat
zurückkehren und euch mit Muhammad allein lassen, gegen den ihr
dann aber machtlos seid. Kämpft deshalb nicht auf ihrer Seite,
solange ihr nicht einige Adlige von ihnen als Geiseln habt, die in
euren Händen als Sicherheit dafür bleiben, dass sie zusammen
mit euch gegen Muhammad kämpfen werden, bis ihr ihn vernichtet
habt.“„Du hast uns einen vorzüglichen Rat
erteilt“, stimmten
ihm die Banu Quraiza zu.
Dann ging er zu den Quraish und sprach zu Abu
Sufyan und seinen Leuten: „Ihr wisst, wie sehr ich euch zugetan bin und
was mich von Muhammad trennt. Nun habe ich etwas erfahren, dass ich
glaube euch mitteilen zu müssen, um euch zu warnen. Behaltet es
aber für euch.“ Die Quraish sicherten ihm das zu und er fuhr fort:
„Wisst, dass die Juden inzwischen die Gegnerschaft zu Muhammad bereut
und ihm die folgende Botschaft haben zukommen lassen: „Wir bereuen, was
wir getan haben. Möchtest du, dass wir für dich aus den
beiden Stämmem Quraish und Ghatafan einige vornehme Männer
ergreifen und sie dir übergeben, damit du ihnen die Köpfe
abschlagen kannst und wir dann gemeinsam gegen die übrigen ziehen,
bis wir sie vernichtet haben?“ Muhammad hatte ihnen darauf eine
zustimmende Antwort erteilt. Wenn euch die Juden nun um die Stellung
von Bürgern bitten, übergebt ihnen nicht einen einzigen
Mann!“ Schließlich ging er auch noch zu seinem eigenen Stamm, den
Ghatafan, und sprach:
174
„Männer von Ghatafan! Ihr seid mein Ursprung und meine
Sippe! Und ihr seid mir von allen am liebsten. Ich glaube nicht, dass
ihr mir misstraut.“ Sie stimmten ihm zu und versprachen ihm auch,
seinen Rat vertraulich zu behandeln, worauf er ihnen das gleiche
erzählte wie den Quraish und sie ebenso warnte.
In der Nacht zum Sabbat im Monat Shawwal des Jahres 5
bewirkte es Gott dann für seinen Propheten, dass Abu
Sufyan und die Häupter der Ghatafan einige Männer aus ihren
beiden Stämmen zu den Banu Quraiza schickten und diesen folgendes
mitteilen ließen: „Wir haben hier keine feste Wohnstatt und es
verenden uns hier Kamele und Pferde. Macht euch deshalb bereit zum
Kampf, damit wir Muhammad ein für allemal erledigen.“
Die Quraiza gaben ihnen zur Antwort: „Heute ist Sabbat, der
Tag an dem wir nichts tun. [Der Sabbat ist für die Juden ein
Feiertag. Am Sabbat ist es weder erlaubt, zu arbeiten, noch einzukaufen
und erst recht nicht Krieg zu führen.] Es ist euch wohl bekannt,
was einst mit denen geschehen ist, die ihn verletzten. Außerdem
kämpfen wir nicht mit euch gegen Muhammad, solange ihr uns keine
Bürgen stellt, die als Sicherheit so lange in unseren Händen
bleiben, bis wir Muhammad vernichtet haben. Wir fürchten
nämlich, dass ihr, wenn der Krieg zu euren Ungunsten verläuft
und ihr im Kampf in Bedrängnis kommt, schnellstens nach Hause
zurückkehrt und uns hier mit Muhammad alleine lasst, gegen den wir
dann nichts mehr ausrichten können.“
Als die Boten mit der Erklärung der Quraiza
zurückkamen, sprachen die Quraish und die Ghatafan: „Nuaim ibn
Masud hatte wahrscheinlich recht. Lasst uns die Quraiza
benachrichtigen, dass wir ihnen keinen einzigen Mann als Geisel
übergeben werden und dass sie, wenn sie kämpfen wollen, dies
tun sollen.“
Auf diese Antwort der beiden Stämme hin sprachen nun
auch die Banu Quraiza: „Nuaim ibn Masud hat die Wahrheit gesprochen.
Sie wollen nichts als kämpfen und wenn sie eine Gelegenheit sehen,
werden sie sie ergreifen. Geht es aber anders aus, machen sie sich
sofort auf den Heimweg und lassen uns hier mit Muhammad allein.“ Erneut
ließen sie den Quraish und Ghatafan ausrichten, sie würden
erst kämpfen, wenn sie ihnen Geiseln als Bürgen stell-
175
ten. Jene lehnten abermals ab und Gott sähte Zwietracht
unter ihnen. Auch schickte er in den Winternächten einen eiskalten
Wind gegen sie, der ihnen die Kessel umwarf und ihre Zelte wegfliegen
ließ.
Da wandte sich Abu Sufyan an die Quraish und sprach:
„Männer von Quraish! Wir sind hier nicht an einer festen
Wohnstätte. Pferde und Kamele gehen uns ein und die Banu Quraiza
haben ihr Wort gebrochen. Schlimmes haben wir von ihnen erfahren. Auch
seht ihr den heftigen Sturm, der uns keinen Kochkessel, kein Feuer und
kein Zelt mehr lässt. Macht euch auf, ich ziehe ab!“
Darauf schritt er zu seinem Kamel, deren Vorderfüsse
zusammengebunden waren, setzte sich darauf und schlug es, worauf es
sich auf drei Beine erhob. Die Fussfessel wurde ihm erst abgenommen,
als es bereits stand. Die Ghatafan hörten vom Aufbruch der Quraish
und machten sich auch eilends auf den Rückweg in ihre Heimat. Am
nächsten Morgen verließen der Prophet und die Muslime den
Graben, kehrten in die Stadt zurück und legten ihre Waffen ab.
[Nuaim ibn Masud führte diese Intrige
gegen die Banu Quraiza (jüdisch) und die Quraisch (arabisch), die
nichts davon wussten, dass er sich mittlerweile zum Islam bekannte,
offensichtlich auf Anraten Mohammeds durch, um unter ihnen ein
Gefühl des Misstrauens und der Zwietracht zu verbreiten.
Bemerkenswert ist dabei auch die als selbstverständlich
erwähnte Aussage, Mohammed könnte den Adligen der Quraisch
und Ghatafan die Köpfe abschlagen lassen. Würde man so etwas
auch von Jesus und Buddha erwarten? Ich denke nicht. Dies sagt einiges
über den Charakter Mohammeds aus.]
51. Der Angriff auf die Banu Quraiza
[Mai 627] Top
Zur Zeit des Mittagsgebetes kam, wie mir Zuhri berichtete,
Gabriel zum Propheten. Der Engel trug einen Turban aus Brokat und auch
der Sattel des Maultiers, auf dem er ritt, war mit Seidenbrokat
bedeckt. Er fragte den Propheten: „Hast du die Waffen bereits
niedergelegt?“ „Ja“, antwortete Muhammad und Gabriel fuhr fort: „Die
Engel haben dies noch nicht getan und ich komme gerade von der
Verfolgung der Feinde zurück. Gott, er ist erhaben und
mächtig, befiehlt dir, Muhammad, gegen die Banu Quraiza zu ziehen.
Ich begebe mich jetzt zu ihnen und werde sie erheben lassen.“
[Da kommt also der Engel Gabriel auf einem Maultier
angeritten und befiehlt Mohammed gegen die Banu Quraiza in den Krieg zu
ziehen. Warum glauben die Menschen nur an einen solchen Unsinn? Glaubt
Mohammed etwa, er könne die Gräuel, die er den Banu Quraiza
angetan hat, den Engeln in die Schuhe schieben? Die Engel scheinen im
übrigen genau so kriegslüstern und rachedurstig zu sein, wie
Mohammed selbst. Scheinbar morden und töten sie genau skrupellos
wie
Mohammed und verbreiten den Islam ebenso mit Feuer und Schwert. Was ist
das
nur für eine Religion?]
Sogleich ordnete der Prophet an, unter den Muslimen
auszurufen: „Alle diejenigen, die hören und gehorchen, sollen ihr
Nach-
176
mittagsgebet nicht verrichten, bevor sie sich nicht bei den
Banu Quraiza eingefunden haben.“ Er schickte Ali mit der Fahne voraus
und die Muslime folgten ihm eilends nach. Als sich Ali den befestigten
Häusern der Quraiza näherte, vernahm er hässliche Worte
über den Propheten. Er kehrte um und sprach zum Propheten, als er
ihn unterwegs traf: „Gesandter Gottes! Du solltest dich diesen
schändlichen Menschen nicht nähern.“ „Weshalb? Du hast wohl
Schmähungen gegen mich gehört?“ „So ist es.“ „Wenn sie mich
sähen, würden sie nicht so über mich reden.“ Und als er
ihren Häusern näher kam, rief er: „Ihr Brüder der Affen!
Hat Gott euch jemals erniedrigt und seine Rache über euch
gesandt?“ „Du bist nicht so töricht, uns dies anzutun, Abu l-Qasim!21.1“,
antworteten ihm die Quraiza.
21.1 Durch seinen Sohn Qasim, der bereits als
Kind verstarb, trug Mohammed auch den Namen Abu l-Qasim.
Der
Prophet belagerte sie 25 Tage, bis sie erschöpft waren und Gott
ihre Herzen mit Angst erfüllte. Huyayy ibn Akhtab [von den Banu
Nadir] war nach dem Abzug der Quraish und Ghatafan und entsprechend
seiner Abmachung mit Kab ibn Asad [von den Banu Quraiza] in die
Schutzfestung der Banu Quraiza geflüchtet. Als er sich bewusst
wurde, dass der Prophet die Belagerung nicht aufheben würde, bevor
er sie vernichtet habe, sprach Kab: „Volk der Juden! Ihr seht, was
über euch gekommen ist. Ich mache euch drei Vorschläge.
Entscheidet euch für einen!“
„Nämlich?“ „Entweder wir folgen und
glauben diesem Mann. Es ist wahrlich deutlich geworden, dass er ein
gesandter Prophet ist und dass er es ist, den ihr in eurer Schrift
vorausgesagt findet. Dann werden euer Leben, euer Besitz, eure Kinder
und eure Frauen sicher sein.“ „Niemals werden wir das Gesetz der Thora
[der hebräischen Bibel] aufgeben und es gegen etwas anderes
eintauschen!“
„Wenn ihr diesen Vorschlag nicht annehmt, so
mache ich euch einen zweiten, nämlich dass wir unsere Frauen und
Kinder töten und dann unbelastet mit gezücktem Schwert gegen
Muhammad und seine Gefährten ziehen. Gehen wir zugrunde, so lassen
177
wir keine Nachkommen zurück, um die wir
uns sorgen müssten. Siegen wir aber, werden wir andere Frauen und
Kinder haben.“ „Wir sollen diese Armen töten? Was wäre dann
noch schön am Leben?“
„Wenn ihr auch dies ablehnt, so schlage ich
euch als letztes folgendes vor: „Heute nacht ist die Nacht zum Sabbat
und Muhammad und seine Gefährten werden sich wahrscheinlich vor
uns sicher fühlen. Steigt deshalb hinunter; vielleicht können
wir ihn und seine Leute überraschen.“ „Wir sollen unseren Sabbat
schänden und tun, was keiner vor uns getan hat, ohne dass er, wie
du weisst, (in einen Affen) verwandelt worden ist?“ „Ihr habt euch,
seit euch eure Mutter gebar, noch nie zu etwas entschließen
können!“
Darauf ließen sie den Propheten durch
einen Boten die Bitte überbringen, er möge ihnen den Abu
Lubaba, einen Bruder des Stammes Auf, schicken, damit sie sich mit ihm
über ihre Lage beraten könnten. Der Prophet sandte Abu Lubaba
zu ihnen und als sie ihn sahen, kamen die Männer herbei und ihre
Frauen und Kinder weinten so sehr, dass er Mitleid mit ihnen empfand.
„Glaubst du“, fragten sie ihn, „wir sollten uns Muhammads Urteil
unterwerfen?“ „Ja“, antwortete er, und deutete auf seine Kehle, womit
er ihnen andeutete, dass sie niedergemetzelt würden.
Abu Lubaba erzählte später, er habe
den Ort noch nicht verlassen gehabt, als er bereits erkannte, dass er
Gott und seinem Gesandten gegenüber treulos gehandelt habe. Er
kehrte deshalb nicht zum Propheten zurück, sondern band sich in
einer Moschee an einer Säule und schwor, er werde dort so lange
verweilen, bis Gott ihm sein Tun verziehen habe und er werde nie mehr
die Banu Quraiza und jene Stelle aufsuchen, wo er sich Gott und seinem
Gesandten gegenüber ungetreu verhalten habe. [Vasallentreue nennt
man so etwas. Als Vasallentreue wird eine kritiklose und
unterwürfige Treue bezeichnet.]
Der Prophet hatte lange auf Abu Lubabas
Rückkehr gewartet. Als er dann erfuhr, was mit ihm geschehen war,
sprach er: „Wäre er zu mir gekommen, hätte ich für ihn
um Vergebung gebetet. Jetzt aber werde ich ihn nicht aus seiner Lage
befreien, bevor ihm Gott nicht verziehen hat.“
178
Die Vergebung für Abu Lubaba, so
überlieferte mir Yazid ibn Abdallah, wurde dem Propheten zur Zeit
der Morgendämmerung geoffenbart, als er sich im Zimmer seiner Frau
Umm Salama aufhielt. Diese erzählte später: „Als es
dämmerte, hörte ich den Propheten lachen und fragte ihn nach
dem Grund dafür. Er erklärte mir, dass dem Abu Lubaba
verziehen worden sei. Ich bat ihm, diesem die frohe Nachricht bringen
zu dürfen und der Prophet willigte ein. Von der Tür meines
Zimmers aus rief ich zur Moschee hinüber: „Freue dich Abu Lubaba,
Gott hat dir vergeben!“ Da eilten die Leute herbei, um ihn zu befreien,
doch er sprach: „Nein, bei Gott, erst wenn mich der Prophet selbst
losbindet!“ Auf dem Wege zum Morgengebet befreite ihn dann der Prophet.“
An diesem Morgen unterwarfen sich die Quraiza
dem Urteil des Propheten. Da wandten sich die Aus an Muhammad und
sprachen: „O gesandter Gottes! Die Quraiza sind unsere Verbündeten
und nicht die der Khazradj. Du weißt, wie du vor einiger Zeit mit
ihren Verbündeten [den Bau Qainuqa] verfahren bist. Damals hatte
der Prophet die jüdischen Banu Qainuqa, Verbündete der
Khazradj, belagert. Diese hatten sich seinem Urteil unterworfen, doch
war der Khazradj Abdallah ibn Ubayy für sie eingetreten und der
Prophet hatte sie ihm überlassen. Als nun die Aus um das gleiche
Recht hinsichtlich der mit ihnen verbündeten Quraiza baten, fragte
sie der Prophet: „Seid ihr damit zufrieden, wenn einer von euch das
Urteil über sie fällt?“ „Ja!“ „So lasst Sad ibn Muadh
entscheiden!“
Der Prophet hatte Sad, der am Graben von einem
Pfeil getroffen worden war, auf dem Gebetsplatz in das Zelt einer Frau
vom Stamme Aslam, namens Rufaida, bringen lassen, die sich um die
Verwundeten kümmerte und die verletzten Muslime versorgte. Nachdem
ihn der Prophet nun zum Richter über die Banu Quraiza ernannt
hatte, kamen seine Stammesgenossen zu ihm und hoben ihn auf einen Esel.
Da Sad recht beleibt war, legten sie ihm ein Lederkissen unter. Auf dem
Weg zum Propheten baten ihn seine Stammesgenossen:
179
„Abu Amr, lass Milde mit deinen Verbündeten walten, denn
eben deswegen hat dich der Prophet mit dieser Entscheidung beauftragt.“
Als sie ihn immer mehr bedrängten, sagte er: „Für mich ist
die Zeit gekommen, dass es mich nicht mehr rührt, wenn ihr mich
wegen einer Entscheidung tadelt, die ich im Sinne Gottes fälle.“
Beim Propheten und bei den Muslimen angelangt, fragte sie Sad:
„Verplichtet ihr euch bei Gott, die Entscheidung, die ich über die
Quraiza fällen werde, anzunehmen?“ Und nachdem sie ihm dies
versprochen hatten, fuhr er fort: „So entscheide ich, dass die
Männer getötet und die Kinder und Frauen gefangengenommen
werden und ihr Besitz aufgeteilt wird.“
[Tilman Nagel beschreibt diesen Vorfall auf Seite
370 wie folgt: „Die Ausiten erbaten vom Propheten für ihre
Schutzgenossen [die Banu Quraiza], die gleichen Bedingungen, die er den
Hazragiten [Hazradj] für die Banu Qainuqa zugestanden hatte. [die
Mohammad im Jahre 624 aus Medina vertrieben hatte] Statt eine
Entscheidung zu fällen, wusch er seine Hände in Unschuld. Der
Ausite Sad ibn Muadh sollte urteilen. Dieser, ein „wohlbeleibter
schöner Mann“, musste auf einem Esel herbeigeholt werden, da er
durch einen Pfeilschuss verwundet worden war. „Steht auf vor eurem
Herrn“, befahl Mohammed, als Sad eintraf und die „Auswanderer“ stritten
sich später, mit den „Helfern“ darüber, ob dieser Befehl
ihnen beiden gegolten habe [den Auswanderern und Helfern] oder nur
letzteren. Von Mohammed abgewandt, ihm vermochte Sad vor Ehrfurcht
nicht ins Gesicht blicken, verkündete er den von ihm erwarteten
Richterspruch: „Die Männer sollen getötet werden, die
Güter verteilt, die Kinder und Frauen gefangen genommen werden.“
Lesen wir weiter, was Tilman Nagel auf Seite
373 über den Verfall der Sitten, bei den mit den Muslimen
verbündeten arabischen Stämmen der Banu Aus und Banu Khazradj
berichtet, seitdem Mohammed in Medina die Macht übernommen hatte:
„Unter dem Vorwand, die Belange „Allahs und seines Gesandten“ seien die
oberste Maxime des Handelns, brechen die [ethischen und moralischen]
Sitten weg, die bis dahin das Zusammenleben der Menschen möglich
gemacht haben. Ein friedliches Zusammenleben [war es bisher] gewiss
nicht, aber eines, in dem bestimmte Verhaltensregeln im großen
und ganzen beachtet wurden. Mohammed, angetrieben von seinem Alter Ego
(Alter Ego = sein zweites Ich) Allah, nimmt sich das Recht, sie [die
bisher bestandenen Sitten] beiseitezufegen. Die widerwärtigen
Meuchelmorde, die er in Auftrag gibt, künden hiervon. Ja, das
Abschlachten der Banu Quraiza nützt er dazu, jedermann vor Augen
zu führen, dass alles Überkommene nicht mehr gilt, solange
die eigensüchtigen Belange Allahs, will sagen, Mohammeds, im
Spiele sind:
Er zwingt die Aussiten, die eigenen Schwurgenossen
umzubrigen. Und diese Ungeheuerlichkeit ist keine einmalige
Entgleisung. Mord im Auftrag Mohammeds wird zur nachahmenswerten
Ruhmestat. Wie erwähnt drängen sich einige Hazragiten [von
Hadzradj] danach, endlich auch ihrerseits für „Allah und seinen
Gesandten“ auf's schmählichste alle Normen fahren zu lassen.
„Zudem, wodurch Allah seinem Gesandten einen Vorteil verschaffte,
gehört, dass die beiden Stämme der „Helfer“, die Bau Aus und
Khazradj, in Gegenwart des Gesandten Allahs wie zwei kämpfende
Kamelhengste gegeneinander hochsprangen. Taten die Ausiten etwas,
woraus der Gesandte Allahs seinen Nutzen zog, dann sagten die
Hazragiten sofort: „Bei Allah, ihr stecht uns doch nicht etwa dadurch
beim Gesandten Allahs aus und im Eifer des Islam.“ Sie ließen
nicht locker, bis sie etwas Vergleichbares zustande brachten.“
Aus diesem Grund, kann man den Versuch Ibn Ishaqs, die
Ermordung der Banu Quraiza den Banu Aus anzulasten, nur als perfide
bezeichnen. Der Einzige, der für die Ermordung der Banu Quraiza
verantwortlich ist, ist Mohammed und niemand sonst. Denn Mohammed
allein ist für den Verfall der Sitten verantwortlich. Erst durch
seine angebliche Offenbarung durch den Erzengel Gabriel kam es zum
Feldzug gegen
die Banu Quraiza. Freiwillig haben die Banu Aus ihre Verbündeten
von den Banu Quraiza sicherlich nicht ermordet. Schließlich waren
sie den Banu Quraiza wohlgesonnen und betrachteten sie als
Verbündete, die ihnen im Kriegsfall beistehen konnten. Sie haben
sicherlich alles getan, um zu verhindern, dass die Banu Quraiza
ermordet wurden.]
Schließlich mussten sich die Quraiza ergeben und der
Prophet ließ sie im Gehöft der Bint Harith, einer Frau vom
Stamme Nadjjar, einsperren. Sodann begab er sich zum Markt von Medina,
dort, wo heute noch der Markt ist, und befahl, einige Gräben
auszuheben. Als dies geschehen war, wurden die Quraiza geholt und
Gruppe um Gruppe in den Gräben enthauptet. Darunter befanden sich
auch der Feind Gottes Huyayy ibn Akhtab und das Stammesoberhaupt Kab
ibn Asad. Insgesamt waren es 600 oder 700 Männer, einige behaupten
sogar, es seien zwischen 800 und 900 gewesen. Als sie damals in Gruppen
zum Propheten geführt wurden, fragten sie Kab: „Was glaubst du,
wird man mit uns tun?“ „Werdet ihr es denn nie begreifen?“ rief Kab,
„seht ihr denn nicht, dass der Rufer niemals aufhört zu rufen und
dass diejenigen, die weggebracht werden, nie mehr zurückkehren. Es
ist der Tod, bei Gott.“
Als der Feind Gottes, Huyayy ibn Akhtab, herangebracht wurde,
war er mit einem besticktem, rötlichen Gewand bekleidet, in das er
überall fingerkuppengroße Löcher geschnitten hatte,
damit man es nach der Hinrichtung nicht von seiner Leiche rauben
würde. Die Hände waren ihm mit einem Strick an den Hals
gebunden. Als er den Propheten sah, sprach er: „Ich tadle mich nicht
dafür, dass ich dir meine Feindschaft gezeigt habe, aber der, der
Gott verlässt, der wird verlassen:“ Und
180
an die Leute gewand, fuhr er fort: „O ihr
Menschen! Gegen diesen Befehl Gottes ist nichts einzuwenden. Er hat den
Kindern Israels eine Schrift, ein Verhängnis und ein Gemetzel
offenbart.“ Nach diesen Worten setze er sich und wurde enthauptet.
Der Prophet verteilte den Besitz, die Frauen und Kinder der
Banu Quraiza unter den Muslimen. Er legte fest, welche Anteile an der
Beute jeweils den Reitern und Unberittenen zustanden und behielt selbst
ein Fünftel ein. Jeder Reiter erhielt drei Teile, nämlich
zwei Teile für das Pferd und ein Teil für sich selbst. Jeder
Unberittene bekam ein Teil. Am Tag des Sieges über die Quraiza gab
es 36 Pferde. Es war dies die erste Beute, die auf diese Weise
aufgeteilt wurde und aus der ein Fünftel [für Mohammed]
einbehalten wurde. Diese Regelung des Propheten wurde auch in den
folgenden Feldzügen angewandt. Die gefangenen Frauen und Kinder
aus dem Fünftel schickte er mit dem Helfer Sad ibn Zaid in den
Nadjd [etwa 500 Kilometer nordöstlich von Medina] und tauschte sie
gegen Pferde und Waffen ein.
Eine der gefangenen Frauen, Raihana bint Amr, behielt der
Prophet für sich selbst. Sie blieb in seinem Besitz, bis er starb.
Als er ihr vorschlug sie zu heiraten und sie aufforderte, den Schleier
zu tragen, bat sie ihn, er möge sie lieber als Sklavin in seinem
Besitz behalten, da dies für beide einfacher sei. Der Prophet kam
ihrem Wunsche nach. Bei ihrer Gefangennahme zeigte sie ihre Abneigung
gegenüber den Islam und hielt am Judentum fest. Der Prophet
beachtete sie deshalb eine Zeitlang nicht und war darüber sehr
enttäuscht. Eines Tages aber, als er mit seinen Gefährten
zusammensaß, hörte er hinter sich das Geräusch zweier
Sandalen und sprach: „Dies ist Thalaba, der mir die frohe Kunde bringt,
dass Raihana den Islam angenommen hat.“
So war es in der Tat und der Prophet freute sich
darüber. Im Grabenkrieg fanden nur 6 Muslime den Tod. Von den
Ungläubigen fielen 3 Männer.
181
52. Gedichte über den Grabenkrieg Top
Für die Quraish sprach Ibn Zibara die
folgenden Verse:
Grüß mir das Lager, von dem
alle Spuren schon lan-
ge, verwischt und verweht sind im Wandel der Zeiten,
Spuren, die mir wie jüdische Lettern erschienen.
Nur noch die Koppeln und Pflöcke verblieben in weiten
und einsamen Wüsten, in denen die blutjungen
Mädchen, die nie mehr ergötzen und Wollust bereiten.
Doch lasse dich nicht zur Erinn'rung an jenes vergangene
Leben und jene verwüsteten Plätze verleiten!
Dankbar gedenke vielmehr der tapferen Scharen,
die gemeinsam und alle voll Mut die geweihten
und heiligen Blutopfersteine von Mekka verließen,
um im stimmengewaltigem Heer nach Medina zu reiten.
Sie verließen die Höhen und deutlichen Wege,
vertraut mit den Pässen und Unwegsamkeiten,
und führten im Zuge die edlen und rassigen Pferde,
die Leiber gestreckt und auch schmal an den Seiten
und geboren von schlankem Geblüt wie die Wölfe,
die flink und behend um den Viehhirten gleiten.
Uyana strebte voran mit der Fahne des Heeres,
dahinter tat Sakhr die Schar der Verbündeten leiten,
zwei Herren, wie Monde so strahlend, die den Armen die
Hilfe gewähren und dem Flüchtling die Zuflucht bereiten,
bis sie Medina erreichten und gegen den Tod das
bewährte und schneidende Schwert aus der Scheide befreiten.
Vierzig bedrückende Tage erlebte Muhammad,
obwohl die Gefährten sich tapfer im Kampf um ihn reihten.
Und als man zum Aufbruch uns rief an dem Morgen,
da konntet ihr unsere Siege uns kaum mehr bestreiten.
Hätte euch nicht euer Graben geholfen, ihr läget
als Leichen jetzt dort, von den Geiern zerfleischt an den Seiten.
Für
die Muslime antwortete darauf Hassan ibn Thabit mit
den Versen:
Können die Spuren des leeren
verwüsteten Lagers
dem suchenden Frager denn noch eine Antwort bereiten,
dort in der Wüste, wo Regen die Spuren verwischte
und dauernde wehende Winde hoch über sie gleiten?
Auch ich sah die Zelte einst dort, geschmückt von den hellen
Gesichtern, die her sich von edelster Abstammung leiten.
Doch lasse sie nun und denke nicht mehr an die Mädchen
mit knospenden Brüsten, die weichen, die hellen, gescheiten!
Beklage vielmehr, was du sahst von den zornigen Männern,
die sich voll Unrecht mit Gottes Gesandten entzweiten!
Sie riefen die Kämpfer aus Städten und Wüsten zusammen
und zogen davon, um mit Muhammad zu streiten.
Ibn Harb und Uyaina befehligten beide die Heere,
in die sich dazu noch die Schar der Verbündeten reihten,
bis sie Medina erreichten und hofften, die Freunde
Muhammads zu töten, zu plündern die Habseligkeiten.
Sie griffen uns an und bewiesen uns all ihre Macht,
doch wurden sie wütend zur Flucht noch getrieben beizeiten.
Ein heftiger Sturm hat sie alle zerstreut, als die Heere
des Herren aller Herzen uns siegreich von ihnen befreiten.
Vor ihrem Kampf hat Gott die Muslime bewahrt
und ließ ihnen beste Belohnung bereiten.
Nachdem sie bereits keine Hoffnung mehr hatten, versprengte
die Hilfe des schenkenden Königs die feindlichen Seiten
zur Freude Muhammads und seiner Gefährten, zur Schande
all derer, die lügend und zweifelnd die Wahrheit bestreiten,
und unrein und hart sind im grausamen Herzen
und überall ihren heidnischen Argwohn verbreiten.
Sie sind mit dem ewigen Unheil verbunden und werden
im Unglauben leben, verstockt bis ans Ende der Zeiten.
183
53. Amr ibn As und Khalid ibn Walid
nehmen den Islam an Top
Yazid ibn abi Habib überlieferte
mir das folgende von Rashid, einem Freigelassenen des Habib ibn abi Aus
vom Stamme Thaqif, der sich auf die Aussagen des Habib, seines Herrn,
stützte. Diesem hatte Amr ibn As erzählt:
Nachdem wir mit den verbündeten Stämmen den Graben
verlassen hatten, rief ich [Amr ibn As] einige Quraishiten zusammen,
die meiner Meinung waren und mir ihr Gehör schenkten. Diesen
erklärte ich: „Ihr kennt meine Meinung, dass das Treiben Muhammads
inzwischen üble Ausmaße annimmt. Ich habe eine Idee und
möchte euch fragen, was ihr davon haltet?“
„Und was ist das für eine Idee?“ „Ich bin der Meinung,
wir sollten uns zum Negus [dem König von Äthiopien] begeben
und bei ihm bleiben. Gewinnt Muhammad die Oberhand über unser
Volk, bleiben wir weiter beim Negus, denn es dürfte für uns
besser sein, unter seiner Herrschaft als unter Muhammads zu leben.
Siegen unsere Leute, kennen sie uns und werden uns nichts Schlimmes
antun.“ „Ein vorzüglicher Rat!“ „So sammelt denn Geschenke, die
wir dem Negus bringen können.“
Da dieser von den Erzeugnissen unseres Landes das Leder am
meisten schätzte, brachten wir eine große Menge davon
zusammen und machten uns auf den Weg, bis wir bei ihm anlangten. Wir
waren gerade bei ihm angekommen, da erschien auch Amr ibn Umayya bei
ihm, den der Prophet wegen Djafar und seinen Freunden nach Abessinien
geschickt hatte23. Als er den Negus wieder verließ,
sprach ich zu meinem Begleiter: „Das ist Amr ibn Umayya! Wenn ich zum
Negus ginge und ihn bäte, ihn mir auszuliefern, würde er ihn
mir überlassen und ich könnte ihm den Kopf abschlagen. Die
Quraish müssten dann
23Zur Auswanderung nach Abessinien vergleich im
Text Seite 65.
184
feststellen, dass ich ihnen mit der Ermordung des Boten des
Propheten einen großen Dienst erwiesen habe.“
Ich ging zum Negus und warf mich vor ihm nieder, wie ich es
früher schon getan hatte. Er hieß mich willkommen und
fragte: „Hast du mir aus deiner Heimat ein Geschenk mitgebracht?“ Ja, O
König!“ „Viel Leder!“ Ich ließ es ihm bringen. Es gefiel ihm
sehr und er war sehr versessen darauf. Dann bat ich ihn: „O König,
ich habe gerade einen Mann von dir weggehen sehen. Er ist der
Abgesandte eines unserer Feinde. Liefere ihn mir aus, damit ich ihn
töten kann, denn er hat einige unserer besten und edelsten
Männer umgebracht.“
Bei diesen meinen Worten erzürnte der Negus und schlug
sich mit der Hand derart fest auf die Nase, dass ich dachte, er
hätte sie gebrochen. Hätte sich die Erde gespalten, ich
wäre aus Angst vor ihm hineingesprungen.
„Wahrlich, wäre ich mir bewusst gewesen, dass du meine
Bitte so abscheulich findest, hätte ich sie nicht
geäußert!“, versuchte ich mich zu entschuldigen, doch er
rief: „Soll ich dir etwa den Boten eines Mannes ausliefern, zu dem der
Erzengel kommt, der auch zu Moses kam, damit du ihn umbringst!“ „O
König, ist er wirklich ein solcher Mann?“, fragte ich ihn und er
erwiderte: „Wehe dir, Amr! Gehorche mir und folge ihm, denn er ist im
Recht und wird seine Gegner besiegen, wie Moses den Pharao und seine
Heere besiegte!“ „Bist du bereit, dass ich dir anstelle Muhammads den
Treueeid auf den Islam leiste?“
Er stimmte zu, streckte die Hand aus und ich leistete den
Treueschwur. Als ich ihn dann verließ und zu meinen
Gefährten zurückkehrte, hatte sich meine Meinung völlig
geändert, doch verheimlichte ich ihnen, dass ich den Islam
angenommen hatte. Sodann machte ich mich auf den Weg zum Propheten, um
mich zum Islam zu bekennen.
Unterwegs rief ich Khalid ibn Walid, der aus Mekka kam und
fragte ihn: „Wohin des Wegs, Abu Sulaiman?“
185
„Der Weg ist klar. Der Mann ist in der Tat ein Prophet. Ich
gehe zu ihm, um den Islam anzunehmen. Wie lange soll ich noch warten?“
„Bei Gott, mit der gleichen Absicht komme auch ich.“ In Medina
angelangt, huldigte Khalid dem Propheten als erster. Dann trat ich auf
Muhammad zu und sprach: „O Gesandter Gottes! Ich huldige dir unter der
Bedingung, dass mir alle Schuld aus der Vergangenheit vergeben und
alles Vergangene nicht mehr erwähnt wird.“
„So huldige!“, antwortete der Prophet und fuhr fort: „Die
Annahme des Islams schneidet wie die Hidjra [die Auswanderung aus
Mekka] alles ab, was vorher war.“ Da huldigte ich ihm und ging weg.
54. Der Überfall auf die Banu
Mustaliq [628] Top
Im Monat Shaban des Jahres 6 unternahm der Prophet den Zug
gegen den Stamm der Banu Mustaliq aus dem Großverband der Khuzaa.
Asim ibn Umar, Abdallah ibn abi Bakr
und Muhammad ibn Yahya haben mir jeder einen Teil der folgenden
Darstellung über das Unternehmen gegen die Banu Mustalic
erzählt:
Der Propher erfuhr, dass sich die Banu Mustalic unter ihrem
Anführer Harith ibn abi Dirar gegen ihn sammelten. [Einzelheiten
hierzu bei Timan Nagel Seite
363.] Da zog er gegen sie aus und traf sie an einer Wasserstelle
namens Muraisi in der Gegend von Qudaid in Richtung Küste. Sie
gingen aufeinander los und kämpften, bis Gott die Banu Mustaliq in
die Flucht schlug, einige von ihnen tötete und den Propheten ihre
Kinder, ihre Frauen und ihren Besitz zur Beute machen ließ. Die
vielen Gefangenen wurden unter die Muslime verteilt, darunter auch
Djuwairiya, des Harith Tochter.
Muhammad ibn Djafar berichtete mir
von seinem Onkel Urwa ibn Zubair, dass Aisha, die Gattin des Propheten,
folgendes erzählte:
186
„Als der Prophet die Gefangenen aus dem Stamm der Banu
Mustaliq als Beute verteilte, geriet Djuwairiya in den Anteil des
Thabit ibn Qais oder dessen Vetter und wollte sich selbst von ihm
freikaufen. Sie war eine reizendende, anmutige Frau und jeder, der sie
sah, war sogleich von ihr gefangengenommen. Sie kam zum Propheten, um
ihn zu bitten, ihr beim Freikauf zu helfen. „Sobald ich sie an der
Tür meines Zimmers sah“, so erzählte Aisha später,
„empfand ich einen Widerwillen gegen sie, da ich wusste, dass der
Prophet sie so sehen werde, wie ich sie sah.“
Sie trat bei ihm ein und sprach: „Ich bin Djuwairiya, die
Tochter des Harith ibn abi Dirar, des Führeres seines Stammes. Mir
ist, wie du weisst, Unheil widerfahren. Ich bin in den Beuteanteil des
Thabit ibn Qais geraten, möchte mich aber von ihm freikaufen und
bin deshalb mit der Bitte zu dir gekommen, mir dabei zu helfen.“
„Vielleicht möchtest du noch etwas Besseres“, fragte sie der
Prophet und als sie wissen wollte, was er meinte, fuhr er fort: „Ich
werde die Summe für deinen Freikauf bezahlen und dich heiraten!“
[Ob sie sich wohl etwas Besseres vorstellen konnte, als mit einem
korpulenten 58-jährigen Mann verheiratet zu sein? Wahrscheinlich
wurde sie gar nicht gefragt, ob sie Mohammed heiraten wolle.]
Sie war damit einverstanden und er heiratete sie. Die
Nachricht verbreitete sich schnell unter den Muslimen, worauf sie alle
ihre Gefangenen, die sie vom Stamm der Banu Mustaliq hatten,
freiließen, da diese ja nun mit dem Propheten verschwägert
waren. Durch seine Heirat mit ihr kamen 100 Familien dieses Stammes
wieder frei und ich kenne keine andere Frau, die für ihren Stamm
ein größerer Segen gewesen wäre.
187
55. Die Lüge, die über
Aisha verbreitet wurde Top
Zuhri hat für mich den folgenden
Bericht zusammengestellt, wobei er sich auf die Aussagen von Alqama ibn
Waqqas, Said ibn Djubair, Urwa ibn Zubair und Ubaidallah ibn Abdallah
stützte. Alle haben ihm einige Teile davon erzählt, und der
eine hat mehr davon behalten als der andere. Auch Yahya ibn Abbad und
Abdallah ibn abi Bakr, ersterer nach Aussagen meines Vaters, letzterer
von Amra, der Tochter des Abdarrahman, schilderten mir Aishas eigene
Darstellung über die Angelegenheit mit der Verleumdung. Alles, was
in ihren Bericht Eingang gefunden hat, stammt von diesen Männern,
wobei sie sich gegenseitig ergänzen. Jeder von ihnen ist
vertrauenswürdig und erzählte, was er von Aisha selbst
gehört hat.
Aisha erzählte: „Immer wenn der Prophet beabsichtigte,
Medina zu verlassen, ließ er durch das Los entscheiden, welche
seiner Frauen ihn begleiten durfte. So tat er es auch vor dem Feldzug
gegen die Banu Mustaliq. Das Los fiel auf mich und der Prophet nahm
mich mit. Die Frauen pflegten damals nur Kleinigkeiten zu essen, damit
sie unterwegs nicht zu schwer waren. Wenn mein Kamel gesattelt wurde,
saß ich gewöhnlich schon in der Kamelsänfte, dem
Haudadj. Dann kamen die Männer, fassten den Haudadj unten an,
hoben ihn hoch, legten ihn dem Kamel auf den Rücken, banden ihn
mit Stricken fest und zogen, das Kamel am Kopf führend, los.
Nach dem Unternehmen gegen die Banu Mustaliq machte sich der
Prophet wieder auf den Rückweg. In der Nähe von Medina
ließ er eine Rast einlegen und wir verbrachten dort einen Teil
der Nacht. Als er wieder zum Aufbruch rufen lies, begannen die Leute
sich fertig zu machen und ich ging etwas abseits, um meine Notdurft zu
verrichten. Am Hals trug ich eine meiner Onyxketten [Onyx ist ein
Schmuckstein].
Ohne dass ich es bemerkte, glitt diese, als ich mein
188
Bedürfnis verrichtet hatte, mir vom Hals und erst bei
meiner Rückkehr zum Lagerplatz griff ich suchend nach ihr und
vermisste sie. Obwohl man bereits mit dem Aufbruch begonnen hatte,
kehrte ich nochmals an jene Stelle zurück und suchte die Kette,
bis ich sie fand. Die Männer, die mir das Kamel sattelten, waren
inzwischen nach Beendigung ihrer Arbeit zu meiner Lagerstelle gekommen,
die ich gerade wieder verlassen hatte und dachten, ich sei wie
gewöhnlich bereits in der Kamelsänfte. In der festen Annahme,
dass ich mich darin befände, hoben sie sie auf das Kamel und zogen
weiter.
Ich aber fand bei meiner Rückkehr im Lager keine
Menschenseele mehr vor. Sie waren alle weg. Da wickelte ich mich in
mein Gewand und legte mich hin, denn ich wusste ja, dass man gewiss zu
mir zurückkehren würde, sobald man mich vermisste. Und bei
Gott, kaum hatte ich mich niedergelegt, da kam Safwan ibn Muattal vom
Stamme Sulaim vorbei. Aus irgendeinem Grund war er hinter dem Heer
zurückgeblieben und hatte die Nacht nicht mit den anderen
verbracht. Als er meine Gestalt erblickte, kam er heran und blieb bei
mir stehen. Er hatte mich schon früher einmal gesehen, als wir
noch nicht den Schleier tragen mussten. Als er mich erkannte, rief er
aus: „Wir gehören Gott und kehren zu ihm zurück! Die Frau des
Propheten!“ Und während ich in meinem Gewand eingehüllt
blieb, fuhr er fort: „Weshalb bist du zurückgeblieben? Gott
erbarme sich deiner!“
Ich antwortete nicht. Er holte sein Kamel, bat mich
aufzusteigen und hielt sich dabei von mir fern. So stieg ich auf. Er
zog das Kamel am Kopf und machte sich eilends auf den Weg, um unsere
Leute einzuholen. Aber bei Gott, wir erreichten sie nicht und ich wurde
auch nicht vermisst, bis es Morgen wurde und sie haltmachten. Nachdem
sie sich ausgeruht hatten, tauchte Safwan mit mir bei ihnen auf.
Sogleich verbreiteten die Verleumder ihre Lügen über mich und
das ganze Heer geriet in Aufregung. Ich aber wusste, bei Gott, von
alledem nichts.
Wir gelangten nach Medina und alsbald wurde ich sehr krank,
so dass ich immer noch nichts von den Gerüchten erfuhr. Diese aber
waren bis zum Propheten und zu meinen Eltern gedrungen, die mir indes
nicht das Geringste erzählten. Ich vermisste nur die gewohnte
Freundlichkeit des Propheten, denn immer
189
wenn ich sonst krank gewesen war, verhielt er sich mir
gegenüber besonders nett und fürsorglich. Diesmal aber
kümmerte er sich nicht um mich und mir fehlte seine
Aufmerksamkeit. Immer, wenn er zu mir kam, fragte er lediglich meine
Mutter, die mich pflegte: „Wie geht es ihr?“ und sonst nichts. Es tat
mir im Herzen weh und als ich bemerkte, wie er sich mir entfremdet
hatte, bat ich ihn, mir zu erlauben, dass man mich zur Pflege ins Haus
meiner Mutter brächte. Er hatte nichts dagegen. So brachte man
mich zu meiner Mutter, wobei ich aber immer noch nicht wusste, was
eigentlich geschehen war, bis ich nach über 20 Tagen von meiner
Krankheit wieder genas.
Wir waren Araber und hatten nicht diese gewissen Örtchen
in unseren Häusern, wie die Fremden sie haben. Wir ekeln uns davor
und verabscheuen sie. Um ein Bedürfnis zu verrichten, pflegten wir
ins Freie, außerhalb der Stadt zu gehen. Die Frauen taten dies
stes des Nachts. Eines Abends ging ich also zusammen mit Umm Mistah,
die zum Geschlecht der Abdmanaf gehörte und eine Tante meines
Vaters Abu Bakr war, hinaus, um meine Notdurft zu verrichten. Wie sie
so mit mir dahinschritt, stolperte sie über ihr Kleid und
schimpfte: „Soll doch Mistah fallen!“
„Beim ewigen Gott“, entfuhr es mir, „so spricht man nicht
über einen Auswanderer, der bei Badr gekämpft hat!“ Doch sie
entgegnete: „Hast du, Tochter des Abu Bakr, denn nicht das Gerücht
gehört?“ „Was für ein Gerücht?“ erwiderte ich und
nachdem sie mir erzählt hatte, was die Verleumder redeten, fragte
ich sie: „Ist das wirklich wahr?“ „Ja, bei Gott, so ist es!“ gab sie
zurück.
Ich konnte nicht einmal mehr meine Notdurft verrichten,
sondern lief sofort zurück, und, bei Gott, ich weinte so sehr,
dass ich dachte, es würde mir das Herz zerreißen. Zu Hause
schalt ich meine Mutter: „Gott möge dir vergeben! Die Leute reden
über mich und du sagst mir kein Wort davon!“ „Meine liebe
Tochter“, versuchte sie mich zu trösten, „nimm es nicht so schwer.
Es gibt kaum eine schöne Frau, die mit einem Mann verheiratet ist,
der sie liebt, ohne dass die Nebenfrauen und auch die anderen Leute
über sie reden.“
190
Der Prophet aber erhob sich unter den Muslimen und predigte
ihnen, ohne dass ich davon wusste. Er lobte und pries Gott und sprach:
„O ihr Menschen, wie kommt es, dass einige Männer mich wegen
meiner Familie kränken und unwahr von ihr sprechen! Bei Gott, ich
weiss nur Gutes von ihr. Wie kommt es, dass sie dies von einem Mann
behaupten, von dem ich auch nur Gutes weiß und der keines meiner
Zimmer ohne meine Begleitung betritt!“
Die Hauptschuld an den Gerüchten trugen Abdallah ibn
Ubayy unter den Männern des Stammes Khazradj, sowie „Mistah und
Hamna“, die Tochter des Djahsh. Hamnas Schwester Zainab war
nämlich eine der Frauen des Propheten und diese war die einzige
unter den Frauen, die sich mit mir in seiner Wertschätzung messen
konnte. Während aber Gott Zainab in ihrem Glauben beschützte,
so dass sie nur Gutes sprach, verbreitete Hamna das Gerücht
überall. Sie tat dies gegen mich und zugunsten ihrer Schwester,
die darunter sehr litt.
Auf die oben genannten Worte des Propheten erwiderte Usaid
ibn Hudair: „Wenn die Verleumder zum Stamme Aus gehören, werden
wir dich vor ihnen schützen; gehören sie aber zu unseren
Brüdern vom Stamme Khazradj, so gib uns deine Befehle, denn bei
Gott, dies wären wahrlich Menschen, denen man den Kopf abschlagen
sollte.“
Darauf erhob sich Sad ibn Ubada, den man bislang für
einen frommen Mann gehalten hatte und sprach: „Beim ewigen Gott! Du
lügst! Wir werden sie nicht enthaupten! Du hättest dies nie
gesagt, wenn du nicht wüsstest, dass sie zu den Khazradj
gehören. Wären sie aus deinem Stamme, hättest du dies
nicht gesagt.“ „Du lügst“, gab Usaid zurück, „du bist ein
Heuchler, der für die Heuchler streitet!“
Die Männer gingen aufeinander los und beinahe wäre
es zwischen den beiden Stämmen zu einem Kampf gekommen. Danach kam
der Prophet zu mir und rief Ali und Usama ibn Zaid, um sich mit ihnen
zu beraten. Usama lobte mich sehr und fuhr fort: „O Prophet Gottes! Es
ist deine Familie und wir wissen nur das Beste über sie. All das,
was behauptet wird, ist erlogen und falsch!“
191
Ali dagegen sprach: „O Prophet Gottes! Der Frauen gibt es
wahrlich genug und du kannst sie leicht ersetzen. Frage doch die
Sklavin, sie wird dir die Wahrheit sagen!“ Der Prophet rief Buraira.
Ali trat auf sie zu, versetzte ihr einen heftigen Schlag und fuhr sie
an: „Sage dem Propheten die Wahrheit!“ „Bei Gott“, begann sie, „ich
weiß nur Gutes über Aisha. Das einzige, was ich an ihr
auszusetzen habe, ist, dass sie, wenn ich meinen Teig geknetet habe und
sie bitte, darauf acht zu geben, dabei einschläft. Dann kommt das
Schaf und frisst den Teig.“
Dann kam der Prophet zu mir ins Zimmer, bei mir waren meine
Eltern und eine Frau von den Helfern, die mit mir weinte, setzte sich,
pries und lobte Gott und sprach: „Aisha! Du weisst, was die Leute
über dich reden! So fürchte Gott, und wenn du etwas getan
hast, was die Leute behaupten, bereue es vor Gott, denn er nimmt die
Reue seiner Diener an.“
Kaum hatte er dies gesagt, verschwanden meine Tränen, so
dass ich sie nicht mehr spürte. Ich erwartete, dass meine Eltern
für mich antworten würden, aber sie sagten nichts. Bei Gott,
ich kam mir selbst zu armselig und klein vor, als dass ich erwartet
hätte, dass Gott wegen mir Koranverse herabsenden könne, die
man in den Moscheen rezitieren und beim Gebet sprechen würde, aber
ich hofftte doch, dass der Prophet im Traum etwas sehen oder Gott ihm
etwas mitteilen würde, um die Verleumdung von mir abzuwenden, denn
er kannte meine Unschuld. Für eine koranische Offenbarung kam ich
mir fürwahr zu unbedeutend vor. Als ich bemerkte, dass meine
Eltern nichts sagten, fragte ich sie: „Antwortet ihr dem Propheten denn
nicht?“ „Bei Gott, wir wissen nicht, was wir ihm antworten sollen“,
gaben sie zurück.
Ich kenne keine Familie, die so viel gelitten hat, wie die
Familie meines Vaters Abu Bakr in jenen Tagen. Als sie weiterhin
schwiegen, brach ich erneut in Tränen aus und sagte: „Bei Gott,
ich werde niemals etwas derartiges vor Gott bereuen! Ich weiss, dass
ich, wenn ich bestätigen würde, was die Leute behaupten, und
Gott weiß, dass ich unschuldig bin, etwas
192
gestehen würde, was nicht geschehen ist. Streite ich
aber ihre Verleumdung ab, wirst du mir nicht glauben.“
Dann versuchte ich, mich an den Namen Jakob zu erinnern, kam
jedoch nicht darauf. Deshalb sagte ich: „Ich werde dir wie Josephs
Vater antworten: „Ich muss mich in Geduld üben. Und Gott sei um
Hilfe gebeten gegen das, was ihr aussagt.“ (Sure 12,18)“
Und, bei Gott, der Prophet hatte sich von
seinem Platz noch nicht erhoben, als [wie nicht anders zu erwarten] in
der gewohnten Weise eine Offenbarung Gottes über ihn kam. Man
bedeckte ihn mit einem Gewand und legte ihm ein Lederkissen unter das
Haupt [Epileptischer Anfall?23.1 ].
Ich aber fürchtete und sorgte mich nicht, als ich dies sah. Ich
wusste ja, dass ich unschuldig war und das Gott mich nicht ungerecht
behandeln würde. Nicht so meine Eltern. Bei dem, in dessen Hand
meine Seele liegt! Kaum kam der Prophet wieder zu sich, als ich dachte,
meine Eltern würden sterben aus Angst, Gott könne die
Behauptung der Leute bestätigt haben. Der Prophet kam zu sich und
setzte sich auf. Der Schweiss rann ihm vom Gesicht wie Perlen an einem
Wintertag. Während er ihn sich von der Stirn wischte, sprach er:
„Freue dich über die Botschaft, Aisha! Gott hat deine Unschuld
geoffenbart.“
23.1[Manche meinen auch, Mohammed könnte unter Akromegali
gelitten haben. Dies ist eine schwerwiegende Erkrankung der Hypophyse.
(siehe: War Mohammed krank? oder: War Mohammed
Epileptiker?)]
Ich aber lobte Gott. Sodann trat der Prophet
hinaus vor die Leute und trug ihnen vor, was Gott geoffenbart hatte.
Dem Mistah ibn Uthatha, dem Hassan ibn Thabit und der Hamna bint Djahsh
aber, die vor allem jene Ungeheuerlichkeit verbreitet hatten,
ließ er die vorgeschriebene Zahl von Peitschenhieben verabreichen.
Die Offenbarung, die Gott über die
Schamlosen, die die Worte der Verleumder verbreitet hatten,
herabsandte, lautet: „Diejenigen, die die Lüge [von dem
angeblichen Fehltritt Aishas] vorgebracht haben, sind nur eine kleine
Gruppe von euch. Ihr dürft nicht meinen, sie gereiche euch zum
Nachteil. Sie gereicht euch vielmehr zum Vorteil [da nunmehr Klarheit
geschaffen ist]. Jedem einzelnen von ihnen wird das angerechnet, was er
an Sünden begangen hat. Und der Haupttäter hat eine gewaltige
Strafe zu erwarten.“ (Sure 24,11)
Damit meinte Gott Hassan ibn Thabit und seine
verleumderischen Freunde. Und Gott fuhr fort: „Warum haben denn, als
ihr davon hörtet, die gläubigen Männer und Frauen nicht
ihrerseits eine gute Meinung (von Aisha) gehabt?“ Und weiter sprach
193
Gott: „Als ihr es mit eurer Zunge aufnahmt und
mit eurem Mund sagtet, wovon ihr kein Wissen hattet und es für
unwichtig hieltet, während es bei Gott schwer wiegt!“ (Sure
24,11-15)
Nachdem dies über Aisha und ihre
Verleumder geoffenbart worden war, sprach ihr Vater Abu Bakr, der den
Mistah finanziell unterstützte, weil dieser mit ihm verwandt war
und Not litt: „Bei Gott, ich werde dem Mistah nichts mehr geben und
werde ihm nicht mehr im geringsten helfen, nach alledem, was er
über Aisha gesagt und was er über uns gebracht hat.“
Daraufhin sandte Gott die folgende Offenbarung
herab: „Und diejenigen von euch, die begünstigt sind und über
genügend Mittel verfügen, sollen nicht schwören, dass
sie den Verwandten, den Armen und denen, die um Gottes Willen
ausgewandert sind, nichts mehr geben werden. Sie sollen vielmehr
verzeihen und Nachsicht üben. Wünscht ihr denn nicht, dass
Gott euch vergibt? Gott ist barmherzig und bereit, zu vergeben.“ (Sure
24,22)
„Wahrlich, ich möchte, dass Gott mir
vergibt!“, sprach Abu Bakr und zahlte an Mistah wie bisher und schwor,
dass er ihm die Unterstützung nie entziehen werde. Einer der
Muslime äußerte sich über die Hiebe, die Hassan und
seine Freunde erhielten, weil sie Aisha verleumdet hatten, mit den
folgenden Versen:
Hamna, Mistah und Hassan: sie haben nun
gekostet
ihren Teil und mussten ihre Schändlichkeiten büßen.
Aisha, des Propheten Gattin, haben sie verleumdet,
aber zornig auf dem Thron ließ Gott es sie verdrießen.
Den Gesandten Gottes haben sie damit gekränkt, doch
Scham und Schande ließen sie nicht lange es genießen.
Ausgeschüttet wurden Peitschenhiebe über sie, wie
sonst nur Regengüsse von den hohen Wolken fließen.
194
56. Die kleine Pilgerfahrt nach Hudaibiya
[März 628 n. Chr.] Top
Der Prophet verbrachte dann die Monate Ramadan und Shawwal in
Medina. Im Monat Dhu l-Quada machte er sich auf den Weg nach Mekka., um
die kleine Pilgerfahrt24 zu unternehmen. Kriegerische
Absichten verfolgte er nicht24.1. Er forderte die Araber und
benachbarten Beduinen auf, mit ihm zu ziehen, da er fürchtete, die
Quraish würden ihm mit Waffengewalt entgegentreten oder ihm den
Zugang zur Kaaba verwehren, was sie dann ja auch taten. Viele Araber
zögerten jedoch und der Prophet brach mit den Auswanderern und den
Helfern sowie denjenigen Arabern auf, die sich ihm angeschlossen
hatten. Er führte Schlachtopfer mit sich und trug das
Pilgergewand, damit sich die Quraish vor kriegerischen Absichten sicher
fühlten und begreifen sollten, dass er wirklich nur ausgezogen
war, um die Kaaba zu besuchen und zu verehren.
24Die große Pilgerfahrt (hadjj) ist eine der
5 Pflichten im Islam, der jeder erwachsene Muslim mindestens einmal im
Leben nachkommen soll. Das genau festgelegte Zeremoniell findet
zwischen dem 7. und 13. Dhu l-Hidjja [12. Monat] statt. Die kleine
Pilgerfahrt (umra) ist zeitlich ungebunden, wurde ursprünglich
gern
im Radjab [7. Monat], später aber oft zusammen mit der
großen
Pilgerfahrt zusammen durchgeführt. Die 5 Pflichten der Moslems
sind: 1. das Bekenntnis (Es gibt keinen Gott außer Allah und
Mohammed ist sein Prophet.); 2. das fünfmalige tägliche
Gebet; 3. das Almosen für die Bedürftigen; 4. das Fasten im
Fastenmonat Ramadam; 5. einmal im Leben eine Pilgerreise
nach Mekka zu machen
24.1[Die Aussage, dass Mohammed keine
kriegerischen Absichten verfolgte, als er sich zur „kleinen
Pilgerfahrt“ nach Mekka aufmachte, ist wohl nicht ganz richtig. Wie wir
im nächsten Kapitel „Der Waffenstillstand“ sehen werden, hatte
Mohammed wahrscheinlich durchaus die Absicht, Mekka zu erobern, denn
auf Seite 201 heisst es: „Die Gefährten des Propheten waren wegen
eines Traumes, den Mohammed gehabt hatte, in der Gewissheit ausgezogen,
dass sie Mekka erobern würden.“
Timan
Nagel schildert die Situation auf Seite
376 wie folgt: „Mohammed kam zu dem Schluss, es sei an der
Zeit, als Wallfahrer die Kaaba aufzusuchen. Im Sauwal des Jahres 6
(begann am 13. Februar 628) gab er in Medina diese Absicht kund.
Verschlagen wie er war, vermied er die erst im April anstehende
eigentliche Pilgersaison, sondern beschied sich an der nicht an feste
Daten gebundenen „Kleinen Wallfahrt“; er würde so nicht den
Anweisungen der heidnischen Verwalter der Pilgerdienste gehorchen
müssen. Oder spekulierte er darauf, dass ihm so kurz vor den
turnusmäßigen Festtagen, ein Handstreich gelingen
könnte,
der ihn ans Ziel seines Lebens brächte? Was ihn wirklich zu
seinem Entschluss bewog, verschweigen die Quellen.
Al-Waqidis
Gewährsleute erzählen von einem Traum, in der er von Arafa
aus nach Mekka gezogen sei und den Schlüssel der Kaaba empfangen
habe. Während des Monats Sauwal (endete am 12. März 628)
ließ er bei Medina die Opfertiere zusammentreiben und
schmücken, insgesamt 70 Stück Vieh, je eines für 10
Mann. Am ersten Tag des Du l-Quada machte er sich auf den Weg. Den
Quellen zufolge verzichten er und die Pilger ausdrücklich auf
die Mitnahme von Waffen, abgesehen von einem Schwert je Mann. Es
sollte den Anschein haben, als ob man nichts anderes als den Vollzug
der Riten beabsichtigte.
Doch
eine größere Anzahl bewaffneter Krieger, die nicht in den
Weihestand eintraten, begleiteten seinen Zug. Außerdem schickte
er einen Erkundungszug von 20 Reitern voraus. Diesem folgten die
Opfertiere nebst den für sie verantwortlichen Wärtern. Er
selber befand sich in der Schar der Wallfahrer, die schon kurz nach
dem Verlassen Medinas den Weihezustand einnahmen. Unterwegs versuchte
Mohammed vergeblich, Beduinen zum Mitziehen zu bewegen. Sie
argwöhnten, er werde nicht lebend zurückkommen, sei er doch
gar nicht in der Lage zu kämpfen.]
Zuhri berichtete mir von Urwa, der
sich auf die Aussagen des Miswar ihn Makhrama stützte, folgendes:
Im Jahr von Hudaibiya zog der Prophet aus, um die Kaaba
aufzusuchen, hatte aber keine kriegerischen Absichten. 70 Kamele
führte er als Opfertiere mit. Da es 700 Männer waren, entfiel
auf jeweils 10 Männer ein solches Kamel. [laut wikipedia.org
waren es 1.400 Moslems] Unterwegs bei Usfan, begegnete Bishr ibn Sufyan
dem Propheten und sprach: „O Gesandter Gottes! Die Quraish haben von
deinem Aufbruch gehört. Mit Leopardenfällen bekleidet haben
sie mit ihren Frauen und Kindern Mekka verlassen und sich in Dhu Tuwa
niedergelassen. Sie haben geschworen, dass du Mekka niemals gegen ihren
Willen betreten wirst. Khalid ibn Walid führt ihre Reiterei, die
sie nach Kura al-Ghamim vorausgeschickt haben.“
195
„Wehe den Quraish!“ erwiderte darauf der Prophet, „der
Gedanke an den Krieg hat sie verschlungen. Was würde es ihnen
schaden, wenn sie sich nicht in meine Angelegenheiten mit den
übrigen Arabern einmischten. Wenn diese mich töten, ist dies
doch genau das, was sie wollen. Wenn Gott mir aber den Sieg über
sie verleiht, werden sie in Scharen zum Islam übertreten oder mit
mir kämpfen, solange sie dazu die Kraft haben. Was denken sich
eigentlich die Quraish? Wahrlich, ich werde solange für meine
göttliche Botschaft kämpfen, bis Gott ihr zum Sieg verhilft
oder ich zugrunde gehe.“
Darauf erkundigte er sich nach einem Mann, der sie auf einem
Wege nach Mekka führen könnte, ohne dass sie den Quraish
begegnen würden. Dann befahl er seinen Leuten, zur rechten Hand
durch das Salzgebiet zu ziehen, auf einem Weg, der sie über den
Pass von Murar in die Niederungen von Hudaibiya unterhalb Mekkas
bringen würde. Das Heer schlug diesen Weg ein und als die
quraishitische Reiterei die Staubwolken sah, die die Muslime
aufwirbelten, merkten sie, dass diese einen anderen Weg nahmen und
kehrten dehalb im Galopp zu den Quraish zurück.
Auf dem Pass von Murar kniete das Kamel des Propheten nieder
und seine Leute sprachen: „Dein Kamel will nicht weiter!“ „Es ist nicht
die Art meines Kamels, so etwas zu tun, sondern der, der den Elefanten
von Mekka zurückhielt25, versperrte ihm den Weg. Wenn
mir die Quraish heute einen Vorschlag machen und mich bitten, erneut
eine verwandtschaftliche Beziehung zu ihnen zu knüpfen, werde ich
in jedem Fall darauf eingehen.“
25Dies bezieht sich auf den Elefanten von Abraha.
Der Begriff geht auf die mit historischen Fakten verwobene Legende
zurück, wonach der christliche König von Südarabien,
Abraha, einen Feldzug gegen Mekka unternahm, sein Elefant aber an der
Grenze der Stadt niederkniete und nicht mehr zu bewegen war, weiter zu
ziehen. Eine Seuche vernichtete zudem sein Heer und er musste erfolglos
umkehren. Nach muslimischer Berechnung geschah dies im Jahr 570 n.
Chr., dem Geburtsjahr des Propheten Muhammad.
Er ließ die Muslime absteigen und als sie ihn darauf
aufmerksam machten, dass es im Wadi dort kein Wasser gebe, wo sie sich
lagern könnten, zog er aus seinem Köcher einen Pfeil und gab
diesem einen seiner Gefährten. Jener stieg damit in eines der
ausgetrockneten Wasserlöcher und stieß den Pfeil mitten
hinein, worauf das Wasser reichlich floss. Nachdem Mensch und Tier
getrunken hatten, ließen sie sich dort nieder.
Als der Prophet sich ausgeruht hatte, kam Budail ibn Warqa
mit einigen anderen Männern vom Stamme Khuzaa zu ihm und sie
fragten ihn, was er vorhabe. Er antwortete, er wolle keinen Krieg und
sei lediglich gekommen, um die Kaaba zu besu-
196
chen und den Heiligen Bezirk zu ehren. Dann sagte er ihnen
das gleiche wie vorher schon dem Bishr ibn Sufyan. Die Khuzaa kehrten
zu den Quraish zurück und sprachen: „Männer von Quraish! Ihr
handelt zu voreilig gegen Muhammad. Er ist wirklich nicht gekommen, um
zu kämpfen, sondern will lediglich die Kaaba besuchen.“
Die Quraish misstrauten dem Budail jedoch und wiesen ihn
barsch ab, indem sie sagten: „Auch wenn Muhammad nicht vorhat zu
kämpfen, wird er Mekka gegen unseren Willen nicht betreten und die
Araber werden nicht darüber reden, dass wir es ihm erlaubt
hätten.“
Sowohl die Muslime als auch die Heiden unter den Khuzaa waren
für Muhammad Männer des Vertrauens und verschwiegen ihm
nichts, was in Mekka geschah. Die Quraish schickten sodann den Hulais
ibn Alqama zum Propheten. Hulais gehörte zu den Banu Harith aus
dem Großverband der Kinana und war damals der Führer der
Ahabish. Sobald der Prophet ihn kommen sah, wandte er sich an die
Muslime und sprach: „Dieser Mann gehört zu denen, die den Gott der
Kaaba verehren. Schickt ihm die Opfertiere entgegen, damit er sie
sieht.“
Als Hulais die Kamele erblickte, wie sie von der Seite des
Wadis auf ihn zuströmten und bemerkte, dass sie alle zum Zeichen
der Opferung mit Halsbändern geschmückt waren und ihr Fell,
da sie schon so lange auf dem Weg nach Mekka aufgehalten worden waren,
bereits ganz zerfressen war, zog er aus Ehrfurcht vor diesem Anblick
nicht weiter, sondern kehrte sogleich zu den Quraish zurück und
erzählte ihnen davon. Diese aber sagten nur: „Setz dich hin! Du
bist doch nur ein Beduine und hast keineAhnung!“
Abdallah ibn abi Bakr
überlieferte mir weiter:
Zornig antwortete ihnen Hulais: „Ihr Quraish! Auf dieser
Grundlage haben wir das Bündnis nicht mit euch geschlossen! Wollt
ihr denn jemandem den Zutritt zum Hause Gottes verwehren, der gekommen
ist, um es zu verehren? Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt,
entweder lasst ihr Muhammad das tun, wozu er gekommen ist oder ich
werde meine Ahabish bis auf den letzten Mann abziehen.“
197
„Langsam, Hulais!“ erwiderten sie ihm, „lasse uns
gewähren, bis wir zufriedenstellende Bedingungen erreicht haben!“
Zuhri fuhr in seinem Bericht fort:
Als nächstes schickten die Quraish den Urwa ibn Masud
vom Stamme Thaqif25.1 zum Propheten. Urwa hatte ihnen
erklärt: „Ihr Männer von Quraish! Ich habe gehört, mit
welch tadelnden und bösen Worten ihr euren Boten bedacht habt, als
er von Muhammad zurückkehrte. Ihr wisst, ihr seid für mich
der Gebärer und ich bin für euch ein Sohn.“ Urwa stammte
nämlich mütterlicherseits von den Quraish. „Nachdem ich
gehört hatte, was euch geschehen ist, habe ich diejenigen
Männer meines Stammes versammelt, die mir gehorchen und ich bin zu
euch gekommen, um euch zu helfen.“
25.1[Gegen den Stamm der Thaqif wird Mohammad im
Jahre 630 auch noch in den Krieg ziehen. Urwa ibn Masud nahm nach der
Schlacht gegen die Thaqif den Islam an und wurde deshalb von seinen
Stammesgenossen getötet. (siehe Seite 231)]
Die Quraish bestätigten ihm ihr Vertrauen. Urwa kam
daraufhin zum Propheten, setzte sich vor ihm nieder und sprach:
„Muhammad, hast du diesen bunten Haufen zusammengebracht und bist mit
ihm zu deinem eigenen Stamm gezogen, um diesen zu vernichten? Die
Quraish sind mit ihren Frauen und Kindern aufgebrochen, haben
Leopardenfelle angelegt und geschworen, dass du gegen ihren Willen
Mekka niemals betreten wirst. Ich bin sicher, deine Leute werden dich
schon morgen im Stich lassen.“ Da rief Abu Bakr, der hinter ihm
saß: „Wir und den Propheten in Stich lassen?! Scher dich lieber
um den Kitzler deiner Göttin Lat!“
„Wer ist dieser Mann, Muhammad?“ fragte Urwa und der Prophet
sagte es ihm, worauf Urwa an Abu Bakr gewandt sprach: „Hättest du
bei mir nicht etwas gut. Ich würde es dir heimzahlen. Aber jetzt
sind wir quitt!“ Dann ergriff er, während er mit dem Propheten
sprach, dessen Bart, doch Mughira ibn Shuba, der in seiner
Eisenrüstung neben dem Propheten stand, holte zum Schlag auf seine
Hand aus und drohte ihm: „Nimm deine Hand vom Gesicht des Propheten,
solange du es noch kannst!“ „Wehe dir, du grober Flegel!“ entgegnete
ihm Urwa und fragte den Propheten, der darüber lachen musste, nach
dem Namen des Mannes.
198
„Es ist Mughira ibn Shuba, der Sohn deines Bruders!“
antwortete ihm der Prophet, worauf Urwa jenen beschimpfte: „Welche
Treulosigkeit! Was es nicht erst gestern, dass ich für dich die
Blutschuld bezahlt habe!“
Darauf erklärte der Prophet dem Urwa das gleiche, was er
schon vorher den anderen gesagt hatte und deutete abermals darauf hin,
dass er ohne kriegerische Absichten gekommen sei. Während seines
Aufenthaltes beim Propheten sah Urwa, wie sich die
Prophetengefährten Muhammad gegenüber verhielten: Immer wenn
er seine Waschungen vollzog, eilten sie herbei, um sein Wasser zu
bekommen; immer wenn er spuckte, rannten sie hinzu; und jedes Haar, das
ihm ausfiel, hoben sie auf. [Solch ein Verhalten kann man bei vielen
sogenannten „Gurus“ erleben. Die fanatisierten Anhänger sind ihm
völlig hörig. Sie trinken
sein Badewasser und lecken die Teller ab, von denen er gegessen hat.]
Als Urwa dann zu den Quraish zurückkehrte, sprach er: „Männer
von Quraish! Ich war schon bei Chosroe [persischer
Großkönig] in seinem Reich, beim Kaiser in seinem Reich und
beim Negus in seinem Reich, aber ich habe nie einen König in
seinem Volk gesehen, wie Muhammad unter seinen Gefährten. Ich habe
Männer gesehen, die für ihn nichts in der Welt jemals
aufgeben werden. So macht euch nun eure eigenen Gedanken!“
57. Der Waffenstillstand Top
Zuhri berichtete weiter:
Dann schickten die Quraish den Suhail, einen Bruder der Banu
Amir ibn Luayy, zum Propheten mit dem Auftrag: „Gehe zu Muhammad und
schließe mit ihm Frieden unter der Bedingung, dass er in diesem
Jahr [628] wieder nach
Medina umkehrt, damit die Araber nicht sagen
können, er habe Mekka jemals gegen unseren Willen betreten.“ Der
Prophet sah ihn kommen und sagte: „Nachdem sie diesen Mann geschickt
haben, glaube ich, dass sie Frieden schließen wollen.“ Suhail kam
zum Propheten. Sie unterhielten sich lange miteinander, bis sie sich
auf eine Friedensvereinbarung einigten und
199
nur noch die entsprechende Urkunde zu schreiben war. Da
sprang Umar [Umar ibn Khattab, 634 Nachfolger als Kalif von Abu Bakr]
auf, lief zu Abu Bakr und sprach: „Abu Bakr! Ist er denn nicht der
Prophet Gottes?“ „Doch!“ erwiderte dieser und Umar fragte weiter: „Und
sind wir denn keine Muslime?“ „Doch!“ „Aber weshalb müssen wir
dann durch diesen Vertrag mit den Heiden unseren Glauben so
herabsetzen?“ „O Umar! Halte zu ihm! Ich bezeuge, dass er der Prophet
Gottes ist.“ „Auch ich bekenne, dass er Gottes Prophet ist!“,
antwortete ihm Umar, ging zu Muhammad und fragte auch ihn: „Bist du der
Gesandte Gottes?“ „Ja.“ „Sind wir Muslime?“ „Ja.“ „Sind sie
Ungläubige?“ „Ja.“ „Aber weshalb müssen wir dann durch diesen
Vertrag mit den Heiden unseren Glauben so herabsetzen?“ „Ich bin der
Sklave und der Prophet Gottes. Niemals werde ich seinem Auftrag zuwider
handeln und niemals wird er mich zu Schaden kommen lassen.“
Später pflegte Umar darüber zu sagen: „Wegen meines
damaligen Verhaltens dem Propheten gegenüber hörte ich nicht
auf Almosen zu geben, zu fasten, zu beten und Sklaven freizulassen. Ich
fürchtete nämlich, Gott werde mich für meine Worte
bestrafen, die ich damals in der Hoffnung äußerte, meine
Meinung sei die bessere.“
Sodann rief der Prophet Ali herbei und befahl ihm zu
schreiben: „Im Namen des barmherzigen und gütigen Gottes“, doch
Suhail wandte ein: „Den kenne ich nicht! Schreib nur: „In deinem Namen,
o Gott26!“
26Der Heide Suhail versteht unter der Formel „In
deinem Namen, o Gott“ nicht die Anrede an den einen Gott (Allah),
sondern an den Gott Allah, der in Mekka neben vielen anderen Gottheiten
verehrt wurde (Hubal, Uzza, Lat, Manat, u. a. m.) Dass er sich gegen
den Zusatz „barmherzig“ (rahman) wandte, ist darin begründet, dass
unter dem Namen Rahman in Arabien auch ein anderer Gott bekannt war,
für den etwa Musailima gleichzeitig mit Muhammad als Prophet
auftrat.
[Musailima ist ein Prophet, der
gleichzeitig mit Mohammed auftrat. Er wirkte in Yamama bei den Banu
Hanifa. Musailima wird in islamischen Quellen als Nachahmer des
Propheten Mohammed beschrieben, und, nach einer Aussage Mohammeds, als
„Musailima, der Lügner“ bezeichnet. Er wurde in al-Haddar in
al-Yamama, im Nadschd, an der Karawanenroute nach Bahrain geboren, wo
er im Stamm der Banu Hanifa seine Aktivität als Prophet
entfaltete. Seine Offenbarungen soll er, wie Mohammed, vom Erzengel
Gabriel erhalten haben. Gegen diese Behauptung polemisiert Mohammed in
der Sure 6, Vers 93: „Und wer ist frevelhafter, als wer gegen Gott eine
Lüge ausheckt oder sagt: „Mir ist (etwas als Offenbarung)
eingegeben worden“, während ihm nichts eingegeben worden ist, und
wer sagt: „Ich werde etwas herabsenden, das dem, was Gott herabgesandt
hat, gleich ist.“
Im
Mittelpunkt Musailimas monotheistischer Anschauung stand ar-Rahman (der
Barmherzige), den bereits die vorislamischen Araber als den einen Gott
gekannt haben. Musailima machte sich unter den Stämmen der Region
als Rahman al-Yamama (der Barmherzige von al-Yamama) einen Namen.
Mehrere Überlieferungen arabischer Historiographen, unter ihnen
Ibn Ishaq, lassen darauf schließen, dass Musailima bereits vor
Mohammeds Auftreten in Mekka als Prophet mit seiner Verkündung
begonnen haben muss. Musailima fiel im Jahre 632, im selben Jahr, in
dem auch Mohammed starb, bei der Schlacht von Yamama gegen den
Heerführer der Muslime Chalid ibn al-Walid durch die Hand eines
Schwarzen namens Wahschi, der sich später damit rühmte, den
schlechtesten Menschen getötet zu haben. Aber auch andere
rühmten sich, an der Ermordung von Musailima beteiligt gewesen zu
sein. (Quelle: Musailima)]
Der Prophet war damit einverstanden und Ali schrieb es. Dann
befahl er ihm fortzufahren: „Dies ist das Friedensabkommen, auf das
sich Muhammad, der Gesandte Gottes, mit Suhail ibn Amr geeinigt hat.“
200
Suhail aber sprach: „Würde ich bekennen, dass du der
Gesandte Gottes bist, hätte ich nicht gegen dich gekämpft!
Nenne lediglich deinen und deines Vaters Namen!“ So ließ der
Prophet folgendes schreiben: „Dies ist das Friedensabkommen, auf das
sich Muhammad, der Sohn des Abdallah, mit Suhail ibn Amr geeinigt hat.
Sie sind übereingekommen, 10 Jahre auf den Krieg zu verzichten. In
dieser Zeit sollen sich die Menschen sicher fühlen und voneinander
fernhalten. Muhammad verpflichtet sich, jeden an die Quraish
auszuliefern, der sich ohne die Erlaubnis seines Schutzherrn zu ihm
begibt, während die Quraish ihrerseits nicht verpflichtet sind,
Überläufer von Muhammad zurückzuschicken. Es soll keine
Feindschaft, keinen heimlichen Diebstahl und keinen Betrug zwischen uns
geben. Es steht jeden frei, sich für ein Bündnis mit Muhammad
oder den Quraish zu entscheiden.“
[Laut wikipedia.org wurden folgende Punkte in
Hudaibiya vereinbart:
-
Waffenstillstand für 10, nach anderen Berichten für
2 Jahre
-
Sicherheit
für die Muslime, die in der Zukunft die Pilgerfahrt vollziehen
wollen oder sich auf den Handelswegen in den Süden befinden
Die überlieferte Urkunde
trägt den Namen Muhammed ibn Abdallah und enthält keine
islamischen Formeln. Allerdings sorgte die Bereitschaft Mohammeds, alle
muslimischen Flüchtlinge nach Medina an die Mekkaner auszuliefern,
für Unruhen. Der Rückzug Mohammeds mit seinem Verzicht auf
die Umra, die kleine Pilgerfahrt (im Jahre 628), war ein weiterer Grund
für Unzufriedenheit in den Reihen seiner Anhänger. Die
gesamte Sure 48 (al-Fath = Der Erfolg) behandelt diese
historischen Ereignisse. Hier spricht die Offenbarung allerdings von
einem klaren Erfolg/Sieg („fath“) der Muslime, der nicht nur als
Mohammeds diplomatischer Erfolg bei al-Hudaibiya, sondern, in der
Retrospektive (im Rückblick) der islamischen Geschichtsschreibung
und in der Koranexegese (in der Koranauslegung), auch als Hinweis auf
die darauf folgende Eroberung der Oase von Khaibar, auf die Vertreibung
der jüdischen Banu al-Nadir (Mai-Juni 628) und auf die Verteilung
der Beute unter den seit al-Hudaibiya unzufriedenen Muslimen verstanden
wird. (Quelle: Mohammed)]
Da sprangen die Khuzaa auf und erklärten, dass sie in
ein Bündnis mit Muhammad treten würden. Die Banu Bakr
sprachen sich dagegen für eine Verbindung mit den Quraish aus und
sagten zum Propheten: „Du kehrst in diesem Jahr um, ohne Mekka betreten
zu haben. Im nächsten Jahr werden wir dir den Weg freigeben, so
dass du mit deinen Gefährten nach Mekka ziehen und drei
Nächte dort bleiben kannst. Du darfst so bewaffnet sein, wie ein
Reiter und die Schwerter in der Scheide mitführen. Sonst darfst du
nichts in die Stadt mitbringen.“
[Der Vertrag ist das Papier nicht wert, auf dem er steht,
denn bereits am 10. September 630 zog Mohammed mit seinem Heer in Mekka
ein, um es zu erobern.]
Während der Prophet und Suhail die Urkunde verfassten,
kam Suhails eigener Sohn, Abu Djandal, in Fesseln daher, nachdem er den
Quraish hatte entfliehen können. Die Gefährten des Propheten
waren wegen eines Traumes, den Muhammad gehabt hatte, in der Gewissheit
ausgezogen, dass sie Mekka erobern würden. [Heißt dies, dass
Mohammeds Offenbarungen etwa nicht alle richtig sind?] Als sie nun die
Friedensverhandlungen sahen, die Verpflichtung zur Umkehr und alle
anderen Abmachungen, die Muhammad einging, verzweifelten sie beinahe zu
Tode. Kaum hatte Suhail nun seinen Sohn erblickt, stand er auf, schlug
ihm ins Gesicht, packte ihn am Kragen und sprach: „Muhammad, wir haben
unsere Abmachung getroffen, bevor mein Sohn zu dir kam.“
Der Prophet musste ihm recht geben und Suhail zog Abu Djandal
heftig am Kragen, um ihn zu den Quraish zurückzuschleppen. Abu
Djandal aber schrie so laut er konnte:
201
„O ihr Muslime! Soll man mich denn zu den Ungläubigen
zurückbringen, damit sie mich in meinem Glauben wankend machen?“
Dies lies die Muslime noch mehr verzweifeln, doch der Prophet
antwortete: „Habe Geduld, Abu Djandal, und rechne auf Gottes
Vergeltung, denn er wird dir und den anderen Unterdrückten, die
mit dir sind, einen Ausweg und einen glücklichen Ausgang bereiten.
Wir haben mit ihnen Frieden geschlossen und uns bei Gott verpflichtet,
diesen einzuhalten. Wir können deshalb keinen Verrat an ihnen
begehen.“
Umar sprang auf, ging neben Abu Djandal her
und sprach: „Geduld, Abu Djandal! Es sind nur Ungläubige und das
Blut eines jeden von ihnen ist nicht mehr wert, als das Blut eines
Hundes!26.1“
26.1[Der Hund wird im Islam als ein besonders minderwertiges Tier
angesehen. Mir scheint, die Einstellung, die Umar ibn Khattab,
der zweite Kalif nach Mohammeds Tod, hier
äussert, ist in den Köpfen vieler Muslime heute noch genauso
präsent. Nicht umsonst werden weltweit 250 Millionen Christen wegen ihres Glaubens,
vorwiegend von Muslimen, verfolgt, bedroht, überfallen,
verschleppt, ausgepeitscht, enteignet, abgeschoben, vergewaltigt,
vertrieben, zwangsverheiratet, verhaftet, inhaftiert, verhört,
zwangsislamisiert, zur Zwangsarbeit verurteilt, körperlich und
psychisch gefoltert und etwa 175.000 Christen jedes Jahr ermordet. (siehe auch Weltverfolgungsindex
2009]
In der Hoffnung, Abu Djandal würde seinen Vater
erschlagen, hielt Umar ihm den Griff seines Schwertes so nahe hin, dass
er es hätte ergreifen können. Abu Djandal verzichtete jedoch
darauf, seinen eigenen Vater zu töten.
[In Fall Abu Basirs verstieß Mohammed allerdings gegen
die vereinbarte Auslieferung eines Muslims an die Mekkaner, der ohne
Erlaubnis seines Schutzpatrons nach Medina geflohen war: siehe Tilman
Nagel auf Seite
405]
Der Prophet lagerte außerhalb des
Heiligen Bezirks, verrichtete seine Gebete aber innerhalb desselben27. Nach Abschluss des Friedensabkommens schlachtete er seine
Opfertiere. Dann setzte er sich nieder und schor sich den Kopf. Als
seine Leute dies sahen, sprangen sie auf und taten es ihm gleich.
27Der „Heilige Bezirk“ schließt die ganze Stadt Mekka ein
und reicht bis Hudaibiya. Die Grenze war durch Steine markiert.
Auf dem Rückzug wurde dem Propheten zwischen Mekka und
Medina die Sure „Der Erfolg“ (Sure 48) geoffenbart: „Wir haben dir
einen offenkundigen Erfolg beschieden. Gott wollte dir deine
frühere und spätere Schuld vergeben, seine Gnade an dir
vollenden und dich einen geraden Weg führen.“ (Vers 1-2)
Dann folgt der Bericht über den Propheten und seine
Gefährten, bis er von der Huldigung spricht: „Diejenigen, die dir
huldigen, huldigen Gott. Gottes Hand ist über ihrer Hand. Wenn
einer eine Verpflichtung bricht, tut er das zu seinem eigenen Nachteil.
Wenn aber einer eine Verpflichtung, die er Gott gegenüber
eingegangen ist, erfüllt, wird er ihm gewaltigen Lohn geben. (Sure
48,10)
Im folgenden ermahnt Gott die Beduinen, die sich Muhammads
Zug trotz seiner Aufforderung nicht angeschlossen hatten:
202
„Diejenigen Beduinen, die zurückgelassen worden sind,
werden zu dir sagen: „Unsere Herden und Familien haben uns so sehr in
Anspruch genommen.“ [usw., bis er über sie sprach:] Diejenigen,
die zurückgelassen worden sind, wenn ihr aufbrecht, um Beute zu
machen, sagen: „Lasst uns euch folgen!“ Sie würden das Wort Gottes
gerne abändern. Sag: „Nein, ihr werdet uns nicht folgen. So hat
Gott sich schon vorher geäußert.“ (Sure 48,11-15)
Es folgt der Bericht über die Beduinen und über den
Kampf gegen das tapfere Volk, der ihnen erklärt wird. Dann sprach
Gott weiter: „Gott hat wirklich an den Gläubigen Wohlgefallen
gefunden als sie dir (in Hudaibiya) unter dem Baum huldigten. Er
wusste, was sie im Herzen hatten. Und er sandte die Gelassenheit auf
sie herab und stellte ihnen als Lohn einen nahen Erfolg und viel Beute
in Aussicht, die sie machen würden. Gott ist mächtig und
weise. Er hat euch versprochen, dass ihr viel Beute machen würdet.
Und er hat euch den einen Teil eilends zukommen lassen und die Hand der
Menschen von euch zurückgehalten. Und das geschah, dass es ein
Zeichen für die Gläubigen sei und er euch einen geraden Weg
führe. Und einen anderen Teil, über den ihr noch keine Gewalt
habt, hat Gott bereits erfasst. Er hat zu allem die Macht. (Sure
48,18-21)
Im folgenden erwähnt Gott, wie er ihn vom Kampfe
zurückhielt, nachdem er sie vorher besiegt hatte. Er meinte damit
diejenigen, die er vor ihm zurückgehalten hatte und fuhr fort:
„Und er ist es, der im Talgrund von Mekka ihre Hand von euch und unsere
Hand von ihnen zurückgehalten hat, nachdem er sie früher
über sie hatte siegen lassen. Gott durchschaut wohl, was ihr tut.“
(Sure 48,24)
[Sure 48 erinnert mich ein wenig an das Verhalten der
Politiker nach den Wahl, die jede noch so schmerzliche Niederlage als
einen Sieg feiern. Aber irgendwie muss Mohammed den enttäuschten
Muslimen, die sich große Beute versprochen hatten, den
Rückzug ja schmackhaft machen. Am besten, indem er ihnen einen
neuen Feldzug mit viel Beute in Aussicht stellt.]
Und Gott sprach weiter: „Sie sind es, die ungläubig sind
und euch von der Heiligen Stätte abgehalten haben, euch und die
Opfertiere, so dass sie gehindert waren, ihre Schlachtstätte zu
erreichen. Und wenn ihr nicht (im Falle einer kriegerischen
Auseinandersetzung) gläubige Männer und Frauen, die es (in
Mekka) gab, von denen ihr aber nichts wusstet, zu schaden gebracht
hättet, so dass ihr euch unwissentlich an ihnen versündigt
hättet, (wäre das Unternehmen anders ausgegangen).“ (Sure
48,25)
Dann sagte Gott: „Als die Ungläubigen das Ungestüm,
dasjenige des Heidentums, in ihrem Herzen Platz ergreifen ließen
(dies bezieht sich auf Suhail ibn Amr, als dieser es ablehnte, „Im
Namen des barmherzigen und güti-
203
gen Gottes“ und „Muhammad, der Gesandte Gottes“ zu
schreiben), worauf Gott die Gelassenheit auf seinen Gesandten und die
Gläubigen herabsandte und sie auf das Wort der Gottesfurcht
verwies! Sie verdienen es eher und waren seiner am ehesten würdig
(d. h. des Bekenntnisses zu Gottes Einheit: Es gibt keinen Gott
außer Gott und Muhammad ist sein Sklave und sein Gesandter). Gott
hat doch seinem Gesandten das Traumgesicht wirklich wahr gemacht:
„Bestimmt werdet ihr, so Gott will, die Heilige Stätte in
Sicherheit betreten und euch den Kopf scheren oder die Haare schneiden,
ohne dass ihr euch zu fürchten braucht. Und er wusste, was ihr
nicht wusstet.“ (Sure 48,26-27)
Kein früherer Sieg im Islam war größer
gewesen als dieser. Zuvor wurde immer nur gekämpft, wenn sich die
Menschen trafen. Nun aber, nachdem der Waffenstillstand erreicht und
der Krieg aufgehoben war, die Menschen sich voreinander sicher
fühlten und sich trafen, um miteinander zu reden, sprach kein
vernünftiger Mensch mehr über den Islam, ohne ihm
beizutreten. In den folgenden 2 Jahren bekehrten sich ebensoviele zum
Islam, wie vorher schon an ihn geglaubt hatten oder sogar mehr.
[Dies geschah allerdings nicht, wie Ibn Ishaq uns glauben
machen möchte, immer aus Überzeugung, sondern oft aus Angst
vor kriegerischer Auseinandersetzung, die Mohammed jedem androhte, der
sich nicht zum Islam bekannte. Die Feldzüge gegen Nichtmuslime
fanden nämlich weiterhin statt, wie wir noch sehen
werden.]
58. Der Zug nach Khaibar im Mai/Juni
628 n. Chr. Top
Nach seiner Rückkehr von Hudaibiya blieb der Prophet
während des Monats Dhu l-Hidjja im Jahre 6 und eines Teils de
Monats Muharram im Jahre 7 in Medina. Dann brach er nach Khaibar auf.
Er wählte den Weg über den Berg Isr, dort errichtete man eine
Moschee für ihn, und am Ort Sahba, vorbei an einem Wadi namens
Radji, zwischen Khaibar und dem Stammesgebiet der Ghatafan. Dort
lagerte er, um zu verhindern, dass die Ghatafan, die auf Seiten der
Bewohner von Khaibar standen, diesen zur Hilfe kommen konnten.
[In Khaibar lebten die jüdischen Stämme der Bana
Qainuqa und Banu Nadir, die Mohammed einst aus Medina vertrieben hatte.
Tilman Nagel schreibt auf Seite
373 über die Juden in Khaibar: „Auch die Juden ließen
das Massaker an den Banu Quraiza nicht auf sich beruhen. Man schmiedete
in Khaibar Pläne, bei denen man auf die unzuverlässigen
Beduinen von vornherein verzichtete. Man versprach sich mehr Erfolg,
wenn man die Juden aus Fadak, Taima und dem „Tal der Ortschaften“ als
Bundesgenossen gewänne. Im Übrigen sei Khaibar viel besser
befestigt, als es die medinensischen Wohntürme der Banu Quraiza
gewesen seien. Außerdem war man davon überzeugt, dass
Mohammed niemals Medina verlassen werde, um irgendwo einen Ort zu
belagern. Unvernünftig war diese Meinung nicht. Ob Mohammed eine
längere Abwesenheit von Medina riskieren durfte, war keineswegs
ausgemacht. Inwieweit er über die Überlegungen der Juden in
Khaibar unterrichtet war, wissen wir nicht. Seinen Terror jedenfalls
ließ er auch dorthin tragen.
Der Jude Sallam ibn abi l-Huqaiq, ein Angehöriger der
Banu Nadir, der sich um das Zustandekommen, der im Grabenkrieg
gescheiterten Koalition verdient gemacht hatte, sollte dafür mit
dem Tod büßen. Fünf Männer der Banu Salima wollten
durch einen Meuchelmord [an Sallam ibn abi l-Huqaiq] den Hazragiten den
gleichen Ruhm sichern, wie ihn die Aussiten durch die Tötung [des
jüdischen Dichters vom Stamme der Banu Nadir] Kab ibn al-Aschrafs
errungen hatten. Mohammed war es zufrieden und jene 5 Männer
schlichen sich in Khaibar ein, fanden unbemerkt den Weg in Sallams
Schlafgemach und erstachen ihn auf dem Nachtlager.
Auf Khaibar hatte der Prophet ohnehin ein Auge geworfen. Im
Ramadan des Jahres 6 (begann am 14. Januar 628) führte Abdallah
ibn Rawaha, ein ihm seit dem Aqaba-Treffen ergebener Hazragite, einen
Trupp zur Erkundung der Lage dorthin. Zwei Monate danach, Sallam war
inzwischen ermordet worden, war Abdalla ibn Rawaha wieder in Khaibar,
diesmal nicht in verdeckter Mission, sondern mit dem Auftrag, dem neuen
Wortführer der Juden, Usair, ein Anerbieten Mohammeds zu
unterbreiten: Wenn Usair sich dem Propheten unterwerfe27.1,
dann dürfe er als dessen Statthalter weiterhin in Khaibar seines
Amtes walten. Nach einigem Zögern machte sich Usair auf die Reise
nach Medina. Man war des ständigen Kriegsführens
überdrüssig. Unterwegs verdächtigten die muslimischen
Begleiter den Juden, er plane Verrat und machten sein Gefolge nieder.
Er selber scheint entkommen zu sein, wenn auch schwer verwundet.
Mohammed hatte freilich die Ermordung Usairs gewünscht, wie man
erzählt.]
27.1[Ist es nicht eine Kriegserklärung an die
Juden in Khaibar, wenn Mohammed von Usair fordert, er solle sich
Mohammed unterwerfen? Leider werden die soeben
von Tilman Nagel erwähnten
Vorfälle in der Prophetenbiografie Ibn
Ishaqs verschwiegen.]
[Zum
Beutekrieg gegen Khaibar (Khaibar oder Chaibar liegt etwa 150 km
nördlich von Medina) äußert sich Tilman Nagel auf Seite
392 wie folgt: „Gegen Ende des Jahres 6 (628) war Mohammed wieder
in Medina eingetroffen. Angesichts seiner kompromislosen,
scharfmacherischen Worte, die er seit dem Grabenkrieg in der „Lesung“
[im Koran] verkündete, durfte man das Ergebnis des Vorstosses in
Richtung Mekka kaum als glanzvoll werten. Im Gegenteil, es gab viele
Enttäuschte. Wessen man Zeuge gewesen war, war weit hinter dem
zurückgeblieben, was man einem unverbrüchlich von Allah
unterstützten Propheten zugetraut hatte, der für das Licht
und die Wahrheit und gegen die der Hölle verfallenen Mächte
der Finsternis focht. Es brauchte also den „baldigen Erfolg“, von dem
er in Sure 48, Vers 27 gesprochen hatte.
Wo er
ihn suchen werde, war bereits festgelegt. Khaibar und das nach Norden
sich erstreckende „Tal der Ortschaften“ waren lohnende Ziele. Den Krieg
dorthin zu tragen, konnte man als einen Schachzug zur Sicherung Medinas
ausgeben, denn die Juden von Khaibar waren mit den Beduinen der
Ghatafan-Stämme im Bunde. (Die Juden der Banu Nadir hatten bereits
zusammen mit den Banu Ghatafan in Jahre 627 bei der Grabenschlacht
gegen Mohammed gekämpft.) Zweierlei musste die dringende Sorge
Mohammeds auf diesem Feldzug sein: Der erschreckende Mangel an
Bedarfsgütern und Kriegsgerät war zu beheben, und man hatte
alles daranzusetzen, eine Vereinigung der Juden Khaibars mit den
Verbündeten der Banu Ghatafan, zu vereiteln.]
Sobald
die Ghatafan hörten, dass sich der Prophet im Gebiet von Khaibar
aufhielt, sammelten sie sich und brachen auf, um,
204
wie
mir berichtet worden ist, den Juden gegen den Propheten zu helfen. Sie
waren erst einen Tag unterwegs, als ihnen das Gerücht zu Ohren
kam, dass mit ihren Herden und Familien etwas geschehen sei. Sie
befürchteten, dass die Feinde sie in ihrer Abwesenheit angegriffen
hätten und kehrten deshalb nach Hause zurück. Somit gaben sie
dem Propheten den Weg nach Khaibar frei. Er rückte immer weiter in
das Gebiet vor und nahm dabei Herde um Herde und eroberte Festung um
Festung. Als erste fiel die Festung Naim. Dort starb Mahmud ibn
Maslama, als ein Mühlstein auf ihn herangeschleudert wurde und ihn
tötete. Die nächste Festung war Qamis und gehörte dem
Stamm Abu l-Huqaiq. Von ihnen nahm der Prophet einige Frauen gefangen,
darunter Safiya27.2, die mit Kinana ibn Rabi verheiratet
war, und zwei ihrer Kousinen. Safiya nahm der Prophet für sich
selbst. Dihya vom Stamme Kalb hatte den Propheten gebeten, Safiya ihm
zu überlassen. Als Muhammad diese dann aber für sich selbst
aussuchte, schenkte er dem Dihya die beiden Kousinen. Alle Gefangenen
von Khaibar wurden unter den Muslimen verteilt.
27.2[Was
die Prophetenbiographie Ibn Ishaqs verschweigt (jedenfalls in meiner
Ausgabe der Prophetenbiographie), ist die Tatsache, dass Mohammed
„Kinana ibn Rabi“, den Ehemann von Safiya, der auch der Schatzmeister
der
Banu Nadir war, der den Schatz der Banu Nadir verwahrte, zunächst
foltern und dann töten ließ, damit er verriet, wo der Schatz
der Banu Nadir versteckt sei. (Quelle: Kinana ibn al-Rabi)
Der
deutsche Orientalist Prof. Dr. Gustav Weil (1808-1889) schreibt in
seinem Buch „Das Leben Mohammeds“ über die Behandlung von Kinana
ibn Rabi, dem Oberhaupt der Banu Nadir: „Kinana, dessen Gemalin
Safjjeh, nach seinem Tod zur neuen Ehesklavin von Mohammed wurde, war
einer der Führer der Juden und hatte die Schätze der
geflüchteten Banu Nadir in Verwahrung. Man führte ihn vor
Mohammed und fragte ihn danach: „Kinana leugnete und sagte, er wisse
nicht, wo sie sich befinden. Da wurde ein Jude vor Mohammed gebracht,
welcher sagte: „Ich habe gesehen, wie Kinana jeden Morgen um diese
Ruine herumging.“ Mohammed sagte zu Kinana: „Darf ich dich töten,
wenn wir den Schatz bei dir finden?“ Dieser sagte: „Ja“
Mohammed
liess dann die Ruine ausgraben, und man fand darin einen Teil der
Schätze. Er fragte ihn hierauf nach dem Übrigen, und als er
sich weigerte es anzugeben, befahl Mohammed dem Zubeir Ibn Alawwan, ihn
zu foltern, bis er alles herausgebe. Dieser schlug ihm mit dem
Zündholze auf die Brust, bis er dem Tode nahe war, dann
übergab er ihn dem Mohammed Ibn Maslama, der ihn für seinen
Bruder Mahmud tötete.“ Damit war auch noch ein hängiger Fall
von Blutrache bereinigt. (Das Leben Mohammed's nach Muhammed Ibn Ishak
bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischam, übersetzt von Prof. Dr.
Gustav Weil. Stuttgart 1864. 2. Band, Seite 163) (Quelle: Unterwerfung
von Khybar]
Als
der Prophet eines Tages sah, wie die Muslime das Fleisch von Hauseseln
verzehrten, nannte er ihnen mehrere Dinge, die er ihnen fortan verbot.
Abdallah ibn abi Nadjih überlieferte mir von
Makhul dazu folgendes:
Der
Prophet verbot ihnen damals 4 Dinge: den Geschlechtsverkehr mit den
Schwangeren unter den gefangenen Frauen27.3, den Genuss des
Fleisches der Hausesel, den Genuss fleischfressender Tiere und den
Verkauf von noch nicht aufgeteilter Beute
27.3[Der
Geschlechtsverkehr mit den gefangenen Frauen, der natürlich nichts
anderes als eine Vergewaltigung ist, war den Muslimen auf ihren
Feldzügen allerdings generell erlaubt. Der sexuelle Umgang mit
gefangenen Frauen, die als Sklaven betrachtet wurden, kommt unter
anderem in den Hadithen, den Anweisungen, Handlungen und Empfehlungen
Mohammeds, zum Ausdruck. So gibt z B. ein Hadith von Muslim ibn
al-Haddschadsch darüber Auskunft. Nachfolgender Beleg aus der
Sammlung von Muslim berichtet über ein sehr spezifisches Problem
beim erlaubten Gebrauch von gefangenen ungläubigen Frauen.
Während die Mudjahidin (Gotteskrieger) eine mögliche
Schwangerschaft mittels „Koitus Interruptus“ (arabisch: azl’)
verhindern wollten, um den Wert der Beute bei Verkauf nicht zu
schmälern, hat Mohammed ihre Bedenken zerstreut und ihnen
versichert, daß keinerlei Vorsorge nötig sei:
Muslim B008 N3371:
Abu Sirma
sagte zu Abu Said al Khadri: „O Abu Said, hast du den Gesandten Allahs
gehört, wie er von al-'azl (Koitus Interruptus) gesprochen hat?“
Dieser gab zur Antwort: „Ja“, und fügte dazu: „Wir waren auf einem
Kriegszug gegen die Banu Mostaliq unterwegs und nahmen einige
ausgezeichnete Araberinnen gefangen. Wir begehrten sie, denn wir litten
unter der Abwesenheit unserer Ehefrauen. Da wir für erstere jedoch
auch Lösegeld bekommen wollten, entschieden wir uns, mit ihnen
zwar Geschlechtsverkehr zu haben, jedoch Koitus Interruptus (’ azl;
das Zurückziehen des männlichen Gliedes vor dem Samenerguss,
um Empfängnis zu verhüten) zu praktizieren. Dann sagten wir
uns, wir machen hier etwas, während der Gesandte Allahs unter uns
weilt; warum fragen wir nicht einfach ihn um Rat?“ Also taten wir dies
und er antwortete: „Es
kommt nicht drauf an, ob ihr ’ azl anwendet
oder nicht denn jede Seele, welche bis zum
Tag des Jüngsten Gerichts geboren werden soll, wird geboren
werden.“ Quelle: Sexueller
Missbrauch von Sklavinnen und weiblichen ungläubigen
Kriegsgefangenen
So wurden also
mit der Zustimmung des „Gesandten Gottes“ massenhaft gefangene Frauen
vergewaltigt. Hätte man sich so etwas auch bei Jesus oder Buddha
vorstellen können? Sicherlich nicht!]
Der Prophet
eroberte weiter Festung um Festung und nahm Herde um Herde, bis sie zu
den beiden Burgen Watih und Sulalim gelangten. Es waren dies die beiden
letzten Festungen der Bewohner von Khaibar, die eingenommen wurden.
Muhammad belagerte sie etwa 10 Tage.
Abdallah ibn Sahl überlieferte mir von Djabir ibn
Abdallah folgendes:
Der Jude
Marhab kam mit allen seinen Waffen aus der Festung seines Stammes und
sprach im Radjaz-Metrum die Verse:
205
In Khaibar wird
mein Name Marhab oft genannt.
Ich bin für scharfe Waffen und als Held bekannt.
Bald nehme ich die Lanze, bald das Schwert zur Hand,
wenn Feinde nahen, löwengleich und wutentbrannt.
Und niemand darf sich feindlich nähern meinem Land.
„Wer stellt
sich mit zum Zweikampf?“ rief er sodann zu den Muslimen hinüber
und Kab ihn Malik erwiderte ihm:
Als Kab bin ich in
Khaibar allen wohlbekannt,
als einer, der im Kampfe kühn die Not verband,
wenn immer neue Kriege ziehen durch das Land.
Mein scharfes Schwert, es leuchtet wie ein Diamant
in meiner tadelsfreien, tapf'ren Kämpferhand.
Wir treten euch, bis jedem seine Schmach bekannt
und ihr uns Steuern oder Beute gebt als Pfand.
„Wer
stellt sich ihm zum Kampfe?“, fragte der Prophet und Muhammad ibn
Maslama rief: „Ich, Gesandter Gottes! Ich bin zur Rache verpflichtet,
nachdem gestern mein Bruder getötet wurde.“ „So trete gegen ihn
an!“ antwortete ihm der Prophet und betete zu Gott, ihm zu helfen.
Die
beiden gingen aufeinander los. Ein alter Baum stand zwischen ihnen,
hinter dem sie jeweils vor ihrem Gegner Schutz suchten. Sobald sich der
eine dahinter versteckte, schlug der andere die Äste von ihm ab,
bis sie sich schließlich ungeschützt gegenüberstanden
und der astlose Baum sie nur noch wie ein aufrecht stehender Mann
voneinander trennte. Marhab stürzte sich auf Ibn Maslama und
schlug auf ihn ein. Dieser parierte den Hieb mit dem Schild und Marhabs
Schwert blieb darin stecken. Da schlug Ibn Maslama zu und tötete
ihn.
Der
Prophet belagerte die Bewohner von Kkaibar in ihren beiden Festungen
Watih und Sulalim, bis sie keinen Ausweg mehr sahen und ihn baten, er
möge sie ziehen lassen und ihr Leben verschonen. Der Prophet
erfüllte ihnen ihre Bitte. Er hatte alle ihre Ländereien,
Shaqq, Nata und Katiba, und alle ihre Festungen mit Ausnahme der beiden
Burgen erobert. Als die Bewoh-
206
ner
des Gebietes von Fadak erfuhren, was in Khaibar geschehen war,
schickten sie eine Gesandschaft mit der Bitte zum Propheten, er
möge sie ebenfalls ziehen lassen und ihr Leben verschonen; sie
würden ihm dafür ihre Besitzungen überlassen. Auch ihrer
Bitte entsprach er. Nachdem sich die Bewohner von Khaibar auf dieser
Grundlage ergeben hatten, baten sie den Propheten, er möge sie auf
ihren ehemaligen Besitzungen beschäftigen und ihnen die
Hälfte des Ertrages überlassen. Sie verwiesen darauf, dass
sie mehr von der Bestellung des Landes verstünden, als die
Muslime. Der Prophet ging auf ihre Bedingungen ein, fügte jedoch
hinzu, dass er sie jederzeit verteiben könne, wenn er dies wolle.
Die gleiche Vereinbarung traf er mit den Bewohnern von Fadak.
Während Khaibar aber als Kriegsbeute unter den Muslimen aufgeteilt
wurde, ging Fadak in den Privatbesitz des Propheten über, da die
Muslime weder Pferde noch Kamele hatten einsetzen müssen, um es zu
erobern.
[Die
Bitte der Juden, ihr Land weiterhin bestellen zu dürfen und
Mohammed die Hälfte des Ertrages zukommen zu lassen, geschah
natürlich nicht freiwillig, wie Ibn Ishaq uns gerne erzählen
möchte. Tilman Nagel schreibt hierzu auf Seite
398: „Mohammed erschloß sich in jenen Tagen weitere
Einnahmequellen. Östlich von Khaibar lag Fadak, ebenfalls von
Juden bewohnt. Wie zuvor im Falle Khaibars schickte er auch dorthin die
Botschaft, man möge zum Islam übertreten. Dass der Prophet
inzwischen Khaibar belagerte, verlieh der Forderung Nachdruck. Der
Entsandte der Muslime machte sich zusammen mit einem einheimischen
Unterhändler auf den Weg nach Khaibar. Dieser wollte von Mohammed
wenigstens erreichen, dass man, von Krieg verschont, mit aller Habe
Fadak verlassen durfte. Wenn die Datteln reif seien, werde man
zurückkommen und sie ernten. Für diesen Vorschlag konnte sich
Mohammed nicht erwärmen. Er zwang die Juden, weiter ihr Land zu
bestellen, jedoch auf die Hälfte des Ertrages zu verzichten.]
Bevor
Mohammed nach Medina zurückkehrte, soll er noch einen Abstecher
nach Norden in das „Tal der Ortschaften“ unternommen haben, in ein
Gebiet hinein, dass man nicht mehr zum Hedschas27.4, sondern
bereits zu as-Sam [Syrien] rechnete. Die jüdischen Bewohner jener
Gegend,
bis hinauf nach Taima, wurden vom Schrecken erfasst und fanden sich zur
Zahlung einer Kopfsteuer bereit, ohne dass es zu Kampfhandlungen
gekommen wäre.
27.4[Der
Hedschas ist eine Landschaft im westlichen Saudi-Arabien. Im Hedschas
liegen auch die Städte Mekka und Medina. Das Betreten von Teilen
des Hedschas, der Städte Mekka und Medina und deren Umgebung, ist
Nichtmuslimen heutzutage verboten.]
Eines
Tages, nachdem die Eroberungen beendet waren und der Prophet sich
sicher wähnte, schenkte ihm Zainad bint Harith, eine der
gefangenen Frauen, ein gebratenes Schaf. Sie hatte sich vorher
erkundigt, welches Stück vom Schaf ihm am liebsten sei und man
hatte ihr die Schulter genannt. Darauf vergiftete sie das ganze Schaf,
tat auf die Schulter aber besonders viel Gift. Dann brachte sie es
herbei und legte es vor dem Propheten nieder. Er nahm sich das
Schulterstück und kaute einen Bissen davon, schluckte ihn aber
nicht hinunter. Bishr ibn Bara, der beim Propheten war und sich
ebenfalls einen Bissen genommen hatte, verschlang diesen jedoch. Der
Prophet dagegen spuckte ihn aus und sprach: „Dieser Knochen sagt mir,
dass er vergiftet ist.“
Er
ließ die Frau holen und sie gestand. Als er sie fragte, weshalb
sie dies getan habe, antwortete sie ihm: „Du weißt, was du meinem
Volk angetan hast. Ich dachte mir, wenn du nur ein König bist,
werde ich damit von dir erlöst sein; bist du aber ein Prophet,
wirst du gewarnt werden.“ Da ließ sie der Prophet ungestraft
ziehen. Bishr aber starb an dem, was er gegessen hatte.
Als
die Eroberung von Khaibar beendet war, zog der Prophet noch in das
Gebiet von Wadi l-Qura und belagerte es einige Tage. Dann kehrte er
nach Medina zurück.
207
59.
Die vollzogene Pilgerfahrt im November 629 Top
Während der Monate Rabi bis Shawwal im Jahre 7 blieb der
Prophet in Medina und ließ von seinen Anhängern mehrere
Eroberungszüge durchführen. Dann, im Monat Dhu l-Quada, jenem
Monat, in dem die Ungläubigen ihm im Jahr zuvor das Betreten von
Mekka verwehrt hatten, unternahm er die „Vollzogene Pilgerfahrt“
anstelle der kleinen Pilgerfahrt, an der man ihn gehindert hatte28. Es waren die gleichen
Muslime, die ihn bereits im Vorjahr begleitet hatten, die sich nun im
Jahre 7 wieder auf den Weg machten. Sobald die Mekkaner davon
hörten, verließen sie die Stadt, um ihm den Einzug nach
Mekka zu ermöglichen. Die Quraish redeten sich ein, Muhammad und
seine Gefährten litten unter Armut und Not.
28Muhammad verrichtete wiedrum
nur die Kleine Pilgerfahrt (umra) und nicht die Große (hagjj).
Den folgenden Bericht des Ibn Abbas
habe ich von einem vertrauenswürdigen Überlieferer:
Reihenweise standen die Mekkaner am Versammlungshaus, um den
Propheten und seine Gefährten zu betrachten. Als er die Moschee
betrat, legte er sein Gewand über die linke Schulter und
ließ seine rechte Schulter unbedeckt. Er sprach: „Gott erbarme
sich eines Mannes, der ihnen heute etwas von seiner Macht gezeigt hat.“
Er küsste den Schwarzen Stein und lief mit seinen
Gefährten langsam um die Kaaba. Sobald ihn das Gebäude vor
den Blicken der Zuschauer verbarg und er auch die südliche Ecke
des Heiligtums geküsst hatte, ging er einfachen Schrittes wieder
zum Schwarzen Stein und küsste ihn abermals. Sodann umkreiste er
noch sechsmal die Kaaba, dreimal im Laufschritt und dreimal einfachen
Schrittes. Die Muslime glaubten damals, dass dieses Ritual für sie
nicht verbindlich sei und dass der Prophet dies nur wegen der Quraish
und dem, was er von ihnen gehört hatte, so getan habe. Erst als er
später während der Abschiedwallfahrt bei diesem Ritual blieb,
wurde es zur Regel29.
29d.h. Es wurde Sunna,
nämlich
Praxis und Theorie der „sunnitisch“-muslimischen Gemeinde. Der Koran
und die in den Hadith-(Traditions-)Werken festgehaltene Sunna sind die
beiden Hauptquellen des Islam.
208
Aban ibn Salih und Abdallah ibn abi
Nadjih überlieferten mir von Ata die folgende Nachricht, die mir
Mudjahid auch von Ibn Abbas mitteilte:
Während jener Reise heiratete der Prophet im Zustand des
haram30 Maimuna, die Tochter des Harith. Derjenige, der
für ihn diese Heirat vermittelte, war Abbas ibn Abdalmuttalib. Der
Prophet blieb drei Tage in Mekka. Am letzten Tag kam Huwaitib ibn
Abdaluzza, den die Quraish beauftragt hatten, dafür zu sorgen,
dass der Prophet Mekka wieder verließ, mit einigen anderen
Quraishiten zu ihm. Sie sagten: „Deine Frist ist abgelaufen. Verlasse
uns!“
30d. h. im Weihezustand des Pilgers, der durch
bestimmte rituelle Reinigungen und das Anlegen des Pilgergewandes
erreicht wird. Sexueller Verkehr ist in diesem Zustand untersagt. Aus
rechtlichen Gründen haben sich später die Meinungen der
Juristen an der Überlieferung von Muhammads Heirat als Pilger
heftig entzündet.
„Was würde es euch schaden“, entgegnete der Prophet,
„wenn ihr mich hierbleiben liesset, so dass ich bei euch die Hochzeit
feiern und ein Festmahl veranstalten kann, an dem auch ihr teilnehmt?“
„Wir brauchen dein Essen nicht“, gaben sie zurück. „Mach, dass du
wegkommst!“ Der Prophet verließ Mekka und gab Maimuna in die
Obhut seines Freigelassenen Abu Raffi, der sie ihm dann nach Sarif
nachbrachte. Dort vollzog er mit ihr die Ehe und kehrte im Monat Dhu
l-Hidjja nach Medina zurück.
60. Der Feldzug nach Muta im Mai 630 Top
Muhammad ibn Djafar berichtete mir
von seinem Oheim Urwa ibn Zubair folgendes:
„Wenn Zaid fällt, erhält Djafar ibn abi Talib die
Führung. Stirbt auch er, übernimmt Abdallah ibn Rawaha den
Befehl über das Heer!“
209
Die Muslime, 3.000 an der Zahl, rüsteten sich zum
Aufbruch, und als es soweit war, nahmen die Feldherrn des Propheten von
den Zurückbleibenden Abschied. Abdallah ibn Rawaha brach dabei in
Tränen aus. Nach dem Grund dafür befragt, sprach er: „Ich
weine nicht, weil ich etwa an dieser Welt hänge oder euch
besonders missen würde, sondern weil ich den Propheten einen
Koranvers habe vortragen hören, in dem es vom Höllenfeuer
heißt: „Und es gibt keinen unter euch, der nicht zu ihm
hinunterkommen würde. Dies ist bei deinem Herrn entschieden und
beschlossen.“ (Sure19,71) Ich aber weiß nicht, wie ich aus dem
Höllenfeuer zurückkehren kann, nachdem ich dorthin gelangt
bin.“
„Gott sei mit euch und schütze euch und bringe euch heil
zu uns zurück!“, entgegneten die Muslime. Abdallah aber sprach:
Gott möge mir vergeben und mir
einen Hieb vergön-
nen, der mir weite Wunden schlägt, aus denen Blutschaum
fließt,
oder einen Todesstoß, aus kühner, heißer Männer-
hand, die mir die Lanze durch Gedärm und Leber spießt,
damit die Menschen, die mein Grab besuchen, flehn, dass er
für mich, nachdem ich recht getan, den rechten Weg
beschließt.
Das Heer brach auf, und der Prophet begleitete es ein
Stück des Wegs. Als er dann von ihm Abschied nahm und nach Medina
zurückkehrte, sprach Abdallah ibn Rawaha:
Friede sei auf jenem Mann, dem besten
aller Freunde,
dem ich hier den Abschied gab, umringt von hohen Palmen.
Das Heer zog bis nach Maan in Syrien [Entfernung Medina nach
Damaskus/Syrien etwa 1.300 km]. Dort erfuhren die Muslime, dass
Heraklius [der Kaiser von Byzanz, dem heutigen Istanbul] mit 100.000
Byzantinern, denen sich weitere 100.000 Mann aus den Stämmen
Lakhm, Djudham, Qain, Bahra und Bali angeschlossen hatten, nach Maab,
in der Landschaft Balqa, gekommen war. Auf diese Nachricht hin blieben
die Muslime zwei Nächte in Maan und überlegten, was sie
angesichts dieser Lage tun sollten. Einige schlugen vor: „Wir schreiben
an den Propheten und unterrichten ihn von der Anzahl der Feinde.
Entweder schickt er uns weitere Männer
210
zur Hilfe, oder er erteilt uns einen anderen Befehl, nach dem
wir uns richten können.“
Abdallah ibn Rawaha aber spornte sie an und sprach: „Bei
Gott, ihr Männer, das, wovor ihr jetzt zurückschreckt, ist
doch eben das, weshalb wir ausgezogen sind: der Märtyrertod! Wir
kämpfen doch nicht gegen den Feind mit Zahlen, Kraft und
Heeresgröße, sondern allein mit dem Glauben, mit dem Gott
uns ausgezeichnet hat. So macht euch auf! Eines von zwei schönen
Dingen erwartet uns: der Sieg oder der Märtyrertod!“ „Bei Gott,
Ibn Rawaha hat recht!“ riefen die Muslime und zogen weiter.
An der Grenze der Landschaft Balqa trafen sie bei dem Dorf
Masharif auf die byzantinischen und arabischen Heerscharen und zogen
sich beim Anrücken des Gegners nach Muta zurück. Dort kam es
zum Kampf. Zaid ibn Haritha kämpfte mit der Fahne des Propheten in
der Hand, bis er so viel Blut verloren hatte, dass er mitten unter den
feindlichen Lanzen fiel. Darauf ergriff Djafar die Fahne und
stürzte sich in den Kampf. Als ihm jeder Fluchtweg abgeschnitten
war, sprang er von seinem Rotschimmel, durchschlug diesem die Beine und
kämpfte, bis er starb. Djafar war der erste Muslim, der so mit
seinem Pferd verfuhr.
Yahya ibn Aabbad erzählte mir, wie er sich von seinem
Rotschimmel stürzte, diesem die Beine zerschlug und kämpfte,
bis er fiel, wobei er sprach:
Zum Garten Eden habe ich es nicht mehr
weit;
und kühler Trunk erwartet mich voll Köstlichkeit.
Den Byzantinern droht der nahen Strafe Leid,
als Heide, ohne eines Stammbaums Vornehmheit.
Zum Todeskampfe gegen sie bin ich bereit.
Und nachdem Djafar gefallen war, ergriff Abdallah ibn Rawaha
die Fahne, stürmte auf seinem Pferd voran und machte sich selbst
Mut, indem er rief:
211
Du musst dich Seele, in den Kampf
begeben,
und geht es noch so gegen dein Bestreben.
Und lässt der Sieger Schrei dich auch erbeben,
du wirst zum Paradies dich heut' erheben.
Du klarer Wassertropfen sollst nicht länger leben
Von einem alten Wassersack umgeben!
Als er vom Pferd stieg, trat einer seiner Vettern mit einem
Fleischknochen auf ihn zu und forderte ihn auf: „Stärke dich
damit!
Du hast schon schwere Kämpfe durchgemacht.“ Er nahm den Knochen
und aß etwas davon. In diesem Augenblick hörte er jedoch
heftigen Kampfeslärm und sprach zu sich selbst: „Und du lebst
noch!“ warf den Knochen weg, ergriff sein Schwert, stürmte vor
und kämpfte, bis er fiel. Sodann übernahm Thabit ibn Aqram
die Fahne und rief: „Ihr Muslime! Einigt euch auf einen Mann aus euren
Reihen, der die Führung übernehmen soll.“
Sie schlugen ihn selbst vor, doch er lehnte ab. So einigten
sie sich auf Khalib ibn Walid. Nachdem dieser die Fahne übernommen
hatte, versuchte er sich vom Feinde fernzuhalten und weitere
Kämpfe zu vermeiden. Beide Seiten trennten sich voneinander und
Khalid brachte die Muslime nach Medine zurück.
Muhammad ibn Djafar berichtete mir
von seinem Onkel Urwa folgendes:
Als sich das Heer Medina näherte, ritt ihnen der Prophet
mit den zurückgebliebenen Muslimen entgegen. Die Kinder rannten
nebenher. „Nehmt die Jungen mit auf eure Esel“, forderte der Prophet
seine Begleiter auf, „und gebt mir Djafas Sohn!“ Man brachte Abdallah
ibn Djafar und setzte ihn vor sich auf sein Reittier. Dann begannen die
Leute Staub auf die Heimkehrenden zu werfen und riefen: „Ihr Feiglinge!
Ihr seid auf dem Wege Gottes geflohen!“ „Wenn Gott der Erhabene es
will“, unterbrach der Prophet das Treiben, „sind es keine Fliehenden,
sondern Männer, die sich zurückgezogen haben, um sich zum
nächsten Kampf zu rüsten.“
212
61. Der Grund für den Zug nach
Mekka und die Eroberung [630] Top
Nachdem der Prophet das Heer nach Muta geschickt hatte,
verbrachte er selbst die Monate Djumada II. und Radjab in Medina. In
dieser Zeit kam es zu dem Überfall des Stammes Bakr aus dem
Großverband der Kinana gegen die Khuzaa an einer Wasserstelle
namens Watir, im Unterland von Mekka. Der Grund zwischen diesen beiden
Stämmen war folgender: Noch vor dem Islam war ein
Angehöriger, der mit den Kinana verbündeten Banu Hadrami
einmal als Händler unterwegs. Als er sich mitten im Gebiet der
Khuzaa befand, wurde er von diesen überfallen, getötet und
ausgeplündert. Darauf überfielen die Bakr einen Khuzaiten und
töteten ihn. Unmittelbar vor dem Islam griffen dann die Khuzaa die
Söhne des Aswad ibn Razn aus dem Clan der Banu Dil, die
herrschende und edelste Familie unter den Kinana, an und töteten
drei von ihnen in Arafa an den Grenzsteinen des Heiligen Bezirkes.
So stand es um die beiden Stämme Bakr und Khuzaa, als
das Aufkommen des Islam ihren Streit in den Hintergrund drängte
und man sich mehr mit dem neuen Glauben befasste. Im Vertrag von
Hudaibiya zwischen dem Propheten und den Quraish war nun festgelegt
worden, so berichtete mir Zuhri von Urwa und dieser von Miswar, Marwan
und anderen Überlieferern, dass jeder, der sich mit dem Propheten
oder den Quraish verbünden wollte, dies tun konnte. Die Banu Bakr
entschieden sich darauf für die Quraish, während sich die
Khuzaa auf die Seite des Propheten stellten. Der Clan der Banu Dil vom
Stamme Bakr versuchte nun aber den Waffenstillstand dazu zu nutzen, um
an den Khuzaa diejenigen zu rächen, die jene vormals umgebracht
hatten. Naufal, der damalige Führer der Banu Dil, dem allerdings
nicht alle Bakr folgten, überfiel mit seinen Leuten die Khuzaa an
deren Brunnen Watir und tötete einen von
213
ihnen. Beide Seiten trennten sich wieder, doch die
Kämpfe begannen erneut. Die Quraish unterstützten die Bakr
mit Waffen, und einige von ihnen kämpften im Schutze der Nacht
sogar selbst auf ihrer Seite. Schließlich trieben sie die Khuzaa
in den Heiligen Bezirk. Budail ibn Warqa begab sich daraufhin mit einem
seiner Stammesgenossen von den Khuzaa zum Propheten nach Medina und
berichtete ihm, was ihnen widerfahren war und dass die Quraish den Banu
Bakr geholfen hatten. Dann machte er sich wieder auf den Rückweg
nach Mekka.
[Tilman Nagel bestätigt auf Seite
412 die Aussagen Ibn Ishaqs. Er schreibt: „Wie so oft zeitigte ein
lächerlicher Vorfall, weitreichende Folgen. Ein huzaitischee
Bursche war Zeuge geworden, wie ein Bakrite den Gesandten Allahs
geschmäht hatte. Der Huzaite brachte dem, wie er meinte,
Übeltäter, eine Kopfwunde bei, worauf die bakritische Sippe
der Banu Nufata mit einigen Führern der Quraishiten Fühlung
aufnahmen, damit man an den Huzaiten Rache übe. Unter den Bakriten
hielten sich allein die Banu Mudlig abseits, denn sie hatten sich schon
vor der Schlacht von Badr verpflichtet, nicht gegen Mohammed Krieg zu
führen. Auch Abu Sufyan ibn Harb soll sich nicht auf eine Attacke
gegen die Huzaiten eingelassen haben. Andere Quraishiten waren jedoch
zum Mittun bereit, und sie verabredeten mit einigen Bakriten einen
nächtlichen Überfall. Das Opfer war eine bei Mekka lagernde
Gruppe von Huzaiten. Einige retteten sich in das Haram-Gebiet und
fanden in den Häusern zweier Stammesgenossen Unterschlupf. Drei
Tage belagerte man sie dort. Als sich die Erregung gelegt hatte und man
die Leichen von 23 Huzaiten gewahr wurde, beschlich die Quraishiten
Furcht. Denn anders als einen Bruch des Vertrages von Hudaibiya konnte
man das Geschehen kaum auslegen.
Die Quraishiten hatten in diesem Fall eindeutig gegen den
Vertrag von Hudaibiya verstoßen. Wie Tilman Nagel aber auf Seite
413 schreibt, war „der Mord an den 23 Huzaiten, ein viel zu
willkommener Grund für einen Krieg gegen Mekka, als dass Mohammed
sich auf irgendeine Weise auf Abu Sufyans Ansinnen hätte einlassen
wollen.“ Abu Sufyan war nämlich zu Mohammed gekommen, um
flehentlich um eine Verlängerung des Friedensvertrages zu bitten.
Er hatte alles getan, um einen Krieg zu verhindern. Er selber hatte
sich, wie wir eben gesehen haben, nicht an dem Überfall beteiligt.
Mohammed war außerdem mit Abu Sufyans Tochter Umm Habiba
verheiratet. Man kannte sich also gut, aber trotz aller Bemühungen
die Abu Sufyan versuchte, um einen Feldzug gegen Mekka zu verhindern,
ging Mohammed in keinster Weise auf Abu Sufyans Bemühungen ein, er
sprach nicht einmal mit ihm. Für Mohammed war der Krieg gegen
Mekka also offensichtlich von Anfang an eine beschlossene Sache.
Unverrichteter Dinge kehrte Abu Sufyan nach Mekka
zurück. Mohammed aber befahl die Vorbereitungen für einen
Feldzug. Den Beduinen in der Umgebung Medinas richtete er aus, sie
hätten sich am 23. Dezember 629 bei ihm einzufinden. Die
Auswanderer stellten laut al-Waqidi 700 Mann, darunter 300 Berittene,
die Helfer 3.500 Fusssodaten und 500 Mann Kavallerie (Berittene). Dass
unter den Auswanderern fast jeder zweite zu Pferde in den Krieg ziehen
konnte, deutet auf die erheblichenVermögenswerte hin, die sich
diese Gruppe seit dem Kampf im Khaibar angeeignet hatte.]
Der Prophet aber sprach zu den Muslimen: „Ich glaube, Abu
Sufyan wird zu euch kommen, um den Vertrag zu bekräftigen und die
Vertragsfrist zu verlängern.“ Tatsächlich trafen Budail und
seine Gefährten auf ihrem Rückweg in Usfan auf Abu Sufyan.
Die Quraishiten hatten ihn aus Furcht über ihr Verhalten zum
Propheten geschickt, damit er das Abkommen festige und eine
Verlängerung der Vertragsdauer erwirke. Als Abu Sufyan unterwegs
Budail traf, vermutete er, dass dieser beim Propheten gewesen war und
fragte ihn: „Woher kommst du, Budail?“
„Ich bin mit den Khuzaa an der Küste entlang und durch
dieses Wadi gezogen.“ „Bei Muhammad warst du nicht?“ Budail verneinte
und zog weiter in Richtung Mekka. Abu Sufyan aber sprach: Wenn Budail
in Medina war, hat er dort seinen Tieren Datteln zu fressen gegeben.“
Und er ging zu der Stelle, wo Budails Kamel niedergekniet war, nahm
etwas vom Dung, zerbröckelte ihn und fand Dattelkerne darin.
„Ich schwöre“, rief er aus, „Budail ist bei Muhammad
gewesen!“ Abu Sufyan zog weiter. In Medina angekommen begab er sich
zunächst zu seiner Tochter Umm Habiba, die mit Muhammad
verheiratet war, und wollte sich dort auf dem Teppich des Propheten
setzen. Seine Tochter indes faltete den Teppich zusammen und Abu Sufyan
fragte sie: „Mein liebes Töchterchen! Ich weiß nicht, bin
ich dir zu schade für den Teppich oder ist dir der Teppich zu
schade für mich?“
214
„Das ist der Teppich des Gesandten Gottes und du bist ein
unreiner Heide. Ich möchte nicht, dass du auf dem Teppich des
Propheten sitzt.“ „Wahrlich, seid du nicht mehr bei mir bist, ist es
schlecht um dich bestellt.“
Darauf begab er sich zum Propheten selbst und redete auf ihn
ein, doch erhielt er keine Antwort. Dann bat er Abu Bakr, er möge
sich für ihn beim Propheten verwenden, dass dieser mit ihm
spreche, doch wies er sein Ansinnen zurück. Und als er sich mit
der gleichen Bitte an Umar [Umar ibn Khattab] wandte, sagte dieser:
„Ich soll dich beim Propheten vermitteln!? Bei Gott, und hätte ich
nur eine Ameise, ich würde mit ihr gegen dich kämpfen!“
Schließlich ging Abu Sufyan zu Ali, bei dem sich
Fatima, die Tochter des Propheten, befand. Hassan, der Sohn der beiden,
krabbelte vor ihr auf dem Boden herum. Abu Sufyan sprach: „O Ali, du
bist mir von allen Leuten hier am engsten verwandt. Ich flehe dich an,
vermittle für mich beim Propheten und lass mich, bitte, nicht
erfolglos umkehren!“ „Wehe dir, Abu Sufyan!“ antwortete Ali, „Bei
Gott, wenn der Prophet einmal etwas beschlossen hat, lässt er
nicht mehr mit sich darüber reden.“
Da wandte sich Abu Sufyan an Fatima und bat sie: „Tochter
Muhammads!“ Möchtest du nicht deinen kleinen Sohn hier
beauftragen, dass er zwischen den Menschen ein Schutzverhältnis
vermittelt, auf das er bis zum Ende aller Zeiten zum Herrn aller Araber
wird?“ „Bei Gott, mein Sohn ist dafür nicht alt genug!“ erwiderte
sie ihm und fuhr fort: „Ausserdem kann niemand einem anderen gegen den
Propheten Schutz bieten.“ Da wandte sich Abu Suyan nochmals an Ali und
sagte: „Vater des Hassan! Ich sehe, es steht schlecht um mich. Gib mir
einen Rat!“
„Bei Gott, ich weiß wirklich nicht, was dir helfen
könnte. Aber du bist doch der Herr der Kinana; so biete unter den
Leuten ein Schutzverhältnis an und kehre nach Mekka zurück!“
„Meinst du, das nützt mir etwas?“ „Ich glaube nicht, aber sonst
fällt mir auch nichts ein.“
215
Abu Sufyan begab sich in die Moschee und erklärte: „Ich
gewähre Schutz unter den Menschen.“ Darauf bestieg er sein Kamel
und verließ Medina. In Mekka fragten ihn die Quraish, was er habe
ausrichten können und er sprach: „Ich ging zu Muhammad, redete auf
ihn ein, doch er antwortete mir nicht. Dann war ich bei Abu Bakr, doch
fand ich nichts Gutes an ihm. Darauf begab ich mich zu Umar und
erkannte in ihm einen der schlimmsten Feinde. Schließlich ging
ich zu Ali und bemerkte, dass er der Sanftmütigste unter jenen
Leuten ist. Ich habe einen Rat von ihm befolgt, weiß aber nicht,
ob er etwas nützt.“ Nämlich?“ „Er hat mir geraten, ich solle
eine Schutzerklärung unter den Leuten abgeben, und ich habe dies
getan.“ „Hat Muhammad dies bestätigt?“ „Nein!“ „Wehe dir! Er hat
sich auch noch ein Spiel mit dir erlaubt. Was du gesagt hast,
nützt gar nichts.“
Inzwischen befahl der Prophet den Muslimen, sich zu
rüsten. Abu Bakr traf bei seiner Tochter Aisha ein, als diese
gerade etwas von der Ausrüstung des Propheten zusammentrug und
fragte sie: „Hat der Prophet dich gebeten, seine Ausrüstung
zusammenzulegen?“ „Ja! Auch du sollst dich fertig machen.“ „Und wohin,
glaubst du, will er ziehen?“ „Bei Gott, ich weiß es nicht.“
Später gab der Prophet den Medinensern bekannt, dass er nach Mekka
aufbreche. Er befahl ihnen, sich gründlich vorzubereiten und den
Quraish gegenüber ihr Vorhaben geheimzuhalten, damit er sie in
Mekka überraschen könne.
Zuhri berichtete mir von Ubaidallah
ibn Abdallah, der sich auf die Aussagen des Abdallah ibn Abbas
stützte, folgendes:
Am zehnten Ramadan brach der Prophet auf. Er und die Muslime
fasteten, bis sie Kudaid zwischen Usfan und Amadj erreich-
216
ten. Mit 10.000 Muslimen zog er von dort weiter nach Marr
as-Zahran. Allein vom Stamme Sulaim waren 700 oder 1.000 Männer
dabei und vom Stamme Muzaina ebenfalls 1.000 Mann. Alle vertretenen
Stämme folgten ihm in großer Zahl und viele hatten sich zum
Islam bekehrt. Die Auswanderer und Helfer begleiteten geschlossen den
Propheten und keiner blieb zurück.
Während der Prophet in Marr az-Zahran lagerte, wussten
die Quraish immer noch nicht, was er vorhatte. Abu Sufyan, Hakim ibn
Hizam und Budail ibn Warqa verließen deshalb in jenen
Nächten Mekka, um Erkundigungen einzuziehen und Näheres in
Erfahrung zu bringen. Zuvor hatte Abbas [Abbas ibn Abdalmuttalib, der
Onkel Mohammeds] bereits den Propheten getroffen und sich ihm
angeschlossen.
In Marr az-Zahran, erzählte Abbas, der Oheim des
Propheten, später selbst, sorgte ich mich um die Quraish und sagte
mir, wenn der Prophet gewaltsam nach Mekka eindringt, bevor sie zu ihm
kommen und ihn um seinen Schutz bitten, bedeutet dies ihren Untergang
für alle Ewigkeit. Ich bestieg deshalb das weiße Maultier
des Propheten, um nach Arak zu reiten. Dort, so dachte ich mir,
müsste ich einen Holzsammler, einen Melker oder sonst jemanden
finden, der nach Mekka gehen und den Mekkanern berichten könnte,
wo der Prophet lagerte, damit sie zu ihm kämen und ihn um seinen
Schutz bäten, bevor er mit Gewalt bei ihnen eindringe. Und bei
Gott, während ich so dahinritt, hörte ich plötzlich die
Stimmen Abu Sufyans und Budails, die sich miteinander unterhielten. Abu
Sufyan sagte gerade: „Ich habe noch nie solche Feuer und ein solches
Lager gesehen, wie heute nacht.“
„Dies, bei Gott, sind Feuer der Khuzaa, die der Krieg
entzündet hat“; antwortete Budail. Doch Abu Sufyan wandte ein:
„Die Khuzaa sind zu schwach und zu gering an Zahl, als dass dies ihre
Feuer und ihr Lager wären.“
Ich hatte Abu Sufyans Stimme erkannt und als ich ihn anrief,
erkannte er auch die meine und fragte überrascht, was ich wollte.
„Wehe dir, Abu Sufyan“, erwiderte ich ihm, „dies ist der Prophet mit
seinen Leuten und ich habe Angst um die Quraish.“ „Ich bitte dich
inständig, was soll ich tun? fragte er mich und ich antwortete:
217
„Wenn du ihm in die Hände fällst, wird er dir den
Kopf abschlagen lassen. Besteige daher dieses Maultier, damit ich dich
zum Propheten bringe und ihn um Schutz für dich bitte!“ Er setzte
sich hinter mir auf das Reittier und seine beiden Begleiter kehrten
nach
Mekka zurück. Immer wenn ich mit Abu Sufyan an einem Lagerfeuer
der Muslime vorbeiritt, fragten sie, wer wir seien, erkannten dann aber
das Maultier des Propheten und merkten, dass ich es war.
Schließlich kamen wir auch an der Feuerstelle Umars (Umar ibn
Khattab; Umars Tochter Hafsa war mit Mohammed verheiratet. Umar wurde
später der zweite Kalif.) vorbei. Auch er erkundigte sich, wer wir
seien und trat auf uns zu. Da erblickte er Abu Sufyan hinter mir auf
dem Maultier und rief: „Abu Sufyan, der Feind Gottes! Gepriesen sei
Gott, der dich uns vertragslos ausgeliefert hat!“
Eiligst rannte er zum Propheten. Ich aber ließ das
Maultier gallopieren und kam etwas früher dort an. Kaum war ich
vom Maultier gesprungen und beim Propheten eingetreten, eilte auch Umar
herein und sprach zu ihm: „Diesen Abu Sufyan hat uns Gott vertragslos
ausgeliefert! Lass mich ihm den Kopf abschlagen!“
Ich machte sogleich geltend, dass ich Abu Sufyan unter meinen
Schutz gestellt hatte. Sodann setzte ich mich zum Propheten, ergriff
sein Haupt und schwor, dass sich in dieser Nacht ohne mein Beisein
niemand mit ihm werde vertraulich unterhalten können. Und als Umar
weiter drängte, sprach ich: „Langsam, Umar! Wäre Abu Sufyan
ein Mitglied der Sippe Adi ibn Kab, würdest du nicht so reden. Du
weisst aber, dass er zu den Abdmanaf gehört.“ „Langsam, Abbas!“
widersprach er mir, „deine Bekehrung zum Islam am Tage, an dem du ihn
annahmst, bedeutet mir wahrlich mehr, als wenn mein eigener Vater sich
dazu bekehrt hätte. Und ich weiß auch, dass der Prophet der
gleichen Meinung ist.“
Muhammad bat mich, Abu Sufyan mit zu meinem Lagerplatz zu
nehmen und ihn am folgenden Morgen wieder zu ihm zu bringen. So
verbrachte Abu Sufyan die Nacht bei mir und schon am frühen Morgen
ging ich mit ihm wieder zum Propheten, der ihn mit den Worten empfing:
„Wehe dir, Abu Sufyan! Ist es nicht an der Zeit zu erkennen, dass es
keinen Gott gibt außer Gott?!“
218
„Du bist mir teurer als Vater und Mutter!“ erwiderte Abu
Sufyan, „wie edel, milde und freundlich bist du doch! Gäbe es
einen Gott außer Gott, hätte er mir, so glaube ich,
weitergeholfen.“ „Wehe dir, Abu Sufyan! Glaubst du nicht, dass es an
der Zeit ist, zu erkennen, dass ich der Gesandte Gottes bin?“ fragte
ihn Muhammad weiter und er antwortete: „Du bist mir teurer als Vater
und Mutter, und wie groß sind doch deine Milde, dein Edelmut und
deine Freundlichkeit. Daran, dass du Gottes Gesandter seist, habe ich
jedoch immer noch einige Zweifel.“
Nun wandte ich mich an Abu Sufyan und bat ihn inständig:
„Nimm den Islam an und bekenne, dass es keinen Gott außer Gott
gibt und dass Muhammad der Prophet Gottes ist, bevor man dir den Kopf
abschlägt!“ Da sprach Abu Sufyan das Glaubensbekenntnis und wurde
somit Muslim. Ich aber bat den Propheten, etwas für Abu Sufyans
Ansehen zu tun, worauf er erklärte: „Jeder, der sich in das Haus
des Abu Sufyan begibt, soll sicher sein! Und jeder, der in die Moschee
geht soll sicher sein!“
Als Abu Sufyan sich daraufhin entfernen wollte, bat mich der
Prophet, diesen an jener engen Stelle des Wadis, wo der Berg
hineinragte, zurückzuhalten, damit er die Heere Gottes an sich
vorbeiziehen sehe. Ich tat, wie mich der Prophet geheißen hatte.
Die Stämme zogen mit ihren Fahnen an uns vorbei und Abu Sufyan
fragte mich jedesmal nach dem Namen des Stammes. Antwortete ich ihm
„Sulaim“, erwiderte er: „Was habe ich mit den Sulaim zu tun!“ und kamen
dann die Muzaina, sagte er: „Was habe ich mit den Muzaina zu tun!“ usw.
bis alle Stämme vorübergezogen waren.
Schließlich kam der Prophet mit seiner
„dunkelgrünen Schar“ vorbei, „dunkelgrün“ genannt, wegen der
großen Menge Eisen, in der sich die Auswanderer und Helfer
befanden, von denen man nur die Augen aus den Eisenrüstungen
hervorleuchten sah. Und wieder fragte mich Abu Sufyan: „Großer
Gott, Abbas, wer sind jene?“ „Dies ist der Prophet mit den Auswanderern
und Helfern“, erwiderte ich ihm, worauf er ausrief:
219
„Keiner kann sie überwältigen! Bei Gott, Abbas, die
Macht deines Neffen ist gewaltig geworden.“ „Es ist seine
Prophetenschaft, die dies bewirkt hat“, antwortete ich ihm und er
gestand es ein. Ich riet ihm eilends zu den Quraish zu gehen. Dort
angekommen, rief er so laut er konnte: „Ihr Quraish, Muhammad ist mit
einer Heerschar gegen euch gezogen, der ihr nichts entgegenzusetzen
habt. Wer in mein Haus kommt ist sicher!“ Da stürzte Hind, die
Tochter des Utba, auf ihn los, packte ihn am Schmurrbart und schrie:
„Tötet ihn, diesen dicken Fettsack! Was für ein
schändlicher Beschützer seines Volkes!“
„Weh euch, warnte er die Quraish“, „lasst euch von dieser Frau
nicht verleiten, denn gegen Muhammads Heerschar könnt ihr nichts
ausrichten. Wer aber in mein Haus kommt, ist sicher!“ „Gott soll dich
töten!“ antwortete sie ihm, „was wird dein Haus uns helfen?“ „Auch
jeder, der sich in seinem eigenen Haus einschließt“, so fuhr er
fort, „ist sicher, und auch der, der sich in die Moschee begibt.“
Darauf zerstreuten sich die Leute und gingen in ihre Häuser oder
in die Moschee.
Abdallah ibn abi Bakr berichtete mir
folgendes:
„Als der Prophet Dhu Tuwa erreichte, hielt er auf seinem
Reittier an. Er trug einen Turban aus einem Stück roten
jeminitischen Stoffes und beugte sich angesichts des Sieges, mit dem
Gott ihn ausgezeichnet hatte, sein Haupt in Demut vor ihm nieder, so
dass sein Bart beinahe die Mitte des Sattels berührte.“
Abdallah ibn abi Nadjih
überlieferte mir folgendes:
In Dhu Tuwa teilte der Prophet sein Heer: Den Zubair, der den
linken Flügel befehligte, ließ er mit einem Teil des Heeres
von Kunda her in die Stadt eindringen, während er den Sad ibn
Ubada beauftragte, über den Pass von Kada in die Stadt
vorzurücken. Dem Kkalid, der dem rechten Flügel mit den
Stämmen Aslam, Sulaim, Ghifar, Muzaina, Djuhaina u. a. voranstand,
befahl er, von Lit aus an die Stadt heranzugehen. Die Hauptreihe der
Mus-
220
lime ergoß sich unter Führung des Abu Ubaida nach
Mekka hinein, vor dem Propheten herziehend, der von Adhakhir kommend in
die Stadt eindrang. Oberhalb Mekkas angelangt, wurde ihm dort sein Zelt
errichtet.
Bei Khandama scharten inzwischen Safwan, Ikrima, und Suhail
eine Gruppe von Männern zum Kampf um sich. Auch Himas ibn Qais,
ein Bruder des Stammes Bakr, machte seine Waffen zurecht und besserte
sie aus, als seine Frau ihn fragte: „Wozu tust du das?“ „Zum Kampfe
gegen Muhammad und seine Gefährten!“ antwortete er. Doch sie
entgegnete ihm: „Ich glaube nicht, dass du damit Muhammad und seine
Gefährten auch nur im geringsten wirst aufhalten können.“
„Ich hoffe, ich werde dir einen von ihnen als Diener schenken“, gab er
zurück und fuhr fort:
Es gibt nun, wenn sie kommen, keine
Ausflucht mehr,
denn hier der fehlerlose langgespitzte Speer
und dieses doppeltscharfe Schwert sind meine Wehr!
Sodann kämpfte er zusammen mit Safwan, Ikrima und Suhail
bei Khandama gegen die von Khalid geführten Muslime. Nachdem 3
Muslime und 12 oder 13 Heiden gefallen waren, flohen die
Ungläubigen. Auch Himas flüchtete nach Hause und ließ
seine Frau das Tor verriegeln. Als sie ihn dann spöttisch fragte,
was aus seinen früheren Worten geworden sei, sprach er:
Hättest bei Khandama dort du gesehen
den Safwan und den Ikrima flüchtend sich drehen,
den Abu Yazid wie die Säule starr stehen
und heranziehen mit Schwertern Muhammads Armeen,
wie sie Arme und Schädel mit Wunden versehen
und mit wirrem Geschrei die Unsrigen flehen
und herüber die Rufe der Sieger wehen,
es würde dir schnellstens das Tadeln vergehen!
Der Prophet hatte seine Heerführer verpflichtet, beim
Eindringen nach Mekka nur gegen jene zu kämpfen, die Widerstand
221
leisteten. Lediglich eine kleine Anzahl von Ungläubigen,
die er ihnen namentlich nannte, sollten sie töten, selbst wenn sie
sie unter den Vorhängen der Kaaba versteckt fanden. Zu diesen
gehörte Abdallah ibn Sad, ein Bruder der Banu Amir ibn Luayy.
Dieser war zum Islam übergetreten und hatte für den Propheten
Offenbarungen aufgeschrieben, war dann aber wieder vom Glauben
abgefallen und zu den Quraish zurückgekehrt.
Nun floh er zu Uthman, der ihm durch Milchbruderschaft
verbunden war und dieser versteckte ihn. Nachdem sich die Leute
beruhigt hatten, brachte er Abdallah zum Propheten und bat um
Straflosigkeit für ihn. Man behauptete, der Prophet habe lange
geschwiegen, bevor er seine Zustimmung gab, und habe dann, nachdem sich
Uthman wieder entfernt hatte, zu seinen Gefährten, die sich um ihn
geschart hatten gesagt: „Ich habe geschwiegen, damit einer von euch
aufsteht und ihm den Kopf abschlägt“, worauf ihn einer der Helfer
fragte, weshalb er ihm kein Zeichen gegeben habe.“ Darauf erklärte
der Prophet: „Der Prophet tötet nicht durch Zeichen.“
Zu denen, die der Prophet zu töten befahl, gehörte
auch Abdallah ibn Khatal, ein Mann von den Banu Taim ibn Ghalib. Auch
dieser war Muslim gewesen und der Prophet hatte ihn eines Tages
zusammen mit einem Helfer ausgesandt, um die Armensteuer einzuziehen.
Bei sich hatte er auch einen freigelassenen muslimischen Sklaven. Als
sie einmal lagerten, befahl er diesem, einen Ziegenbock zu schlachten
und ein Mahl zu richten. Er selber legte sich schlafen. Als er erwachte
und der Freigelassene nichts vorbereitet hatte, ging er auf ihn los und
tötete ihn. Danach fiel er wieder vom Islam ab und bekannte sich
zur Vielgötterei. Er besaß auch zwei Singsklavinnen, Fartana
und ihre Freundin, die über den Propheten Spottlieder sangen.
Muhammad ordnete deshalb an, diese beiden zusammen mit Ibn Khatal zu
töten.
Weiter gehörten dazu Huwairith ibn Nuqaidh, einer von
denen, die Muhammad in Mekka geschmäht hatten und Miqyas ibn
Hubaba. Letzterer hatte einen Helfer ermordet, der aus Versehen seinen
Bruder umgebracht hatte. Er war ebenfalls als Heide zu den Quraish
zurückgekehrt. Unter den zu Tötenden
222
waren noch Sara, die Freigelassene eines Angehörigen der
Banu Abdalmuttalib und Ikrima, der Sohn des Abu Djahl. Sara war eine
von denen gewesen, die den Propheten in Mekka beschimpft hatten. Ikrima
floh in den Jemen. Seine Frau, Umm Hakim, nahm den Islam an und bat
beim Propheten um Gnade für ihn. Muhammad sicherte ihm
Straflosigkeit zu und Umm Hakim zog in den Jemen, um ihren Mann zu
suchen. Dann brachte sie ihn zum Propheten und Ikrima nahm den Islam
an. Ibn Khatal und Miqyas dagegen wurden getötet. Auch eine der
beiden Singsklavinnen des Ibn Khatal wurde umgebracht, während die
andere floh, bis ihr der Prophet auf entsprechende Bitten hin Gnade
erwies. Dasselbe geschah mit Sara. Den Huwairith aber tötete Ali.
Muhammad ibn Djafar überlieferte
mir folgendes von Ubaidallah ibn Abdallah, der sich auf die Aussagen
der Safiya, der Tochter des Shaiba, stützte:
Nachdem der Prophet in Mekka angekommen war und die Leute
sich beruhigt hatten, begab er sich zur Kaaba und ritt siebenmal um sie
herum, wobei er jedesmal mit einem Stock, den er in der Hand hielt, den
Schwarzen Stein berührte. Dann rief er Uthman ibn Talha und
ließ sich von ihm den Schlüssel zur Kaaba geben. Man
öffnete
ihm das Heiligtum und er trat ein. Er fand darin eine Holztaube,
zerbrach sie mit eigener Hand und warf sie weg. Daraufhin stellte er
sich an das Tor zur Kaaba, während sich die Menschen im Moscheehof
um ihn scharten und sprach:
„Es gibt keinen Gott, außer Gott allein. Er hat keinen
Gefährten. Er hat sein Versprechen erfüllt und seinem Diener
zum Sieg verholfen. Er allein hat die verbündeten Gegner in die
Flucht geschlagen. Jede Blut- und jede Geldschuld, sowie jedes
Vorrecht, mit Ausnahme des Rechts zur Bewachung der Kaaba und zur
Tränkung der Pilger werden von mir aufgehoben. Die Blutschuld
für einen versehentlich, doch halb absichtlich, mit Peitsche oder
Stock Getöteten ist schwer: 100 Kamele, davon 40 trächtig. O
ihr Quraish, Gott hat von euch genommen den Hochmut der heidnischen
Zeit und den Stolz auf die Vorfahren. Alle Menschen stammen von Adam
und Adam wurde aus Staub erschaffen.“ Dann trug er den Koranvers vor:
223
„Ihr Menschen! Wir haben euch geschaffen von einem
männlichen und einem weiblichen Wesen und haben euch zu
Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennt. Als
vornehmster gilt bei Gott derjenige von euch, der am frömmsten
ist!“ (Sure 49,13) Und er fügte hinzu: „Ihr Quraish! Was glaubt
ihr, werde ich mit euch tun?“ „Gutes! Du bist uns ein edler Bruder, der
Sohn eines edlen Bruders“, erwiderten sie und er sprach: „Geht eures
Weges! Ihr seid frei!“
Dann setzte er sich in der Moschee nieder. Ali kam mit dem
Schlüssel der Kaaba zu ihm und bat ihn: „Übertrage unserer
Familie den Dienst an der Kaaba und das Tränken der Pilger!“ Der
Prophet aber ließ Uthman ibn Talha holen und sprach: „Hier ist
dein Schlüssel, Uthman. Heute ist ein Tag der Güte und Treue.“
An der Eroberung Mekkas nahmen insgesamt 10.000 Muslime teil.
Von den Banu Sulaim 700, von den Bhanu Ghifar 400, von den Aslam 400
und von den Muzaina 1.003. Die übrigen waren Quraish, Helfer und
ihre Bundesgenossen, sowie einige Beduinengruppen aus den Stämmen
Tamin, Qais und Asad. Nach der Eroberung blieb der Prophet 15
Nächte in Mekka und verkürzte in dieser Zeit die Gebete32.
Die Eroberung fand am 20. Ramadan des Jahres 8 statt.
32d. h. der Prophet betrachtete sich als Reisenden
außerhalb seines Wohnortes Medina und betete deshalb die
tägliche Gebete in einer kürzeren Form. (z. B. zwei
Niederwerfungen statt vier), eine Praxis, die heute noch gültig
ist.
62. Die Schlacht von Hunain im
September 630 Top
Als der Stammverband der Hawazin hörte, dass der Prophet
Mekka erobert hatte, rief Malik ibn Auf jene Stämme zusammen.
Außer den Hawazin kamen auch alle Thaqif, Nasr und Djusham sowie,
aus dem Stammesverband der Qais Ailan, einige wenige von den Banu
Hilal. Aus dem Verband der Hawazin hielten sich die Stämme Kab und
Kilab abseits. Keiner von ihnen, der einen Namen hatte, war anwesend.
Unter den Banu
224
Djusham befand sich Duraid, ein sehr alter Mann, an dem man
nur noch seinen Rat und seine Kenntnisse in der Kriegsführung
schätzte, da er einst ein erfahrener Führer gewesen war. Die
Thaqif hatten zwei Häuptlinge: Qarib führte die
Bündnistruppen, die Banu Malik leitete. Die oberste Führung
lag bei Malik ibn Auf [einem Hawazin].
Nachdem sich dieser zum Zug gegen den Propheten entschlossen
hatte, ließ er die Männer von ihren Herden, Frauen und
Kindern begleiten. Als er im Wadi Autas haltmachte, sammelten sich die
Kämpfer um ihn, und der alte Duraid, den man in einer Art
Kamelsänfte trug, erkundigte sich nach dem Namen des Wadis. Sie
nannten es ihm und er sprach: „Welch trefflicher Platz für die
Reiter! Nicht hügeliges felsiges Land, nicht weicher Boden, voll
mit Sand! Aber höre ich nicht der Kamele brüllen dabei und
der Esel Geschrei und der Kinder Quängelei und das Blöken der
Schafe?“
Sie erklärten ihm, dass Malik zusammen mit den
Männern auch die Herden, Frauen und Kinder hergebracht hatte. Da
ließ er Malik rufen und sprach: „Malik! Du bist der Führer
deines Volkes geworden. Auf diesen Tag werden schwere Tage folgen.
Höre ich nicht der Kamele brüllen und dabei der Esel Geschrei
und der Kinder Quängelei und das Blöken der Schafe?“ „Ich
habe die Männer von ihren Herden, Frauen und Kindern begleiten
lassen.“ „Und weshalb?“ „Ich will hinter jeden Mann seine Familie und
seine Herden stellen, damit er um sie kämpft.“
Da schnalzte Duraid und schimpfte: „Schafhirt, du dummer!
Kann denn einen Flüchtenden etwas aufhalten? Wenn es zu deinen
Gunsten verläuft, hilft dir nur ein Mann mit Schwert und Lanze;
und wenn es zu deinen Ungunsten ausgeht, wirst du mit Familie und Herde
entehrt. Was taten die Stämme Kab und Kilab?“ „Kein einziger ist
von ihnen gekommen.“ „So fehlen Kraft und Leidenschaft. Wäre es
ein Tag erhabener Taten, würden Kab und Kilab nicht abseits
stehen. Ich wünschte mir, ihr hättet es ihnen gleichgetan.
Welche von euren Stämmen sind da?“
225
„Amr ibn Amir und Auf ibn Amir.“ „Diese beiden Spross Amirs
nutzen nichts und schaden nichts. O Malik, du hast nicht gut daran
getan, den Hauptteil der Hawazin gegen die Brust der feindlichen Pferde
zu stellen. Schicke sie hinaus in das unangreifbare und hohe Gebiet
ihres Landes und begegne diesen Abtrünnigen vom alten Glauben auf
dem Pferderücken. Geht es dann zu deinen Gunsten aus, können
sich jene, die hinter dir stehen, wieder mit dir vereinen. Läuft
es zu deinen Ungunsten, hast du deine Familien und deine Herden
gerettet.32.1“
„Nein, das werde ich nicht tun! Du bist alt und dein Verstand
ist alt. Entweder ihr Hawazin, ihr gehorcht mir, oder ich werde mich
auf dieses Schwert stützen, bis es mir am Rücken wieder
herauskommt.“ Malik konnte es nicht ertragen, dass Duraid irgend etwas
zu sagen oder zu entscheiden haben sollte. Als die Hawazin darauf dem
Malik ihren Gehorsam erklärten, sprach Duraid:
O könnt' ich wie ein Junger
streiten,
ich würde ruhig vorwärts reiten,
das Ross mit länger Mähne leiten,
das ziegenschlank ist an den Seiten.
32.1[Tilman Nagel schildert die Schlacht von
Hunain auf Seite
425 wie folgt: „Eine Nebensächlichkeit verrät uns, wie
heikel die Lage Mohammeds, mitten im Kerngebiet seiner bisherigen
Feinde, in Wirklichkeit war. Der Gesandte Allahs blieb 15 Tage in
Mekka, wobei er stets zwei Rakas (Gebetsabschnitte) betete. Am
Sonnabend den 6. Sauwal (27. Januar 630) zog er (aus Mekka) ab.
Während des Aufenthaltes in seiner Vaterstadt fühlte Mohammed
sich so unsicher, dass er die verkürzte Fassung des Gebetsritus
befolgte, nur zwei Rakas, wie es eben Angesichts der Feinde
zulässig ist.
Mit großem Heer, zu den 10.000 Medinensern und 12.000
Muslimen anderer Herkunft kamen, so berichten die Quellen, jetzt 2.000
Mekkaner, zog er gegen die Hawazin-Beduinen, deren Kriegsvorbereitungen
die Quraishiten in Schrecken versetzt hatten. Nach 8 Tagen erreichte
man Hunain, eine Talschaft, gegen at-Taif gelegen. Dort, das hatte sich
herumgesprochen, sammelten sich die Hawazin. Die Schlacht am 10. Sauwal
(31. Januar 630) war alles andere als ein leichtes Treffen. Nicht viel
hätte gefehlt und Mohammed hätte als Besiegter Hunain
verlassen müssen, denn er sah sich plötzlich nur noch von
wenigen verteidigt. Unter dem Kampfruf „Gefährten der Kuh-Sure“
sollen sich die Muslime gesammlt und schließlich das Blatt
gewendet haben, mit übernatürlichem Beistand, wie schon so
oft berichtet wurde, vor allem aber beseelt von dem unbändigen
Drang, die Feinde zu töten. Dass die Hawazin in ihre Schranken
gewiesen worden wären, kann man aus den Angaben der Quellen
mitnichten folgern. Vielmehr verlagerte sich das Geschehen nach
at-Taif, wohin sich viele Beduinen zurückzogen, unter ihnen Malik
ibn Auf.“]
Malik aber befahl den Männern: „Sobald ihr die Feinde
erblickt, zerbrecht die Scheiden eurer Schwerter und stürzt euch
auf sie wie ein Mann!“ Als der Prophet von ihnen hörte, schickte
er den Ibn abi Hadrad zu ihnen, damit er sich unter sie mische und
solange bei ihnen bleibe, bis er erfahre, was sie vorhätten. Ibn
abi Hadrad tat, wie ihm geheißen worden war. Er bekam Kenntnis
von ihrem Kriegsvorhaben gegen den Propheten und den Plänen Maliks
und der Hawazin. Zum Propheten zurückgekehrt, berichtete er ihm
alles. Als dieser daraufhin beschloss, gegen die Hawazin zu ziehen,
teilte man ihm mit, dass Saywan ibn Umayya, der damals noch Heide war,
Panzer und Waffen besitze. Muhammad ließ ihn holen und bat ihn:
„Leihe uns deine Waffen, damit wir morgen mit ihnen gegen unseren Feind
antreten können.“
226
„Willst du dir die Waffen mit Gewalt nehmen?“ fragte Safwan,
und Muhammad erklärte ihm: „Nein, nur geliehen und verbürgt!
Wir geben sie dir dann wieder zurück.“ Safwan hatte nichts dagegen
einzuwenden und gab dem Propheten 100 Panzer [Brustpanzer] mit den
entsprechenden Waffen. Man behauptete, dass Muhammad ihn auch bat, den
Transport der Ausrüstung zu übernehmen und Safwan kam seiner
Bitte nach. Sodann machte sich der Prophet mit 2.000 Mekkanern und
jenen 10.000 Gefährten, durch die Gott hatte Mekka erobern lassen,
auf, um gegen die Hawazin zu ziehen.
Asim berichtete mir von Abdarrahman
ibn Djabir, dass dessen Vater diesem folgendes erzählt habe:
Als wir uns dem Wadi von Hunain näherten, stiegen wir
ein anderes weites und abschüssiges Wadi in der
Tihama[-Wüste] hinunter. Es war kurz vor dem Morgengrauen. Die
Feinde waren schon vor uns in das Wadi gekommen und hatten sich in den
Seitenwegen, an Biegungen und engen Stellen versteckt. Sie waren
entschlossen und gerüstet, und als uns ihre einzelnen Abteilungen
während des Aufstiegs plötzlich wie ein Mann überfielen,
versetzten sie uns in tödliche Angst. Die Muslime flohen, ohne
dass einer auf den anderen achtete. Der Prophet zog sich nach rechts
zurück und rief: „Wohin ihr Männer? Her zu mir! Ich bin der
Gesandte Gottes! Ich bin Muhammad, der Sohn des Abdallah.“
Doch es half nichts. Die Kamele fielen übereinander und
die Männer rannten davon. Beim Propheten blieben nur einige wenige
Auswanderer, Helfer und Verwandte, darunter Abu Bakr, Umar, Ali und
Abbas. Einer von den Hawazin, auf einem roten Kamel, in der Hand eine
schwarze Fahne, die an der Spitze einer langen Lanze hing, zog den
Hawazin voran. Sobald er einen Muslim erreichte, stieß er mit der
Lanze zu. Entwischten ihm die Flüchtenden, hob er die Lanze hoch,
worauf die Nachkommenden ihm folgten.
Als die Muslime und die groben Kerle unter den Mekkanern, die
mit dem Propheten gekommen waren, die Niederlage sahen,
äußerten einige von ihnen offen ihre Feindschaft gegen-
227
über dem Propheten, von der sie immer noch beseelt
waren. So rief Abu Sufyan, der die Lospfeile noch in seinem Köcher
trug: „Erst das Meer wird ihre Flucht beenden!“ Und Djabala ibn Hanbal
schrie: „Vergeblich ist heut die Zauberei!“ Doch sein Bruder, obwohl
wie er noch Heide, wies ihn zurecht: „Halt den Mund! Es ist mir immer
noch lieber, von einem Quraishiten als von einem Stammesgenossen der
Hawazin beherrscht zu werden!“
Zuhri überlieferte mir den
folgenden Augenzeugenbericht des Abbas von dessen Sohn Kathir:
Ich war beim Propheten und hatte meine Hand am Gebissteil des
Halfters, das ich seinem weißen Maultier zwischen die Kiefer
geschoben hatte. Ich war ein kräftiger Mann mit einer gewaltigen
Stimme. Als der Prophet seine Männer fliehen sah, rief er: „Wohin
ihr Männer?“ Sie scherten sich aber nicht darum. Da forderte er
mich auf zu schreien: „Ihr Helfer! Ihr Gefährten der Akazie33!“
Und sogleich kam ihre Antwort: „Hier! Hier!“
33Ein Jahr zuvor, beim ersten Zug nach Mekka,
hatten ihm die medinensischen Helfer unter einer Akazie den Eid
geschworen, bis zum Tod für ihn zu kämpfen.
Und jeder von ihnen, der sein Reittier nicht zur Umkehr
bewegen konnte, warf ihm seinen Panzer auf den Nacken, ergriff Schwert
und Schild, sprang herab und lies es laufen, während er meiner
Stimme folgte, bis er beim Propheten anlangte. Schließlich hatten
sich 100 von ihnen bei ihm versammelt, traten dem Feind entgegen und
kämpften. Ihr Schlachtruf lautete zuerst: „Herbei, ihr Helfer!“
und später: „Herbei ihr Khazradj!“ Sie kämpften standhaft.
Der Prophet von oben auf das Kampfgetümmel blickend, sprach: „Nun
ist der Ofen heiß!“34
34Wie der berühmte islamwissenschaftler
Alfred Guillaume (188-1965) vermerkte, enthielt der Ausspruch „Nun ist
der Ofen heiß!“ mit „watis“ (Ofen) und „autas“, dem Namen des
Wadis, in dessen Nähe der Kampf stattfand.
Asim, in seinem Bericht von Djabir,
erzählte mir weiter:
Während jener Mann von den Hawazin auf seinem Kamel und
mit der Fahne in der Hand sein Unwesen trieb, machte sich Ali zusammen
mit einem der Helfer an diesen heran. Ali kam von hinten und zerschlug
seinem Kamel die Hinterbeine, worauf es rückwärts zu Boden
sank. Der Helfer stürzte sich auf den Mann und versetzte ihm einen
Hieb, der ihm den Fuß und das halbe
228
Bein davonfliegen ließ, worauf er tot vom Sattel fiel.
Der Kampf tobte weiter und als die Flüchtenden zurückkehrten,
fanden sie beim Propheten nur noch Gefangene, die Hände auf dem
Rücken gefesselt.
Abdallah ibn abi Bakr und ein anderer
vertrauenswürdiger Überlieferer berichteten mir von folgendem
Erlebnis des Abu Qatada:
In der Schlacht von Hunain sah ich zwei Männer
miteinander kämpfen: einen Muslim und einen Ungläubigen.
Plötzlich bemerkte ich, wie ein anderer Ungläubiger seinem
Gefährten gegen den Muslimen zur Hilfe kommen wollte. Ich ging auf
ihn zu und schlug ihm eine Hand ab. Mit der anderen packte er mich
jedoch am Halse und ließ mich wahrhaftig nicht los, bis ich den
Geruch des Blutes verspürte. Er hatte mich schon fast
erwürgt, und hätte ihn der Blutverlust nicht geschwächt,
wäre es ihm auch gelungen. So stürzte er aber endlich nieder
und ich erschlug ihn. Der weiter andauernde Kampf lenkte dann meine
Aufmerksamkeit von ihm ab und ein Mekkaner kam an ihm vorbei und
plünderte ihn aus. Als der Kampf zu Ende war und wir die Feinde
besiegt hatten, sprach der Prophet: „Jedem, der einen Feind
getötet hat, gehören dessen Waffen und Kleider.“
„O Gesandter Gotte!“ wandte ich mich an ihn, „ich habe einen
Feind getötet, von dem ich hätte reichlich Beute nehmen
können, doch lenkte mich die Schlacht zu sehr von ihm ab und ich
weiß nun nicht, wer sich die Beute geholt hat.“ Ein Mekkaner
bestätigte meine Worte und gab zu, dass er die Beute besaß.
Er bat den Propheten, mich mit einem Teil der Beute zufriedenzustellen.
Abu Bakr aber wandet sich dagegen und sprach: „Willst du etwa mit einem
Löwen Gottes, der für seine Religion kämpft, dass von
ihm erbeutete Gut teilen? Gib ihm die Beute ganz zurück!“
Der Prophet stimmte dem zu. Ich aber nahm die Beute,
verkaufte sie und erwarb für den Erlös einen kleinen
Palmengarten. Es war dies mein erster Besitz.
229
Mein Vater Ishaq erzählte mir
folgende Überlieferung des Djubair ibn Mutim:
Noch bevor die Feinde flohen, sah ich, wie sich während
des Kampfes etwas wie ein schwarzes Tuch vom Himmel herabsenkte und
zwischen uns und den Feinden niederfiel. Als ich näher hinblickte,
da waren es lauter schwarze Ameisen, die das ganze Wadi erfüllten.
Ich zweifelte nicht daran, dass es die Engel waren und sogleich flohen
die Feinde.
Die geschlagenen Ungläubigen kamen nach Taif. Einige
unter ihnen bezogen ein Lager bei Autas und andere begaben sich nach
Nakla. Die Reiterei des Propheten verfolgte diejenigen, die den Weg in
Richtung Nakla einschlugen, jedoch nicht jene, die sich den Pässen
zuwandten. Die Gefangenen aus der Schlacht von Hunain wurden mit ihrer
Habe beim Propheten versammelt, der sie nach Djirana bringen und dort
festhalten ließ. Über die Schlacht von Hunain sprach Budjair
ibn Zuhair die folgenden Verse:
Wären nicht Gott und sein Diener
gewesen, wir wären
geflohen, die Herzen in Schrecken verzweifelt entfacht.
Am Tag, als die Feinde am Abhang uns trafen,
da wurden die Pferde und Reiter zu Fall dort gebracht.
Das Gewand in den Händen, entflohen die einen, den
anderen brachten die Hufe der Pferde das Ende der Schlacht.
Mit dem Sieg unseres Glaubens hat Gott uns geehrt
und im Dienst für den Gnädigen mächtig gemacht.
Sie aber hat er vernichtet und alle zerstreut
und hat sie im Dienste des Teufels mit Schande bedacht.
Die
folgenden Verse verfasste Abbas ibn Mirdas über die
Schlacht von Hunain:
O Siegel aller Propheten! Du weist uns
den richtigen
Weg und wurdest von Gott mit der Wahrheit gesandt.
Für die Geschöpfe hat Gott eine Liebe errichtet
auf dir, und dich den Gepries'nen, Muhammad, genannt.
Und wir, die wir fest zu dem Bund mit dir stehen,
230
sind dir, geführt von Dahhak, als
tapfere Heerschar bekannt.
Dahhak ist mit spitzen Waffen beladen, als wär er,
vom Feinde umringt, einem dornigen Baume verwandt.
Er bekämpft selbst die eigene Sippe, denn stets war sein Ziel,
dass er Gottes und deine Zufriedenheit fand.
Lass dir berichten, wie ich ihn angreifen sah:
Den Heiden zerschlug er die Häupter, umgeben von Sand;
bald würgte er sie mit den Händen, bald spaltete
er ihre Schädel, das schneidende Schwert in der Hand.
Voraus eilten ihm die Gefährten vom Stamme Sulaim,
und sie haben schlagend und stoßend den Feind übermannt.
Sie zogen voran seiner Fahne, vergleichbar dem Löwen,
der wütend den Gegner vom Lager der Jungen verbannt.
Nach dem Gehorsam zu Gott und der Liebe zu dir und nicht
nach den Banden des Blutes der Sinn ihnen stand.
Dein Herr ist der Helfer, und dies sind die Taten,
für die wir für immer berühmt sind im Land.
63. Der Zug nach Taif im Jahre 630 Top
Nachdem die bei Hunain geschlagenen Truppen des Stammes
Thaqif ihre Stadt Taif erreicht hatten, verschlossn sie ihre Tore und
bereiteten sich auf die Verteidigung vor. Urwa ibn Masud und Ghailan
ibn Salama nahmen weder an der Schlacht von Hunain noch an der nun
folgenden Verteidigung der Stadt Taif teil, da sie sich in Djarash
befanden, um die Benutzung von Testudines [Schilddächer, zum
Schutz gegen Pfeile], Katapulten und anderen Belagerungsmaschinen zu
erlernen.
Von Hunain zog der Prophet nach Taif und lagerte in der
Nähe der Stadt. Einige seiner Gefährten wurden durch Pfeile
getötet, da das Lager zu nahe an der Stadtmauer gelegen war und
die Pfeile sie erreichen konnten. Es gelang den Muslimen nicht, durch
die Mauer in die verschlossene Stadt einzudringen; und nachdem jene
Muslime durch Pfeilschüsse ums Leben gekommen waren, verlegte der
Prophet das Lager an die Stelle, wo
231
heute die Moschee von Taif steht. Muhammad belagerte die
Stadt gute 20 Tage. Er kämpfte erbittert gegen sie und die
Pfeilschützen beider Seietn schossen aufeinander. . Dann, am Tage
des Sturms auf die Mauer, verbargen sich einige Prophetengefährten
unter einem Testudo und rückten an die Mauer heran, um sie zu
durchbrechen. Als die Thaqif aber glühende Eisenstücke auf
sie herabschleuderten, mussten sie die Testudo verlassen und die Thaqif
beschossen sie mit Pfeilen und töteten einige von ihnen. Daraufhin
befahl der Prophet, die Rebstöcke des Stammes abzuschlagen und die
Muslime folgten seiner Aufforderung.
Während der Belagerung von Taif sprach der Prophet, so
habe ich erfahren, zu Abu Bakr: „Ich sah im Traum, wie mir ein mit
Butter gefüllter Napf geschenkt wurde, aber ein Hahn hackte daran
und vergoss den Inhalt.“ „So glaube ich nicht, dass du bei ihnen dein
Ziel erreichen wirst“, erwiderte ihm Abu Bakr und der Prophet stimmte
ihm zu.
Dann kam Khuwaila bint Hakim, die Frau Uthmans, zum Propheten
und bat ihn, er möge ihr, wenn Gott ihm den Sieg über Taif
verliehen habe, den Schmuck der Tochter Ghailans oder der Tochter Aqils
schenken. Die beiden waren unter den thaqafitischen Frauen wegen ihres
Schmuckes berühmt. Der Prophet aber antwortete: „Und wenn mir Gott
nicht erlaubt, die Thaqif zu besiegen?!“ Da verließ ihn Khuwaila
und erzählte dies Umar, der daraufhin zum Propheten ging und ihn
fragte, ob er dies wirklich gesagt habe. Als der Prophet bejahte,
erkundigte sich Umar weiter: „Und Gott hat dir den Sieg über die
Thaqif nicht erlaubt?“ „Nein!“ „Soll ich also das Zeichen zum Abzug
geben?“ Der Prophet stimmte zu und Umar ließ die Muslime
abrücken.
Insgesamt waren bei Taif 12 Gefährten des Propheten
gefallen: 7 von den Quraish, 4 von den Helfern und einer von den Banu
Laith.
232
64. Die Verteilung der Beute der
Hawazin Top
Von Taif zog der Prophet mit den Muslimen und vielen
Gefangenen der Hawazin über Dahna nach Djirana. Beim verlassen der
Stadt Taif hatte einer seiner Gefährten ihm geraten, er solle die
Thaqif verfluchen; doch er erwiderte: „O Gott, leite die Thaqif auf den
rechten Weg und bringe sie zum Islam!“
In Djirana suchten ihn dann Abgesandte der Hawazin auf, denn
er hielt dort 6.000 Frauen und Kinder ihres Stammes als Gefangene und
unzählige Kamele und Schafe als Beute fest.
Amr ibn Shaib berichtete mir, was
sein Vater von seinem Großvater Abdallah ibn Amr gehört
hatte:
Die Abgesandten, die inzwischen den Islam angenommen hatten,
kamen zum Propheten und sprachen: O Gesandter Gottes! Wir sind ein
Ursprung und eine Sippe! Es ist dir nicht verborgen geblieben, welches
Unglück uns getroffen hat. So sei uns gnädig, wie Gott dir
gnädig ist!“ Und einer von ihnen aus dem Stamme Sad ibn Bakr erhob
sich und sagte: „O Gesandter Gottes! Dort in den Pferchen (durch
tragbare Zäune abgegrenztes (eingepferchtes) Weidestück) sind deine
Tanten von Vaters und Mutters Seite und deine Ammen, die dich
nährten. [Halima, die Amme des Propheten kam aus dem Stamm der
Banu Bakr.] Hätten wir den Harith ibn abi Shimr oder den Numan ibn
Mundhir bei uns gesäugt, und es wäre uns dann dies
widerfahren, hätten wir auf ihr Mitgefühl und ihre Gunst
hoffen können. Du aber bist der beste, den ein Stamm je
genährt hat!“
„Sind euch eure Frauen und Kinder oder eure Herden lieber?“
fragte sie der Prophet und sie antworteten: „Wenn du uns zwischen
unseren Herden und unserem Stolz wählen lässt, gib uns
unsrere Frauen und Kinder zurück. Sie sind uns lieber!“
233
„Die Gefangenen, die mir und der Sippe Abdalmutallib
zustehen“, so erwiderte der Prophet, „gebe ich euch zurück. Und
wenn ich mit den Muslimen das Mittagsgebet gesprochen habe, erhebt euch
und sprecht: „Wir bitten den Propheten um Fürsprache für
unsere Kinder und Frauen bei den Muslimen und die Muslime um
Fürsprache beim Propheten!“ Ich werde euch dann meine Gefangenen
geben und mich bei meinen Gefährten für euch einsetzen.“
Die Abgesandten taten, was der Prophet empfohlen hatte, und
als er ihnen darauf die Gefangenen, die er und die Familie
Abdalmutallib besaßen, zurückgab, erklärten auch die
Auswanderer und Helfer, dass sie ihre Gefangenen dem Propheten zur
Verfügung stellten. Aqra, Uyaina und Abbas ibn Mirdas lehnten es
dagegen für ihre Person und für ihre Stämme Tamim,
Fazara und Sulaim ab, die Gefangenen herauszugeben. Die Sulaim
allerdings wandten sich gegen ihren eigenen Führer Ibn Mirdas und
verzichteten auf die Gefangenen, worauf dieser ihnen vorwarf, sie
hätten ihn lächerlich gemacht.
Den anderen erklärte der Prophet: „Jeder von euch, der
an seinem Recht, die Gefangenen festhält, bekommt aus der ersten
Beute, die ich machen werde, für jede Gefangene 6 Kamele. Gebt
ihnen also ihre Kinder und Frauen zurück!“ [Hier wird also bereits
der nächste Feldzug angekündigt.]
Bei den Abgesandten der Hawazin erkundigte sich der Prophet
dann nach ihrem Führer Malik ibn Auf, und sie erzähltn ihm,
dass er sich bei den Thaqif in Taif aufhalte. Da bat er sie: „Sagt dem
Malik, dass ich, wenn er als Muslim zu mir kommt, ihm seine Familie und
seine Herde zurückgebe und ihm noch 100 Kamele dazu schenke!“
Auf diese Nachricht hin verließ Malik Taif. Da er
fürchtete, die Thaqif könnten erfahren, was ihm Muhammad
hatte bestellen lassen, ließ er sein Kamel bereithalten und ein
Pferd nach Taif bringen. In der Nacht verließ er die Stadt,
bestieg sein Pferd und ritt im Galopp zu der Stelle, wo er das Kamel
hatte festbinden lassen. Auf diesem erreichte er in Djirana oder Mekka
den Propheten, der ihm seine Familie und seine Herde zurückgab und
ihm noch 100 Kamele schenkte. Malik nahm daraufhin den Islam an und
wurde ein guter Muslim. Dabei sprach er:
234
Ich habe unter allen Menschen solche
Männer
nie gefunden, die vergleichbar mit Muhammad waren.
Er hält sein Wort und schenkt gar reichlich dem, der darum fleht,
und wenn du willst, wirst du von ihm, was morgen ist erfahren.
Und wenn die Kämpfer, ihre scharfen Zähne zeigend, sich
mit Lanzen und mit Indiens Schwertern um sich scharen,
dann steht er dort, vom Staub umgeben, jenen Löwen gleich,
die über ihre Jungen wachend sie vom Tod bewahren.
[Tilman Nagel beschreibt auf Seite
427 die Situation nach dem Feldzug gegen Taif wie folgt:
„Unverrichteter Dinge zog Mohammed ab. Bei al-Girana, einer
Wasserstelle, näher an Mekka als an Taif, hatte man die Gefangenen
Hawazin und die erbeuteten Tiere zusammengetrieben, nach al-Waqidi
immerhin 6.000 Menschen sowie 24.000 Kamele und Kleinvieh in
unbekannter Zahl. Nun sollte es ans Verteilen gehen. Seine engsten
Genossen hatte der Gesandte Allahs freilich gleich bei Hunain bedacht.
Sie hatten bereits ein hübsches Mädchen in Besitz nehmen
dürfen. In al-Girana angelangt, musste Mohammed die Geduld seiner
Krieger noch ein wenig strapazieren. Die Ankunft einer Abordnung der
Hawazin war angekündigt. Darum ging der Gesandte Allahs
zunächst an die Vergabe des Viehs und der geplünderten
Wertgegenstände, unter denen ein Schatz von 4.000 Uqiya Silber
mancherlei Begehrlichkeiten erregte.
Zuerst musste man die Wünsche jener Prominenten
befriedigen, deren „Herzen mit dem Islam ausgesöhnt werden“
sollten. Unter ihnen waren beispielsweise Abu Sufyan ibn Harb, der 40
Uqiya Silber und 100 Kamele erhielt. Und was sei mit seinen Söhnen
Jazid und Muawija, fragte Abu Sufyan. Mohammed ließ sich nicht
lumpen. Beide erhielten den gleichen Anteil. Die Liste der ehemaligen
Feinde, die al-Girana um einiges reicher verließ, braucht nicht
im einzelnen erörtert zu werden. Etliche befanden ihren Zugewinn
als zu gering. Al-Abbas ibn Mirdas, der Anführer der Banu Sulaim,
mochte dem ganzen Verfahren nicht zustimmen und machte aus seinem
Herzen keine Mördergrube. Denn ihm, der sich mit seinem Stamm
Mohammed schon bei Marr az-Zahran angeschlossen hatte, billigte man
lediglich vier Kamele zu, während andere, wie der Tamimite al-Aqra
ibn Habis mit 100 belohnt wurden.
Al-Abbas Zorn wurde weiter aufgestachelt, als Mohammed mit
der Rücksicht auf die Milchverwandschaft, die ihn mit den Hawazin
verband, nun die Freilassung der Gefangenen in Aussicht stellte,
vorausgesetzt, Malik ibn Auf, der nach Taif geflohen war, bequeme sich
zum Gesandten Allahs und trete zum Islam über. Als Malik ibn Auf
diese Bedingung später tatsächlich erfüllte, musste
Mohammed die bereits verteilten Mädchen von ihren Besitzern
zurückfordern. Da einige der Beschenkten ihre neue Sklavin schon
beschlafen hatten, ergaben sich rechtliche Schwierigkeiten. Aber die
waren natürlich nur eine Nebensache angesichts der
Enttäuschung über die Rückforderung.]
Nachdem der Prophet die Gefangenen von Hunain ihrem Stamm
zurückgegeben hatte, ritt er weg, doch seine Leute folgten ihm mit
den Worten: „O Gesandter Gottes! Verteile nun unter uns, was wir an
Kamelen, Ziegen und Schafen erbeutet haben!“ Sie bedrängten ihn
derart, dass er sich zu einem Baum flüchten musste und ihm sein
Überhang heruntergerissen wurde. Da rief er: „Gebt mir meinen
Überhang zurück! Ihr Männer hätte ich so viele
Schafe wie Bäume in der Tahima stehen, ich würde sie unter
euch verteilen. Ihr habt mich niemels geizig, feige oder lügend
gesehen!“
Dann trat er zu seinem Kamel, nahm diesem ein Haar vom
Höcker, hielt es mit zwei Fingern hoch und fuhr fort: „Ihr
Männer! Ich habe, bei Gott, von eurer Beute nur ein Fünftel
und nicht um dieses Haar mehr; und das Fünftel erhaltet ihr
wieder. Gebt jeden Faden und jede Nadel zurück, die euch nicht
zustehen. Denn der Betrug, den einer begeht, wird am Tage der
Auferstehung als Schande, Feuer und Schmach auf ihn zurückfallen.“
(Sure 8,41)
Einigen führenden Männern gab der Prophet
Geschenke, um sie und ihre Leute für sich zu gewinnen. So schenkte
er dem Abu Sufyan, dessen Sohn Muawiya, dem Hakim ibn Hizam und anderen
jeweils 100 Kamele.
Asim berichtete mir von Mahmud ibn
Labid, der sich auf eine Überlieferung des Abu Said al-Khudri
stützte, folgendes:
Nachdem der Prophet seine Geschenke unter den Quraish und den
Beduinenstämmen verteilt hatte und die Helfer leer ausgin-
235
gen, waren diese schmerzlich berührt. Es gab viel Gerede
unter ihnen und schließlich sogar der Vorwurf, der Prophet habe
nur an seinen eigenen Stamm gedacht. Sad ibn Ubada kam zu ihm und
sprach: „O Gesandter Gottes! Die Helfer sind von dir schmerzlich
berührt, weil du die Beute unter deinem Stamm verteilst und den
Beduinenstämmen gewaltige Geschenke gemacht hast, wir aber nichts
bekommen haben.“
„Wo stehst du in dieser Angelegenheit?“ fragte der Prophet und
Sad erwiderte: „Nur bei meinem Volk!“ „So lasse deine Leute hier in
diesem Pferch zusammenkommen!“ Sad tat, wie er geheißen worden
war. Und nachdem sich die Helfer versammelt hatten, trat der Prophet
vor sie hin, lobte und pries Gott und sprach: „O ihr Volk der Helfer!
Was ist das für ein Gerede, das ich von euch höre, und was
für ein Groll, den ihr gegen mich hegt? Kam ich nicht zu euch nach
Medina, als ihr in die Irre gingt, worauf Gott euch den richtigen Weg
wies; als ihr arm ward, worauf Gott euch reich machte; als ihr
untereinander verfeindet ward, worauf Gott eure Herzen versöhnte?“
„Ja! Gott und sein Prophet sind überaus gnädig und
gut!“ „Warum antwortet ihr mir nicht weiter, ihr Helfer?“ „Was sollen
wir dir antworten? Bei Gott und seinem Propheten sind Gnade und
Güte.“
„Ihr könnt mir antworten, und ihr würdet die
Wahrheit sagen, und man würde euch glauben: „Du kamst zu uns, als
Lügner beschimpft, und wir haben dir geglaubt; verlassen, und wir
haben dir geholfen; vertrieben, und wir haben dir Zuflucht
gewährt; arm, und wir haben mit dir geteilt.“ Zürnt ihr mir
im Herzen wegen weltlicher Güter, mit denen ich Menschen gewinne,
damit sie Muslime werden, während ich euch dem Islam anvertraue?
Seid ihr nicht zufrieden, dass jene mit Schafen und Kamelen davongehen,
während ihr mit dem Propheten nach Hause zurückkehrt? Bei
dem, in dessen Hand meine Seele liegt, wäre nicht die Hidjra [die
Auswanderung aus Mekka] gewesen, wäre ich einer von euch; und
würden alle Menschen einen Weg gehen und die Helfer einen anderen,
ich würde mit euch ziehen. O Gott, sei gnädig den Helfern,
ihren Kindern und Kindeskindern!“
236
Da weinten sie, bis ihnen die Tränen über die
Bärte rannen und sie sprachen: „Wir sind mit dem Gesandten Gottes
als Anteil zufrieden!“ Und der Prophet ging weg und sie zerstreuten
sich. Von Djirana begab sich der Prophet nach Mekka zur kleinen
Pilgerfahrt und kehrte dann am Ende des Monats Dhu l-Quada oder im
Monat Dhu l-Hidjja nach Medina zurück. Zu seinem Vertreter in
Mekka ernannte er den Attab ibn Asid. Bei ihm ließ er den Muadh
ibn Djabal, damit er die Mekkaner im Glauben unterweise und sie den
Koran lehrte.
Die Einwohner von Taif verharrten in ihrer Vielgötterei
und ihrer ablehnenden Haltung bis zum Monat Ramadan im folgenden Jahr,
dem Jahre 9 [631].
65. Der Zug nach Tabuk im Jahre 631 Top
Von Dhu l-Hidjja im Jahre 8 bis Radjab im Jahre 9 blieb der
Prophet in Medina. Dann befahl er, Vorbereitungen für den Zug
gegen die Byzantiner zu treffen.
Zuhri, Yazid ibn Ruman, Abdallah ibn
abi Bakr und Asim ibn Umar berichteten mir über den Zug nach
Tabuk, wobei sich ihre Schilderungen gegenseitig ergänzen:
Als der Prophet seinen Gefährten befahl, sich zum Zug
gegen die Byzantiner zu rüsten, befanden sich die Menschen gerade
in großer Not, die Hitze lastete schwer auf dem Land und es
herrschte eine Dürre. Die Früchte waren reif und die
Männer wollten lieber im Schatten bei ihren Früchten bleiben
und ihr Land in dieser Zeit nicht verlassen. Früher hatte der
Prophet fast immer nur in Andeutungen von dem Ziel seiner Feldzüge
gesprochen und meist ein anderes als das wirkliche Ziel genannt.
Diesmal aber sagte er es ihnen offen, denn der Weg war weit, die
zeitlichen Umstände schwierig und die Zahl der Feinde, gegen die
sie ziehen wollten, groß. So befahl er ihnen, sich entsprechend
zu rüsten, und erklärte ihnen, dass er gegen die Byzantiner
zu ziehen gedenke.
237
Während der Prophet seine Vorbereitungen traf, sagte er
eines Tages zu Djadd ibn Qais: „Djadd! Möchtest du dieses Jahr
denn nicht gegen die Bleichhäutigen35 kämpfen?“
35Eigentlich die „Söhne der Bleich- oder
(Gelb-)Häutigen, worunter die Byzantiner verstanden wurden.
Häufig wurden sie auch „die Roten“ genannt, im Gegensatz zu den
Arabern, die sich als braun oder schwarz bezeichneten.
„O Gesandter Gottes“ Würdest du mir gestatten
zurückzubleiben, und mich nicht in Versuchung führen?
Wahrlich, meine Leute wissen, dass es keinen Mann gibt, der so wie ich
den Reizen der Frauen verfallen ist, und ich habe Angst, dass ich mich
nicht beherrschen kann, wenn ich die Frauen der Bleichhäutigen
sehe.“
Der Prophet erlaubte ihm zurückzubleiben und wandte sich
von ihm ab. Über Djadd aber wurde der Koranvers offenbart: „Und
unter ihnen gibt es welche, die sagen: „Erlaube mir
zurückzubleiben und führe mich nicht in Versuchung!“ Sind sie
nicht bereits der Versuchung verfallen? Die Hölle wird dereinst
die Ungläubigen umfassen!“ (Sure 9,49), [d. h. Es war nicht die
Versuchung durch die byzantinischen Frauen, die er fürchtete; die
Versuchung, die er verfiel, war größer, nämlich hinter
dem Propheten zurückzubleiben und mehr an sich, als an ihn zu
denken. Und Gott sprach:] Hintendrein hat er die Hölle zu
erwarten!“ (Sure 14,16)
Einige Heuchler, die sich dem Heiligen Kampf entziehen
wollten, an der Wahrheit zweifelten und Verleumdungen über den
Propheten verbreiteten, forderten sich gegenseitig auf, in dieser Hitze
nicht fortzuziehen. Über sie sandte Gott den Koranvers herab: „Sie
sagen: „Rückt nicht in der Hitze aus!“ Sprich: Das Feuer der
Hölle ist heißer! Wenn sie doch Verstand annehmen
würden! Sie werden nur kurz zu lachen, aber lange zu weinen haben,
zum Lohn für das, was sie begingen.“ (Sure 9,81)
Der Prophet betrieb eifrig seine Reisevorbereitungen und
befahl den Muslimen, sich eilends zu rüsten. Die Reichen trieb er
an, für die Sache Gottes Geld und Reittiere bereitzustellen.
Einige brachten Reittiere und sicherten sich so ihren Lohn im Jenseits.
Die größte Geldsumme von allen spendete Uthman ibn Affan.
Als aber einige arme Muslime, die als die „Weiner“ bekannt wurden, zum
Propheten kamen und ihn um Reittiere baten, konnte er ihnen keine
geben. Da verließen sie ihn wieder, und ihre Augen flossen vor
Tränen über aus Trauer darüber, dass sie die notwendigen
Mittel nicht aufbringen konnten. Mir
238
wurde erzählt, dass Ibn Yamin zweien von ihnen begegnete
und sie fragte, weshalb sie weinten. Nachdem sie es ihm erklärt
hatten, schenkte er ihnen ein Kamel, das sonst zum Wasserschöpfen
verwendet wurde, als Reittier und versorgte sie mit getrockneten
Datteln. Beide zogen dann mit dem Propheten.
Als Muhammad durch das Gebiet von Hidjr kam, ließ er
lagern und die Männer holten sich Wasser aus dem Brunnen. Beim
Weggehen aber warnte er sie: „Trinkt keinen Tropfen von diesem Wasser
und verwendet es nicht für die Waschungen vor dem Gebet! Habt ihr
Brotteig damit gemacht, verfüttert ihn an die Kamele und esst
nicht davon! Und keiner soll sich in der Nacht allein und ohne
Begleitung entfernen!“
Die Muslime gehorchten seinem Befehl mit Ausnahme zweier
Männer von den Banu Saida. Der eine der beiden ging, um sein
Bedürfnis zu verrichten, der andere, um sein Kamel zu suchen. Der
erste erkrankte auf dem Weg an Diphterie und den zweiten packte der
Wind und schleuderte ihn auf einen der beiden Berge des Stammes Tayyi.
Als man dem Propheten davon erzählte, sprach er: „Habe ich euch
nicht verboten, euch ohne Begleiter zu entfernen!“ Dann betete er
für den einen, worauf dieser gesund wurde. Den anderen brachten
ihm später die Tayyi nach Medina. Am nächsten Morgen hatten
die Muslime kein Wasser und klagten dies dem Propheten. Da betete er,
worauf Gott eine Wolke sandte und es regnete, so dass die Muslime ihren
Durst stillen konnten und soviel Wasser mitnahmen, wie sie brauchten.
Asim überlieferte mir die
folgende Schilderung von Mahmud ibn Labid, der sie von einem seiner
Stammesgenossen gehört hatte:
Ein bekannter Heuchler unseres Stammes begleitete den
Propheten überall hin. Und als Gott damals in Hidjr auf die Gebete
des Propheten hin eine Regenwolke sandte und die Muslime ihren Durst
stillen konnten, fragten wir ihn: Wehe dir! Zweifelst du immer noch?“
„Es war nur eine zufällig vorüberziehende Wolke“, erwiderte
der Heuchler.
239
Nach der Ankunft des Propheten in Tabuk kam der Statthalter
von Aila, Yuhanna ibn Ruba, schloß mit ihm einen Friedensvertrag
und zahlte die Kopfsteuer36. Auch die Bewohner von Djarba
und Adhruh fanden sich ein und entrichteten ihre Abgaben. Der Prophet
schrieb eine Urkunde für sie, die sie noch heute besitzen.
36Der Begriff „Djizya36.1“ beinhaltet
hier wahrscheinlich nicht nur die Kopf-, sondern auch die Grundsteuer
(Kharadj). Diese Steuern mussten die unterworfenen Christen und Juden
(d. h. die Angehörigen einer „Buchreligion“), die sich nicht zum
Islam bekannten, entrichten und erhielten dadurch den Schutz der
Muslime. [In Europa ist dies unter dem strafbaren Tatbestand der
Schutzgelderpressung bekannt.]
36.1Djizya oder Dschizya ist die Bezeichnung
für die den nichtmuslimischen „Schutzbefohlenen“ (Dhimmis) unter
islamischer Herrschaft auferlegte Steuer.
[Zuerst
erzählt Ibn Ishaq uns die alberene Geschichte von der Regenwolke,
die plötzlich anfing zu regnen, weil Mohammed um Regen betete und
dann tut er so, als ob die christlichen Stämme, die sich von
Mohammeds Armee bedroht fühlten, fast schon aus Freundschaft und
Sympathie Mohammed und dem Islam gegenüber, bereit waren, die
„Kopfsteuer“ zu entrichten. Sie wurden dazu natürlich von Mohammed
gezwungen. Sehen wir uns einmal an, was Tilman Nagel über die
Eroberung von Tabuk auf Seite 439 schreibt:
„Mohammed
verbrachte die Zeit in Tabuk nicht müßig. Halid ibn al-Walid
entsandte er mit einer Streifschar nach Dumat al-Ghandal. Er sollte den
Kinditen Ukaidair ibn Abd al-Mailik, den dortigen christlichen
Fürsten zum Islam zwingen. Man bekam ihn zusammen mit einem Bruder
bei einem Ausritt zu fassen. Halid machte Ukaidir ein Angebot: Wenn er
Dumat al-Ghandal dem muslimischen Trupp öffne, werde man ihn am
Leben lassen. [Dumat al-Ghandal
(al-Dschandal) ist ein Gouvernement der arabischen Provinz Dschauf.]
Ukaidir fügte sich, doch die Verwandten in der
Festung des Ortes, wollten sich nicht ergeben, solange sie ihn in
Fesseln sahen. Die Befreiung von den Fesseln hatte Ukaidir teuer zu
erkaufen. Halid forderte 2.000 Kamele, 800 Sklaven, 400 Panzerhemden,
400 Lanzen. Ausserdem verpflichtete sich Ukaidir, zusammen mit seinem
Bruder zum Gesandten Allahs zu reisen, um sich dessen Urteilsspruch zu
unterwerfen. Nach Übernahme der Sklaven, Kamele und Waffen, brach
Halid mit den beiden Gefangenen nach Medina auf.
Elat36.2
beherrschte einen wichtigen Weg aus dem Hedschas nach as-Sam und hatte
auch als Hafen Bedeutung. Der Fürst dieses Ortes, ein christlicher
Araber namens Juhanna ibn Ruba, und seine Vornehmen waren bereits
vorher Adressaten eines Schreibens Mohammeds gewesen, dessen Inhalt uns
al-Waquidi ebenfalls überliefert: „(Noch) seid ihr in Frieden (mit
mir). Ich preise vor euch Allah, außer dem es keinen Gott gibt.
Denn ich würde nicht gegen euch kämpfen, bevor ich euch
schreibe. Nimm also den Islam an oder gib die Kopfsteuer! Und gehorche
Allah, seinem Gesandten und den Gesandten seines Gesandten...“]
36.2Elat,
auch Eilat, oder Elath, ist eine Stadt an der Südspitze Israels im
Süden der Wüste Negev. Die Stadt ist der einzige Zugang
Israels zum Roten Meer und damit zum Indischen Ozean. Die Länge
des israelischen Küstenabschnitts beträgt nur knapp 12
Kilometer. Im Hafen kann man bei guter Sicht Küsten von vier
Ländern sehen (Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien).
[Es
ist also wieder einmal das alte Lied. Krieg, Gewalt, Bedrohung und
Erpressung sind die Mittel die Mohammed anwendet, um seine Feinde
untertan zu machen.]
Für Yuhanna ließ er folgendes Dokument aufsetzen:
„Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, des Allgütigen! Dies ist
eine Sicherheitsurkunde von Gott und Muhammad, seinem Propheten und
Gesandten, für Yuhanna ibn Ruba und die Bewohner von Aila [heute
Elat], ihre Schiffe und Karawanen zu Wasser und zu Land. Sie, sowie
alle Syrer, Jemeniten und Seeleute, die sich bei ihnen aufhalten,
stehen unter dem Schutze Gottes und des Propheten Muhammad. Wer den
Vertrag bricht, indem er etwas Neues hinzufügt, den schützt
sein Besitz nicht. Er gehört dem, der ihn sich nimmt. Sie
dürfen nicht am Zugang zu einem Brunnen und weder zu Wasser und zu
Lande an der Benutzung eines Weges gehindert werden.“
Danach schickte der Prophet den Khalid ibn Walid zu Ukaidir
nach Duma. Ukaidir gehörte zum Stamm der Kinda, herrschte als
König über Duma und war Christ. Der Prophet sagte Khalid
voraus, er werde Ukaidir auf der Jagd nach wilden Kühen treffen.
Khalid machte sich auf den Weg, bis er in Sichtweite der Festung kam.
Es war eine mondhelle Sommernacht, und Ukaidir hielt sich mit seiner
Frau auf dem Dach auf. Die ganze Nacht über schabten die Kühe
mit den Hörnern am Tor der Festung und seine Frau fragte ihn:
„Hast du jemals schon so etwas gesehen?“ „Nein, bei Gott!“ „Wer
lässt sie dies tun?“ „Niemand!“
Er stieg vom Dach, ließ das Pferd satteln und ritt mit
einigen seiner Familienangehörigen, die ihre Wurfspeere
dabeihatten, hinaus. Außerhalb der Festung stieß die
muslimische Reiterschar auf sie, nahm sie gefangen und tötete
Ukaidirs Bruder. Ukaidir trug ein mit Gold bedecktes Brokatgewand.
Khalid nahm es ihm weg und schickte es dem Propheten, bevor er selbst
mit Ukaidir bei ihm ankam.
240
Asim berichtete mir, dass Anas ibn
Malik erzählte:
Ich sah das Gewand des Ukaidir, als er zum Propheten gebracht
wurde. Die Muslime betasteten und bestaunten es. Der Prophet aber
sprach: „Darüber staunt ihr?! Bei dem, in dessen Hand meine Seele
liegt, die Mundtücher des Sad ibn Muadh im Paradies sind wirklich
schöner!“ Dann brachte Khalid den Ukaidir selbst. Der Prophet
schenkte ihm das Leben, schloss einen Vertrag mit ihm auf Zahlung der
Kopfsteuer und ließ ihn in seinen Ort zurückkehren. Er blieb
nur etwa 10 Tage in Tabuk und zog dann nach Medina zurück.
66. Die Gesandtschaft der Thaqif und
ihre Bekehrung 631 Top
Der Prophet kam im Ramadan wieder in Medina an. Im gleichen
Monat fand sich die Gesandschaft der Thaqif bei ihm ein. Mit den Thaqif
war inzwischen folgendes geschehen: Nachdem der Prophet ihre Stadt Taif
verlassen hatte [nachdem es ihm nicht gelungen war, die Stadtmauer von
Taif zu überwinden], war ihm Urwa ibn Masud gefolgt, holte ihn
noch vor Medina ein, nahm den Islam an und bat ihn mit dem Islam zu
seinem Volk zurückkehren zu lassen. Der Prophet, der ihre stolze
und ablehnende Haltung kannte, warnte ihn damals: „Sie werden dich
töten!“ „O Gesandter Gotte!“ antwortete ihm Urwa, „ich bin ihnen
lieber als ihre Erstgeborenen.“
Er war in der Tat bei seinen Stammesgenossen beliebt und sie
hörten auf ihn. Er bat sie, den Islam anzunehmen, und hoffte, sie
würden ihn wegen seines Ansehens bei ihnen nicht widersprechen.
Nachdem er sie jedoch dazu aufgerufen und sich selbst offen zu seinem
Glauben bekannt hatte, schossen sie von allen Seiten mit Pfeilen auf
ihn, als er sich ihnen von seinem Zimmer aus ihnen zeigte. Einer der
Pfeile verletzte ihn tödlich.
241
„Was denkst du über deinen Tod?“ fragte man ihn, noch
bevor er starb, und er erwiderte: „Er ist eine Ehre, mit dem Gott mich
auszeichnet, und ein Martyrium, zu dem er mich führt. Ich bin
jenen Märtyrern gleich, die im Kampf auf seiten des Propheten
fielen, bevor er ihre Stadt verließ. Begrabt mich neben ihnen!“
Sie bestatteten ihn an deren Seite, und man behauptet, dass der Prophet
über ihn sagte: „Er ist in seinem Volke, was der Mann in der Sure
„Ya Sin“ für sein Volk war.“37
37Vergleiche Koran Sure 36
Nach Urwas Tod ließen die Thaqif einige Monate
verstreichen, bevor sie sich untereinander berieten und bemerkten, dass
sie nicht gegen alle sie umgebenden Stämme, die inzwischen dem
Propheten gehuldigt und den Islam angenommen hatten, Krieg führen
konnten. Sie beschlossen deshalb, einen Mann zum Propheten zu schicken,
wie sie vorher auch den Urwa gesandt hatten. Sie sprachen mit Abdjalil,
einem Altersgenossen des Urwa und unterbreiteten ihm den Vorschlag. Er
aber lehnte ab, da er fürchtete, man werde bei seiner
Rückkehr mit ihm ebenso wie mit Urwa verfahren und sprach: „Ich
tue es nur, wenn ihr noch einige andere Männer mit mir schickt.“
So kamen sie überein, ihn von 5 Männern begleiten
zu lassen. Er nahm sie nur mit, weil er fürchtete, er würde
sonst das gleiche Schicksal wie Urwa erleiden und damit sie bei der
Rückkehr nach Taif ihre jeweiligen Stammesgruppen von ihm
ablenkten.
Als sie in der Nähe von Medina bei Qanat halt machten,
trafen sie dort Mughira ibn Shuba, der gerade die Kamele der
Prophetengefährten weidete, eine Aufgabe, die die Gefährten
abwechselnd übernahmen. Sobald er die Thaqafiten erblickte,
ließ er die Kamele bei ihnen und rannte eilends zum Propheten, um
ihm die frohe Botschaft von ihrer Ankunft zu verkünden. Unterwegs
begegnete ihm Abu Bakr, und er erzählte ihm, dass thaqafitische
Reiter gekommen seien, um dem Propheten zu huldigen und den Islam
anzunehmen. Sie verlangten nur, dass der Prophet ihnen einige
Bedingungen einräume und sie von ihm eine Urkunde erhielten, in
der ihr Stamm, ihr Land und ihr Besitz
242
gesichert werden. Da bat ihn Abu Bakr, er möge ihn
zuerst zum Propheten gehen und mit ihm sprechen lassen. Während
Abu Bakr dem Propheten die Nachricht brachte, kehrte Mughira zu den
Thaqafiten zurück. Er lehrte sie, wie sie den Propheten zu
grüßen hätten, denn sie pflegten noch die heidnische
Begrüßungsform. Bei ihrer Ankunft in Medina wurde ihnen
dann, so wird behauptet, neben der Moschee ein Zelt errichtet. Khalib
ibn Said vermittelte zwischen ihnen und dem Propheten, bis sie ihre
Urkunde erhielten, und Khalid war es auch, der das Dokument schrieb.
Die Thaqafiten weigerten sich, etwas von dem Essen zu
verzehren, das man ihnen vom Propheten brachte, bevor nicht Khalid
davon gekostet hatte, bis sie den Islam annahmen und die Urkunde
ausgestellt war. Eine der Bitten, die sie an den Propheten richteten,
war, er möge ihnen die Statue der Göttin Lat noch 3 Jahre
unzerstört lassen. Der Prophet wies ihr Ansinnen zurück, und
auch als sie ihn wenigstens um ein oder zwei Jahre Aufschub und
schließlich sogar nur um einen Monat baten, lehnte er ab, eine
bestimmte Frist zu gewähren. Sie wollten mit der Verschonung der
Göttin, wie sie offen zugaben, nur erreichen, dass sie vor ihren
törichten Stammesgenossen, ihren Frauen und Kindern, sicher
wären.
Auch wollten sie ihr Volk durch die Zerstörung der
Götzen nicht in Angst versetzen, bevor es sich zum Islam bekehrt
hatte. Der Prophet aber gestand ihnen lediglich zu, Abu Sufyan und
Mughira mit ihnen nach Taif zu schicken, damit sie das Götzenbild
zerstörten. Weiterhin baten die Thaqafiten den Propheten, er
möge sie von der Pflicht zum Gebet befreien und nicht von ihnen
verlangen, dass sie ihre Götzenbilder mit eigenen Händen
zerstören müssten. Letzteres gestand ihnen der Prophet zu.
Über das Gebet aber sprach er: „Es ist nichts Gutes an einer
Religion, in der es kein Gebet gibt!“
„O Muhammad!“ antworteten sie, so werden wir die Gebete denn
verrichten, auch wenn es eine Erniedrigung für uns ist.“ Als sie
sich dann auf den Rückweg nach Taif machetn, schickte der Prophet
den Abu Sufyan und den Mughira mit ihnen, damit sie den Götzen
vernichteten. In der Nähe der Stadt wollte Mughira den Abu Sufyan
vorausgehen lassen, doch lehnte dieser ab und sprach:
243
„Geh du zu deinem Volk!“ Abu Sufyan blieb auf seinem Landgut
in Dhu l-Hadm. Mughira aber ging in die Stadt, begab sich hinauf zu der
Göttin und schlug mit einer Spitzhacke auf das Götzenbild
ein. Seine Sippe, die Banu Muattib, stand schützend vor ihm, da
sie fürchtete, man werde auf ihn schießen oder ihn wie Urwa
töten. Die Frauen der Thaqif kamen barhäuptig [mit
unbedecktem Kopf] einher, weinten um die Göttin und klagten:
Weint um sie, die Schutz gewährt!
Statt zu kämpfen mit dem Schwert,
haben feige sie entehrt.
[Warum erinnert mich diese Szene wieder an die
Zerstörung der größten stehenden Buddhastatue der Welt
in Bamiyan/Afghanistan durch die Taliban im März 2001? An der
Intoleranz des Islam hat sich seit 1.400 Jahren nichts geändert.
Man kann den Frauen nur zustimmen. Überall dort, wo der Islam sich
ausbreitet, wird die Toleranz, die Menschlichkeit und die
Religionsfreiheit mit Füßen getreten.
Wie brüchig Mohammeds Macht in Wirklichkeit war, lesen
wir bei Tilman Nagel auf Seite 452: „Das Wohlverhalten vieler
Stammesführer gegenbüber Mohammed war gekauft. Ganz richtig
hatte er erkannt, dass nur der Schrecken, den er und seine
Helfershelfer verbreiteten, ihm die Herrschaft in Medina sicherte, und
damit dieser Schrecken sich nicht verflüchtete, musste man
immerfort kriegerische Unternehmungen ins Werk setzen und dabei gerade
jenen die Gelegenheit geben, sich auszuzeichnen, die bis in die Zeit
nach al-Hudaibiya gegen ihn gearbeitet hatten. Bei all dem Ruhm, in dem
er sicht angesichts einer nicht abreißenden Kette von
Gesandschaften nach Medina sonnen durfte, bei aller Anerkennung, die
ihm als den mächtigstem Mann Arabiens zuteil wurden, entging ihm
nicht, dass seine Herrschaft höchst brüchig war.
Die Brüchigkeit von Mohammeds Macht kam nach Mohammeds
Tod erst richtig zum Ausdruck. Etliche Stämme erhoben sich gegen
die von Mohammed geforderten Steuern. Hierzu schreibt Tilman Nagel auf Seite
183: „Die Nachricht vom Leiden Mohammeds (der 632 schwer erkrankte)
verbreitete sich wie im Flug und so rebellierten al-Aswad im Jemen und
Musailima im Jamama, ...und dann auch Tailaha im Gebiet der Banu Asad,
nachdem Mohammed sich wieder erholt hatte. Darauf aber im Muharram (des
Jahres 11) (begann am 29. März 632), befielen ihn die Schmerzen,
in denen Allah ihn zu sich nahm. In der Überlieferung, die
at-Tabari anführt, wagen sich die „Gegenpropheten“ erst aus der
Deckung, als Mohammed vom Tod gezeichnet ist. At-Tabari begründet
die Rebellion mit der Weigerung der Stämme, die sich zum Islam
bekehrt hatten, die vom Propheten geforderten Steuern abzuführen.
Mohammeds medinensisches Herrschaftsgebilde
war mithin nicht das einzige seiner Art auf der Arabischen Halbinsel,
denn auch Talha und al-Aswad wirkten über ihren jeweiligen Stamm
hinaus, indem sie sich des Prophetentums bedienten. Der
gefährlichste Rivale des Quraishiten [Mohammed] erhob sich jedoch
im Osten. Es war Musailima von den Banu Hanifa, der in den islamischen
Quellen fast durchgängig als „Lügenbold“ bezeichnet wird.“
(Aber auch diese Rebellionen wurden von den Nachfolgern Mohammeds
blutig niedergschlagen. Musailima fiel im Jahre 632 bei
der Schlacht von Yamama gegen den Heerführer der Muslime Chalid
ibn al-Walid.)]
67. Das Jahr 9. Das Jahr der
Gesandschaften Top
Da ich das Dokument nicht größer als 1 MB machen
möchte, habe ich mich entschlossen die Kapitel 67 bis 70 der
Prophetenbiographie nicht mit in dieses Dokument aufzunehmen. Kapitel
67 handelt davon, dass viele Araber erkannten, dass sie nicht die Macht
besaßen, Mohammed zu besiegen. Deshalb kamen sie 631 nach der
Huldigung der Thaqif von überall her nach Medina und nahmen des
Islam an.
244
68. Die Banu Harith nehmen durch
Khalid ibn Walid den Islam an Top
Im Monat Rabi II. oder Djumada I. bekehrten sich auch die
Banu Harith zum Islam. Davon handelt Kapitel 68.
245 – 247
69. Die beiden Lügenpropheten
Musailima und Aswad Top
Kapitel 69 handelt von den beiden „Lügenpropheten“
Musailima und Aswad, von denen bereits berichtet wurde.
248
70. Die Abschiedswallfahrt 632 Top
Am 25. Dhu l-Qada 632 unternahm Mohammed seine letzte
Wallfahrt nach Mekka, bevor er erkrankte. Davon handelt Kapitel 70.
249 - 250
71. Die Krankheit des Propheten Top
Die Krankheit des Propheten, an der Gott ihn sterben lassen
und zu seiner Ehre und Gnade erheben wollte, begann in den letzten
Tagen des Monats Safar oder zu Beginn des Monats Rabi I. Es fing damit
an, dass er, wie mir berichtet wurde, mitten in der Nacht zum Friedhof
Baqi al-Gharqad hinausging, dort um Vergebung für die Toten bat
und dann zu seiner Familie zurückkehrte. Am Morgen begann dann
sein Leiden.
251
Durch die Überliefererkette:
Abdallah ibn Umar von Ubaid ibn Djubair, einem Freigelassenem des
Hakam, von Abdallah ibn Amr habe ich erfahren, dass der Freigelassene
des Propheten Abu Muwaihiba folgendes erzählte:
Mitten in der Nacht ließ der Prophet mich zu sich
kommen und sagte: „Mir wurde befohlen, für die Toten auf dem
Baqi-Friedhof um Vergebung zu bitten. So komme mit mir!“ Ich ging mit
ihm und als er mitten zwischen den Gräbern stand, sprach er:
„Friede sei über euch, o ihr Volk der Gräber! Freut euch,
dass ihr nicht mehr seid, wo die Lebenden sind! Wie Fetzen der
finsteren Nacht nahen die Versuchungen41, eine nach der
anderen, die letzte schlimmer als die erste.“ Und zu mir gewandt fuhr
er fort: „Mir wurden die Schlüssel zu den Schätzen dieser
Welt und der Aufstieg ins Paradies nach einem langen Leben hier
angeboten, und ich wurde vor die Wahl gestellt, mich dafür oder
für die Begegnung mit meinem Herrn und den Eintritt ins Paradies
schon jetzt zu entscheiden.“
41„Versuchungen“ ist der ursprüngliche Sinn
des Wortes „fitan“. Es erhielt aber bald die Bedeutung
„Bürgerkriege“, „Spaltungen der Gemeinde“, was vielleicht auch
schon hier intendiert (beabsichtigt) ist.
„Ich flehe dich an, nimm die Schlüssel für die
Schätze dieser Welt, ein langes Leben darin und den Eintritt ins
Paradies!“ bat ich ihn, doch er sprach: „Nein, bei Gott, Abu Muwaihiba!
Ich habe mich entschieden, schon jetzt meinem Herrn zu begegnen und ins
Paradies einzugehen.“
Dann bat er für die Toten um Vergebung und nachdem er
den Friedhof verlassen hatte, begann sein Leiden, durch das Gott ihn zu
sich nahm.
Yayub ibn Utba berichtete mir von
Zuhri, dass ihm Ubaidallah ibn Abdallah die folgende Schilderung der
Frau des Propheten, Aisha, überliefert hat:
Als der Prophet vom Friedhof zurückkehrte, fand er mich,
wie ich über Kopfschmerzen klagte. „Nein, bei Gott, Aisha, mein
Kopf schmerzt!“ sagte daraufhin der Prophet und fuhr fort: „Würde
es dich nicht schmerzen, wenn du vor mir sterben würdest und ich
dich in das Leichen-
252
tuch hülle, das Totengebet über dich spreche und
dich begrabe?“ „Wahrlich, mir ist, als sähe ich dich vor mir, wie
du nach meinem Begräbnis nach Hause zurückkehrst und hier mit
einer deiner Frauen die Hochzeitsnacht verbringst42!“
42Ein nettes Beispiel für die
sprichwörtliche Eifersucht der Aisha.
Der Prophet lächelte. Als er dann seine Frauen
aufsuchte, wurden die Schmerzen immer schlimmer, bis sie ihn im Hause
Maimumas übermannten. [Maimuma war Mohammeds 9. Frau. Laut wikepwdia.org
soll Mohammed mit 10 Frauen* verheiratet gewesen sein.] Er rief seine
Frauen zusammen und bat sie um ihr Einverständnis, dass er in
meinem Hause gepflegt werde und sie stimmten zu. Mit verbundenem Kopf
und gestützt auf zwei Männer seiner Familie kam er
schleppenden Schrittes zu mir. Als die Krankheit und die Schmerzen
immer schlimmer wurden, sprach er: „Schüttet sieben Schläuche
mit Wasser aus verschiedenen Brunnen über mich, auf dass ich zu
den Menschen hingehen kann und ihnen meinen Auftrag gebe!“ Wir
ließen ihn sich in einem Waschzuber der Tochter Umars, Hafsa,
setzen und gossen das Wasser über ihn, bis er zu rufen begann:
„Genug! Genug!“
*[siehe
auch Tilman Nagel Seite
104: „Prophet! Wir erlauben dir (den Geschlechtsverkehr mit)
deinen Ehefrauen, denen du ihren Lohn (ihre Mitgift) gegeben hast,
sowie mit deinen Sklavinnen, die Allah dir als Beute zuschlug, ferner
mit den Töchtern deiner Onkel und Tanten in väterlicher und
mütterlicher Linie, die mit dir die Hedschra (die Auswanderung)
vollzogen haben, ferner mit jeder gläubigen Frau, sofern sich
diese dem Propheten schenkt und dieser sie zum Beischlaf begehrt.“
(Sure 33,50) Durch die Heirat unter nahen Verwandten (Inzucht) kommt es
unter
den muslimischen Kindern immer wieder zu schweren geistigen und
körperlichen Behinderungen. In Europa dürfen
Verwandte in gerader Linie aus medizinischen Gründen nicht
untereinander heiraten - zu groß ist das Risiko von
Mißbildungen und schweren psychischen Störungen. Im
islamischen Kulturkreis ist die Heirat unter nahen Verwandten, zur
Stärkung der Familienbande, nicht nur akzeptiert, sondern oftmals
sogar erwünscht.
In
Großbritannien
hat Umweltminister Phil Woolas mit ungewohnt offenen Worten die vor
allem unter den aus Pakistan stammenden britischen Moslems
verbreitete Verwandtenhochzeit aufgegriffen und auf die daraus
resultierenden genetischen Schäden hingewiesen. Während
pakistanischstämmige Briten nur 3 Prozent der Neugeborenen
stellten, seien sie für ein Drittel aller genetisch bedingten
Mißbildungen bei Neugeborenen in Großbritannien
verantwortlich. Woolas wurde bei seinen Aussagen von der
Labour-Abgeordneten Ann Cryers unterstützt, die sogar von
„Inzucht“ sprach. Woolers sagte, das Thema dürfe nicht
länger tabuisiert werden (Quelle: Times
10. Februar 2008).]
Zuhri berichtete mir von Ayyub ibn
Bashir folgendes:
Der Prophet kam mit verbundenem Kopf und bestieg die Kanzel.
Zuerst betete er lange über die bei Uhud Gefallenen und bat um
Vergebung für sie. Dann sprach er: „Gott hat einen seiner Diener
vor die Wahl zwischen dieser Welt und einem Leben bei ihm gestellt, und
der Diener wählte letzteres.“ Abu Bakr verstand die Worte und
erkannte, dass der Prophet sich selbst meinte. Er weinte und rief:
„Nein! Wir flehen dich an!“ „Langsam, Abu Bakr!“ erwiderte Muhammad und
fuhr fort: „Seht diese Türen, die zur Moschee hin offen stehen.
Nur die Tür des Hauses von Abu Bakr lasst geöffnet, denn ich
kenne keinen unter meinen Gefährten, der mir ein besserer Beistand
wäre!“
Zuhri berichtete mir von Hamza ibn
Abdallah, dass Aisha erzählte:
Als der Prophet schwer erkrankte, sprach er: „Lasst Abu Bakr
die Gebete leiten!“
253
„O Gesandter Gottes!“ wandte ich ein, „mein Vater Abu Bakr ist
ein zarter Mann mit einer schwachen Stimme, und wenn er den Koran
liest, weint er oft.“ „Lasst Abu Bakr die Gebete leiten!“ befahl er
nochmals, und als ich denselben Einwand erhob, sprach er: „Ihr seid wie
die Gefährten Josephs43!“ Sagt Abu Bakr, er soll den
Leuten vorbeten!“ Ich hatte diese Bedenken nur geäußert,
weil ich wollte, dass mein Vater von dieser Aufgabe verschont bliebe,
und weil ich wusste, dass die Menschen nie einen Mann lieben werden,
der den Platz des Propheten einnimmt, und dass sie ihn für alles
Unheil, das geschieht, verantwortlich machen werden.
43Gemeint sind gewiss die Brüder Josefs,
vergleiche Koran, Sure 12
Ibn Shibab sprach: Abdalmalik ibn abi
Bakr ibn Abdarrahman berichtete mir von seinem Vater, der sich auf die
Worte des Abdallah ibn Zamaa stützte, folgendes:
Während ich mich einmal mit einigen anderen Muslimen
beim Propheten befand, in den Tagen, als es ihm immer schlechter ging,
rief gerade Bilal zum Gebet. Da sprach der Prophet: „Lasst jemanden den
Gläubigen vorbeten!“ Ich trat hinaus und fand Umar bei den Leuten.
Abu Bakr war nicht anwesend. Da forderte ich Umar auf, das Gebet zu
leiten und er tat es. Sobald aber der Prophet Umars kräftige
Stimme „Allahu akbar“ rufen hörte, sagte er: „Wo ist Abu Bakr?
Dies wollen Gott und die Muslime nicht! Dies wollen Gott und die
Muslime nicht!“
Daraufhin wurde Abu Bakr gerufen und er betete mit den
Gläubigen weiter, nachdem Umar sein Gebet beendet hatte. Mir aber
hielt Umar vor: „Wehe dir! Was hast du mir angetan, Ibn Zamaa? Bei
Gott, als du mich auffordertest, das Gebet zu leiten, dachte ich, der
Prophet hätte dich mit diesem Befehl geschickt. Ich hätte
sonst nicht vorgebetet.“ „Nein, der Prophet hatte mir dies nicht
aufgetragen“, antwortete ich, „aber als ich Abu Bakr nicht sah, dachte
ich, dass du unter den Anwesenden am meisten Anrecht darauf hast, das
Gebet zu leiten.“
Muhammad ibn Ibrahim
überlieferte mir von Qasim ibn Muhammad folgendes:
254
Der Prophet sprach, als er Umar beim Gebet
„Allahu abbar“ rufen hörte: „Wo ist Abu Bakr? Jenen wollen Gott
und die Muslime nicht. Die Muslime hätten nie daran gezweifelt,
dass der Prophet mit diesen Worten Abu Bakr zu seinem Nachfolger
ernannt hat, wenn nicht Umar später bei seinem eigenen Tod gesagt
hätte: „Wenn ich einen Nachfolger ernenne, so hat dies vor mir
schon jemand getan, der besser war als ich. Und wenn ich es ihnen
überlasse, einen Nachfolger für mich zu wählen, so hat
dies auch schon jemand getan, der besser war als ich.“ Aus
diesen Worten erkannten die Muslime, dass der Gesandte Gottes keinen
Nachfolger bestimmt hatte44.
44Abdallah Abu Bakr,
der Schwiegervater Mohammeds (Tochter: Aisha bint Abi Bakr), wurde in
der Zeit von 632 bis 634 der erste Nachfolger Mohammeds, der erste der
vier „rechtgeleiteten“ Kalife. (Kalif bedeutet: der Nachfolger des
Gesandten Gottes) Die erste Aufgabe Abu Bakrs bestand in der
Bekämpfung der aufständischen und vom Islam abgefallenen
Araberstämme, die die Zakat-Zahlungen einstellten. Die Zakat bzw.
Zakah ist im Islam eine Verpflichtung, die auf den Koran (Sure
9,60) zurückgeht. Dabei wird Muslimen vorgeschrieben, einen
bestimmten Anteil ihres Besitzes Armen und Bedürftigen sowie
anderen festgelegten sozialen Gruppen zur Verfügung zu stellen.
Die Zakat wird aber nur an Muslime verteilt. Umar ibn
al-Chattab, ebenfalls ein Schwiegervater Mohammeds (Tochter:
Hafsa), wurde in der Zeit von 634 bis 644 der zweite Nachfolger
Mohammeds, der zweite „rechtgeleitete“ Kalif. Umar eroberte
Palästina, Ägypten, Syrien, Irak und Iran. Umar ibn
al-Chattab soll die Steinigung von untreuen Ehemännern und
Ehefrauen eingeführt haben. Umar wurde 644 von einem persischen
Sklaven namens Abu Lulu in Medina ermordet. Abu Bakr wurde neben dem
Propheten Mohammed beerdigt. Beide Gräber und das Grab des zweiten
Kalifen Umar ibn al-Chattab (Khattab) sind heute in der Hauptmoschee
von Medina, der Prophetenmoschee, integriert.
Abu Bakr ibn Abdallah ibn abi Mulaika berichtete mir
fogendes:
Am
Montag verließ der Prophet mit verbundenem Kopf sein Gemach und
begab sich zum Morgengebet. Abu Bakr betete bereits den Gläubigen
vor. Als der Prophet erschien, wurden sie unruhig, und Abu Bakr merkte
daran, dass der Prophet gekommen war. Daraufhin trat er von seinem
Platz zurück. Doch der Prophet stieß ihn in den Rücken
und forderte ihn auf, weiter vorzubeten. Er selbst ließ sich
rechts neben Abu Bakr nieder und verrichtete das Gebet im Sitzen. Nach
dem Gebet wandte er sich den Gläubigen zu und sprach zu ihnen mit
so lauter Stimme, dass sie durch die Tür der Moschee nach
draußen drang: „O ihr Menschen! Das Feuer ist entfacht und die
Versuchungen nahen wie Fetzen dunkler Nacht. Bei Gott, ihr könnt
mir nichts zur Last legen. Ich habe euch nur erlaubt, was der Koran
erlaubt, und ich habe euch nur verboten, was der Koran verbietet.“
Yaqub ibn Utba überlieferte mir von Zuhri, der
sich auf Urwa beruft, die folgenden Worte Aishas:
In
jenen Tagen kam der Prophet von der Mosche zurück und legte das
Haupt in meinen Schoß. Da trat ein Mann aus der Familie Abu Bakrs
ein. In der Hand trug er ein grünes Zahnputzholz, und als ich den
Blicken des Propheten entnahm, dass er das Holz gerne gehabt
hätte, fragte ich ihn:
255
„Möchtest
du das Zahnputzholz?“ Er bejahte. Ich nahm das Hölzchen, kaute es
für ihn weich und gab es ihm. Er rieb sich damit so gründlich
die Zähne, wie ich es noch nie bei ihm gesehen hatte und legte es
beiseite. Dann bemerkte ich, wie mir sein Kopf auf meinem Schoße
schwer wurde. Und als ich ihm darauf ins Antlitz sah, waren seine Augen
starr. Er sprach: „Ja! Der erhabenste Gefährte ist der im
Paradies!“ „Bei dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat! Du wurdest
vor die Wahl gestellt und hast gewählt!“ antwortete ich, und der
Gesandte verschied.
Yahya ibn Abbad ibn Abdallah erzählte mir von
seinem Vater Abbad, dass dieser Aisha hätte sagen hören:
Der
Propet hatte den Kopf an meiner Brust liegen, als er starb. Es war zu
einer Zeit, als ich an der Reihe war, und ich war seinetwegen zu
niemandem ungerecht. Es geschah durch meine Unerfahrenheit und mein
jugendliches Alter, dass er in meinen Armen verschied. Ich legte dann
sein Haupt auf ein Kissen, stand auf, und schlug mir, zusammen mit den
anderen Frauen, auf Brust und Gesicht.
Zuhri überlieferte mir von Said ibn Musayyab den
folgenden Bericht über Abu Huraira:
Nachdem
der Prophet verstorben war, erhob sich Umar und sprach zu den Muslimen:
„Einige Heuchler werden behaupten, der Prophet sei gestorben. Nein! Der
Gesandte Gottes ist nicht gestorben, sondern er ist zu seinem Herrn
gegangen, sowie Moses, der 40 Nächte von seinem Volk fernblieb und
dann zu ihm zurückkehrte, nachdem behauptet worden war, er sei
gestorben. Bei Gott, der Prophet wird zurückkehren, wie Moses
zurückgekehrt ist, und wird denjenigen Händen und
Füßen abschlagen, die behauptet haben, er sei gestorben.“
[Wenn
man solche Äußerungen liest, kann man nur noch mit dem Kopf
schütteln und man wendet sich entsetzt und angewidert von dieser
brutalen Religion ab.]
Als
Abu Bakr davon hörte, begab er sich zum Tor der Moschee,
während Umar zu den Leuten sprach. Er achtete auf nichts, sondern
ging in das Zimmer der Aisha, wo der Prophet mit einem Mantel aus
jemenitischem Stoff bedeckt lag. Er trat hinzu, deckte das Gesicht des
Propheten auf, küsste es und sprach:
256
„Du,
der du mir teurer bist als Vater und Mutter, hast den Tod gekostet, den
Gott dir beschieden hat, und ein zweiter Tod wird dich nicht mehr
treffen.“ Er legte ihm den Mantel wieder über das Gesicht, trat
hinaus, wo Umar zu den Menschen sprach, und forderte ihn auf zu
schweigen. Dieser weigerte sich aber und redete weiter. Da wandte sich
Abu Bakr selber an die Gläubigen, und als sie seine Worte
vernahmen, ließen sie Umar stehen und kamen zu ihm. Abu Bakr
lobte und pries Gott und sprach: „O ihr Menschen! Wenn jemand Muhammad
anbetet, Muhammad ist tot! Wenn jemand Gott anbetet, Gott lebt und wird
nie sterben!“
Dann
trug er den Koranvers vor: „Muhammad ist nur ein Gesandter. Vor ihm hat
es schon Gesandte gegeben. Werdet ihr euch denn zurückwenden (von
ihm abwenden), wenn
er stirbt oder getötet wird? Wer sich zurückwendet, wird Gott
keinen Schaden zufügen.. Aber Gott wird es denen vergelten, die
dankbar sind.“ (Sure 3,144)
Bei
Gott, es war, als hätten die Muslime nichts von der Offenbarung
dieses Verses gewusst, bevor ihn Abu Bakr damals vortrug. Sie
übernahmen ihn und führten ihn ständig im Munde. Umar
aber erzählte später: „Bei Gott, kaum hatte ich Abu Bakr den
Vers vortragen hören, war ich so erschüttert, dass mich meine
Füße nicht mehr trugen und ich zu Boden stürzte: Ich
wusste jetzt, der Prophet war wirklich gestorben!“
72. Die Beisetzung des Propheten Top
[Am
Leichnam des Propheten sah man nicht die Merkmale, wie sie an
gewöhnlichen Toten erscheinen. Mohammed wurde dort begraben, wo er
gestorben war. Man wusch Mohammed, schob das Bett beiseite, auf dem er
gestorben war (im Hause von Aisha) und grub darunter sein Grab.
Mohammed wurde im Alter von 61 Jahren am Dienstag den 8. Juni 632 in
Medina bestattet.]
Die
Muslime waren vom Tod des Propheten schwer getroffen. Und Aisha, so
habe ich gehört, pflegte zu sagen: „Nach des Propheten Tod wurden
die Araber abtrünnig. Christen und Judentum erhoben ihr Haupt, die
Heuchelei wurde offenkundig, und die Muslime glichen, da sie den
Propheten verloren hatten, einer im Regen einer kalten Winternacht
herumirrenden Schafherde, bis Gott sie unter Abu Bakr wieder sammelte.“
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